für die fast die gleiche Zahl Extrazüge eingelegt werden muß. Damit ist die Retchsbahngesellschaft vor eine ihrer größten Aufgaben gestellt. Am 24. Juli treffen die Sonderzüge mit den a u s lä n d i s ch e n Teilnehmern ein, 10 Musikkapellen stehen zu ihrer Begrüßung in der riesigen Frankfurter Bahnhofshalle.
Eine besonders schwierige Aufgabe hat der Wohnungsausschuß zu bewältigen, werden doch mindestens 150 000 Teilnehmer nnterzubringen sein. Frankfurt wird seinen Ruf als gastfreundliche Stätte rechtfertigen. Ein Teil, und zwar in der Hauptsache Wettkämpfer, wird in einer Z e l t st a d t, die in unmittelbarer Nähe des Stadions errichtet wird, untergebracht. Dies wird allein eine Sehenswürdigkeit, ist doch die Errichtung einer wirklichen Stadt mit allen geschäftlichen und Sicherheitsein- richtungen geplant.
2(n die Verpflegung dieser gewaltigen Menschenmassen ist natürlich schon lange gedacht. Jemand hat ausgerechnet, daß, wenn die Verpflegung nur auf Brötchen und Würstchen beschränkt bleibt, sämtliche Frankfurter Metzger schon seit Jahresfrist beginnen und Würstchen konservieren mußten. 200 Verpflegungsstellen werden an den Festtagen für das leibliche Wohl sorgen.
Den Sanitätsbien st hat der Arbeitersamariterbund übernommen. 2000 Samariter und Samariterinnen aus ganz Deutschland werden diesen wichtigen Dienst versehen. Das Frankfurter Stadtgesundheitsamt stellt Lazarettmaterialien in genügender Menge zur Verfügung. Die Frankfurter A e r z t e s ch a f t hat sich bereitwilligst in den Dienst dieser Sache gestellt. Im Stadion selbst werden Abteilungen für Chirurgie, innere Medizin, Massage und eine besondere Abteilung für Frauen eingerichtet, die unter ständiger ärztlicher Wache stehen. Außerdem werden während der Dauer des Festzuges in den Straßen eine größere Anzahl fliegender Wachen eingerichtet.
Das Reich wird sein Interesse an dieser Veranstaltung mit einem Zuschuß bekunden. Der Städtetaa hat auf seiner letzten Tagung beschlossen, die Wettkämpfer mit 50 Mark pro Kopf zu unterstützen. Von der Stadt Frankfurt ist ebenfalls ein namhafter Zuschuß zu erwarten. Der F est b e i t r a g für die Olympiateilnehmer ist auf 4 Mk. feftgefeßt, für Jugendliche beträgt er 2 Mk. Das Ouartiergeld für alle Festteilnehmer beträgt für die Dauer der Olympiade 2,50 Mk.
Um für den zu erwartenden sehr starken Zustrom der Ausländer Erleichterungen zu schaffen, sollen zur Olympiade und auch für später imAus - landsportverkehr gewisse Beschränkungen und Formalitäten fortfallen. Wie das Auswärtige Amt mitteilt, hat es an alle Auslandvertretunaen Europas und Amerikas Anweisungen ergehen lassen, den Teilnehmern an der Olympiade gebührenfreie Sichtvermerke auszustellen.
Eine besonders wichtige Angelegenheit waren die Verhandlungen mit der Reichsbahngesellschaft über die Gestaltung des F a h r p r e i s e s stir Benutzung der Sonderzüge. Nach den im Februar dieses Jahres stattgefundenen Verhandlungen mit der Reichsbahndirektion Frankfurt sollte für Erwachsene eine Preisermäßigung von 33z Proz. und für Jugendliche von 50 Proz. eintreten. Diese Vereinbarungen wurden von der Reichsbahnverwaltung für nichtig erklärt. Außer der tarifmäßigen zehn- prozentigen Fahrpreiserhöhung wurden die (Ermäßigungen für Benutzung der Sonderzüge auf 25 Proz. für Erwachsene und 33z Proz. für Jugend- , liche festgesetzt. Es sind neue Verhandlungen im Gange, um die ursprünglich vereinbarten Preisnachlässe wieder zu erreichen.
