Ausgabe 
14.1.1925
 
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versetzt die anscheinend zur VLuriDTung oes Kabinetts führen wird. Durch Len Rücktritt des Innemninifters hat sich die Lage auf das äußerste zugespiht. In politischen Kreisen spricht man von einem kommenden Kabinett Kasw Kara- bekir Pascha, des jetzigen Vorsitzenden der Fort- schrittspartei.

Diese frisch fröhliche Angelegenheit, die den Ruhm des damals 39jährigen Kapellmeisters am Theater an der Wien begründete, hat noch heute nicht ihre Zugkraft verloren. Unb sie gehört neben dem Rosenkavalier" und derFledermaus" zu den Werken des ausklingenden neunzehnten Jahr­hunderts, die Dank ihrer Theaterechtheit Gene­rationen überdauern werden. Das flotte Spiel, musikalisch wie dramatisch gesprochen, die Un­bekümmertheit im Ausbau, die marionettenhafte Behandlung der Figuren, die lebenbige Melodik der musikalischen Diktion, die bewußte Abkehr von jeder Tiefe. Symbolik. Universalität, kurz, das Theatralische im besten Sinne, begeistern immer wieder zu Heller Freude.

Auch die gestrige Aufführung im Stadt­theater bewies, was für ein Leben von diesem Werk ausgehen kann. Die Spielleitung lag in den Händen des ohnehin schon beweglichen Oberspielleiters Ernst Dadekow: was Wun­der also wenn die Aufführung Tempo! Tempo!! ab^ollte. Am Pult stand Kapellmeister A. M i- schel der von der Bühne her stark milgerassen wurde Richt immer zum Bortell des Ganzen: das Aujtrcktslied der Gräfin mit ihren

---DaS Publikum, der wichtigste Faktor im > -Theater als Gcgrnsp'e'er zur Bühne hatte das Haus bis auf den letzten Platz gefüllt und ging willig und begeisterungsfreudig mit der tempe­ramentvollen Aufführung mit. Cs gab viel, nein sehr viel Beifall. e-s.

Antonio Stradivari.

Der größte (Geigenbauer.

Antonio Stradivari ist unsterblich ge­worden durch die Wundergeigen, die er geschaffen und die auch durch die größten Fortschritte der Technik nicht übertroffen werden konnten. Für seine Instrumente werden heute die höchsten Preise gezahlt, und es liegt etwas Geheimnis­volles in dem unbegreiflichen Wohllaut, den er seinen Geigen einzuflößen wußte. Wir besitzen kein Bildnis von Stradivari, aber wir wissen aus Schilderungen, daß er ein großer, hagerer Mann war, der bei der Arbeit stets eine weihe Wollmühe und eine weiße Lederschür^e trug. Bei dem Meister des Geigenbaues, Rico las A m a t i. war er in die Lehre gegangen und war selbst ein vortrefflicher Geiger, der er­kannte, was den A.natigeigen noch fehlte. Gr stellt: darüber Verbuche an und probierte dreißig Jahre, bis er endlich gefunden hatte, was er wollte. Aus der Werdezeit seiner Kunst gibt es nur verhä.tnismähig wenige Geigen. Bei seinem sabechaften Fleiß wird er aber auch schon da­mals viele verfertigt haben, und man muß an-

zu beklagen.

Derkehrsunfall in Berlin.

3n Charlottenburg stießen heute nach­mittag zwei Strahenbahnzüge zusammen, wobei die Anhängewagen btf einen Zuges aus ^m Geleise gedrückt, ein S ch a f f n e r des Beiwagens getötet und mehrere Personen verletzt wurden.

Eisenbahnbetriebsunfall bei Prag.

Aus Prag wird gemeldet: In der Bähe der Stadt geriet eine Draisine vor euren Güterzug. Das Fahrzeug wurde vom Zuge erfaßt und z e r t r ü m m e r t. Bon den drei In­sassen wurden ein Oberrevident der Staatsbahn und ein Ingenieur sofort getötet, wcchrend ein mitfahrender Eisenbahner mit schweren Ver- wundungen davvnkam.

Eckener-Ehrung in München.

