eine geraume Zeit arbeitslos und wegen Diebstahls bereits vorbestraft war, eine von diesem gestohlene Tischdecke unter Preis gekauft, wobei der Verkäufer angab, daß er die Tischdecke von Magdeburg mitgebracht habe. Auch heute schenkte das Gericht den Angaben der Angeklagten, daft sie dies tatsächlich für wahr gehalten habe, keinen Glauben, hielt vielmehr für festgeftellt. daß die Angeklagte sich unbedingt darüber klar war, dah der junge QTtann auf unredliche Weife in den Besitz der Decke gekommen sein muhte. Anter- Aufhebung des erstinstanzlichen Urteils wurde die Angeklagte, die bereits zweimal wegen Hehlerei vorbestraft ist, zu IVTagen Gefängnis verurteilt. Rur einem dufteren Zufall, nämlich dem, daft die Angeklagte die wegen der ersten Hehlerei erhaltene Freiheitsstrafe erst nach Begehung der zweiten Hehlerei verbüftt hatte, hatte sie es zu verdanken, daft sie nicht als rückfällige Hehlerin bestraft wurde.
Ein Kriegsbeschädigter von Dorla r, der im Oktober v. 3. in Gießen an einer Familienfeier teilgenommen und auf dem Heimweg nochmals in einer Wirtschaft in Heuchelheim eingekehrt war, kam dort mit den anwesenden jungen Burschen von Heuchelheim in Streit, der sich auf der Dorfstrafte noch weiter fortsehte, wo sich noch eine weitere Anzahl junger Burschen hinzugesellte, und der fchlieftlich damit endete, daft der Kriegsbeschädigte hon Dorlar unter Zurücklassung seines Fahrrades das Weite suchte. Während der Verfolgte zunächst feinen von Ben Heuchelheimer Bur» scheu erkannt haben will, gab er nach einigen Monaten den Angeklagten El. von Heuchelheim als Hauptbeteiligten an. gegen den dann wegen Nötigung Anklage erhoben, und der von dem Amtsgericht Gieften mit einer Geldstrafe von 40 Mk. bestraft wurde. In der heutigen Verhandlung wurde dieses Urteil aufgehoben und der Angeklagte El. f re i g e s p r ochen, da das Gericht sich nicht einwandfrei von seiner Schuld überzeugen konnte und auch Bedenken trug, den Tatbestand der Nötigung bzw. der gemeinschaftlichen Körperverletzung als erfüllt anzusehen.
Die Eheleute Friedrich N. von Schlechtenwegen waren durch Urteil des Amtsgerichts Lauterbach wegen Vergehen gegen das Nahrungsmittelgesetz zu einer Gefängnis st rafe von je einem Monat und einer Geldstrafe von je einhundert Mark verurteilt worden, aufter- dem war auf Veröffentlichung des Urteils erkannt worden. Sie hatten Milch zur Ablieferung gebracht, die. wie die chemische Untersuchung ergab, ein sehr erhebliches Teil Wasser zugesetzt war. Während das Gericht sich von der Schuld des Ehemannes N. heute nicht überzeugen konnte und ihn unter Aufhebung des Urteils erster Instanz fr ei sprach, wurde die Ehefrau N. des Vergehens gegen § 10 des Nahrungsmittel* gesetzes für schuldig befunden und zu einer Gefängnisstrafe von einem Monat verurteilt. Gleichzeitig wurde auf Veröffentlichung des Urteils in »der Zeitung auf Kosten der Angeklagten erkannt.
Wirtschaft.
" Zulassung von Wertpapieren zur Beleihung bei der Reichsbank. Das Reichsbcmk-Direktorium hat beschlossen, die nachstehend angeführten Wertpapiere zur Beleihung bei der Reichsbank in .Klasse A“ zuzulassen: 1. Bayerische Berernsbank tn München- Nürnberg, 8prozentige Goldpfandbriefe Reihe 39 und 40; 2. Berliner Hypothekenbank Aktiengesellschaft in Berlin, lOprozentige Gold-Hhpothe- kenpfandbriefe Reihe 3; 3. Landständische Dank des ehemaligen Sächsischen Markgraftunrs Ober- lausih in Bautzen, Zpn^entige Lausitzer Gold- Pfandbriefe Reihe 9; 4. MecÄenburgische Hypotheken- und Wechselbank in Schwerin (Mecklenb.), Zprozentige Gvldpfandbriefe Em. 2; 5. Württem- öergischer Kredit-Verein Aktiengesellschaft tn Stuttgart, lOprozentige Gold-Hhpothekenpfand- briefe Reihe 2.
