Kreistag
Provinzialtag
Was jeder Wähler wissen muß
zu tun als der Kreistag.
abend
stärken kann-
ub WHRuasoMaa
K-TjO
(Nachdruck verboten )
61. Fortsetzung
(Fortsetzung folgt.)
sagen mehr
artigen Leistungen
Der Alte näher.
„Also, du ster?" fragte richtete und wischte Soft dann ergriff
Oderhessen.
Landkreis Gietzen.
Beuern, 11. 2lov. Am Dienstag
dem Turbinenhaus nicht hindraug. sich, als er plötzlich um das Ge«
Rov. 3n den
machte sie
Der gefesselte Strom
Roman von Hermann Stege mann.
kung verbleiben dem Kreisausschuß noch so viele Arbeitspflichten, Öaf) man auch von ihm kann, er hat genug, jedenfalls erheblich
Vorführungen ein und Bestrebungen
Monate abgesessen hat."
fuhr sich über die Augen und trat
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zu geben. Den Anfang machte sie am Sonntag durch einen „Schülerabend der Schü- I e r i n n c <i und Turnerinne n", bei wel--
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keine Antwort hotte.
Dann traf sie an Hermanns Krankenstuhl mit Hanns zusammen.
Der Stuhl stand im Garten unter den Bäumen, wo es kühler war und das Hämmern vom Stauwehr und aus
Sie erhob busch bog.
<Sr stutzte.
willst nach Elfenau zu deiner Schwe- Hermann Ingold, indem er sich auf- ihm die Hand hinstreckte. Zweimal seine rechte Hand an der Hose ab, er Hermanns Finger.
„Mir "taugt die Lust in Rheinau nicht mehr. Es ist nicht, weil ich das Messer fürchte. Aber ich verstehe nichts von dem, was hier geschieht."
wie eng unser heutiges Kulturleben mit der damaligen Zeit verknüpft ist und welchen Einfluß die römische Kultur auf die germanische auSübte. — Auch die sehr rührige Turngemeinde beabsichtigt, durch eine Reihe von verschieden- ~ Bild ihrer
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letzten Togen wurde Lehrer Ströhinger von Oberlais, Kreis Schotten, zum Fortbil- idungsschuHehrer für den Bezirk Reiskirchen ernannt. Herr St. wird einen Teil des Fortbildungsschulunterrichts in den Gemeinden Reiskirchen, Oppenrod, Burkhardsfelden, Hartenrod, Harbach. Saasen und Lindenstruth übernehmen. Da es gegenwärtig hier in Reiskirchen an einer passenden Wohnung fehlt, kann Herr Strößinger seinen Dienst vorerst noch nicht antreten. Stirn sind aber im Laufe des letzten! Jahres einige Rcubauten unter Dach gekommen, so daß doch für nächsten Sommer die notwendige Wohnung beschafft werden kann.
: Linvenstruth, 11. Rov. Infolge des anhaltenden Regens am Samstag, Sonntag und Montag ist die Wieseck über ihre Ufer getreten. Die Wiesen zwischen der Eisenbahnstrecke und der Landstraße nach Reiskirchen glichen einem großen See. Akn Dienstag und Mittwoch find aber gewaltige Wasfermengri, durch die Wiefeck abgeflossen, so daß bis Ende dieser Woche das Landschaftsbild wieder fein altes Gepräge haben wird.
Kreis Friedberg.
sf. Friedberg, 11.Rov. 3n dem begonnenen Winterhalbjahre wird allem Anscheine nach das geistige und musikalische Leben in unsrer Stadt ein besonoerS regeS sein, da alle in Betracht kommenden Vereine darin wetteifern, dis Bevölkerung durch ausgewählte Darbietungen zu erfreuen. Auch die „Vereinigung ehemaliger Augustinerschüler“ will nicht zurückstehen und hat mit einem Vor- ' trage von Professor Dr. Blecher über das „römische Trier" den Anfang gemacht, ein zweiter Vortrag über denselben Gegenstand wird in den nächsten Tagen folgen. An dec Hand einer groben Anzahl von Lichtbildern führte der Redner in das Leben einer groben und vornehmen römischen Stadt, die in der Geschichte durch die mehr, hundertjährige Besetzung eine hervorragende Rolle spielte, die Porta nigra, die Thermen, bas Amphitheater, die Basilika, einzelne Bauteile des Domes gaben einen Begriff davon, mit welcher' Pracht und mit welchem Reichtum bie Römer ihre Bauten ausstatteten. Zugleich ging der Redner aber auch ausführlich darauf ein.
das gehörte zum Programm des auf äußerlichen Genuß gestellten Lebens.