Im vorstehenden ist in gedrängter Kürze ein Ueberblick über die geschäftlichen Angelegenheiten dieser „Olympiade der Massen" gegeben, das rein technische und unterhaltende Programm ist natürlich in allen seinen Einzelheiten längst fertig. Gegenwärtig finden in allen beteiligten Ländern die A u s s ch e i d u n g s k ä m p f e in allen Sportarten statt, um die von jedem Land zugelassene Zahl von Wettkämpfern festzustellen. Die weiblichen Teilnehmer Deutschlands sind bereits für die einzelnen Wettkamsifarten namhaft gemacht. Unsere heimatliche vorzügliche Turnerin Emma Mandler-Heuchelheim rangiert auf der Lifte der besten Turnerinnen Deutschlands im Zwölfkampf an achter Stelle, was gewiß ein anerkennenswerter Erfolg ist. Die 16 besten Geräteturner wurden am letzten Sonntag in Leipzig unter 64 Teilnehmern aus ganz Deutschland bestimmt, während die Leichtathleten am gleichen Tage in Chemnitz für die einzelnen Sßetttampfarten festgestellt wurden. Inwieweit unser Hessen-Hessennassauischer Kreis hierbei erfolgreich war, war bei Niederschrift vorstehender Zeilen noch nicht bekannt.
Die Olympiade wird eröffnet durch einen E i n- marsch aller Nationen in das Stadion. Die mitgeführten Fahnen werden dem feierlichen Akt ein besonderes Gepräge geben. Die Delegierten der einzelnen Länder werden zu einer akademischen Feier im Palmengarten zusammentreffen. Am Abend d^s ersten Tages wird die Festhalle eine Feier seltener Art erleben: Bei voraussichtlich ungeheurer Beteiligung wird die Olympiade feierlich eröffnet. Die hier gebotenen turnerischen Darbietungen werden ganz Außerordentliches bringen. Auf die Sonderoorführungen der Ausländer ist man natürlich sehr gespannt.
Arn Sonntaaoorrnittag von 9 Uhr ab wird sich ein riesiger F e st z u g in zwei Abteilungen durch die Stadt bewegen. 1 200 Radfahrer des Ar- beiter-Radfahrerbundes werden nach der Ankunft des Festzuges im Stadion einen Massenreigen fahren. Dann schließen sich die Freiübungen der Deutschen an. 24 000 Turner und Turnerinnen werden hierbei den weiten Freiübungsplatz betreten, der mit Sitzgelegenheiten für 22 000 Personen umgeben ist. Im Anschluß hieran werden die ausländischen Verbände ihre Massenvorführungen zeigen. Der Abend bringt das von Alfred Auer- bad), dem Leiter der Bühnenklassen an Dr. Hochs
Konservatorium geschriebene Weihefe st spiel: „Das Spiel um die Erde".
An den folgenden Tagen werden die Wettkämpfe auf allen Gebieten des sportlichen Lebens ausgetragen. Das Gelände des Stadions allein ist hierzu unzureichend, 38 Fußballplätze sind bis jetzt mit einbezogen worden. Die Abende bringen Unterhaltungen der mannigfaltigsten Art. Am Montagabend kommt Haydns „Schöpfung" zur Aufführung, während im Zoo ein Heiterer Abend veranstaltet wird, bei dem die ersten Künstler Mitwirken. Neben vielen anderen Veranstaltungen werden die Olympiadebesucher eine festliche Bele u ch - tung des Mains und der Altstadt sehen. Am Montag wird nach Schluß der Festspiele der Main von etwa 10 Uhr ab festlich beleuchtet werden, auch der Dom wird für etwa 30 Minuten illuminiert. Es wird ein Bild sein, das kein Teilnehmer so leicht vergißt: Wenn der ganze Mainstrom in bunten Farben erglüht und der alte, ehrwürdige Dom wie eine Riesensackei die Altstadt erleuchtet. Damit werden Vorführungen des Wassersports verbunden sein. Hunderttausende werden an diesem Abend die beiden Ufer des Mains besuchen.
