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Dienstag, 13. Oktober 1925

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

M. 2^9 Zweites Blatt

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Monatshefte" berufen ist.

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1/. Millionen Planeten wie der unfrige entspricht. Sonnenflecken sind der sichtbare Ausdruck der Tä­tigkeit, die beständig in der Sonne vor stch geht. Immer wieder ist die Sonne von furchtbaren Ex­plosionen und Stürmen brennender Gafe erfchüttert, die wir als Sonnenflecken und Protuberanzen sehen. Diese Perioden von Tätigkeit und Ruhe wechseln etwa alle 11 Jahre ab, wie sich aus den Berichten erkennen läßt, die seit dem Jahre 1610, seit der Erfindung des Fernrohrs, überliefert sind. Astro­nomen, die wie ich ihr Leben dem Studium der Sonne widmen, haben kürzlich eine Tatsache ent­deckt, die für die Verteilung des Klimas auf un­serer Erde von gröhter Wichtigkeit ist. Es ist die Tatsache, dah nach 2 Perioden von 11 Jahren das Sonnenfieber" zu einem ungewöhnlichen Grade anwächst, und diese Erscheinung wiederholt sich alle 34 oder 35 Jahre. Unter dem Einfluh dieser ge­steigerten Sonnentätigkeit verdoppelt sich der Regen auf der Erde, und wir beobachten eine Periode der Räsie, die ungefähr 17 Jahre dauert und von einer ebenso langen Periode der Trockenheit gefolgt wird. Gewöhnlich glaubt man. dah wir uns gegenwärtig in einer nassen Periode befinden: in Wirklichkeit find wir mitten in einer Periode der Trockenheit. Dies Iaht sich schon daraus erkennen, dah der Stand der unterirdischen Wasierschichten gegenwär­tig sehr niedrig ist. Der Wasierstand in unsere« Brunnen wird weiter bis zum Jahre 1928 fallen; dann wird er sich allmählich wieder erheben un® seinen normalen Stand 1935 erreichen.

Deutsch-Südtirol.

Der tschechische Minister des Auswärtigen Dr. Bsnesch sagte am 27. Mai 1921 in einer Inter- pellationsbeantwortung: ..Dah die tschechoslo­wakische Republik eine alliierte und assoziierte, schon vor Beginn des Weltkrieges mit Deuschlandt im Kriegszustände befindliche Macht war." Blitzartig beleuchtet dieser viel zu wenig bekannte Ausspruch die Lage Deutsch­lands vor dem Kriege, den Kampf, der von der anderen Seite langst gegen das Deutschtum be­gonnen hatte, der dann 1914 offen ausbrach und der heute in unverminderter Stärke, nur in anderer Form, weitergeht. Eine der schlimm­sten Gefahren liegt in der Verwelschung der Südmark. der 230 OOO Deutschen Südtirols. 11 n diese Gefahr voll zu erfassen, genügt es nicht, nur mit Anteilnahme die sich häufenden Mel- dungen über die Bedrückung des Landes zu lesen. Dieses kerndeutsche Grenzvolk muh in seinem ganzen Wesen, in seinem Werden und seiner Kultur, in seiner Landschaft und seiner Wirtschast und schliehlich in seinen heutigen un­möglichen Lebensumständen erkannt werden. Runmehr liegt eine solche umfassende Schrift vor im neuesten SonderheftDeutsch-Sud­tirol" der Süddeutschen Monats­hefte. Die sachkundigen Mitarbeiter sind vor allem Deutschsüdtiroler, die schon jahrzehntelang im Kampf für das Deutschtum stehen und heute zum Teil 'fern von der Heimat leben müssen. Gewaltig ist die Fülle des ausgebreiteten Stoffes. Die packende, die treltpoliti che Lage e'.nbeziehende Einleitung über dasSüdtiroler Schicksal" des ehemaligen Hnlerstaatssekrelärs von Pflüg! Zeigt, wie infolge der unauflöslichen natürlichen Der- bundenheit von Rord- und Südtirol Italien, das auf - dem Brenner Fuß gefaßt hat, dort nicht stehen bleiben kann, sondern auch nach dem Besitz des nördlichen Abhangs streben muß.