So drängte sich in wenige Tage alles zusammen, und Engelhardt sagte am ersten Abend, nachdem Gerhart abgereist war und sie allein waren, zu feiner Tochter:
„Seit ich mich bezwungen habe und an dem Jungen den Eingriff vollzog, der, drei Stunden später ausgeführt, nichts mehr hätte helfen können, habe ich meinen Frieden gemacht mit dem Leben. Nun ist für alles gesorgt. Du bist glücklich und ich bin zufrieden."
Ruth senkte den Kopf.
Seit sie wieder in llcheinau war, wußte sie, daß noch eine Sehnsucht in ihr lebte, die nicht zur Ruhe kommen konnte, weil sie aus der Jugend flammn? und unerfüllt war, wie ihre Jugend selbst.
Sie war mit L'ylander und Hanns Ingold auf der Brücke und tm Werk gewesen, unter dem der Rhein noch leer hmdurchströmte. Im Oktober des nächsten Jahres sollte die Einrichtung vollendet sein. Schon waren die Turbinen unterwegs.
Die Herren hatten technische Dinge verhandelt. Sie war nur von Seit zu Zeit, wenn ein gefährlicher Ueber-ang oder eine unsichere Stelle drohte, gewarnt oder gestutzt worden. Und dabei brannte ihr das Wort auf der Zunge: Euer Werk, dein Werk, Hanns Ingold, ist ja tot, ist nichts ohne mich, denn ich habe ihm meine Jugend gegeben, meine Sehnsucht geschenkt, und nur von dieser wird es leben!
„Papa!"
„Ja, Mädel, hast du etwas gesagt?" antwortete ec leise, mit verträumter, schwerer Stimme. Er suchte sich aus dem dämmernden Schlaf zu befreien, Der ihn in dem Stillschweigen übermannt hatte.
„Rein, ich glaube, du bist müde", erwiderte sie leise und unterdrückte die Frage, für die er doch
wohner — 21 Kreistagsabgeordnete, bisher deren 21). Das Mandat der gegenwärtigen Kreistage erlischt am 31. Dezember dö. 3«., der neue Kreistag tritt am 1. Januar 1928 sein Amt an, das er. bis zum 31. Dezember 1929 führt.
Den Vorsitz im Kreistag, dem parlamentarischen Plenum der Se'lbstverwaltung beS Kreise«, führt der KreiSbirektor, bei dessen Verhinderung sein amtlicher Stellvertreter. Auch b:r Kreistag setzt einen engeren Ausschuß ein, den KreiSausschuß, der gleichfalls unter dem Vorsitz des Kreisdirektors bzw. seines amtlichen Vertreters arbeitet. Diese Besetzung des Vorsitzes in den hessischen Kreistagen bzw. Krers- auSschÜssen stimmt genau überein mit der Regelung in den preußischen Kreistagen bzw. KreiS- auSfchüfsen, wo der Landrat die Leitung inne hat. Die Besetzung der Kreisausschußämter geht in derselben Weise vor sich wie beim Provinzral- auSschuh. und auch hier ist bei Wahl in den KreiSausschuß der Manöatsverzicht bzw. das Rachrücken Les nächsten Bewerbers auf der Lifte für den Kreistag genau ebenso zu beobachten wie beim Provinzialparlament. Dieselbe Gleichheit besteht hinsichtlich der Ausübung deS Stimmrechts. Auch der Kreistag tritt jährlich nur einmal zu einer ordentlichen Tagung zusammen zwecks Erledigung des Haushalts, weitere evtl, notwendige Sitzungen gelten als außerordentliche. Der Kreisausschuß dagegen muh öfter zur Arbeit zusammentreten. Kurz gesagt: Die parlamentarischen Einrichtungen des Kreises sind die gleichen wie die der Provinz.
