Ausgabe 
12.3.1925
 
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FechtenstSSe 3 TCL je Rm., Duchenreifer 7 Mk., Fichtenreifer 6 Mk. je 5 2tm.

* Dieder-Dessingen, 10. März. Am Sonntagvormittag hielt die hiesige Freiwil­lige Feuerwehr unter ihrem neuen Kom­mandanten, Kreisst rahenwart Otto Drück, und unter Mitwirkung der Freiwilligen Sani- tätslolonne Lich unter der Leitung des Kolonnenarztes Dr. med. Roth ihre erste außer­ordentliche Hebung ab, die in allen Teilen gut verlief. Am Stratzenkreuz beim Dackhaus leistete die Freiwillige Sanitätskolonne Lich den zahl­reichen Schwerverletzten eines angenommenen Autounfalles die erste Hilfe, beteiligte sich mu­sterhaft bei der Durchführung eines mit Rettung von Menschenleben verbundenen Drandangriffes, und Jegte den als verunglückt angenommenen Feuerwehrmännern die ersten Verbände an. Die Kritik wurde anschließend intGasthaus zum Löwen" von dem 2 Kommandanten der Frei­willigen Feuerwehr Lich abgehalten, der beson­ders lobend die Schlagfertigkett und Gewandt­heit unserer Freiwilligen Feuerwehr hervorhob. Der 1. Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Lich, Hch. F i n d t, sprach noch über daS moderne Feuerlöschwesen und lud die hiesige Feuerwehr zu einer am nächsten Sonntag in Lich statt- ttndenden Probevorführung der verschiedenen Feuerlöschap parate ein,

df. Langsdorf, 10. März. Gestern abend sprach im Rathaussaal Dr. Stier-Gießen im Auftrag der Liga zum Schuhe der deut­schen Kultur über das Dawes-Gutach-- t en. 3n einem gut durchdachten Dortrag führte er den Erschienenen, frei von jeder politischen Einstellung, aus, wie der Dawes-Plan entstand, welche Lasten er dem deutschen Volke auferlegt und wie sich dieselben auf die einzelnen Wirt­schaftszweige verteilen. Wenn vielleicht auch durch den Dawes-Plan eine gewisse Ordnung in unsere Wirtschaft gekommen ist, so stehen uns doch noch schwere Lasten bevor, 3ahre, in denen wir einen großen Teil unserer Arbeit als Knechte des internationalen Kapitals verrichten müssen. Aus dem Vortrag ging hervor, daß wir er­kennen müssen, daß es um Deutschlands Dasein geht, daß wir daher als eine Rotge­meinde zusammenstehen müssen, um das Vaterland durch Arbeit einer besseren Zukunft zuzuführen. Aach dem Vortrag führten uns eine Reihe von Lichtbildern vor Augen, wie die deutsche Wirtschaft fett Versailles geknebelt ist.

Kreis Friedberg.

vw. Duhbach, 11. März. Auf Einladung des Kriegervereins hielt Oberstleutnant a. D. von Hagen hier einen außerordentlich fesselnden Dortrag über die viertägige Schlacht am Aarocz-See östllch von Wilna. 2Iuf Grund eigenen Erlebens entwarf der Redner ein packendes Dild von dieser glorreichen Tat des Weltkrieges, die mit einem vollkommenen Siege der den Russen zahlenmäßig weit unter­legenen deutschen Truppen endete. Vortreffliche Lichtbilder bereicherten den Vortrag in bester Weife. Dem Vortragenden wurde mit herzlich­stem Beifall gedankt.