* Die Amerikaanleihe der Rhein- Main-Donau- A.-G. überzeichnet. Die Amerikaanleihe der Rhein-Main-Donau-A.-G. im Nominalbeträge von 6 Millionen Dollar (Teilbettag einer Gesamtanleihe von 20 Millionen) wurde von den Bankhäusern Nee, chigginson & Co. und E. Henry Schroeder Bank-Corporation in Neuyork zur Zeichnung aufgelegt. Der zum Kurse von 96 Proz. aufgelegte Betrag wurde gleich bei Beginn der Emission überzeichnet. Bon den Banken wird der Gesellschaft ein Nettoerlös von 89,50 Proz. garem-
Der gefesselte Strom.
Roman von Hermann Stegemann.
34. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Die Aacht stand mit klaren Sternen über dem Lauffen, als sie in Rheinau aüsstieg. Frost» gehärtet lag die Erde. In der tiefen Stille der Mitternacht flarm das Rauschen des Rheins.
Ruth Engelhardt atmete die stählerne Luft und suchte in der Dunkelheit des verlassenen Bahnhofes den alten Joseph, doch außer dem Signalwärter, der jetzt das grüne Licht auf freie Fahrt stellte, war niemand zu sehen. Sie lieft dos Handgepäck an der (Station, warf die Pelzstola über die Achsel und trat allein den Heimweg an._ Im Wald schien Schnee zu liegen, Plch die Dächer von Rheinau zeigten weifte Farbflecken, auf den Feldern schwamm dichte Finsternis.
Da hörte sie plötzlich hastige Schritte.
„Ruch, ich bin's!"
Und ehe sie die Gestalt des Vaters erkennen fonnnte, prehte er sie krampfhaft in die 2Irme und hielt sie eine Weile schweigend fest.
Sein Atem keuchte noch vom raschen Gang.
Dann brach seine grofte Liebe, abgeklärt und frei non allem Egoismus, aus chm heraus. , „Wem Mädel, Herrgott im Himmel, hab' -ch mich nach dir gebangt, ich alter Esel! Und mxn komm ich trotz des Telegramms und allen Lauerns und Auf-die-Uhr-passens doch zu spät! — Hast du noch einen Kuß für mich? Ja? Also? Ach, mein Mädel, es ist. doch ein großes Ding, das Zusammengehören'."
- Das bißchen Einsamkeits- und Verlassen- hettsgefuhl, das ihn gepeinigt hatte, trübte sein väterliches L<eoesgeständnis nicht.
Ruth küftte ihn gerührt mit weichen Lippen aus den bärtigen Wund.
Auch sie fühlte in den ersten Tagen, wie sie hier zu Hause war.
Am dritten Tag kam ein Brief von Hanns. Darin stand alles, was er in Worten sagen konnte, um ihr zu danken für das, was sie für 'hn getan hatte. Unwillkürlich verglich sie dieses Schreiben mit dem Dries, der sie vor vier Wochen nach Frankfurt gerufen hatte und be
lfert und nach der in nächster Zeit erfolgenden Aushändigung einer Jnterimsobligation sofort zur Auszahlung gebracht.
* Weitere Entlassungen bei Emscher Lippe. Die Zeche Emscher Lippe hat am 1. Oft. wegen starken Absatzmangels 442 Arbeiter entlassen müssen. Zum 15. Oktober muß außerdem 105 Bergarbeitern gekündigt werden.
Börsenkurse.
(Ohne Gewähr.)
Frankfurt a.M
Berlin
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Schluh- !>ur»
' Schlich!, Mittag
Datum:
1J. 1t.
[ 14. 10.
10. 10.
12 10.
5% Deutsche Reichsanleihe - 4% Deutsche Reichsanleihe . 3V2% Deutsche Reichsanleihe
0 2315
0.3
' 0 2325 0,32
0,2325
1,2025
I iJ 235
0.29
0,k9
' 0,27
0.2775
0.275
8% Deutsche RcichSanleihe .
0 45
i .45
—-
0,425
Deutsche Sparprämienanleu-e 4% Preußische stonsolö - . .
