Ausgabe 
13.6.1925
 
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Nr. (56 Drittes Blatt

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesien)

Samstag, (5. Juni 1925

England kann zahlen.

Von unserem A. G. A.-Berichterftatter. Neuyork, Ende Mai 1925.

Es mufj Albion bitteren Schmerz berci ten, sehen zu müssen, daß man in Amerika leinen Klagen so wenig Sympathie entgegen­bringt. Mit Leichenbittermienc fragen die eng- tischen Staatsmännern unaufhörlich, hat erst letzte Woche der britische Botschafter in Wa­shington vor aller Öffentlichkeit gefragt, wie denn England imstande sein solle, feinen Ver­pflichtungen Amerika gegenüber nochzukom- men, wenn Amerika die Einfuhr britischer Waren nicht erleichtere. Die Miene steht dem seiften Gesicht John Bulls keineswegs. Die Welt hat gelernt, bei diesem gejchäftsttzchtigcn Biedermann noch den wahren Gründen zu sorschen, sie hat gelernt, daß der Brite Meister der Kunst ist, seine Gedanken hinter einem dichten Rauchvorhang schöner und ein­dringlicher Worte zu verstecken.

fiätte Englands Botschafter gewußt, daß im amerikanischen Handelsministerium gerade zetzt der Schlußstrich unter eine Abrechnung gezogen worden, die unwiderlegliche Beweise Dafür erbringt, daß ein einziger Postcn des gegenseitigen Kontos allein zur Tilgung der britischen Schuld ausreicht, er hätte viel­leicht noch ein paar Tage geschwiegen. So muß er mitsamt seinem ganzen Jnselreich es sich gefallen lassen, daß das Wa'hingtoner Handelsamt seine larmoyanten Auslassungen ab absurdum führt und obendrein der eigen­artigen britischen Geschäft gebahrung einen krustigen Nasenstüber versetzt. Muß England es mit ansehen, daß sogar die rettungslos in Anglomanie verfallenen Zeitungen in den Vereinigten Staaten, um eine Entschuldigung verlegen, nicht anders können, als John Bull darauf aufmerksam zu machen, daß Unver­frorenheit nicht in allen Fällen zum Ziele fuyrt. . m

Seit vielen Monaten haben die Mannen des amerikanischen Handelssekretärs Hoover eingehende Untersuchungen darüber vorge­nommen, woraus die enorme während des letzten Jahres eingetrctenc Preiser­höhung f ü r Rohgummi zurückzufuh­ren ist. Vor einem Jahre kostete Rohgummi in Amerika 17 Cents das Pfund. Im Januar 1925 war der Preis auf 46 Cents gestiegen; heute schwankt er in einem überaus nervösen Markt zwischen 60 und 70 Cents, während die greifbaren Vorräte in der ganzen Welt sichtlich schwinden und den Börsennotierun­gen der Englischen Plantation Company, der Hauptlieferantin des Rohgummis, eine un- geahnte Höhe erreichen. , .

Amerikas Einfuhr von Rohgumnn im Kalenderjahre 1924 belief sich auf 185 Mil­lionen Dollar; im laufenden Jahre werden die Amerikaner aller Voraussicht nach 400 Millionen dafür zu zahlen haben. Ein großer Teil dieser Preiserhöhung wird nichtamt­lich allerdings der planmäßigen Einschränkung der Gewinnung dieses Rohproduktes seitens der bri­tischen Plantagenbesitzer wohlvermerkt und auf Betreiben sdes britischen Kolonial­amtes zugeschrieben.

Die Untersuchung, die das Handelsamt Dorgenommen hat, um festzustellen, wer und was für die Preistreiberei verantwortlich ist, läßt den Schluß zu, daß der erhöhte Gewinn allein aus dieser einen britischen Einkünfte­quelle mehr als ausreichend ist zur Deckung aller künftigen britischen Schuldentilgung in Amerika. ,, v ri .

