Ausgabe 
14.4.1925
 
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ständen ein Robinett zu bilden, das nur von vor- übergeljenber Dauer sein würde. Meine Haupv- sovgs bildet die Finanz frage und die Be­ziehungen des Staats zur Banque de France. Ich bin der Ansicht, daß die gesetz­lichen Mahnahmen zur Regelung des Geld­umlaufs ausschliehlich dem gegenwärtig mit der Erledigung der laufenden Geschäfte betrauten Ka­binett zufÄlen. Sie können schon jetzt ankündigeit, daß alle Nachrichten, !die über die Zusa m m en - s e h u n g des künftigen Ministeriums in der Presse veröffentlicht wurden, unrichtig sind. Richt ein einziges Portefeuille ist vergeben worden, nicht einmal das des Mi­nisterpräsidenten.

Die Sozialisten zur Kabinettsbildung.

Paris, 14. April. (Sil.) Die radikalsozia- li(tische Gruppe hat gestern nachmittag eine lange Sitzung Abgehalten, an der auch die Senats- r e n der Gruppe teilnahmen. Zunächst wurde be­schlossen, daß kein Mitglied der Partei ohne ausdrückliche Genehmigung des P arteiausschusses einem Kabinett beitreten dürfe. Senator Sarrout erklärte auf das Gerücht, wonach er eventuell mit der Kabinettsbildung betraut werde, nicht in der Lage zu sein, einem Rufe des Präsidenten der Republik zu folgen. SchlieUich wurde zu der Frage der Mitwirkung der Partei an einem KabinettDriand Stellung genommen. Rach einem lebhaften Meinungsaustausch wurde be­schlossen, sich einer Entscheidung zu enthalten. Die gemäßigten Mitglieder der Partei sind jedoch für eine Zusammenarbeit mit dem Kabinett Briand. Am späten Rachmittag trat der Aus­schuß der sozialistischen Gimppe mit dem Vorstand der Radikalen zu einer Besprechung zusammen, wobei die Aotwendigkeit einer Verständi- gung über die Finanzpläne festgestellt wurde. Die Besprechung wird, da keinerlei Be­schlüsse gefaßt werden konnten, heute wieder aus­genommen werden. Führende Persönlichkeiten der sozialistischen Partei haben gestern mitgeteilt, daß der sozialistische Rationalrat heute sich mit überwiegender Mehrheit gegen eine Be­teiligung der Sozialisten an den Re- gierunasgeschästen ausfprechen werde. So läßt vor allem Leon Blum, der anerkannte Führer der Sozialisten, keinen Zweifel daran, daß er persönlich jeder aktiven Mitwirkung der sozia­listischen Gruppe abgeneigt ist. Blum erklärte, daß, wenn die sozialistische Partei sich zu einer Zusammenarbeit mit einer Regierung entschlössen, es sicherlich nicht die von Briand sein werde. Es sei am besten, wenn sie bald wieder st ür z e. Richt ausgeschlossen ist, jedoch daß sich innerhalb der Sozialisten eine Scheidung voll­zieht. Die Ablehnung des Eintritts ist noch keine feststehende Tatsache. Von Bedeutung ist jedoch die Haltung der Confedevation de travail (Allg. Gewerkschaftsbund), die im vergangenen Januar die Tkebernahme mindestens eines Minister- vortefeuilles durch die Sozialisten be­fürwortete.

Mussolini zur Sicherheits- frage.

