Ausgabe 
13.1.1925
 
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Den Artei lsspruch erwartet man

fernt wird.

einen neuen überrascht. Die Warschau nach Danziger Post

polnischen Klebergriff

Aebergabe der gesamten von Danzig kommenden Post an die wurde verweigert und an

Aus aller Wett.

Schweres Eisenbahnunglück

Opfer deS Berliner Autobusunfalles.

Der holländische Kaufmann Dütot. der bei dem Autobusunglück am Lützowufer schwer verletzt worden war, und dem am Samstag ein Bein amputiert werden muhte, ist seinen Ver­letzungen erlegen.

am 1. Februar auf sämtlichen Eisenbahnen des besetzten Gebietes, mit Einschluß der Saarbahnen, die Mitteleuropäische Zeit eingeführt, und zwar in der Weise, daß am 31. Januar, abends 11 Ahr westeuropäischer Zeit, die Ähren eine Stunde vorgestellt werden.

heute. m .

( Sadoul war während des Krieges einer Mission in Rußland beauftragt, nach russischen Revolution fahnenflüchtig w< worden und hatte angeblich in Rußland befind­liche französische Soldaten für die Sowjets angeworben, sie also zur Fah-

das neue polnische Postamt weitergeleitet. Briefträger in polnischer Uniform und polnischer Mühe haben zum erstenmal die aus Warschau kommende Post zugestellt.

Die wahren Schuldigen", so schließt er,sind Aoulens er verhinderte, daß man mit der Sowjetregierung zu einer Derständigung

langte undClemencea ul"

Paris im Rebel.

Blättermeldung aus Paris war

Der Danzig-polnische Post- konflikt.

Berlin, 13. Ian. Wie aus Danzig gemeldet wird, wurde der Freistaat gestern durch

Kleine politische Nachrichten.

Die Münchener Staatsanwaltschaft hat gegen Dr. Weber, den Generalmajor a. D. Ä echt er und gegen die beiden Vorsitzenden des Deutschen Schützen- und Waliderbundes, Metz ding und Dr. Alzheimer die Anklageschrift wegen Fort­führung des verbotenen Bundes Oberland fertiggestellt und die Eröffnung des Hauptver­fahrens vor dem Münchener Schwurgericht be­antragt.

Staatssekretär Hughes hat sich bereit er­klärt, für die deutschen Handelsschiffe, die bei Ausbruch des Krieges in amerikanischen Ge­wässern beschlagnahmt wurden, S chgden-

Frankreichs Arm in Rußland.

Der Friede von Breft-Litowsk.

Paris, 13. 3an. (TA.) Vor dem Kriegs­gericht der 5. Division in Orleans erschien gestern nachmittag S a d o u l. Aus seiner langen Verteidigungsrede hat folgende Stelle großes Aufsehen erregt:

Es ist unbegreiflich, daß man in Frankreich immer noch nicht weih, daß Lenin undT rohki bei der Bildung der Sowjetregierung unaufhör­lich die militärische Anter st ützung Frankreichs zur Wieheraufnahme des Krie­ges gegen Deutschland erbeten haben. Sv wur­den beispielsweise die russischen Generäle, die den Frieden von Drest-Litowsk verhandel­ten, von den Generälen unserer Mission ernannt.

Senin rechnete mit einem Abbruch der Friedensverhandlungen

und nahm an, daß er gezwungen sein würde, den Krieg gegen Deutschland wieder aufzunehmen. Er ließ daher durch mich fragen, ob die fran­zösische Milttärmission bereit wäre, sich an die Spitze des russischen Heeres zu stellen. Herr Aoulens lehnte ab und der Frieden von Breft-Litowsk wurde unterzeichnet.

Der Hmrptverantwortliche für den Frieden von Breft-Litowsk und den Tod von Hunderttausen­

den unserer Soldaten ist Llemeneeau.

Wettervoraussage.

Leicht bedeckt, südliche Winde, kalt, Rebel oder stellenweise Riederschläge, Frost.

Die Wetterlage ist heute wenig verändert. Infolge starker nächtlicher Ausstrahlung in Mitteldeutschland Temperaturen mellt unter Aull.

Viertels liegt. Die käthplische Käthe-- dralp und zahlreiche Häuser wurden von Schüssen getroffen. 8000 Mann der Truppen von Chang Qjun Vling zogen sich in die französische Kolonie zurück. Man befürchtet, daß weitere? Kämpfe für das europäische Viertel gefährlich werden. Polizei ist aufgeboten. Außerdem sind mehrere Truppen gelandet. Die chinesischen Soldaten plündern die chinesischen Stadt­viertel Schanghais.