Wie ist es nun mit der Brennergrenze? Diese forderten die Italiener während des Krie­ges ausstrategischen" Gründen und Wilson genehmigte sie deshalb, bevor er diese Frage überhaupt nach den von ihm selbst verkündeten Grundsätzen geprüft hatte. Wilsons Privat- sekretär Daker gibt das heute selbst zu in seinen Erinnerungen:Unglücklicherweise hatte der Prä­sident die Brennergrenze Orlando zugesagt, wo­durch etwa 150 OOO (richtig 230 000) Tiroler Deutsche Italien überantwortet wurden eine Tat, die er später als groben Fehler ansah und tief bedauerte. Es war geschehen, bevor er diese Frage sorgfältig studiert halte." Als strategische Grenzen wären eher die Pässe von Klausen und Salurn anzusehen, wie dies sogar 1920 der Eng­länder Lord Dryce im Oberhaus erklärte, wäh­rend der Brenner nur als Wasserscheide, nicht aber als Sprach- und Volkstumsscheide oder als militärische Derteidigungslinie gelten kann. In Wirklichkeit verfolgt die italienische Regierung mit dieser Grenze deutlich zwei Ziele: Die Ent- deutschung Südtirols und die Schafsung eines geeigneten Aufmarschgebiets für ein Vordringen nach Mitteleuropa. Dies wie die Behandlung der Deutsch-Südtiroler Rekruten in süditalieni­schen Regimentern und die Militärorganisationen in Südtirol legt Alfred Dresler eingehend dar.

Italien strebt aber auch die wirtschaft- liche Durchdringung des Landes mit allen Mitteln an. H. v. Gasteiger zeigt in einem Haren Bild des Wirtschaftslebens Südtirols, tote die Losreißung des Landes die Rückgewinnung des früheren, natürlichen Absatzgebietes für die Hauptprodukte Obst, Wein und Holz nicht zuläht, während den letzten Rest von Wohlstand die unfeltge Steuerpolitik Italiens vernichtet. Auch der für das Land so wichtige Fremdenverkehr sann nur vo t Aorten f ec toTe ec auf 'eine frühere Stärke gebracht werden. Italienische Gewalt brachte auch hier nur Rückschritt. Am 3. Sep- lember hatte der Präfekt von'Trient alle deut­schen alpinen Vereine aufgelöst und mit allen beweglichen und unbeweglichen Gütern der Ver­waltung des Clubs alpino übettoie'en, d. h. 75 Hütten und das ausgezeichnete Wegenetz des Deutsch - Oesterreichiscben Alpenvereins werden samt dem hochentwickelten Rettungswesen ver­nachlässigt. Die Gipfel und Grate der Zentral­alpen sind keine Sprachscheide. Aord- und Süd- lirol ist eine sprachliche Einheit, ein- gefügt in die große Stammesgemeinschaft der Bayern, die im 6. Jahrhundert die Mundart ins Land brachten, wie Privatdozent Pfalz, Wien, darlegt. Italien kennt wohl die gewaltige innere Macht der Sprache. Längst ist der Landesname Tirol" berbo'en, längst sind alle deutschen Orts- und Straßennamen in lächerlicher Weise ver- welscht worden. An der Wurzel aber wird der deutsche Laut mit der Schule ausgerottet. Ent­gegen allem Recht wurden im Oktober 1923 mit einem Federstrich vierhundert deut­sche Schulen ausgetilgt. Sogar die deut­schen Kindergärten sind abgeschafft. Den Müttern ist verboten, Kinder gemeinsam überwachen zu lassen. Der offen zugegebene Zweck. Entnatio-

Taöletten

In affen Apoihelen u. Drogerien

für Fänger/ Äportsleute/ Raucher

Wie wird das Winlerwetter.

Der französischeAstromon Abbe Moreux. der sich feit mehr als einem Dierteljahrhundert in feinem Observatorium zu Bourges besonders mit dem Prob- lern der Sonnentätigkeit und ihres Einflusses auf das Wetter auf der Erde beschäftigt, besitzt als Wettervorhersager eine gewiße Berühmtheit, denn er hat sowohl das Erdbeben von San Francisco im Jahre 1904 wie das von Messina im Jahre 1908 vorausgesagt. Auch sonst sind seine Vorhersagen schon sehr häufig eingetroffen. Er hat über die künftige Witterung auf unseren Planeten wichtige Mitteilungen gemacht.

