llr. 85 Erster Blatt
175. Jahrgang
Dienstag, U. AprU 1925
Erscheint täglich, außer Sonn- und feiertags.
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GießenerFamilienblLlter Heimat im Bild.
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SiehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Drud und Verlag: Brühl'sche Unioerfilätr-Vuch- und Stemfcruderei R. Lange in Sietzen. Schnstleitung und Geschäftsstelle: bchulstratze 7.
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Die Kabinettskrisis in Frankreich
Briands Bemühungen
Painleve lehnt die Kabinettsbildung ab
Die Haltung der Sozialisten
ai:ug:t?n. ohne damit auf sie einen Gewissens-
wird, das Kabinett zu noch eine Frage, deren Ereignisse man abttxrr-
der französischen Presse prophezeit worden war.
Ob es ihm gelingen bilden, das ist allerdings
Oberschenkelbruch. Die beiden Verletzten wurden nach München gebracht, die Leiche Pöhners in das Leichenhaus in Feldkirchen transportiert.
Haftentlassung Dr. Höfles?
Der frühere Reichspostminister Dr. Höfle, der sich seil längerer Zeit unter der Anschuldigung der Bestechung in Untersuchungshaft befindet, wurde in den letzten Tagen von dem Untersuchungsrichter nochmals eingehend über die gegen ihn erhobenen Dorwürfe abschließend vernommen. 3m Anschluß an diese Vernehmung hat, wie der „Vorwärts" meldet, Rechtsanwall Dr. Alsberg einen cm» gehend begründeten Haftentlassungsantrag gestellt.
Aus dem Hessischen Landtag.
Darmstadt, 13. April. Der Abgeordnete Schott lD Vp.) hat im Landtag nachstehende Anfragen erngebracht: 1. Diemel einklassige Volksschulen mit weniger als 30 Schillern und wieviel Klassen in mehrklassigen Völls- schulen mit j^niger als 30 Schülern sind tm Lande vorhanden? 2. Wievrel Volksschulen mit überfüllter Schülerzahl sind vorhanden?
Beantwortung durch bie ten muh. Driand selbst sieht die Schwrerrqketten offenbar voraus, weshalb er sich De den kzei t aus erbat, um vor einer Antwort erst die Lösungsmöglichkeiten abzutasten. Immerhin, Driand ist nicht mir ein sehr ehrgeiziger, sondern auch ein sehr geschickter Mann, und diese beiden Eigen
sehen.
Die Besprechungen des Präsidenten der Republik haben zunächst dazu geführt, daß Driand mit der Bildung des Kabinetts beauftragt wurde. Soweit sind die Dinge also programmatisch verlausen. Painleve, der im Anfang als der Hauptanwärter bezeichnet wurde, hat abgelehnt und damit rückte Driand in den Vordergrund, wie es in " am Samstag bereits
öffentlichen, heiht es u. a.: Wir ersuchen in letzter Stunde, da durch die Kandidatur Hindenburg eine neue Lage geschaffen ist. die Einigung auf eine verfassungstreue Persönlichkeit. welche über den Parteien steht, zu schiffen. Welche persönlichen und politischen Bedenken man hegen mag. Hindenburg ist ein Mann, der ehrlich die Verfassung achtet und auf den sich auch die Deutsche Demokratische Partei zur Vermeidung von Zwietracht einigen könnte. Di. Marx, gegen dessen außen- und innenpolitische Stellungnahme wir schwere Dedenken hegen, können wir unsere Stimme nicht geben.
Der bayerische Bauern- und Mittelstandsbund.
München. 11. April. (WTB) Die heutige Land soorstandrlitzung des bayerischen Dauern- und Mitte lstandsbundes bestätigte den Deschluß vom 6. Avril und empfiehlt den Anhängern des Bandes, am 26. April ihre Stimme für Marr
schäften machen es schon wahrscheinlich, dah ein Kabinett unter ferner Flagge zustandekommt.
Leicht wird dieses Kabinett seine Aufgabe nicht haben. Herriot ist nicht in der Kammer, sondern im Senat gestürzt worden, und diese „Anmaßung" hat den alten Gegensatz der Linken gegen das repartierende und "konservative Clement der ersten Kammer erneut verschärft und damit die allgemeine Mistlaunigkeit, die augenblicklich über der französischen Politik lagert, noch vergrößert, so dah Herr Driand als vorsichtiger Politiker, der er immer war, zunächst eine 21)1 Verföhnungsaktion zur Beruhigung der Geister durchwsühren haben wird. Dazu kommen die außerordentlichen Finanz- f ch w i e r i g f c i t e n, die nach her französischen Presse keine Oltinutc länger andauern dürfen. Aber noch niemand hat die Wün'chelrute entdeckt. die das notwendige Gold für die Kasse des französischen Staates findet. Driand würde auch nicht viel mehr machen können, als daß er den Dreitagminister de Monzie in sein Kabinett hineinnimmt.