London, 13. April. (WB.) Der diplo­matische Berichterstatter desDaily Telegraph" erklärt in einem Bericht über Aeuherungen, die L. Mussolini neuerdings im Laufe von Besprechun- ^gen getan haben soll, Mussolini sehe in der 5'Kandidatur Hindenburgs ein neues Beispiel für seine Lieblingstheorie, dah die De- : mokratie infolge ihres Mangels an Disziplin und Energie heutzutage nicht geeignet zur Füh­rung der Staatsgeschäfte sei. Auf die Klagen alliierter Kritiker- über den neuen Ruck nach rechts in Deutschland habe der italienische Pre­mierminister erwidert, wenn ein solcher erfolge, seien sie infolge ihrer Weigerung oder ihres Zögerns, mit Berlin zu einem vernünftigen Abkommen Lu gelangen, selbst verant­wortlich für die Schwierigketten, die sie da­von befürchteteten. Der Berichterstatter bemerkt, es verlaute, dah Mussolini in den letzten Wochen zettweilig ziemlich ungeduldig gewesen sei über die Art, in der die Kölner Frage und die 'Behandlungen über die Sicherheit in die Länge gezogen worden seien. Seiner Ansicht nach hätte über den Bericht der Konttollkommission und über das Räumungsdatum bereits eine Ent­scheidung getroffen werden müssen. Der Bericht­erstatter fügt hinzu, Rom sei völlig mit der ursprünglichen britischen Haltung einverstanden unr> bereit gewesen, auf eine schnelle Lö­sung hinzuarbeiten.

Das Foch-Gulachten der Botschafterkonserenz zugestellt.

Paris, 13. April. (Sil.) Das interalliierte Militärkvmitee zu Versailles trat am Freitag­nachmittag unter Vorsitz des Marschalls Foch zu­sammen, um den endgültigen Wortlaut der A n t - wort aus den Fragebogen der Botschafter­konferenz festzulegen. Die Antwort, die die d e u t- schen Verfehl ungen gegen die Abrüstungs- naufdn des Versailler Vertrages nach ihrer WichtiFeit in bestimmter Reihenfolge aufzählt, wurde am Samstag dem Sekretariat der Botschafterkonferenz zugestellt. Eine Sitzung der Botschafterkonferenz wird jedoch vor­läufig nicht stattfinden, solange die Regierungs- krise nicht gelöst ist.

Deutschland auf der Mailander Messe. Mailand, 12. April. Die Eröffnung der Mailänder Internationalen Mustermesse erfolgte heute durch den Wirtschastsminister Nava in Ge­genwart des Herzogs von Bergamo als Verlre- ter des Königs. Deutscherseits nahmen als offizielle Vertreter teil Ministerialdirektor Ritter vom Aus- wättigen Amt, Botschaftsrat von Priitwitz von der Deutschen Botschaft n Rom, Legationsrat 2r. Schwarz als Rechskommissar für die Mailänder der deutschen Botschaft in Rom, Legationsrat Dr. Schmitt. Rach einer Eröffnungsansprache des Bürger Meisters Mangiagalli-Mailand hielt '01 i. nister Nova eine großangelegte wirtschaftspoli­tische Rede, in der er auf den völkeroersöhiienbsn Einfluß der internationalen Mustermesse.! hinwies und daran erinnerte, daß wie die Beteiligung .V licns auch die Beschickung der Mailänder Muster mefie durch das Ausland, besonders lenens

Deulichtands und Frankreichs, juneljnu. Beide Länder seien auch dieses Jahr durch eigene Pavillons vertreten. Die starke Beteiligung des Auslandes bedeute einen Ansporn für die italie­nische Industrie. Reichskommissar Dr. Schwarz empfing nach der Eröfsung im deutschen Pavillon den Herzog von Bergamo und den Wirt­schaftsminister Nova nebst den Spitzen der Zivil» und der Militärbehörden, die sich in anerkennender Weise über das Gesehene aussprachen. Bom Augen­blick der Eröffnung an war der deutsche Pavillon außerordentlich stark besucht.

Landung eines polnischen Militärflugzeuges aus Deutschem

Boden.

Guben, 13. April. Am Samstag voriger Woche, vormittags, ist ein polnisches Militärflug­zeug neue st er französischer Konstruk­tion bei Märzwiese, südwestlich von Crossen an der Oder, gelandet. Die Insassen, zwei pol­nische Offiziere in Uniform, erklärten, daß das Flugzeug bei dem lleberführungsslug von Krakau nach Posen die Orientierung verloren hätte. Rach Feststellung ihrer Per­sönlichkeit wurden die beiden Offiziere freige­lassen. Das Flugzeug ist einstweilen polizeilich sichergestellt.

Kleine politische Nachrichten.

