Ausgabe 
13.1.1925
 
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Dienstag, |3. Januar 1925

K5. Jahrgang

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Neue Versuche Dr. Luthers

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Der Wechsel

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konischen Zusammenarbeitens, also den der ausgesprochen angelsächsischen Politik, deren Folgen sich in Asien Europa bald zeigen werden.

Die angelsächsische Presse Rücktritt Hughes'.

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Von Hughes zu Kellog. -

Wie ein Kanonenschuh wirkt in der ganzen politischen Welt die Nachricht, daß der ameri­kanische Staatssekretär Hughes, der Leiter der auswärtigen Politik, von seinem Posten z u- rücktreten will. Der Fall scheint schon seit langem vorbereitet zu sein, daraus deutet der offizielle Kommentar hin, dah Herr Hughes, nachdem er lange Jahre Staatssekretär war und sein Vermögen verbraucht hat, zur Anwalts­praxis zurückkehren muh, um Geld zu verdienen. Mag sein, dah das zum Teil richtig ist, da die amerikanischen Beamten ja sündhaft schlecht bezahlt werden und infolgedessen jemand, der auf eine saubere Weste hält, zu einem kärg­lichen Leben verurteilt ist, wenn er nicht von Hause aus wohlhabend ist. Mag sein, dah Hughes schon auf die nächste Präsidentschafts­wahl spekuliert und Coolidges Nachfol­ger werden möchte, aber trotzdem sind das Gründe, die mehr in der Peripherie liegen, die eigentliche Nrsache im Wechsel des Stacrts- sekretariats liegt ganz sicherlich in der allmäh­lichen Schwenkung der amerikanischen Politik, die im vergangenen Jahr immer deutlicher in die Erscheinung getreten ist.

Der Kampf zwischen den Aktivisten und Passivisten, denen, die in Europa eingreifen und denen, die sich auf ihrem Kontinent gleichsam eingraben wollen, ist jetzt endgültig zugunsten der Aktivisten entschieden. Nicht re>n zufällig, die Enthaltsamkeit, die als eine begreifliche Re­aktion auf die verunglückte Politik Wilsons Platz gr fr, hat sich als nicht nützlich erwiesen. Es war doch nicht ganz so, dah die Bereinigten Staaten sich einfach auf ihren riesigen Kriegs­gewinnen zur Ruhe setzen und nun die ganze übrige Welt sich selbst überlassen konnten, die amerikanische Wirtschaft spürte sehr stark, dah sie in ihrem eigenen Golde er­st i ck e n muhte, wenn es ihr nicht gelang, durch die Stärkung der europäischen Wirtschaft den Austausch zwischen Rohstoffen und Fertigfabri­katen wieder auf die Höhe der Vorkriegszeit zu bringen.

Das wollte zum Teil auch Hughes, aber das Tempo, das er anschlug, war sehr lang­sam, und nachdem nun Senator D 0 r a h an die Spitze des Auswärtigen Ausschusses des Senats getreten ist, der wieder mit dem Präsidenten Coolidge sehr intim ist, war ein Konflikt des Präsidenten mit seinem Staatssekretär früher oder später unvermeidlich, und da nach ameri­kanischem Brauch der Staatssekretär keine eigene

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Der Sieg der Aktivisten.

Verantwortung hat, sondern nur die Politik des Präsidenten treiben darf, war es llug von Hughes, wenn er vorher die Konsequenzen zog, wohl auch, da er in der Ruhland-Politik aus seiner Reserve nicht heraus wollte. Jeden­falls bedeutet die Ernennung seines Nachfolgers Kellog, des amerikanischen Botschafters in Lon­don, die Einleitung eines engen englisch-ameri-

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Neuh 0 rk, 12. Jan. (Kabeldienst der $11.) Die Presse der Vereinigten Staaten beschäftigt Psich eingehend mit der durch den Rücktritt Hughes geschaffenen politischen Lage.World" weist darauf hin, dah neben Coolidge Senator D 0 r a h einen entscheidenden Ginfluh auf die auswärtige Politik gewinnen wird. Coolidge selber wird mehr wie bisher sich mit der Außen- Politik beschäftigen. Er habe zu diesem Zweck Kellog an Stelle von Hughes berufen. Die neue Lage wird ferner vor allem einen großen Einfluh auf die Politik gegenüber Sowjetruhland ausüben. Denn bisher habe in dieser Frage ein scharfer Gegensatz zwischen Hughes und Dorah bestanden.

