Ausgabe 
12.8.1925
 
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in der Lage. Sie herzustellen, ging über die Kräfte unserer aufs äußerste gespannten In­dustrie, oder andere wichtige Dinge hätten liegen bleiben müssen." Hierzu ist zu bemerken, daß für die hohen Gefangenenzahlen auch noch erheb­liche andere Gründe vorhanden waren.

Im ersten Teil des Gutachtens ist zu der Tankfrage ausführlich Stellung genommen wor­den. Ebenso ist dort dargclegt worden, wie durch den aufs äußerste beschleunigten Antrans­port der amerikanischen Truppen die zahlenmäßige Ueberlegenheit unserer Gegner im Sommer und Herbst 1918 von Monat zu Monat wuchs.

Aber nicht nur die Unterlegenheit der Zahl sc^vächte die Widerstandskraft des deut­schen Heeres, auch der Gei st der Truppe hatte gelitten. Das Scheitern der mit den größten Siegeshoffnungen unternommenen Offen­sive übte einen schweren Druck auf die Stim­mung der Truppe aus. Es ist aber auch erwie­sen. daß die Unabhängige Sozraldemo- kratie seit langem von der Heimat aus eine die Manneszucht im höchsten Grade gefährdende Wühlarbeit im Heere betrieb.

Die erste größere Wirkung der revolutionären Propaganda trat in der Meuterei auf der Flotte im Juli 1917 hervor. Seit Anfang 1918 ist nach dem eigenen Eingeständnis aus den Reihen der Unabhängigen Sozialdemokraten der Umsturz und die Zermürbung der Front auch im Heere planmäßig vorberei­tet worden, indem die Frontsoldaten bearbeitet und' zur Fahnenflucht verleitet wurden. Tat­sächlich reicht die antimilitaristische, von der Heimat ausgehende Agitation aber viel wer­ter zurück. Schon 1917 wurden die Soldaten durch Flugblätter bearbeitet:Werdet Soldaten der Revolution!" Der Erfolg war. daß im Herbst 1918massenweise Desertionen, unzählige Scharen von Urlaubern, die mit großer Verspä­tung oder überhaupt nicht an die Front zurück­kehrten, bataillons- und divisionsweises Ueber- laufen bewiesen, daß die Soldaten begonnen haben, ihr Joch abzuwcrfen". (Drahn «nd Leon­hard,Unterirdische Literatur".)

Tatsächlich nahm die Zahl der Mannschaften, die in G e f a n g e n s ch a ft gerieten, in außer­ordentlichem Maße zu. Hinter der Front ballten sich an den Eisenbahnstationen und in größeren Orten Hunderttausende von Drücke- b e r g e r n zusammen. Die in der Heimat auf- gehetzten Urlauber trieben sich nach der Rück­kehr massenhaft hinter der Front herum, ohne ihren Truppenteil aufzusuchen. So gingen Hunderttausende der Front ver­loren im entscheidenden Augenblick. Hierin, nicht nur in den Verlusten der Rückzugs­kämpfe, liegt ein Grund für das Hinschwinden der Truppenstärken.

Es war nicht möglich, dieses Unwesens Herr zu werden, obwohl von den Armeen Ver- sprengtensammclstellen eingerichtet und Ersah- verteilerbahnhöfe und Urlauberbahnhöfe be­stimmt wurden, bei denen sich Auskunftsstellen befanden und für Verpflegung und Unterkunft gesorgt war.

Der junge Ersatz, der aus der Heimat kam, war verseucht und verdorben. Be­reits auf der Fahrt der Ersahtransporte nach dem Westen zeigte sich die Disziplinlosigkeit der Mannschaften, die sich bis zur Widersetzlichkeit und offenen Meuterei steigerte. Der Front konnte dieser Ersah keinen Gewinn bringen. Das waren die Leute, die im Gefecht guten, vorgehenden Truppen zuriefen, sie seienKriegsverlängerer", und die die standhaltende Artillerie alsStreik­brecher" bezeichneten.

