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12.9.1925
 
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Samstag, 12. September (925

IT 5. Jahrgang

Nr. 214 Lrftes Blatt (l>

GietzeimAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Dnitf unö Derlag; vrühl'Ich« UnioerfitStr^vuch- und Steinbruderei R. lange in Sietzen. SchnflleiNing tinö Seschästrftelle: Schnlftratze 7.

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Deutsche Grenzmark im Südosten.

So schwer auch die Folgen des verlorenen Krieges und die Auswirkungen der Verträge von Versailles und St. Germain auf uns lasten, eine gute Seite wenigstens hat diese Zeit bitterster Not doch gehabt: dle ungeheure Stärkung des voll» lichen Zusammengehörigkeitsgefühls der Deutschen aller Stämme und Gaue. Die während des Krieges schon ihrer Besitzungen beraubte», von Haus und Hof vertriebenen, ins Reich zuruckjlutenden Ausland» deutschen und die nach dem Kriege von den Sieger» staaten oorgenommenc Neueinteilung der mittel» europäischen Landkarte brachte erst allen Kreisen des Mutterlandes die Erkenntnis von der hohen politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Beden» tung des Auslanddeutschtums. Als Verteidiger deut­scher Kultur und deutschen Volkstums gegen die seit dem unglücklichen Kriegsausgang mit verstärkter Energie und Zähigkeit ausgenommenen Expansions» bestrebungen fremdstämmiger Nachbarn fällt dem Grenzlanddeutschtum eine besonders be­deutsame Rolle zu. In Nord und Süd, in West und Oft, gegen Dänen, Polen, Tschechen, Slowenen, Italiener und Franzosen führt das Grenzland- deutfchtum einen erbitterten Kampf um seine Exi­stenz, um Behauptung feines durch die Sieger- floaten auf die innere Linie zurückgedränglen Volks- tum». Mit dieser bedrängten Lage des Grenz- und Auslanddeutfchturns trifft zusammen eine erhöhte Pflege des oolklichen Gedankens durch Organifa- tionen wie der Verein für das Deu t f ch t u m im Ausland und der Deutsche Schutz­bund für das Grenz- und Ausland- d e u t f ch t u m , die mit ihrer Aufklärungsarbeit mehr und mehr ganz Deutschland umfassen und in ihre Hilfotätigkeit für die bedrohten Grenzlande und die schwer ringenden deutschen Minderheiten im Auslande einstellen. Tagungen, wie die dies­jährigen in St u f ft c l n und Münster, zeigen den Widerhall, den der Weckruf dieser Vereine bei allen Volksgenossen gesunden hat.

Dem gleichen Zweck der Mahnung und Auf­klärung dienen auch die Veranstaltungen, die in diesen Tagen Steierer und Kärntner nach Gießen geführt haben.. Beider Heimat, an der feit Jahrhunderten hart umstrittenen Südostecke des deutschen Volksgebiets, ist schwer bedrängte Grenz- mark geaen das neuaefchaffene Königreich der Serben, Kroaten itnb Slowenen (Jugoslawen), das felbft innerhalb feiner Grenzen eine deutsche Min­derheit von mehr als 700 000 Köpfen aufweist, von denen ein beträchtlicher Prozentsatz auf die beut- fchen Alpenländer im heutigen Slowenien entfällt, lieber Kärntens Befreiungskampf gegen die in das Land cingcbrungcncn Südflaven und den glänzenden Abstimmungssieg vom 10.Okto- bre 1920 wurde hier erst kürzlich berichtet, ebenso über das traurige Schicksal, das Italien dem ehe­mals karntnerischen Tarvis bereitet hat. Unser ganzes Interesse erfordert aber auch die Lage der Deutschen in Slowenien, jenem volk- lich uneinheitlichen Durchgangsland zu beiden Seiten der oberen Sau, dessen slowenischer Beoöl- ferungsteil das geschlossene deutsche Sprachgebiet von der Adria trennt.

