Ausgabe 
12.11.1925
 
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Rr. 266 Zweites Blatt

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefsen)

Dsnnerrrag, |2. November (625

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Persien und feine SchahmfHaHr.

Von Dr. Artasches A b e g h i a n.

Den letzten Berichten aus Teheran zufolge hat der Medscylis, d. h. das persische Parlament, am 1. November dieses Jahres soft einstimmig be­schlossen, den bisherigen Scyah Achmed Khan zu entthronen und die herrschende Dynastie der Stab* lcharen abzusetzen. Das Parlament hat weiter die provisorische Gewalt des LandesSeiner Hoheit" Ri fa Khan Pahlawi, dem bisherigen Mi- nisterpräsidenten, übertragen. Risa Khan wird nun als Regent die Zügel der Landesregierung weiter in seiner Hand behalten, bis die für die nächste Zeit tinberufefle, verfassunggebende Nationalver­sammlung die neue Regicrungsform Persiens beschlossen haben wird.

Durch dieses historische und noch andere zu er- coartende Ereignisse in Persien ist also das Land ber Schahinschahs wieder einmal zum Gegenstand eines allgemeinen Interesses geworden. Cs lohnt sich baher, einen Blick auf die Schicksalsgeschichte des persischen Volkes und die abgesetzte Kadschardynastie ;u werfen, wie auch kurz darzulegen, wer eigentlid) ber neue Schah Persiens Risa-Khan" ist.

Persien, das Land der Sonne und des Löwen, ist die einzige Großmacht des alten Orients, die doch durch den Lauf der Jahrtausende hin bis zur Gegen­wart ihre Selbständigkeit und Unabhängigkeit be­wahrt hat. Noch vor den Persern beherrschten den westlichen Teil des helitigen Iran die dem Perser- Tolt verwandten arischen Meder. Im 8. Jahrhundert x. Chr. gelangen sie zur großen Macht, bis sie in ler Mitte des 6. Jahrhunderts dem Perserkönig Kyros erlagen. Dieser war der eigentliche Gründer ter persischen Monarchie der Akemeniben, der ersten Dynastie des persischen Staates. Schon zu Kyros' Zeit gelangte Persien zum Rangs eines Weltreiches: Kyros eroberte das ganze Westasien und auch die Länder östlich von Iran bis zum Flusie des heutigen Syr-Daria in Turan. Unter seinen unmittelbaren Nachfolgern Kambyses und Darius I Masp wurden Persiens Grenzen noch mehr erweitert: bis Zentral- olien und Indien im Osten und bis zum Balkan im Westen. Auch die Lehre Zoroasters, die national« persische Religion jener Zeit, schlug tief Wurzel im Hierseroolk. Das hinderte jedoch nicht, daß die Alleinherrscher Persiens allen neueroberten Ländern unb Völkern in religiöser und nationaler Hinsicht vollste Freiheit gewährten. Von den ariechischen Historikern beschreibt am ausführlichsten Herodot die persischen Zuswnde unter den Rachfolaern der ersten Herrscher Persiens. Bei all seinen echt orientalisch- despotischen Zügen stellt doch das Reich des Darms ein musterhaftes Bild eines geordneten Staates des Altertums dar.

Aber auch diesem mächtigsten Perserreiche war nicht beschieden, dem siegreichen Vormarsch Alexanders des Großen Einhalt zu tun. Dieser wurde schon 3.30 ü. Ehr. zum Erben des persischen Riesenreiches. Als jedoch gleich nach dem Tobe Alexanders (323) auch fein Weltreich zerfiel, wurde Persien den Seleukiden, Den Herrschern Syriens, zuteil. Aber halb entriffen ihnen die Parther bie Machst über Persien. Die neuen Herrscher übernehmen auch den Titel desKönigs ber Könige". Im 3. Jahrhundert v. Chr. kam die Dynastie der Sasfaniden in Persien zur Herrschaft: auch die Zoroasterlehre wurde zur Staatsr^ligion gemacht. Die Sasfaniden führten fortwährend Kriege mit den Römern und später auch mit den Byzan­tinern. Schon in der ersten Mitte des 7. Jahrhun­derts erlagen sie den Arabern^ diese eroberten das Perserreich und brachten auch bald den Islam im ganzen Lande zur Herrschaft. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß die Schia-Sekte zur Nationalreligion der Perser wurde, während unter den meisten Völ­kern des Orients der mehr internationale Sunnismus verbreitet wurde. Später wurden die Seldschuken und die Mongolen zu Nachfolgern der Araber in Persien, bis wieder einmal die neue persische Dy­nastie der Sefawiden (14391722) ans Ruder kam. Die Herrscher dieser Dynastie waren es eben, die auef) zum erstenmal den Titel Schahinschah übernahmen: damit wollten sie ihre unmittelbare Flachfolgerschaft des alten Perserreiches betonen.