Der Vorsitzende wagt eine schüchterne Einwendung. Sadoul fährt aber fort: war aber wegen seiner Haltung in Gefahr, die französische Militär Mission nach der Unterzeichnung des Friedens von Drest-Li­towsk, als der Botschafter Aoulens vor den Deutschen bereits die Flucht ergriffen hatte, z u - sammen mit dem General st ab arbeitete, der die Regierung der Roten Armee in die Hände bekam. Als die Deutschen zurückwichen, erschien Roulens wieder auf der Bildfläche und wiegelte 50000 Tschechoslowaken und die Weißgardisten auf. Bei dem Scheitern seiner Pläne ergriff Roulens endgültig dre Flucht. Das Leben der französischen Off,ziere Lwar aber wegen seiner Haltung in Gefahr.

Ich aber allein habe sie gerettet

Sadoul stellt fest, daß man ihm die Rück­kehr nach Frankreich verwehrte, um die Person Roulens vor feinen Enthüllungen zu schützen. Aus diesem Grunde und auch weil er von der sozialistischen Partei als Kandidat aufgestellt war. wurde er 1919 zum Tode ver­urteilt. Sadoul nennt das Urteil einen poli­tischen Mordversuch.

e r s a tz zu zahlen. Bekanntlich befindet sich unter diesen Schiffen auch der DampferVaterland", der jetzt den RamenLeviathan" trägt.

Rach einer _ _

die Stadt am Montag in einen undurchdring­lichen Rebel gehüllt. Der Eisenbahnverkehr wies beträchtliche Verzögerungen der Züge auf. Bei Villeneuve fuhr ein Vorortzug auf einen anderen auf. Der Gepäckwagen und der letzte Personenwagen des vorderen Zuges wurden zertrümmert. Zehn Personen er­litten leichte Verletzungen.

Der Bischof von Straßburg, Ruch, hat vor einigen Tagen eine sehr heftige Rede oe- I gegen die französische Regierung gehalten. Es a verlautet, daß Herrivt sich mit der Frage k-,. beschäftige, ob gegen Ruch eingeschritten wer- ut den soll. Während in Frankreich selbst der .. Klerus völlige Freiheit hat, sich politisch zu be- tätigen, werden in Elsah-Lothringen nach dem Dcr Konkordat die Priester vom Staat bezahlt. In- I folgedessen wäre es möglich, gegen den Bischof "Ruch einen Beschluß zu sassen, durch den dieser von seinem gegenwärtigen geistlichen Amte ent-

Das in Australien beschlagnahmte deutsche Eigentum soll demnächst meistbietend ver­steigert werden.

Rach Gerüchten aus Reuhork ist am Donners­tagabend der deutsche Bürger William Hinz- peter, ein prominenter Kaufmann und Farmer, auf seiner Besitzung von einer Räuberbande überfallen und getötet worden. Sein Gut wurde ausgeraubt. Rach noch nicht be­stätigten Gerüchten soll ein zweiter Deutscher. John Strauß, gleichfalls ermordet worden fein.

Der kommunistische Reichstagsabgeordnete Katz wurde gegen 50 Millionen Kronen Kaution, welche die Reichstagsfraktion stellte, in Wien aus der Haft entlassen. Er mußte die Er­klärung abgegeben, daß er bis zur Verhandlung seines Prozesses in Wien bleiben werde.

Tod durch Starkstrom.

In dem Kraft- und Eisenwerk des Neckar- kanals in Edingen kamen vier Arbeiter mit der Starkstromleitung in Berührung und wurden sofort getötet.

Mord.

Montagmorgen wurde auf dem Gelände der ehemaligen Dragonerkaserne in der Gneisenau- strahe im Südwesten von Berlin eine etwa 25)äh° rige Frau mit eingeschlagenem Schädel aufge­funden. Der Mord scheint erst kurz vor Auf­findung der Leiche begangen worden zu sein.

Dr. Eckener in London.

DemStar" zufolge wird Dr. Eckener, der das Luftschiff Z. R-. 3 nach Amerika geführt hat im März auf Einladung der Kgl. Aeronau­tischen Gesellschaft in London einen Vortrag über moderne Zeppelinluftschiffe halten.

Riesenunterschlagungen in Wien.

Bei der Fischamenderwerke A.-G. in Wien sind umfangreiche Anterschlagungen auf­gedeckt worden. 40 Personen sind in .Anter-- suchung genommen.

nenflucht verleitet.