Die Slowenen haben jahrhundertelang zum Deutschen Reiche gehört und sich unter deutscher Führung zu einem Kulturvolk entwickelt, dessen wirtschaftliche Interessen nach dem deutschen Volks- gebiet tendierten und das feinen natürlichen Gegner in Italien sah, bei dem es schroffste Zurück- Weisung seiner Ansprüche auf einen Zugang zum Meer und Verachtung seiner oolklichen Eigenart fand. Das wurde auch nicht anders, als die Slo­wenen, auf WilsonsSelbstbestimmungsrecht der kleinen Völker" pochend, nach dem Zerfall der Donaumonarchie einen Teil der Adriaküste, ein­schließlich Triests, für sich beanspruchten. Italien setzte im Frieden von St. Germain die Abschließung Sloweniens vom Meere und die Verlegung der italienischen Grenze auf die Wasserscheide durch. Damit wurden wirtschaftlich wertvolle slowenische Sprachgebiete Italien einverleibt.

Die Ausdehnun, der Im Süden somit Italien einen Riegel vorgeschoben hatte, suchten die Slo­wenen nun imNorden gegen das, durch die poli- tische und militärische Katastrophe des Habsburger- reiches im Augenblick topf» und führerlose Deutschtum in Kärnten und der Steter- mark mit Gewalt durchzusetzen. Noch während der Friedensverhandlungen überschwemmten slo» wenische Horden die deutsche Sprachinseln jen- seit» der julischen Alpen und der Karawanken und begannen hier einen Verwüstungsfeldzua ohne­gleichen gegen die deutsche Kultur, der sie selbst ihr Bestes verdanken. In Unterfämten griff die deutsche Bevölkerung zu den Waffen, vertrieb die Eindring­linge und erntete mit der von der Friedenskonfe­renz bewilligten Volksabstimmung auch den Lohn der mutigen Befreiungstat. Das kärnttierifche Miß- tal und die ganze südliche Steiermark fiel an Iugo- slovien. Slowenien, das ja selbst eine starke Irre- denta innerhalb der italienischen Grenzen hat, unternahm nach diesem leichten Siege nichts, um die ihm zugesprochene deutsche Minderheit mit dem neuen Staat auszusöhnen. Im Gegenteil, von Lai­bach her, dem Zentrum des slowenischen Natio­nalismus, setzte eine planmäßige Ausrottung deutschen Volkstums und rücksichtslose Slo- wenisierung allen deutschen Kulturbodens ein. Nur in Polen ist heute der Deutsche so rechllos wie in Slowenien. Die bescheidenen Minderheitsrechte, die die Belgrader Zentralregierung den Fremdvölkern gewährte, wurden von Laibach aus laboriert. Deutschenausweisungen, Schließung von deutschen Schulen. Ausrottung der deutschen Sprache im öffentlichen Leden, Abdrängung der Deutschen aus den Gemeindevertretungen und Behörden. Vernich­tung der deutschen Preste und was sonst die Slo-

Die Konferenz der Außenminister.

Li >e Vorbesprechung StresemannsmitBriand?

Berlin. 12. Sept. DerLokalanzeiger" meldet auS Genf: In Dölkerbundlreisen, die über Pariser Dinge gut unterrichtet zu sein pflegen. laufen ganz positive Gerüchte um, nach denen eine private Zusammenkunft un­ter vier Augen zwischen Driand und dem deutschen Außenminister D r. Stresemann der offiziellen Ministerkonferenz in Lausanne oder Como vorangehen werde. Vielfach glaubt man hierin den Schlüssel für die überraschende Tatsache sehen zu dürfen, daß Paris damit einverstanden ist. die offizielle Ein­ladung nicht an den deutschen Außenminister zu senden und sich mit dem Erscheinen meh­rerer deutscher'Minister in Lausanne abgefunden hat.