0,12
0,285
0,13
0,135
0,13 5
1 .4.)
0.265
0.2625
4% Hessen .........
—
—
0.24
' 0,24
0 23
0.24
91 75
0,23
0,24
Deutsche Werth- Dollar-Aul- dto. Doll-Lchatz-Anweisng.*)
90.25
91,75
95.85
96
96,1
96.25
7,75
7.4
7,8
5% Goldmerikaner ... -
39,5
41,25
Berliner Handelsaesellschast. Commer;- und Prlvat-Bank
123 5'
94,75*
124,5* 94*
125*
94-75*
125.7-
94.75"
Darmst. und Nationalbank -
105.5"
105 5*
105,9*
105,6'
Deutsche Bank.........
106
105.25
106,2
105,5*
Deutsche Dcrcinsbank ....
75
75,5
•—
—
DiSconto Eoinmandit - •
102.7’
103'
103’
102,9*
76,5
77
> _______
_
Mitteldeutsche Creditbank .
92
91.25*
91 5*
91.5*
Oesterreichische Creditanstalt.
7,3
7.45
7.4
7,4
—
0,03
67
__
_
69*
68,25*
46
Buderus............
46,7
16,5
46.5
Taro ............
39
38 5
39.5*
39,75*
Deutsch-Luxemburg......
Gelsenkirchener Bergwerke . .
68,75
70.5
73
69*
74,5*
68.75*
74,26*
Harpencr Bergbau......
Kaliwerke AscherSleben....
104.5
104,75
105.5*
105.4*
116.75
116,5
116
116
121.5
37.5
123
37
18.4
37
18,4
Laurahütte......... .
Oberbedars........ .
48
44.3
Phönir Bergbau ......
Rhetnstahl...........
Riebeck Montau........
73*
73.75*
74'
57
57,5*
58,25*
73
58*
72,5
TelluS Bcrgbaü........
55
54
—
Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llohd.....
60*
64,75
60* 64.5!
_
60,5* 65,f
Theramische Werke Albin . -
'Zementwerk Heidelberg . . .
66.5
66,5
_
Philipp Holzmann......
63,13
53,25
53
53,5
Anglo-Com-Guano .....
—
91 1:22,4
Badische Anilin........
121,25
121,75
121,25
Ebcmischc Mader Alapin . .
Goldschmidt.........
Griesheimer Electron ....
68 75
68.5
68,25
67,5
119,25
119,75
119 9
119
Höchster Farbwerke......
Holzverkohlung........
119 9
120
119,75
122,4
53,25
51,25
RutgerSwerke.........
Lcheideanstalt . t ...... .
6.1 5
61,75
63,25
64 9
90,7
91
Sitte. Elektrizitäts-Gesellschaft
m6*
96,5
97-
96,5*
V'cramai'.it .........
73 5
< 4
73,25
74
Mamkrasrwerke........
73,25
74
Schlickert . . .........
64,5*
65,5*
65,75*
64,9’
Siemens L Halske......
76,2d*
78.5
SO*
79.5'
Adlerwerkc Kleyer......
35,75
36
35,25
36
Daimler Motoren..... .
35
35.5
34.13
34,5
-veyligenstacdr.........
26
26
Megüin.............
35
35
36,25
36
Motorenwerke Mannheim .
Frankfurter Armaturen . . .
Konservenfabrik Braun . . .
0,3'
0,3
—
Metallgescllichaft Frmkfurt.
Pet. Union A.'G........
Schuhfabrik Her; . . ....
96
60
60
60
26,5
26,25
25
26
Sichel..............
4,13 !
4,25
80
55,25
55,75
4
4
Zellstoff waldhof..... .
Zuckerfabrik Frankenthal . .
Zuckerfabrik Waghäusel . . .
79J5
5i i
55 ।
79 1
54,25
80.25
56.5
54,75
5tanffurter Abenvbörie.
