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bie Entwicklung der Löhne erfolgen müsse, weil sonst die Wirtschaftssubstanz zu Gunsten unberechtigter Ansprüche angegriffen werde. Die preisverteuernden Faktoren, die in den Gleitpreisen, freibleibenden Klauseln, Index­ziffern usw. liegen, müßten beseitigt werden. Mit Rachdruck appellierte Kastl an die anwesenden Sachwalter der wirtschaftlichen Interessen, auf alle Fälle dahin zu wirken, daß die Ermäßi­gung der Umsatz st euer in den Prei­sen zum Ausdruck komme, selbst bei sol­chen Industrien, die zur Zeit mit Verlust arbeiten.

Dr. H e r l e trug das künftige Arbeitspro­gramm des Reichsverbandcs vor. Unter lebhafter Zustimmung der Versammlung führte er aus, daß die Zeit der Kartelle nicht vorbei fei, und daß unter der Voraussetzung der Anpassung an die Bedürfnisse der gesamten Wirtschaft die Kartelle zur WirtschastSerhaltung und Wirtschaftsförde­rung nötig seien.

Der Haushalt der preußischen Staatsbank.

Berlin. 11. Sept. (TU.) Der Hauptaus­schuß des Preußischen Landtages beschäftigte sich zunächst mit dem Haushalt der Preußischen Staatsbank in Verbindung mit einem kom­munistischen Antrag über die Hergabe von Kre­diten durch die Staatsbank an die Stinnesunter- nehmungen. Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff stellte fest, daß sich das Staatsministerium be­reits mit dem Gedanken befaßt hat, das Grund­kapital der Staatsbank, das nur zehn Millionen beträgt, zu erhöhen. Einstweilen glaube es aber, davon absehen zu sollen. Der Minister machte dann Mitteilungen über die Verteilung der tom Reiche gegebenen Mittelstands- kredrte in Höhe von 22 Millionen, von denen rund - i an die preußische Staatsbank, rund 14 an die Dresdener Dank und der Best an die Girozentrale und an die Landesbank geflossen seien. Die Kredite seien von der Dank ohne irgendwelchen Verdienst weitergegeben worden. Ein voller Erfolg der Ermäßigung der Zinsen könne nur eintreten, wenn sich auch die Privat­banken aiischließen würden.

Die Stinneskredite wurden nicht ge­geben, um etwa der Familie Stinnes zu helfen, sondern im völligen Einvernehmen mit dem Staatsministerium, um bei der Liquidation un­nötige Erschütterungen in der Wirt­schaft möglich st zu vermeiden. Andere Industriekredite seien nur auf rein bankmäßiger Grundlage gegeben worden, ausgenommen ein Kredit an die V u l k a n w e r f t, bei dem ein gewisses Risiko vorhanden war, das aber nur zur Erhaltung der Werft übernommen wer­den muhte. Staatsbankpräsident Dr. Schröder erklärte, daß er selbstverständlich die Verpflich­tung in sich fühle, an den Zinsermäßigungen des Reiches für die Staatsbank nichts zu ver­dienen. Die Staatsbank erhebe allerhöchstens einen Zuschlag von 1 Prozent.

Abg. Wigl 0 w (Dem.) wies darauf hin, daß die Kredite für die Landwirtschaft gut Angelegt seien: ein Riftko sei hier nicht vor­handen. Für den Mittel st and seien nicht nur 22 Millionen bereitgestellt, sondern den Dan­ken sei gleichzeitig die Verpflichtung auferlegt worden, von sich aus dieselbe Summe zu be­willigen, so daß die Gesamtsumme 44 Millionen betrage. Dazu kommen vom Reich 30 Millionen und 10 Millionen Mittelstandskredite für das besetzte Gebiet, so daß sich eine Gesamtsumme von 84 Millionen ergebe. Die Kreditverhand­lungen der RentMLankkreditanstalt mit Amerika stunden vor dem Abschluß: allerdings würden diese Kredite außerordentlich teuer werden. Abg. t>. Kries (DR) gab dem Wunsche Ausdruck, die E r n t e f r e b i t e für die Landwirtschaft, die in diesem Herbst zurückgezahlt werden müßten, noch einmal zu prol 0ngieren, Staatsbank- Präsident Schröder hielt dies nicht für angängig, da es sich um kurzfristige Kredite aus dem Vor­jahre handele. Der Etat wurde dann unoeränbert angenommen.