Der Verteidiger beantragte unter Hin­weis darauf, daß die Hauptanklagepunkte bereits in sich zusammenfielen, da Rußland mit Frank­reich ja niemals im Kriegszustand gewesen sei, die vorläufige Freilassung seines Klienten. .

Das Kriegsgericht hat nach eingehender AuazusammenftokbciHerne. LLTote.

= f«"5»«. 13. <WTB. Sun») 9«

Sadouls angeordnet. Sadoul ist darauf in De- D-Zug BerlinKöln ist heute morgen gleitung seiner Gattin gestern abend nach Paris 7.25 Ahr auf einen im hiesigen Bahnhof stehen» abgereist. den Perfonenzug anfgefahren, wobei

Frankreichs Machtstellung die letzten drei Wagen des Personenzuges v v l l- rrn ständig zertrümmert wurden. Es konnten

UH VUCiu» bis jetzt 21 Tote geborgen werden. Nähere Ein-

Tokio, 12. Ian. (TA.) Der auch in Deutsch- I tnrtrp» nnrf* nicht au ermitteln

land bekannt- japanilch- Diplomat Dic°mteMu° S-lh«I.-n waren nach nicht zu -rmm-ln. s ch a k 0 j i, der zuletzt der japanischen Botschaft w , »,

in Brüssel angehörte, hielt hier eine äußerst ., t"^rc 1 $ t6 t 6 11 °»n 7 oa Lfir interessante Rede über die Machtstellung Frank- teilt noch folgendes nut: Heute morgen 7.20 Ahr reichs im Orient. Ausgehend von der geograph,- stieß der D-oug ^.r. 10 auf bent mi CBafcnbof schen Lage Frankreichs im Stillen Ozean wies Herne stehenden vollbesetzten Personenzug 230 der Redner auf die Bedeutung I n d 0 - auf- Es herrschte dich t er N e b el und Du n- chinas hin, das über reiche Bodenschätze ver- Zelbeit. Bisher sind 21 ^te und 30 bis 36 füge, zwei ausgezeichnete Häfen, Saigon und Leicht- und Schwerverletzte festgestell worben. Haiphong, besitze und somit einen Zugang Die A e11 nn g sarb ei. öaben ofort be- zum eigentlichen China bilde. gönnen. Der Anfall ift, soweit bis zur vtunde

R e u k a l e d 0 n i e n, das nur drei Tage von ermittelt werden konnte, vermutlich dadurch en- Sidney entfernt sei, biete dem Schiffsverkehr standen, daß der V-Zug Ar.10 das auf Ha t! durch den nahen Rournea Schuh und Sicherheit stehende Einfahrtsignal infolge des dich- Auch Tahiti mit den umliegenden Inseln und ten Nebels ub ersah re n hat.DerPrasident. Inselchen bilde für Frankreich eine wichtige der Amtsvorstand und die far den Betrieb ver- Etappe im Verkehr zwischen Australien antwortlichen Dezernen en der Reichsbahndirek- und Amerika.Ohne damit sagen zu wollen," hon Essen sind an Ort und Stelle abgefahren, so erklärte Herr Muschakoji,daß die Lage sich Zugzusommenftotz.

gänzlich ändern würde, je nachdem Frankreich 2[uf fcem Bahnhof Salzwedel fuhr ein die Hilfsmittel seiner Ri^erlassungen den bDn Oebisfelde kommender Güterzug in voller Kriegführenden zur Verfügung stet- auf einen Güterzug im Rangiergleise,

len würde, so ist es trotzdem nar, daß dies ein Lokomotiven und mehrere Güterwagen wur-- Element großer Wichtigkeit darstellt, das frei öen zertrümmert: Verluste an Menschen­einer besonderen Gelegenheit oder Krise von! tepen sind nicht zu beklagen.

entscheidendem Einfluß sein könnte. Zugunglück.