Im französischen Außenministerium wurde das deutsch-französische Abkommen über die Einrichtung van G r e n z b a h n h ö f e n an der deutsch-französischen Grenze unterzeichnet. Ferner wurde der Vertrag über die Festsetzung der Grenze zwischen dem Deutschen Reich und Frank­reich paraphiert, dessen formelle Unterzeichnung nach Fettigstellung gewisser technischer Arbeiten dem­nächst erfolgt.

Kardinalerzbischof Dr. Faulhaber tritt mit einem Gefolge von mehr als 40 Herren eine Reise nach Rom an.

3m Alter von 85 Jahren starb nach langem, schwerem Leiden der Bischof von Basel und Lugano Dr. 3acobus Stammler.

De sterblichen Ueberrefte des Patriarchen Tichon wurden in der Kathedrale des Donskoiklosters in Moskau beigesetzt. An der Beisetzung, der mehrere feierliche Trauermessen oorausgegangen waren, haben über 10 000 Personen teilgenommen. Un­ter den zahlreichen Kränzen fiel der Kranz des Erzbischofs von Canterbury, Primas von England, auf.

Hochschulnachrichten.

Der Phil. Mar Freund, der Lektor des Englischen an der TlniversUät Marburg (vor dem Kriege ordentlicher Professor der deutschen Phi­lologie an der älniversität Belfast in Irland) hat einen Ruf an die Universität zu H o n st v n (Texas) in den Vereinigten Staaten zur Tleber- nahme der ordentlichen Professur für Deutsch erhalten. Von 1916 bis 1918 ist Prof. Freund in Gießen als Lektor des Englischen tätig gewesen.

Aus aller Wett.

GroMngtag in Staaken.

B e r I i n , 13. April. (WTB.) Wohl über 50000 Zuschauer wohnten dem heutigen Schau- und Wett- sliegen in Staaken bei, das die Zeppelin-Luft­schiffbau G. m. b. H. und die Fliegerschule Bornemann veranstaltet hatten. Zehn Sport­flieger meldeten sich als Bewerber, darunter die be­kannten Piloten Rienau, Raab und Carga - n i c o. Ein Geschwaderflug von 6 Flugzeugen er­öffnete die Vorführung. Die schwierige Ausgabe des Auffischens eins P o st f a ck e s in 3 Meter Höhe vom Flugzeug aus wurde von fünf Fliegern gelöst. Die Wertung erfolgt nach de Zeit. Den ersten Preis erhielt Raab mit 3,54 Min., 2. Rienau mit 4.14 Min., 3. Loewe mi 5.1 Min., 4. Carganico mit 5.4 Min., 5. Riesler mit 6,1 Min. Nicht minder interessant verlief das Fliegen über ein sechs Meter hohes Hindernis mit Zielland. Hier war die geringste Strecke hinter dem Hindernis der Maßstab. Erster blieb Riesler mit 125 Meter, Zweiter Raab mit 140, Drittter Loewe mit 209, Bieter Carganico mit 211. Rienau landete außer­halb des Zieles. Viel Lustigkeit verursachte die Ballonverfolgung. Für jeden Flieger wur­den fünf Ballons losgelassen, die ein möglichst kurzer Zeit durch Rammen zu vernichten waren. Es gelang Rienau 4 Ballons in 4.22 Mm., Raab ebenfalls 4 Ballons in 6.5 Min. und Carganico 3 Ballons in 3.2 Min. zu vernichten. In dieser Reihenfolge erfolgte auch die Platzoerteilung. Die Abschätzung der eingehaltenen H ö h e bei zwei Fall­schirmabsprüngen hatte das Ergebnis, daß zehn Zu­schauer die richtige Höhe schätzten. Sie erhielten Gratisflüge nach verschiedenen deutschen gro­ßen Städten. Ein G e s ch w a d e r s l n g beschloß das Schaufliegen.

Ein folgenschwerer Blitzschlag.

Dresden, 13. April. (WTB.) Bei einem Gewitter in der sächsischen Schweiz am 2. Oster- feiertag ereignete sich ein schweres Unglück. Aus der Feste Königsstein schlug der Blitz in eine Füh­rungsgruppe von 30 Personen ein. Drei wurden so­fort getötet, weitere 23 verletzt, darunter 4 schwer.