Es soll keineswegs behauptet werden, der Krieg sei lediglich durch die Unterwühlung des Heeres verloren worden. Vieles muhte zu­sammenkommen, um Deutschland trotz seiner ungeheuren Leistungen zu Fall zu bringen. Daß aber den pazifistischen, internationalen, antimili­taristischen Bestrebungen und der von der Hei­mat ausgehenden revolutionären Unterwühlung des Heeres ein beträchtliches Mah von Schuld an unserem Zusammenbruch zufällt, ist erwiesen."

Bevölkerungsbewegung 1924.

Das Reichsaml des Inneren veröffentlicht inWirtschaft und Statistik" eine Aebersicht über Eheschließungen, Geburten und Sterbefälle un Jahre 1924, der folgende Zahlen entnommen sind.

Im Jahre 1924 wurden 441 071 Ehen ge­schlossen, das sind 141 206 weniger als 1923 und 22 673 weniger als 1913. Auf die Hoch­flut der Heiraten nach dem Kriege ist also ein Tiefstand eingetreten, noch verstärkt durch die der Inflationszeit folgende Ernüchterung in wirtschaftlichen Dingen. Richt ohne Interesse ver­nehmen wir, daß die Abnahme der Heiraten nut einer gleichzeitigen Abnahme der Bautä­tigkeit zusammensällt, und dieser Zusammen­hang wird bestätigt durch die andere Tatsache, daß Hamburg mit im Vergleich zu Berlin grö­ßerer Bautätigkeit auch eine entsprechend größere Heira tsziffer aufweist.

Mit 1 311 044 Geborenen hat 1924 den tiefsten Stand seit dem Kriegsende erreicht. (21,1 auf 1000 Einwohner.) Wir sind nur noch wenig von Frankreich entfernt. (20,0 auf 1000.) Beson­ders geburtenreich sind Oberschlesien (30,2) und Ostpreußen (25,2). Berlin steht fast auf der Hälfte des Reichsdurchschnittes (11,3).

Es starben 802 166 Einwohner 1924. Auch hier mit 12,9 auf 1000 ein erstaunlicher Tiefstand, fogar gegen 1913 (15,7). Wir stehen auf gleicher Stufe mit England, höher als Rorwegen und die Riederlande, tiefer als Frankreich (17.3). Ursache der geringen Sterblichkeitsziffer ist das relative Fehlen der hohen Altersstufen, die Krieg und Rachtriegszeit vorzeitig Wegnahmen, und die Abnahme der Säuglingssterblichkeit, mit der wir aber immer noch über West- und Rordeuropa stehen.

Geburten und Sterbefälle liefern uns die bevölkerungspolitisch wichtigste Zahl: den Ge­burtenüberschuß. Hier sind seit dem Kriege sehr bemerkenswerte Verschiebungen eingetreten. Teilen wir die einzelnen Länder oder Provinzen nach ihrem Geburtenüberschuß (auf 1000 Ein­wohner) in Gruppen: Gruppe 1: 18 bis 21, 2: 15 bis 18, 3: 12 bis 15 usw., so gehörten 1913 zu Gruppe 1: Westfalen, zu Gruppe 2: Rhein­land, Oldenburg, Westpreuhen, Oberschlesien, zu 3: Pfalz, Saar, Hannover, Schleswig-Holstein, Ostpreußen, zu 4: Sachsen, Thüringen, Eüd- deutschland, Riederschlesien, zu 5: Branden­burg, Mecklenburg.

1924 war dagegen die Verteilung folgender­maßen: Gruppe 1:, 2: Saar, 3: Westfalen, Oldenburg, Oberschlesien, 4: Rheinland. Pfalz, Thüringen. Pommern, Ostpreußen, 5: Süd­

deutschland, Hannover, Schleswig-Holstein, Mecklenburg, Aiederschlesien, 6: Sachsen. Bran­denburg. 8 (Sterbeüberschuß): Berlin.