Drei große amerikanische Industrien Petroleum, Automobil und Gummiartikel sind an der Situation hervorragend interes­siert, beim Amerika verbraucht nicht weniger als 70 Prozent ber gesamten Rohgummier- zeugung der Welt. 69 Prozent sämtlicher Gummiplantagen sind in den britischen Kolonien belegen, 29 Prozent sind in den holländischen Händen, aber an diesen Händen sind zahlreiche Finger kapitalkräftiger britischer Unternehmer. Vor drei Jahren ward in England die Stevensonsche Einschrän­kung s a k t e Gesetz. Sie mar eine Folge der damaligen Depression, als Rohgummi auf elf Cents das Pfund gefallen war. Das Gesetz beschränkte die Rohgummiausfuhr aus bri­tischen Besitzungen auf einen dem Marktpreis angemessenen Prozentsatz. Das heißt, wenn Gummi 30 Cents wert ist, dürften die bri- tischen Plantagen nur 6 Prozent ihrer raten- mäßig festgesetzten Höchstproduktion exportie­ren, und dieser Prozentsatz steigt mit ber Auf- märtsberoegung ber Marktpreise.

Das Gesetz bewährte sich vortrefflich. Mit nur wenigen Ausnahmen scheint sich bei den Engländern überhaupt so ziemlich alles zu bewähren, was in ihrem Interesse liegt. Während die Rohgummiausfuhr aus den englischen Besitzungen im Jahre 1922 271 000 Tons betrug, war sie 1924 auf 205 027 ge­fallen; die keinerlei Einschränkungen unter­worfene Ausfuhr aus Holländifch-Ostindien dagegen war von 102171 Tons auf 175 000 gestiegen, und in etwa demselben Verhältnis hatte ber Export aus anderen in Betracht kommenden Gebieten zugenommen. Der Welt­konsum hat natürlich mit ber Gewinnung Schritt gehalten, und alle Plantagen sind zur Zeit in vollem Betriebe.

Den Ermittelungen der amerikanischen Sachverständigen zufolge repräsentiert eine Gummiplantage eine Kapitalanlage von 200 bis 400 Dollar per Acre. Bei einem guten Jahresertrag von 400 Pfund Rohgummi pro Acre und unter Anrechnung der durchschnitt­lichen Erzeugungskosten bei 60 britifch-ma-

Rätsel-Ecke.

Tilbcit-ttrcuz.

Kreuzrätsel.

1

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2

4

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1-4: Alte Kulturstätte, 23: Stadt in Süd­tirol. 2-1: bevorzugter Geburtsstand, 4-3-1-4-2 drittgrößte Stadt Amerikas.

BcsuchSkartcnrätsel.

Artur Meier

EmS

WaS ist der Herr?

Silbenrätsel.

ba bert bro chung de de der e el ett gen glei gly hie - in - im me na nett Nis - o pe phen prü rau ric ro ro ro fc sek ten ten ter.

Aus den vorsiehenden Silben sind 13 Wörter von folgender Bedeutung zu bilden: 1. Ziererei, 2. männlicher Vorname, 3. Fluß, 4. physikalisches Instrument, 5. Kerbtiere, 6. Stadt in Vaden, 7. SchmetterUngslarve, 8. Seebad im Regierungs­bezirk Stralsund, 9. drei Flüsse im ODcrgcbiet, 10. mathematische Bezeichnung, 11. Hauptstrom Spaniens, 12. Zeichen der ägyptischen Bilder­schrift, 13. Ballspiel. Der erste und der dritte Buchstabe eines jeden Wortes, beide von oben nach unten gelesen, ergeben ein bekanntes Sprichwort. L. Abg.

Rätsel.

Weh dir, wenn du es bist, Wenn es vereinigt ist. Du hast nicht Glück und Stern, Dir fehlt der edle Kern.

Doch wohl dir, wenn du's bist, Wenn es getrennt dann ist; Dir wird das Leben leicht And jede Sorge weicht.

Auslösungen.

Scharade.

Handschrift.

Silbenrätsel.

