Ausgabe 
13.10.1925
 
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Erschwert wird ferner die tage durch die Tatsache, daß in den sogenannten 3tebenfragen, die für Deutschland von ungeheurer Bedeutung sind, und die als Voraussetzungen für den Sicherheitspakt überhaupt gellen können, kaum ein roefenl- licher Fortschritt zu verzeichnen ist.

Staatssekretär Kempner zur Berichterstattung nach Berlin.

Berlin, 13. Oft. (£11.) Zur Unterrichtung des Reichspräsidenten und des Reicks- kabinetts über den gegenwärtigen Stand der gesamten Besprechungen in Locarno ist der Staatssekretär in der Reichskanzlei, Dr. Kemp- n e r, Montag abend von Locarno nach Berlin a b g er e i st. Die Reise Dr. Kempners kam recht überraschend, da der Staatssekretär den Abend über noch an einem Essen und darauf­folgendem Zusammensein teilgenvmmen hatte, daS der Reichspressechef der neutralen Presse im .Hotel Esplanade gab. Wie bereits früher ange­deutet. war vor der Konferenz im Kabinett vereinbart worden, daß Dr. Kempner, falls es notwendig werden Tollte, für diese Mission in Aussicht genommen wurde.

Verhandlungen mtt den Tschechen.

Locarno, 12. Olt. (£11.) Nachdem Dr. Denesch Sonntag abend Herrn Dr. ©trete» mann snnen Besuch zur ersten Besprechung ge­macht hatte, war Montag nachmittag Ministerial» direktor Dr. Gaus bei dem tschechischen Außen- Minister, um mit ihm die Fragen des deutsch» tschechischen Schiedsgerichtsvertrages zu bespre­chen. Im Verlaufe der Unterredung machte Dr. Bencsch den deutschen Juristen mit dem Experten der tschechischen Kommission Professor Kretsch- m a r bekannt. Die Tschechen haben bekanntlich einen Vertragsentwurf bereits vor­bereitet, der den ursprünglichen Entwurf des Westpaktes zur Grundlage nimmt. Zur Begrün-- ldung dessen kann man von tschechischer Seite hören, daß der Westpakt so gut formuliert fei, daß er nach tschechischer Ansicht wundervoll als Modell dienen könne. Auf deutscher Seite ist man begreiflicherweise ganz entgegengesetzter Ansicht.

Die deutsche Delegation dürfte eS abgelehnt haben, den tschechischen Entwurf zur Grund­lage zu nehmen. *err Dr. Gautz hat deshalb Herrn Denesch ein Exemplar des deutsch- schweizerischen Schiedsbertra^es mir dem Er­suchen üöermittelt, es für die Weitersührung der Besprechung zu studieren.

Die Besprechung Dr. Gauß' mit den Tschechen dauerte etwa 3/4 Stunden. Sie wird Dienstag zwischen den deutschen und den tschechischen Ju­risten fortgesetzt. Es verlautet, daß Dr. Benesch seine Bereitschaft hat Lurchblicken lassen, mit Dr. Stresemann in eine allgemeine Be­sprechung des Minderheitenpro­blems einzutre'en. Es liegen ferner Anzeichen dafür vor, daß Dr. Denesch über den Schieds- gerichtsLertrag hinaus, eine Art Garantie- pgkt für die Sicherung der Grenze verlangen wird. Rach zuverlässigen Informa­tionen darf gesagt werden, daß die Reichs- regierung garnicht daran denkt, auf eine solche Bedingung einzugehen, da sie vollkommen außerhalb der ursprünglichen Anregung steht.

Polen und Frankreich.

Briand kündigt Polen die Freundschaft.