Demnach sank der Geburtenüberschuß: Um keine Stufe in Pommern, Thüringen, Mecklen­burg, um 1 Stufe in Süddeutschland, Ol­denburg, Sachsen (Provinz), Brandenburg, Schle­sien, Ostpreußen, um 2 Stufen in Rheinland, Westfalen, Hannover, Schleswig-Holstein, Sachsen (Freistaat).

Aus der Provinz.

Landkreis Gießen.

Watzenborn-Steinberg, 11. Aug. Bei der am vergangenen Sonntag stattgefundenen Beigeordnetenwahl wurde der seitherige langjährige Beigeordnete Johannes Philipp 11. wiedergewählt. Ein weiterer Kandidat war nicht aufgestellt, was als äußerst seltenes Ereignis in unserer Gemeinde besonders heroorgehoben zu wer­den verdient.

sk. Reiskirchen, 10. Aug. Gestern be­wegte sich ein langer Trauerzug durch unser Dorf. Es galt, den Altbürgermeister Johannes Wagner zur letzten Ruhe zu betten. Herr Wagner hatte das schöne Alter von 85 Jahren erreicht und war bis zu den letzten Lebens­lagen seinem Alter entsprechend rüstig und frisch. Er hat lange Jahre hindurch das Amt des Bürgermeisters zur vollen Zufriedenheit der Ge­meinde begleitet und trat nach dem Krieg in­folge seines hohen Alters von diesem Posten zurück. Herr W. hat so recht die Bitternis der Inflationszeit durchkosten müssen. Da er kinder­los war. hatte er vor dem Krieg seinen land­wirtschaftlichen Besitz verkauft und sich so ein behagliches Leben als Rentner gesichert. Durch die Geldentwertung kam der alte Mann in bitterste Rot. Als hochbetagtec Greis zur Ar­beit nicht mehr fähig, war er vollständig brot­los geworden, und es mag dem ehrenwerten GrNs bitter genug geworden sein, in so hohem Alter am Bissen Brot sparen zu müssen. Doch in Geduld und ohne Murren hat- er dieses schwere Schicksal getragen. Die ganze Gemeinde und zwei Vereine haben ihm das letzte Ge­leite gegeben. Heute verunglückte hier ein 13jähriger Junge in der Mähmaschine. Während er an der Mähmaschine hantierte, gingen die Zugtiere weiter, und die Zinken am Messerbalken drangen dem Jungen in die bei­den Beine. Glücklicherweise blieben die Zug­tiere gleich halten, so daß die Beine nicht von den Messern angeschnitten wurden. Der sofort herbeigerufene Arzt konnte dem Jungen gleich Hilfe bringen.

i. Hattenrod, 11. Aug. Bei der Wahl am Sonntag wurde der Landwirt Heinrich Albohn mit 169 Stimmen zum Beigeordneten unserer Ge­meinde gewählt. Sein Gegenkandidat, Wilhelm M ü n st e r II. erhielt 80 Stimmen.

Geilshausen. 9. Aug. Bei der heute abgehaltenen Beigeordneten-Wahl wurde der seit­herige Beigeordnete, Steinbruchbesitzer Konrad Hilberg, mit 187 Stimmen einstimmig wieder­gewählt.

i. Ettingshausen, 12. Aug. Rachdem das Kriegerdenkmal, das nach dem Ent­wurf von Regierungsbaumeister Schneider in Gießen von dem Bildhauer Arnold in Allen- dorf und dem Steinmetz Werner in Hungen ausgeführt wurde, aufgestellt worden ist, soll am kommenden Sonntag seine Weihe stattfin­den. Dis dahin arbeiten fleißige Hände frei- williger Helfer an der würdigen Herstellung un­seres alten Friedhofs bei der Kirche, auf dem das Denkmal seinen schönen Platz gefunden hat. Am Sonntag, 23. August, feiert der Solm - s e r Zweigverein der Gustav-Adolf-Stif- tung fein Icchresfest in der hiesigen Gemeinde. Festprediger ist Pfarrer Wagner in Bensheim, der Schriftführer des hessischen Hauptvereins der Gustav-Adolf-Stistung. Mit besonderer Genug­tuung begrüßt es die Gemeinde, daß auch der Superintendent von Oberhessen, Oberkirchenrat Wagner, der fünf Jahre, von 1896 bis 1901, hier Pfarrer war, zu unserem Feste kommen wird. Außer beiden Herren wird noch Pfarrer Gockel- Hungen sprechen.