Sänget an. so rief der Lenz in den Wald." 1. Flöte, 2. Ader, 3. Hebel ,4. Geschichte, 5. Edi­son, 6. Tabarz, 7. Akelei, 8. Aachen, 9. Smaragd, 10. Ostsee, 11. Aoggen, 12. Interview, 13. Erika, 14. Flanell, 15. Dutzend.

Lattenrätsel.

Die Latten standen wie folgt: 4 1 6 3 7 5 2 Laß andern nicht, was dir obliege, tu selber stets, was deine heil'ge Pflicht: Gerechtigkeit geht über alle Siege." (Dante, Purgatorio.)

Eifel, Eisen. Felsen, Senta, Tafel.

Die Narrenkappe.

Splitter und Sparren vom AedaktionSttsch Anekdoten.

Ein junget Mann bat Talleyrand um dessen Handschrift, um sie seiner Autographensamm­lung beizufügen. Der Diplomat lieh ibn längs auf Antwort warten. Endlich erhielt der junge Herr ein von dem Minister geschriebenes Blatt folgenden Inhalts:Mein Herr, haben Sie bte Güte, morgen mittag mein Gast zu fein; ich und möchte nicht gern der einzige Dummkopf und möchci nicht gern der einzige Dummkopf sein." Seit diesem Tage soll der junge Sammler von niemand mehr eine Handschrift verlangt haben. (Heft 15 der »Drohen Welt". Verlag: Leipziger Verlagsdruckerei G. m. b. H.. norm. Fischer & Kürst en. Leipzig. JohanniSgasse 8.)

Rudolf von Jhering wurde von einem Kan­didaten. der sich in Gießen der Fakultätsprüfung unterzog, einst gefragt, ob er ihm rate, den Doktor zu machen". >3bering antwortete:Wis­sen Sie, lieber Herr, waS der Unterschied ist? Wenn Sie den Doktor machen, kann ich mit den Gebühren eine Serienreife machen. Machen Sie ihn nicht, so können Sie selber die Serienreife machen."

*

Ein Fürst Sayn-Wittgenstein heiratet In Geldverlegenheit- die Tochter eines Wucherers L. Aach seinem Tode nennt sich die Frau: Fürstin S." Die fürstlichen Agnaten klagen auf Unterlassung dieser Bezeichnung. Die Sache geht an das AG., das aus Gründen des Privatfür­stenrechts dem Klageantrag stattgibt. Der be- klagtische Anwalt beginnt seinen Vortrag mit den Worten:Sayn oder Aicht-Sayn, das ist jetzt die Frage!"

DaS Bärenfell.

Der Doktor (auf das schöne Bärenfell in seinem Salon weisend, zum Freund):Sin Pracht­stück, nicht wahr! And du muht wissen: ich habe das Tier selbst getötet!

Der Freund:Was? Du bist auch Tierarzt?" Der gute Huk.

Was, den Hut haben Sie schon drei Jahre?" sagte der Verkäufen.Der sileht ja noch wie neu ans.3a," sagte ber Kunde stolz,drei Jahre habe ich ihn getragen, zweimal ist er gereinigt, einmal umgepreht, und einmal vertauschte ich ihn im Re- ftaurant gegen einen neuen."

layifchen Gesellschaften von 15,1 Cents pro Pfund, wären 16 bis 17 Cents der niedrigste Preis, zu dem Rohgummi, in Neuyork abge­liefert. den Produzenten ihre Auslagen wieder einbringen würde. Schlägt man zu diesem Preise weitere 15 Cents pro Pfund hinzu, so ergibt sich selbst für die höchstbewertclen Plantagen eine Verzinsung von mindestens 15 Prozent auf das investierte Kapital. Dies beläuft sich, was die britischen Plantagen an­belangt, aus rund 505 Millionen Dollars und auf 876 Millionen in dem gcfamteii in den Bereich der Untersuchung hereinbezogenen ostindischen Gebiet Trotz der zwei oder drei flauen Jahre unmittelbar nach dem Kriege Hot sich nun aber der durchschnittliche Jahres­gewinn der britischen Unternehmer auf 26 Prozent belaufen, und zwar von 1919 bis In­krafttreten des Einschränkungsgesetzes. Seit­dem die britischen Pflanzer im Jahre 1886 den brasilianischen Gummibaum erfolgreich nach Ostindien verpflanzten, ist der Jahres­ertrag seiner südamerikanischen Heimat auf 6 Prozent der Welt-Erzeugung von Roh­gummi gefallen.