4 Bad-Rauh eim, 10. März. Die heu­tige Sitzung der Stadtverordneten brachte vorwiegend nur Gegenstände von unter­geordneter Bedeutung zur Verhandlung: sie ver­lief deshalb ohne größere Debatte in flottem Tempo. Einleitend gedachte der Bürgermeister mit ehrenden Worten, die von der Versammlung stehend angehört tourben, des toten Reichspräsi­denten. Die Freiwillige Sanitäts­kolonne vom Roten Kreuz bekommt für Aus­rüstungszwecke 1700 Mk. bewilligt. Die dafür anzufchaffenden Gegenstände bleiben Eigentum der Stadt. Für Erneuerung der Feue r- alarmanlaae werden 2000 Mk. bewilligt. D?r Freiwilligen Feuerwehr wird der Betrag zur Anschaffung einer Anzahl neuer

Dienst rocke bewilligt. Das städtische Haus Dorngasse 1, wegen seiner Daufälligteit schon lange ein Stein des Anstoßes, soll auf Ab­bruch versteigert und an seiner Stelle eine städtische Wagenhalle errichtet werden. Der Vor­anschlag von 8000 Mk. findet Genehmigung. An einigen Laternen, die jetzt schon zu Rellame- zwecken benutzt werden, sollen mit Zustimmung der seitherigen Pächter weitere Reklam.schilder angebracht werden. 3n einigen Straßen der Altstadt finden sich noch vorspringende Treppenstufen, die für den Verkehr äußerst hinderlich sind. Mit der Beseitigung der­selben soll zunächst in der Taunusstraße begonnen werden. Die 2Irbeiten geschehen aus städtische Kosten, 1300 Mk. werden vorerst dafür bewilligt. Für Schaffung neuer Bleich platze hinter dem Äonitzky-Stift werden 1000 Mk. bewilligt. UnterBesprechungen" wird angeregt, einen Bau­platz am Johannisberg von der Bebauung aus landschaftlichen Gründen auszuschlleßen, da- mit das Landfchaftsbild des 3ohannisberges nicht weiter verschandelt werde. Die Frage soll näher geprüft werden. Erneut wird aus der Versamm­lung auf die systematische Versetzung der älteren Polizei beamten hingewiesen. Der Bürgermeister wird beauftragt, beim Ministerium des 3nnern deswegen vorstellig zu werden. 3m 3nteresse des guten Einvernehmens, das zwischen den alten Beamten des Polizeiamtes und der Bürger­schaft bisher bestanden hat. wünscht die Ver­sammlung. daß es bei der bisherigen Besetzung bleibe und nicht alle Augenblicke Aenderungen erfolgen. 3n der nichtöffentlichen Sitzung wird u. a. der Ankauf von Grundstücken be­schlossen.

Kreis Schotten.

Schotten, 11. März. Die weithin be­kannte GastwirtschaftZum Hessischen Haus" ging durch Kauf an den seitherigen Pächter C. Hufnagel über.

* Eichelsdorf, 11. März. Unter Krie­gerverein konnte in einer gut besuchten Mo­natsversammlung sechs Mttglleder darunter zwei Veteranen von 1870/71 für 40jährige und 12 Mitglieder für 25jährige treue Mitglied­schaft durch Heberreichung eines besonderen Hassiaabzeichens auszeichnen. Dann erzählte Pfr. Köhler aus A i d d a fast drei Stunden von seinen Erlebnissen als Feldgeistlicher an ber Oft» und Westfront. Der Vortragende, ein glänzender Redner, verstand es meisterhaft, seine Zuhörer bis zum letzten Augenblicke zu fesseln.

Kreis Alsfeld.