Kreis Friedberg.

Butzbach, 10. Aug. Von einem Auto überfahren und schwer verletzt wurde der Schreinermeister Sehrt aus dem benachbarten Rieder-Weisel. Das Auto kam in rasender Fahrt, und ehe der Radfahrer an der Straßen­biegung ausweichen konnte, hatte ihn das Auto gepackt, zu Boden geworfen und noch ein Stück geschleift. Sehrt wurde in das Iohanniterkran- kenhaus gebracht.

Aus der Wetterau, 10. Aug. Le­bensgefährlich verletzt hat sich ein Kar­toffelhändler, als er in Bad-Rauheim seinem Geschäfte oblag. Er stürzte mit dem Rad und flog auf den Randstein, wo er bewußtlos liegen blieb. Im Krankenhaus wurde eine schwere Gehirnerschütterung sestgestellt. der Zu­stand des Mannes ist ernst.

Kreis Schotten.

Ulrichstein, 11. Aug. Die hiesige Spar- und Leihgasse, G. m. b. H., hielt am Samstag ihre ordentliche Hauptversammlung ab, Herr Kreisdirektor Doeckmann war dienstlich verhindert. Außer etwa 150 Gesell!chaftern war Herr Oberrevisor Hartmann als Vertreter des Revisionsverbandes anwesend. Die Tages­ordnung wickelte sich glatt ab; wir führen aus ihr, als von allgemeinerem Interesse an, daß die Bilanz für 1924 mit einem Kapital von 180 000 R.-M. und einem Reingewinn von 1650 R.-M. abschließt. Der Umsatz betrug nahezu zwei Millionen Mark. Die Entwicklung der Kasse im laufenden Jahr wird als günstig bezeichnet. Das Erntewetter läßt auch hier oben recht zu wünschen übrig; immerhin dürften grö­ßere Schädigungen, da die Ernte kaum begonnen hat, noch nicht zu verzeichnen fein. Sollte sich in­dessen das neuerliche Regenwetter nicht bald tvenden, dann sind fdytoete Verluste unausbleib­lich. Am Sonntagabend wurde hier, in An­betracht der auch dies Jahr wieder bedroht er­scheinenden Ernte, ein Bittgottesdienst um Schuh für die Ernte abgehauen.

lg. Gedern, 10. Aug. Infolge der ungünstigen Witterung in der vorigen Woche fand das Jugend- fest der beiden hiesigen Schulen erst am gestrigen Sonntage bei strahlendem Sonnenschein statt. Um li Uhr nachmittags bewegte sich vom Bahnhof aus unter Borantritt der blumengeschmückten Schüler und der Feuermehrkapelle ein stattlicher Festzug, an dem sich auch die Gemeindevertretung und die hiesigen Vereine mit ihren Fahnen beteiligten, durch X)\e Hauptstraße unseres Ortes nach dem Festplatz