Der nachfolgende Dienstag ist den Kindern gewidmet. Auch hier ist eine Beteiligung von vielen Taufenden zu erwarten. In einem Feftzug werden d>e Kinder nach dem Stadion geführt, woselbst Vorführungen gezeigt werden, wie sie in den Uebungs- stimden der Arbeitersportoereine zur Aus- imb Durchbildung des Kinderkörpers in geistiger und körperlicher Beziehung gepflegt werden.
Eine besondere Organisation beschäftigt sich mit den Fußballwettspielen. Neben einer großen Reihe von Gesellschaftsspielen, bei denen in der Hauptsache deutsche gegen ausländische Mannschaften spielen, soll eine Olympiameisterschaft ausgetragen werden, an der sich Deutschland, Belgien, Frankreich, Polen, Tschechoslowakei und Finnland beteiligen. Die Vorrundenspiele hierzu sind am 24., die Zwischenrundenspiele am 25. und das Endspiel um die Meisterschaft am 28. Juli.
Die Diplome an die Sieger der einzelnen Wettkämpfe werden in drei Sprachen hergestellt.
Die Lage Frankfurts bedingt es, daß einmal den deutschen Olympiateilnehmern, zum andern aber auch den ausländischen Festgästen ein Stück unseres Vaters Rhein gezeigt wird. Der Rhein und das Rheingebiet ist heute kein leerer Begriff mehr, er verkörpert ein Stück der Geschichte und der Geschicke Detitschlands bis in die jüngste Gegenwart hinein und wird aller Voraussicht nach auch in der Folgezeit im Mittelpunkt des politischen Geschehens stehen. Am 28., 29. und 30. Juli sollen die Rhein- fahrten von Mainz nach Koblenz führen. Damit wird das schönste Stück des Rheins gezeigt. Teilnehmer müssen sich wegen der Besatzung mit einem Personalausweis versehen. Es wurde mit den Schiffahrtsgesellschaften eine Fahrpreisermäßigung von 60 Prozent vereinbart, so daß sich eine Fahrt auf 3 Mk. beläuft. Außerdem ist noch eine große Zahl von Wanderungen von ein-, zwei- und dreitägiger Dauer in den Taunus, den Spessart und die Rhön vorgesehen.
Aus der Fülle des zu Schauenden konnte das Angeführte nur streiflichtartig berührt werden. Eine Unmenge kleinerer und größerer Veranstaltungen schieben sich dazwischen. Schon seit Monaten steht Frankfurt im Zeichen der Vorarbeiten für diese einzigartige Veranstaltung, die gesamte Einwohnerschaft dürste ihre Ehre dareinsetzen, dem Gedanken der Olympiade zum Erfolg zu verhelfen: Neben der durch die sportliche Betätigung gewollten körper- ließen und geistigen Erziehung und Ertüchtigung um alle Kulturvölker ein einigendes Band zu fchlingen, um dann im friedlichen Wettbewerb den Äufstieg in die höchsten Höhen zu voUbringen!
Südweftdeutsche Fahrradftafette.
Die südwe st deutschen Horste des Deutschen Pfadfinder bundes fahren am morgigen Sonntag eine Radfährst a s e t t e von Gießen nach Freiburg im Breisgau. Die zu durchfahrende Strecke beträgt 372 Kilometer. Die Stafettenmeldung wird von Freiburg über den Schwarzwald geblinkt. Die Stafette beginnt in Gießen um 6 Tlhr morgens.