2lm Montag fand auf Veranlassung Ar Münchener Künstlerschaft im Münchener Künst­lerhaus ein Fe st abend zu Ehren des Zeppelinführers Dr. Eckener statt, in, dessen Verlauf Dr. Eckener im Ramen der SUnftler- schäft eine Medaille mit einer Urkunde überreicht wurde.

Gießener Stadttheater.

Der Bettclstudent.

Operette in 3 Allen von Carl Millöcker.

gut gemacht werde.

Die Arbeitsgerneinschaft der Ar­beiter-Zentrumswähler in Hessen hat die Reichstags- und die Landtagsfraktivn des Zentrums gebeten, unter keinen Umstän­den eine Rechtskoalition einzugehen, es sei eine Koalition dec Parteien der Mitte zu er­streben.

Die italienische Krisis.

Einigung der Opposition.

R.o m. 14. Ian. (T. 11) In der am Montag stattgefundenen Aussprache zwischen G i o l i t t i, Orlando und Salandra ist eine vorläufige Einigung der Führer der parlamentarischen Opposition erfolgt, die sich in einer gemeinsamen Taktik gegen die Regierung auswirken wird. Eine für gestern abend einberufene Voll­sitzung der Abgeordneten scllte diese im einzelnen festlegen. Der ..Corriere della Sera" meint hier­zu, die Opposition müsse gegen die Wahl­rechtsvorlage stimmen, um so der Regie­rung ihr Mißtrauen auszudrücken. Wenn sie auch durch die Stimme der Opposition nicht zu Fall gebracht werden könne, so sei bei der großen Erbitterung, mit der gekämpft wird, und der erprobten Gewandtheit Giolittis mit Heb er- Laschungen zu rechnen, die auch die Aventin­opposition zu einem Vorstoß veranlassen könne.

Die Kämpfe in Marokko.

Paris. 14. Ian. (WTD. F mk'pruch ) Der Sonderberichterstatter desPetit Parisien" meldet aus Fez. daß die Rifleute zum ersten Male seit Wochen in der Rähe von Teluan anscheinend eine ziemlich ernste Schlappe erlitten haben. Die Djeblas-Stämme, die sich gegen die Spanier erhoben hatten, se'en mit den Rif­leuten unein g geworden mrd sollen am 7. Ja­nuar die Truvpen Abd el Krims an­gegriffen h^b n, wobei sie 103 Rifleute ge­tötet und 300 gefangen genommen hätten. Ihre eigenen Verluste sollen nur 63 Mann betragen haben.

Kabinettskrise in der Türkei.

Konstantinopel, 14. Ian. (TU.) Das erst vor kurzem gebildete Kabinett ist durch die heftigen Angriffe der oppositionellen türkischen Fortschrittspartei in eine kritische Laa e

Das Eisenbahnunglück von Herne.

Der amtliche Bericht. Nebel als Ursache. 22 Tote.

Der amtliche Bericht der zuständigen Eisenbahndirektion zu dem Unglücksfall bet Herne hat folgenden Wortlaut:

Am 13. Januar, vormittags 7.20 Uhr, fuhr der v-Zug Ur. 10 in dem Bahnhof Herne auf den im Bahnsteig stehenden Personenzug Rr 230 dec dieselbe Richtung fuhr und fahr­planmäßig 7.19 Uhr abfahren mußte, auf. Die

Wettervoraussage.

Bedeckt, südliche Winde, geringe Wärme­änderung, höchstens geringe Riederschlage (in DD1

Sv hätte---------;

Töchtern gern ein wenig ferner, leichter, zise­lierter kommen müssen, steht es doch im schärfsten Gegensatz zu seiner musikalischen und entsprechend dramatischen Umgebung. Wenn die Intervre-