Abbau

des Rejchswrrtschastsraies.

DaSBerliner Tageblatt" weiß auf den be­reits angekünbigten Entwurf des Reichswirt- -schaftsministeriums über die Umwandlung des vorläufigen Reichswirtschaftsrates in einen endgültigen mitzuteilen, daß die Mit- ql.ederzahl des Reichswirtschaftsrates von 326 auf 126 vermindert werden soll. Zur Beratung von Spezialfragen sollen von Fall zu Fall Sachverständige hinzugezogen werden. Die Zahl der Abteilungen des Reichswirtschaftsrats, die heute drei beträgt, soll auf vier erhöht wer- den. Im allgemeinen sollen die ständigen Mitglieder sechs Jahre amtieren, ehe sie von der Reichsregierung neu berufen oder von den großen Wirtfchaftsverbänden vorgeschlagen werden. Die Hauptarbeit des Reichswirtschafts- ratcs wird nach dem Entwurf in die Aus­schüsse verlegt werden, während die Voll- veisammlrmg nur in Ausnahmefällen zusammen- treten soll.

Der Schiedsspruch für Reichsbahnarbeiler.

Berlin, 11. Sept. (TU.) In i>en neuen Schlichtungsverhandlungen zur Beilegung des Tariskonfliktes bei der Reichsbahn, die gestern i' ik" dem Vorsitz des Hamburger Schlichters Dr. Stenzel im Reichsarbeitsministerium statt­fanden, wurde nach langwierigen Beratungen, die sich bis in die späte Rachtstunde ausdehnten, folgender Schiedsspruch gefällt:

L Unter Berücksichtigung der allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse und im Hinblick auf die von der Reichsregierung eingeleitete Preis- senkungsmahnahmen bleiben die bisherigen G r u n d l ö h n e mit den vom 1. September von der Reichsbahngesellschaft vorgenommenen Aen- derungen bis auf weiteres bestehen.

2. Die von der deutschen Reichsbahngesell- schast eingeführten Ortslohnzulagen gel­ten als tarifliche Regelung. Besondere Härten, soweit einzelne Fälle in Frage kommen, sind noch durch Vereinbarungen zwischen den Larisparteien auszugleichen.

3. Die Schichtlohnzulagen sind vom 1. September von 10 auf 20 Psg. erhöht.

lieber die Reuregelung Ser Wirtschaftsge­biete haben die Parteien demnächst im Rahmen des Antrages der Gewerkschaften in Verhand­lungen zu treten. Die Erklärungsfrist läuft bis zum 15. September mittags 12 Uhr.

Die Erklärung der Eifenbahnarbeiter-Orga- nisationen zu dem Schiedsspruch wird erst heute abend dem Reichsarbeitsministerium zugehen.

Rach demVorwärts" werden die Eisenbahner den Schiedsspruch ab lehn en. Sollte der Spruch jedoch auf Antrag der Reichsbahngesell­schaft verbindlich erklärt werden, so werden sich aller Voraussicht nach auch die Eisenbahner für den Augenblick damit abfinden müssen.

Der englische Gewerkschafts- Kongretz gegen den Dawesplan.