Ein neuer Flugrekord.
vo. Der Darmstädter Flieger Jährling, der sich außer Konkurrenz am Deutschen Rund- slug 1925 beteiligte, erzielte bei seiner Rückreise von Berlin nach Darmstadt eine bisher n och nicht erzielte Fluggeschwindigkeit. Aus seinem Dietrich-Doppeldecker durchflog er die Strecke B e r lin—D a r m ft a ö t in 2 Stunden 34 Minuten. Er startete in Berlin um 5,15 LIHr nachmittags, und traf in Darmstadt 7.49 Ahr abends ein.
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Aus der Provinz.
Landkreis Gictzcrr.
>< Klein-Linden, 12. Juni. Unser an den Hauptstraßen Kassel—Frankfurt a. M. und Gießen—Wetzlar gelegener Ort hat in den letzten 20 Jahren eine bebeutenbe Ausbehnung nach allen Richtungen h i n angenommen, fo daß die jetzige Benennung Fremden gegenüber kaum noch ein richtiges Bild von der Größe des Ortes bietet. Während das Dorf mitEifenbah- nen fast umzingelt ist, fehlen doch bis jetzt noch ein Güterabladegleis und ein Haltepunkt: anscheinend hatte man in früherer Zeit keinen richtigen Weitblick für die Nützlichkeit dieser Anlagen. Während die Gemeinde und Private viel wertvolles Gelände für Eisenbahngleise abgetreten haben, „genießen" sie jetzt nur das Getöse, den Rauch und Qualm der Lokomotiven, die Personenzüge aber fahren stolz vorbei. Auch manche sonstigen Einrichtungen, um welche man z. T. die abgelegensten Dörfer beneiden kann, harren hier noch der Aus
führung, z. B. Wasserleitung, elektrische Bahnverbindung mit der Stadt Gießen, Bau eines Pfarrhauses, Bekämpfung der Staubplage. Hoffentlich bessert sich die Finanzlage derart, daß bald an die Ausführung dieser dringenden Neuerungen gedacht werden kann. — Nachdem im vorigen Jahre die Landwirtschaft unter anhaltender Nässe zu leiden hatte, sieht jetzt der Landwirt mit großer Sorge, wie das Ergebnis seines Schaffens durch die Ungunst der Witterung beeinträchtigt wird. Das erste Grün- futter, welches sehr üppig stand, ist meistens verfüttert, ein Nachwuchs findet nur in feuchten Lagen statt, während der trockene Wind mit der heißen Glut der Sonne sonst alles verdorren läßt. In hohen Lagen ist ein Teil der Sommerfrucht bereits abgestorben, die Hackfrüchte können nicht gepflanzt werden und auch der Roggen hat bereits eine weiße Farbe angenommen. Obwohl die Kartoffel noch im ersten Wachstum begriffen ist, macht sich doch auch hier die große Dürre bemerkbar. Durch diese begünstigt, sind sehr viele Apfelbäume mit Raupen und sonstigen Schmarotzern dicht besetzt, in wenigen Tagen wird alles Laub abgefressen, da in der Vogelwelt die Insektenfresser stark zurückgegangen sind und alle sonstigen Vertilgungsmittel nicht den gewünschten Erfolg haben. Die Landwirtschaft treibende Bevölkerung sieht mit Sorge in die Zukunft, und wenn sich nicht bald ein durchdringender Regen einstellt, ist die Hoffnung auf ein gutes Erntejahr in erheblichem Maße zunichte geworden.