te* Alsfeld, 10. März. (St adtvor - st a n d sfitz u n g> Zu Beginn der Sitzung ge­dachte der Vorsitzende des Todes des Reichspräsidenten, wobei er den Ge­fühlen der Trauer des deutschen Volkes Aus­druck verlieh. Die Versammlung hatte sich dabei von ihren Sitzen erhoben. Hrundstücks- verp achtungen: Die am 3. und 4. März ftattgefunbenen Verpachtungen von städtischen und Hofpitalgrundstücken wurden genehmigt. Es wurden im Durchschnitt pro Morgen 20 Mk. Pacht erlöst, wobei allerdings, wie der Vor­sitzende bemerkte, zu berücksichtigen sei, daß dar­unter teilweise geringwertes Land sei- Um­bauDeutsches Haus": Für den jetzt in Angriff genommenen ilmbau des von der Stadt erworbenen ehemaligen HotelsDeutsches Haus", mit dem ein öaatbau verbunden werden soll, wurde ein Kredit bis zu 80 000 Mk- bewilligt. Förderung der Wohnungsbau­tätigkeit im 3ahre 19 25: Hm der Bau­tätigkeit zwecks Linderung der immer schlimmer werdenden Wohnungsnot zu fördern, will die Stadt die private Wohnungsbautätjgkeit in weit­gehendstem Maße unterstützen. Die Stadt ge­währt zwei Möglichkeiten hierzu, entweder nach Form A durch Gewährung eines Bau­darlehens bis zu % des Baulapitals, jedoch

ins höchstens 10 000 Ml. für ein Haus zu 8 Prozent Zinsen und 1 Prozent Tilgung gegen erste Hypothek, oder Unterstützung der Bau- lustigen nach den Vorschriften über die öffent­lichen Daudarlehen, d. h. bis zu 3000 Mark Staats- und Gemeiirdebaukostenzuschuß zu 4 Prvz. für eine Wohnung (Form B). Den Daulustigen steht es frei, welche der beiden Formen sie wählen wollen. Die darüber der Bürger­meisterei vorgelegten Richtlinien wurden nach längerer Aussprache genehmigt und hierfür ein Kredit bis z u 100 000 Mk. bewilligt. Wie der Vorsitzende mitteilte, liegen für beibe Formen der Unterstützung des Wohnungsbaues bereits 18 Daugefuche vor. Da auch eine Anzahl Gesuche für Einzelhäuser vorliegen, muß der Bebauungsplan für die Siedlungsanlage in der Rambach dahin abgeändert werden, daß dort auch Einzelhäuser neben den Doppelhäusern zu- gelassen werden. Cs soll entsprechender Antrag oct dem Ministerium gestellt werden. Das Ge­lände soll für 1 Mk. pro qm an Bauliebhaber abgegeben werden. Der vorgelegte Vor­anschlag für den Prämienmarkt mit 11000 Mk. in Einnahme und Ausgabe wurde genehmigt. Ein Gesuch der Kraft- stromabnehmer um Herabsetzung des Strompreises wurde nach dem Vorschlag der Elektrizitätswerlskommission abgelehnt, da der Kraftstrom nicht billiger als 19 Pf. pro Kilowattstunde abgegeben werden kann. Ebenso wurde ein Gesuch des Hausbesitzer­vereins Alsfeld, wonach die Stadt das Wassergeld direkt von den Mietern er­heben soll, abgelehnt, da dies zur Zeit im Hinblick auf die Bestimmungen des Reichsmietengesetzes nicht möglich ist. Den Mietern soll jedoch emp­fohlen werden, in Anbetracht der geringen Miet­sätze das Wassergeld anteilmäßig den Haus­besitzern zu bezahlen. Ein Gesuch der Gemeindehebammen um Erhöhung ihres Wartegeldes wurde nach dem Vorschlag der Finanzkommission abgelehnt, da ein" Anlaß zu einer solchen Erhöhung nicht für vorliegend er­achtet wurde. Die Anschaffung ejneS Kultivators, die das Stadtbauamt für Öen landwirtschaftlichen Betrieb der Stadt beantragt, wurde genehmigt. Errichtung einer Autohalle für die Lastkraftwagen: Aachdem die Kraftwagenlinien AlsfeldReu- sladt, AlsfeldTreysa, AlsfeldGroß-Felda- Ehringshausen und AlsfeldKirtorfEhrings­hausen vom Reichspostministerium genehmigt worden sind, muh die Stadt eine Halle für fünf Kraftwagen nebst einer Werkstatt bauen. Rach mehrfachen Ortsbesichtigungen soll die Hatte auf dem städtischen Hofgelände hinter der Herberge zur Heimat" in der Schellengasse er­richtet werden, wofür noch das Einverständnis der Oberpostdirektion Darmstadt einzuholen ist. Sobald die Wagen geliefert sind, soll der Be­trieb aufgenommen werden, was voraussichtlich noch im April d. 3. der Fall sein wird. 3n nichtöffentlicher Sitzung wurde der Anstellungs­vertrag des neuen Stadtobersekretärs Seippel genehmigt.

