Aus der Provinz.
^uykrcitz Grcuen.
f Grünberg, 11. Juni. 3n einer Versprech ung einzelner Lehrer sowie der Vorsitzenden der Vereinigungen in Grünberg wurde beschlossen, eine 'R h e i n l n n d f e i e r, verbunden mit einem Jugendfest, am 5. Juli abzuhalten. Es i;t geplant, am Samstag. 4. Juli, abends, in ge- meinsaMem -Zuge vom Marktplatz nach dem Wecthossturm zu marschieren, daselbst spielt die Musik, gemeinschaftlicher Gesang der beiden Gesangvereine wird überleiten zu einer Ansprache des Dekans Schmidt. Daran anschließen soll sich das Abbrennen eines Holzstoßes, Verbrennen eines Kranzes zum Gedächtnis der Toten, Spielen der Musikkapellen. Hieraus soll sich ein Fackelzug nach der Turnhalle bewegen. Am Sonntagnachmittag soll sich ein Festzug, bestehend aus den Schülern der Oberrealschule und der Volksschule sowie sämtlichen Vereinen Grünbergs und zwei Musillapellen nach dem Festplatz (Lehmkaute) bewegen, woselbst Jugendspiele aller Art, Schau- und Wctturnen der Turner stattfinden werden. In ortsüblicher Weise werden an diesem Tage Vrezeln an die Jugend verteilt. — Die Freiwillige Feuerwehr hat beschlossen, an dem Provinz'. al°Feuerwehrtag in Schotten am 18., 19. und 20. Juni teilzunehmen, und zwar wird eine Äbordnung schon am Samstag an der Hauplsitzung teilnehmen.
Kreis Büdingen.
—, — Aus dem Aiddertal. 11. Juni. Das anhaltende Wetter hat das Wachstum und die Feldarbeit mit Ausnahme des Pslanzensetzcns außerordentlich gefördert. Das prachtvoll stehende Korn Hal eine rasche und schöne Blüte gehabt, jetzt hat die Heuernte in vollem ä-lmfange begonnen. Das Heu steht gut und gibt besonders bezug auf die Güte eine vorzügliche Mittel ernte. Die ersten größeren Grasversteigerungen haben bereits stattgefunden. so die immer große Anziehungskraft ausübende Ortenberg er Versteigerung. Die Preise haben die vergangenen Jahre nicht erreicht, der Durchschnitt li.egt bei 35 Mark pro Morgen, während er in früheren Jahren 40 bis 45 Mark erreichte. Die Obsternte wird vielfach das nicht halten, was eine ausgezeichnete Blüte versprochen hat, die Einzahl der in diesem Jahr ausgetretenen Schädlinge hat viel vernichtet. Die einzige essbare Ernte ist nur in Aepfeln zu erwarten, und auch hier nur in einzelnen Lagen und bei einzelnen Sorten. Der Ohst- und Gartenbauverein Büdingen hat mit vollem Recht seine Aufmerksamkeit wieder der Pflege der Meisen und anderer natürlichen Feinde der Insekten zugcwandt, ein voller Erfolg wird jedoch nur beschieden sein, wenn die Einzelgemeinden zur Anschaffung größerer Obstbaumspritzen und zur Ausführung der Schädlingsbekämpfung angehalten Wörden und auch in der Einschränkung der Katzen, der gröstten Feindin der nützlichen kleinen Vögel, etwas Durchgreifendes geschieht.
Kreis -llsfelv
CO Kirtorf, 11. Juni. In dem nahen A r n s h e i m , bekannt durch die Apfelweinfabrikation de- Gastwirts Seng, stürzte der etwa 30jährige Landwirt H a s e n p f l u g beim Heuabladen von seiner Scheune in die Terme, so daß man anfänglich das Schlimmste befürchtete. Nach dem ärzlichen Befund sollen die Verletzungen nicht lebensgefährlich sein, denn Hasenpflug ist auf dem Wege der Besserung.
Kreis Schotten.