t Grünb ei g, 12. Juni. In der gestrigen Gemeinderatssihung wurde das s. Z. festgesetzte Markt st andgeld dahin berichtigt, daß diese Gebühr von 10 bzw. 15 Pf. nicht für zwei Tage, sondern nur für einen Tag Geltung hak. — Da ein Waggon Gußröhren zum Legen der Wasserleitung nach dem neuzuerbauenden Hochbehälter bereits ein- getroffen ist, und der nächste Waggon demnächst eintrifft, kann mit den Arbeiten begonnen werden. Zu diesem Zweck wird bei der hiesigen Bezirks-Sparkasse vorerst eine Anleihe von 20 000 Mk. zu 13 Prozent aufgenommen. — Ein Antrag des Musikvereins auf jährliche .Unterstützung in Höhe von 150 Mk. wurde zurückgestellt. — Der Vorsitzende teilte mit, daß vom Dauinspektor Seim demnächst ein Voranschlag über die Instandsetzung des Kirchendachs eingereicht wird und diese Arbeit dann zur Submission kommt. — Hierauf werden noch verschiedene Angelegenheiten der Stadt besprochen, u. a. auch die Bürger meist erfrage. Hierbei suchte man den Schuldigen für die Richteinhaltung der Wahlzeit, und fragte, wer nun für die entstehenden Kosten aufzukommen habe. — Die Auseinandersetzung wurde so scharf, daß schließlich ein Teil der Gern ein de rate den Sitzungssaal verließ. Die geheime Sitzung fiel deshalb aus.
Friedberg.
sf. Friedberg, 12. Juni. Einer der ge- achtesten und angesehensten Bürger unserer Stadt, Schreinermeister Aug. Valentin, feierte gestern unter allgemeiner Anteilnahme seinen 8 0. Geburtstag. Der Jubilar gehörte länger als 25 Jahre der Stadtverordnetenversammlung an, und überbrachte deshalb Bürgermeister Dr. S e h d ihm persönlich die Glückwünsche der Stadt. Ganz besondere und hervorragende Verdienste hat sich Valentin um das Turnwesen und die hiesige Turngemeinde erworben, der er seit dem Jahre 1861 als Mitglied angehört. 25 Jahre war er als Vorstandsmitglied, davon 10 Jahre als erster Sprecher tätig, so daß er bei seinem Ausscheiden zum Ehrenpräsidenten erwählt wurde. Die Turngemeinde ließ es sich deshalb auch nicht nehmen, ihr verdienstvolles Mitglied durch einen Fackelzug zu ehren, bei welchem der erste Sprecher, Studienrat Thierolf, in einer Aussprache seine Verdienste würdigte. Der greise Jubilar dankte in bewegten Worten und schloß mit einem Gut Heil auf die Deutsche Turnerschaft. Die Gesangsabteilung des Vereins, deren Mitgründer der so Geehrte war, verschönte die Feier durch Vortrag einer Anzahl passender Chöre.
vw. Butzbach, 12. Juni. Wenn wir heute e i n Mittel willkommen heißen müssen, bas in dem nie- berbrürfenben Gefühl unserer Ohnmacht, mit der unsere Gegner so freventlich Schinbluber treiben, uns aufrichtet, so ist es das der Erinnerung an bie Heldentaten unseres Heeres zu Wasser und zu Land im Weltkriege. Noch in aller Gedächtnis dürften die kühnen Kap er - faxten des unter dem Kommando des Grafen Dohna stehenden Hilfskreuzers „M ö w e" sein, der zweimal die englische Postenlinie durchbrach und hinausfuhr auf das Weltmeer, um durch Kaperung und Versenkung vieler feindlicher Schife dem Gegner, der die verderbenbringende Blockade auf unsere Küste gelegt hatte, sehr empfindlichen Schaden zuzufügen. Kapitänleutnant Wolf, der in der Nachkriegszeit im Kampfe gegen polnische Räuberbanden fiel, hatte mit Erlaubnis der Marineleitung gelegentlich der zweiten Kaperfahrt einen Film hergestellt, den der Bruder des kühnen Seeoffiziers dem hiesigen neugegründeten Marinevercin lieh, welcher ihn durch einen einstigen Möwekämpfer vorführen Heß. Dadurch sahen wir, wie die oft verwegenen Angriffe der kühnen kleinen Möwe ausgeführt wurden, die allerhand feindliche Proviant-, Kohlen-, Frachtsegel- und Dampfschiffe durch Minen ober Torpebos versenkte, wie sie ein erobertes Schiff bemannte und als neues deutsches Schiff in Dienst stellte, wie sie ein erbeutetes, beladenes Schiff in den heimischen Hafen dirigierte, wie sie gekaperten Schiffen, deren Bemannung stets gerettet und auf die „Möwe" gebracht wurde, Kohlen entnahm. Wir lernten das Leben und Treiben unserer blauen Jungen auf dem Schisse in ruhigen Zeiten kennen und begrüßten die Heimkehr der mit
Beute und Gefangenen beladenen „Möwe" tm Heimathafen Swinemünde und erbauten uns an deutscher Tapferkeit und der Derwegenheil unserer Seehelden. In unseren Herzen aber schlug die Hoffnung feste Wurzeln, daß einst wieder eine geachtete deutsche Marine zur Ehre des Vaterlandes entstehe.