Frankfurt a. M., 12. Ott. Bei völlig belanglosem Geschäft verkehrte die Abendbörse zu gehaltenen Kursen. Kaufneigung oder Interesse zeigte sich für kein Gebiet, und die Abendbörse schlaft in größter Stille mit Neigung zum Nachgeben. Deutsche Anleihen: 5prvz. Reichsanleihe 0.2321/», Schutzgebietsanleihen 5,870, do. 5,900. Ausländische Renten: 4V»proz. Ungarn von 1923 9,30, do. von 1924 9,30, 4proz. Ungar. Staatsrente (Kronen) 0,935. Bankaktien: Commerzbank 94, Medio 94, Darmstädter Dank Medio 105,50, Deutsche Dank 105,25, Deutsche Dereins- bcmk 75,50, Discontvgesellschaft 102,75, Medio 103, Dresdner Dank 100,50, Mitteldeutsche Credii- bank 91, Oesterreichische Kreditaktien 7,45. In- dustrieattien: Adlerwerke Kleyer 36, Dyckerhoff & Widmann 32,75, Goldschmidt 68,50, Eftlinger Maschinen 38, Höchster Farben 120, Inag 0,45, Gebr. Iunghans 55, Neckarsulmer 55, Rheinstahl 57,50, Rheinmetall 25, Rütgers werke 64,75, Kali Aschersleben 116,50, Wahß und Frehtag 65,75, Badischer Zucker 55,75.
wunderte den Aufschwung, der aus diesem neuen Bekenntnis sprach. An Stelle der Verbitterung und mehr Rauch als Flamme ausstoßender Leidenschaft war eine sinnfällige Freudigkeit getreten. Nun stürmte er dahin wie ein Läufer, der die lodernde Fackel sicher zum Ziel trägt.
Auch an Engelhardt schrieb er, aber Engelhardt wußte auch diesen Brief nicht zu beantworten.
Ruhe zog in Ruths Herz. Auch in ihr schlug jede Ader, da sie den Geliebten der Krankheit und der zernervenden Untätigkeit entronnen sah, die ihn in die Knie gedrückt hatten. Wenn sie die stillen Tage zwischen Arbeiten mit dem Vater, chren Büchern und den Gedanken an Hanns und die Zukunft teilte, so blieb ihr keine Zeit, ungeduldig zu werden, obwohl der Frühling säumte und der Winter nur langsam aus den Tälern wich.
Da schlug wie ein Blitz die Nachricht ein, daft der Regierung ein ausgearbeiteter Entwurf zur Nutzbarmachung der Wasserkräfte am Lauf- fen eingereicht worden sei, und daft in den nächsten Tagen in der „Alten Post" zu Rheinau mündliche Verhandlungen zwischen den Vertretern der Regierung und den Interessenten gepflogen werden sollten.
Wild blies der Wind über den Schwarzwald und fang in den Tannen, daß sie wie mächtige Saiten klangen. Der Strom wälzte die ersten Schmelzwasser aus den Bündnerbergen und bdnnerte in gelben Stürzen durch die Enge.
Die Sonne stieg und sank wie ein Scharlachball, der zwischen Den Wolken auf- und niedergeschleudert wird, daft farbiges Licht und bunte Schatten im Wechsel über die Landschaft flogen.
Ruth Engelhardt stand barhaupt auf der Terrasse, blickte ins Land, und ein Glücksgefühl füllte ihr die Brust, als müßte sie zum Rhein hinunterlaufen und ihm zurufen, daft die große Zeit gekommen sei und die Welt erneuert werde.
Kein Zweifel kränkelte sie an, sie wußte daß das Werk Hanns Ingolds sich aus den Plänen reckte. Er hatte ihr nur spärliche Andeutungen gemacht über die Fortschritte die ihm geglückt waren.
Im letzten Brief hatte ein Satz gestanden der nahm in diesem Augenblick frische Farben
Berliner Börse.
(Eigener Drahtbericht des „Gieftener Anzeigers".)
Berlin, 12. Okt. Das Deckungsbedürfnis gibt mit Rücksicht auf den bevorstehenden Ultimo Veranlassung dazu, daß im wei»ntlichen neue Kursbefestigungen auftrarcn. Das Angebot war etwas größer als bisher, trotzdem waren Die'c technischen Börsen-Operationen geeignet, dem Gesamtbild wieder ein freundliches Aussehen zu geben. Die Ultimo- Abschlüsse blieben demgegenüber anfangs gering, da seitens des Publikums immer noch keine Neigung zur Beteiligung am Börsengeschäft besteht. Für die Börse wurden die Deckungskäufe durch die leichte Verfassung des Geldmarktes erleichtert. Tägliches Geld 8 bis 10,5 Prozent. Es scheint, daß die Erleichterung der Geldmarktlage nicht allein auf den geringen Bedarf zurückzuführen ist, sondern auch auf verstärktes Angebot. Lebhaftes Geschäft sand zu Beginn in heimischen Staatsanleihen und Schutzgebietsanleihen statt. Am Devisenmarkt war das Geschäft still. Gegen London ermäßigten sich Paris, Madrid und Oslo. Warschau war gegen Kabel ebenfalls ermäßigt. Die Reichsmark notierte in London 20,33, Paris 5,16, Zürich 123,46.
Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M.
(An Billionen Mark auögedrückt. BuenoL-AirrS, London, Neu« York, Japan. Rio de Janeiro für eine Einheit, Wim and Budapest für 100000 Einheiten, alles übrige für 100 Einheiten.)
Telegraphische Auszahlung.
10 Oktbr.
12. Oktar.
Amtliche Noti rung
Amtliche Notierung
meld
Briet
Geld
Brief
A inst.-Ron
168.63
169,05
168.61
169.03
Bnen. Aires
1.730
1,734
1.732
1,736
Brst.-Antw-
19,02
19.06
19 17
19,21
Christiania.
83.85
84.05
83,60
83,80
Kopenhagen
101,42
101,68
101,47
101,73
Stockholui .
112,48
112,76
112.41
112,69
Helnngfors.
10.555
10.595
10,552
10,592
Italien. . .
16.81
16,85
16,80
16.84
London. .
Neuyork . .
20,31?
20,362
20,309
20,359
4,195
4,215
4,195
4,205
Paris - . . .
19,365
19,405
19.305
19,345
Schwei; • ■
80,86
81,06
80 87
81,07
Spanien . .
60, b7
60,53
60,30
60,46
Japan . . .
1,715
1,719
1,715
1,719
Rio de Jan
Wien in D--
0.624
0,626
0.624
0,626
Oest. abgest.
59,17
59,31
59,11
59,95
Prag ....
Belgrad . .
12,427
12,467
12,424
13,414
7.45
7.47
7,458
7,478
Budapest. .
Bulgarien .
5,875
5,895
5.875
6,845
3,055
1,065
3,057
3,063
Lissabon
21,225
10,276
21 225
31,275
Danzig. . .
80.53
80.73
80 57
80.77
Konstantin.
2,435
2,415
2,405
2,415
Athen. . .
6.09
611
6 09
ti.it
Canada. . .
4.195
4.205
4.195
4,207
Uruguay . .
1.25
4,26
4,26
4.27
Banknoten.
Berlin, 12 Oktbr.
Amerikanische Nölen . . . .. Belgische Noten........
Dänische Noten . . .
Englische Noten........ Jramöllschc Note» ..... Holländische Noten...... Italienische Noten......
Norwegische Noten Demsch'Oesterr., i 100 Srontn Romanische Noten Schwedische Noten Schweizer Noten.......
Spanische Noten Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten
Bries
4.227 19,2t)
101,80 20,367 19 rr-iü
169.04
16,91
83..8 69,82
118.68 81,00 60.40
18.445
5,86
Geld
1,20
19,10
101,90
20,267
19,265
168,20
16,83 88,86
58,92
112,12 80,60
60.10
13.885 5,82
Frankfurter Getreidebörse.
(Eigener Drahtbericht des „Gieftener Anzeiger»".) Frankfurt a. M., 12. Oft Es wurden notiert: Weizen (Wetterauer) 23,25 bis 23,50, Roggen (inländischer) 17,25 bis 17,50, Sommergerste (für Brauzwecke) 24 bis 25,50, Hafer (inländischer) 19,50 bis 21, Mais (gelb) 19,25 bis 19,50, Weizenmehl (inländisches, Spezial 0) 37,25 bis 37,75, Roggenmehl 25 bis 26,25, Weizenkleie 10, Roggenkleie 10,50, Erbsen 30 bis 40, Linsen 45 bis 70, Heu (süddeutsches, gut, trocken) 9. Weizen- und Roggenstroh 4,50, Treber (getrocknet 17,50. Tendenz: Fester.— Amtliche Notierungen für S p e i fe k a r t o f f e l n: Industrie (hiesiger Gegend) 2,90 bis 3, gelb- fleischige (hiesiger Gegend) 2,60, weißschalige (hiesiger Gegend) 2,20. Tendenz: Ruhig.
Frankfurter Echlachwiehmarkt.