Die englische Presse ist für Hughes voll warmer Anerkennung. Besonders erinnert man an seinen Anteil an dem Erfolg der Washingtoner Konferenz vom Jahre 1921.Daily Telegraph' bemerkt, dah der da­mals von den Großmächten abgeschlossene Ver­trag über die Beschränkung der See­rüst ungen der Plan Hughes gewesen wäre. Hughes könne auf dieses, durch seine Veran­lassung getroffene Abkommen zur Erhaltung des Friedens im Stillen Ozean mit berechtigter Be­friedigung zurückblicken. Ebenso sei die An­nahme des Dawesplanes durch alle be­teiligten Mächte auf der Londoner Konferenz der Tatkraft Hughes zu verdanken.

Rücktritt Houghtons?

Berlin, 12. Jan. (TU ) Die Nachricht von dem bevorstehenden Rücktritt des amerikani­schen Botschafters in Berlin, Houghton, hat in weiten Kreisen Deutschlands aufrichtiges Bedauern hervorgerufen. Man erinnert sich

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um Fragebogen, die ihm von Parteien vorgelegt werden, kümmert, sondern sich zuverlässige Männer Holt, wo er sie findet. Dann mag er sich getrost auf die Reichstagstribüne stel­len und sein Programm entwickeln. Es ist mehr als fraglich, ob dann die Opposition mit ihrer zahlenmäßigen Mehrheit es wagen wird, den einzigen Mann zu stürzen, der sich bei den herrschenden schwierigen Umständen zu regie­ren getraut.

Luthers Verhandlungen. Das überparteiliche Kabinett. Die kommenden Männer.

Berlin, 12. Jan. (WB.) Dr. Luther setzte seine informatorischen Derhandlungen mit den Fraktionen heute den ganzen Tag über fort. Er empfing die Vertreter des Zentrums, der Deutschnationalen, der Deutschen Dolkspartei, der Demokraten und der Bayrischen Dolkspartei. Den Kernpunkt aller Besprechungen hat die Erörterung über die Bildung der Regierung dargestellt, in der ohne fraktionelle Bindung jede Fraktion mit je einem der Fraktion an­gehörenden Vertrauensmann vertreten sein, im übrigen aber die Besetzung durch Fachmini st er erfolgen soll, bei deren Aus­wahl durch den Verantwortlichen Reichskanzler gewisse Rücksicht auf die politische Ein* ftt II u n g genommen werden soll. Cs wurde fer­ner über die Methoden verhandelt, durch die in praktischer Arbeit eine engere Fühlung­nahme zwischen Regierung und den Iraki tonen sichergestellt werden kann. Das Zentrum hat eine Fraktionsberatung über die neue Grundlage abgehalten und unter dem Vorbehalt der letzten Entscheidung nach Kennt­nis der Gesamtgestaltung des Kabinetts dem Plan einstimmig z u g e st i m m t. Die Führer der Deutschen Dolkspartei und der Bay­rischen Dolkspartei haben den Plan grundsätzlich gutgeheißen. Die Deutsch­nationale Dolkspartei hält hnLaufe deS morgigen Tages eine Vorstands- und FraktionS- sihung ab. Die offizielle Detrckuung Dr. Luthers mit der Bildung eines überparteilichen Kabinetts wird von dem Ergebnis seiner Besprechungen mit den deutschnationalen Unterhändlern ab­hängen.

Ein Reichskabinett Luther würde folgende Dertrauensleute der in Frage kommenden Fraktionen bereinigen: für die Deutschnational-n Wallraf als Innenminister, für die Bayrische Dolkspartei Dr. Emminger als Justizmini-

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ster, für das Zentrum Reichsarbeitsminister Dr. Brauns und für die Deutsche Dolkspartei Reichsaußenminister Dr. Strefemann. Die übrigen Ministerien würden durch Fachmän­ner beseht werden, und zwar würden von den bisherigen Ministern im Amte verbleiben Dr. Gehle r als Reichswehrminister und Graf K a - n i tz als Ernährungsminister. Außerdem werden genannt der frühere Staatssekretär L e w a l d, der frühere Reichsschahsekretär Graf Rödern und Geheimrat Bücher vom Reichsverband der Deutschen Industrie.

Die Frage, ob das Kabinett Luther zustande kommen wird, hängt, wie die Blätter betonen, einmal von der Haltung der deutschnatio­nalen Fraktion und andererseits von dem Derbleiben Dr. Gehlers, der übrigens der demokratischen Fraktion nicht mehr an gehört, in seinem Amte ab, da, wie gemeldet, hiervon das Zentrum seine Stellungnahme zu dem Kabinett Luther abhängig machen wird. WieTageblatt", Dossische Zei­tung" undVorwärts" hervorheben, würde ein Kabinett Luther auf die Opposition der Sozialdemokraten und der Demokra­tischen Partei stoßen.