Kreis Wetzlar.

Wetzlar, 12. März. Wie aus dem An- zeiaenteil des gestrigenGießener Anzeiger-" ersichtlich, sindet am 5. April in Wetzlar auf dem neuerbauten Stadion der Spilburg eine allgemein e Ausstellung von Hunden aller Rassen statt. Der veranstallende Ver­ein ist bemüht, diese Ausstellung zu einem vor­nehm-sportlichen Hnternehmen zu gestalten. Vor­mittags ist die Prämiierung der ausgestellten Hunde, nachmittags findet ein großes Wind- Hundrennen statt. Räheres in der gestrigen An­zeige.

' Kinzenbach, 11. März. Bei der heu­tigen Holzversteigerung unserer Gemeinde wurden folgende Durchschnittspreise erzielt:

Eichenstammc 3. und 4. Kl. 47 Mk., Fichte»» flämme 2. bis 4. Kl. 26 Mk. je Fstm.

§§ Ebersgöns. 11. März. Bei der int Rathaus, bierfetbft ftattgefunbenen Ruhholz«- Dersteigerung der Gemeinden Ebers- göus, Oberkleen unb Riederkleen war­en durchschnittlich folgende Preise erziell: Kie­fernholz 2. Kl. 24 bis 25 Mk. pro Fstm., Kie­fernholz 3. Kl. 22 bis 24 Mk. pro Fstm., Kie­fernholz 4. Kl. 20 bis 22 Mk. pro Fstm., Fich­

tenstammholz, 4. Kl. 22 bis 24 Mk. pro Fstm... Cichenstammholz 1. KI. 170 bis 190 Mk. pro Fstm., Eichenstammholz 2. Kl. 70 bis 90 Mk. pro Fstm., Eichenstammholz 3. Kl. 60 bis 80 Mk. pro Fstm., Fichtenstangen 1. Kl. 1,50 bis 2,50 Mk. pro Stück, Fichtcnstangen 2. Kl. 1,20 bis 1,80 Mk. pro Stück. Für den Raummeter Eichen-Küferholz touröen' durchschnittlich 40 bis 45 Mk. gezahlt.

Hessen-Nassau.

fpd. Frankfurt a. M., 11. März. 3n bet Stadtverordnetenversammlung vom Dienstag legte der Magistrat das Wohnungsbau­programm für 19 2 5/26 vor. Danach sollen bis zum Schluß des Etatsjahres wenigstens 1 500 Wohnungen fertiggestellt wer­den. Die Redner der linken Parteien^ erklärten das Programm für nicht weitgehend genug und forderten, indem sie auf Köln hinwiesen, den Bau von mindestens 2000 Wohnungen im Jahre, inäaefami 10 000 Wohnungen innerhalb fünf 3ahren. Einstimmig war man der Auffassung, daß das von der Stadt in Geltung stehende Erb­baurecht völlig veraltet sei und der Modernisie­rung dringend bedürfe. Wie vom Magistrat mit- geteUt wurde, beträgt die Zahl der Wohnung­suchenden in Frankfurt rund 100 0 0. 3n Wiesbaden und Frankfurt hat die angebliche Krankenschwester Helene Guddat aus Ost­preußen unter Berufung auf hochstehende Per­sonen. bei denen sie in Stellung fein wollte, große Schwindeleien begangen und daber erhebliche Geldbeträge und Waren erhalten Heute früh wurde der Schwindlerin das Hand­werk gelegt. Offenbar hat die Guddat viele bisher gemufft bekannte Schwindeleien verübt.

