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ar. 38 Erstes Blatt

175. Jahrgang

Samstag, h. scöniar 1925

Erscheint täglich, außer Sonn, und Feiertag».

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GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

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sämtlich in (Biegen.

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von Dollars waren damals ein Vermögen. daß er in der russischen Botschaft vor­übergehend Unterkommen gefunden hat, und in seiner Perlon den stärksten Beweis für die engen Zusammenhänge erbringt, die zwischm dem roten Kreml und den deutschen Kommunisten bestehen.

Ebenso begreiflich freilich, daß die kleinen Gernegroße. die Pieck. Koensn, Hecker und wie sie alle heißen mögen, die als Haupt- oder Nebenfiguren auch schwer belastet werden, nicht das Format hatten, um den praktischen Bolsche­wismus russischer QIrt ausführen zu können. Sie sind letzten Eudes doch nur Spießbürger, die das Revelutionsspielen im November 1919 bei uns gelernt haben, aber versagen, sobald die Geschichte wirklich ernst wird. Sie brauchet eben die geistige Führung aus Rußland. 215:0 w i r brauchen sie nicht; im Gegenteil, wir nässen uns diesen Zuzug vom Osten auf das allerentschiedenfte verbitten. Lind da tritt die Außenpolitik in ihre Rechte. Ver­ständlich. daß das Auswärtige Amt sich bisher noch nicht gerührt hat, wenn aber der Prozeß abgeschlossen ist. dann wird es doch allerhöchste Zeit, daß wir einmal amtlich bei den Russen

versteht man. weshalb die Kommunisten ein so großes Interesse daran haben, den Mann für irrsinnig zu erklären. Sie wühlen in seiner Familiengeschichte herum, um Rachweise einer erblichen Belastung zu erbringen. Vergeblich. Wer auch nur eine Stunde Verhör beiwohnen konnte, wird den Eindruck mitnehmen, daß hier kein Verrückter spricht, sondern ein Mensch, der alle seine fünf Sinne beisammen hat und sogar sehr logisch zu denken versteht. Es kann darnach

ich nicht der geringste Zweifel mehr daran be­stehen, daß jener russische Geheimagent weit­gehende Vollmachten von Moskau hatte, daß er über starke Geldmittel verfügte. tausende

Die deutsche Tscheka.

Wir ersticken leider zur Zeit terartig in Sensationen daß ein normales menschliches Ge­hirn nicht mehr au-reicht. um die Zusammenhänge zu begreifen, und darunter auch die Ülnterschei- düng zwischen Wichtigem und Unwichtigem ge­trübt wird. Der D a r m a t - S k a n d a l samt ollem, was damit »usammenhängt, ist eine not­wendige Rcinigungskur, die wir orauchen. toinn wir wieder daS Gefühl für Moral und Ethik auch in der Politik bekommen. Aber er darf doch nicht so stark in den Vordergrund geschoben wer­den, daß wir unsere Verbindung mit der übrigen Welt darüber vergessen. Deswegen ist es not­wendig, die Aufmerksamkeit gewaltsam auf den Prozeß zu lenken, der gegenwärtig vor dem StaatSgerichtshof in Leipzig gegen einige Kommunisten geführt wird. Er hat seinen Ausgangspunkt genommen von der Er­mordung eines Friseurs Rausch, der vor ein­einhalb Jahren umgebracht wurde. Wie sich nachher herausstellte, weil ec den Kommunisten als Abtrünniger gefährlich schien. Die Polizei hat lange gebraucht, bis sie den Fäden dieses Verbrechens auf die Spur kam. Zuletzt aber ist es ihr gelungen, und was sich jetzt an DeweiSmaterial in Leipzig hervordrangt, ist doch wohl das Ungeheuerlichste von allem, was wir bisher erlebt haben. Auch in den schlimmsten Zeiten unserer eigenen llnrufjen hatten wir doch noch ein gewisses Gefühl der Genug­tuung, daß wir russische Zustände bei weitem nicht erreicht hatten, daß wir sogar noch mit einem gewi'se" G een an hi' Qlrf henke- k unten, wie der Bolschewismus feine Experimente zur Verbesserung her Menschheit in Mostau und Ilmgegend durchführte. Alnb jetzt erfahren wir plötzlich, daß mancherlei geschehen ist, um diese Methoden auch aus Deutschland zu übertragen, es hat wirklich nicht allzu viel gefehlt, dann waren wir hoffnungslos hinter den Russen auf der schiefen Ebene abgerutscht.