Die große Frage, auch für die finanzielle Gesundung Frankreichs, wird sein, ob HerrDriand die Zusammenhänge dieser Misere mit der Außenpolitik erkannt hat. Hier liegt ja die Stärke dieses -Mannes, der jetzt zum achtenmal Ministerpräsident wird und noch jedesmal die Außenpolitik als sein Hauptgebiet betrachtete. Für uns taucht nun die Frage auf, ob die Versprechungen, die Herriot für die RäumungderRuhr gegeben hat, auch e i n- geha lten werden.
Die Besorgnis ist nicht ganz von der Hcnrd zu weisen. Ein Kabinett Briand bedeutet automatisch einen kleinen Ruck nach rechts. Man hat weder seine berüchtigte Gendarm en rode, noch Ibic Tatsache vergessen, daß der Ministe"präft- Ibent Driand cs war, der unter der schützenden! Duldung Lloyd Georges in Düsseldorf Duisburg und Ruhrort einrückte. Andererseits kann man immerhin das eine Positivum buchen, daß Driand immer großen Wert auf Derständi- tzung mit seinen Alliierten gelegt hat -und ja auch in Cannes gestürzt wurde, weil er hierin nach Pvincar6s Meinung zu weit gegangen war. Man wird also abwarten müssen, ob er seine „Politik der gepanzerten Faust im Samthandschuh", wie er sie selbst einmal genannt hat, wieder aufnehmen wird, oder ob das durch Frankreichs allgemeine Lage noch verstärkte Dedürfnis, die Beziehungen zu England wieder enger zu gestalten, ausveicht, um die pünktliche Einlösung des Versprechens herbeizuführen, für das auch England <lls Garant! hastet.
Briands Verhandlungen.
Paris, 14. April. (Wolff.) Der Präsident der Republik hat den Kammerpräsidenten Painleve berufen und ihm den Auftrag. ein Kabinett zu bilden, angeboten. Der Präsident der Kammer dankte für diesen ehrenvollen Auftrag, erklärte aber, die Besuche, big er gestern erhalten habe, und die dabei gewonnenen Eindrücke hätten ihm die lieber Beugung beigebracht, dah er sehr bald auf die gleichen parlamentarischen Hindernisse stoßen würde, auf die die Regierung Her- riots trotz der von ihr geleisteten Dienste gestoßen sei. Um eine dauerhafte Entspannung! zwischen Kammer und Senat herbeizuführen, sei nach seiner Ansicht notwendig, daß der zukünftige Ministerpräsident gewiß ein ausgesprochen linksstehender Politiker sein müsse, aber einer, der viel weniger als er, Painleve, an den politischen Kämpfen der letzten Jahre beteiligt gewesen sei. Hierauf hat der Präsident ders Republik den Abgeordneten Aristi de Briand ins Elysee berufen und mit der Bildung des Kabinetts beauftragt. Driand nahm sofort die Besprechungen mit den Führern der Parteien auf und setzte am späten Abend den Präsidenten iber Republik davon in Kenntnis, daß er sich
Vizepräsident Paa che
Reuhork, 11. April. (WTD.) Funkspruch. Der frühere Vizepräsident des deutschen Reichstages Dr. Paasche ist in Detroit plötzlich gestorben. Dr. Paasche, der sich auf einer Reise durch die Vereinigten Staaten befand, wo er Vorträge über die derzeitigen Verhältnisse in Deutschlaick». insbesondere über d.e Zustände in den von den Franzosen besetzten Gebieten hielt, erkrankte bei seiner Ankunft in Detroit an Lungenentzündung. Seine Witwe, die ihn begleitete, bringt die Leiche nach Deutschland.
Aba. Pöhner tödlich verunglück .
München, 14. April. (T. U.) Der frühere Polizeipräsident Oberlandesgerichtsrat P ö h n e r , der erst vor kurzem mit Bewährungsfrist aus der Festungshaft enllasfen wurde, ist am Samstagabend bei einem Autounfall tödlich verunglückt. Während der Fahrt soll sich ein Rad des Wagens, der von dem Ingenieur Krüger gelenkt wurde, in der Nähe der Ortschaft Feldkircyen bei Westerhamm l o s g e l ö st haben. DerWaqen stürzte um. Pöhner wurde sofort getötet, seine israu erlitt schwere Brustgurtschungen, sein Sohn einen
seine Antwort für heute nachmittag Vorbehalt ei Briands Absicht ist die, ein Kabinett
nur bei aktiver Heranziehung sämtlicher Mehr» heitSparteien. also auch der Sozialisten,
zu bilden.