Herr Hoover, Amerikas Handelstninister, schickt dem Bericht seiner Amtsstelle ein Vor­wort voran, in dem er sich zwar wohl hütet, seiner Ansicht darüber Ausdruck zu geben, ob die von der britischen Regierung betriebene Produktionsverringerung für die enorme Preiserhöhung verantwortlich ist, in dem er aber doch eine warnende Stimme erhebt und darauf hinweist, daß die Einschränkung der Neuonpflanzuna in absehbarer Zeit, etwa in drei bis fünf Jahren, eine nie dagewesene Knappheit zur Folge haben muß.

Es ist nur selbstverständlich, daß ein so systematisch-methodisch organisierter Kopf, wie Herbert Hoover, es nicht dabei bewenden läßt, die Ursachen einer Situation zu erfor­schen und auf ihre möglichen Folgen hinzu­weisen. Was kann geschehen, um diesem Druck von außerhalb entgegen zu arbeiten? Der Handelsminister kann selbstverständlich nur Andeutungen machen, er tut dies mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit der Stimu­lierung der Konkurrenzin anderen tropischen Gebieten". Wenn es den Engländern gelun­gen ist, den Gummibaum aus Brasilien nach Ostindien zu verpflanzen, so mag dies auch anderwärts gelingen. Offenbar hat Herr Hoover die P h i l i p p i n e n - I n f e 1 n im Auge. Amerikanische Sachverständige be­haupten, einige Inseln dieser Gruppe eigne­ten sich vortrefflich für die Gummikultur. Was vor allem nötig ist, wäre die Organi- ierung kapitalkräftiger Entwicklungsgesell- chaften. Aber das amerikanische Kapital zeigt ich momentan nicht sehr entgegenkommend gegenüber Entwicklungsplänen in den Philip­pinen. Die Gründe dafür sind wohlbekannt. Politische Unsicherheit und keine Gewähr sta­biler Verwaltung locken das Kapital nicht.

Die Sachlage verdichtet sich demnach zu einem weiteren der vielen Argumente dafür, daß unverzüglich Schritte getan werden, die den Philippinen ein Regime sichern, unter dem seine natürlichen Hilfsquellen erschlossen, ausgebaut und zum Wohle Atter verwertet werden können.

Gegen die französische und belgische Schandjustiz.

Dem VolksbundeAettet die Ehre, Zentrale Bremen, ging vom Präsidenten des Aeichsgerichtes, Herrn Dr. 'S i - mons, folgendes Schreiben zu, das allgemein interessieren dürfte.

Euer Hochehrwürdcn danke ich bestens für die Mitteilung der Eingabe des Volksbundes an den Reichstag betr. die französische und belgische Verurteilung deutscher Kriegsteilnehmer in deren Abwesenheit. Als Präsident des Reichsgerichts empfinde ich diese Urteile, insbesondere auch die in dem Falle Caspari geübte Justiz, als ein schweres Attentat auf die Gerechtig­keit, da sie vielfach auf tatsächlichen Feststellun­gen von geradezu unglaublicher Leicht­fertigkeit beruhen. Soweit sich diese Urteile über die von der Rcichsanwaltschaft und dem Reichsgericht getroffenen Feststellungen hin - w e g s e tz e n , enthallen sie zugleich eine von mir schwer empfundene Kränkung des Ansehens dieser höchsten deutschen Rechtspslegebehörden. Endlich stehen sie in schreiendem Gegensatz zu dem vielberedeten ..guten Willen" der ehemaligen Gegner, die jetzt, mehr als sechs Jahre seit Aiederlegung der Waffen, noch keinerlei Friedens­gesinnung erkennen lassen, und zu der im Waffenstillstand enthaltenen und in Versailles bestätigten Verpflichtung Deutschland, seinerzeit alle Strafverfolgungen wegen Dersehlungen al­liierter Truppen niederzuschlagen. Ich kann daher dem Vorgehen des Dolksbundes nur besten Erfolg wünschen. Hochachtungsvoll ergebenst gez.: Dr. Simons.