(Eigener Drahtbericht des „Gieftener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 12. Ott. Auftrieb:
1644 Rinder, darunter 497 Ochsen, 43 Dullen, 1104 Färsen und Kühe, 368 Kälber, 246 Schafe, 3917 Schweine. Es wurden bezahlt für 100 Pfund
Lebendgewicht: Rinder: Ochsen, vollsleftchs» ausgewachsene höchsten Schlachtwerts 58 bis 65, junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 50 bis 57, mäß.g genährte junge und gut genährte ältere 40 bis 48; Bullen, vollst ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 54 bis 58, vollfl. jüngere 48 bis 50; Färsen und Kühe: vollfl. ausgemästete Färsen höchsten Schlochtwerts 55 bis 65, vollfl. ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwerts bis zu 7 Jahren 53 bis 58. wenig gut entwickelte Färsen 48 bis 54, ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe 40 bis 47, mäßig genährte Kühe und Färsen 26 bis 36, gering genährte Kühe und Färsen 18 bis 28. Kälber: Feinste Mastkälber 85 bis 90, mittlere Mast- und beste Saugkälber 74 bis 82, geringere Mast- und gute ©augfälber 63 bis 71. Schafe: Maftlämmer und Masthämmel 50 bis 56, geringere Masthämmel und Schafe 40 bis 47, mäftig genährte Hümmel und Schafe (Merzschafe) 31 bis 34. Schweine: Bollfleischige von 80 bis 100 Kg. 87 bis 90. unter 80 Kg. 80 bis 86, von 100 bis 120 Kg. 89 bis 92, von 120 bis 150 Kg. 90 bis 93. Fettschweine über 150 Kg. 90 bis 92, unreine Sauen und geschnittene Eber 72 bis 83. Marktverlauf: Groft- und Kleinvieh lebhaft. Schweine schleppend und Ueberftanb.
Berliner Produktenbörse—
Berlin, 12. Ott. Der Produktenmartt lag infolge des hohen amerikanischen Marktes fest. Das Inlandangebot hält sich weiter start zurück und die Forderungen waren meist zu hoch. Weiten zog 3 Mark, Roggen 2 bis 3,50 an. Hafer dagegen 1 Mark niedriger. Das Mehlgeschäft konnte sich etwas beleben. Futtermittel ohne Belang. Es notierten per 1000 Kg.: Weizen, märt 214 bis 217, do. Ott. 231, do. Dezember 233 bis 233,50, März 236,50 bis 237,50, Roggen, märf. 152 bis 155, do. Ott. 173, do. Dez. 174, do. Mär- 183, Gerste, märf. 210 bis 235, Futtergerste 170 bis 175, Hafer, märf. 183 bis 191, do. Dez. 188. do. März 189, per 100 Kg.: Weizenmehl 27,50 bis 31,50, Roggenmehl 22 bis 24,25, Weizenkleie 10,40 bis 10,70, Roggenkleie 9 bis 9,50, Dittoria- erbfen 26 bis 31, kleine Speiseerbsen 26 bis 28. Futtererbsen 21 bis 24, Wicken 22 bis 25, Rapskuchen 15, Leinkuchen 21,30 bis 21,60. !
Rundfunk-Programm
des Frankfurter Senders.
(Aus der „Radio-Anrschau".) »'•.£; - Mittwoch, 14. Oktober.
4.30 bis 6 llftr: Nachmittagskonzert des Hausorchesters: Händel. 6 bis 7 Ahr: Die Stunde der Jugend. 7 bis 7.51 Ahr. Die De- sprechung. 7.15 bis 7.30 Ahr: Wanderratschläge des Taunusllubs. 7.30 bis 8 Ahr: Schachstunde. 8.30 bis 9.30 Ahr: Neue Kammermusik. 10 bis 11 Ahr: „ Frihchen" von Herrn. Sudermann.
wohlschmeckende Fleischbrühe a
an und kam ihr lebendig ins Gedächtnis, fast Wort für Wort: „Jetzt ist es so weit, daft der Gedanke sich von selbst materialisiert, und mein Entwurf ist nun über mich hinausgewachsen, die Arbeit von vielen, er schiebt sich wie eine Lawine ins Tal. Mein Werk hat Flügel bekommen!"