Ob hie Sozialisten ihre bisherige Haltung aufgeben und zur aktiven Mitarbeit übergehen, ist angesichts der Beschlüsse des letzten sozialistischen Parteikongresses in Grenoble äußerst fragwürdig. Briand hält die bisherige ilntcr- stützungspolitik der Sozialisten für ungenügend. Ein Teil der Presse bespricht die Möglichkeit eines Konflikts zwischen den Radikalen und den Sozialisten für den Fall, daß letztere den Eintritt in das Kabinett ablehnen. 3m „Echo de Paris" erklärt ein Vertreter Briands, daß di« Radikalen in diesem Falle die Auflösung des Kartells und die Bildung eines nach rechts erweiterten Konzentrationskabinetts erwägen.
Auf jeden Fall muh die Regierungskrist in den nächsten Tagen aelö st werden. An» 15. April werden 400 Mill. Franken von dein Gesamtbetrag von 33 Milliarden, die Frankreich in diesem 3ahre zu zahlen hat, fällig. Weiter muß das neue Kabinett bis Donnerstag vor dem Erscheinen der Wochenbllanz
das mit der Danque de France vereinbart« Abkommest
ratifizieren, das noch nachträglich bie Heraus- sehung des Geldumlaufs auf 43 Milliarden legalisiert. Rach den Blättern hat de M o n z i vorgestern erklärt, daß, tocitn bis zum 16. April die Geldumlauf frage durch die neue Regierung nicht geregelt werde, er nicht einmal zur Erledigung laufender Angelegenheiten im Amt bleiben werde Anderseits will die Danque de France eventuell die Veröffentlichung der Wochenbilnnzen einstellen Wie scharf sich der Konftitt zwischen dem Kabinett Herriot und den Direktoren der Dank vor einigen Tagen zugespitzt hatte, geht auch daraus hervor, daß die Dank zwei Tage vor dem Rücktritt Herriots damit drohte, jede Beziehung zur Regierung abzubrechen, wenn der Geldumlauf nicht wieder in legale Grenzen getreten sei. Gelingt Driand die Kabinettsbildung nicht, so mürben die Kabinettskrisen fortgesetzt werden, was schließlich zur Auflösung unb zur Ausschreibung von Reuwahlen führen müßte. 21 ob ine au, der Cwuverneur der Danque de «Jfcance, hat
die Bildung eines 24stündigen Geschäftsministeriums
zur Durchführung berßegalifierung der ungesetzlichen Lieberschreitung des Rotenumlaufes vorge- schlagen .Auch de Monzie soll sie dem Präsidenten der Republik nahegelegt haben, doch wird wahrscheinlich von der Bildung eines solchen Kabinetts abgesehen toeröen, da sowohl Loucheur wie auch Driand formell dagegen Stellung nahm. Briand wurde gestern abend noch einmal vom Präsidenten der Republik empfangen. Er gab nach der Unterredung folgende Erklärung ab: 3ch glaube sagen zu können, daß ich überall warmen Zuspruch und großer Tellnahme für meine Aufgabe begegnet bin. Ich würde indessen lügen, wollte ich sagen, daß ich auf allen Seiten dasselbe (Sntgegenfommcn gefunden hätte. Gewisse Gruppen haben Vorbehalte geäußert. Ich werde Dienstag mittag erneut zum Präsidenten der Republik zurücüehren und ihm Bericht über meine ilnterneljmungen, die ich im Lause des Dienstag vormittags haben werde, erstatten.
Meine endgültige Antwort, ob ich zur endgültigen Bildung des Kabinetts in der Lage bin ober nicht, toerbe ich aber erst Dienstagabend 1 älhr erteilen können. Ich muß in der Tat abwarten, bis der sozia l i st if ch«; R a t i o n a l r a t sich schlüssig geworden ist, ob er mir seine Unterstützung angebeiben läßt Ich bin der Ansicht, daß ein Ministerium nur unteraktiverDeteiligungberLinks- gruppen lebensfähig sein wird und halte mich außerstande, unter den gegenwärtigen Um-
Hindenburgs Gsterbotfchast.
Berlin. 11. April. (WTD.) Ostern 1925.
An daS deutsche Volk!