1. Ehefrau Solthsiakaus Ickern, 2. Kauf­mann Westring aus Henr ch nburg. 3. Johann Korn aus Dortmund. 4. Johann Holtfilker auß Dortmund, 5 Kaufmann Hoff aus Dort­mund, 6. Georg B a n f e I e r aus Herne, 7. Mi­chael W i tzi ak aus Salzbnh in Bayern, 8. Jo­hanna Vollmer aus Herne. 9. Gustav Hip­pe n st i e l aus R'cinke. 10. Franz Drosch aus Dortmund, 11. El fabelh Trente aus Osterfeld, 12. Ad lbcrt Korwitsch, Wohnung unb kannt, 13. Richard Voß aus Dortmund, 14. Otto Horstmann aus Dortmund. 15. Karol ine Jungs aus Castrop. 16. Gertrud Tulhage aus Dortmund. 17. W lh'lm Wruz aus Drw.'N- schweig 18. Hild^g rd Dürbusch aus Dot- mund. 19. Frieda Grünenberg aus Herne, 20. Frau Weller aus Hamborn, 21. Stefan Soltusiak aus Ickern. Der Rame des 22. Toten konnte bisher noch nicht festgestellt wer- - - -

den. Ilnv rieht s nd Lokom st vführer Hermann Heren Laaen^Schnee^

tation der Partitur im ganzen zweifellos nicht immer in der Linie des Komponisten lag, so kann man sich doch mit der leicht parodistisch- tarilierenben Form der Aufführung wohl ein­verstanden erklären: und alles stärker Aufträgen ist damit ausreichend motiviert.

Der Oberst Ollendors (Richard von Schenck) leistete in der Karikatur Ergötzliches. Stimmlich sowohl wie darstellerisch gab er Anlaß zu reiner Freude. Sein Gegenspielei-, der Bettel st udent (Max Roller) verlieh sich auf sein nicht übles Stimm ater ial und sein

Prachtgewand und war beidemale gut auf­gehoben. Auch Clara Zellers Gräfin Rv- walska darf nicht unerwähnt bleiben, trug sie doch viel zum glücklichen Gelingen der Markt­szene bei. Die Rolle der Laura füllte Meta Li eberma nn in sympathische Welle aus. Ihre Distinktion im Spiel fällt angenehm auf, unb die gefällige Behandlung des stimmlichen Ausdrucks gereichte der Gesamtleistung nur zum Vorteil. Unverzeihlich wäre es, an Enterich vvrbeizugehen, nicht allein, weil diese Figur kür das ganze erste Bild von Wichtigkeit ist, sondern zumeist, weil Joseph Gareis, sogar im Gesang sächselnd, wirklich erheiterns» zum Mittelpunkt seiner Szene ward. Das Paar Ian und Bronislawa (Ernst Badekow und Else Simon) entledigten sich ihrer Aufgabe nach bestem Können. Blieben noch die Chöre, b.c überraschend frisch mitgingen; besonders der Frauenchor des Gesängnishofes war von erfreu­licher Lebendigkeit.

Haverkamp und Reservelokomotivführer Paui Heizbringer aus Hamm.

Das Ergebnis der Untersuchung.

Mittwoch früh soll in Herne eine Kom­mission des Verkehrsministeriums in Berlin und Vertreter des Hauptverwaltungsrates ber Dmck° schon Reichseisenbahngesellschaft eintreffen Die Vernehmung des Lokomotivführers und des Heizers der Schnellzuglokomotive fand ®ienßtag nachmittag im Gmpfangsgebaude des Bahnhofs

estgestellt, daß das erste Siche­rungssignal, Bladenhorst aus Fahrt, das Einfahrtsignal direkt vor dem Bahnhof Herne jedoch auf Halt gestanden hat Der F ü h r e r der Schnellzuglokomotive behauptet das Gegenteil. Anscheinend hat er sich bei dem dichten Rc^el getäuscht. Er hatte den V-Zug erst in Hamm übernommen, war also erst einige Stunden Stunden im Dienst, als sich daS Unglück erei^ete.^Ufräumunggarßciten auf dem Hemer Bahnhof sind beendet. Um 5.30 Uhr

konnte bereits der erste Zug nach Wanne die Unglücksstelle passieren.

Ein neues Eisenbahnunglum bei Aachen.

Auf der Strecke Bäensfeld Hammer (»«Ben ijeuie morgen 7.30 Mr i6n bdabene Güterwagen auf die am Ende der Gefallstreck« hallende Rangierabteilung auf. Der Zugfüh­rer wurde getötet, vier Wagen wurden stark beschädigt.

Zugzusammenstotz in Duisburg.

Auf dem Duisburger Hauptbahirhof fuhr heute vormittag eine Lokomotive auf den nach Oberhausen abfahrenden Personenzug auf. Fünf Personen wurden verletzt.