auf dem Wildfrauhaus. Dem Festzug war das Groß­teil unserer Einwohnerschaft gefolgt. Hofprediger Widmann begrüßte in der Festrede den Vertreter des Kreisschulamtes Schotten, Herrn Kreisschulrat Kinkel, um bann im Auftrage der beiden fest­gebenden Schulen und Lehrkörper zu danken für das von jeher dem Jugendfeste seitens der Einwoh­nerschaft, der Gemeindevertretung, den Vereinen und der Feuerwehrkapelle entgegengebrachte große Interesse. Er gab dem Wunsch Ausdruck, daß dies immer so bleiben möge. Die Elternschaft forderte er auf, allezeit Vertrauen zu haben zu den Lehrern ihrer Kinder, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht hätten, den ihnen anvertrauten Schülern ihr Bestes zu geben und sie teilnehmen zu lassen an ihrem Wissen und Können. Weiterhin führte der Redner aus, daß das diesjährige Jugendfest von besonderer Bedeutung sei insofern, als es eine Erinnerungsfeier an ein wesentliches Datum unserer deutschen Ge­schichte darstelle. Sind doch nunmehr 1000 Jahre verflossen, seitdem die deutschen Lande rechts und links des Rheins sich zur Führung gemeinsamen staatlichen Lebens endgültig zusammenfanden und dem Verband des Deutschen Reiches angehören. Mit dem Wunsche, daß dieser wahrhaft deutsche Rhein­strom mit seinen Schlössern und Burgen allezeit Deutschlands Strom, aber niemals Deutschlands Grenze sein möge, schloß die mit starkem Beifall auf­genommene Ansprache. Kreisschulrat Kinkel gab nunmehr in anerkennenden Worten seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Feier des Jugendfestes unter Anteilnahme der ganzen Gemeinde vor sich gehe. Er freue sich, daß ihm Gelegenheit gegeben sei, dieser Feier beiwohnen zu können. Welches Ge­schehen von unerhörter Fülle sich zusammendrängt in dem Jahrtausend der Zugehörigkeit des Rhein­stroms und der angrenzenden Lande zum Reiche, das zeigte so recht das von Schülern der Ober- klasse unter Leitung von Herrn Lehrer H ä u s e l auf­geführte FestspielDer deutsche Rhein". Das ge­nannte Spiel, das vielfach von Schülerchören durch­setzt war, fand wie auch das zweite Stück infolge der überaus flotten Spielweife wohlverdienten Beifall. Recht beifällig aufgenommen wurden auch einige von Schülerinnen der Prioat-Hofkaplaneischule unter Leitung ihrer Lehrerinnen Frl. Goltz und Frl. B r e n tz e l aufgeführten Reigen. Besondere Erwähnung aus dem beinahe zu reichlichen Fest­programm verdienen noch zwei Chöre des Kir­chengesangoereins, die Gedichtoorträge ein­zelner Schüler und die Vorführung einer Gruppe Freiübungen durch die Schülerriege des Turnvereins unter Leitung des Turnwarts Herrn Schmidt. Damit mar der offizielle Teil der Feier beendigt. Man schritt nun zu den Wettspielen, für welche die einheimische Geschäftswelt in dankenswerter Weise Preise gestiftet hatte, so daß jedem Schüler eine be­sondere Freude bereitet werden konnte.

Kreis Alsfeld.

!'! Alsfeld. 11.Aug. Die Bautätig­keit in unserer Kreisstadt ist außerordentlich rege, und wenn Geld zu beschaffen wäre, hätte man die Wohnungsnot schnell behoben. Es haben kürzlich etwa 160 Dau-Darlehensgesuche Vorgelegen, aber nur 23 konnten mit einem Dar­lehen bedacht werden. Bekanntlich hat die Stadt 100 000 Mk. zu Dau-Darlehen zur Verfügung gestellt. 15 Häuser sind mit Hilfe dieser Zu­schüsse im Entstehen begriffen, sie sind zum Teil schon im Rohbau fertig, alle sollen bis zum 1. Rovember bezugsfertig werden. So ist bereits ferner eine Anzahl Siedlungshäuser entstanden. Das Amtsgerichtsgebäude erhält gegenwärtig eine Erweiterung, indem tm Dachstock eine Woh­nung für den Amtsdiener eingerichtet wird. Auch das Krankenhaus hat eine Wohnung für den ver­heirateten Wärter eingerichtet. Das Deamtrn- wohnhaus, das der Kreis in der Rambach fertig- gestellt hat, konnte zwei Familien aufnehmen. Das Reich errötete ebenfalls ein Deamtenhaus für das Finanzamt. Die Gewerbeschule hat einen Anbau erhalten, weil die Räume zum Schul­betrieb nicht mehr ausreichend waren. Der Besuch der Gewerbeschule ist ein sehr starker, selbst aus den benachbarten . preußischen Ort­schaften kommen die Schüler hierher. Der Anbau wird bis Herbst fertig. Der Turnverein hat seine Turnhalle beträchtlich erweitert und eine 10 Me­ter große Bühne angebaut. Die Autohalle für die vier Kraftwagenlinien nach Traysa, Reustadt, Kirtorf und Groß-Felda ist vollendet und in Benutzung genommen, die Kosten betragen 12 000 Mark. Daneben baute die Stadt stetig an dem Ausbau der Kanalisation, die vor dem Krieg begonnen wurde. Der Ortsbauplan wird fortwährend erweitert durch Anlage neuer Straßen.