Zu der halbamtlichen Mitteilung, daß in Berlin über die Absichten der alliierten Negie­rungen in der Frage der Fortsetzung der Der- Handlungen über den Sicherheitspart nichts be­kannt sei, und daß keine Einladung in irgend­einer Form in Berlin vorliege, bemerEt das Berliner Tageblatt", daß überhaupt die gegen­wärtige Entwicklung in Gens ohne jede deutsche Einwirkung, dafür aber unter um so nachdrücklicherer Einwirkung der Polen und Tschechoslowaken vor sich gehe. Die Gesamtsituation habe sich nach Meinung des Blattes in den letzten Tagen für die deutsche Regierung nicht gebessert. Die Polen und Tschechoslowaken haben durchgeseht, daß sie an der Konferenz teilnehmen. Man verklausuliert die Tellnahme einstweilen noch, indem man sagt, daß sie natürlich nur für die Dinge herangezogen werden, die ste unmittelbar angehen. Aber die ganze Konferenz erhält da­durch einen anderen Charakter und die Sachlichkeit der Besprechungen wird durch diese Hinzuziehung nicht gefördert.

Rach einer Meldung desJournal Üe Ge- nebe bestätigt sich die Nachricht, daß die dor- geschlagene Ministerkonferenz wahrscheinlich in der ersten Hälfte des Oktober in der Schweiz abgehalten wird. Die Teilnahme Ita­liens am Sicherheitspakt selbst gelte noch als problematisch, obwohl man glaube, daß die von der italienischen Regierung erwartete Antwort bejahend auSsallen werde. Denesch und Skr- z h n s k i würden zur Ministerkonferenz hinzu- gezogen. Ser deutsch-polnische und der deutsch- tschechoslowakische Schicdsvertrag sollten parallel und gleichzeitig mit dem Rheinpakt verhandelt werden. Offiziell würden jedoch Benesch und Skrzhnski nur an den Beratungen über die Ostfrage leilnehmcn. Das Blatt glaubt schließ­lich darüber unterrichtet zu sein, daß die deut­sche Delegation aus dem Reichskanzler Dr. Luther, dem ReichSaußenminister Dr. E t r e s e- mann und dem Innenminister Schiele be­stehen werde

Die Stellung Italiens.

London, 11. Sept. (WTB.) Der römische Berichterstatter desDaily Telegraph" schreibt, Italien werde feine Tlnterschrist unter einen eventuellen Pakt setzen, aber der Wert der zukünftigen Konvention zwischen den Alliierten und Deutschland werde als erheblich beein­trächtigt angesehen durch die Natur des neu vorgefchlagenen Pattes, der nicht genau das sei, was Italien oder vielmehr Mussolini vorge­schlagen hatte. Der geplante Patt laufe nur auf eine neue Form der rheinischen Kon­vention hinaus, die Juristen in London hatten sich nur mit einem beschränkten Programm infolge der Haltung Grohbrllanniens befassen können, den Standpuntt Großbritanniens und seiner Ga­rantien streng zu beschränken auf die Fragen zwischen Frankreich und Deutschland um die Rheinlandgrenze. Italien selbst wolle auch nur eine beschränkte Verpflichtung im Falle eines

Konfliktes übernehmen, well es keine direkten Grenzen mit Deutschland habe. 68 wird ferner erklärt, daß eine beschränkte Garantie Italiens von den Alliierten anerkannt werde, wodurch der vvrgeschlagene Pakt auf eine we n i g mehr als moralische Bindung hinauslaufe. In Rom werde die Haltung Großbritanniens, von dem Patt jede positive Garantie für Polen und die Tschechoslowakei a u ß - zuschließen, gebilligt.

Das Genfer Protokoll.

Genf, 11. Sept. (Wolff.) In der heutigen Bormittagssitzung der Völkerbundsversammlung sprach als erster Redner

der schweizerische Bundesrat Motta.