Der kommende Winter, sagt er, durfte kalter werden als sonst üblich. Der nächste Sommer wird wärmer sein, als wir in den letzten Jahren gewohnt waren. Die Jahreszeiten werden wieder zu der Regelmäßigkeit zurückkehren, die sie in der Zeit meiner Jugend (der Abbä ist 57 Jahre) besahen Wir werden also von jetzt an Winter mit ausge- sprcchener trockner Kälte haben und mit viel Schnee und andererseits Sommermonate, in denen eine gleichmäßige Wärme herrscht. ES sind auch schwere Erdbeben zu erwarten schon innerhalb der nächsten Wochen und Monate.

Die Beobachtungen und Voraussagen Moreuy stützen sich auf das Studium der Sonnenflecken, denen er wie so viele andere bedeutende Astro- nomen heutzutage einen entscheidenden Einfluß auf unsere Witterung zufchreibt. Wie viele Men. scheu vergegenwärtigen sich wohl immer, daß jede Minute die Sonne eine Maffe in Brand setzt, Me

Klangliche Untersuchung der Evangelien.

Professor Eduard Sievers, der hervor­ragende Philologe der Leipziger Universität, hat die von Ruh erfundene, bekannte Methode klang­licher Analyse zu einem Instrumente wissen­schaftlicher Forschung gemacht. Mit dieser Me- ihvde arbeitet eine Untersuchung, die Prof. Sie­vers jetzt in den Abhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaft veröffentlicht. Er unter­sucht darin den Text der O f f e n b a r u n g 3 0 - Hannes auf seine Einheitlichkeit und stellt darin 10 Stimmen fest, deren eine als der durchlaufende Grundstock des ganzen Werkes sich heraushebt und dem die Hauptteile gehören. 3or^yjaJjer ist nach Sievers der Mann, der sich selbst Jo­hannes nennt. Die übrigen Stimmen sind epi­sodenhafte Erweiterer des Grundstoffes, plan- inähige Ueberarbeiter oder von geringerer Be­deutung. Die Schrift gewinnt nun, wie der Greifs­walder Theologe Professor Gerhard Kittel soeben in derDeutschen Literatur-Zeitung" betont, etwas Sensationelles durch ausführliche Mit­teilungen von Sievers über seine Forschungs­ergebnisse an den Evangelien.

Has Johannes-Evangelium besteht danach, abgesehen vom Prolog, der Perikope über die Ehebrecherin und ein paar kleinen Einschüben, auS zwei Stimmen: einem alten, auf den Zebe- daiden Johannes zurückgehenden Grundstück, dessen Stimme zugleich mit der des ersten 3o-

Hannes-Driefes identisch ist: und einer zweiten Stimme, die dem einen Ueberarbeiter der Apo­kalypse angehört. Dieser Redaktor der Johannes- Offenbarung der übrigens in der Stille des Presbyteros des 2. und 3. Johannes-Briefes noch einmal wiederkehrt ist also zugleich der Großumgestalter des Urjohamies gewesen. Die Stimme dieses Urjohannes aber, und das ist das scheinbar Unerhörteste an diesen Schlüssen, kehrt in große mH m fange in jedem der drei synoptischen Evan­gelien sowie in einigen Zitaten bei Paulus wieder. Das Urjohannes-Evangelium liegt zeitlich vor den Synoptikern: es ist eine der Hauptquellen für diese unsere Evangel.en ge­wesen, die ihn, sei es direkt, sei es indirekt, d. h. durch den Markus hindurch, ausgezogen und mit ähnlichen Auszügen aus anderen Quellen erster Hand verarbeitet hat.