Kreis Lauterbach.

Lauterbach, 10. Aug. Aus der Stadtver- ordnetenfitzung. Durch die Versetzung des Forsters Hirschmann nach Wendelsheim (Rheinhessen) ist die Wiederbesetzung der Forst er st eile er­forderlich geworden. Rach Prüfung der eingelau­fenen Bewerbungen beschließt der Stadtvorstand den bereits mit der Versetzung des Dienstes beauftrag­ten Forstwart Muth von Altenschlirf für diese Stelle in Vorschlag zu bringen. Ein Gesuch der Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. um Ermäßi­gung des Strompreises für den Verbrauch der hiesigen Bahnhöfe wird abgelehnt, da Lauterbach nach den gemachten Feststellungen den billigsten Strom im Direktionsbezirk liefert. Im weiteren Verlauf der Sitzung gibt der Bürgermeister Kennt­nis von den in der Aufwertungsfrage und hauptsächlich bezüglich der Ablösung öffentlicher An­leihen hekausgegebenen gesetzlichen Bestimmungen und erstattet Bericht von den diesbezüglichen Ver­handlungen mit dem Vertreter der st ä d t i s ch e n Gläubiger. Anschließend beschäftigt sich der Stadtvorstand mit dem letzten Punkt der heutigen Tagesordnung betr. Ausbau der im April d. I. erworbenen Stadtmühle. Herr Ober-Ingenieur Gudernatsch, Darmstadt, welcher zur Sitzung erschie­nen war, hielt hierbei einen längeren Vortrag in Form eines Gutachtens und erläuterte eingehend die verschiedenen Möglichkeiten des Ausbaues sowie den erforderlichen Kostenaufwand. Ein definitiver Be­schluß soll in dieser Angelegenheit erst in nächster Sitzung gefaßt werden.

!*! Lauterbach. 10. Aug. In unserem gastlichen Städtchen versammelte sich am Sonn­tag die Jugend des Vogelsberger Höhenclubs unter dem Vorsitze des Pros. Dr. Dender- Frankfurt. Auch Direktor Dr. H a s s i n g e r von Darmstadt nahm an der Ta­gung teil und gedachte in einer Ansprache der Iahrtausendfeier der Rhein lande. Der Obmann der V. H. C.-Jugend Prof. Dr. Dender berichtete über die Jugendbewegung. Iugendwandern und Jugendherbergen. Rach seinem Derichte ist das Jugendheim auf der Herchenh ainer Höhe im Rohbau vollendet, es geht jetzt an den inneren Ausbau, und man rechnet damit, dah das Heim schon im Winter von Schneefchuhläu- l fern und Wanderern benutzt werden kann.