Berlin, 12. Oft. (£11.) Der Asien-Ost- europa-Dienst erfährt aus Locarnoer Konferenz- kreisen, daß die letzten Besprechungen zwischen .Briand und Skrzynski einen sehr heftigen Verlauf genommen hätte. Briand soll in sehr energischer Weise Skrzynski Vorwürfe gemacht haben, warum er sich mit Tschitscherin in Verhandlungen über so sehr weitgehende poli­tische Probleme eingelassen und dadurch den Stoff zur Annahme geliefert habe, als beabsichtige Polen, gemeinsam mit Rußland, die Kon­ferenz in Locarno zu sprengen. Ferner erklärte Briand, daß die allzu feierliche Auf­nahme Tschitscherins in Warschau einen sehr peinlichen Eindruck in Frankreich ge­macht habe. Zum Schlüsse erhärte Briand, die französische Regierung hätte den Beschluß gefaßt, die Geldkredite in Gold, die Frankreich bis jetzt der polnischen Regierung gewährte, nun­mehr e inz u st e l le n. Briand begründete dies damit, daß die Rüstung Polens notwendig war, als Frankreich durch Deutschland und Polen durch Rußland bedroht wurden. Jetzt aber stehe Frankreich vor dem Abschluß eines Ga­rantiepaktes mit Deutschland und be­nötige keine Rüstungen mehr im Osten. Auch Polen sei ja jetzt in sehr gute nachbarliche Beziehungen zu Rußland gekommen, so daß die weitere Ausrüstung der polnischen Armee nicht mehr in Frage komme. Briand soll auch erklärt haben, daß mit dem Beginn der russisch-polni­schen Freundschaft sich Frankreich von seinen Ver­pflichtungen Polen gegenüber befreit be­trachten werde.

Der Generalstreik in Frankreich.

Kommunist sche Unruhen in Paris und im Norden.

Paris, 13. Ott. (TU.) Während im großen und ganzen die von den Kommunisten für gestern ausgegebene Streikparole nur wenig befolgt wurde, kam es in den Vororten zu schweren A u s s chr e i t u n g e n der Streikenden. In St. Denis versuchten die Streikenden, verschiedene Fabriken zu stürmen. Im Verlaufe des Zusam­menstoßes wurde ein Arbeiter getötet. In den Abendstunden wurde die Lage so bedrohlich, daß in aller Eile Kürassierabteilungen zusammen gezogen werden mußten, die die Streikenden durch wiederholte Säbelattacken zu­rückdrängten. Polizei und Militär wurden mit Steinen beworfen. Während des Zusammenstoßes verhaftete die Polizei den Abgeordneten Doriot. Mehrere Straßenbahnwagen wurden von den Streikenden umgestürzt und zwei Eisenbahnwagen durch Sabotageakte zum Zusammenstoß gebracht, wobei sechs Reisende schwer verletzt wurden. In der Provinz kam es gleichfalls zu schwe- teil Zusammenstößen, namentlich im Bor­den. In dem Industrieort H a l u i n stürmten die Arbeiter eine Textilfabrik. Die kommunistischen Abgeordneten Dorivt und C ach in wurden in contumaciam vom Pariser Strafgericht zu je

13 Monaten Gefängnis und 3000 Mf. Geld­strafe verurteilt.

Rach den in der Polizeipräsektur vorliegen­den Rachrichen fleltlt sich die Streiklags heute wie folgt' Die öffentlichen Dienste, Post, Telephon, Telegraph und Bahnhofsdienst, (Siet» trizitäts-, Gas- und Wasserwerke arbeiten nor­mal. Im Verkehrswesen ist der Betrieb auf de n Untergrundbahnen normal, der der Autobusse und Straßenbahnen ebenso wie gestern mit Einschränkungen. Die Danken und Ver­sicherungsgesellschaften arbeiten voll­ständig. In de rM e t a 11» und Automobil- industrie ist der Streik, wenn auch bedeu­tender, so doch nicht vollständig. Im Bauge­werbe macht sich der Ausstand namentlich bet den Erdarbeitern bemerkbar. Man berechnet hier die Zahl der Streikenden auf 80 Prozent. Auch in der Schuhindustrie wird teilweise ge­streckt. Die bis zum spaten Rachmittag aus der Provinz vorliegenden Rachrichten lassen er- kennen, daß dem Streikbefehl zmn Teil Folge gegeben wurde. Aus säst allen großen Provinz- ftäbten wird die relativ stärkste Streikzahl in Dau- und Metallarbeiterkreisen gemeldet.

Russische Flottenmanöver in der Ostsee.