Di.sckbe ilebereinftimmung ist, abgesehen von einem llnterschied hinsichtlich beS Kreisausschusses, in bezug auf die Aufgabengebiete zu bemerken. Der Kreistag hat ebenso wie der Provinzialtag nur rein wirtschaftliche und soziale Arbeiten innerhalb des Kreisgebietes zu leisten, soweit die Städte nicht eigene Einrichtun» gen besitzen und diese selbst verwalten. Ein HaupttätigikeitSfeld der Kreise ist der Kreisstraßenbau und bie Kreisstraßenunterchaltung. Richt minder bedeutungsvoll ist die soziale Fürsorge- tätigtet der Kreise in weitestem Ausmaß, sowohl für Kriegsbeschädigte, Kriegerhinterbliebene, Kinder, alte und gebrechliche Leute, Rentner, Für- sorgepfleglinge. Seuchenbetämpfung usw. usw. Eigene Erwerbs-Betriebe besitzen die Kreise nicht: die KreiSabdeckereien kann man als Erwerbs- zweige wohl nicht ansehen. Eine besonders erwähnenswerte und sehr anzuerkennende Tätigkeit entfalten einige Kreise unsrer Provinz in neuerer Zeit auf dem Gebiete der Verkehrsförderung dergestalt, daß sie die Einrichtung von Postauto- V^bindungen begünstigen und dafür auch pekuniäre Opfer bringen. Der Kreisausschuß erfüllt im Kreisbereich dieselben Funktionen wie der ProvinzialauSschuß für die Provinz, soweit die Mitarbeit bei der Durchführung der Kreis- tagsb^schlüsse und die Vorbereitung und Gestaltung von Vorlagen der Kreisverwältung an den Kreistag in Betracht kommen. Etwas anders geartet ist die Tätigkeit des Kreisausschusses in Verwaltungsstreitsachen insofern, als er in seiner Eigenschaft als erste Verwalt ungSstreitbehorde nur über Suchen der Landgemeinden des Kreises befindet, nicht aber über Angelegenheiten der Städte, dis von diesen unmittelbar dem Provin» zialausschuß als erste Instanz für solche Fälle unterbreitet werden. Aber trotz dieser Einschrän-
chem die weiblichen Mitglieder des Vereins unter großem Bei solle und unter großer Beteiligung Proben neuzeitlichen Turnens ablegten. Weitere Veranstaltungen des Vereins werden die Ausführung eines Krippenspiels am 6. Dezember in der Stadikirchs und die Feier des 50jährigen Bestehens der GesangSadteilung am 1. Januar 1926 fein. — In der Hauptversammlung des E i s l a u f v e r e i n s , die vor einigen Tagen stattfand, war der Antrag auf Auflösung des Vereins gesteklt, da dieser durch den Verlust seines Ve.-mögens und Wnahme der Mitglieder, zahl in Bedrängnis gdbmmen ist. Glücklicherweise ist dieser Antrag nicht angenommen worden, und so wird unsre schöne Eisbahn auch in Zukunft wieder benutzt werden tonnen; man darf Wohl hoffen, daß dem Verein durch Beitritt vi ter Mitglieder wieder neues Leden eingeflößt wird. — Die landwirtschaftliche Winter s ch u l e hat am Montag den Unterricht für das Winterhalbjahr begonnen. Die Zahl der Schüler beträgt bis jetzt 63, davon 25 in der ObcifUffe und 35 in der Unterklasse; die Schülerzahl wird sich durch Rachzügler wohl auf 70 erhöhen.