Kein Eisenbahnunglück bei Hattingen.

Ein Berliner Abendblatt berichte von einem Eisenbahnunglück beiHatting dem drei Personen getötet und mehrere verwundet seien. Wie dieTelegraphen-Union hierzu von zu­ständiger Seite erfährt, ist die OEtibimg frort übertrieben. Die Maschine eines aus Reißen eingetroffenen Zuges sollte diesen dorihm 5urüd> bringen. Als sie auf der anderen Seite des Zuges aufstieh. entgleiste bei dem zu heftigen An­prall der erste, leere Personenwagen, der dann ausgesetzt wurde. Menschenleben find nicht

Mdckftstaldtvew« 6i>ietter, »er ' Leiter des Referates(Snglanb der Presse a, der vortragende Legationsrat Saller, in Aussicht genommen worden.

Die Auswertungssrage.

Berlin, 14. Ian. (TU.) Die dieReue Tägl. Rundschau" meldet, ist eine aus Delegier­ten deS Reichsfinanzministeriums und des Reichsjustizministeriums, wie aus Mllgliedern des Kammergerichts bestehen­den Kommission von der Regierung damit be­auftragt worden, einen Entwurf für ein neues Aufwertungsgesetz bis zum 15. Februar auszuschreiben.

Der Militärkontrollbericht.

London, 14. Ian. (WTD. Funkspruch.) Rach dem diplomatischen Berichterstattcr des Sailt) Telegraph" laufen bei den alliierten Re­gierungen weiterhin Interims-Berichte der ver­schiedenen Unter-Abteilungen der Interalliirten Militär-Kontrollkommission ein. Der Eingang des endgültigen Berichtes der Kommission wäre nicht vor Ende des Monats zu erwarten. Auf jeden Fall werden entscheidende Besprechungen zwi­schen den alliierten Regierungen über die Frage her nächsten Rote an Deutschland kaum vorher stattfinden können.

NeuesranzöfischeKriegsgerichts- urteile.

Berlin, 14. Jan. (TU.) Aach Pressemel­dungen haben französ sche Kriegsgerichte Äon- tum-Jialurtele gegen die Generäle von Zoell- ner, von Heinrich, von Graevenitz. den Major v o n T e s s i n, den Rittmeister Himmel, den OberLutnant von Eberlein gefällt. Das Reichsgericht, das diese Fälle eingehend untersucht hat, ist zu dem Urteil gelangt, daß die französischen Beschuldigungen vollkom­men unbegründet sind.

Aus dem Hessischen Landtag.

Darmstadt, 13. Jan. (Eigen. Bericht.) Der Finanzausschuß des Landtags hat heute die nachstehende Entschließung angenommen: Der Finanzausschuß des Hessischen Landtages gibt einmütig seinem Schmerz und seiner Entrüstung darüber Ausdruck, daß die für den 10. Januar vertragsmäßig vereinbarte und zugesagte Räu­mung des besetzten Kölner Gebietes nicht erfolgt ist. Er versichert die in ihrer be­rechtigten Erwartung betrogenen Volksgenossen der Kölner Zone seiner ungeteilten Sympathie und spricht die bestimmte Hoffnung aus, daß das an ihnen begangene Unrecht baldigst wieder

Giehener Anzeiger mit seinen Beilagen Gießener Familienblätter und Heimat im Bild Bezugspreis für die zweite Januarhülfte

1 Mark und 10 Pfennig Trägerlohn

vier letzten Wagen des Personenzuges (4. Klaffe- wagen) wurden zerstört und ineinander ge­schoben. Ein Teil der Reisenden, die in diesen Wagen saßen, wurden getötet oder verletzt. Soweit zur Zeit festgestellt werden konnte, sind

22 Lote unb 59 schwer oder minder schwer Verletzte

zu beklagen. Der Rame des 23. Toten steht noch nicht fest. Außerdem find 14 Personen so leicht verletzt, daß sie ihre Reise fvrtsehen oder sich selbst in ärztliche Behandlung begeben konnten. Die Flamen der ins Krankenhaus gebrachten schwerverletzten Personen stehen noch nicht fest. Von den Reisenden des v-Zuges ist, wie bisher festgestellt wurde, niemand verletzt. Es steht fest, daß

das Cinsahrtsignal auf Halt

stand, und zwar nicht nur durch Aussagen ein­wandfreier Zeugen, wie Fahrtdienstleiter, Auf- iichtsbeamten usw.. sondern durch den Zustand der sofort untersuchten elektrischen Signalstelle. Der Betrieb ist nicht gefährdet.