London, 12. Sept. (WTB. Funkspruch.) Der englische Gewerkschaftskongreß nahm eine Ent­schließung an, in der die Versklavung der deutschen Arbeiter durch den Dawes- p 10 n verurteilt und das Versprechen gegeben wird, den deutschen Arbeitern in jeder Weise Hilfe zu leisten, um ihren Lebensstandard zu verbessern. Der Kongreß wird aufgefordert, einen internationalen Kampf mit dem Ziele der Aufhebung des Planes in die Wege zu leiten. (!) Der Sekretär des Bergarbeiteroerbandes Cook erklärte, er unter­stütze die Entschließung nicht etwa aus Liebe für die deutschen Arbeiter, sondern um zu verhindern, daß der Lebensstandard der britischen Arbeiter durch die infolge des Dawesplans un­vermeidliche Lohnreduktion finken werde. Der Plan habe bereits den Kohlenerport ungleich nach dem Kontinent, besonders nach Frankreich, ein- geschränkt und treffe damit den englischen Le­bensnerv.

Die amerikanischenRitter des feuerigen Kreuzes."

Berlin, 11. Sept. (SU.) Heute nachmittag würben die beiden in der Angelegenheit des Ordens der Ritter des feurigen Kreuzes" ver­hafteten Amerikaner, S t r 0 h f ch e i n Vater und Sohn, im Berliner Polizeipräsidium vernonnnen. Bei beiden wurde zahlreiches Material beschlag­nahmt, das auf einen regen Verkehr der beiden mit amerikanischen Gesinnungs­freunden schließen läßt. Dabei wurde fest- gestellt, daß die beiden Strohschein auch Geld aus Amerika bekommen haben.

Berlin, 11. Sept. (Abendblätter.) Die Ame­rikaner wandten sich inzwischen an das ameri­kanische Generalkonsulat, das sich daraufhin mit der Berliner Polizei in Verbin­dung gesetzt hat. Die amerikanische Vertretung in Berlin billigt durchaus das Einschreiten der deutschen Behörden und ernennt an, daß bei Bestätigung der gemachten Enthüllungen auch die Ausweisung der Verhafteten ge­rechtfertigt sei.

Die Lage in Marokko.

Paris, 12. Sept. (WTB. Funkspruch.) In Madrid wird amtlich mitgeteilt, daß die Truppen des Front-Abschnittes von T e t u a n , die bisher in Ruhestellung waren, wahrscheinlich heute ihren Vormarsch gegen den Feind bei den Stellungen südlich von Beni-Hozman wieder aufnehmen werden. Die Lage im Abschnitt von Alhucemas ist unverändert. Durch Aufklä- rungsflüge ist festgestellt worden, daß die Beni- Ouriagel. die Tenama und die Deni-Oulischek sich in großer Anzahl inS Innere zurück- ziehen. Bei Bokoja hat man zahlreiche Rif- truppen bemerkt. In der vergangenen Rächt hat sich der Feind dem Vorgebirge von Moro Ruevo genähert, sei aber gleich zurückgetrieben worden. Eine spanische Truppenabteilung rückt südlich vorn Plateau von Gurgous vor. Rach einer Havas- meldung soll General Primo de Rivera beabsichtigen, die Leitung der Operationen in den beiden Kampfzonen zu übernehmen. Er wird sich demnächst nach Melilla begeben. An einer ganz nahe bei Cebadilla gelegenen Stelle der. Küste hatten die Rifleute 48 Bomben versteckt, die im Augenblick der Landung explodieren soll­ten. Sie wurden jedoch rechtzeitig von deü spani­schen Truppen entdeckt und vernichtet. Das französische Geschwader ist eingetrofsen.

Kleine politische Nachrichten«.

Reichspräsident v. Hindenburg ist Freitag vormittag 8,35 Uhr vom Stettiner Bahn­hof mit dem fahrplanmäßigen Zug nach Reu- Brandenburg und von da aus mit dem Kraftwagen nach S ch w a n d t in Mecklenburg- Schwerin gefahren. Er wird morgen einer mili­tärischen Hebung von Teilen der 2. Reichs- webrdivision beiwohnen.

A>n 14., 15. und 16. September wird der Reichskunstwart Dr. R e d s l 0 b die Ober­weser und das Weserbergland bereisen, um zu prüfen, ob sich hier ein für die Errichtung des Reichsehrenmals günstiger Platz fin­det. Künstler, Schriftsteller, Parlamentarier, sowie die Behördett der die Weser berührenden Länder und Provinzen werden den Reichskunstwart be­gleiten.