Er wies zunächst darauf hin, daß man lange Zeit in dem Völkerbund einen Bund der Sieger­staaten gesehen habe. Heute sei aber eine Umbil­dung der Geister und der Gewissen überall feft- zustellen. Die Völkerbundsversammlung habe sich bei der Annahme des Genfer Protokolls im vori­gen Jahr daraus beschräntt, daß das Protokoll Den Regierungen mit der Empfehlung zugeleitet werden sollte, es der energischsten Erwägung zu unterziehen. Ohne diese Vorbehalte wäre das Genfer Protokoll von der letztjährigen Dölker- bundsversammlung nicht ohne Enthaltungen an­genommen worden, ja es hätte sich sogar viel­leicht Opposition in der Dölkerbundsver- sammlung gezeigt. Die Idee der Schieds­gerichtsbarkeit beseele den Dölkerbunds- pakt, und die Einrichtung des internationalen Schiedsgerichtshofes sei der beste Beweis dafür. Mit dem gegenwärtig zur Verhandlung stehen­den Sicherheitspakt zwischen Deutschland unD seinen ehemaligen Feinden werde ein be­merkenswerter Versuch zur Einführung schieds­gerichtlicher Entscheidung gemacht. Die Schweiz sei mit Dänemark und Portugal im Jahre 1920 der erste Staat gewesen, der die

obligatorische Rechtsprechung des internatto- t-alen Gerichtshöfe- tm Haag

anerkannt habe. Seither seien zahlreiche andere Staaten diesem Beispiel gefolgt.

Er erinnerte ferner an die Tatsache, daß die Schweiz in den letzten Jahren eine Reihe von Schiedsverträgen geschlossen habe, wobei Motta besonders auch den zwischen der Schweiz und Deutschland im Jahre 1921 abgeschlossenen Schiedsvertrag als Musterbeispiel erwähnte. Seither habe die Schweiz auch mit Italien, Frankreich, Belgien und Polen ähnliche Verträge abgeschlossen. Wenn allgemein zwischen den Nachbarstaaten analoge Verträge abgeschlos­sen würden, so würde sich bald ein ganzes Netz von Schiedsverträgen über Europa spannen und den Gedanken der obligatorischen Schiedsverträge zum Triumph sühren. Die Schweizer Regierung sei bereit, nach Ablauf der ersten fünfjährigen Frist die Anerkennung der obligatorischen Recht­sprechung des internationalen Gerichtshofes im Haag für weitere zehn Iahe zu erneuern, und hoffe, daß andere Staaten, die sich der obli­gatorischen Rechtsprechung unterworfen haben, dasselbe tun werden.

Der polnische Außenminister Skrzhnski stellte die Forderung auf, daß der Geist des Genfer Protokolls alle weitere ähnliche Abkom­men beleben müsse. Das Problem der Sicher­heit müsse gelöst werden. Seine Lösung sei die Voraussetzung für jede Abrüstung und die Schiedsgerichtsbarkeit, die Polen grund­sätzlich immer anerkannt habe, und es dürften in keiner Weise die bestehenden Verträge berührt werden.

Tang Tsai-frou (China)

lenfte Die Aufmerksamkeit der Versammlung auf Artikel 19 des Völkerbunds pattes und betonte, Daß auch China unter dem Regime einer Reihe von Verträgen stehe, die veraltet sind und revidiert werden sollten. Er schilderte im einzelnen Die Vorrechte frenxDer Mächte in China auf Dem Gebiete

Der Rechtsprechung und deS Handeln unD betonte. Daß Die inneren Verhältnisse China s sich gewaltig geänDert haben, und daß dement­sprechend die Verträge mit China auf einen Stand gebracht werden müßten. Der Den heutigen Auffassungen über Das internationale Recht ent­spricht. Bisher seien leiDer alle Versuch.' Chinas zu einer Abä nDerung Dieser Verträge zu gelangen, so in Versailles und in Washington, ergebnislos geblieben. Die UnzusrieDenheit Deß chinesischen Volkes gegenüber diesen Ver­trägen sei keineswegs künstlich erzeugt, Denn China habe Das konservativste Volk Der Welt und wünsche eine freunDschastliche Regelung feiner Beziehungen zu Den fremden Mächten. Der Der- treter Chinas schloß mit einem eindringlichen Appell an den Völkerbund, daß dieser Dafür sorge, daß China endlich fein Recht zuerteilt wird.