Der Oberbürgermeister von Essen hat der Eisenbahnverwaltung von Essen sofort sein Beileid ausgedrückt und die städtischen Kranken­wagen zur Verfügung gestellt. Der Regie-- rungsPräsident von Arnsberg ließ der Stadt Herne fein Beileid ausdrücken und stellt für morgen vormittag den Besuch eines Ver­treters der Regierung in Aussicht.

Rach dem Ergebnis der bisherigen Unter­suchung müssen

Rebel und Dunkelheit als Ursachen

des Unglücks angesehen werden. Der Betrieb wird eingleisig aufrechterhalten.

Die Toten von Herne.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 13. Januar 1925

Sonderturnkurse für f.i rvächliche Kinder.

Im verflossenen Jahre ist für Preußen eine Regierungsverfügung erlassen worden, durch die es den größeren Staaten zur Pflicht gemacht wird Sonderturnkurse für schwäch­liche Kinder einzuführen. Diese Bestrebun­gen für solche Kinder, die infolge eines Ge­brechens oder wegen großer körperlicher Schwäche nicht in der Lage find, den allgemeinen Turn­unterricht zu besuchen, besondere Turnstunden einzuführen, find nicht neu. Schon 1903 haben einige Städte, unter andern auch Mainz, auf Anregung orthopädisch gebildeter Aerzte an den Volksschulen neben den 2 Pflichtturnstunden noch 2 besondere Stunden eingeführt, durch bk alle gesundheitlich .gefährdeten" Kinder gekräftigt werden sollten. Vielerorts sind diese Sonder- turnfurfe wieder eingeschlafen, da man teils mit zu großen Hoffnungen an sie herangegangen war, oder da man sie nicht zweckdienlich ^u ge­stalten gewußt hatte. Der jüngste preußische Er­laß zeigt aber, daß man aus der Zeck des Probiei cns herausgekommen ist und sich von der Rützlichkeck und Rotwendigkeit dieser Ein­richtung überzeugt hat. Auch hier in Dießen ist die Einführung solcher Sonderturnkurse be reiis beschlossen. Seit Oktober erhallen Se^rcr und Lehrerinnen der hiesigen Stadtschulen un Institut für Körperkultur an der Universität die nötigen theoretischen und prallischen Unterweisungen, bamlt zu Anfang des nächsten Schuljahrs mit den Turnkursen begonnen werden kann.

Ärztlicherseits ist schon oft die Forderung nach der- täglichen Turnstunde erhoben worden, ohne daß man sie aber wegen ncricfjieöener Schwierigkecken hatte durchsetzen tonnen.* Es ist deshalb mit Freude zu begrüßen, daß letzt we­nigstens für die Kinder, die es besonders notig hoben, die Gelegenheit gegeben wird, in -wer besonderen Turnstunden ihren Körper zu kräf­tigen. Teilnehmen sollen alle schwächlichen und blassen Kinder mit flacher Brust und rundem Rucken, mit schlechter Körperhaltung und begin­nen den Rückgratsverbiegungen, mck den Zeichen schwerer Rachitis. Gedacht ist aber auch an rem. unglücklichen Kinder, die etwa wegen einer Wus kellähmung ober einer Gelenkversteifung vo. dem regulären Turnunterricht audge^lojfcn werden muhten. Sie sollen sich in den Sonder- turnstunden Geschicklichkeit erwerben, sie sollen hier lernen. Bewegungen, die sie wegen einer Lähmung nicht ausführen können, durch Bewe­gungen anderer, noch kräftiger Muskeln zu er­setzen. Die Kinder werden dadurch geschickter, für eine spätere Berufsarbeit brauchbarer und damit auch zufriedener.