Reval, 12. Oft. (TU.) Gegenwärtig finden die großen russischen Flottenmanöver in der Ostsee statt. Bor den Befestigungen der Inseln erschien bei Reval ein russisches Geschwader, das den Kurs nach Osten hielt. : i dem Geschwader befand sich auch der große DreadnougthMarat" und vier Zerstörer. Zwischen den estnischen Inseln wurde ein russisches Untersee­boot gesichtet, was allgemeine Beunruhigung her­vorrief. Ein estländisches Wachtschiff näherte sich dem russischen Unterseeboot, um es darauf aufmerksam zu machen, daß es sich i n den estnischen Ter­ritorialgewässern befinde. Nachdem das Boot längere Zeit zwischen den Inseln gekreuzt hatte, entfernte es sich in nördlicher Richtung. Die estländischen Militärbehörden sind mit der Unter­suchung des Vorfalles beauftragt worden und wer­den auf diplomatischem Wege wahrscheinlich gegen die Verletzung der estnischen Hoheits­rechte schärfsten Einspruch bei her Sowjetregie- ntng erheben. Auch oorLibau erschienen russische Seestreitkräfte und kreuzten längere Zeit vor dem Hafen. Zwei lettländische Marineflugzeuge der Li- bauer Garnison flogen aufs Meer unb stellten fest, daß es sich um ein russisches Flottsngesch.vader han­dele. Nachdem die Schiffe in einer Entfernung von einigen Seemeilen mehrere Stunden manövriert hatten, fuhren sie wieder in nördlicher Richtung ab.

Die Handelsverträge.

Deutschlands Verhandlungen mit Lpanren und Italien

Berlin, 12. Ott. (T. 11.) Die Handelsbeziehun­gen zwischen Deutschland und Italien sind zurzeit bekanntlich durch das H a n d e l s p r o v i f o r i u m geregelt, das bis zum 31. Oktober läuft. Da die Hoffnung besteht, daß bei den gegenwärtig schwe­benden, Verhandlungen über den Abschluß eines endgültigen Handelsvertrages eine Einigung über die noch offenen Punkte bis zum Ablauf des Monats erzielt werden wird und die beiden Regie­rungen die feste Absicht haben, die Verhandlungen noch vor dem 31. 10. zu beenden, wurde jetzt in Rom die Abmachung getroffen, daß bis zum Ablauf des Provisoriums an dem gegenwär­tigen Status nichts zu ändern. Am 16. Oktober geht bekanntlich der d e u ts ch . s p a n t s ch e Handels­vertrag zu Ende, da er von deutscher Seite zu diesem Termin gekündigt worden ist. Infolge­dessen würden für Italien und die in Betracht kommenden Länder vom 16. Oktober an diejenigen Vorzugszölle wegfallen, die diese Länder nur deshalb bisher genoffen haben, weil sie einen iftbegünftigungsDertrag mit Deutsch­land abgeschlossen haben und der bisherige deutsch- spanische Handelsvertrag diese Meistbegünstigung vorsah. Die zurzeit geltenden deutschen Vertrags­sätze werden daher nunmehr auch nach dem 16. Oktober noch bis zum 31. Oktober auf die italie­nischen ErzeuZnifse weiter angewendet wer­den. Das hat zur Folge, daß die Länder, die mit Deutschland in einem Meistbegünstigungsverhältnis stehen, gJ e i d) f a ([ s bis zum 31. Oktober die bis­herigen Sätze noch weiter genießen.

Zwischen der deutschen.Botschaft in Madrid und der spanischen Regierung haben in der letzten Zeit wiederholt Besprechungen stattgefun- den, mit dem Ziel, eine neue Grundlage für die Vertragsregelung der Handelsbeziehun­gen zwischen den beiden Ländern zu finden. Es hat sich dabei als notwendig gezeigt, der deutschen Botschaft für diese Besprechungen einige Referenten aus den beteiligten Ministe­rien zur Seite zu geben. Es werden daher heute je ein Referent des Reichsministeriums für Er­nährung und Landwirtschaft, des Reichswirt­schafts- und des Reichsfinanzministeriums nach Madrid abreisen, um die deutsche Botschaft bei diesen Besprechungen zu beraten und zu unter­stützen. Diese neuen Beratungen werden nicht mehr so rechtzeitig ein Ergebnis haben tonnen, daß mit einem Inkrafttreten irgendwelcher neuer Vertragsunterlage^ am 16. Oktober gerechnet werden könnte. Es ist demnach mit Sicherheit anzunehmen, daß am 16. Oktober 1925 der schon seit langer Zeit vorausgesehene vertrags­lose Z u st a n d zwischen Deutschland und Spa­nien eintreten wird.