Der K y f f b ä it f e r b u u b veröfienttichl einen Aufruf, wonach vom 17. bis zum 19. Oktober in Leipzig eine gemeinsame Veranstaltung der deutschen Kriegervereii'.igungen aller Länder statt- findet

Eine deutsche M i i l e t sl a n d s p a r t e 1 hat sich durch Zusammenschluß der Aufwcrtungs- und Wiederaufbaupartei, der Deutschen Aufwerlungs- und Auibaupartei und der Partei für Handwerk, Handel und Gewerbe gebildet.

Mitte nächster Woche wird sich eine Dele­gation der deutschen Gewerkschaf- t e n zum Studium der nordamerikanischen Ar­beiter- und Gewerkschaftsverhältnisse nach den Vereinigten Staaten begeben. Die deutsche Gewerkschaftsdelegation wird voraus­sichtlich vom Präsidenten Coolidge empfan­gen werden.

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Di? Kri.gsbeschädigten und ehemaligen Frontkämpfer des Departements Seine haben eine Entschließung gefaßt, in der sie erklären, daß sie sich als Chrenwächter des Gra­bes des -Unbekannten Soldaten be­trachten und durch eine gewisse unangebrachte Kundgebung, deren Schauplatz der Triumphbogen gewesen sei, schmerzlich berührt worden seien. (Gemeint ist die Kranzniederlegung der deutschen Delegation zum Friedenskongreß.) Eie bäten des- halb die öffentliche Gewalt inständigst, in Zukunft all? Maßnahmen zu ergreifen, damit diesem ge­heiligten Ort sein wahrer Charakter an­dachtsvoller Erhebung gewahrt bleibe.

Aus aller Welt.

Der Deutsche Notartag.

Der Deutsche Rotartag, der am 11. und 12. September feine 11. Tagung in Heidelberg zu­gleich mit der 25. Gründungsfeier des Deutschen Rotarvereins abhält, wurde am Donnerstag mit einem wohlgelungenen Degrüßungsabend einge­leitet und am Freitag früh bei großer Beteili­gung eröffnet. Der Eröffnung wohnten von der badischen Regierung Iustizminister Trung, Fi- nanamtnifter Köhler und Ministerialrat Siefert bei. Geheimrat Elze- Berlin begrüßte beson­ders die vielen Ehrengäste und führte u. a. aus, die Rotare seien berufen und verpflichtet, für die Allgemeinheit Eintracht und Gerechtigkeit zu pflegen. Iustizminister Trung gedachte mit An­erkennung der Bedeutung des deutschen Rotars für das deutsche Volk, die Wirtschaft und den Wiederaufbau des Vaterlandes. Besonders herz­lich begrüßt wurden die Vertreter der österreichl- schen Rotare und des Deutschen Rotarvereins in der Tschechoslowakei. Dem Geschäftsbericht ist zu entnehmen, daß es sich in den letzten Jahren darum handelte, die Wirts cha f t l i ch e Lage des deutschen Rotariats den veränderten wirt­schaftlichen Verhältnissen anzupassen. Erstrebens­wert sei, daß das Rotariat überall das Mon 0 - pol für die Beurkundung habe.

Der Breslauer Doppelmord.

Bekanntlich wurde vor einigen Wochen in seiner Breslauer Villa der Universitätsprofefsor Rosen und fein Hausmeister ermordet. Unter dem Verdacht der Täterschaft wurde die Haus­dame Reumann und die Pflegetochter des Ermordeten verhaftet. Run ist vor einigen Tagen dort ein Schwerverbrecher wegen eines Einbruchs in der Provinz verhaftet worden. Rach seiner Festnahme wurde der Polizei von einem ehemaligen Freunde des Verbrechers mit- geteUt, er habe mit der Wirtschafterin Reu­mann vor einem Jahre ein Grundstücksgeschäft abgeschlossen. Bei dieser Gelegenheit habe ihm die Reumann gesagt, er könne sich in näch­ster Zeit 2 000 Mark verdienen. Es würden dabei aber zwei Menschen zu be­seitigen sein. Rach eingehendem Kreuzverhör erklärte der Verhaftete, daß er vieles über die Mocdsache Roser wüßte, seine Aussagen jedoch nur vor einem besonderen Untersuchungsrichter machen wolle. Er wird heute erneut verhört werden.