O La ubach. 11. Juni. Die Vorbereitungen für das alte Laubacher Rationalfest, den sog. Ausschuß, sind in vollem Gange. Die —...............................Tiiwmi m
Festhallen werden errichtet, die Schaubudcnbesitzer treffen ein. mit der Anfertigung der berühmten „Laubacher Würstchen" uiu dem Backen der Kuchen wird begonnen. Das Fest wird schon seit vier Jahrhunderten gefeiert und findet sich in keinem Gebiete des Deutschen Reiches mehr m gleicher Form. Es verbindet die Gegenwart mit den Erinnerungen an das alte Deutsche Reich und gemahnt an den alten germanischen Heerbann,' hervorgegangen ist es aus einer Verschmelzung der Schießübungen der reichsgräflichen Solms-Laubacher Miliz mit »dem Preisschießen der alten Laubacher Schützengilde. Das Fest be- .ginnt am zweiten Sonntag vor Johanni mit Volksbelustigungen (Karussell, Schießbuden usw.). Der Montag ist der H a u p t f e st t a g. Die „Ausschußgesellschaft" zieht in Stärke von 13 Sektionen von 25 bis 30 Mann unter Musik und Trommelschlag zum Schlosse. Hier begrüßt der Ausschuhhauptmann den Grafen mit einer längeren Anrede imd ladet die gräfliche Familie zum Feste ein. Der Graf stiftet einen Hammel, der den ersten Preis darstellt, die Gräfin ein schwarzes Kleid für den zweitbesten Schuß. Am Dienstagmorgen findet ein von weither besuchter Markt, am Rachmittag wieder Volksbelustigung statt (Hahnenschlag, Wettlauf usw.). Wer einmal ein unverfälschtes Volksfest der guten, alten Zeit sehen will, der gehe vom 14. bis 16. Juni zum Laubacher Ausschuß. Erfreulich ist zu sehen, wie die einzelnen Stände mit dem entsprechenden Anstand, aber zwanglos' und mit Achtung vor dem Berus des Rächsten miteinander verkehren, im Gegensatz zu den Aufmachungen anderer sog. „Volksfeste" mit ihrem häufig unwahren, künstlich aufgeputzten Wesen. Mit dem diesjährigen „Ausschuß" soll ein Blumentag zum Besten des Ehr ende ntmals für die gefallenen Heldensöhne unserer Stadt verbunden werden. Der Krieger- und Militärver- e t n hat hierzu herzlichst eingeladen und die weibliche Jugend gebeten, den Verkauf der Blumen zu übernehmen. — Das trockene Wetter hat die Bautätigkeit sehr begünstigt. Die verschiedenen Reubauten in der Kaiser- st r a h e und Sicher Straße sind im Rohbau fast fertiggestellt. Auch der Anbau am Johann-Friedrich-Stift ist bis zum ersten Stockwerk fertig.
!*! Herchenhain, 10. Juni. Der Vogelsberger Höhenclub erbaut gegenwärtig auf der Her- chenhainer Höhe ein Jugendheim und errichtet unmittelbar daneben ein Ehrenmal für die gefallenen 23.5). C.-B rüder. Dieses wird das höchste Gefallenen-Denkmal im Hessenlande sein. Hier wird die wandernde 23. y). C.-Jugend den im Weltkrieg gefallenen 23. H. C.- Brüdern ein stilles Gedenken widmen können. Vor den Augen der Besucher wird sich ein herrlicher Rundblick über Vogelsberg, Spessart und Rhön darbieten. Die Rohbauarbeiten sind zur Zeit im Gang, man rechnet für Ende August mit der Fertigstellung, so daß im Septem der die Einweihung stattfinden soll. Der Bauplatz des Jugendheims liegt 200 Meter über dem Dorfe Herchenhain an einer nach Nordosten offenen Fichtenpflanzung. Mit Wasser wird das Heim aus einer 125 Meter höher gelegenen Quelle versorgt. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 25 00 OMark. Die Zentralstelle für Heimatpflege in Darmstadt hat bereits 2000 Mk. gespendet, zu erwarten sind für 1925 weitere 2000 Mark. Etwa 10 000 Mk. hofft man bei der kürzlich veranstalteten Lotterie zu lösen. Von feiten vieler Städte, Kreise und Behörden sind bereits namhafte Beträge eingegangen, außerdem erwartet man von der Industrie Unterstützungen. Durch Aufführung des Heimatspiels „Der Schelm von Bergen" hat die Frankfurter 23. H. C.-Jugendgruppe Ueberschiisse erzielt und ebenfalls dem Heim überwiesen. Die Anregung zur Errichtung des Jugendheims gab der rührige V. H. C.-Bruder Professor Georg Bender- Frankfurt, der Führer der 23. H. C.-Jugend. Das
Heim wird nach den Plänen des Architekten Deutschmann-Frankfurt ausgefiihrt. Die Gesamtanlage enthält Herbergsräume mit 65 Betten, auch hat man eine Wohnung für den Hausverwalter und Stallung vorgesehen. Für beiderlei Geschlechter werden im Kellergeschoß Waschräume eingerichtet werden. Anstatt der zuerst geplanten Wandstärke von 25 Zentimeter sollen die Wände des Heims eine Dicke von 40 Zentimeter erhalten, da die Witterungsverhältnisse im Vogelsberg dies erfordern.