Vaterländisch gesinnte Deutsche aus allen rutschen Gauen unb Stämmen haben mir das »öchste Amt im Reiche angetragen. 3 ch folge tiefem Rufe nach ernster Prüfung in Ercuc zum Vaterlande. Mein Lebenliegt lar vor aller Welt Ich glaube auch in schweren Zeiten meine Pflicht getan zu haben, wenn diese Pflicht mir nun gebietet, auf dem Boden der Verfassung ohne Ansehen der Partei, Person. Herkunft und des De- ussstandes als Reichspräsident zu wirken, so soll es an mir nicht fehlen. Als Soldat hatte ich immer nur d i e ganze Ration im Auge und nicht Parteien. Sie sind in einem parlamentarisch regierten Staate notwendig, aber das Staatsoberhaupt muß über ihnen stehen und unabhängig von ihnen für jeden Deutschen walten. Den Glauben an das deutsche Volk und fron Beistand Gottes habe ich nie verloren. Ich bin aber nicht mehr jung genug, um an einen plötzlichen Umschwung der Dinge zu glauben. Kein Krieg und fein AusstaNd im Innern kann unsere gefesselte und leider durch Zwietracht gespaltete Ration befreien. Es bedarf langer, ruhiger und friedlicher Arbeit, es bedarf vor allem einer Säuberung unseres Staatswesens von denen, die aus der Politik ein Geschäft machten. Ohne Reinlichkeit des öffentlichen Lebens und Ordnung kann Tein Staatswesen gedeihen. Der Reichspräsident ist besonders dazu berufen, die Heiligkeit des Rechts hochzuhalten. Wie der erste Vräfident auch als Hüter der Verfassung seine Herkunft aus der sozialistischen Arbeiterschaft nie verleugnet hat, so wird auch in i r niemand zumuten können, daß ich jemals meine politische Ueberzeugung aufgebe. Gleich dem von mir hoch- gcfdjäöten Dr. Jarres erachte auch ich in jetziger Zeit nicht die Staatsform, sondern den Geist für entscheidend, der die Staatsfornt beseelt. Ich reiche jedem Deutschen die Hand, der national denkt, die Würde des deutschen Ra- mcnS nach innen und nach außen wahrt und den konfessionellen und sozialen Frieden will, und bitte ihn: Hilf auch Su mit zur Auferstehung unseres Vaterlandes!
v. Hindenburg.
Dr. Marx an seine Wähler.
Berlin, 11. April. «Wolff.) Der Präsidentschaftskandidat des Volksblocks, Reichskanzler a. D. Dr. Marx, richtet an die deutschen Wähler eine Kundgebung, in der es heißt:
Das 23ertrauen weiter Dolkskreise hat mir die Kandidatur für die Präsidentschaft des Deutschen Reiches angeboten. Ich bin diesem Rufe gefolgt in dem vollen Bewußtsein, daß dieser Wahlkampf nicht nur um das höchste, sondern auch um das verantwortungsvoll st e und schwerste Amt der Deutschen Republik geführt wird. Ich sehe in dem freigewählten Staatsoberhaupt das Sinnbild, aber auch den Hüter der deutschen Volkseinheit. Sic Grundlagen der sozialen Gemeinschaft im Volke aber scheinen mir zu sein: Freiheit und Pflicht gegen die Gesamtheit. Innerhalb diese» Rahmens darf es keinem einzelnen und keiner Gruppe verwehrt sein, nach freiem Ermessen seinem religiösen Be- fenntnis zu folgen. Ein Volk, das von diesem Geiste erfüllt llt, wird ohne Schwanken auch das richtige Verhältnis zu den anderen Völkern finden und hier hat das deutsche Volk zwei Aufgaben: Es muh feine Menschheit erfüllen. Die deutsche Verfassung, die der Präsident des Reiches beschwören muß, zeigt den Weg. das alle schwarzrotgoldene Symbol grohdeutscher Einhett das Ziel: Die Freiheit Deutschlands und die Mitarbeit bicfcä freien Deutschland an einer glücklicheren europäischen Zukunft. Die Kund- fietmng schließt: Mögen Freiheit und sittliche Pflicht über die Interessen und Parteien hinweg zuin Bekenntnis des ganzen deutschen Volles werden. An biefem Ziele mitzuwirken, ist mein ganzes Streben, wohin auch der Wille und das Vertrauen des deutschen Volkes mich stellen mag.
Jarres für Hindenburg.