Die Sefawiden mußten jedoch ber neuen Kad - fcharendynastie, deren letzter Vertreter eben der jetzt abgesetzte Schah war Platz machen. Diese Dynastie war aber nicht persischer, sondern turkmenischer Herkunft. Auch die Dezeich- mingKadschar" ist ein turkmenisches Wort und tz-ißt derSchnellmarschierende". Zwar war die kadschardynastie fast völlig persifiziert, dennoch waren sie bei dem Perservolk unpopulär, ja un­beliebt, da sie eben einer fremden und, nach der Auffassung der Perser, niedrigeren Herkunft waren. Zur Regierungszeit ber Kabscharen war es auch, baß das einst mächtige Perserlond zu einem bebeu* t ungslosen Schattenreich wurde. Es war eigentlich nur dem Namen nach unabhängig. In der Tat aber

Heinrich Bechtolsheimer: Zwisäen RheinundDonnersberg

Bechtolsheimer, seit Jahren in Gießen an­sässig, ist den Lesern desGießener Anzeigers" fein Fremder. In einer stattlichen Reihe von Novellen und Erzählungen schildert er mit warmem Herzen und feinem Verständnis Land und Leute seiner rheinhessischen Heimat im Laufe ihrer so wechselvollen Geschickte. Eine seiner großen ErzählungenZwischen Rhein und Donnersberg' gibt der Deslag Emil Roth in Gießen soeben in zweiter Auf- läge neu heraus. Karl Bechtolsheimer, ein Bruder des Dichters, gibt dem Bande ein Geleitwort mit, das wir hierhcrstellen wollen als eine treffende Charakteristik von Persön­lichkeit und Werk Bechtolsheimers als eines echten Dolksdichters.

In der Südwestecke der Provinz Rheinhesisn d.'hnt sich ein reichgegliedertes, fruchtbares Gebiet aus. Gewundene Täler durchfurchen den Boden, tief­gründige Wiesen bringen Gras und Blumen in sel­tener Pracht, reiche Fluren tragen Korn und Weizen bie Fülle, aufstrebende Hügel lassen die Trauben reifen, freundliche Wälder geben Schatten und Kühle.

Und hinter der Sense, dem Pflug, der Hacke und der Axt steht ein Menschenschlag, der mit allen Kräften des Leibes und der Seele mit dem Boden verbunden ist, auf dem er wohnt, den er bearbeitet, us dem ihm immer wieder Stärke und Urwüchsig- kit zuströmen. So mannigfaltig wie die Fruchtart, die der Boden trägt, so mannigfaltig ist auch das Volksleben auf diesen ländlichen Fluren. Die Grund- legen seines Wachstums aber sind überall der Boden iiiw die Arbeit, die auf dem Boden geleistet werden muß. Die Arbeit kommt mit den Jahreszeiten, und mit der Arbeit kommen Brot und Wein, kommen aber auch Sang und Klang, Lust und Leid; aus

Dre Abnahme der WLitzen Raffe.

Das falsche Bild der lehren deatjchett E ne

Unterredung mit Professor Dr. GrsLjahn.

Das veröffentlichte vorläufige Eraebnis der Volkszählung in Deutschland ließ ein ziffernmäßiges Anwachsen des deutschen Vol­kes erkennen, so daß daraus der Schluß ge» zogen wurde, das deutsche Volk sei in der Vermehrung begriffen. Unsere Berliner Ver­tretung nahm deshalb Veranlasiung au einer Unterredung mit dem bekannten Bevölke- rungspolitikcr Professor Dr. Grotjahn vom Berliner Hygienische Institut über die be­völkerungspolitische Entwicklung Deutschlands im besonderen und die der weißen Rasse im allgemeinen. Dabei führte Prof. Grotjahn aus:

Noch liegen die endgültigen amtlichen Resul­tate der diesjährigen Volkszählung in Deutschland nicht vor, doch lasten die vorläufigen Zahlen eine anscheinende Zunahme dec deutschen Be- völkenmg sehen. Ich sage eineanscheinende" Zunahme.' Denn in Wirklichkeit ist das Gegen­teil der Fall: Wir haben ein Sinken der deut­schen Bevölkerungszifter zu verzeichnen. Wie kommt das? Und wie liegen die Dinge im einzelnen über­haupt? Zuerst möchte ich einmal eine grundsätzliche Feststellung machen: Die bevölkerungspolitische Ent­wicklung nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt hat mit dem Kriege und seinen Wirkungen, im Gegensatz au einem weitverbreiteten Glauben, nicht in dem entscheidenden Maße zu tun, wie man gewöhnlich vielfach denkt. Gewiß nahmen manche bevölkerungspolitischen Erscheinungen durch den Weltkrieg an Schärfe zu. Ausschlaggebend hat der Krieg auf bevölkerungspolitischem Gebiete jedoch nicht gewirkt. Was nun Deutschland betrifft, so sei folgendes bemerkt: Dir haben bei uns eine sehr niedrige Sterblichkeit. Diese ist jedoch nicht etwa aus einen besonders günstigen Gesundheits­zustand, sondern auf eine abnorme Besetzung Der Altersklassen in Deutschland zurückzu- führen. Wir haben im vergleich mit den mittleren und den höheren Jahrgäng-en viel zu wenig Kinder und Säuglinge, unter denen die Sterblichkeit bekanntlich besonders groß ist. Die ge­ringe Zahl der Minderjährigen bedingt also eine geringere Zahl der Sterbefälle, und zwar in eft* scl>eidendem Maße. In welchem Umfange die Sterb­lichkeit in Deutschland zurückgegangen ist, geht ft^en daraus hervor, daß im Jahre 1872: 2d Sterbefalle auf 1000 Lebendgeburten zu verzeichnen waren, 1930: 22, 1913: 15; 1924: 12,9. Das Nachlasten der Sterblichkeit als Folge des geradezu katastrophalen Geburtenrückganges zeigt sich feit der Jahrhundert­wende.

Seil dem Jahre 1900 hat der (ßebtictenrürfgann in Deutschland einen Umfang angenommen, daß wir keinerlei Anlaß haben, ehe französischen Zu­stände, die bekanntlich auf diesem Gebiete am traurigsten sind, zn belächeln.

Nock haben wir in Deutschland einen Ueberschuß von 40Ö 000 Geburten jährlich. Wie erschreckend sich die Tendenz zum Sinken neigt, zeigt sich allein in der Tatsache, daß es vor dem Kriege rund 800 000 mehr Geburten als Sterbefälle in Deutschland waren. Und die Statistik sagt auch hier erschreckend deutlich: 1872 waren es 40,6 Lebendgeburten auf das Tausend der Bevölkerung, 1900 : 35,6, 1913: 27,6 und 1924 nur noch 21,1 Lebendgeburten auf das Tausend. In den deutschen Großstädten ist der Geburtenrückgang noch weit stärker als auf dem Lande. Und in den großen Orten waren es im letzten Jahre nur 14,2 Geburten auf das Tausend und in Berlin sogar 1923 nur 9,5. Um den Nachwuchs eines Balkes zu sichern, müsten es aber bei einer durchschnittlichen Lebensdauer von fünfzig Jahren des einzelnen zwanzig Lebendgeburten sein.

So sieht man, in welch beängstigender Weife sich unser Volk im Rückgang befindet.