Starkenburg und Rheinhessen.
Darmstadt, 11. Juni. In der gestrigen Sitzung der Stadtverordnetenversa mm- lung wurde die Festsetzung deö Steuerbedarfs und der RusschlagszifferN des Voranschlags für 1925 beraten. Es sind Mittel in Höhe von 7 277 000 Mk. aufzubringen. Es wurde deshalb vorgeschlageir .bereitzuftellen aus der Einkommen- und der Körperschaftsstruer 1 520 000 Mk., aus der Umsatzsteuer 150 000 Mk. Gemeindegrundsteuer 1 255 000 Mk., Gewerbesteuer 915 000 Mk., Son der st euer 2 477 000 Mk.: außerdem als rückzahlbare Vorlage aus Ver- mögens(Anlcihe-) Mitteln 960 000 Mk. Die Grundsteuer soll deshalb von 2 0 auf 32 Pfennig erhöht werden. Aus dem Ertrag der Gewerbesteuer werden durch einen Aufschlag von 40 Prozent aus die Ein- kommensteucr-Vorauszahlungefi weitere 466 000 Mark herausgeholt und die Son der steuer soll von 60 auf 70 Pfennig für je 100 Mk. Steuerwerk erhöht werden.' Rach längerer Aussprache wurden diese Sähe angenommen. Zur Linderung der Wohnungsnot bewilligten die Stadtverordneten einen Kredit von 40 000 Mk., der dem Ertrag der Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz entnommen werden sott. Die Summe soll zum Freimachen von Wohnungen verwandt werden. Auch wurden 35 000 Mark bewilligt zur Errichtung von drei weiteren Wohnbarackrn mit je vier Wohnungen. Die Stadt Darmstadt wird eine Waldschule errichten: die Kosten hierfür im Betrage von 150 000 Rkk. wurden von der Stadtverordnetenversammlung bewilligt.
Hessen-Nassau.
fpd. Frankfurt a. M., 11. Juni. Steht da an einer Straßenecke inmitten des starken Verkehrs ein angeblich Schwerkriegsbeschädigter und heischt bei den Vorübergehenden um eine Gabe, sehr kärglich fließen die Spenden. Plötzlich nähert sich ein Paar, ein Herr mit einer Dame am Arm. Der Herr beobachtet einige Augenblicke SH Vorgänge und sagt dann zu den Umstehenden: „Das ist ein Skandal, das man die armen Kriegsbeschädigten auf die Straße schickt. Wir müssen helfen. Hier, Kamerad, .haben Sie fünf Mark. Wer folgt?" und im Handumdrehen füllen sich die Hände des „Kriegsbeschädigte^" mit Schemen und Geldmünzen. Mehreremale struß er die Hande leeren. Dann verzieht sich die Menge allmählich. Der Herr und die Dame gehen langsam weiter. Auch der Kriegsbeschädigte verläßt die Ecke und stellt sich an einer anderen Ecke auf, und wie.von ungefähr erscheint das Paar wieder. Der Vorgang wiederholt sich. Das Trio arbeitet glänzend zusammen, denn alle drei sind Schwindler und leben nur von der Dummheit bzw. Rührseligkeit der Mitmenschen. — Die Stadion-De- triebsgesellschaft wird den Sonntag, an dem die deutsche Fußballmeisterschaft im Stadion zum Austrag kam, in bleibendem Andenken behalten. Denn die Tausende von Besuchern haben wie die Vandalen gehaust. Alle jungen Bäume wurden niedergetreten, schwere Vermauerungen zertrümmert, ein Teil der Tribünen zerstört, der Rasen pöttig vernichtet. Der Schaden ist derart groß, daß Tage vergehen, ehe das Stadion wieder hergerichtet ist. Wie man hört, sollen am Sonntag erheblich mehr Karten ausgegeben worden sein, als statthaft war. Der
Stadion bleibt vorerst geschlossen. — Die Staatsanwaltschaft ließ den hiesigen Juwrlenhänblec Adolf Rieß verhaften. Er hat durch Zeitungsanzeigen Besitzer von Juwelen zur Hergabe derselben veranlaßt, die Stücke in eine Kassette gelegt und dann in einem unbewachten Augenblick blitzschnell mit einer anderen Kassette vertauscht und diese den Besitzern bis angeblich zum nächsten Tage mitgegeben. Mit den Brillanten ging Rieh flüchtig, er wurde aber jetzt in Mannheim ermittelt und festgenommen. An dem neuartigen Trick sotten sich auch der Schwiegersohn des Rieß imd eine noch nicht ermittelte Frauensperson beteiligt haben. — In der Obermainanlage stürzte heute mittag das zwei- einhalbjährige Töchterchen der Eheleute Moog aus dem fünften Stock des Hauses, verfing frch zunächst in dem Drahtgewirr einer Antenne und siel dann in die Tiefe. Das Kind verstarb kurz nach 'feiner Einlieferung in das Heiliggeifthvspital. Das Unglück geschah dadurch. daß die Mutter B e tt g.n aus dem Fen st er gelegt hatte, das Kind kletterte an den Betten empor, rutschte aus und stürzte ab. Die Familie hatte erst vor drei Tagen ein Kind durch den Tod verloren.