Die Wirren in China. Von dem Bahnhof Stolberg-Hammer

London, 13. Ian. (WTD Funkspruch.) aus liefen zehn beladene Eisenbahnwagen in Daily Mail" berichtet aus Schanghai, bri- der Gefällstrecke des Anschlußgleises auf eine tische Kreuzer seien zum Schuhe der Ein- am Ende der Strecke haltende Rangierabteilung, wohner und des Eigentums in den fremden Rie- Der Zugführer wurde getötet und vier Wagen derlassungen eingesetzt worden. Chi Hsien Man wurden stark beschädigt.

hat den von Peking ernannten Ministergouver- qr. E. Z. im besetzten Gebiet,

neur Chang Mn Min entsetzt und von der Wolffs Provinzialdienst meldet, wird

Stadt Schanghai Besitz ergriffen. > " * - ö- - 2.. - -

Der Staatsstreich sei deshalb ausgeführt worden, um Schanghai gegen Lu Iunghsiang zu halten, der in der Samstagnacht seine Macht durch den Sieg Tsang tso Lins über Wu pei fu wiederher­gestellt habe und Nanking besetzt habe. Man nimmt gn, daß Lu Iunghsiang versuchen wird, seine alte Provinz wieder zu erhalten und Sun Chang Chans zu vertreiben. Chihsien Buan ver-

i einigte sich mit Sun Iunghsiang. Sie besetzten | nach mehrstündigen Gefechten das Arsenal, das in unmittelbarer Nähe des europäischen

Waren der WLfMrrftWustkle ütib Üektrotech- , Nischen Industrie mußten zum Teil aus poli­tischen Gründen Ausnahmen zugestanden werden. Mit diesen Waren ist jedoch nach An- I sicht der Interessenten bei der heutigen Geschäfts­und Hweislage in Italien an sich kein großer Absatz nach dort zu erzielen. Im! ganzen betrachtet, kann die Wirtschaftslage beider SZänber mit dem Erreichten zufrieden sein, das günstige Ausblicke auch für die weiteren Han- delsvertragsverhandlungen eröffnet. Das deutsch- italienische Handelsvertragsprovisorium ist ein weiterer Schritt zu dem von der deutschen Regie- I rung erstrebten Ziele, die Handelsbeziehungen mit allen Ländern nach dem Grundsätze der all­gemeinen gegenseitigen Meistbegünstigung zu regeln.

Die Pariser WirLschasts. Konferenz.

Neue französische Vorschläge.

Paris, 13. Jan. (L. A.) Die deutsche Han- delsdel^ation veröffentlicht folgende Mitteilun­gen: Angesichts dec ablehnenden Haltung, die die deutsche Regierung gegenüber dem von Frank­reich vorgeschlagenen Provisorium einnimmt, hat der franzofische Handelsminister in her gestrigen Besprechung mit dem Staatssekretär von Trendelenburg neue Vorschläge zur Fortführung der Verhandlungen gemacht, die sich auf eine wirtschaftliche Vereinbarung für die Dauer von sechs bis neun Monaten beziehen, wobei bereits jetzt ausdrücklich die Gewißheit gegeben werden soll, daß im Anschluß an die provisorische Vereinbarung ein endgültiger Handelsvertrag zustande kommt.

Diese Vorschläge werden zur Zeit von der deutschen Delegation geprüft. Anabhängig von den grundsätzlichen Verhandlungen des Ver­treters der deutschen Wirtfchaftsdelegation mit dem französischen Handelsminister nehmen die Besprechungen der deutschen und französischen Sachverständigen ihren Fortgang. Die Vertreter der deutschen chemischen Industrie stehen augenblicklich in Fühlung mit ihren französischen Kollegen. Es ist jedoch kein Geheimnis, daß auch in diesen Besprechungen sich Interessen­gegensätze geltend machen, für die ein Aus­gleich vorläufig nicht abzusehen ist.

Die Abrechnung des Reparationsagenten

Herr Parker Gilbert, der in Berlin tätige Reparationsaaent, legt von Zeit zu Zeit peinlichst j genaue Aebersichten über die bei ihm eingelaufe- j nen und von ihm vorgenommenen Zahlungen ; vor. Seine neueste Abrechnung, die bis zum 31. Dezember reicht, also die erste Jah­res-Annuität umfaßt, balanziert mit der stattlichen Summe von 286 263 447 Mk., von der 280 291 415 Goldmark den Alliierten zugute ge­kommen sind. Es versteht sich natürlich) von selbst, daß Frankreich den Löwenanteil er­halten hat. Am interessantesten sind aber die Ausgaben für die einzelnen Kommissionen. Die Reparationskommission, ein In­stitut, das heute nicht mehr viel zu sagen hat iaid am besten abgebaut werden könnte, hat für Aufwendunge n f a st drei Gold- millionen erhalten. Die Rheinlandkom­mission erscheint mit 4,5 GoldmWonen und die längst überfällige Militärkontrollkom­mission sogar mit 5,6 Millionen in der Ab­rechnung.