Das Ergebnis der Volkszählung, das uns vor­täuscht, wir wären ein wachsendes Volk, ist also ein Paradoxon. Es findet seine Erklärung einmal in der großen Zahl der Rückwanderer und dann in der Tatsache, daß ein erheblicher Teil der frühe­ren Generation im Alter etwa zwischen fünfzig und sechzig noch lebt. Was Deutschland erwartet, wenn diese Generation nicht mehr ist, zemt deutlich ein Blick auf b i e Leere unserer Schulen, der dann bald eine Leere auf dem Arbeits - und Heiratsmarkt folgen wird. Daß nicht der unglückliche Ausgang des Krieges an dem Ge- burtenrüdpang die Schuld trägt, beweist die Tat- fache, daß sich diese Erscheinung auch in denSieger- floaten" zeigt. Nebst Frankreich, das noch immer am stärksten unter dem Geburtenrückgang zu leiden hat, liegen die bevSlkerungspolitiscken Verhältnisse besonders für die Engländer besorgniserregend. Gab es dock; in England 192-1 nur 19,4 Leoenb- geburten auf das Tausend. Und auch in neutralen Ländern, wie in der Schweiz, findet sich der Ge- burtenrüefgang. Waren es doch in der Nordfckweiz im Jahre 1924 nur 19,6 Geburten. Sogar die Ver­einigten Staaten von Amerika haben einen starken Geburtenrückgang. So waren es 1922 23,1 und 1923 nur 22,8 Geburten mit der Tendenz zum weiteren Rückgang. So umfaßt die rückläufige Be­wegung den ganzen westlichen Kulturkreis, wo nicht nur die Mehrzahl, sondern vor ollem ber entschei» benbe Teil ber weißen Völker wohnt. Wie man er­kennt, ist also

dl- weiße Rasse In ständiger Abnahme begriffen. Die Ursache hierfür liegt in ber stets fortschreiten­den Aufklärung bermebemen" Menschheit über bie Mittel und Wege zur Derhinberung ber Ge­burten. Unsere Väter und Großväter waren viel zu sehr von religiösem Glauben erfüllt, als daß sie solche verhütungsmatznahmen angewandt hatten, sslbst wenn solche damals schon norhanben gewesen wären. Der Grund für die weite Verbreitung der Präventivmittel liegt hauvtsächlich in der egoistischen Weltauftafsung unserer &it. Eine Auftastung, die durch Die ungünstige Wirtschaftslage infolge bes Krieges noch erheblich verstärkt würbe. Jeboch war sie schon »eit früher vorhanden. Das Kinderzeugen wird heute hauptsächlich vom privatwirtschaftlichen, d. h. vom Standpunkt ber Crnöhruvgssrage aus beurteilt. Die FrageKönnen wir unsere Kinder ernähren?" stellt man sich übrigens nicht nur in ben sog.einfachen" Kreisen, sondern auch in den Familien, die man einst alsgut situiert" be­zeichnete.

Die Gefahr für bie weiße Menschheit kommt nun nicht von ber schwarzen, fonbem von ber gelben Rasse. Die schwarze Raste ist, besonders an den Küsten, im Abbröckeln begriffen. Diese meist primitiv denkenden Menschen gelten bei ihrem Zu­sammentreffen mit den Weißen und ihren moder­nen Errungenschaften zugrunde. Ganz anders die gelbe Raste. Sie hat nicht nur eine ungeheure Der- oreitung, sondern i h r Nachwuchs ist auch völlig gesichert. Dazu sind diese Menschen ebenso anspruchslos wie anpassungsfähig. Es ist also für die weißen Völker und insbesondere fiir Deutsch- land an ber Zeit, schnellstens Gesetze zum Schutze ber Kinderreichen zu schaffen. In Deutschland etwa derart, daß auf dem Wege ber Sozialversicherung bie Kinderarmen und Kinder­losen zu Abgaben für die Kinderreichen heran- gezogen werden. Auch in ber Devölkerungspolittk §flt ja der Satz, daß die Erkenntnis einer Gefahr egleitet sein muß von ben Maßnahmen zu ihrer Abwendung.

stellte es eine Einflußsphäre Englands und Ruß­lands bar.

Unter ben Schahinschahs der Kadscharen-Dn- naftie ist in ber zweiten Hälfte bes 19. Jahrhunderts namentlich Nafr-Eddin, der Urgroßvater des abge» ätzten Schahs, zu nennen. Fast ein halbes Jahr­hundert dauerte seine Regierungsperiode. Nasr-Eddin hatte mehrere Male Reisen nach Europa unter­nommen und führte auch manche Reformen in sei­nem Lande ein; eben deshalb liebte ihn auch bie fanatische Geistlichkeit nicht. Er wurde in einer Mo­schee von einem verkleideten Verschwörer ermordet. Zur Regierungszeit Musaffer-Eddins (18961907) brach in Persien Revolution aus und der Despot- Sckah war gezwungen, dem Lande eine Verfassung und ein Parlament zu neben. Sein Nachfolger Mu- Hamed-Ali war ein edjt orientalischer Despot und

Boden und Arbeit strömt ein großes Maß von Ge­müt, Poesie, Regsamkeit und Charakterstärke, ge­tragen von der Nervenkraft eines noch gesunden, lebens- und tatenfrohen Volksstammes.