Demokratischer Mihtrauens- antrag gegen Gras.

Berlin, 13. Jan. (TU.) Wie derBörsen- courier berichtet, wird die demokratische Partei einen Mihtrauensantrag gegen den deutsch­nationalen Vizepräsidenten des Reichstags, Gräf, einbringen, der sich geweigert hat, den üblichen Besuch beim Reichspräsiden­ten Ebert zu machen und der auch, als Ebert dem Präsidium des Reichstags seinen Gegen­besuch machte, ostentativ fern blieb. Dr. Wal -- rat der deutschnationale Reichstagspräsident des früheren Reichstags, war bekanntlich zur Neu- jahrSgratulation beim Reichspräsidenten erschie­nen. Eine Mehrheit für diesen Mißtrauens­antrag ist im Reichstag offenbar vorhanden, so dah Herr Gräf wohl einem andern Vizepräsi­denten wird Platz machen müssen.

Braun übernimmt Kultus- und Finanzministerium.

Berlin, 13.Jan. (T. 11.) Wie die .Deut­sche Zeitung" hört, wird der sozialdemokratische preußische Ministerpräsident Braun mit dem heutigen Tage die Leitung der durch den Rück­tritt der volksparteilichen Minister Dr. Dölitz und von Richter freigewordenen preußischen Ministerien übernehmen.

asneNmt le$eiea filr bit lagesimmmerDis zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbindlichkeit.

Preis für 1 mm VSYe für Anzeigen von 27 mm Breite Srtlich8, auswärts 10 Boldpfennig; für Re- Klame-Anzeigen o.TOmm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrist 20e/o Auf­schlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Wilh. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil . Hans Beck, sämtlich in Gießen.

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

Dn<f und Verlag: Vrühl'sche UniverfitStr-vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Sietzen. 5christlett»ng und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7.

nicht nur feiner großen Verdienste um die Förde­rung der Wohl tätig keil, sondern auch der Verdienste, die er sich durch die Aufklärung Amerikas über die wirklichen Zustände in Deutschland erworben hat. Als fein Nachfolger wird Mac Cornick genannt. Wie die «Tele- graphen-llnion" erfährt, würde man in Deutsch­land diese Kandidatur durchaus begrüßen. Mac Cornick ist Beamter von Beruf und seine Ernennung würde der amerikanischen Taktil ent­sprechen. keine Politiker auf Botschafterposten zu entsenden. Mac Cornick ist zusammen mit seinem Bruder der Besitzer derCH i c a g oT r i bu ne", die, wenn auch im Augenblick nicht gerade deutschfreundlich, doch zu Anfang des Krieges eine derjenigen Zeitungen Amerikas gewesen ist. die sich bemüht hat. Deutschland in jeder Weise Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Auch Mac Cornick, der mehrmals und zuletzt erst kürz­lich Deutschland besucht hat, war hier im Sinne einer Verständigung tätig gleich seinem Vorgänger. Was den Rücktritt des Staatssekretärs Hughes anbe- langt, so glaubt man nicht, daß daraus direkte Rückwirkungen auf die Lage in Deutschland abzu­leiten sind. Es sei in diesem Zusammenhänge hervorgehoben. daß Hughes Der er stc Staatsmann einer Großmacht war, der Deutschland nach dem Kriege in offi­zieller Mission bes ucht hat.

Hebung der landwirt­schaftlichen Erzeugung. Kreditaktion des Rcichsernährungs- ministeriums.

Berlin. 12. Jan. (TU.) Das Reichsmini­sterium für Ernährung und Landwirtschaft teilt derTelegraphen-Hnion" mit:

Die deutsche Landwirtschaft kann nur Dann wettbewerbsfähig sein, wenn sie in Der Lage rst, höhere Erträge zu erzielen als das Ausland, und die diese Erträge zu Gestehungskosten, die die der ausländischen Landwirte nicht übersteigen. Es ist daher notwendig, dah die Betriebe zur intensiven Bewirtschaftung über­gehen. Zu diesem Zwecke ist

die Motorisierung der landwirtschaftlichen Betriebe bas Gebot der Stunde.