Goldfunde im Fichtelgebirge.

Rach einer Meldung der »Vossischen Zeitung" ist bei Warmensteinach in Oberfranken goldhal­tiges Gestein entdeckt worden. Pro Tonne Gestein wurden bei Analysen durchschnittlich 29,5 Gramm Gold gefunden.

Wettervoraussage.

Weitere Aufklärung, noch vorwiegend nördliche Winde, tagsüber wärmer, sonst fast kalt, nur noch stellenweise geringe Niederschläge oder Nebel­bildung.

Das Fallgebiet ist weiter östlich abgezogen und liegt zur Zeit über dem Baltikum. Kleine Ausläufer dürften noch vorübergehend geringe Niederschläge auslösen, doch kommen wir nunmehr in den Bereich des nachfolgenden Hochdruckgebietes. Ein schwaches Tief über Island dürfte über Nordfkandinaoien weiterziehen, ohne merkliche Störungen in unserem Gebiet auszulösen.

Gestrige lagestemperaturen: Maximum 14,6 Grad Celsius, Minimum 8,5 Grad Celsius. Nieder­schlage 0,6 Millimeter. Heutige Morgentemperatur 10,6 Grad Celsius.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 12. September 1925.

Herbstliches Frösteln.

Man sollte es kaum glauben, aber es ist Tatsache: das Feuer brennt wieder im Ofen, dabei ist eS noch nicht einmal Herbst. Der Som­mer nimmt Abschied von uns, und wir müssen ihm einheizeu, als wäre er ein alter Mann- der die zittrigen Hände nach der Flamme dehnt. Armer Sommer!

Als er kam. war er der frische kecke Knabe, der sich einen Strauß Aehren in das schwarze Lockenhaar geflochten hatte. Lachend schritt er über unsere Felder: überall reifte es unter dem Blicr seiner Augen. Er lag an den warmen ©een, in den duftigen Wäldern: er stand auf der Spitze der höchsten Berge und sang in den tiefen grünen Tälern. Run sitzt er hinter dem Ofen und wärmt sich die Hände, der arme Sommer!

Mich fröstelt. Das Fenster darf nicht mehr offen stehen. Es zieht schon wieder durchs ganze Haus, die Türen schlagen, man hat kalte Hände und eine naiv gerötete Rase. Man kokettiert zwar noch mit den Sommerkleidern, aber wer weih, ob es noch ein paar schöne Tage gibt, die und vergessen, lassen, daß es schon recht kalt war?

Im Vorgarten blüht noch eine Rose, eine späte Sommerrofe. Zögernd hat sie sich entfaltet, aber ihr Duft ist noch lommcrlich, nur viel zar­ter als im warmen Juni, wo die Rächte so schwül sind. Die Rose soll sich auf ihrem Stengel ver­blühen. Wem sollte ich sie schenken? Man denkt nicht mehr daran, Rosen zu brechen, sie haben Dornen, Dornen, Dornen.

Fast sind die Kastanien reif, die Kinder haschen schon danach und freuen sich über die braunen glänzenden Dinger, die so schön sind, als wären sie frisch gemalt. Und die Aepfel sind auch wie gemalt. Und das Laub fängt an, gelben zu funkeln, bezogen von den Fäden drs Altweibersommers, die der Wind zerreißen will. Ab und zu kann man schon eine Kartoffelfuhre sehen: es werden ihrer mehr kommen. Dann ist es Herbst.

Wie kurz die Tage schon sind, es geht immer rascher hinab. Ein paar Wochen, dann wird es dunkel sein, wenn man morgens aufsteht: dann beherrscht uns der Glühfaden der elektrischen Birne. Richt mehr das Leuchten der goldenen Sonne.