2Uif diesem Boden und unter diesen Menschen wuchsen wir heran, mit ihnen leben und fühlen wir. Aus dem Heimatborn svrudelt uns immer neue Straft, sofern wir aufmerksam lauschen.

Dieses Lauschen versteht am besten mein Bruder. Wie war es doch? Da schleicht ein junger Gym­nasiast hin zu den Alten unter dem Lindenbaum und auf ber Torbank unb läßt sich berichten aus ber Väter Tagen. Den alten Maurer Saß hat er noch auf ben Stock gestützt burch ben Hof sehen sehen, ben Mann, ber unter Napoleon I. Soldat war. Sein Sohn Anton hat bem Knaben erzählt, wie ber Vater einst nach Lyon unb weiter nach Spanien hinein in ben Stampf gezogen ist. Den alten Dieterich-Peter laßt er auch nicht in Ruhe. Als Siebenjähriger hat bieser bas Jahr 1813 erlebt, was er aus dieser Zeit im Gedächtnis bewahrte, mußte er immer und immer roiaber erzählen. Bei einem Freunde lagen aus Urgroßvaters Tagen alte französische Kaufakten, die wurden durchstöbert, übersetzt unb gedeutet. In anberen Familien wurden Nachforschungen ange­stellt, in späteren Jahren kam bas Studium ber Lite­ratur unb ber Bestaube ber Archive hinzu.

In mehreren historischen Schriften würben bie Ergebnisse bieser Forschung niebergelegt. Klar unb immer klarer, lebensfroh unb lebenswahr, stark und männlich standen bem Suchenden bie Men­schen ber Heimat unb jenes wichtige Stück rheinisch- pfälzischer Vergangenheit vor Augen.

Unb was er erlebt unb geschaut, bas alles fügt sich über ihm zu einem Bilde der Zeit, die er uns in schlichter, einfacher, lebenswahrer Form schildert. Es verdichtet sich in den drei BändenZwischen Rhein und Donnersberg",Das Hungerjahr" und Geschichten aus der Pfalz und ihrer Nachbarschaft",

dabei auch ein Werkzeug ber russischen Zarenpolitik. Er mußte unter bem Zwang seines Volkes auf ben Thron verzichten.

Die Jahre bes Weltkrieges waren zwar auch für Persien recht schwere unb unglückliche, aber bennoch begann gleich nach bem Kriegsenbe eine neue Pe- riobe ber persischen Geschichte: bie Periobe ber Wiedererstarkung des uralten persischen Staatswesens und die Wiedergeburt dieses alten ari- schen Kulturvolkes des Orients. Der Lenker der neuesten persischen Geschichte ist eben kein anderer als Risa-Khan, ber werdende Schahinschah Persiens, des Landes der Sonne unb bes Löwcn. Denn es unterliegt keinem Zweifel, baß bie parsische Nationalversammlung auch Rfta-Khan Pahlawi zum neuen Schah wählen unb somit auch roieber eine e ch t persische Dynastie gründen wird.

ein weiterer Band wird sich unter dem TitelRhei­nisches Land unb rheinische Leute" anfügen. Als bie beiden ersten dieser Bücher erschienen, hörte man nicht mehr recht auf die Geister ber Heimat. Die Mode wies andere Wege. Trotzdem fanden diese Heimatbücher viele Tausende von Lesern links und rechts des Rheines. In Bauernstuben und in den Arbeitszimmern der Gelehrten, der Richter und Leh­rer, auf der Werkbank, bei Männern und Frauen, bei alt und jung sanden sie gute Ausnahme. Wie kam das? Die schlichten Vorgänge unserer Heimat stellen bas typische Geschick des ganzen pfälzisch- hessischen Gebietes dar, ja des ganzen alten Zeit­alters unb nahmen baburch jeben gefangen, in bem das Verständnis für wahres Volkstum noch nicht erloschen ist.

