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Zreilag, }5. November (925

175. Jahrgang

Nr. 267 Erstes Blatt (u

Sietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vruü und Verlag: vrühl'sche Univerfitätt-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Sieben. 5christleitung und Geschäftsstelle: Zchulsttahe 7.

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Dr. Friedr. Wilh. Lange.

Verantwortlich: für Politik und Feuilleton Dr. Friedr. Wilh. Lange; für den übrigen Teil Ernst Blumschcin; für den An- geigenteil Hans Füstcl, sämtlich in Gießen

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Die gescheiterte Flotten­verständigung.

Inwieweit hat die deutsche Flottenpolitik unsere Beziehungen mit England verschlechtert und das Jnselreich zu unserem Weltkriegsgegner gemacht, und was ist von feiten der Marine­leitung geschehen, durch rechtzeittge Rüstungsver- ftänbigung den Bruch zu hindern? Das ist, auf eine klare Formel gebracht, der Kern der <zrage, die die deutschen Historiker und Politiker in zwei feindliche Lager spaltet. Schriftsteller tote Brandenburg (Ursachen des Weltkrieges ), Ham mann, der einstige Pressechef des Aus- toärtiflen Amtes, in seinerDeutschen Welt- polittk 1890 bi« 1912 und schließlich E ck a r d - stein in seinenErinnerungen", sind der An­sicht, die von Bülow und Bethmann angestrebte Flottenverständigung sei von Tirpih durch­kreuzt worden. Tirpih aber weist in feinem Dokumentenbande an der Hand von amtlichem Material nach, daß er nicht nur gegen ein Rüstungsabkommen mit England war, sondern daß ein festes, den deutschen Interessen Rech­nung tragendes Stärkeverhältnis stets das Ziel feiner Politik gewesen sei.

Da ist es ein Verdienst derSüddeut­schen Monatshefte", wenn sie st» ihrem jüngst erschienenen Heft auf diesen 2It*uing3- kampf zurückkommen. 3n einem umfangreichen Leitaufsah erörtert der Großadmiral die Frage: W arum kam eine Flottenverständi- gung mit England nicht zustande? Und er gibt zur Beantwortung dieser Frage neue, höchst wertvolle Dokumente, die ihm als amtliches Material vom Marinearchiv zur Ver­fügung gestellt wurden, teils auch eine Rachlese aus seinen Privatakten sind, soweit sie aus Raummangel in seinem Dokumentenband nicht Platz finden konnten.

Warum nun kam nach der Auffassung des Großadmirals eine Flottenverständigung nicht zustande? Gleich nach der dramatischen Unter­redung des Kaisers mit Sir Charles Hardinge im Schlosse zu Cronberg 1908, bei der der Engländer das drohende Wort sprach:Vou must stop building or build slower" (Sie müssen Ihre Reubauten einstellen oder langsamer bauen) ist die Frage einer Flottenverständigung mit England aufgetaucht. Freilich als einfache Erfüllung des englischen Wunsches, tote Bü­low es wollte, war sie nicht zu erzielen ohne schwere Demütigung für Deutschland. Tirpih trat schon jetzt mit der Anregung an die po- littsche Leitung heran, England ein bestimmtes, den Belangen beider Länder Rechnung tragen» des Stärkeverhältnis vorzuschlagen. Lloyd Ge­orge, der damalige englische Schahkanzler, hatte 1908 von dem für Deutschland äußerst günstigen Verhältnis von 3:4 der großen Schiffe gespro­chen. Diese Anregung war leider von der deut­schen politischen Leitung nicht aufgegriffen wor­den. Jetzt, nachdem schon fast ein Jahr des deutschen Vierertempos ins Land gegangen war, kam für England diese Deutschland so außer­ordentlich begünstigende Relation nicht mehr in Frage und Tirpih rät, daS Verhältnis von 2:3 anzustreben.