Straßenbahn und L16er-Tag.

Anläßlich des 116er°Tages hatte unsere Straßenbahn wieder mal großen Betrieb. Sie beförderte insgesamt 4 16 61 Personen, da­von am Sonntag, dem Haupttag de: Veranstal­tung. allein rund 19 000. Der Hauptbetrieb wickelte sich am Sonntag nachmittag nach dem Festzug und in den Abendstunden ab. Die Zahl öer gefahrenen Wagenkilometer beläuft sich auf 6 062,5. In der Luftlinie gerechnet entspricht diese Kilometerzahl einer Entfernung von den Pyrenäen bis Moskau und zurück.

Die Kärntner in Gießen.

Der Kärntnergruppe Professor Perkonigs bot gestern abend im Hindenburg die Ortsgruppe Gießen des Vereins für das Deut scht um im Ausland einen herz­lichen Degrüßungsabend.

Der Vorsitzende Professor Dr. König be- willkommte die Gäste von der deutschen Grenz­mark im Südosten, erinnerte an den mutigen und erfolgreichen Befreiungskampf ches Kärntner­landes gegen jugoslawische Begehrlichkeit und betonte die innere Verbundenheit Kleindeutsch­lands mit dem tapferen, seines Volkstums be­wußten Bauernvolk der Tauemberge.

Im Ramen der Provinz Oberhessen begrüßte Provinzialdirektor Graef die Kärntner und feierte den großdeutschen Gedanken, einen der wenigen Lichtblicke in unseren Tagen der Rot und der Schmach.

Oberbürgermeister Keller gedachte in seinem Williommengruß der Gießener Hütte als einem stetig toirffamen Verbindungsglied zwischen Hessen und dem schönen Kärntnerlande.

Professor Perkonig dankte für den herz­lichen Empfang mit einem warmen Bekenntnis zum deutschen Rhein.

Darbietungen mancherlei Art, in denen die Kärntner Gäste mit den DerecktSmitgliedern wetteiferten, hielten eine fröhliche Runde bis m die späten Abendstunden zusammen.

Bornotizen.

Tageskalender für Samstag. Verein für daS Deutschtum im Ausland. 8 Uhr Kathol. Dereinshaus: Kärntner DolkSkunstabend. Volkshalle, 7.30 Uhr:General Pvrk" und Konzert. RuderklubHassia", 8V2 -Uhr Boots­haus: Mitgliederversammlung. Artilleriever­ein, 8 Uhr Dereinslokal: Monatsversammlung. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: .Die Bacchan­tin". Astoria-Lichtspiele: .Die Todesfahrt deS U 777.

Tages kalender für Sonntag. 25. Stiftungsfest des @.©.©.1900, ab 1.30 Uhr Sportplatz an der Hardt: große Iubiläumsspiele. Verein Rudersport, 3.30 Uhr: Abrudern. Polizei- und Schutzhundeverein, vorm 7.30 Uhr auf dem Hinteren Trieb und nachmittags 2,30 Uhr im Philosophenwald: Vorführung von Polizei- und ©chuhhunden. Obst- und Gartenbauverein: von vorm. 11 bis nachm- 6 Uhr Rosen- und Dahlienschau im ©aalbau Sauer. Erster Zie­genzuchtverein Gießen: 2.30 Uhr nachm. ©ommer- fest im Schühenhaus. Lichtspielhäuser wie Samstag.

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** Das Flugzeug .Gießen" unserer Oberhessischen Luftverkehrs A. G das gestern erst wieder einen großen Flug von München über Fürth, Frankfurt a. M. nach Gießen machte, wird morgen früh gegen 9 Uhr zu einem Flug nach Fulda auffteigen, um dort bei einem Flug tag eine Reihe von Rundflügen auszuführen. Abends gegen 6 Uhr wird die Maschine hierher zurückkehren.