Unterdessen ist es in unserem Heimatlande anders geworden. Noch lacht draußen die Sonne mild wie in unserer Väter Tagen, noch spielen ihre Lichter auf den goldgrünen Mattern ber Reben, noch liegt blauer Duft über den Bergen und auf den Wiesen im Tale, und doch ist es anders geworben. Unser Volk ist in Not. Not aber führt zurück zur Scholle, auf bie man gestellt ist, kettet an die Menschen, unter denen wir leben, lenkt hin zur Geschichte des Volkes, macht seßhaft, stammestreu und bodenecht.

In dieser Zeit erscheintZwischen Rhein unb Donnersberg" in neuer Auflage. Das Buch wird auch diesmal feine Mission erfüllen. Zu den alten Freunden werben sich neue gesellen. Den Weg bazu hat ber Verlag bereitet, indem er bem Buche eine würdige Ausstattung gab.

Altromische Falschmünzer.

Bei ben alten Romern war bas Münzfälfchen verhältnismäßig leicht, ba ben Münzen ein gleich- mäßiger geriffelter Rand fehlte unb bie Präguna mit dem Münzstempel oft undeutlich war. Der Fäl- scher brauchte nur eine Münze m den weichen Ton

Äer ist also Riia-Khan? Wie ist er zum Vshn- brecher des neuen Terpen geworben?

Für ^osteuropäische Deihältnisie scheint es fast unglaublich zu jein, wenn ich sage, beß ber neue tz^chcch Persiens, Risa Khan, eia Stenn aus bem Lol.'e ist, er stammt in ber Tat aus em er armen Familie. Fast ohne jegliche Bildung begann er feine Karriere als einfacher Soldat in ber persischen Ko- fafenbrifiabc, beren Instrukteure russische Offiziere waren. Nack kurzer Zeit wurde er zum Mange eures Offiziers erhoben. Im Besitze eines ungewöhnlichen starken Willens, als guter Patriot unb b-ficr Kenner seines Landes und Volkes, machte Risa-Khan außer­ordentlich rasch- Fortschritte. Er stano an ber Spche ber Kosakenbrigade, die im Februar 1S2i einen Re- gierungrumsturz in Teheran herbeiführt? 3alb bar« auf wurde Rfta-Khan Kriegbminister, zugl-ich auch Oberbefehlshaber der persischen Streitkräfte. 2Hs solcher wurde er auch unter dem Namen Sirbtr Sipuh bekannt. Er wurde nach »und nach Aum ein­flußreichsten Mann bes Landes. Im He. ast 1923 stürzte er bie derzeitige Regierung und bildete selbst eine neue, indem er auch das Ressort des Krieas- Ministeriums behielt. Das geschah gegen ben Nil cn bes jungen Sch-Hs unb ber Hofleuto, aber bas Land unterstützte ihn. Risa-Khan ro.ir tatsächlich schon zum Diktator Irans geworben. Der Schah mußte gleich bnrauf nach bem Auslands gehen, wo er sich gänzlich bem Vergnügen hingab. Er lebt in Paris unb an ber Riviera unb hat'weder Lust noch ver- ftänbnis für die Regierunasaeschäfte seines Landes. Schon in ben letzten fünf Jahren, seitdem "lso Risa- Khan Kriegsminftter, unb namentlich in ben letzten zwei Jahren, feiibem er ber Diktator des Landes tft, gehört auch die reelle Macht biesem Mann. Sr'-ion Anfang 1914 versuchte Risa-Khan durch einen neiym Staatsstreich die Monarchie abzuschaffen, in Persien

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für die Somstagsnummer Mnnen nur vis $reit«g vormittags verbindlich angenommen werde«, yweckrs wirksamer Sotzausftattung erfolgen SefteEungen zrveckrmüsssig bereits im teufe des Donnerstags

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bie republikanische Staatsform einzu­führen unb auch felecr zu deren Präsident«, zu werben; er fand aber damals seitens der Geistlich­keit, bie in Persien eine ungeheuer große Macht besitzt, wie auch seitens der realttvnären Kreise einen hesttaon Widerstand. Es schien sogar eine kurze Zeit, als sei die Stelluna Risa-Khans erschüttert. Aber dieser Mann verstand die Situation, verzichtete auf die Verwirklichung der republikanischen Idee unb blieb weiter in seiner Rolle bes tatfachlichen Allein­herrschers von Persien. Doch mit all seinen Hand­lungen bereitete er ben letzten Umsturz in Persien vor.