4 Bad-Rauheim, 11. Rov. In einer nicht sehr stark besuchten Wahl-Versammlung der Deutsch nationalen Volks Partei, die Rechtanwalt Dr. Brücher leitete, wurde zu den großen politischen Fragen unserer Tage und
die auf diese Weise aus dem Provinzialtag auSgefchicden sind, haben natürlich in den Sit- dungen' des Provinzial tags kein Stimmrecht, denn an ihrer Statt stimmt ja der Rachgerückte. Dagegen haben diejenigen Provinzial a u « - schuß Mitglieder, dis von den Wählern in den Provinzial t a g entsandt wurden und dieses Mandat trotz ihrer Wahl in den ProvinzialauSschuß heibehalten haben, in den Sitzungen beider Körper- schäften Stimmrecht. Der Provinzialtag tritt jähr» sich einmal zu einer ordentlichen Tagung zusammen, die vor allem der HauShaltSberatung und -Genehmigung dient. Liegen besonders wichtige und
fand bei Gastwirt Karl Ludwig Ranft die Gründungsversammlung des Turnvereins „Gut Heil" staft. Der Vorstand des neuen Vereins setzt sich aus folgenden Personen zusammen: 1. Vorsitzender Schreinermeister Ludwig Wilhelm Arnold, Schriftführer Wilh. Fuhr, Rechner Wilh. Linden st ruth, Zeug- wart Wilhelm Krämer. Beisitzer Karl Schultheiß. Albert Ranft und Wilh. Otto, 1. Turnwart Karl Väth und 2. Turnwart Otto Lind enstruth. Als aktive Turner meldeten sich 18 junge Burschen und Männer, als passive Mitglieder 9 ältere Leute. Da dem jungen Verein die nötigen Geldmittel fehlen, so kann vorerst nur qn einem Reck geturnt werden, das von einem in den Dorkriegsjahren bestandenen
Der Provinzialtag ist das parlamentarische Plenum des Srlbstverwaltungskörpers der Provinz. Da mit einem so großen Kreis von Erwählten die vielen lausenden Angelegenheiten (Durchführung der Beschlüsse deS Plenums, VerwaltungSstrcitsachen usw) natürlich nicht be= arbeitet werden können, bildet der Provinzial- tag einen kleinen Krei« von Vertrauensmännern der einzelnen Parteien bezw. Gruppen, den Provin z i« l a u s s chu ß. der den V.rwalt ngsorga- neu btr Provinz zur Veit« steht. Den Vorsitz tm Provinzialtag wie im Provinyialausschuß fuhrt der Provinztaldirektor b:zw. bei dessen Verhinderung der Rat bei der Provinzialdirektion. Beide Gremien haben also eine gemeinsame Spitze, im Gegensatz zu Preußen, wo der Provin- ziallandtag fernen Vorsitzenden aus seiner Mitte erwählt, während der ProvinzialauS- schuß unter der Leitung des obersten Pro- »frmbeewrten, deS Landerhauptmanns, arbeitet Ern weiterer älnterschied zwischen dem hessischen Provinzialtag und dem preußischen Provinzial- landtag ist der, daß der letztere aus seiner Mitte je einen Vertreter in den preußischen StaatSrat und in den Reichir t entsend.t, her erstere dagegen diese Cßertretung hn Reichsrat nicht besitzt; ei handelt sich hierbei in Preußen um eine Aus- toirtung der Provinz-Autonomie, die in dem großen Preußen ja zweckmäßig ist, während die Interessen der hessischen Provinzen, soweit sie mit Reichsstellen in Zusammenhang führen, von der hcs.ischcn StaatSregierung vertreten werden sollen. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang noch die Tattache, daß die Mitglieder des Provinzialausschusies, die als Abgeordnete in den Provinzialtag einzogen und von diesem als Vertreter ihrer Partei oder Gruppe in den ProvinzialauZschuß entsandt wurden, in der Regel ihr Provinzialtagsmandat niederlegen, damit der nächste Bewerber ihrer Liste in das Parlament einrücken und dadurch die Position der betr. Partei in beiden Körperschaften — Provin- zialtag und ProvinzialauSfchuß — sich noch Der- --- - Provinzial ausschuh Mitglieder, Weise aus dem Provinzial t a g
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In [einem schweren Winterrock mit den langen Schätzen stand er auf der sonnigen Terrasse und blickte auf die mächtigen Bauten, die die Aue bedeckten und in den Rhein hineinwuchsen.
Engelhardt bückte sich zu Hermann nieder: „Joseph will dir Adieu sagen, mach's kurz, er ist ganz aus dem inneren Gleichgewicht, feit er vier
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Er beutete auf Hermann Ingold.
Joseph Hotz schulterte fein Bündel, blickte von einem zum andern, als zweifelte er daran, daß einer von ihnen jemals noch so viel Weges unter die Füße nehmen könnte, und ging
Aus tiefem Schweigen heraus sagte Engelhardt nach einer Weile:
„In acht Tagen kommt Ruth!"