Durch die Turnstunde lernen die Kinder mehr auf ihre Haltung zu achten, sie kräftigen Ujrc Muskeln, durch Atemübungen wird der Brustkorb gedehnt, die Lunge kann sich besser entfallen, sie wird besser durchlüftet und durchblutet. So werden gleichzeitig Herz und ßunge gekräftigt, die Kinder werden widerstandsfähiger gegen die Schädigun­gen der Umwelt, besonders auch gegen die Tuber- hUoftx Natürlich darf man nicht schon in wenigen Wochen große Erfolge erwarten. In monate­langer geduldiger Arbeck läßt sich nur das Ziel erreichen. Dazu bedarf es aber der tätigen Mit­arbeit der Eltern. Sie müssen die Kinder an- halten, eifrig die Sonderturnkurse zu besuchen sie muffen auch darüber wachen, daß die Kinder das Gelernte zu Hause befolgen.

Da zu Ostern mit den Sonderturnkursen bc* gönnen werden soll, so werden in Bälde durch den Schularzt diejenigen Kinder ausgesucht werden, die an ihnen teilnehmen sollen. Die Zahl der Bedürftigen ist erschreckend groß, doch kann aus äußeren Gründen nur mit wenig Kindern be­gonnen werden. Bald jedoch wird der Kreis erweckert werden, und es steht zu hoffen, daß dann alle schwächlichen Kinder herangezogen wer- den, damit sie mit gekräftigtem Körper ins Leben hinaustreten können. &

Vornotizen.

Tageskalender für Mittwoch: Stadttheater: 7y2 UhrDer Teufelsschüler". - Deutsch-Oesterr. Alpenverein: 8.30 Dorlesungs- gebäube Mineral, u. gevlog. Institut: Lichtbilder- Vortrag. Vereinigung ernster Bibelforscher 8 Uhr Saalbau Sauer öffentlicher Vortrag. Hess. Polizei- und Schutzhunde-Derein 1914: 8 Uhr Generalversammlung bei Faber, Reuen- weg. Lichtspielhaus, Dahnhvsstr.:Die ze^i Gebote".

Aus dem Sckadttheaterbureau wird uns geschrieben: Wegen Erkrankung der Damen Relson und Andrs nvj&te der Spiri- plan abgeändert werden: Am Donnerst^, 15. Januar, wird Vernarb ShawsTeufels- schüler" wiederholt, der heute erstmalig ge­geben wird, und am Freitag, 16. Januar, toirb die Operette ,Dorine und der Zufall gegeben, die erst für nächste Woch^vvrgesehw s^h^^^tz^all^die"ihm nicht völlig genü> ten, wieder vernichtete. Wenn man die Tätigkeit Stradivaris überblickt unb auch davon auSgeht daß Kunstwerke nicht auf wissenschaftlichem Weg/ bervorzubringen sind, so muß man doch bezwen fein, daß er zu seinen Ergebnissen rein empi­risch gekommen sei unb sich lediglich von Er- sahrungstatsachen und Schönhecksgefuhl leiten ließ. Die Geigenmacher von Cremona wurden als Künstler von ihren Zeitgenossen betrachtet,, die Söhne vornehmer Familien wendeten sich biefei Kunst zu und gewisse, auf wissenschasllicher Grundlage beruhende, geheim gehaltene Werk- statt-Tradckionen hat es zweifellos gegeben, die einem gebildeten und denkenden Künstler die Richtung für seine Versuche wiesen. Rur dadurch wird erklärlich, daß es den neueren ©eigen= machern, unter denen doch gewiß viele künst­lerisch hochbegabte Meister waren ober sind, denen Weber Erfahrung noch Verstänbnis noch Schönheitssin nfehlle, noch nie gelang, eine Geige herzustellen, bie einer tadellosen Stradivari wirk­lich gleichkäme. Der Meister hat, nachdem er das Geheimnis der Vollendung gefunden, eine unglaubliche Fruchtbarkeit entwickelt. Selbst wenn er jede Woche nut eine Geige verfertigt hätte, so ergibt das bei seiner 60jährigen Arbeitsdauer immerhin etwa 3000 Geigen. Seine Kunst wurde aber auch bereits zu seinen Lebzeiten anerkannt, : denn er erhielt für eine Geige 10 bis 15 Zech inen

i ober 5 bis 6 Pistolen, was bei der damaligen

Kaufkraft des Geldes einen ziemlich hohen Preis - darstellt.