Mit der Aera Deihmann-Kiderlen schwand nach der Ansicht von Tirpih nach und nach jede Hoffnung einer Flottenverständigung mit Eng­land. Statt im Frühjahr 1911 zuzugreifen, als der englische Außen- und Marineminister ganz unverblümt vor dem Parlament den geheiligten $too Power Standard das Verhältnis 2:1, zu fünften von Deutschland stets angestrebten 3:2- Verhältnisses aufgaben, lief BethmannS Politik auf nichts anderes hinaus als um vager po­litischer Versprechungen willen das deutsche Flottenge^eh zu opfern. Cs kam die Ohrfeige von Agadir und damit die Rotwendigkeit einer neuen Rüstungsvorlaae. Haldanes Besuch in Berlin zielte darauf ab, das Flottengeseh endgültig zu Fall zu bringen. Bethmanns Zickzackpolitik und politische Schwäche wiesen die Engländer die­sen Weg.

Tirpih meint, daß Bethmanns. Entschluß- losigkeit, Halbheit und sein völliges Unverständ­nis für politische Machtüildung als Grundlage und erste Voraussetzung für Verhandlungen von Gleich zu Gleich eine Flottenverständigung mit England verhindert hat. Richt freilich so. daß Bethmanns Politik durch überspannte Forderun­gen den beiderseits vorhandenen Verständigungs­willen zerstört hätte. Seine Schwäche hätte vielmehr die Wünsche der Gegenseite immer mehr ins Utopische wachsen lassen und dadurch zerschlagen, was Tirpih und Churchill 1913 an- gebahnt.

Deutschland und die internationale handeisfanzmer.

(Don unserem Pariser 8.-Korrespondenten.)

Paris, 9. Rovembcr 1925.

'Die Sitzung des Derwaltungsr.cks der In­ternationalen Handelskammer in Paris, an der zum ersten Ma c die deutschen Mitglieder teil­genommen haben, bedeutet zweifellos einen Mo.k- stein für die Geschichte der deutschen Volkswirt­schaft. Deutschlands überragende Stellung auf wirtschaftlichem Gebiete wurde (haltlos an­erkannt. Man kann uns unmöglich ausschließen vom intern alior.a en Handei. Man hat dies auf der Gegenseite offen zugegeben. Ja noch mehr. Ganz wider Erwarten hielt am Schlüsse der Tagung der ehemalige französisch: Minister und jetzige Präsident des französischen Aus­schusses der Internationalen Handelskammer, $ lernenteT, eine sehr warme Ansprache an die deutschen Mitglieder, nachdem der Dorsit-

Der Reichspräsident

in Süddeutschland.

Der Besuch in Karlsruhe

Karlsruhe, 12 .Rov. (TU.) Reichspräsi­dent v. Hindenburg traf heute vormittag um 11.07 Uhr mit dem fahrplanmäßigen l)°Zug hier ein. Er wurde auf dem Bahnsteig durch den badischen Staatspräsidenten Dr. Hellpach emp­fangen, der ihm den Minister des Innern Rem- mele, den Präsidenten des Landtages, den Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe und den Präsidenten der Reichsbcchndirektion vorstellte. Darauf begaben sich die Herren durch den frühe­ren Fürstenbahnsteig, der in den badischen und Reichsfarben geschmückt war, zum Auto. Als der Reichspräsident aus dem Portal trat, wurden ihm durch die vieltausendköpfige Menschenmenge, die sich schon lange vor Aickunft des Zuges auf dem Dahnhossplah eingefunden hatte, leb­hafte Ovationen dargebracht. Der Reichs-, Präsident dankte stehend im Auto für den über­aus herzlichen Empfang. Dann fuhr das Auto, in dem der badische Staatspräsident neben dem Reichspräsidenten Platz genommen hatte, an den dichten Reihen der spalierbildenden Menge vorbei zum Staatsministerium. Die Straßen waren umsäumt von Vereinen, Korporationen mit ihren Fahnen und der Schuljugend. Ueberall, wo der Reichspräsident erblickt wurde, brach die unüber­sehbare Menge in lebhafte Kundgebungen aus.