Die deutsche Kraftpflugindustrie hat trotz ihrer, gegenüber der ausländischen Konkurrenz wirt­schaftlich wesentlich schwierigeren Lage mit groben Anstrengungen ihrer Kraftgeräte mehr und mehr verbilligt und technisch vervollkommnet. Das Reichsministerium für Ernährung und Landwirt­schaft hat nun die

Bereitstellung billiger Kredite

in die Wege geleitet, um den noch bestehenden Preisunterschied zwischen den deutschen und ame­rikanischen Erzeugnissen der Kraftpflugindustrie zugunsten unserer Erzeugnisse auszugleichen. Die Beschränktheit der verfügbaren Kredite nötigt allerdings dazu in erster Linie kleinerg K ra f,tge,r ä t e , die für den kleineren und mittleren Besitz von Nutzen sind, zu berücksich­tigen. Der Wunsch, die Aktion schon für die kommenden Frühjahrsarbeiten nutzbar zu machen, machte eine beschleunigte Durchführung der Auswahl nötig. Eine Ausdehnung dieser Aktion wird aber vom Ministerium betrieben. Die Spihenverbände Der Landwirtschaft, die Genossen­schaften und die Verbände der Landmaschinen­industrie haben sich in den Dienst der Sache ge­stellt und sich bereit erklärt, sie in jeder Weis« zu fördern.

Das deutsch-italienische Wirtschastsprovisorium.

Berlin, 12. Jan. (WTD.) Zu dem Ab­schluß des deutsche-italienischen Handelsvertrags- Provisoriums wird uns von sachkundiger Seite geschrieben: Die Bedeutung des Abkommens liegt darin, daß für den endgültigen Handelsvertrag Die beiderseitige Meistbegünstigung zugestanden worden ist, welche Deutschland, ab­gesehen von Dem Vertrag mit England, das aber keinen Zolltarif in unserem Sinne besitzt, mit den anderen großen europäischen Ländern bisher nicht vereinbart hat, aber desto stärker nunmehr in den Vordergrund stellen muh. Es ist zu erwarten, daß der endgültige Handels­vertrag bis zum 31. März 1925 zum Abschluß gelangt. Bis zu diesem Zeitpunkt gilt das am 10. Januar in Rom abgeschlossene Proviso­rium. Cs bringt der deutschen Wirtschaft mit Ausnahme von einigen Waren bereits Die Meist­begünstigung unD wird damit sicherlich zu einer starken Belebung der deutschen Ausfuhr nach

Italien

beitragen. Besonders hervorzuheben ist, daß das ganze große Gebiet Der Chemie. Lederindustrie. Kautschukindustrie. Papierindustrie, Buchgewerbe und Keramik, insbesondere die Porzellanindustrie sowie die Glasindustrie, ferner die optische und Spielwarenindustrie nunmehr die volle Meist­begünstigung genießen. Bei Der TextilinDu- strie sind einige Ausnahmen gemacht wor­den. die aber, wie z. D. bei Seide und Kunst­seide. in denen Italien bekanntlich selbst starke Industrie besitzt, mit Rücksicht auf die in Aussicht stehenden schwierigen Verhandlungen mit den übrigen in Betracht kornmmenden Ländern nicht schwer ins Gewicht fallen.

Die wichtigsten Ausnahmen betreffen das Gebiet des Eisens und der eisenverarbeitenden Industrie.

Hier ist zwar im allgemeinen die Meist­begünstigung gewahrt, aber für ein? Reihe von

Denn efl mit Herrn Dr. Luther ähnlich wird wie bei Herrn Marx, so werden wir nacheinander hören, dah der neue Kanzlerkandt- bat Die unverbindlichen Besprechungen begon­nen dann feine Bemühungen fortgesetzt habe.' Dann sein Ziel auf einem neuen Wege *u erreichen suchen werde und schliehlich nach einigen Tagen, genau wie Herr Marx, die Hoffnung auf Erfüllung seines Auftrages aus- gegeben habe. Als der Reichspräsident Ende der vergangenen Woche beim Reichstags- Präsidenten Löbe den Antrittsbesuch erwiderte, soll er eS als unbedenklich bezeichnet haben, die Gntgegennahme der Regierungs­erklärung auf die Tagesordnung der Reichs­tagssitzung vom Mittwoch zu setzen. Herr Löbe ist vorsichtiger gewesen und hat sich Damit begnügt, die Tagesordnung vorn Mittwoch vor­läufig nur mit einigen Anträgen der Parteien aus Einstellung von Strafverfahren gegen Ab­geordnete zu bedenken. Statt der mattgeschten Reichsregierung suchen Organisationen jinb Verbände etwas wie Ersah für die feh- slende Reichspolitik zustande zu bringen. In ver­schiedenen Städten des Reiches haben am Sonn­tag Kundgebungen gegen die Fortsetzung Der Gewaltpolitik seitens der Alliierten statt­gefunden. Ueberatt war man sich darüber klar, daß vor der Befreiung Deutschlands Die Einigkeit kommen müsse. Die neue Se­rie von Anläusen für die Bildung einer Reichs­regierung mit sicherer Reichstags Mehrheit be­weist, daß wir von der notwendigen Einheit noch recht weit entfernt sind.