Zu dem Blltzunglück erhalten wir durch Funkspruch noch folgende Einzelheiten: Gegen 4 Ahr nachmittags zog ein schweres Gewitter über die Sächsische Schweiz, das sich plötzlich über dem Königstein entlud, ohne daß dott vor­her Regen niedergegangen war. Ein Blitz traf auf her Feste Königstein eine Gruppe von etwa 30 Ausslüglern, die sich auf der Rord-Ost-Bastton an Der sog. Königsnase befanden. Der Blitz traf zuerst eine Eiche, unter der die Leute standen ünd drang dann auf das Gitter über, dcts Ibic Eiche umgibt. An dieses Gitter hatten sich Drei Personen angelehnt, die sofort tz e t o t e t tourten. Die Wirkung des Blitzes wav die einer einschlagenden Granate, «sämtliche Per­sonen wurden sofott niedergeschlagen und lagen bewußtlos mtt verbrannten und zerfetzten Kleidern umher Hilfe war schnell zur Stellet, da sich eine Abteilung des Pionier-Bataillons Rr.2 auf der Festung befand und auch die Sanitatskolomie Königstein mit mehreren Aerzten sofott herbeieiltei

Schweres Dootsunglück in Arheilgen.

Ar Heilgen. 14. Avril. (211.) Im Schwimm­bad im A> Heitger Mühlchen ereignete sich ae- ftern em schweres BootsunMck. Ein mit vier

Pettonen besetztes Boot kippte beim Platz­wechseln um. Don den vier Insassen ertran­ken der 18jähttge Dieter und der 19jährige Kihr. Die Leichen konnten etwa eine Stunde nach dem Unfall geborgen werden.

Ein schweres Autounglück.

Am Ostersonntag stieß das Personenauto des Kaufmanns Hirschfeld aus Preußisch-Fried­land auf der BerlinKönigsberger Chaussee unweit der Stadt Schlochau in der Grenzmark mit dem Fuhrwerk des Bäckerei- besihers Ruhnke aus Ratzebuhr in Pommern zu­sammen. Das Auto wurde um geworfen und die Insassen herausgeschleudert. Hirsch­feld und sein verheirateter Sohn waren a u f der Stelle tot, die übrigen fünf Insassen erlitten Armbrüche und zum Teil schwere Quet­schungen. Auch die beiden Insassen des Fuhr- wetts wurden vom Wagen geschleudert und er­litten Derletzimgen.

Falschmünzer.

Langgesuchte Münzverbrechcr, die auch als Ein- und Ausbrecher berüchtigt waren, konnten in Köln f e ft g e n o m m e n werden. Zwischen einem Ver­brecher, der einen Fluchtversuch unternahm, und den ihn verfolgenden Polizeibeamten entspann sich ein Kugelwechsel: der Verbrecher mußte mit meh­reren Verletzungen ins Hospital eingeliefert wer­den. Mit der Festnahme dieser Leute ist eine Münz- verdrecherbande endgültig unschädlich gemacht wor­den, aus deren in der Zwischenzeit sämtlich ermit­telten Werkstätten große Mengen von Falschscheinen stammten.

Ford errichtet Luftfahrtverbindungen.

Reuyork, 14. April. (TU.) In Gegen­watt der Familie Ford stieg gestern in De­troit das erste von Ford hergestellte Flug­zeug auf. Damit wird die von Ford eingerichtete Fluglinie DetroitChicago dem Luft­verkehr übergeben. Das erste Flugzeug brachte Automobilersatztelle nach Chicago. Ford beab­sichtigt, ein eigenes großes Luftver­kehrsnetz über ganz Amerika auszu­dehnen. Auf seinen Luftlinien soll der Flug­dienst in größtem Maßstab betrieben werden.

Wettervoraussage.

Vorübergehend aufbessernd, halb bis ganz bedeckt, noch Regenfälle, westliche bis südliche Winde, Temperaturen wenig verändert.

Ein kräftiges Rordmeer-Tief zieht schnell nordostwätts, da es in Skandinavien feinen Widerstand mehr findet. Seine südlichen Rand­bildungen reichen dis nach Mitteldeutschland. Heber den britischen Inseln wölbt sich ein schmales Zwischenhoch auf, dem aber vom Atlan­tischen Ozean her weitere Tiefdruckstörungen fol­gen, so daß wir auch morgen noch vorwiegend westliche Luftströmungen behalten.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 14. April 1925.