Bei seinem Eintreffen im StaatSmini- st e r i u fn empfing der Reichspräsident daS Landtagspräsidium und die Führer der Landtagsfraktionen. Der Präsident des Badischen Landtages, der Zentrumsabgeordneto Dr. Baumgartner, stellte die Mitglieder der Landtagsfraktionen dem Reichspräsidenten vor. Um 1 Uhr Mittags gab die badische Staatsregie­rung dem Reichspräsidenten zu Ehren im Prä­sidialgebäude ein Frühstück. Hierbei hielt der badische Staatspräsident Dr. Hellpach eine Ansprache, in der er nach der Begrüßung des hohen Gastes u. a. sagte: Als oberrheinische Grenz­mark des Deutschen Reiches gedenkt das Land Baden mit besonderer Dankbarkeit der Tatsache, daß sein Boden vor dem Einbruch feindlicher Armeen wäh­rend des Weltkrieges gewahrt blieb. Ihr Name, Herr Reichspräsident, bleibt für alle Zeit das

Symbol des Volkes in Dassen, das den heimatschirmenden Titanenkampf gegen eine Welt zu führen hatte und in Ehren geführt hat. In hohen Jahren, Herr Reichspräsident, haben Sie da­mals, jede körperliche Bequemlichkeit von sich wei° send, die Führung der deutschen Heere übernommen. Ein Jahrzehnt danach sind Sie, über jede geistige Bequemlichkeit sich erhebend und nur dem Gebot der vaterländischen Pflicht untertan, an die Spitze der Nation getreten, die nach uraltem wiedererstan­denen germanischen Gebrauch und Recht durch eigene Wahlen Sie zum Oberhaupt erkor. Der u n - beirrte Dienst am Reich, der Ihnen vor allem am Herzen lag, findet im badischen Land das reudigste Verständnis, denn es ist auch unser Dienst eit jenen denkwürdigen Tagen von 1867, da die indische Regierung als erste zum Anschluß an den Norddeutschen Bund und damit zur Aufrichtung des Reiches drängte. Hieran hat sich durch die sechs Jahrzehnte hin nichts geändert. In, diesem Lande, Herr Reichspräsident, stehen Sie auf einem Boden unbedingter Hingabe an daS Ganz« des

Reiches.

Das badische Volk wird keine Regierung an seiner Spitze dulden, die das große Vermächtnis der Reichstreue nicht bÄv-chrte und durch tätigen Dienst an der deutschen Ration noch ver­mehrte. Dieses Land hat sein eigenes Leben, das Sie, Herr Reichspräsident, auS den Jahren Ihrer militärberuflichen Wirksamkeit in den Mauern der badischen Landeshauptstadt als ur­wüchsig kennen. Aber dieses Land ist sich auch bewußt und wird sich öew:ßt bleiben, daß sein eigenes Leben seinen höchsten Wert erst emp­fängt, in.-em es nich's als ein Glied im großen Eigenleben des deutschen DollStums ist. Das badische Land wünsch: von ganzem Herzen, daß Ihr Raine, Herr Reichspräsident, mit einer

Epoche des Wiederan'stiegeS verknüpft sein möge. Wir wissen, daß auch Sie den Wiederaufstieg nicht suchen wollen in lauten Worten, denen ich stets abhold gewesen bin, daß Sie ihn nicht suchen können in stolzen Taten, die unserem Volk auf lange Zeit verfügt sind, daß sie ihn suchen

in stillem harten pflichttreuen, unentwegten Wirken, auf Grund dessen allein Deutsch­land wieder zur Geltung, Größe und Blüte gelangen kann.

Indem Sie, Herr Reichspräsident, uns eine Bürgschaft für diesen Weg ins Freie bedeute, den das deutsche Volk finden muß und finden wird, mache ich mich und alle, die wir hier- versammelt sind, zum Dolmetscher des

Vertrauens und der Verehrung unse­res badischen Volkes und Landes, indem ich die badische Staatsregierung und ihre Gäste bitte, sich mit mir in den Ruf zu vereinigen: Das vom Volk erwählte Oberhaupt des Deutschen Reiches, deutscher Ration, der Herr Reichspräsident von Hindenburg, lebe hoch!