Kirche und Schule.

Dorfkirchenvorsteher-Tagung.

)( CBiHingen, 9. März. Der Verein oberhessischer Dorf kirchenfreunde hält am Montag, 16. d Mts., dahier einen Dorfkirchenvorstehertag ab. Hm 10 Hhr findet ein Festgottesdienst statt, in dem Prälat D. Dr. Diehl predigen wird. 3n der Rach- mittag&jerfammlung im Saale des Gastwirts Strack wird 3ugendpfarrer Zentgraf über die Ausgabe der Kirchenvorsteher in der Jugend­pflege sprechen.

Vom Schulwesen in Hessen.

Die höheren Schulen hatten im 3ahre 1924: 14 407 Schüler (14 538 im Vorjahre) und 8371 Schülerinnen (8418 im Vorjahre). Hessen hatte im Mai 1824 : 9 Gymnasien mit 2212 Schülern und 82 Schülerinnen, 2 Proghmnasien mit 162 Schülern und 3 Schülerinnen, 3 Realgymnasien mit 1842 Schülern, 13 Oberrealschulen, mit 5983 Schülern und 288 Schülerinnen, 15 Realschulen mit 2550 Schüler und 678 Schülerinnen, 13 Höhere Bürgerschulen (gemischt mit 725 Schülern und 392 Schülerinnen), 5 Höhere Bürgerschulen für Mädchen mit 519 Schülerinnen, 8 Höhere Mäd­chenschulen mit 4297 Schülerinnen, 2 Studien- onstalten und Lehrerinnenseminare mit 136 Schü­lerinnen, 4 Aufbauschulen mit 188 Schülern und 60 Schülerinnen, 4 Lehrer- und Lehreriirnensemi- nare mit 131 Schülern und 28 Schülerinnen und 1 Pädagogischer Kursus mit 33 Schülern. Rach dem Stand am 1. Dezember 1924 hatte Hessen: 961 Volksschulen mit 152 675 Schülern und Schü­lerinnen.

Die Oderwälder.

Roman von AlfredDock.

19. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

An der Hof reite des Peter Margolf vv rüber - schreitend, spähte er nach der Marie aus. Die war nicht zu erbllcken. 3n den letzten Wochen hatte sie das Wasser nicht mehr am Schulborn geholt. Seit sie die Werbung des Hannbast Selzer abschlägig beschißen, lieh sie ihr Vater nicht mehr aus den Augen. Dessenungeachtet war Weilandt hoffnungsfreudiger denn je. 3n wenigen Lagen kam im Landtag der Gesetzent­wurf zur Beratung, der den Volksschullehrern die ersehnte Gehaltsaufbesserung bringen sollte. Ging alles nach Wunsch, würde er vor den Peter Margolf treten und die Marie zur Frau be­gehren. Ohne Heberhebung würde er sprechen, aber mit berechtigtem Selbstvertrauen. 3n Gegen­wart der Kommission hatte der Kreisschulinspektor seine Methode und sein pädagogisches Geschick gerühmt. Er wollte gewiß sein Verdienst nicht übertreiben. Dennoch durfte er von sich sagen: er hatte auch sonst der Gemeinde seine Arbeit und Sorge gewidmet. Das hatten ihm vorhin noch des Pfarrers Worte bestätigt: .Mit 3hrer Spar- und Darlehnskasse haben Sie einen großen Erfolg gehabt.' Hnd der Peter Margolf saß im Aufsichtsrat. Dis in den Herbst hinein hatten die Großen und die Kleinen hüben und drüben eines hölzernen Stegs wegen sich in den Haaren gelegen, den sie über den Bach führen wollten. Der war nun auch endlich zustande gekommen. Aber wer bürgte dafür, daß ihn das nächste Hoch­wasser nicht zusammenrih? Er, Weilandt. hatte ihnen einen eisernen Steg gebaut, unsichtbar und doch sichtbar, fest gegründet für alle Zeiten.