** Das Osterfest nahm in unserer Stadt den gewohnten würdigen Verlauf. Die Gottes­häuser waren, wie stets, an beiden Feiertagen statt besucht. Das prächtige Wetter am Vor­mittag und in den frühen Rachmittagsstunden des ersten Feiertages lockte Tausende zu Fuß, per Rad oder auch mit der Eisenbahn hinaus ins Freie, die den Ausflugsorten sehr regen Betrieb brachten. Eine wenig angenehme Feier- tagsüberraschung erlebten die Wanderlustigen allerdings in den späteren Rachmittagsstunden des ersten Feiertages, als ganz programmwidrig ein ziemlich heftiges Gewitter über unsere Gegend hinzog, das von statten Riederschlägen begleitet war. Beim Heraufziehen dieses Unwetters, das den jungen Saaten eine gute Auffrischung mit- brachte, gab's in den Ausflugsorten natürlich Massenandrang zu allen Gaststätten. Die Tem­peratur erfuhr bei diesem kräftigen Donner­wetter eine ziemlich erhebliche Abkühlung, die namentlich an hochgelegenen Ausflugspunkten von den vielfach schon recht frühlingsmähig gekleideten Damen und Kindern unangenehm empfunden wurde. Der gestrige zweite Feiertag bescherte uns indessen wieder annehmbares Wanderwetter, das denn auch reichlich ausgenuht wurde. Ein besonderes Ereignis dieses Tages war für unsere Stadt die gegen 1 41hr mittags vor sich gehende Durchfahrt der Tellnehmer an dem großen Rad­rennenQuer durch das Ohm- und Lahntal", die in ben befahrenen Straßen von einer großen Menschenmenge erwartet und mit Spannung ver­folgt wurde. Ruhige Feiertage hatte erfreu­licherweise auch unsere Polizei zu verzeichnen. Der Eisenbahnverkehr war am Ostersamstag und am ersten Feiertag nicht besonders stark, er nahm aber gestern, namentlich in den Abendstunden, so großen Umfang an, dah zu einigen fahr­planmäßigen Zügen sogar mehrere Vorzüge ge­fahren werden mußten, um den Andrang der Reisenden bewältigen zu können.

' Wiedereinführung der Pfen­nigrechnung. Die Reichsbankstelle Gießen hat sich mit folgender Zuschrift an die Handels­kammer Gießen gewandt: Aus Mangel an ah- lungsmitteln über Wette unter 5 Reichspfennigen war der Dettehr in weitem Maße dazu über­gegangen, Heine Beträge nach oben auf volle 5 oder 10 Reichspfennige abzurunden und Preise, Gebühren uird dergleichen von vornherein so anzusehen, daß sie auf den abgerundeten 'Be­trag auslaufen. Da eine solche Gewohnheit ge­eignet ist, die Reigung zur Erhöhung der Preise zu unterstützen, ist die Reichsregierung bestrebt gewesen, durch genügende Herstellung von 1- und 2-Pfennigstücken Abhllse zu schassen. Münzen über diese Wette sind zur Zeit in ausreichender Menge vorhanden, werden jedoch von der Reichs­bank nur in geringem Maße angefordert und bleiben ungenutzt in ihren Kassen liegen. Dieser älmstand spricht dafür, daß die Umftellung des Verkehrs auf die verbilligende Pfennigrechnung nur zögernd vor sich geht. Da diese aber di« Tendenz der Verbilligung im Einzelhandel zu verstätten vermag, erschein es geboten, nach Möglichkeit hier fördernd tätig zu sein. Es ist dringend zu wünschen, daß zu der Rechnung nach Pfennigen, wie sie in früherer Zett üblich war, zurückgekehtt wird und unnötige Abrun­dungen nach oben nach Möglichkeit fallen ge­lassen werden. Es wird freilich auch am Publikum selbst liegen, daß es sich gegen jebe Abrundung nach oben wehrt und den Pfennig nicht aus seiner Tasche verbannt, wie das bedauerlicher­weise oft geschieht. Rur wenn das Publikum mtthilft, wird es möglich sein, dem nach oben gerichteten Abrundungsunwesen zu Leibe zu gehen. Ein-, Zwei- und Fünfpfennigstücke hält di- Reichsbank jederzeit zur Verfügung.