Persien erlebt gegenwärtig, um in einem Word bas Wesen feines Entwicklungsprozesses zu charak­terisieren, bie historische Periobe eines lieber- « a n g e 5 vom Mittelalter in bie neue Zeit, vom Feudalismus in bie bürgerliche Gesell­schaftsordnung, von ber Natural- zur Geldwirtschiftt. Risa-Khan ist eben ber tatkräftige Mann, der mitten in diesem Entwicklungsprozeß steht unb ihn auch im Rahmen der objekttoen Möglichkeit leitet. Er hat »or allem die alte untaugliche Armee abgeschafft unb eine neue gut disziplinierte Armee geschaffen. Ge­stützt auf sie, hat Risa-Khan die Macht der unzähligen Khans ober Feubalen beseitigt unb die ber Zentral­regierung befestigt. Er hat auch bie vielen Stammes« fürften ber räuberischen Nomaden sich unterwerfen. Bei all feiner Reformtätigkeit wurde Risa-Khan von dem ^Bauerntum und namentlich von ber Bürger­schaft tatkräftig unterstützt. Risa-Khan hat auch in bem Gebiet ber wirtschaftlichen Neuerung viel geleistet. Persien, bas dreimal so groß ist als Deutschland, aber nur 910 Millionen Einwvitzier zählt, steht eben vor einem neuen Leben. Schon am ersten Tage des Umsturzes hat er die Losung ge­geben: Arbeit unb nicht Schauspiel. Er hat durch ein Dekret bie Schließung aller Spiel- Häuser unb aller Branntweinschenken angeordnet. In leinen Ansprachen bei ben ersten Empfängen von Abordnungen sagte ber neue Regent, er werbe sofort großzügige Maßnahmen ergreifen, um bie Lage des Landes zu uerbeffern. Seine bisherige Laufbahn ist eine Garantie befür.

einzubrücken, um eine brauchbare Matrize zu er- halten, unb legte er bann zwei solcher Tonscheiben aufeinanber, so erhiel er eine geeignete Gutzform. Um mehrere Stücke auf einmal herzustellen, brauchte er eine Anzahl solcher Guhsormen aufeinander zu legen, daß ein Gießloch entstand. Durch das Aiftein- anberlegen von mehreren Matrizen bildeten biese GußlLcher einen Kanal, burch ben bar Metall ge­gossen wurde. Man glaubte früher, baß die zahl­reichen derartigen Gußformen, die nur in den römi­schen Provinzen, nicht im eigentlichen Italien ge­funden wurden, zur offiziellen Münzfabrikation dien­ten. Neueste Funde aber beweisen, baß es sich hier tatsächlich unb stets um bie Arbeit von Falschmün­zern handelt. Ein neuer Fund von Kastel macht mit zwei neuen Typen van Gußformep bekannt, nämlich mit viereckigen Tonplättchen, auf Denen vier durch Kanäle verbundene Münzmattizen sichtbar sind, und mehr birnenförmigen Plättchen mit vier ober fünf Münzabdrucken. Es kann sich hier nur um eine Falfchmünzerwerkstätte handeln, denn eine statt­liche Herstellung durch den Guß wird nie ermähnt. Außerdem sind oft abgegriffene Münzen zur Her­stellung der Matrize verwendet, was in einem Staatsbetrieb niemals vorgekommen wäre, und in ben Gußformen wurden im dritten Jahrhundert Münzen des ersten nachgegosien, was offiziell nie ge­schehen märe. Eine wichtige Ergänzung erhält der Kafteler Fund durch etwa 260 Sußsormen unb viele Bruchstücke, bie nahe bem Kastell Rißtissen zutage traten. Es sind runde Tonplättchen »on 2? bl» 25 Millimeter Durchmesser und 3 bis 5 Millimeter Dicke, bie ben Abdruck »on Silbermünzen tragen. Eine dabei gefundene Gußprobe zeigte die gewähn- liche Legierung der Kupfermünzen Des 3. Jehrhun- berts, nämlich etwa 78 Proz. Rupfer, 10 Proz. Blei, 8 Proz. Zinn, 1 Proz. Zink. Die hier aufgefundene Falschmünzerwerkstiite wurde ums Jahr 218 nach Chr. betrieben. D.