Herx Parker Gilbert, dessen Einnahmen- und AusgaUenaufstellung sonst sehr sorgfältig durch- geführv ist, hätte ein gutes Werk getan, wenn er dem deutschen Steuerzahler einmal mitgeteilt hätte, wofür die letztgenannten Kommissionen von ihm fast zehn Goldmillionen erhalten haben. Bei der Rheinlandkommission, die über einen ungeheuren Personalbestand verfügt, sind die Ausgaben noch einigermaßen verständlich, nicht aber bei der Militärkontrollkommisfion, die trotz 1800 Kontrollbesuchen keinerlei nennenswertes Kriegsmaterial mehr hat finden können, aber den­noch allerleiAufwendungen" hat, die viele Gold­millionen verschlingen. Wofür?

Deutschland kommt seinen Verpflichtungen nach.

Paris, 13. Ian. (TA.) Der General­agent für die Reparationszahlungen Parker Gilbert ist gestern in Paris eingetroffen, um der Reparationskommifsion Bericht über den bisherigen Verlauf der Ausführung des Dawes- planes zu erstatten. Sämtliche Kontrollaus­schüsse sind eingesetzt und f u n 11 i 0 n i e r e n normal. Deutschland erfüllt, wie auch der Temps" ausdrücklich zugibt, pünktlich seine Verpflichtungen nach dem Dawesplan. Mittwoch tritt der allgemeine Vermittlungsausschuß unter dem Vorsitz Gilberts zusammen. Der Ausschuß besteht aus dem Generalagenten, den Reichs­bank- und Eisenbahnkommissaren und den beiden Treuhändern für Industrie- und Eisenbahnobli­gationen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 13. Januar 1925

Illusionen.

Wenn der Monaterste gewesen ist, bekommen viele LeuteIllusionen". Das Geld in der Tasche bringt ihnen die Gedanken in Verwirrung und sorgt dafür, daß die Beine in die Luft fliegen. Eine Wolke scheint sie in sorglose lichtere Hohen emporzuführen. Sie schaukeln zwischen Himmel und Erde umher, mit einem Male versöhnt mit bielcm, was gegen Ende des letzten Monats hart bedrückte.

Wahrhaftig, die Einbildung wird da be­flügelt durch das Gefühl, daß man sich etwas leisten" kann. Manche Kaufleute willen ein Lied davon zu fingen, wie unregelmäßig die Einkäufe dermöblierten Herren sind. Einmal müssen es Rollmöpse in Remouladensauce fein, das andere Mal ist sogar der Salzhering zu teuer. Aber das geht nicht nur denmöblierten" Herren so, sogar brave Hausfrauen vergreifen sich manchmal recht arg in der Würdigung des ihnen aus­gesetzten Etats. Wenn sie Geld bekommen haben, denken sie, es kann gar nicht alle werden, kdchen gerade die Gerichte, die sie sonst immer aus begreiflichen Gründen nicht kochen konnten und durften, kaufen dies und das, sehen auch nicht so genau hin, bis es mit Schrecken kund wird, daß die Hälfte des halben Monats noch nicht erreicht ist, aber die Kasse schon ungewöhnlich stark abgenommen hat. Dann beginnt die Zeit der harten Wirklichkeit ohne Illusionen und Appetitsbissen, wo manchmal beim Mittagessen fragende Blicke vom Teller auf ihr lächelndes Gesicht gerichtet werden, als ob man irgend etwas vermisse. Welche Hausfrau kennt diese Blicke nicht?

Da sagt man immer, Kunst erhöhe das Geben und mache es schön und reich. Aber man sieht doch, daß auch der Monatserste das Leben nicht gerade häßlich macht und manchen Leuten Phantasie gibt, auch wenn sie sonst wenig davon zeigen. Einmal im Monat wollen solche Leutchen eben so eine Art kleiner Baron, gnädiges Fräu­lein, gnädige Frau und Schwerenöter fein.

Leider geht diese Illusion immer nur zu schnell vorüber und macht dann einer Stimmung Platz, die alle großen Geister kennen: einem Riesenjammer. So ist das Leben. M M.