** Soll ft an big und genau a u r e 11re* r e n! Nach einer Mitteilung der Oberpostdirektion Darmstadt an die Handelskammer Gießen trägt von den in Frankfurt a. M. eingehenden Geschäftsbriefen ein Viertel lediglich die AngabeFrankfurt a.M." als Bestimmungsort. Dieser Mangel erschwert und verlangsamt das Verteilen der eingehenden Post in hohem Maße und führt zu Verzögerungen in der Zustellung, u. U. sogar zur Unanbringlichkeit der Sendungen. Auf die Frankfurter Geschäftswelt wird ständig eingewirkt, in den Kopf der Briefbogen, Rechnungen usw. alle Angaben auszunehmen, die der auswärtige Geschäftsfreund zur ausreichenden Adressierung "benötigt (Nummer der Zustellungs- postanstalt, Straße und Hausnummer, sowie Stock­werk oder die Schließfachnummer). Alle Bemühun­gen bleiben aber vergeblich, wenn diese Angaben von den auswärtigen Briefschreibern bei Abfassung der Anschriften nicht berücksichtigt werden. Es wird daher dringend empfohlen, auf die Herstellung der Anschriften, namentlich bei Postsendungen nach großen Städten, stets die größte Sorgfalt zu ver­wenden.

' Sonderzüge für f-I ai.it er e G e» sellschaften. Die Deutsche Reichsbahngesell­schaft teilt mit: Ab 1. Mai können für kleinere Gesellschaften Sonderzüge ohne Fahrpreisermä­ßigung eingelegt werden. Es sind wenigstens 80 Fahrkarten 2., oder 120 Fahrkarten 3.» oder 180 Fahrkarten 4. Klasse zu lösen. Kinder genießen die allgemeine Fahrpreisermäßigung. Svnderzüge ohne Fahrpreisermäßigung sind mindestens fünf Tage vorher mit Angabe der Strecke, Zeit, ge­wünschten Wagenklasse und der ungefähren Zahl der Reisenden bei der Abgangsstation zu be­stellen.

** Desinfektion von Fernsprech­apparaten. Don zuständiger Seite wird uns geschrieben: In neuerer Zeit werden vielfach Llpparate angeboten, die dazu dienen sollen, die llebettragung von Krankhetten beim Gebrauch des Fernsprechers zu verhüten. Auch erbieten sich Unternehmer zum laufenden Desinfizieren von Fernsprechapparaten. Die Frage der lieber« tragung von Krankheiten ist wiederholt und ein­gehend geprüft worden. Rach den auf zahl­reiche Versuche gestützten wissenschaftlichen Gut­achten amtlicher Institute ist die Ansteckungs- gesahr beim Gebrauch des Fernsprechers praktisch ohne jede Bedeutung. Es liegt deshalb auch kein Anlaß vor, die Fernsprechapparate laufend zu desinfizieren. Die posteigenen Apparate wer­den gelegentlich aus Gründen der Reinlichkeit durch Personal der Verwaltung gesäubert, wetter- gehende Maßnahmen sind nicht erforderlich. Gin-- sahmundstücke und andere Httssvorttchtungen kön­nen nicht zugelassen werden, da sie Apparat-- beschädigungen verursachen und die Sprech-- verständigung beeinträchttgen.

** Po st versand von ckchen nach dem Saar gebiet. Vom 10. April an werden im Verkehr mit dem Saargebiet Päckchen zu den Bedingungen des inneren deutschen Verkehrs zu- gelassen. Die Absender müssen jedoch die Ein- fuhrgenehmigung von der Zolldirektion in Saar­brücken einholen und den Vermett: Genehmi­gung der Zolldirektivn in Saarbrücken R. . . vom .... auf dem Päckchen angeben. Außer­dem müffen die Päckchen auf der Anschriftseids feite einen grünen Zettel mit der Inschttft tragen: Dem Zoll vorzulegen. Durch die Post in Saar­brücken zu verzollen". Darunter sind anzugeben: Art (nach den Bezeichnungen des französischen' Zolltattfs), Ursprung, Gewicht und Wett der Ware. Diese Angaben Knnen auch auf einer besonderen Zollerklärung gemacht werden, die in die Sendung zu legen oder ihr haltbar beizu­fügen ist.