Kreis Wetzlar.

d Wetzlar, 10. Aug. Das Landratsamt hat mit Wirkung vom 1. August 1925 ab die Stadt Braunfels und die Landgemeinden des Kreises in vier Ergänzungsfleischbeschaubezirke eingetent. Es umfassen der Bezirk 1 die Bürgermeistereien Schmalbach und Braunfels, die Fleischbeschaubezirke Aßlar, Hohensolms und Erda sowie die Gemein­den Krofdorf-Gleiberg, Vetzberg, Launsbach, der Bezirk 2 die Gemeinden Atzbach, Dorlar, Duten­hofen, Garbenheim und Kinzenbach, der Bezirk 3 die Bürgermeisterei Ulm und die Fleischbeschau- bezirke Werdens, Ehringshausen, Katzenfurt und Oberlemp, der Bezirk 4 die Bürgermeisterei Rech­tenbach. Zur Vornahme der Ergänzungsfleisch­beschau sind bestellt für den Bezirk 1 der Veterinär­rat Dr. Z ü r n in Wetzlar, für den Bezirk 2 der Tierarzt Dr. Claus in Wetzlar, für den Bezirk 3 der Tierarzt König in Ehringshausen und für den Bezirk 4 der Tierarzt W i ck in Wetzlar.

d Hochelheim, 10. Aug. In seiner legten Sitzung beriet der Gemeinderat unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Schneider den Haus­haltsplan für das Rechnungsjahr 1925/26. Die Dienstunkostenentschädigung des Gemeindevor­stehers wurde anderweit sestgesetzt. Zur Or­ganistenbesoldung wurde der Kirchengemeinde frei­willig und, ohne eine Verpflichtung der Zivilge­meinde anzuerkennen, ein Zuschuß ^aus der Ge­meindekasse zur Verfügung gestellt. Die Re­gulierung des Schwingbachs sowie der Bau einer Betonbrücke über diesen und der Ein­bau einer Grundschleuse in das Wehr wurde nach dem Entwürfe und Kostenanschläge des Kreisbau- meisters F l e n b e r (Wetzlar) beschlossen. Die Aus­schreibung der Arbeiten soll durck) letzteren geschehen. Der Haushaltsplan wurde in Einnahme und Ausgabe auf 59 615 Mark festgesetzt. Zur Deckung der laufenden Gemeindebedürfnisse soll eine Umlage von 200 Prozent auf die staatliche Steuer vom Grundvermögen erhoben werden.

Starkenburg und Rheinhessen.

Darmstadt, 11. Aug. Gestern mittag entgleiste in der Rähe von Darmstadt die Lokomotive, der Packwagen und der erste Wagen eines Güterzuges, wodurch die beiden Hauptgleise für kurze Zeit gesperrt wurden. Ver­letzt oder getötet wurde niemand; der Sachschaden ist gering. Bei einer Sprengung im Steinbruch bei Aschbach (Kreis Heppenheim) wurde der 32jährige, erst seit drei Wochen ver­heiratete Arbeiter Johann S ch o r k aus Harten­rod so schwer verletzt, daß er bald darauf starb.

Darmstadt, 11. Aug. Der Ballon Union der Technischen Hochschule hat am Sonntag seine erste Ausfahrt unternommen unter der Leitung von Prof. Eberhard, dem Inhaber des Lehrstuhls für Luftfahrt an der Technischen Hochschule. Die Fahrt, die um 10 Uhr begann, führte über Hanau, dann über Oberhessen, Fulda und Hersfeld bis in die Rähe von Bad Salzungen, wo der Ballon um. 4 Uhr niederging.

Hessen-Nassau.