Verband der Hessischen Kreise und Provinzen.

'Der Verband derHessischen Kreise und Provinzen hielt seine diesjährige Mit­gliederversammlung am 7. und 8 Juni in B a d- Aauheim ab.

Aach dem Vorgänge Preußens haben sich zur Wahrung ihrer besonderen Belange voriges Jahr auch die Hessischen Kreise und Provinzen zu einem Verbände zusammengeschlossen, der dem deutschen Landkreistag angegliedert ist. Wie sich aus dem gedruckt vorliegenden Geschäftsbericht ergibt, und wie von dem Vorsitzenden des Ver­bandes, Provinzialdirektor Gräf-Giehen. rn seiner Begrüßungsansprache ausdrücklich hervor- gehoben wurde, will der Verband der Kreise und Provinzen keinerlei Kampfstellung gegen­über dem Hessischen Etädtetag cinnehmen, son­dern beide wollen sich bei der Wahrung ihrer

Belange gegenseitig unterstützen und über ett

auftauchende Streitfragen eine Verständigung herbeizuführen suchen.

Als gesetzliche Vertreter wohnten die Pro­vinzial» und Kreisdirektoren, als gewählte Mitglieder je ein Vertreter der Provinzial- und Kreisausschüsse der Tagung bei. Die Ministerien des Innern, die Finanzen und das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft hatten besonders Ver­treter zur Tagung entsandt. Als Vertreter des Deutschen Landkreistages nahmen der Ge­schäftsführer. Landrat a. D. Dr. Konstantin- Berlin, sowie Landrat von Achenbach an den Verhandlungen teil.

Aus dem Geschäftsbericht ist zu entnehmen, daß die wenigen Monate, die seit Gründung des Verbandes verflossen sind, bereits eine Fülle von Arbeit gebracht haben, die als Beweis für die Zweckmäßigkeit und Aotwendigkeit des Zu­sammenschlusses der Hessischen Kreise angesehen werden kann. So beschäftigte sich der Verband auf Einladung der Hessischen Regierung mit der Heimunterbringung erholungsbedürftiger Kinder, mit der Besoldung der Kreisfürsorge­rinnen, mit der Verschmelzung der Hessischen Landesbank und der Hessischen Girozentrale. Auf Anregung des Deutschen Landkreistages nahm der Verband u. a. zur Arbeitslosenversicherung, zur Organisation der Mieleinigungsämter, zu der Frage der Landesämter für Arbeitsvermitt­lung Stellung. Der Verband selbst hat u. a. zum Beitritt der Kreise zur Hessischen Woh- nungsfürsorgegesellschaft und wegen der Prozeß­vertretung für auswär!ige Jugendämter wert­volle Anregungen gegeben. Der Geschäftsbericht sowie die übrigen geschäftsmäßigen Punkte der Tagesordnung wurden erörterungslos genehmigt. Die nächstjährige Tagung soll in Worms statt- finden.

In einem eingehenden Vortrag verbreitete sich Regierungsrat G r e i n-Friedberg (Hessen) über die Aufgaben der Kreise auf dem Gebiete der Jugendgesundheitsfür­sorge, wobei er besonders die Erfahrungen, die in dieser Hinsicht im Kreise Friedberg ge­macht worden sind, zugrunde legte. Der mit großem Beifall aufgenommene Vortrag sowie die anschließende rege Aussprache, an welcher sich die Vertreter der Regierung sowie diejenigen der einzelnen Kreise beteiligten, brachte wert­volle Unterlagen für die Ausgestaltung der Ju­gendgesundheitspflege und gab Zeugnis von bet großen Bedeutung, die man derselben allent­halben zuerkennt.