Die Knebelung des Deutschtums in Südtirol.

Innsbruck, 12. Ott. (T.U.) Wie aus Bozen gemeldet wird, wird mit sofortiger Wirkung b e t allen italienischen Gerichten nur noch ö t e italienische Sprache gestattet. Dieser Beschluß richtet sich gegen die Südtiroler. Bisher war bei den Gerichten das Deutsche als Verhand­lungssprache geduldet. Auch Eingaben in deut­sch e r Sprache wurden angenommen. Jetzt wer­den solche Eingaben entweder gar nicht mehr angenommen ober werden als ungültig be­trachtet. Die deutschen Parteien muffen die Ver­handlungen durch Dolmetscher aufnehmen, wodurch große Kosten erwachsen.

Kleine politische Nachrichten.

2(uf die an den Reichspräsidenten ergangene Einladung zu einem Besuche der Stadt n. M. gelegentlich seiner Reise nach Süddeutschland ist beim Oberbürgermeister r j; an^nann .^n Schreiben eingegangen, in welchem der Reichspräsident mitteilen läßt, daß

er dem Wunsche gern entsprechen wird, wenn keine besonderen Behinderimgen eintreten. Die endgültige Mitteilung bleibt Vorbehalten, bis der genaue Zeitpunkt der süddeutschen Reise (voraussichtlich Mitte Rovcmber) festgelegt wer­den kann.

Der Handelsvertrag zwischen Deutschland und der Sowjetunion ist Montag unterschrieben worden. Für Deutschland unterzeichnete der Botschafter Gras von Btockdorff-Ranhau und der Vorsitzende der deutschen Delegation v. Koerner, für Ruß­land der stellvertretende Volkskommissar für die Auswärtigen Angelegenheiten Litwinow und der Delegationschef Hanetzky.

Zu den Meldungen über einen wider» r e ch t l ich e n Fort trieb von deutschem Vieh übe rdie polnische Grenze im Kreise Marienwerder erfährt das W. £. D., daß es sich scheinbar um eine Pfändung handelt, weil das Vieh auf einer Fläche geweidet hat, die nach Ansicht der polnischen Regierung pol- n i s ch e s Eigentum ist. Dem Vernehmen nach ist das deutsche Vieh durch Verhandlungen mit dem Starosten gegen Hinterlegung von 300 Dan­ziger Gulden Schadenersatz freigegeben worden.

2lus aller Welt.

Eine neue Amundsen-Expedition.

Oslo, 12. Ott. (WTB.) Der Vorsitzende des Luftfahrtvereins teilte der Presse über die Vorbereitungen Amundsens für seine Polar­expedition mit, daß Ellsworth für Expedi­tionszwecke 100 000 Dollars gestiftet habe unter der Voraussetzung, daß das ilnternehmen den Ramen Amundfen-Ellsworth-Expedition erhält. Er hat Wecker die Bedingung gestellt, daß der Flug unter norwegischer Flagge vor sich geht und daß kein anderer als Amundsen und er daran teilnehmen dürfe. Ellswvrth wird sich als Ravigator be­tätigen und des wetteren zusammen mit einem Meteorologen die wissenschaftlichen Arbeiten leiten. Das Unternehmen wird im ganzen zirka 1} Millio­nen Kronen kosten. 25 Arbeiter verlassen am Mitt­woch Oslo, um auf Spitzbergen zusammen mit den dort ansässigen Arbeitern die Errichtung einer Luftschiffhalle vorzubereiten. Man hofft, das Fundament vor Eintritt des Winters gießen zu können, um im Laufe des Winters das Skelett zu errichten. Die Halle wird dann später mit Segeltuch bedeckt.

Internationale Privatrechtskonferenz.