Ruth stand am Geländer und lieft sich vom Föhnsturm das blonde Haar zerblasen. Sie hatte kein Auge mehr für den romanttschen Zauber dieser Landschaft, die unberührt, kaum durch eine im Gelände verschwindende Eisenbahn mit der Welt verbunden, sich hier selbst genügte. Sie sah schon die neue Zeit aus dem Boden steigen, sah Hanns Ingolds Werk, wie sie es in den Planskizzen erblickt hatte, mit Wehr und Schleusen, mit eisernen Brücken und baftionierten Mauern aus dem Fluftbett wachsen und den kristallklaren Rhein aus der aufgesprengten Felsenenge tn die Turbinenkammern stürzen.
Aber hinter diesen Visionen stand groß und leuchtend der Gedanke an Hanns Ingold selbst. Er kehrte als Sieger heim. Sein Werk war's, mochte es ihm auch ax8 den Händen genommen und Gemeingut vieler geworden sein, ein industrielles Unternehmen daraus werden', das nur nach Zahlen bewertet wird und Dividenden abwirft, für sie blieb es Hanns Ingolds Werk, war es mit chm verwachsen, so gut, so teuer wie er selbst. Denn das hatte sie an sich selbst erfahren, daß chm dieses Werk Leben oder Tod bedeutete, daft er daran gedieh oder starb.
„Hanns Ingold", flüsterte, rief, schrie sie tn den heißen Wind und streckte die Arme über das stllle Tal, in das auch der getoaltig Elende Strom mit seinem eintönigen Rauschen lewe Anruhe brachte. And noch einmal leise, inbrünstig. „Hanns Ingold", dann stieg sie hinab und suchte chren Vater.
Engelhardt hatte die Zeitung vor sich liegen. Er geriet nicht mehr in Hitze. Seit er erkannt hatte, wie tief sein Kind mit seinem gangen ©ein und Schicksal in dieses Unternehmen verstrickt worden war. trat er ihr mit großer Zartheit gegenüber.
»Ja, mein Mädel, nun hat er'S doch in Gang gebracht, aber er irrt sich, wenn er
glaubt, er sei schon über den Berg. Die Genehmigung ist noch nicht erteilt. Ich mache mix allerdings keine Illusionen über den Widerstand, der dem Projekt hier am Ort noch droht. ©eit gestern die Nachricht von der Abhaltung einer Konferenz bekannt geworden ist, sind die Rheinauer unter die Geldmacher gegangen. Auf einmal sieht jeder, daft es etwas zu verdienen gibt Sogar der Apotheker, der's doch am wenigsten nötig hat. Auch die Handelskammer macht ein gnädiges Gesicht. Nun steh' ich bald allein mit meinem Protest gegen die Zerstörung dieses Landschaftsbildes, das dem Moloch Industrie geopfert werden soll. Aber nicht davon will ich mit dir reden, Ruth, sondern dich fragen: Was nun? Du liebst Hanns Ingold, du hast unbedenklich daraus die Konsequenzen gezogen und hast ihm beigestanden, als das noch ein Wagnis war. Du bist zu ihm gereist und hast den Teufel gefragt nach den bösen Zungen, die dir diesen Verstoß gegen die Konvenienz nachgerechnet haben. Du hast auch mir gegenüber dein Recht auf dich selbst gewahrt. Wer. was nun, Ruth? Du bist heimgekommen, ohne daß ich erfahren hätte, ob du nun Ingolds Braut bist. Denn von dir muh ich's erfahren, sein Brief zählt nicht."
„Papa," unterbrach sie üjn hastig, „siehst du. das ist das Gute, dah wir hier in diesem Winkel nicht ängstlich oder mechanisch mit den Konvenienzen zu rechnen haben. Wir beide sicher nicht,-denn wir gehören nicht zu den Rheinauern und um uns her ist freies Feld."
„Das ist sehr hübsch gesagt, Ruth, aber hier handelt xs sich gar nicht mehr um Konvenienzen. Sicherheit, Gewißheit will ich haben, daß mein Mädel nicht unglücklich wird! And eher kriegt er keine Antwort."
Er war aufgesprungen und schüttelte die Locken.
„Anglücklich? ich —“
»Halt, nicht weiter, keinen falschen Schluß, Kind! Ich will mich besser erklären.
Er zog sie ans Fenster. Gerade war die Sonne wieder durch die blutenden Wollen ge- brochen und schien einen Augenblick totgolöee ins Ziyimer.
(Fortsetzung folgt) 1 ' M1