Sievers selbst wird schwerlich ahnen, daß seine letzten Ergebnisse sich im Grundsatz mit ge­wissen Beobachtungen berühren, die von zwei, selbst wieder von ganz verschiedenen Gesichts­punkten herkommenden Forschern (Otto P gotisch, Rudolf Bultrnann) irt den letzten Jahren vorgelegt, worden sind, wonach man damit rechnen muß, dah das johanneische Christentum einen älteren Typus darstellt, als das synoptische also eine völlige Umkehrung der bisherigen wissenschaftlichen lleberzeugungen. Es wird diesem Zusammentreffen gegenüber nicht möglich sein, an den Fragestellungen .die sich ergeben, mit Achsel­zucken vorbeizugehen.

nalifierung. Erschütternd ist. was Pater Inner- ko f l e r . MitgliH der Böllerbundliga in Wien, über dieDöllische A 0 t in Deutsch- Südtirol" erzählt. Der Deutsche ist vogelfrei. Richt Einzelvorkommnisse sind die blutigen Heber- fälle auf harmlose Trachtenzüge, die Erschießung des Lehrers Jnnerhoser, die Berprügelung des Domherrn Psenner, des Bozener Altbürger­meisters Peraihoner. Alle Bilder der Freiheits­kämpfer mußten von den Wänden und aus den Schulbüchern verschwinden. Die alten Stand­bilder wurden heimlich * zertrümmert und ge­schändet.

Schier nichts ist den Südtirolern an Freiheit geblieben alsdie Freiheit zu verzweifeln": nur das Vertrauen in die eigene Kraft und d i e Hoffnung auf das Reich läßt sie Rot und Bedrückung noch trotzen. Wir aber dürfen uns über die Gefahr nicht im Unklaren sein, die mit der Südmark schon das Reich selbst bedroht. Kürzlich erfolgte in Mailand die Gründung einesAusschusses zur Er­oberung Aordtirols". Stärker vielleicht als der Schweizer Kanton Tessin ist heute schon Innsbruck gefährdet. Täuschen wir uns nicht wiederum fo verhängnisvoll wie während der Kriegsjahre mit dem gemütlichen SpruchEin Sechzigmillionenvolk kann nicht untergehen", wo dieser Untergang schon begonnen hat. Ihm zu begegnen bedarf es des einheitlichen Willens aller, den zu wecken und zu stärken dieses bedeutsame Grenzlandheft derSiiddeut-

Das für Brauer schwend günstige Ergebnis war 12: 11 Wenn es auch nur ein schwacher Sieg ist, so muh doch erwähnt werden, daß die Spiel- weise der Drauerschwender Mannschaft in letzter Zeit merklich besser geworden i-st.

Handball in Bad-Nauheim.

. Bad-A anheim. 12. Oki Ain Sonn­tag wurde hier das Pflicht-Handballspiel zwi­schen Männer turn verein Gießen und Turnverein 1 860 Bad-Rau heim aus- getragen. Es endete 3:0 (Halbzeit' 0:0) zu­gunsten Bad-Rauheims.

Westdeutsche Fußballspiele.

V. f. B. Kurhesse 1 Marburg - Hefen Kassel 1:3. Göttingen 05Torujfia Fulda 2:1. ö er>en 1900Kassel 03 1:9. Sport Kas'el-F. E. Wetz­lar 11. SP. V. Kassel -Osterode 6:0. Kur­hessen Phönix Kassel 9:1 (Ce'eltschaftskpiel).

Sportspiegel.

Bei den internationalen leicht- athl etik-Wettkämpfen in Paris gab eS teils recht gute Leistungen, Pa 01i verbesserte sogar den französischen Rekord im Kugelstoßen auf 14.22 Meier, van den B e r g h e - Holland gewann die 100 Meter in 10.6, (Sator fprang 7,50 Meter weit, Hoff- Aorwegen 3,55 Meter hoch. Der Schwede Petterson gewann den 200-Meter-Hürdenlaus in 26,6, E ck 1 0 f f die 5000 Meter in 15:10,2.

Beim Hainburger Damenschtoimmsest stellte Frk. Anni Rehborn im 100-Meter-Rücken- schwimmen mit 1:28,1 einen neuen deutschen Rekord auf. Eine gute Zeit im Herrenjugend, schwimmen 5.1. erzielte Krohn-Stern- Ham­burg mit 1:08.3. Den Ehrenwanderpreis in der 4-mal-4O-Meterdamenlagenstasfel gewann der BochumerSD. in 2:11 vor dem Jhehoer SV.