Als Ruth st'ylander mit ihrem Kind in Rheinau ankam, war sie darauf vorbereitet, ihren Vater verändert zu finden. Gerhart hatte ihr gesagt, daß seine Lebenskraft sichtlich abnehme. Aber als er ihr am hellen Tage unter den Obstbäumen des Gartens entgegentrat, in dem der Herbst und die Schatten der neuen Gebäude feuchte Kühle verbreiteten, überlief sie ein eigentümlicher Schauer. Nicht Schrecken, sondern Ehrfurcht.
Er lächelte.
„Ja, Ruth, ich werde alt. Aber ich habe nichts zu klagen."
„Pava, ich freue mich ja so. Ich habe es mit dir gefühlt und mit dir gewußt, was diese Operation für dich bedeutet hat!"
Wortlos schlug er die Arme um ihre Schultern.
Lange standen sie im Schatten der Obstbäume.
Endlich löste Ruth seine Arme und hielt nur [eine Hand fest, die, weich und gedunsen, sie im stillen erschreckte.
Als Elschen getrippelt kam, weiß gekleidet, nackt- beinig, mit Ruths blondem Gespinst auf. dem Kopf und einem Finger im Mund, dann ein paar Schritte entfernt, tm grünen Schatten, von Sonnem fringeln übersät, stehen blieb, als sollte sie als Farb- sleckwunder gemalt werden, schüttelte Professor Engelahrdt seine weiß gewordenen Locken und sagte mit gerührtem Lächeln:
„Nein, so was! Mädel, das bist ja du! Ruth — das bist du, nur hat dir deine verständige Mutter ein bißchen längere ober weniger kurze Röckchen angezogen!"
Ruths Aufenthalt war nur auf wenige -Lage bemessen, bann mußte sie mit dem Kinde wieder nach St. Blasien zurückkehren.
.Lylander blieb sogar nur zwei Soge, er wollte em paar Ausflüge in die Berner Alpen unternehmen und zuletzt mit seiner Frau vierzehn Tage ms Engadin fahren. Dar war der neue Brauch,
Turnverein übernommen wurde. An die Anschaffung eines Darrens wird demnächst herangegangen werden, sobald die Mittel dazu aufgebracht sind. Der neue Verein wird sich der Deutschen Turner schäft anschließen und dem Turnerbunb „L a h n - D ü n S b e r g" beitreten.
Am nächsten Sonntag werden pufammtn mit den Kommunalwahlen die Provtnzialtage der drei hesfifchen Provinzen und die Krers- t a g e der einzelnen Kreise neuzewählt. Diese tzarl«na«tarischen KörpTrschasten nehmen im Letzen und Wirtzen deS HessenvolkeS eine sehr wrch- tige Stellung ein, sodah eS wohl angetzracht er- fcheint, über diese Institutionen einige allgemein orientierende Mitteilungen zu machen.
Der Provinzlattag.
Er ist daS Parlament zur Wahrnehmung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen der ganzen Provinz. Er wird in allgemeiner, gleicher, unmittelbarer und gebet- mer Wahl nach den Grundsätzen der Verhältniswahl gewählt. Während Mp bisherigen Provinzialtaae ihr Mandat auf drei Jahre hatten, erfolgt nach dem neuen Wahlgesetz vom 7. Oktober 1925 die Wahl des Pro- vrnzialtageS auf die Dauer von vier Jahren. Der Provinzialtag besteht bei einer Einwohnerzahl bis zu 350 000 auS 35, von 350 001 bis 450 000 aus 40, von 450 001 bis 550 000 auS 45, von 550 001 und mehr au« 50 Mitgliedern. Da unsere Provinz Ob:rhessen bei der letzten Volkszählung am 16. Juni ds. IS. rund 330 000 Einwohner zählte, sind 35 Abgeordnete zum Prv- vinzialtag zu wählen, gegen 35 Mitglieder in Dem jetzigen, am 31. Dez. d. Is. enbenben Provinzialtag. DaS neue Provinzialparlament tritt am 1. Januar 1926 sein Amt an. eS bleibt allo bis zum 31. Dez. 1929 im Besitze des Mandats.
„Na, diesmal hast bu mich wieber matt gesetzt, schlafmatt", scherzte er und rieb bie Brille mit dem Taschentuch.