*

** Herabsetzung der Steuerver- zugs^uschläge. Durch Verordnung deS Reichsfinanzministers wird nunmehr bestimmt, daß bei verspäteter Steuerzahlung (2. Steuer­notverordnung) für jeden auf den Zeitpunkt der Fälligkeit folgenden angefangenen halben Mo­nat fortan ein Zuschlag in Höhe von 1 Prozent der rückständigen Summe (bisher U/» Prozent) zu zahlen ist. Der Zuschlag wird nur dann er­hoben, wenn der rückständige Betrag 10 Rm. übersteigt. Auch die Durchführungsbestimmungen zum Geldentwertungsausgleich bei Schuldver­schreibungen (Obligationensteuer) werden entspre­chend geändert. In Kraft tritt di neue Anord­nung mit dem 15. Januar. Fällt ein halber Monat, für den ein Verzugszuschlag zu entrichten ist. zum Teil in die Zeit vor dem 15. Januar 1925 und zum Teil in die Zeit nach dem 14. Januar 1925, so ist für diesen halben Monat der Verzugszuschlag nach dem ermäßigten Satze zu berechnen.

** Personalien. Ernannt wurden durch Entschließung des Gesamtministeriums vom 18. Dez, 1924: Landgerichtspräsident Dr. Ferdinand Stein zu Darmstadt, Oberlandesgerichtsrat Martin Hessel zu Mainz, 5randgerichtsdirektor Richard Schudt zu Gießen, Amtsgerichtsrat Albert Hoffmann zu Friedberg, Landgerichts­rat Dr. Heinrich Friedenreich zu Mainz, Oberamtsrichter Hermann Rehart zu Alrich- stein zu Mitgliedern, Landgerichtspräsident Dr. Heinrich Rees zu Mainz, Oberlandesgerichtsrat Hermann Weicker zu Darmstadt, Landgerichts­direktor W.lhelm M ü l l e r zu Mainz, Oberamts­richter Fritz Wachtel zu Bingen, Landgerichts­direktor Ludwig N e u r 0 t h zu Darmstadt, Ober­amtsrichter Dr. Ernst Drill zu Schotten zu stellvertretenden Mitgliedern des Diszipl-narhofs bei dem Oberlandesgericht, alle auch die am Samstag veröffentlichten Ernennungen zu Mit­gliedern und stellvertretenden Mitgliedern der Disziplinarkammer bei dem Landgericht der Pro­vinz Starkenburg, der Provinz Oberheffen und der Provinz Rheinhessen, sowie zu Mitgliedern und stellvertretenden Mitgliedern des Diszipli- narsenats bei dem Oberlandesgericht für die Zeit vom 1. Ian. 1925 bis zum 31. Dez. 1927.

** Oeffentliche kaufmännische Schu­len. Man schreibt uns: Für die kaufmännische wirtschaftliche Weiterbildung der Ostern austtc- tenden höheren Schüler(innen) mit Obersekunda- reife besteht bereits die höhere Handels­schule, deren neuer Jahrgang Ostern beginnt. Am auch den Vollsschülern(innen), die nicht so­fort eine Lehrstelle finden oder erst eine Erwei­terung ihrer Bildung nach der kaufmännisch-wirt­schaftlichen Seite hin anstreben, die Gelegenheit des Besuchs einer beruflich organisierten Doll- anstatt zu geben, wird Ostern eine öffentliche zweijährige Handelsschule gegründet. Sie soll auch diejenigen höheren Schüler(innen) aufnehmen, die wegen andersartiger Begabung ab Obertertia eine Aenderung ihrer Dildungs- laufbahn wünschen. Da die Aufnahme vom Be­stehen einer Aufnahmeprüfung abhängig gemacht wird, werden Kinder mit untemormaler Intelli­genz ferngehalten. Ein am Freitag, 16. ds., abends 8 Ahr, im Kaufmännischen Dereinshause stattfindender Elternabend gibt allen Inter­essenten Gelegenheit, sich über Ziele, Wege und Berechtigungen der neuen Schule zu orientieren. Siehe Inserat in heutiger Nummer.

Bornotizen.

Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: 6»/i AhrDer Bettelstudent".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Eins der originellsten Werke Dernard Shaws ist feinT eu f e l s s chül e r", der hier am kommenden Mittwoch seine Erstauf­führung erlebt. Das Werk ist in letzter Zeit wieder vielerorts, so in Wiesbaden vom Staatstheater, in den Spielplan ausgenommen worden und über­all mit großem künstlerischen Erfolg. Die hiesige Vorstellung steht unter der Spielleitung des Herrn Teleky und beansprucht so ziemlich das ge­samte Personal: die Hauptrollen haben inne: Frau Sturmfels und die Herren Daum, Juhnke und Norfolk.

Deutsch-Oesterreich. Alpenver- ein. Der Lichtbilder-Vortrag von Dr. Daubel über "Dn Gießener Hütt; und i&iz Zugangs*