Der Reichspräsident erwiderte auf die Ansprache deS Staatspräsi­denten Dr. Hellpach, folgendes:Ich danke Ichnen, Herr Staatspräsident, für die mir gewid­meten Begrüß ungsWorte. Tief und dankbar er­innere ich mich der.Jahre, die ich als Divisions­kommandeur in Karlsruhe verleben durfte und die mich mit dieser schönen Stadt und dem Herr« lichen badener Land eng zusammengesührt haben. Als Ehrenbürger mit der Stadt Karlsruhe und ihrem Geschick eng verbunden, habe ich mit auf­richtiger Teilnahme die besonderen Röte und Schwierigkeiten verfolgt, die in den letzten Jahren auf Baden lasteten. Zum Grenz­gebiet geworden, von alten Wirtschaftswegen und wirtschaftlichen Beziehungen abgeschnitten, in wichtigen Punkten lange Zeil von fremden Truppen beseht, hat Ihre früher so blühende Heimat hart gelitten und Jahre bit­terer R o t durchlebt. Aber ich kann auch mit Genugtuung feststellen, daß das Land

diese Rotzeit in unverzagter Arbeit und sicherem Tertrauen auf di« Zukunft im wesentlichen überwunden hat und sich in einer, wie ich hoff«, auftteigenden Entwick­lung besindei.

Mögen die nächsten Jahre dem Lande eine Zeit der Gesundung und weiteren Gedeihens bringen, in der, wie bisher in der Rot, alle Bewohner deS Landes sich freudig bekennen als treue Söhne und Hüter des Reiches, unseres gemein­samen geliebten Vaterlandes. Mit diesem Wunsche rufe ich: Das badener 2ant> Hrra!"

Besuch im Rathaus.

Vom Staatsministerium aus begab sich der Reichspräsident im offenen Auto durch die begeisterte Menschenmenge Nach dc.n Rathaus. Zum Emp­fang ihres einzigen noch lebenden Ehrenbürgers hatte die Stadt Karlsruhe «ine besonders festliche Stunde vorgesehen. Das Treppenhaus mit den Auf­gängen zum Bürgersaal war mit herbstlichen Blu­men reich geschmückt. Der Bürgersaal öffnete sich seit Monaten zum erstenmal wieder, da er äugen- blicklich von Professor Bühler ausgemalt wird. Ob­gleich der Saal noch nicht fertiggefteUt ist, bot er doch in seinem neuen Gewand einen überaus feier­lichen Eindruck. Ki^z nach 12 Uhr traf der hohe Gast am Rathausportal ein, wo ihm ein kleines Mädchen mit einem Willkommengedicht einen Chry- fantemenftraufj überreichte, den ein Band in den badischen Farben umschlang. Von dem Oberbürger­meister Dr. Sinter und dem Freiburger Bürger- meister wurde der Reichspräsident zum Bürgersaal geleitet, wo die Mitglieder des Stadtrates und des Bürgerausschusses mit Ausnahme der sozial­demokratischen und der kommunistischen Fraktionen sowie eine Abordnung der städtischen Beamten- und Arbeiterschaft den Reichspräsidenten erwarteten. Oberbürgermeister Dr. hinter entbot in einer kurzen Ansprache dem Gast einen herz­innigen Willkommengruß mit der Versicherung, daß in Karlsruhe dem hehren Beispiel des Reichspräsi­denten in hingebungsvollem Dienst am deutschen Volk durch treue Arbeit und Pflichterfüllung nach­geeifert werde.Möge es dem weifen Walten des Reichspräsidenten vergönnt fein," so schloß der Ober­bürgermeister,unserem lieben deutschen Vaterland den äußeren Frieden der Freiheit und den inneren Frieden der Einigkeit zu geben."

Der Reichspräsiden t antworte:«:Ha­ben Sie vie'en Dank für den freundlichen Will­kommengruß. Ich füf)re mich hier heimisch: denn ich habe hier drei Jahre in Garni'on gestanden. Es ist a^erdings schon 22 Jahre her, und ich habe die Eh e, Ihr Ehrenbürger und Mi t- bürger zu sein. Ich sre e mich da.um doppelt, Karlsruhe wie'er einmal betreten zu dürfen. Ihr Gelübde nehme ich dankbar an. Wir wollen sand in Hand, jeder an feiner Stelle, arbeiten, damit un'er teueres Vaterland wieder zu Ehren kommt.