Im Haag wurde die 5. internationale Privat­konferenz mit einer Rede des holländischen Justiz­ministers Dr. S ch e k k i n g eröffnet. Auf Vorschlag des portugiesischen Gesandten wurde der ehemalige Präsident des internationalen Richterkollegiums, Dr. B. C. I. L o d e r, der zugleich Vorsitzender der hol­ländischen staatlichen Kommission zur Vorbereitung von Maßnahmen für die Kodifikation des internatio­nalen Prioatrechts ist, zum Vorsitzenden der Kon­ferenz gewählt. An den Beratungen der Kon­ferenz nehmen diesmal auch eine Reihe von Staaten teil, die auf den früheren Konfe­renzen nicht vertreten waren, vor allem Groß- -.brttannien, Polen, Finnland, Jugoslawien und die Tschechoslowakei. Die früheren Konferenzen wurden ebenfalls im Haag abgehalten, die letzte 1904. Auf der Tagesordnung der jetzigen stehen vor allem die internationale Regelung des Konkurses, die Anerkennung und Ausführung fremder Ur­teile und die Vereinheitltchung des Erbrechts, während ferner die früheren Haager Privatrechts­vereinbarungen über Eheschließung, Ehescheidung, Vormundschaft, eheliches Güterrecht, Vermögens­verwaltung und den Zivilprozeß einer Revision unterzogen werden sollen.

Der stärkste Mann der Welt

DerElfenkönig" Breitbart ist in einer Berliner Klinik an Blutvergiftung gestorben, die er sich durch einen verrosteten Ragel zuge­zogen hat. Er hat mit Recht in der ganzen 'Welt größtes Aufsehen erregt, denn er hat Leistungen vollbracht, wie sie bisher nur in der griechischen Sage bekannt waren. Besonders seine Haupt- numiner, mehrere dahinrasende Pferde mit einem Griff aufzuhalten, ist weder vor ihm noch nach ihm von einem Menschen gezeigt worden. Man berichtet von August dem Starken, daß er imstande gewesen sei, ein Hufeisen zusammenzubiegen. Diese Leistung ist bereits mehrfach nachgeahmt worden und derEisenkönig" Breitbart hat sogar große dicke Eisenstangen zur Hufeisenform zusammen­gebogen. Auch fein Sterben ist ein Beweis dafür, welche ungeheuren Lebenskräfte in ihm wohnten. Er hat nämlich am 26. Juli d. I. in Radom fein gewöhnliches Kunststück vorgeführt, einen Ra -- gel mit der Faust in ein Brett cin^u- schlagen. Dieses bereits viele hundert Mak von ihm ausgeführte Zeichen seiner ungeheuren Kraft sollte ihm diesmal zum Ver­derben werden, bemi nachdem er den Ragel in das Brett geschlagen hatte, rutschte er aus und verwundete sich mit dem rostigen Ragel oberhalb des rechten Knies. Trotz­dem er sofort l)e'lig? Schmerzen bekam, mußte er seinem Vertrage gemäß auch in den nächsten Tagen weiter arbeiten, da fein Direktor auf Einhaltung des Vertrages bestand. Durch den rostigen Ragel hatte er sich eine Blutvergif­tung zugezogen, die im allgemeinen nach 3 bis 10 Tagen zum Tode führt, wenn sie nicht recht­zeitig entdeckt und beseitigt wird. Dreitbart mußte dann in die Berliner Universitätsklinik geschafft werden, wo er sich in Behandlung von Professor Bier begab. Er wurde mehr als zehnmal ope­riert, um das Gift aus dem Dein zu entfernen. Aber alle Operationen waren ergebnislos, so daß man ihm schließlich das D e i n a b n e h m e n mußte. Mer auch dieser Schritt war schon zu spät.

Wettervoraussage.

Meist wolkig, vorwiegend westliche bis nord- llche Winde, Temperatur wenig geändert, nur tellenweise leichte Riederschläge.

Die Lage des nordöstlichen Fallgebietes hat lch nicht wesentlich geändert, dagegen hat sie sich etwas abgeschwächt. Auf seiner Südseite sind leichte Störungen möglich. Im allgemeinen wird die gegenwärtige Wetterlage zunächst jedoch we­nig beeinflußt werden.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 12,4 ®taö Eelfius, Minimum 3,7 Grad Celsius. Heu­tige Morgeittemperatur: 3.7 Grad Celsius.