Die Kunstturnriege der Berliner Turn er schäft hat in Riga in mehreren Turnabenden eine verständnisvolle Aufnahme der hervorragenden Vorführungen und oft stürmischen Beifall gefunden.

Bei den Bochumer Radrennen konnte Oszmella- Köln den Weltmeister Ma^ai- rat in dem internationalen Hauptfahren schla­gen. Krewer-Köln wurde Dritter.

Der Waldlaufmeister der DT. Bräsicke- Germania-Petecshagen hat den Brandenburgi­schen Herbstlauf über 4,7 Kilometer in 14:50 vor Tietz- Jahn-Schönefeld und Q u e e l» Jahn- Biesdorf gewonnen . Siegerin der Frauenklasse wurde Sri. Spindler - D. T. S. D. Friesen.

Das Haupthürdenrennen in Karls- Horst gewann Rost (Oertel) vor Maxa unb Borussia (39; 14, 13, 18).

Lei den Pariser Radrennen konnte der deutsche Dauerfahrer Wittig im 70Kilo- meter-Rennen nur Zweiter hinter dem Italiener Dotkicellt werden.

Strafkammer Gießen.

Gießen, 9. Oft. In der heutigen Sitzung standen eine Reihe von Derufungssachen zur Verhandlung:

Zunächst wurde gegen einen ehemaligen An­gehörigen der hiesigen Reichswehr, den Ober- grenabier Kilian K. verhandelt, dem zur Last gelegt wurde, sich der Achtungsverletzung gegen einen Vorgesetzten in Tateinheit mit Gchorsams- verweigerung schuldig gemacht zu haben, und der dieserhalb durch Urteil des Amtsgerichts Gießen mit 4 Wochen mittleren Arrest bestraft worden war. Mit seiner gegen dieses Urteil eingelegten Berufung hatte er teilweisen Grsolg, indem das Gericht, den Ausführungen der beiden ärztlichen Sachverständigen folgend, die ihn für seine Tat zwar für verantwortlich erklärten, aber in Anbetracht seines psychopati- schen Zustandes die Tat einer milderen Beurtei­lung empfahlen, in weitaus großem Maße ihm mildernde Umstände zubilligten und ihn mit der gesetzlich geringst zulässigen Strafe von vier- zehnTagen Mittelarrest bestraften.

Die 6(^ährige Anna K. von Friedberg war wegen Hehlerei durch das Amtsgericht Frred- berg mit 1 Monat Gefängnis bestraft worden. Sie hatte von einem ihr gut bekannten jungen Mann, der ledig, ohne jegliches Vermögen, schon

Neuyorker Bries.

Von Charles Patterson.

N e u y 0 r k, 30. Sept. 1925.