Die psychologischen 23orbebinqun* gen waren damals, im Sommer 1923, zweifel­los gegeben, als unS bas Geld unter den Hän­den entwertet wurde, als alle festen Begriffe sich au losen begannen und dadurch eine Unzufrieden­heit Platz griff, die nur auf den Funken wartete, der daS Pulverfaß zur Explosion brachte. Zum Glück gelang es noch rechtzeitig, den Funken auSzutreten, aber was geschehen wäre, falls nicht noch in zwölfter Stunde der Absturz verhindert wurde, da« wird unS jetzt in Leipzig vor Augen geführt. Wir erfahren da. daß nach rusfischem Muster und nach russischen Anweisungen M o r d- truppS gebildet waren, die nicht nur durch Masfenterror, sondern auch durch S i n z ei­ter r o r wirken, gleichzeitig von unten aufpeit- fchen und den Widerstand von oben her lähmen sollten. Eine genaue Kopie der bolschewistischen Dolksbeglückung.

Der Kronzeuge Neumann, der Mörder jenes Friseurs, hat offenbar das Spiel verloren gegeben und erzählt nun mit einer geradezu brutalen Offenheit alleS, waS geplant war. Man wollte den General von 6 e e d t ermorden, man wollte StinneS und B o r f i gerledigen ", man wollte mit Cholera bazillen arbeiten, kurz, es geschah alles, um daS ohnehin schwer erschütterte Gleichgewicht des deutschen Volkes völlig umzuwerfen. Damit aber nichts *t>ergeffen tourte, war mit her Gebrauchsanweisung gleich­zeitig auch ein Führer aus Moskau mit» geschickt worden, ein Mann, der sich unter aller­hand Decknamen hier in Berlin Herumgetrieben hat, dessen Laufbahn aber wohl allein hinreichend dadurch gekennzeichnet ist, daß er sich selbst als den Sieger von Kronstadt bezeichnete, also als den Maisenfchlächter, der durch asiatische Brutalität den Aufstand in Kronstadt nieber- ö C&enn man die Aussagen deS Zeugen liest,

anfragen, wie sie ihre Zusage, daß sie sich jeder Agitation in Deutschland ent­halten würden, mit den Ergebnissen dieser Beweisaufnahme in Einklang bringen wollen.

Der Tschekaprozeh.

Berlin. 13. Febr. (XU.) Die Verneh­mung im Tscheka-Prozeß in Leipzig wandte sich dem A11 e n t a t s p l a n gegen General von Geeckt zu. Der Angeklagte Neumann er­

klärt. daß er kurz vor dem Attentat 1923 den Auftrag zur Erledigung SeecktS er­halten habe. Es wurde ermittelt, daß Geeckt immer morgend einen Spazierritt im Tiergarten unternahm. Seeckt wurde dann regelmäßig beobachtet, wenn er daS Reichswehrmini­sterium verließ. ES war beabsichtigt, ihn durch <e i n e Salve aus dem Gebüsch vom Pferd zu schießen. Der Angeklagte Neu­mann erfiärt weiter, daß ihm im Laufe der Zeit moralische Bedenken kamen, so daß

er nachher Abstand von der Tötung nehmen wollte. Auf die Frage, warum er in der Vor­untersuchung in dieser Ausführlichkeit von der Angelegenheit noch nicht gesprochen habe, erfldrU der Angeklagte, daß er befürchtete, dann auf irgend eine Art von der Partei beseitigt zu werden. Der Angeklagte fügte hinzu, daß er auch jetzt einiges noch nicht gesagt habe.

BarmaisGönner'".

Botschafter von Maltzahns Aussagen im Untersuchungsausschuß des Reichstags.

Berlin. 13. Febr. (Wolff.) Der Unter­suchungsausschuß des Reichstags in Sachen her Kreditaffäre Barmat-Höfle usw. trat heute vormittag wieder zusammen. Der Bot­schafter vo n Maltzan erklärt, alS Lega­tionsrat in Amsterdam habe er in einem Tele­gramm vom 23. Januar 1918 vor Barmat gewarnt. Darmot habe 1919 ein Visum des Auswärtigen Amtes zur Einreise erhalten. AlS er, Maltzan. dann Ministerialdirektor im Aus­wärtigen Amt war. habe sich der Abgeordnete St ücklein bei ihm für die Einreise einer Schwester Daimats verwandt, was er, Maltzan, abgelehnt habe. Zeuge erklärt weiter, er habe gehört, Darmat sei al- ganz armer Flüchtling auS der Ukraine nach Hol­land gekommen, wo er dann Bankgeschäfte be­trieb. Darmat habe von schlechten Auskünften über ihn an das Auswärtige Amt in der Regel unverzüglich Mitteilungen erhalten.