][ Marburg, 10. Aug. In Verbindung mit dem Dezirksfest des zweiten Bezirkes des Arbeiterfängerbundes Rhein-Main-Gau wurde am Samstag und Sonntag hier das 25jährige Bestehen des hiesigen Arbeitergesangvereins Eintracht" und dessen Fahnenweihe begangen. Bei der Vorfeier am Samstag in den otabt* sälen, bei der bereits Arbeiterchöre aus Gießen und W i e f e d mitwirkten, überbrachte Gauvertreter Bartsch aus Frankfurt die Grüße des Bundesvorstandes in Berlin und des Gau- vorstandes in Frankfurt. Gestern bewegte sich ein langer Festzug, in dem von außerhalb die Arbeitergesangvereine Lauterbach. Frankenau. Reiskirchen, Lollar, Beuern. Lich, Cappel. Holz- Heim, Wieseck, Gießen, Heuchelheim, Garbenteich, Wißmar, Großen-Buseck, Bieber, Saasen, Alsfeld, Rodheim, Alten-Buseck und Vetzberg, sowie Frauenchöre aus Gießen, Alsfeld und Wieseck vertreten waren, durch die mit den alten und neuen Reichsfarben geschmückten Straßen zu den Stadtsälen, wo sich im Anschluß an die Festrede des Herrn B r ö m e c aus Gießen und die Taufe der Fahne ein frohes festliches Treiben entwickelte. Der Reihe nach fangen sämtliche Vereine, wobei besonders die Frauenchöre lebhaften Anklang fanden. Das Fest nahm einen ungestörten Ver­lauf.

><X Biedenkopf, 11. Aug. Im hohen Alter von 78 Jahren starb Hierselbst der staat­liche Rentmeister i.R. Ernst Esferz. Seme erste Anstellung erhielt der Verstorbene in Rod- Heim a. d. Bieber, woselbst er über ?in Jahrzehnt die Empfängerstelle des Bezirks verwaltete.

bl. Herborn, 10. Aug. Die Braun ko h- l e n i n d u st r i e des nahen Westerwaldes ist im Rückgang begriffen. Infolge Erschürfung einzelner Brüche und in Anbetracht der mit einer Reuerschlie- ßung verbundenen hohen Kosten muhten einzelne Werke schließen. Die bei diesem Industriezweig zur Entlassung gel'ommenen Arbeiter fanden jedoch bei der Basaltsteinindustrie gleich wieder Unterkunft.

bl. Herborn, 11. Aug. Im nahen Bir­ken entstand am Sonntagnachmittag ein Brand, der in kurzer Zeit Scheune und Stal­lung der dortigen Mühle einäscherte. Sämtliche Vorräte verbrannten mit. Der Schaden ist um so größer, da der Müller nicht versichert ist.

bl. Dillenburg, 11. Aug. In einzelnen Gemeinden des Kreises ist die Maul- und Klauenseuche wieder stark aufgetreten und hat unter den Viehbeständen großen Schaden an- gerichtet. War erst vor Monaten die Seuche im Kreise weitverzweigt und schadenbringend, so trifft es die Landbevölkerung heute doppelt schwer. Gegenmaßnahmen sind eingeleitet.

bl. Dillenburg, 11. Aug. Die sich immer schwieriger gestaltenden Raum Verhältnisse vieler Schulen unseres Kreises gaben in der letzten Zeit den maßgebenden Stellen Ver­anlassung, Abhilfe zu schassen. Reubauten. wur­den tatkräftig gefördert, so daß eine ganze Reihe von Gemeinden heule auf eine in gesundheitlicher und baulicher Hinsicht schöne Gebäude blicken können. Erhöhtes Augenmerk wandte man ferner den Gemeinden zu, die bislang überhaupt noch keine eigene Schule besaßen. Auch hier kann man ruhig sagen, daß jetzt fast alle Gemeinden versorgt sind.

bl. Dillenburg, 10. Aug. Rach der letzten Volkszählung beträgt die Einwohnerzahl unserer Stadt 6 0 3 6. Gegenüber dem Jahre 1910 ist eine Vermehrung um 12 Prozent zu verzeichnen. Der Dillkreis wird eine Kreissparkasse ein- richten. Rach jahrelangen Erwägungen wurde in der jüngsten Kreistagssitzung zu der Angelegenheit Stellung genommen. Eine Kommission soll über die Zweckmäßigkeit der Kasse noch näheren Bericht erstatten, woraus ein entsprechender Beschluß gefaßt