Wir müssen dafür sorgen, daß der Sinn der Einigkeit, der Treue und Selbstlosig - feit erhalten bleibt. Darum sind wir eines Sinnes." Der Reichspräsident zeichnete sich fo- dann in das Goldene Buch der Stadt Karls­ruhe ein. In einen dreifachen Hochruf auf Hindenburg, den der Oberbürgermeister aus­brachte, klang der Festakt aus.

Der Ber!auf des Nachmittags.

Nachmiktags besuchte der Reichspräsident das Mausoleum, wo er am Sarkophag des Grosi­tz e rz o g s Friedrichs I. und der Grosi-

herzogin Luise einen Kranz niederlegte. 9m Staatsministerium wurde im Kreise von etwa 150 prominenten Persönlichkeiten des öffentlichen Le­bens aus allen Teilen des Landes der Tee ein­genommen. Unter den Gästen befand sich auch Dr. Eckener. Gegen 5 Uhr betrat unter den stür­mischen Hochrufen der Menge der Reichspräsi­dent den Balkon des Staatsminifteriums und richtete an die untenstehende Menge eine kurze An­sprache, auf die aus der Menge heraus ein stürmisch aufgenommenes Hoch auf Den Reichspräsidenten ausgebracht wurde. 6.15 Uhr erfolgte die Weiter- fahrt des Reichspräsidenten nach D a r m st a d t.

In Darmstadt.

(Drahtbericht unseres nach Darmstadt entsandten RedaAionsmitgliedes.)

Darmstadt, 12. Rov. Ein kalter grauer Rovembertag. Die ersten Schneeflocken lallen langsam herab. Hessens Landeshauptstadt rüstet sich, den Reichspräsidenten zu empfangen. Schon am frühen Morgen erscheinen die ersten Fahnen. Zu der Abend-Illuminierung werden die ersten Vorbereitungen getroffen. Mit den Rachmittag- zügen treffen aus allen Gauen des Landes die Spitzen der Behörden, Deputationen und Abord­nungen aus allen Teilen der Bevölkerung in Darmstadt ein. Gegen abend säumen Tausende von Menschen die festlich illuminierte Rheinstrahe. Vaterländische Verbände und Reichsbanner, Ver­eine und Innungen marschieren an zur Spalier- bildung, ihre Kapellen voraus. Eine Ehrenkom­pagnie Schutzpolizei nimmt vor dem Hauptein­gang am Bahnhof Ausstellung. Gegen 8 Uhr wird die R h e i n st r a ß e ein w o g e n d e s L i ch- termeer, kein Haus, das nicht über und über in buntem Kerzenlicht erstrahlt, und unten säumt, Fackel an Fackel, eine glitzernde Schlange die Einzugsstrahe des Reichsoberhauptes.

Begeisterter Empfang.