In der Rachmittagssiyung lobt

der niederländische Delegierte Loudon den unleugbaren Takt, den der Rat in der Be­handlung schwieriger Fragen, -. D in Der von OH u ff o l unD Danzig bewiesen habe. Seine besondere Anerkennung galt Den Mandats- Mächten, die Die ihnen übertragenen Gebiete im Geiste des Völkerbundes ver­waltet hatten. Das Genser Protokolt sei nicht tot, e s schlummere nur. Es sei augen­scheinlich, daß der Geist des Protokolls Die Re­gierungen bei ihren Handlungen beeinflusse. Der Vertreter Columbiens tritt für eine Demo­kratisierung des Völkerbundes ein. Dann sprach, von starkem Beifall begrüßt,

Paul Boncour.

Seine Rede ist eine begeisterte Rechtfertigung des Genfer Protokolls. Er legte besonderen Nachdruck darauf, daß das Genfer Protokoll den Volkerbundpakt präziser und wirksamer ge­staltet habe. Zwei Bestimmungen des Protokolls seien bereits im Pakt grundsätzlich enthalten. Gr wandte sich an Chamberlain und lobt ihn für seine klare Darstellung Der Entwickelung der englischen Verfassung, die sich nicht planmäßig nach logischen Prinzipien, sondern von Fair au Fair den gegebenen Verhältnis­sen entsprechend herausgebildet habe. Er empfiehlt für den Völkerbund einen ähnlichen Gang Der Entwickelung. Die größte Hoffnung Der Volker sei die Entwaffnung, aber Diese könne nicht eher verwirllicht werden, als bis das Sicherheitsproblem gelöst sei. Diese Sicherheit ihrerseits beruhe auf dem Schiedsgerichtsvertrag, daher müsse die Reihenfolge sein: Schiedsgericht, Sicherheit, Ent­waffnung. Der Völkerbund müsse seine beson­dere technische Organisation zum Studium der Entwaffnungsfrage ins Leben rufen, dies sei eine der heikelsten und schwierigsten Ausgaben, die er zu lösen habe. Unter rauschendem Beifall ver­läßt Boncourt die Tribüne.

Türkischer Vormarsch gegen den Irak.

Berlin, 12. Sept. Die Genfer Presse meldet aus Bagdad, daß die Türken 40 000 Soldaten mit Flugzeugen und schwerer Artillerie an der 2 rak- grenze zusammengezogen haben, klei­nere Iruppenabtcilungen sollen bereits die vom Völkerbund sestgesehte Demorkalionsgrenze über­schritten haben, von türkischer Seite wird diese Nachricht als Tendenzmeldung bezeichnet, doch ver­hehlen die Türken nicht, daß die Lage im nahen Osten sehr er n ff werden kann, wenn der Rat in der IHoffulfraqe nicht bald eine Entscheidung trifft, die den türkischen Wünschen gerecht wird. In letzter Zeit sind Verhandlungen zwischen der Sowjetunion und der Türkei im Gange über eine eventuelle Meberelnffimmunq in Fragen des nahen Ostens. Der türkische Bevollmächtigte in Moskau, Sekki Bet), hateine Reihe von Be­sprechungen mit Litwinow gehabt, der die Unterstützung der türkischen Forderungen in Mosiul zusicherte. Als Ergebnis dieser Besprechungen ist Der Beschluß auszusassen, in keinem Halle die Er­richtung einer englischen Basis im Schwarzen Meer zuzulassen.