Er habe telephonische Verbindung mit dem AuS- bärtigen Amt gehabt und sei über alle Maß­nahmen besser orientiert gewesen alS die Ge­sandtschaft in Amsterdam.

(Bewegung.) Der Vorsitzende Sanger stellt nun aus den Akten fest, daß nach einem Bericht des Staatssekretärs Bayer der frühere Reichs­kanzler Bauer sich für Darmat verwen- d e t hat. Später, so erklärt der Vorsitzende, hohe sich das Blatt gewendet. Es kam ein Bericht des Gesandten v. Rosen, in dem Darmat gegen­über eine wohlwollendeZurückhaltung empfohlen wurde. 3m März 1919 wurde in einem Schreiben des Unterstaatssekretärs Töpfer an die Paßstelle mitgeteilt, daß ein wirtschaftliches 3n- tereffe Deutschlands an Dannat bestehe. Der Vor­sitzende verliest dann das bekannteT ei eg r a m m Darmats an Wels und berührt die ,An­heimstellung" aus dem "Bureau des Reichs­präsidenten. Darmat ein Visum zu erteilen. Wenige Tage nach dem Telegramm Darmals vom 15. Mai 1919, in dem er sich beschwert, das Visum noch nicht erhallen zu haben, erhielt Dar- mat das Visum.

3m 3uni 1919 verwandte sich der Abg. Hell­mann beim Minister des Aeußern, damals Her­mann Müller, um die Einreiseerlaubnis für den ältesten Drüder Julius Darmais auS Lodz.

Aus den Alien des Amsterdamer Geireralkonsu- lats gehe nicht hervor, daß auf Veranlassung des Reichspräsidenten ein Visum für Julius Dermal erteilt worden fei. Am 23 September 1919 finde sich in den Akten des Auswärtigen Amtes eine geradezu vernichtende Kritik an der Geschäftstätigkeit DarmatS. Weiter verliest der Vorsitzende aus den Akten ein Schreiben Hermann Müllers an die Gesandtschaft im Haag über "Beschwerden des Abg. Heilmann bariber. daß Darmat Grenzschwierigkeiten gemacht würden. 1920 fragte Dauer im Ernährungsininisterium Dr. Hermes an. was gegen Darmat vorliege, da sich das Ministerium weigere, weiter mit diesem in Ver­bindung zu treten. Dauer habe dann auch per­sönlich im Auswärtigen Amt vor ge­sprochen, um sich für ein Dauervisum für Da rm at zu verwenden. Das General­konsulat in Amsterdam fei zu einem neuen "Bericht aufgefordert worden und habe erwidert, alle Auskunfteifirmen hätten sich geweigert, schriftliche Auskunft zu geben, da sie geschäftliche Schädigungen befürchteten.

Am 14.1.1920 habe Dauer ein Empfehlungs­schreiben für die Einreise Darmatscher Familien­mitglieder an das Auswärtige Amt gerichtet. Auf die Frage, ob v. Maltzan nicht bekannt sei, daß außer Dauer noch andereGönner" Dar­mats vorhanden gewesen seien, antwortet von Maltzan: Meines Wissens wurden genannt in erster Linie Staatssekretär Töpfer, in zweiter Linie Noske und Scheidemann, und ich glaube auch Hi rsch, das kann ich aber nicht auf meinen Eid nehmen. Nunmehr erklärt der Abg. Dr. Rosenberg: Am 6. Mai 1919 schrieb Töpfer privatim an die Gesandtschaft im Haag, daß Darmat mit dem Reichspräsidenten in ständiger Verbindung stehe. Aus die Frage Dr. Rosenbergs, ob eine parallele amtliche Mit­teilung vorliege, antwortet v. Maltzan: 3a, eine am tliche Anweisung aisdiePaß stelle vom 25. März 1919. Aus wettere Fragen er­klärt v. Maltzan, Ende Oktober 1919 fei Darmat zu ihm gekommen und habe um Erleichte­rung im Dezug von Lebensrnitteln gebeten, die er bann auch dem Staatssekretär geben wolle, was er. Maltzan. abgelehnt habe. Darmat habe ihn auch aufgefortert, in

seinem Hause zu verkehren, weil er dort m i t prominenten Person lichkei- ten der neuen Regierung Fühlung bekommen werde. Gemeint f.iei Scheide- mann, Daake und Hirsch gewesen.

Aus dem Barmatunter­suchungsausschuh.

Die Zeugen Dr. Hott Nichtcr und H rsch.