Während der Wintermonate beschäftigte Vi- sping vier Mann am Hornerhang, darunter den Heinen Kumpf, der früher in einem der Basalt- brüche an der Lumda gearbeitet hatte und sich bei der Freilegung des Gesteins besonders brauchbar erwies. Die Leute frühstückten und vesperten in einer eigens für sie gebauten Hütte.

Hatten sie ihr Brot verzehrt .ließ der fleine Kumpf seiner Zunge freien Lauf. Er sprach von der Dumpfheit und Stumpfheit, in der die Ar­beiterschaft im Vogelsberg lebte, und daß sie die beste Hilfe bei sich selbst suchen müßte. Was hier fehlte, sei die Organisation. Leider seien die meisten zu trage, sozialistische Gedanken aufzu­nehmen. Darum sei auch wenig Aussicht vor­handen, daß sich ihre Lage verbessere. Er habe lange genug drunten geschafft, um zu wissen, was das Volk von Freiheit und Rechten zu be­anspruchen habe.

Regelmäßig am Samstag erschien Herr Di- sping und zahlte die Löhne aus. Danach be­suchte er den Krämerskarl und erzählte, welchen Fortgang seine Angelegenheiten nahmen. Die Maschinen waren in Buckau und Mannheim bestellt und sollten zu Anfang März geliefert werden. Auch die Feldbahn würde bis dahin betriebsfähig sein. Für die Pflastersteine waren in Berlin, für den Kleinschlag in Frankfurt Abnehmer gewonnen. Alles deutete darauf hin, daß man den richtigen Zeitpunkt gewählt hatte, das Bafaltwerk in die 3nöuftrie einzufühven. Seiner Pflicht gemäß begab sich der Krämerskarl jeden Morgen auf den Bruch. Er betrachtete sich nicht als Aufseher, sondern gleichsam als Teilhaber des Geschäfts. Ein Geldmann wie der Herr Disping würde sich nicht auf eine Unter­nehmung beschränken. Der fing über kurz oder lang noch etwas anderes an. Hnd er brauchte Leute, denen er fein Vertrauen schenkte, die er an sich fesselte. .Herr Rendant, würde er eines Tages sprechen, .Sie leisten mir gute Dienste. Hnd was die Hauptsache ist: der Bruch rentiert. 3d) gebe Ihnen ein Drittel vom Reingewinn. Glück auf! Er, der Krämerskarl, griff natürlich zu- Gesprächsweise hatte Disping die Iahresrente, die der Bruch abwerfen würde, auf fünfzehn- bis zwanzigtausend Mark geschaht. Er konnte also aus einen schönen Gewinnanteil rechnen. Er würde dann zu den Kapitalisten zählen. Das war keine Kleinigkeit. Wer viel besaß, hatte viel zu verwalten. 3e nun, je schwerer die Bürde, desto größer die Kraft. Hnd eine volle Geldtasche trug sich leichter als ein leeret Dettelsack.

Sv berauschte er sich an feinen Hirngespinsten und sah in seinem Garten Goldblumen blühen.

Eines Samstags blieb Herr Disping fort. Die Kipper kamen zum Krämerskarl. Der gab den Lohn her. Der Dauunternehmer war wohl ver­reist, und seine Rückkunft hatte sich verzögert.

Acht Tage später wurde Disping wiederum vergeblich erwartet.

Wann he sein Geschäft so schlecht betreibt, wird er's net weit bringen, rafaunerte 5er kleine Kumpf, der als Wortführer seiner Kameraden beim Krämerskarl vorgetreten war.

3ch begreif's nicht," sagte der Karl ohne Arg, aber doch ein wenig be Kommen.Entweder ist seiner Frau was passiert, oder er ist selbst schwer krank. 3hr dürft darunter nicht leiden. Ich leg das Geld noch einmal vor.