** Personalien. Der Studienrat an bei Oberrealschule in Gießen Dr. Albert Chambre wurde zum Studienrat an der Realschule im Ent­stehen zu Vilbel mit Wirkung vom 20. April ab er­nannt und ihm die Leitung dieser Realschule i. E. übertragen. Dr. Chambre mar bereits in den Jah­ren 19171920 Leiter der damaligen Höheren Bür­gerschule in Vilbel und wurde von der Bürger­meisterei Vilbel im Einverständnis mit dem Landes­amt als Direktor der neuen Schule gewünscht. Ferner wurden ernannt der Lehrer Friedrich W a g- n e r zu Rebgeshain, Kreis Schotten, zum Lehrer- an der Volksschule zu Glauberg, Kreis Büdingen: der Sludienrat an der Realschule i. E. zu Dllbek Hans Krämer zum Studienrat an dem Lehrer­seminar zu Friedberg: der Studienrat Dr. Otto Stotz zum Studienrat an der Höheren Bürger» schule zu Hungen. Aus dem Schuldienst entlaffeni wurde die Lehrerin an der Volksschule zu Wieseck Emilie Ratz, auf ihr Nachsuchen mit Wirkung vorn 20. April ab. In den Ruhestand versetzt wurde der Seminarlehrer an der Oberrealschule und der Höheren Landwirtschaftsschule zu Groß-Umstadt Dr. Heinrich Leuchtgens auf fein Nachsuchen mt> Wirkung vorn 16. April ab.

Auftrieb auf bem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: 228; Ochsen, 18 Dullen, 417 Färsen und Kühe, 24Sj Kälber, 39 Schafe, 1949 Schweine.

** Verabschiedung. Man schreibt unSr Hausmeister Dechert an der Stadtknabensch-uls trat in den wohlverdienten Ruhestand. Die, Lehrerschaft an der Schule ehtte die Derdiensto des alten Herrn durch eine passende Abschieds­gabe. Mit seinem Scheiden aus dem Schul-» hause verläßt auch Mutter Dechert, dio Hausmeisterin, ihre lieben Buben. Was hat fte in den 34 Jahren ihrerAmtstätigkeit" nicht alles an den Kindern der Knabenschule getan! lüngczählteSiebener" in den Kleidern und Wun­den anderer Art hat sie mit Geschick, Sorgfalt: und großer Liebe zu heilen verstanden. Die- Zöglinge der Knabenschule, heutige und ehe­malige, werden ihrer immer in Liebe und Ver­ehrung gedenken. Möge dem alten Paar noch ein langer, gesegneter Lebensak>end beschießen sein!

GeologentagunginOberhessen. Der Oberrheinische geologische Verein hält in den Tagen vom 14. bis 20. April in Bad Salz­hausen eine Versammlung ab, auf der wichtige Fragen zur Geologie unserer oberhessischen Hei­mat "besprochen werden. Die hauptsächlichsten Vor­träge werden am Vdittwoch veranstaltet. II .a. sprechen der hessische Landesgeologe W. Schott­ler überUntergrund und Aufbau des vulkani­schen Vogelsbergs", K. Hummel (Gießen) über Zur Geologie des Grenzgebietes zwischen Vogels­berg und rheinischem Schiefergebirge", H. Rich­ter (Gießen) über die altsteinzcitliche Rieder-- lassung bei Treis a. d. Lumda. Aus zahlreichen! Exkursionen wird fast das gesamte Gebiet Ober« Hessens geologisch erläutert. Wir erwähnen hier nur die Führungen, die in unmittelbarer Nähe Gießens gehen. Am 18. April führen K. Hummel und H. Richter eine Exkursion in den westlichen Teil der Lahnmulde, während am 19. April vo^