Das Ergebnis der Blumenschau des Verkehrsvereins wird im Anzeigen­teil unseres heutigen Blattes veröffentlicht. Mit besonderer Anerkennung hat die Prämiferungs- kommission den Vorgarten- und Fensterschmuck der Gärtnerei von Wilh. Moser belohnt, der allerdings als Berufsgärtner bei Aer Prcis- zuteilung ausscheiden mußte. Hoffentlich wird der Blumenschmuck unserer Häuser im nächsten Jahre noch mehr zur Anwendung kommen, dl8 bisher.

** Das ©tabttbeater veröffentlicht im heutigen Anzeigenteil die Abonnements-Ein­ladung für die Spielzeit 1925 26. Man beachte die Ankündigung.

** Der Gießener © p 0 rt-Club 1900 hat anläßlich feines Jubiläums die Ehrenpreise, die er in den 25 Jahren feines Bestehens er­rungen hat, im Schaufenster der Firma F. A. Renn stiel, ©eltersweg, zur öffentlichen Be­sichtigung ausgestellt.

*' Der Ob ft- und Gartenbau­verein bietet am morgigen Sonntag allen Freunden der Statur eine Ausstellung von Blu­men. Rosen und Dahlien sind es beide be­vorzugte Kinder Floras die die Tische des Ausstellungsraumes schmücken werden. Die welt­bekannte Rosenfirma der Gebr. Schultheis wird ihr bestes Material zur Schau stellen. Wenn dieDeutsche Gärtnerzeitung" von der Mainzer Rosenausstellung zu dem Urteil kommt: »Die Gruppe Schnittblumen der Gebr. Schultheis bot in ihrer Gesamtleistung mit das Allerbeste, eine wahre Augenweide für den Besucher", so erübrigt sich jedes weitere Wort der Empfehlung. Daß die Züchtungsversuche der letzten Jahre auch unsere Dahlie, den Liebling manches Klein- und Hausgärtners, in Form und Farbe auf bedeutende Höhe gebracht haben, zeigen neben den massenhaft vertretenen Ramen die in den mannigfachsten Formen und Farben prangenden Blumen von der entzückenden Edel- bis zur kleinen Pompondahlie. Es dürfte auch der ver­wöhnte Geschmack auf seine Rechnung kom­men. Im übrigen sei auf die heutige Anzeige verwiesen.

k. Hohe Medaillen für Gießener Handwerlsarbeit. Eine besondere Aus­zeichnung erhielt der Schuhmachermeister Fritz B r 0 ck m ü l l e r, Landmannstrahe, auf der Schuh­macher- Fachausstellung in Dingen, indem ihm die Goldene Medaille und ein Ehren­preis für ausgestellte Schuhwaren zuerkannt wurde. Sein Sohn Fritz Drockmüller jun., der mit der hiesigen Schuhmacherfachschule aus­gestellt hatte, erhielt die Silberne Me­daille.

** ©in glücklicher Gewinner. Einem Handwerksmeister in Schotten wurde kürzlich von auswärts ein Diertellos der Preußisch-Süd­deutschen Klassenlotterie zugeschickt, das er nach einigem Ueberlegen auch behielt und bezahlte. Mit diesem kleinen, bunten Papierchen hatte das Glück die Schwelle seines Hauses überschritten, denn jetzt Wurde die Losnummer mit einem Ge­winn von 200 000 Reichsmark gezogen, so daß auf den Viertel-Anteil des Schottener Meisters der recht ansehnliche Betrag von 50 000 Mark entfällt. Wenn der glückliche Gewinner davon allerdings auch noch einige Prozente Lotterie­gewinnsteuer zu bezahlen hat, so verbleiben ihm doch noch etwa 40 000 Mark, mit denen sich heut­zutage ja auch noch allerlei anfangen läßt

* Die Astoria-Oichtspiele bringen in dieser ©pielwoche einen an Sensationen bis zur loberften Grenze gefüllten Film, der sichDie Todesfahrt des U. 777 betitelt. Eine Unmenge von Stoff und Handlung ist darin zusammen-