Das Zentrum, das ja in der schweben­den Regierungskrise eine besondere Rolle spielt, bat erneut erklärt, dah es eine Beteiligung an einem parlamentarischen Kabinett unter Der Führung Des Dr. Luther ablehne. Aller­dings ist Die Fraktionssitzung des Zentrums, auf der dieser Beschluß gefaßt wurde, nur etwa von einem Drittel Der Abgeordneten besucht gewesen. Selbst in diesem Drittel soll die offenkundige Meinungsverschiedenheit zwischen dem rechten und Dem linken Flügel Deutlich hervorgetreten sein. Als feststehende Tatsache kann jedenfalls an­gesehen werden, Daß Herr Dr. Luther, wenn ihm die Kabinettsbildung überhaupt gelingt, keine Regierung Der Parteien, sondern nur e i n e R e - gierung einzelner Persönlichkeiten zustande bringen wird. Auffallenderweise hört man außer dem Namen des Herrn Arbeits­ministers Dr. Brauns keinen dem Zentrum nahestehenden Mann als Anwärter auf einen der frei werdenden Ministerposten. Wenn das Zentrum Herrn Dr. Brauns sozusagen aus dem Verbände der Zentrumsfraktion beurlauben sollte, und wenn auch Die Demokratische Partei Herrn Gehler gestatten sollte, fein Amt als Wehr­minister beizubehalten, so würde doch das Ka­binett Luther fast ein reines Rechtskabinett fein.

Es ist nicht zu viel gesagt, wenn man fest- stellt, dah die fortwährenden Versuche zur Bil­dung einer Regierung im Reiche das deutsche Volk mit Ekel erfüllen. Am Sonntvgnachmittag hat in Dem großen neuen Aulasaal Der Berliner Universität eine Kundgebung gegen die Verschleppung der Räumung Kölns stattgefunden. Sobald Die Redner, Gouverneur a. D. Dr. Schnee und Professor Deihmann, auch nur andeutungsweise von der Reichsregie­rung sprachen, von der sie ein energisches Ein­treten für Deutschlands Rechte ertoarteten, brach Die Versammlung in ironische Zwischenrufe aus.

Das scheidende Kabinett hat die Note Der Dotschafterkonferenz vom 5. Januar mit einer Art juristischen Schriftsatzes beantwortet, der als Einleitung für weitere Schritte an­gebracht gewesen sein mochte, mit dem sich aber unter keinen Umständen die Reaktion der Reichs­regierung auf den schamlosen Rechtsbruch vom 10. Januar erschöpfen Darf. Seit Monaten haben wir eine aktionsfähige Regierung nicht so not­wendig gehabt, wie heute. Wer nicht nur auf das Wispern in den Fraktionszimmern und in den Wandelgängen Der Parlamente lauscht, sondern auch einmal Der Stimmung im Volke sein Ohr leiht, kann vernehmen, daß die Sehnsucht nach einem grundsätzlich anders entstan­denen und zusammengesetzten Par la­ut e n t immer stärker wird. Durch die Verhältnis­wahl haben wir den auf Der chemischen Wage genauestens ausgewogenen deutschen Dolkswillen ermittelt und ein diesem entsprechendes Parla­ment erhalten. Nach jedem neuen Wahlgang unter dem geltenden Wahlrecht wird die Bildung einer Regierung schw ieriger und lang­wieriger.

Wenn Herrn Dr. Luther die Kabinettsbil­dung gelingen sollte, so ist er auf die Unter­stützung, mindestens aber auf die wohlwol­lende Neutralität des Zentrums an­gewiesen, wenn er nicht unmittelbar nach Ab­gabe der Regierungserklärung durch ein Miß­trauensvotum wieder gestürzt werden soll. Wenn sich Regierungskrisen alle paar Jahre oder auch alle Jahre wiederholen, so haben sie für Die öffentliche Meinung Den Reiz Der Neu­heit. -Wenn sie aber alle paar Monate eintreten, unD Dann wochenlang andauern, so kümmert sich allmählich nur die kleine Gruppe politischer Wettermacher Darum. Cs kann jedoch nicht daran gezweifelt werden, dah die jetzt immer noch schwebende Regierungsbildung mit dem am 7. De­zember gewählten Reichstag erfolgen muß. Darüm würde Dr. Luther richtig handeln, wenn er sich nicht mehr um FraktivnSbeschlüsse oder

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