Streik Schotten.
= Schotten, 12. Juni. Aus der jüngsten G e m e i n d e r a t s s i h u n g ist zu berichten: Der Bürgermeister legte den Gemeindevoranschlag für 1 925 vor. Er halt die Mitte zwischen übertriebener Sparsamkeit und übertriebenen notwendigen Ausgaben. Die Steuerlast soll auf das notwendigste Maß beschränkt werden. Die Einnahmen schließen mit 131335 OKarf ab, denen die gleiche Summe der Ausgabenrubriken gegenüber ff eßen. Aus dem Rechnungsjahr 1923 ist ein Aeberschuß von 10786,18 , Mark zu verzeichnen. Die Sondersteuern erbringen nach dem Voranschlag ungefähr. 3000 Mark. 2ln Aeichssteuerüberweisung, (SinTommenfteuer, Umsatzsteuer und öergL- sind 20 000 Mark eingestellt. An Gemeindeumlagen sind 30 000 Mk. vorgesehen, die ähnlich wie im vorigen Jahr gusgeschlagen werden mit 12 Psg. auf je 100 Mr. Steuerwert, Gebäude und Bauplätze, 24 Pfg. auf die landwirtschaftlichen Grundstücke, 35 Psg. auf das Betriebs- und Anlagekapital, 30 Proz. Zuschlag auf die Einkommensteuervorauszahluna des Gewerbes und 35 Pfg. auf je 100 Marc Steuerwert des bebauten Grundbesitzes als Sondersteuer. Der Gemeinderat genehmigte den Voranschlag und die Steuersätze wie vorgeschla- gen. Die Stadtrechnung vom Rechnungsjahr 1 9 2 3 die einen Ueberfdjuß von 10 786,18 Mk. ergab, wurde vom Gemeinderat vorbehaltlich der Prüfung durch die Oberrechnungskammer genehmigt. Der Preis für Erbbegräbnis! e wurde auf 15 Mk. pro Quadratmeter erhöht. Bei Beratung dieses Punktes wurde besonders gerügt, daß dauernd Blumen vom Friedhof gestohlen werden, Überwachung durch das Publikum muß hier Mhilfe schaffen. In Fällen, in denen anDaulustige städtisches Gelände zum Preis von 50 Pf. pro Quadratmeter überlassen wird, soll das Geld vorläufig auf 5 Jahre zinslos gestundet werden.