Pünktlich 8.10 Uhr trifft der Reichsprä­sident mit dem fahrplanmäßigen Zuge, aus Karlsruhe kommend, in Darmstadt ein. Der Minister des Innern v. Brentano und der hessische Gesandte in Berlin, v. Biegeleben, waren dem ReichSpräfidenten bis Bensheim entgegengefähren. Auf dem Bahnhöfe sind zum Empfang erschienen das Gesamtministe­rium mit dem Staatspräsidenten Ulrich an der Spitze, ferner der Reichsminister a. D. David, Ministerialdirektor Dr. Schwarz, Oberregie­rungsrat 0 iegert, Polizeidirektor Dr. Usin - g er, Oberbürgermeister Dr. ® l ä f f in g, bahnpräsident Lochte, Präsident der Oberpost- direktwn Lehn Hard, der Präsident iXs Hessischen Landtags Adelung und der Landcs- kommandant Oberstleutnant Fritz-Gießen. Frisch und elastisch entsteigt der Reichsprä­sident dem Zuge, gefolgt von Staatssekretär Dr. Meißner und seinem persönlichen Adju­tanten Major v. H i n d e n b u r a. Der Staats­präsident richtet an den Feldmarschall einige kurze Begrüßungsworte und stellt ihm die zum Empfang erschienenen Herren vor. Dann schreitet der Reichspräsident die Ehrenkompagnie der Schutzpolizei ab und besteigt unter den Klängen des Deutschlandliedes das offene Auto. Reben ihm nimmt Staatspräsident U l - rich Platz. Eine 'Halb°Eskadron berit­tener Schuhp oliz ei nimmt die Spitze, eine zweite Halb-Eskadron folgt dem Auto. So fährt der Reichspräsident in langsamem Tempo durch die spalierbildenden Menschenmas- s e n, die dem ehrwürdigen Greis, dem berühm­ten Heerführer, dem Reichsoberhaupte immer wiederzujubeln. So geht die Fahrt durch die Rheinstrahe zum Louisenplatz, wo derReiäs- präsident im HotelZur Traube" Wohnung nimmt. Dichte M e n s ch e n m a s s e n uw lag rn den festlich geschmückten Platz, während er Reichspräsident im Kreise des he fischen Oe- samtministeriums und weniger geladenen Gäste das Abendbrot nimmt. Flotte Weifen der Schupo-Ka'-clle klingen über den Pla;.

Die Menge will ihren Hinden­burg sehen, und wirklich erscheint der Reichs­präsident noch einmal auf dem Balkon und spricht einige kurze Worte des Dankes für die b'geisterten Huldigungen, die zu ihm emporbrausen. Dann zerstreut sich langsam die Menge. Die kalte Winternacht, eisige Winde und ein leichtes Schneetreiben sor­gen besser als die unermüdlich tätige gut or­ganisierte und disziplinierte Schutzpolizei, daß der Straßenverkehr wieder in feine gewohnten Bahnen zurückflutet.

Ein Huldigun sgrutz aus Gietzen

Der Gießener S. C. (die Korps Hassia, Starlenburgia und Teutonia) ist gestern mittag zur Teilnahme an den Feierlichkeiten z u Ehren

zende Dr. Leaf felbst diese schon offiziell be^ giüht hatte. Diese Rede Clementels tim völlig überraschend. Wenn sie auch von einem großen Teile der französischen Presse völlig totgeschwie­gen wurde, so toiri> ihre politische und mora­lische Bedeutung dadurch keineswegs herabgesetzt. Clementel, der auf der Londoner Konferenz be­reits viel mit dem jetzigen Reichskanzler Dr. Luther konferiert hatte, hat sich seit langem persönlich viel für die Aufnahme Deutschlands Iin die Internationale Handelskammer eingesetzt.

Und das aus der Ueberzeugung heraus, daß diese Einrichtung ohne uns nur ein Torso

bleiben muß. Clementel seht großes Vertrauen auf die Wirtschiftler aller Länder, daß sie, viel eher als die Politiker, zu einer wahren An­näherung der Völker beitragen worden. Ge­schäftsleute, so meinte er. verstehen sich schneller und können außerordentlich viel dazu beitragen, daß zwei Rationen fruchtbringend zusarnmenar- beiten.

Don den Beschlüssen dieser Tagung sind fol­gende hervorzuheben: Zur Regelung des Re- parationsproblems wurden 3 besondere Ausschüsse gewählt, in denen auch Deutschland vertreten ist. 2n den Ausschuß zur Regelung der

Patentfragen tierLen zrreiDeutscheke ediert, einer hiervon wird voraussichtlich Prof. Osterrieth. Wichtig ist für D-urschlmb auch tue Stellung­nahme der Internationalen Handelskammer zu den b üchtigten Untersuchungen ameri­kanischer Zollagenten. Es wurde vorge­schlagen, sich mit allen Mitteln für die Unter­bindung dieser Untersuchungen einzusehen. Schließlich wurde beschlossen, alle Schritte zu unternehmen, um die Mitwirkung der Inter- national .n Handelskammer auf dem von Loucheur vorgeschlagenen Genfer Wirtschaftskongreß zu sichern, falls dieser zustande kommen sollte.