Au§ der ProvinMlhapptstadt.

Gießen, den 13. Oktober 1925. j

Zehn Gebote für Radfahrer.

Da die Vorschriften über das Verhalten der Radfahrer auf der Straß e immer iwch nicht genügend beachtet werden, ficht sich das Polizeiamt Gießen veranlaßt, die wichtigsten Bestimmungen über den Radfahrverkehr erneut bekanntzugebrn. Es heißt dort:

1. Jedes Fahrrad muß mit einer sicher wirkenden Hemmvorrichtung, mit einer hell" tönenden Glocke zum Abgeben von Warnungs" zeichen und während der Dunkelheit sowie bet starkem Rebel mit einer hellbrennenden Laterne mit farblosen Gläsern versehen fein«, die den Lichtschein nach vorn auf die Fahrbahn wirst.

2. Jeder Radfahrer ist zur gehörigen Vor- srcht bei der Leitung seines Fahrrades Der» pflichtet. Die Fahrgeschwindigkeit ist jederzeit so enizurichten, daß Unfälle und Verkehrsstörungen vermieden werden. Innerhalb geschlossener Orts­teile darf nur mit mäßiger Geschwindigkeit ge­fahren werden. Auf unübersichtlichen Wegen, ins- besondere nach Eintritt der Dunkelheit, öder bet starkem Rebel, beim Einbiegen aus einer Straße in die andere, bei Straßenkreuzungen, bei schar­fen Straßenkrümmungen, bei der Ausfahrt aus Grundstücken, die an öffentlichen Wegen liegen, und bei der Einfahrt in solche Grundstücke, ferner beim Passieren enger Brücken und Tore, sowie schmaler ober abschüssiger Wege, sowie pa. wo die Wirksamkeit der Hemmvorrichtung durch die Schlüvfrigkeit des Weges in Frage gestellt ist. endlich überall da, wo ein lebhafter Verkehr stattfindet. muh langsam und so vorsichtig ge­fahren werden, daß das Fahrrad nötigenfalls auf der Stelle zum Halten gebracht werden kann. In allen diesen Fällen, sowie bei jedem Bergabfahren ist es verboten, beide Hände gleich­zeitig von der Lenkstange oder die Füße von den Pedalen zu nehmen.

3. Der Radfahrer hat eittgegenlommende. zu überholende, in der Fahrtrichtung ober die Fahrtrichtung kreuzende Menschen, insbesondere die Führer von Fuhrwerken, Reiter, Viehtreiber usw. durch deutlich hörbares Glockenzeichen recht­zeitig auf das Rahen des Fahrrads aufmerksam zu machen. Auch an unübersichtlichen Stellen ist das Glockenzeichen zu geben. Das Abgeben des Glockenzeichens ist sofort einzustellen, wenn Tiere dadurch unruhig ober scheu werben. Zweckloses ober belästigendes Klingeln ist zu unterlassen. Der Gebrauch von Signalpfeifen, Hupen und be­ständig tönenden Glocken (Schlittenglocken u. dgl.) sowie von sogen. Radlaufglocken ist untersagt. Merkt der Radfahrer, daß ein Tier vor dem Fahrrabe scheut, oder daß sonst durch das Vor­beifahren mit dem Fahrrade Menschen oder Tiere in Gefahr gebracht werden, so hat er langsam zu fahren und erforderlichenfalls sofort abzustei­gen.

4. Das Einbiegen in eine andere Straße hat nach rechts in kurzer Wendung, nach links in weitem Bogen zu geschehen.

5. Der Radfahrer hat bei der Fahrt die rechte Seite der Fahrbahn einzuhalten und ent- gegeniommenben Fuhrwerken. Kraftfahrzeugen. Reitern, Radfahrern, Fußgängern, Viehtrans­porten ober dergleichen rechtzeitig und genügend nach rechts auszuweichen ober, falls dies die Umstände oder die Oertlichkeit nicht gestatten, solange abzusteigen, bis die Bahn frei ist.