„?" Eichelsdorf, 12. Juni. Der im Ba- saltsteinbruch verunglückte Heinrich Raub ist in- zwischen seinen schweren Verletzungen er* legen. Durch den etwa 9 Zentner schweren Basaltblock, der niederstürzte, wurden auch innere Organe verletzt, was den baldigen Tod herbeiführte. Die ganze Gemeinde bedauert den Heimgang des jungen Mannes aufs tiefste und nimmt herzlichst Anteil an dem harten Geschick der Familie. — Mit Wochenbeginn hat hier die Heuernte ht vollem Umfange eingesetzt. Die Gluthitze der Tage trocknet rasch das Gras, so baßbas Einbringen bes Heus flott von statten geht. Mit den Erträgnissen ist man recht zufrieben. Das Mähen mit ber Sense ist in biesern Jahre keine angenehme Arbeit, ba bie Nächte wenig, mitunter gar keinen Tau bringen. Balbiger ausgiebiger Regen wäre namentlich für bie Gerste, bie am Boben schon gelb wirb, unb bie Hackfrüchte, überhaupt für alle lanbwirtschaftlichen Gewächse sehr erwünscht.
Kreis Wetzlar.
* Aßlar, 12. Juni. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich gestern abend gegen 11 Uhr auf ber hiesigen Drahtzieherei. Der in ben 30er Jahren stehenbe Arbeiter Karl H u n b von hier würbe an seiner Arbeitsstätte von bem zu ziehenben Draht erfaßt unb um bie Drahtscheibe geschleubert, so baß er auf der Stelle t o t war. (Er hinterläßt feine Frau und zwei unmündige Kinder.
Hessen-Nassau.
fpd. Frankfurt a. M., 12. Juni. Im Bereich des Rhein-Mainischen Dezi rksarbeitgeber Verbandes ist der Lohnkampf der Straßenbahner nunmehr in ein entscheidendes Stadium getreten. Nachdem Arbeitgeber und Arbeitnehmer den Schiedsspruch der Bezirksschiedsstelle abgelehnt haben, wird noch der Berufungsausschuß in Berlin als letzte Instanz das Endurteil zu fällen haben. Sollte dieser Spruch nicht den Forderungen der Straßenbahner Rechnung tragen, dann ist, wie die Leitung der Straßenbahnorganisationen von Frankfurt, Wiesbaden, Mainz, Ofienbach, Gießen, Worms und Rüdesheim mitteilt, mit schweren wirtschaftlichen Kämpfen zu rechnen. Die Straßenbahner fordern u. a. Lohnerhöhung, Hausstands- und Kinderzulagen. Mankogelder. Wagenführergelder u. a. — Auf der Eschershejmer Landstraße fuhren ztvei Ingenieure der Maschinenfabrik Moenus mit ihrem Motorrad gegen einen Baum, wurden fortgeschleudert und so erheblich verletzt, daß sie dem Heiliggeisthospital zugeführt werden mußten. — Die sechzi-jährig? Ehefrau Blumbel in der Moselstraße fiel beim Fensterputzen aus dem vierten Stock in die Tiefe und war auf der Stelle t o t.
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Die Herren vr. Hans Lütlke und Dr. Conrad Stich, Nahrungs- mittelchemiker in Ätpzig, erklären fn ihrem Gutachten vom Ende Mal 1924:
„Die Kaffeebohne gibt nach den von uns ange- stellten Versuchen durchschniMich nur etwa 32% lösliche Extraktstoffe an das Getränk ab.
Wir haben durch eine Reihe von Versuchen festgestellt, daß die Menge der Extraktstoffe aus dem Bohnen- Kaffee erheblich wöchft, wenn eine Zugabe von „Weber's Larlsbader" stattffndet.
,,Weber's Larlsbader" gibt dem Kaffee-Auszug Körper und Farbe, weil es die Löslichkeit der Extraktstoffe der Kaffeebohne ausgesprochen erhöht und zum Trager des Kaffee-Aromas besonders geeignet ist.
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Unter den bekannten pflanzlichen Röststoffen dürfte kein anderes Mittel zu finden sein welches die oben gekennzeichneten Eigenschaften in diesem Make besitzt.
Eine derartig hohe Ersparnis für die Wirtschaft darf heutzutage nicht unbeachtet bleiben. Die kluge Hausfrau wird sie sich zu eigen machen. Das echte Earlsbader zeigt stets „die Krone".
Otto E. Weber, G. m. b. H., Radebeul-Dresden.