Hierauf gab ber Geschäftsführer des Deut­schen Landkreistages. Landrat a. D Dr. Kon­stantin, ein übersichtliches Bild über den Ein­fluß des Finanzausgleiches auf die Kreisfinanz­wirtschaft. Das Selbstbesteuerungsrecht der Kreise bezeichnete er als die kräftigste Förderung ber Kreisselbstverwaltung. die ihre Ausgaben im Besonderen auf dem Gebiete der Fürsorgetätig­keit, ber Etrahenunterhaltungen usw. nur bei einer zweckentsprechenden Regelung des Finanz­ausgleiches lösen könne. Der Vortragende be­rührte mehr ober weniger alle Fragen der Selbstverwaltung und gab hierbei ein überaus anschauliches Bild über die Tättgkeit und über die Aufgaben des Deutschen Landkreistages im Allgemeinen und der einzelnen Landesverbände im Besonderen. Die Behandlung der großen Fragen sei in erster Linie Ausgabe der Verstände des Landkreistages und der einzelnen Verbände. Die Tagungen selbst sollten mehr Gelegenhett zum persönlichen RäHerkommen und zur per- i sönlichen Aussprache über einzelne Gebiete geben.

In ber sich anschließenden Aussprache erflärtc Staatsrat Dr. Reitz- Darmstadt, daß die Hes­sische Regierung mit ber Selbstverwaltung die beste Erfahrung gemacht habe, und daß sie mit der Gewährung der finanziellen Selbstverwal­tung an die Kreise die Eriveiterung des Selbst- verwaltungsrechtes eingeleitet habe.

Bei einer Führung am Rachmittag machte Obetbaurat Ber ck- Dad-Rauheim, die Der- bandsvertreter mit den Bade- und Kureintich- tungen in Dad-Rauheim bekannt.

Der 2. Tag war ber Besichtigung des ftaafL Kraftwerkes Wölfersheim, des Provinz- Wasserwerkes in Inheiden und des Pro­vinzialkraftwerkes L i ß b e t g sowie der Eisen­werke in Hirzenhain Vorbehalten. An den einzelnen Orten gaben die Betriebsleiter über die technischen Einrichtungen der Werke, über ihre finanziellen Grundlagen und über ihre volks­wirtschaftliche Bedeutung übersichtliche Aus­künfte.

Der Verlauf der ganzen Tagung hat bei sämtlichen Teilnehmern ungeteilte Anerkennung und Befriedigung gefunden Die forgfälttg vor­bereiteten Verhandlungen, die Studienfahrt nach den Staats- und Provinzialkraftwerken, der Besuch des ältesten und größten industriellen Unternehmens der Provinz haben bei allen Teil­nehmern Eindrücke hinterlassen, die sich sicherlich vorteilhaft in den einzelnen Kreisverwallunge« auswirken werden, und die ganz dazu angetan waren, das gegenseitige Verständnis in wirk­samster Weise zu fördern.

Turnen, Sport und Spiet

Die 1. Internationale Arbeiter-

Olympiade in Frankfurt vom 24.-28. Juli.

Die riesenhaften Vorarbeiten für diese größte seither in der ganzen Welt ftattgefunbene sportliche Veranstaltung sind nunmehr soweit vorgeschritten, daß ein Ueberblick über dos Geleistete und noch zu Leistende möglich ist. Schon seit Jahresfrist sind 14 Hauptausschüsse angestrengt tätig, und noch bleibt eine Fülle Arbeit. Allein die technischen Fragen werden von 10 Ausschüssen bearbeitet und für die Durchfuhruna der gesamten Veranstaltung ist die respektable Zahl von 10 000 Hilfskräften nötig. Allein schon diese Zahl beweist den ungeheuren Um­fang dieses sportlichen Aufmarsches, rechnet der Der- kehrsausschuh doch mit einem Zustrom von 250 000 Fremden, die in 200 Extrazügen des Fernverkehrs mit Auslandanjchluß hereingebracht werden. Hierzu kommen die ungeheuren Massen des Nahverkehrs,

(7erdem $ie t)ei 7tauf nur dies

der beste für Jhr Kind

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