Die Unsicherheit, die durch die Erörterung des Sicherheitspaktes wieder einmal in die Weltpolitik getrieben wurde, beeinflußt natürlich auch die Kre- di t b e r c i t f ch a f t Amerikas wenig günstiy. Dies sieht man besonders an dein 25-Millionen-Kredtt an die deutsche Landwirtschaft, der durch die Natio­nal City Conwany vermittelt wurde. Der ursprüng­liche Plan, Pfandbriefe der Deutschen Rentenbank- Kreditanstalt in größeren Mengen auf den ameri­kanischen Markt zu bringen, mußte wegen des all­gemeinen Mißtrauens des großen Publikums fallen gelassen werden. Dies verlangte vielmehr als Sicher­heit ausschließlich einwandfreie Hypotheken, die bei einem Treuhänder der Amerikaner in Deutschland hinterlegt und auf Grund deren dann in Amerika Bonds nach amerikanischem Muster ausgeaeben wer­den. Trotzdem dürfte bei der starken Flüssigkeit des amerikanischen Geldmarktes noch mancher Kredit für die deutsche Wirtschaft gewährt werden, und auch die deutsche Abordnung, die unter Führung des Fr- nanzrakes Adolf Friedrichs unter Teilnahme des Bankiers M e n d e l s f 0 h n - B a r t h 0 l d y und des Neuyorker Generalkonsuls von Lewinski kürzlich in Washington eingetroffen ist, um wegen der teilweisen Ablösung der bald nach Friedens- schluß ausgegebenen deutschen Regierungsschuldver- schreibungen zu verhandeln, ist eines gewissen Er­folges sicher. Ein großer Erfolg waren jedenfalls die Dollaranleihe der Stadt Bremen über 10 Millionen, die mit 7proz. Verzinsung zu einem Kurse oon 945 aufgelegt wurde, und die mehr als zehnfach über­zeichnete Bayerische 15-Millionen-Anleihe, die aller- dings mit den günstigsten Bedingungen ausaestattet war, die bisher je von einer deutschen Anleihe in Amerika gewährt wurden. Das Interesse amerikani­scher Wirischaftskreise an dem Wiederaufbau Deutsch­lands ist erklärlich, wenn man bedenkt, daß Deutschland immer noch Amerikas bester Kunde und fein zweitbester Lte- f erant ist. Gerade hier hat die kürzlich vom amen« konischen Handelsamt veröffentlichten Statistik des amerikanischen Außenhandels sehr interessante und für die Zukunft der beiden Länder äußerst viel­sagende Ziffern gebracht. Amerikas Ausfuhr nach Deutschland stieg in dem letzten mit dem 1. Juli dieses Jahres abgeschlossenen staatlichen Rechnungs­jahr auf 464 Millionen Dollar gegen 378 Millionen Dollar im Vorjahre. Besonders die Ausfuhr von Rohbaumwolle, Kupfer und Schmieröl, aber auch von Getreide und Futtermitteln weift eine erhebliche Steigerung auf. Amerikas Einfuhr aus Deutschland ein durchschlagendes Argument gegen das ewige Dumpinggerede sank dagegen von 148 Millionen Dollar auf 145 Millionen Dollar.

Das wirtschaftliche Interesse der amerikanischen Bank- und Geschäftswelt beschränkt sich aber nicht nur auf Deutschland, vielmehr betrachtet man dort die europäische Wirtschaft als Ganzes und hat die paneuropäischen Bestrebungen der Alten Welt sozusagen eskomptiert. Der praktische Blick des Amerikaners konzentriert sich nicht kleinlich auf einen Punkt, sondern umfaßt das Problem des europäischen Wiederaufbaus, das nur ein Teilproblem des welt­wirtschaftlichen Wiederaufbaues ist, an dessen schneller Förderung die Union aufs äußerste inter­essiert ist, einheitlich zusammen. Und praktisch, wie das Volk selbst, sind auch seine Maßnahmen. Wah­rend sich die europäischen Nationen undankbarer

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politischer Probleme wegen in die Haare geraten, leistet Amerika praktische Aufbauarbeit, allerdings mit dem ständigen Hintergedanken eignen Vorteils. Vergessen wir es nicht, daß es ein Amerikaner war, der den Vorsitz im Dawes-Ausschuß führte, daß ein Amerikaner die ungarischen Finanzen in Ordnung brachte, und ein Yankee sich mit der Lösung der undankbaren Memelfrage befaßte. Amerika sucht auch durch die große Interparlamentarische Konferenz dem Weltfrieden und dem Wieder­aufbau der Weltwirtschait zu dienen. Wissenden Kreises Deutsästands ist sicherlich die große heimliche Invasion amerikanischer Geschäfts- und Finanzleute aufgefallen, die unter dem Deckmantel einer Ver­gnügungsreise vor sich ging, in Wirklichkeit aber eine mit dem kritischen Auge des busineß man ausgeführte Geschäftsreise war. Was die Herren Lamont, Kahn, Francis H. Sisson und kürzlich erst wieder Charles E. Mitchell in Europa sahen und beobachteten, dient sicherlich vorerst dem amerikanischen Interesse, aber es wird ebenso sicher einer verstärkten Anteilnahme der Union an den Sorgen der alten Welt dienen und die hier noch vor kurzem bestehende Europa- inüdigkeit dämpfen. Denn das ist der charakteristische Zug aller Aeußerungen und Berichte jener Geschäfts­und Finanzleute, daß sich die wirtschaftliche Ent­wicklung Europas in gesunden Bahnen bewege, und daß trotz der unleugbaren Schwierigkeiten in In­dustrie und Handel, trotz Geldknappheit und Beschäf­tigungslosigkeit die auf bauenden Faktoren wachsen. Zu einem ähnlichen Schluß kam auch ein leitender Beamter des Washingtoner Handels­amtes, der kürzlich eine Inspektionsreise durch die vielen Vertreterftellungen dieser wundervollen ameri­kanischen Organisation gemacht hat, und der vor allen, eine Besserung der geistigen Verfasiung der einzelnen Nationen feststellte. Zugleich aber wies er darauf hin, daß mit der Wiederbelebung der europäischen Wirtschaft fick; auch die Schwierigkeiten der ameri­kanischen Industrie im Wettbewerb auf dem Welt­markt heben müßten. Dlod) ist man indessen in Amerika nicht besorgt, nod) weist man stolz auf die Ueberlegenheit der amerikanischen Produktions­methoden, auf die schier unerschöpfliche Finanzkraft der Union und auf deren erheblich günstigere geo­graphische Lage zu vielen wichtigen Märkten, ins­besondere Südamerikas, hin: aber im Hintergründe taucht doch hin und wieder dunkel und nebelhaft das Gespenst der europäischen Konkurrenz auf, dessen wichtigste Waffe die Regsamkeit und der Fleiß Deutschlands ist.