3ndes er die Münzen aufzählte, brachte die Pörtegritt einen Drief, den der Knecht des 3öckels Heinrich im Auftrag seines Herrn abge­geben hatte.

Sollen wir dann Montag weiter schaffen? fragte der kleine Kumpf,'s mag sein, wie's will, he könnt doch wenigstens Rachricht geben. Am End is he bankrott."

Dumm'-s Zeug!" fuhr der Rechner auf.Der Disping ist ein reicher Mann. Davon abgesehen ist er auch ein Ehrenmann. Hnd jagt sich lieber eine Kugel durch den Kops, als daß einer was an ihm verliert. Das hat er mir selbst gesagt. Alle­weil weiht du Bescheid!

Rachdem der kleine Kumpf abgefertigt war, nahm der Krämerskarl den Dries zur Hand, den ihm der 3öckelsheinrich geschickt hatte. Das Schriftstück kam vom Grundbuchamt in Dortmund und war an die Spar- und Darlehnskasse ge­richtet. 3n der Zwangsvollstreckungssache des Dortmunder Bankvereins gegen den Ludwig Brinkmann wegen rückständiger Hypothekenzmsen, hieß es, werde auf Antrag der Gläubigerin Termin zur Zwangsversteigerung des Hauses Daroper Straße drei auf den zweiundzwanzigsten Januar artberaumt. Anderweitige Rechte seien glaubhaft zu machen, widrigenfalls der Derfteige- rungserlös an die Stelle des versteigerten Gegen­standes trete.

Der Krämerskarl las das Schriftstück, las es mit wachsendem Befremden noch einmal. Der Sachverhalt lag klar zutage. Der Eigentümer des

Hauses Daroper Straße drei konnte die Zinsen der ersten Hypothek nicht bezahlen, die zweite war der Spcu> und Darlehnskasse verpfändet. Wie hatte der Dauunternehmer gesprochen? 3ch habe mein Vermögen in guten Hypotheken an­gelegt. Hier war nur eine Möglichkeit: der Mann hatte sich gröblich täuschen lassen. Da sah man's wieder, auch der Klügste wurde einmal hinter Las Licht geführt. Die Zwangsversteigerung an sich bedeutete übrigens noch keinen Verlust. Wenn das Haus so wertvoll war, wie Disping ver­sicherte, wurden die beiden Hypotheken gedeckt.

3n keinem Falle würde die Kasse Schaden er­leiden. Disping blieb ihr verantwortlich. Das Richtige war, er nahm das Dokument zurück und sorgte für eine andere Sicherheit.

Hm der Kasse und um seiner eignen Ehre willen muhte er, der Krämerskarl, die Ange­legenheit sofort in Ordnung bringen. Denn er hatte Vorstand und AufsichtSrat bewogen, dem Disping das Darlehn zu gewähren. Der Iöckels- Heinrich hatte das Schriftstück überflogen. Viel­leicht auch nicht. 3ebenfalls hatte er keine Ahnung, um was es sich handelte. 3hn aufzuklaren war Zeit genug, wenn man den Erfaß für die Hhpvt^I in Händen hatte.

Der Rechner holte das Dokument herbei, steckte es in seine Tasche und schloß den Kassen- schräm ab.

Es läutete fünf. Just fuhr der Anton Dlitt aus Lauterbach vorbei. Dem rief der Karl zu: Anton, nehm mich mit!"

Er warf seinen Mantel über und eilte hinaus. Der Anton half ihm auf den Dock, und die "Staunen zogen an. Cs ging eine scharfe Luft, aber unter warmen Decken spärte man nicht allzuviel davon.

Was willst du dann heut noch in Lauter» bach? fragte der Fuhrherr.

3ch hab was Pressantes," antwortete bet Karl.

Der Anton bohrte ihn noch ein paarmal an, holte aber nichts aus ihm heraus.

Auch gut, dachte er und mar doppelt ge­sprächig.

(Fortsetzung folgt)

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