6. Das Vorbeifahren an eingeholten Fuhr­werken. Kraftfahrzeugen, Reitern, Radfahrern. Fußgängern, Viehtransporten ober bergleidjen hat auf bet linken Seite zu er.olaen. An unüber­sichtlichen Stellen sowie überall wo bie Fahr­bahn durch Fuhrwerke, Kraftfahrzeuge usw. ver­engt ist, ist bas Ueberholen verboten.

7. Das Rabsahren ist, außer auf ben für den Radfahrverkehr eingerichteten besonderen Wegen (Radfahrwegen), nur auf ben für Fuhr­werke bestimmten Wegen und Plätzen gestattet. Außerhalb der geschlossenen Ortschaften bars bas Fahren mit Zweirädern auch auf den neben den Fahrwegen hinführenden nicht erhöhten Ban­ketten ftattfinben. Das Radfahren auf solchen Fußwegen, die das Ausweichen gestatten, ist außerhalb der Ortschaft unter der Voraus­setzung zulässig, daß die Radfahrer stets den Fußgängern in angemessener Entfernung aus- weichen. den Fußweg freilassen und nötigenfalls absteigen.

8. Das Umkreisen von Fuhrwerken. Men­schen und Tieren und ähnliche Bewegungen, bie geeignet sinb, Menschen ober Eigentum zu ge­fährden, den Verkehr zu stören ober Tiere scheu zu machen, sinb verboten.

9. Auf den Haltruf ober bas Haltezeichen eines als solchen kenntlichen Polizeibeamten hat jeder Radfahrer sofort anzuhalten.

10. Zuwiderhandlungen gegen diese Vor­schriften werden bis zu 60 Mk. ober mit Haft bis zu 14 Tagen bestraft.

(Viestener Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf bem heutigen Wochenmarkt: Butter Pfd. 2.20 bis 2.30 Mk., Matte Psb. 40 Pf., Käse Psd. 75 Pf., Wirsing Pfd. 10 Pf.. Weißkraut Pfd. 7 bis 6 Pf., Rotkraut Pfd. 15 Pf., gelbe Rüben Pfd. 15 Pf., Roterüben Pfd« 10 Pf., Spinat Pfd. 20 Pf.. Römischkohl Pfd. 10 Pf.. Bohnen Psd. 25 bis 30 Pf.. Unter- Kohlrabi Pfd. 6 Pf.. Grünkohl Psd. 20 Pf.. Rosenkohl Pfd. 40 Pf., Feldsalat Psd. 1 Mk., Tomaten Pfd. 30 Pf., Zwiebeln Psd. 12 Pf.. Meerrettich Pfd. 40 bis 100 Pf., Rhabarber 20 Pf.. Kürbis Pfd. 8 Pf.. Pilze Pfd. 40 Pf.. Kartoffeln Psb. 4 bis 4' , Pf., Falläpfel Pd. 5 Ps.. Aepsel Pfd. 18 bis 20 Pf.. Dirnen Psb. 15 bis 30 Pf., Zwetschen Psb. 30 bis 40 Pf.. Junge Hahnen Pfd. 1.10 Mk., Suppenhühner Psb. 1.10 Mk.. Gänse 1.10 bis 1.20 Mk., Rüsse Pfd. 35 bis 40 Pf.. Eier Stück 17 Pf. Blumen­kohl Stück 10 bis 150 Vs.. Salat Stück 15 Pf., Salatgurken Stück 30 bis 50 Pf., Endivien Stück 15 bis 20 Pf., Ober-Kohlrabi Stück 5 bis 10 Pf., Lauch Stück 5 Pf.. Rettich Stück 10 bis 30 Pf.. Sellerie Stück 10 bis 50 Pf.. Radieschen Bund 15 Pf., Hagebutten Pfd. 25 Pf.

" Z u ben Kommunalwahlen. Es wirb von amtlicher Seite barauf aufmerksam gemacht, baß in diesen Tagen die Wahlberech­tigten auTgeforbert werben, die 'Wahlvorschläge mit Frist von einer Woche einzureichen. Die Parteien werben beshalb jetzt schon die Wahl- Vorschläge vorbereiten müssen, damit die Frist nicht versäumt wirb. Selbstverständlich können die Wahlvorschläge auch vor der öffentlichen Aufforderung, sobald nur der Wahltag bekannt­gegeben ist. eingereicht werden.