Seit der Junge ihm damals die Arme um den Hals gelegt und gejagt hatte: „Operiert, Sie haben mich operiert, Dr. Engelhardt?" mit einem Ton, als wollte er jagen, das fei gewiß eine große Selbstüberwindung gewesen, seit damals duzte er ihn.
Hermann bückte erschrocken auf und schob sein Heft unter die Decke.
„Bin ich zu früh wach geworden?" fragte Engelhardt.
„Nein, es will heute nicht", erwiderte Ingold.
„Dann kannst du es auch nicht zwingen."
Nach einer Weile fragte Hermann leise:
„Glauben Sie wirklich, daß ich es zu etwas bringe?"
Seine übergroß gewordenen leuchtenden Augen hingen an Engelhardts Gesicht.
Der legte ihm langsam die Hand auf die mageren Finger und antwortete:
„Junge, daraus kommt es beim Dichten nicht an. Aber das will ich dir beeiden, daß in dir ein Dichter steckt. Immer gesteckt hat, Fischerbub, Studiosus der Geologie und deutscher Jüngling. Aus der Schale bricht er, feit — ja, daß ich recht sage feit deine Füße zur Ruhe gekommen sind und du das Leben beinahe aus den Händen taffen mußtest. Dos Leben, das dir aerobe den ersten süßen Becher mit der bitteren Hefe gereicht hatte.
„Dr. Engelhardt!
Sei still. Bleibt unter uns. Haft es nur mir erzählt. Seht keinen Menschen etwas an. Bist noch vorn verloren gegangenen Schlaa, wirft deine Sehn^ sucht nicht vor eie Hunde werfen. Ich schenke btr den Friedrich Bischer. „Auch Einer" hecht er, da lies dich dran gesund."
Er strich ihm väterlich die Stirn, über der der rötliche Haarbusch seine phantastische Melle schwang.
Es kam jemand die Treppe herauf. Joseph Hotz, obacmagert, einen verstörten Ausdruck im Gesicht. Den Hut in der Hand, daneben einen Stock und einen Schirm mit einer Sense zusammengebunden.
bringende Vorlagen vor (z. B. außerhalb des Haushaltsplanes auftretende bedeutsame An- geleßenheilen), so wird der Provinzialtag zu außerordentlichen Sitzungen zusammenberufen. Der Provinzial a u s s ch u ß hingeaen hält häufiger Sitzungen ab, was ja schon daraus erklärlich ist. daß er als die nächste Stütze der Prv- vinzialverwaltungSorgane und als Instanz^ in Verwaltungsstreitsachen der Fichrung der Pro- viirzialgcschäfte viel näher steht.
Die Aufgaben deS Provrnzlal- tags haben mit der Politik als solcher mchts zu tun. Sie sind vielmehr rein wirtschaftlicher, sozialer und. soweit zur Deckung der Haus- haltSbedürfnisse erforderlich, steuerlicher Art. Sie Grundlage für diese Tätigkeit ist in dem Begriff der Selbstverwaltung gegeben. Zu den wirtschaftlichen Aufgaben deS Provinzialtags der Provinz Oberhessen gehört natürlich in erster Linie die alljährliche Genehmigung des Haushaltsplanes, samt der Zustimmung zur Höhe und zu der Verteilung der Provinzialumlagen. ferner gehören dazu die Genehmigung der Haushalte bet wirtschaftlichen Provinz-Unternehmungen (zur Zeit Wasserwerk Inheiden, äleberlandwerk Oberhessen), die Be- schlußfasiung über etwaigen weiteren Ausbau ber Werke, Inangriffnahme neuer wirtschaftlicher Aufgaben und die Bewilligung der erforderlichen Geldmittel und der Bedingungen für deren Beschaffung, die Zustimmung zu Strahen- neubauten bzw. -Unterhaltungen, die Festsetzung der Höhe der Provinzzuschusse zu Strahen- bauten und -Unterhaltungen der Kreise. Zu dem sozialen Gebiet der Provinz gehört zur Zeit die Unterhaltung der Provinzial-Pslegeanstalt mit Rentner- und Kinderheim in Dießen, eine weitere Aufgabe innerhalb dieses Rahmens sind Maßnahmen zur Förderung der Volksgesundheit und zur Bekämpfung von Seuchen (z. D. Mitarbeit bei der Tuberkulosebekämpfung, das Chemische älntersuchungäamt der Provinz Oberhessen, das für die ganze Provinz die amtliche Rah- rungsmittelkontrolle durchführt). DaS steuerliche Gebiet haben wir oben bei der Erwähnung der Provinzumlage schon gekennzeichnet. Auch um die Forderung des Verkehrswesens der Provinz bemüht sich die Provinzialverwaltrlng. Es sei 5.er nur erinnert an die Mitarbeit zur Verwirklichung der Lahnkanalisierung und an die bereits zur Tat gewordene Llnterstühung der Luftverkehrs- A°G. Oberhessen.