Berlin, 13. Febr. Angesichts des geftriacn Zwischenfalles ist im Hause eine Sch utzw ach e von zwölf Beamten deS Berliner Polizei­präsidiums anwesend. Es wird in die Derneh- mung deS Finanzministers a. D. v. Richter eingetreten. Der Zeuge erklärt, c3 fei unmöglich, daß die ^Geschäfte der Staatsbank seitens des Finanzministeriums einzeln beaufsichtigt werten könnten. AlS Finanzminister richtete er nur ein­mal einen Empfehlungsbrief zugun­sten des Abgeordneten Heilmann an den Präsidenten der Staatsbank, Schröder. Selbstverständlich habe er in der Empfehlung für Heilmann sachlich nicht Stellung genommen zu dem, was Heilmann vom Staatsbankpräsidenten wollte. Der Vorsitzende verliest ein Schreiben Heilmanns, in dem dieser den Minister bittet, seinem Freund 3ulius D a r m a t dem neuen Präsidenten der Staatsbank zu empfehlen. Rich­ter erklärt dazu, abgelegen von Hellmann habe er niemals mit irgendeiner politischen Persönlich­keit über Äutisker und Darmat gesprochen.

Aus die Frage, ob ihm über die Kredit­gewährung an Michael, Kutisker und D a r m a t niemals vorher etwas zu Ohren gekommen sei, eche es in der Presse stand, erwiderte der Zeuge, daß unter Der Hergabe der Kredite andere nicht zu leiden gehabt hätten. Auch bei der Etatsberattrng im vergangenen 3ahre feien ihm über diese Dinge keine 3nfor- matIonen zugegangen. Der Staatsbank habe es sehr recht sein tonnen, wenn die ungeheuren Härten itnb Schäden infolge der Stillegung der Notenpresse durch die Kreditgewährung der Staatsbank gemlldert wurden. Es könne nie­mals die Rede davon sein, daß ein Widerspruch in der Kreditpolitik der Reichs- und der Staats­bank vorhanden war.

Sodann wird als Zeuge Geheimrat Hieh- m a n n vernommen. Er war Vorsitzender des Aussichtsrats der Altlederverwertungsstelle und sagt aus, daß die Firma Kutisker im 3ahre 1920 erstmalig als Käufer von Heeres- material aufgetreten fei. Auf den Druck der Entente mußten bekanntlich sämtliche Mllitär- materialien, wie Tornister usw., zertrennt werden. Wir sollten das Leder der Tornister verwerten und haben es zu diesem Zwecke gerben lassen. Die Verwertung stellte sich aber als unrentabel heraus.

CS erschien Herr Kutisker und erbot sich, von der Interalliierten Kommission die Erlaubnis zur Ausfuhr für unzertrennte Tornister zu er­hellen. Anter der Dedingung, daß diese Erlaub­nis erteilt werben wurde, wurde von Regie- rungßfeite daraufhin die Altlederverwertungs­stelle ermächtigt, eine große Anzahl von Tor­nistern an Kutisker zu verkaufen.

Hierauf wird von der Wohnungsbe­schaffung für die Darmats gesprochen. Der Vorsitzende verliest dazu zunächst einen Bericht des Oberpräsidenten an den Minister. Nach An­sicht des Oberpräsidenten ist in der Wohnungs­angelegenheit seitens der zuständigen Behörden ordnungswidrig verfahren worden. Es sei sehr merkwürdig, daß Barmat als Aus­länder einen Wohnungsberechtigungsfchein er­halten habe, während die Ausländer sonst nur einen Wohnungserlaubnisschein bekamen.

Der sozialdemokratische Abgeordnete und frühere preußische Minifterpräsident Stadtrat Hirsch- Charlottenburg sagt aus. daß im 3uni ober 3uli Herr Rostin, der früher am Auswärtigen Amt beschäftigt war, sich für Henry Darmat bei ihm nach den Bedingungen für Bau- kostenzuschuhwohnungen erkundigt habe. Der Zeuge bemerkt, daß ihm Henry Dannat nur ganz flüchtig bekannt gewesen fei. Herr Rostin hätte später nach einer Unterredung d r e r Zeugnisse vorgewiesen, die von der See - Handlung, von Höfle und von dem Abg. Lange-Hegermann unterschrieben waren.