Wirtschaft. DiedeutscheAutzenhandelsbilanz im April, ein Warnungszeichen!
Die Entwicklung des deutschen Außenhandels im April hat denjenigen Recht gegeben, die eine Aktivierung unserer Handelsbilanz im Verlauf der Verminderung des Einfuhrüberschusses im Februar und März ohne durchgreifende wirtschaftspolitische Maßnahmen für unmöglich halten. Der Einfuhrüberschuß ist von 328 auf 337 Millionen Mark gestiegen, das Defizit unserer Handelsbilanz in den ersten vier Monaten des Jahres 1925 beträgt 1687 Millionen Mark, was einem Jahresdefizit von etwa 5 Milliarden entsprechen würde. Gibt schon diese Tatsache allein angesichts der Belastung unserer Zahlungsbilanz durch die Reparationsannuitäten und durch die Verzinsung und Amortisation der Auslandkredite zu den schwersten Besorgnissen Anlaß, so stimmt doch bedenklicher die Gliederung der deutschen Einfuhr nach Gruppen.
Man kann dieser Entwicklung auf die Dauer nicht tatenlos zusehen und hoffen, daß der deutsche Außenhandel „von selber" wieder ins Gleichgewicht kommen werde. Die Gefahren, die eine fortdauernd in diesem Platze passive deutsche Zahlungsbilanz für die Stabilität unserer Währung in sich birgt, sind zu groß. In erster Linie muß endlich der Staat der deutschen Wirtschaft den Kampf um den Weltmarkt erleichtern, in dem er die außerordentliche Belastung der Produktion mit öffentlichen Abgaben vermindert. Die letzte Nummer der „Deutschen Wirtschafts- Zeitung", des Organs des Deutschen Industrie- und Handelstages, brachte Ausführungen über die Belastung der deutschen Wirtschaft durch Steuern, Zinsen, Eisenbahnfrachten und Sozialversicherungsbeiträge, die angesichts der unbefriedigenden Entwicklung unseres Außenhandels besondere Beachtung verdienen. Danach ist die steuerliche Belastung tipn 4886,9 Äkillionen Mark gleich 11,2 Proz. des Volks- oermögens im Rechnungsjahr 1913 auf 12,3 Mill. Mark gleich 33j—50 Proz. des deutschen Volkseinkommens (über dessen gegenwärtige Höhe die Berechnungen zwischen 22 und 36 Milliarden schwan- ken) im Rechnungsjahr 1924/25 gestiegen. Die Belastung durch Eisenbahnfrachten stieg in der gleichen Zeit von 3058 auf 4439 Millionen Mark, ihr Anteil am Volkseinkommen betrug 1913 6,7 Proz., 1924/25 je nach der Schätzung des Volkseinkommens 12,5—20 Proz.; die durchschnittliche Belastung fe Tonne Versand gegebener Güter kostet uns gegenwärtig 1,6.5 Milliarden Mart, 50 Prozent mehr als vor dem ftrieg, und Regierung und Reichstag be-
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Technisch-politischer Roman aus der Gegenwart.
Don Karl-August von Lafsert.
64 Forlietzung (Nachdruck verboten.)
„Meldung von Stand 2, daß ein weiteres unübersehbares Fliegergeschwader von Südwesten heranfliegt. Einer unserer Kampfflieger schreitet zur Landung, anscheinend beschädigt."