roenen an Unterdrückungsmaßnahmen ihren italie­nischen Lehrmeistern abgeguckt Haden, gehen parallel einer planmäßigen slowenischen Kulturpropaganda in allen Zweigen des öffentlichen Lebens. Slowe­nische Firmenschilder, slowenische Zeitungen, slowe­nische Schulen, slowenische Theater sollen die ver­drängte deutsche Kultur ersetzen. Einern wütenden Zerstörungsfeldzug fiel vor wenig Jahren das blühende deutsche Bercinswesen dieser ehemals karntnerischen und steierischen Gebiete zum Opfer. Alle Ortsgruppen und Unteroerbände, die ihren Hauptsiy in Oesterrreich oder im Deutschen Reich hatten, wurden aufgelöst, so die desDeutschen und Oesterreichifchen Alpenoereins", dessen Hütten vom Slowenischen Alpenvereinübernommen" wurden. Unter Scheingründen durchsichtigster Art wurden dann auch die deutschen GeieUigkeirs-, Musik-, Turn- und Sportvereine beseitigt. Das Dereinsoer- mögen wurde vielfach den deutschen Eigentümern geraubt, um als Fonds für neugegründete sloweni­sche Vereine zu dienen. Die Unterdrückung des Deutschtums in Slowenien, einem Lande, besten kulturelle Oberschicht seit vielen Jahrhunderten fern» deutsch ist, ist Der blutigste Hohn auf das Selbst-, bestimmungsrecht der Völker- und die vom Völker­bund verkündete Aera des Friedens und der Ge­rechtigkeit. Auf Gnade und Ungnade sind die Deut»

| >'chen in Slowenien dem brutalen slowenischen Chauvinismus ausgesetzt. Halt in ihrem verzwei-

| feiten Kampf um ihr Volkstum können sie nur

finden bei den Volksgen offen im Reich, wenn wir den verzweifelt Ringenden die Bruder­hand hinstrecken und ihnen Treue mit Treue oer- gelten.

Der neue Saarpräsident ein Tscheche?

Saarbrücken, 11. Sept. (TU.) MelDun- gen Der saarländischen Delegierten in Genf be­sagen, Daß innerhalb Des Völkerbundes von französischer unD tschechischer Sette an Stelle des zurücktretenden Saarpräsidenten R a u l t Das tschechische Mitglied Dr. V e z e n s k i propagiert wird. Man erwartet schon in dieser Sitzung Des Völkerbundes Die erst im Dezember fällig werDenDe Ernennung Des neuen Dezernen­ten, für Die Der abgedantte Rault in Gens Stim­mung gemacht hat. Die saarländische Presse stelll Demgegenüber fest, daß die Wahl Des Tschechen, Der den Schülern die Betelligung an den Iahr- taufenDfeiern verboten und sich bei der Parade Der französischen Truppen hervortat, den größ­ten Widerspruch der Saarbevölke- r u n g finden wird und das Vertrauen zum Völlerbundsrat der schwersten Belastung aus­gesetzt sei.

Die Preisbildung.

Eine Tagung des Reichsverbandes der deutschen Industrie.

Düsseldorf. 11. Sept. (Wolfs.) Der Reichsverband der deutschen Industrie hielt Die 8. Geschäftsführerkonferenz im Stände- Haus zu Düsseldorf unter dem Vorsitz feines ge- schäftsführenden Präsidialmitgliedes Geh. Rat K a st l ab. Geh. Rat Kastl gab eine Liebersicht über die preispolitischen Ausgaben der deutschen Wirtschaft. Der Abbau Der zu hohen Deutschen Preise sei nicht durch eine Korrektur an Den Symptomen zu erreichen, sonDern erfordere eine Deseitigung Der Ursachen Der Teue­rung sowohl im ProDuktions- als auch im Ver- teilungsprozeß unD Daneben eine Einwirkung auf Die Der Teuerungspshchose unterliegenDen Konsumenten. Bei Den Erzeugungskosten hob Kastl Die Notwendigkeit Des letzt stark zusammenge­schrumpften Unternehmergewinnes her­vor. Der allein Den Anreiz zur K a t> i t a l & i I - Dung biete. Er untersuchte eingehenD Die Rollen, Die Den überspannten öffentlichen Lasten, tem Kapftalzins unD Den Kreditspesen sowie Dem Arbeitslohn zufallen. Selbst das Wirtschaftspro­gramm Der Sowjetregierung stelle Die Forde­rung auf, daß die Steigerung Der Pro- Duktivität in einem rascheren Tempo als