Duisburg, 11. April. (211.) An meine Wähler! Der erste Wahlgang hat der durch mich vertretenen Sache einer üher parteilichen Kandidatur des Reichsblockes mit 10,5 Millrv- nen Stimmen einen schönen Erfolg gebracht. Ich danke Ihnen allen, die mir ihr Vertrauen schenkten, dafür von Herzen. Runmehr geht es zum entscheidenden Treffen. Der beste Deutsche, dessen Ramen den hellsten Klang in unserem Dolle hat, ist bereit, uns zu führen. Hinter ihm stehe auch ich. Von allen meinen Wählern erwarte ich. daß sie folgen. Jede am 28. März für mich abgegebene Stimme gehört nunmehr dem Feld m a rschall. Alle Kräfte anspannen zum Endsiege unter der Losung Hindenburg!!
gez.: Dr. Jarres.
Eine Erklärung Müller-Mern ngens.
Das Schicksal Herriots hat sich schneller erfüllt, als nach der Donnerstagabstimmung in der Kammer zu erwarten war. die mit einem Vertrauensvotum für das Kabinett endete. In der Kammer hatte sich vorläufig wohl auch keine Mehrheit für ein Mißtrauensvotum zusanrmen- bringen lassen. Die Donnerstagabstimmung hat gezeigt, dah Herriot auch bei Abspaltung der Loucheurgruppe mit ihren 41 Mitgliedern durch die Llnterslühung der Sozialisten immer ein Vertrauensvotum für seine Regierung bekommen werde. Der Ministerpräsident hat deshalb die Entscheidung im Senat gesucht, um ihm die Verantwortung für die Krise zuzuschieben. Das ist zwar für Frankreich kein normales Verfahren, immerhin liegt ein Präzedenzfall aus dem Jahre 1913 vor, wo das Kabinett Bourgeois ebenfalls wegen seiner Finanzpolitik vom Senat gestürzt wurde. Gelegenheit für den Sturz Herriots gab die Interpellation des früheren Finanzministers M a r s a l über den ominösen Wochenausweis der Bank von Frankreich, der das Geheimnis des vermehrten Roten- um lauf es lüftete. Aus ihm wurde ersichtlich, daß die gesetüiche Höchstgrenze d s Rotenumlaufs um zwei OlttUiarben überschritten wurde. Die sehr erregte Debatte, in die auch Poincar 6 eingriff, weil ihm Herriot in seiner Kammer- redr die Hauptschuld an der französischen Finanzkrise zugeschoben hatte, endete damit, dah der Senat dem Kabinett Herriot mit 156 gegen 132 das Vertrauen entzog.
3m großen ganzen ist es nicht verwunderlich, daß Herriot infolge seiner Finanzpolitik stürzte, da der rücksichtslose Appell an die Opserwillig- feit der Bürger, unterstützt durch die Hetzpropaganda der Opposition starke Mißstimmung schassen muhte, zumal der breiten Öffentlichkeit nicht in genügender Weise klargemacht wurde, dah der 'Stoa! nur leben kann, wenn ein jeder Bürger Opfer bringt. Aber die Siegespolitiler haben ja das größte 3ntereffc daran, das Volk weiter in dem Glauben zu erhalten, Deutschland werde alles bezahlen. Rur auf dieser Grundlage können sie ihre Haßpolitik sortsehen. Es ist allerdings nicht zu verkennen, daß Herriot an den jetzigen Schwierigkeiten auch ein Teil der Schuld trägt.
Die Möglichkeit einer großen amerikanischen Anleihe, durch die Frankreich Zeit für eine Sanierung gewonnen hätte, hat Herriot nicht zuletzt durch fein Verhalten in der Siche r» heitssrage verscherzt. Rach der großen Unsicherheit unter der Regierung Poincare hatte die Welt in den ersten Monaten nach dem Dawesplan Vertrauen zu dem Kabinett Herriot gewonnen. Das Vertrauen schwand aber schnell, als Herriot Ende Januar dieses Jahres in der Kammer jene bekannte Rede hielt, bei der ihm seine Gegner zujubelten und die sich kaum von den Hetzreden Poincarös unterschied. Diese Rede hat ihm nicht nur im eigenen Lande, sondern auch bei feinen ehemaligen Verbündeten geschadet, weil man darin die Abkehr von der bisherigen Politik der Versöhnung und des friedlichen Ausgleichs sah. Wie die Frage der Rachfolge gelöst werden wird, läßt sich noch nicht über»
München, 11. April. (Wolff.) In einem Drief. welchen der langjährige fortschrittliche Führer dec Demokratischen Partei. Dc. Müller- Meiningen, zugleich namens keines F.euedes Rikolaus Stolz an den Führe dec Deutschen Demokratischen ParteiI Abg. Koch, r-.chtet und __ -.
den die „Münchener Reuesten Rachrichten" ver-zwang ausüben zu wollen-