„Bald werden sie es noch schwerer haben", sagte Kersten. „Aber es hilft nichts, erst müssen genug der Feinde in der Mausefalle fein."
„Meldung von Stand 3: Eine vor drei Minuten gemachte Fernphotographie zeigt 117 feindliche Flugzeuge, von denen drei im Absturze begriffen waren."
Kersten foanbic sich an den Ersten Offizier:
„Sind die Batterien intakt?"
„Alle sind kampffähig. Materialverluste an verschiedenen Stellen, Mannschaftsverluste bisher nur zwei."
Der Lautsprecher der Zentrale meldete:
„Verbindung mit Stand 5 unterbrochen."
„Anfrage bei 1 und 4, ob sie etwas wissen", befahl Kersten.
Ein Klirren dicht art seinem Kopfe ließ ihn unwillkürlich beiseitefahren. Das Glasfenster war zerbrochen. Rasch blickte er sich um. Sanders hielt die Hand an die rechte Backe, die stark blutete.
„Es ist unbedeutend", sagte er beruhigend.
„Verirrter Maschinengewehrschuß", erklärte der Erste Offizier und rief durch ein Sprachrohr zum Verbandraume hinauf.
„Kümmern Siesich um Gottes willen nicht um mich!" bat Sanders und schritt selber zur Tür, durch die im gleichen Augenblick Linda hereinge- flogen kam.
„Sie sind verwundet?" schrie sie ihm zu.
„Still, wir dürfen nicht stören", bat Sanders.
„Es hat nicht das geringste zu sagen."
Aber er taumelte doch etwas, als Linda ihm stützend zur Türe half.
Der Erste Offizier meldete: „Drei weitere Kampfflieger mußten niedergehen. Dom Gegner '■ ‘ ’ v-ri™* schon dreißig außer Gefecht. Es
Zeit, sonst wird auch der Rest unserer Flugzeuge vernichtet."
„Wo bleiben die Meldungen über das zweite feindliche Geschwader?" fragte Kersten.
Der Zweite Offizier winkte durch Zeichen, daß er gerade spräche. Gleich darauf meldete er:
„Stand 4 teilt mit, daß Stand 5 durch Bombentreffer beschädigt ist. Stand 3,meldet, daß nach seiner Ansicht fast alle feindlichen Flugzeuge im Innern des Verteidigungsringes feien."
„Kampfflieger geben Blinklicht," rief der Erste Offizier, „sie wollen durchbrechen."
Kersten sprang an den Schalttisch. Ein Blick überzeugte ihn, daß nur wenige rote Störungslämpchen brannten. Er bog die Schalter der Batterien 40 bns 50 und 80 bis 90 nach links, um diese Stellen für den Durchbruch der Kampfflieger feuerfrei au halten, die übrigen nach rechts. Gleichzeitig hatte der Erste Offizier die Schutzschilde heruntergelassen
Und nun setzte es ein wie ein schweres Hagelwetter, prasselnd, rauschend, knatternd, polternd; ein höllisches Gerase und Getobe der entfesselten menschlichen Zerstörungswerkzeuge.
Kersten schrie dem Ersten Offizier in die Ohren:
„Nachrichtenzentrale soll wichtige Meldungen durch Lichtschreiber geben."
Unverwandt blickte er auf den Schalttisch. Die Mehrzahl der grünen Lämpchen gaben Blinklicht als Zeichen, daß die dazugehörigen Batterien feuerten.
„Karnpfflieger sind durch!" meldete der Erste Offizier.
Kersten drehte den Rest der Hebel nach rechts, worauf alle grünen Lämpchen blinkten.
Oberhalb des Schalttisches erschien ein hellbeleuchteter Papierftreifen, der aus einem Fernschreiber hervorkam. Der Zweite Offizier machte Kersten aufmerksam. Dieser las die Worte:
„Stand 4 meldet etwa dreißig feindliche Flieger außerhalb des Verteidigungsringes. Seit Beginn des Feuers gelang es keinem französischen Flugzeuge, die Sperrzölle zu durchstiegen."
Kersten schrie dem Zweiten Offizier zu:
„Befehl für Kampfflieger, den außen befind- Feind ”• "
Dieser gab den Befehl durch Drücken d^ Tasten des Fernschreibers an die Zentrale, da der nervenzerreißende Lärm sich noch gesteigert hatte.