Eine formelle Anweisung für den Bezug einer Wohnung an Barmat ist damals und auch bis heute noch nicht erfolgt. Ich war emtge Male im Bureau des Herrn Darmat, um zu versuchen, stellenlose Personen durch Um unterzubringen

ober Unterstützungsbeträge für Bedürftige zu erbitten. Einige Male habe ich auch Unter- stützungsbeträge bekommen. Auf die Behauptung des Abg. Stolt (Komm.), bei den Akten befinde sich eine Quittung, von Paul Hirsch unterzeichnet, über 50 000 Mk., erklärt der Zeuge Hirsch: Ich habe glücklicherweise einen sehr vermögenden Bekanntenkreis, in dem sich Diele sozial empfindende Menschen befinden, di« mir schon seit Jahren für gemeinnützige Zwecke Mittel zur Verfügung gestellt haben. Es find dies Leute, die sich durchaus eines guten Rufes erfreuen.

Polizeipräsident Richter beurlaubt.

Berlin, 13. Febr. (T. A.) Wie der amt­liche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische M.nister deS Innern, Eevering, das Urlaubsgesuch deS Berliner Poli. zeipräsidenten Richter genehmigt

Der Fall Engelbert.

Berlin. 13. Febr (WB.)' Auf die De- schwerde der Staatsanwaltschaft wurde von fetten des AnteriuchungsrichterS in eine erneute Ver­nehmung und Nachp'üfung der Akten Engel­bert eingetrekn. Rechtsanwalt Gngclte, i tru- uc in Haft genommen und bei Haitteseh! von« Untersuchungsrichter bestätig!. Eine ei i a hende Vernehmung deS Iustizrats Werthauer durch den Untersuchungsrichter führte zur Haft­entlassung desselben. Jedoch wird auch gegen diese Haftentlassung fettens der Staats­anwaltschaft sofort Beschwerde eingelegt.

Die Vorwürfe gegen Engelbert werden damit begrüntet, daß er nach Ansicht der Staats­anwaltschaft von dem fchlechten geschäftlichen Stand ter Stein-Dank Kenntnis gehabt und trotzdem ein Kredi tges uch Ku isk.rS an die Preußische Staatsbank aufgesetzt habe. Rechtsanwalt Engelbert habe jedoch erklärt, daß er als Jurist die gefchäflliche Lage der Stein- Dank nicht so habe durchschauen können wie ein Kaufmann, während die Staatsanwalt! chast ihm »um Vorwurf macht, daß er entweder selbst ober Durch "Bücherrevisoren f i ch von der Kredit­würdigkeit der Bank hätte über­zeugen müssen.

Reichskanzler a. D. Dauer hat an bei) Dezirksverband "Berlin der Sozialdemokrat scher Partei ein Schreiben gerichtet, in dem er er­klärt. daß der im Lokal-Anzeiger" veröffent­lichte Am exima-Drief nicht den Tat­sachen entspreche. Er wolle den Beweis führen, baß der Brief in keinem Punkt zutreffend fei, und bitte daher, dem Be­schluß auf seinen Ausschluß aus ter Partei einstweilen nicht zuzustimmen.

Freispruch

im Himmelsbachprozeh.

Berlin. 13. Febr. (TU.) 3m HimmelS- bachprozeß wurde der Angeklagte Fern- bach freigefprochen. Zur D g ü -düng des Urteils führte Arntsgerich.srat Lorying u. a. aus: Es war zu prüfen, ob die Vorwurfe, die in den 8 Artikeln des "Holzmarktes" enthalten sind und zur Anllage stehen, als strafrechtlich zu ahnden, auf Grund des § 186 anxufehen feün Der angetretene Wahrheitsbeweis habe nichts Belastendes gegen Himrnelsbach er­geben. Wären Geheimverträge beschlossen wor­den, in denen sich die Vertragschließenden ver­pflichten, den deutschen Regierungen darüber nichts mitzuteilen, läge allerdings glatter Lan­desverrat vor. Zur Frage, ob Fernbach ter Schutz des § 193 zuzubilligen sei. sei zu erwägen, baß er als Redakteur und Verleger In ter- elfen sowohl nach der materiellen wie der ideellen Seite zu wahren hatte, auch komme ter gute Glaube dem Ange­klagten durchaus zustatten. Bei ter Frage ob er in ter Form über die Grenze des Zulässigen hinousgegargen und ob eine Absicht ter Belei­digung vorläge, fei zu berücksichtigen, daß der Angeklagte als deutscher Mann so zu bewerten fei. wie jeder gute Deutsche, der feinen grünen Wald liebe. Er habe feiner Ansicht über die Walbverwüstung allerdings einen starken Aus­druck gegeben. Der Angel lagt? könne ater nicht bestraft werten, weil das Gericht ihm den vollen Schuh des § 193 zugebilligt hätte. Die Kosten wurden dem Vrivatkläger auf» erlegt