Die Ausgabe des Provinzialaus- s ch u s s e S ist es. im Zusammenwirken mit der Provinzialverwaltung die Beschlüsse des Provinzialtages durchzuführen, der Provinzialverwaltung bei der Führung der Provinz-älnter- nefjmunnen beratend zur Seite zu stehen, außerdem tellzunehmen an der Vorbereitung und Gestaltung der Vorlagen, die dem Provinzialtag zur Veschlutzsassung unterbreitet werden sollen. Ferner obliegt dem Provinzialausschutz die Mitwirkung und Veschlutzsassung in Verwaltungsstreitsachen. in denen er als Spruchinstanz ver- sassungsgemätz zu befinden hat. Die größte Arbeitslast liegt, der Ratur der Dinge entsprechend, nicht auf dem Provinzialtag, sondern auf Dem Provinzialausschuh.
Der Kreistag.
Jeder der Kreise wählt feinen Kreistag, ebenfalls in allgemeiner, gleicher, unmittelbarer und g e h e i m e r Wahl nach den Grundsätzen der VerhältniSwa hl. Auch die Kreistage werden nach dem neuen Wahlgesetz jetzt auf vier Jahre gewählt, statt bisher drei Jahre. Der Kreistag besteht bei einer Einwohnerzahl bis zu 50 000 auS 21, von 50 001 biS zu 60 000 aus 24, von 60 001 bis zu 70 000 aus 27, von 70 001 und mehr aus 30 KreiStaaSmitgliedern. In Oberhessen sind zu wählen: Kreis Gießen (99153 Einwohner =30 ÄreUtagfabgeorDnete, bisher deren 30); Kreis Friedberg (95838 Einwohner — 30 KreistagSabgeordnete. biSber deren 30); Kreis Alsfeld (37 747 Einwohner = 21 Kreistags» abgeordnete, bisher deren 21); Kreis Lauterbach (30 178 Einwohner = 21 KieiStagLa.g ordnete, bisher deren 21); Kreis Schotten (28 180 Einwohner — 21 KreiStagsabgeordnete, bisher deren 21); Kreis Büdingen (4391? Ein-
Er hielt die Finger Hermanns vorsichtig wie leicht zerbrechliche Pflänzlinge und blickte ihn an, als treffe er von ihm einen Rat haben.
„Du bist ein braver Mann, der Vater hat einmal gesagt: Heilig ist er nicht, aber ein Joseph, das heißt treu“, antwortete Hermann in glücklicher Eingebung.
Da zog der alte Gärtner den Rücken gerade und heftete die Augen auf den glatten gleißenden Strom, der zwischen den hellen Granitmauern dahinrollie.
Sein alter Schalkshumor brach durch, und er entgegnete:
„Ja, den heiligen Joseph Huben sie auch erst hinterher heilig gesprochen. Ich habe also noch Zeit. Ich gehe jetzt und trinke Elfenauer auf den F'sch- meister von Rheinau."
Dann gab er auch Engelhardt die wohlabgerie- bene Hand.
„Dreiundzwanzig Jahre, Herr Doktor, bas zählt", murmelte er, und bann auf einmal kurz, wie aus dem Hinterhalt: „Ich habe ben Schuß, der dem Italiener ein Loch in bie Haut gemacht hat, ins Blinde abgebrannt, ich weiß nicht wie, aber der Schrei, Herr Doktor, der Schrei — ich habe nicht gedacht, daß ein Mensch nach dem Schrei noch am Leben bleiben könnte!"
Engekbardt schüttelte ihm die hornige Hand und erwiderte heftig:
„Still, Joseph, ich komm' euch besuchen in Elfenau, und der da auch."
: Reiskirchen. 11.