In geradezu hysterischer Weise wird das Wieder­erwachen der europäischen Konkurenz von der ame­rikanischen Arbeiterschaft gefürchtet und ihre Be­kämpfung in allerhand Anträgen zu einer weiteren Erschwerung der Einwanderung erstrebt, tfür Deutschland ist in diesem Zusammenhänge ein Vor­schlag interessant, der vor kurzem von einem be kannten Führer der amerikanischen Gewerkschaften gemacht wurde, und der allen Ernstes darauf hinaus­lief, die gesamten Kriegsschulden im Interesse der Vermeidung eines gefährlichen Dumpings euro­päischen Waren in Amerika zu streichen oder auf ein Minimum zu reduzieren.Falls mir die an uns verschuldeten Nationen" so heißt es in dem Be­richt dieses Gewerkschasllerszwingen, ihre Sd)ulden an uns abzutragen, dieses aber vorwiegend nur auf dem Wege der Warenlieferung möglich ist, so ist damit die Gefahr einer Ueberschwemmung unseres Marktes mit billigen Waren und eine Ge­fährdung unseres Lebensstandards in nächste Nähe gerückt, denn selbst wenn die europäischen Nationen ihren Warenüberfluß in andere Länder ablenken, so werden sie damit die WettbewerbssähiAkeit der amerikanischen Waren entsprechend herabdrucken."

Die Auffassung ist sicherlich zum Teil richtig der Vorschlag aber leider aussichtslos! Denn es handelt sich natürlich um einen billigen Vorschlag der amerikanischen Arbeiterschaft, die bei einer solchen Lösung ja am allerwenigsten zu verlieren hätte. Die amerikanische Oeffentlichkeit nimmt na­türlich derartige Hirngespinste keineswegs ernst und besteht nach wie vor auf der Zurückzahlung der europäischen Schulden. Die Enttäuschung, die Cail- laux bei seinen Verhandlungen in Washington er­leben durfte, und die temperamentvollen Angriffe, die Senator Borah noch immer im Sinne einer baldigen Regelung der Schuldenfrage besonders au den französischen Militarismus macht, zeigen weit besser als sonstige Geschehnisse die Mentalität des amerikanischen Volkes, das auch in diesen schwerwie­genden internationalen Entschädigungen das kluge und nüchterne Geschäftsvolk bleibt, dessen nationales Interesse an oberster Stelle steht.

Turnen, Sport und Spiel.

Faustball im Kreise Alsfeld.

l. Drauerschtoend, 11. Oft. Heute nach­mittag kämpfte die 1. F a u st bci l l m <l n n s cha f t des hiesigen Turnvereins gegen den Faust- ballverein Rainrod. Es war ein scharfes Spiel um den Sieg. In der ersten Halbzeit hatte Rainrod einen kleinen Vorsprung, dann gelang es aber Drauerschtoend, die Scharte auszutoehen und den Schluhball auf seine Seite zu bringen.