Der Erste Offizier, der durch eingebaute Sehrohre den Horizont gemustert hatte, ging zu Kersten heran und rief ihm zu
„Sperrfeuer wirkt vortrefflich. Jeder Versuch einzelner Flieger, die Feuerzone zu durchbrechen, führt zum Abschuß. Wir müssen jetztSchluß machen. In fünf Almuten ist die Munition verschössen.'
„Was macht der Gegner?^
„Er irrt in dichten Haufen im inneren Ringe umher. Alle bleiben weit vom Sperrfeuer entfernt."
Kerst-m drückte auf einen Schalthebel, worauf sofort Totenstille eintrat.
„Melden Sie, sobald ein Flugzeug sich fc-cr Sperrzone nähert", sagte er dem Ersten Offizier. Dann rief er der Zentrale zu: „Rufen Sie Geoucr durch Funkspruch an: Wir bieten Kapitulation, sonst volle Vernichtung."
„Feind versucht Durchbruch in großer Höhe!" rief der Erste Offizier.
Kersten drückte aufs neue den Feuerhebel, und wieder begann das entsetzliche Gelobe.
„Ein Gegner nach außen entronnen, zehn stürzen ab, der Rest famelt sich wieder in der Mitte", meldete der Erste Offizier.
Eine neue Feuerpause trat ein Diesmal versuchten die eingeschüchterten Franzosen keinen Durchbruch. Mit etwa 4000 Meter Höhe war ihre äußerste Steigefahigkeit erreicht, aber auch dort blieben sie von den Explosivgeschossen der Ma- fchinengeschütze nicht verschont.
Die Zentrale meldete:
„Verständigung mit dem Gegner wurde ausgenommen. Er verweigert die Kapitulation und verlangt freien Abzug. Kampfflieger melden die Vernichtung der außerhalb befindlichen feindlichen Flugzeuge."
„Dann also auf zum letzten Streit!" sagte Kersten hart.
Er und der Erste Offizier rückten die Hebel des Schatttisches, die Den Batterien entsprachen, ein Ende nach der Mitte zusammen.
„Jetzt ist der Umfang des Ringes nur noch zwei Kilometer groß", sagte Kersten.
Abermals setzte das schreckliche Prasseln und Knattern ein. Langsam wurden die Hebel immer weiter der Mitte zugerückt, und immer enger schnürte sich die verderbliche Feuerzone.
Schon nach einer Minute meldete der Zweite Offizier:
„Eine Menge der Gegner stürzt ab. Der Rest drängt sich eng in der Mitte zusammen.
Kersten unterbrach daS Feuer, richtete aber zur Sicherheit die Batteriehebel wieder auf die ursprüngliche Lage, so daß der große Ring auf£ neue hergestellt war.
Die Zentrale meldete nach kurzer Zeit:
„Feind nimmt bedingungslose Unterwerfung an."
„Alle feindlichen Flugzeuge sollen sofort landen!" befahl Kersten. „Und zwar in einem Umkreise, der nicht weiter als 500 Meter von der zerstörten Flugzeughalle entfernt ist. — Befehl für die Kampfflieger: Sobald der Gegner gelandet ist, oberhalb desselben kreuzen, um jeden Fluchtversuch zu unterbinden. — Befehl an die erste Kompagnie: Entwaffnung und Gefangennahme der Feinde. — Befehl an zweite und dritte Kompagnie: Absuchen des Kampffeldes nach Verwundeten. — Befehl an vierte Kompagnie: Aufräumungsarbeiten. — Mitteilung an alle Kommandostellen: Der Feind hat kapituliert."
9.
Schreiben des französischen Botschafter s. in Berlin
an den deutschen Minister des Auswärtigen.
Euer Exzellenz
erlaube ich mir im Auftrage der Regierung Frankreichs folgendes zu unterbreiten:
Am 17. Mai fielen mehrere französische Flugzeuggeschwader in der Nähe des Ortes Platinia im Nordlande Nova Thule einem heimtückischen UeberfaU zum Opfer. Der Usurpator jenes Landes ist ein Deutscher namens Sanders. Ebenso besteht seine sogenannte Schutztrupp? fast ausschließlich aus Deutschen, die die ahnungslosen französischen Flieger mit Kampfflugzeugen bekämpften, die nach deutschen Modellen in einer m Rußland errichtetest deutschen Fabrik hergestellt wurden.
(Fortsetzung folgt.)


