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1. Schlußrechnung d. Ausstellung. L 3ob* resberichi. 3. Sqiien- hgxjchi, 4 Entlastung des Mäander.
nf 5. Neuwahldee^or- '• v> I standes. 6. Verschiedenes.
Ur. ov Zweites Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger sör Vderhessen)Donnerstag, 12. März 1925
Parlamentarische Untersuchungsausschüsse.
Bon OberverwaltungsgerichtLrat
Dr. Knauth - Jena.
Parlament«rischeUntersuchungsausschüsse sind seil einiger Zeit an der Tagesordnung. Sie waren zwar dem deutschen Verfassungsrechte auch trüher schon befannt. haben aber vor der Revolution bei uns kaum praktische Bedeutung ge- totnncn. »In weiten Kreisen hat man daher auch heute noch vieliach von chrem Wesen und ihrer Bedeutung keine richtige Dorstellung. Man redet meistens von einem „Spruch". den ein solcher Ausschuß zu fällen haben werde, beurteilt insbesondere gern die Dorgänge bei den ^Untersuchungen" nach strasprozeylichen Gesichtspunkten u. dgl. mehr. Daher scheint es angezeigt, über die Ratur und Ausgaben derartiger Ausschüsse Einiges au sagen.
Ss ist ja erklärlich: „Untersuchungsausschuß", das klingt so nach Untersuchungsrichter. Staatsanwalt und Strafverfahren. Zum Uebersluh verordnen die Dersassunaen meistens ausdrücklich die ..sinngemäße Anwendung der Dorschriften der Strafprozessordnung". Was liegt daher naher als der (Gedanke an ein Tribunal, das über einen Anaeschuldigten zu Gericht sitzt und über .schuldigt oder .nichtschuldig" zu befanden hat?
Indessen, nichts Ware verfehlter als eine solche Auffassung. Untersuchungsausschüsse sind weder erkennende noch aus bloß inquifatorische UntersuchungSg e r i ch t e, sondern sie sind n ch:s anderes, als andere parlcunentarische Ausschüsse auch, nämlich Hilfsorgane des Parlament- für die Erledigung seiner Aufgaben.
Lte irrigen Dorstellungen, b.e hierüber vielfach bestehen, beruhen wohl darauf, daß man gewöhnlich glaubt, parlamentarische Untersuchungsausschüsse seien nur dazu da. Mißstände oder Derfehlungen bei der Regierung oder in der Derwaltung oder Rechtspflege auszudecken. Rach manchen Läirdcrversas- sungen ist daS ja auch in der Tat so. da können Untersuchungsausschüsse nur eingesetzt werden, wenn die Gesetzlichkeit und Lauterke t von Derwaltungsmaßnahmcn öffentlicher B hördm anaezweiielt" wird. Indessen ist das eine positivrechtliche Beschränkung des Wirkungsbereiches der Einrichtung, die w.lllürlich und keineswegs begreiflich und durch chre Wesenheit heutig! ist.
Die Weimarer Reichsverfass ung z. B zieht in dieser Hinsicht überhaupt feine Schwanken, sondern gestattet Untersuchungsausschüsse für Erhebungen jeder Art einzusehen. (Art. 34.) Und daS ist das Ursprüngliche und Regelmäßige. So ist jedenfalls die Rechtsgestaltung in England, von wo wir die Einrichtung übernommen haben, unb so war sie auch schon in Preußen nach der Verfassung von 1850, nach der (Art. 82) jede der beiden Kammern des Landtags die Befugnis hatte, „behufs ihrer Information Kommissionen zur Untersuchung von Tatsachen zu ernennen". Im allgemeinen können also Untersuchungsausschüsse nicht nur zu Erhebungen über Mißstände ober Derfehlungen eingesetzt werden, sondern z. D. auch um Unterlagen für gesetzgeberische Reformen zu erlangen u. dgl. mehr. Der Reichstag z. B. könnte so etwa Untersuchungen über die soziale Lage der Heimarbeiter anfi eilen lassen, oder auch über die WohnungS- verhältnisse in den Großstädten und AehnlicheS, um sich so über die Rotwendigkeit gesetzlicher Maßnahmen auf diesen Gebieten zu unterrichten.
In diesen Fällen kann nun selbstverständlich der Gedanke an Rechtsverfahren überhaupt nicht auftauchen. Es handelt sich offensichtlich einfach darum. Tatsachen zu sammeln, und zu sichten und so eine Entschließung de« Parlaments, insonderheit über ein gesetzgeberisches Borgehen, vorzubereiten.
DieS und nichts anbere« ist aber der ausschließliche Zwecke dieser Ausschüsse auch in allen anderen Fällen. Das Rechts des Parlaments. Unlerfuchungsausschüsse zu bilden, kann natürlich nicht weiter reichen als seine eigene Zuständigkeit. Diese aber umfaßt auch auf dem Gebiete der Regierungs- und Derwallungskontrvlle niemals das Recht zu justiz- und verwaltungsmäßiger Entscheidung. Auch soweit Unter- suchungsausschüfse tätig werden, um „Verfeh- lungen* eine« Ministers oder seiner Beamten
„seftzustellen". handell es sich demnach nicht um ein justizmähiges (straf- oder disziplinarrechtliches) Dorgehen, gegen die betreffenden (Beamten oder die (Vorbereitung eines solchen Dor- fichenS. sondern höchstens um die Derwirk- ichung der parlamentarischen (Minister-) Derontwortlichkeit, d. h. um die Klärung der Sachlage für eine Beschlußfassung des Parlaments darüber, ob Anlaß besteht, die Vertrauens- frage zu stellen ober auch (Minister-) Anklage bei dem Staatsgerichtshofe wegen (Verletzung bet Dersassung oder Gesetze zu erheben, also um eine rein parlamentarische Tätigkeit. Die urteilsmäßige Feftstellung. ob eine Der- fehlung wirklich begangen ist. ist allein Sache des Staatsgerichtshofs ober der ordentlichen Gerichte. Für deren Entscheidung aber haben die Ermittlungen der Untersuchungsaus- schüsfe keine, auch nur vorbereitende, prozessuale Bedeutung.
Hiernach ist das einzige, wodurch sich die Untersuchungsausschüsse, abgesehen von ihrer besonderen Zweckbestimmung, von den gewöh «sichen Parlamentsausschüssen wesentlich unterfchciden, daß die befugt sind, selbständig Zeugen und Sachverständige zu vernehmen sowie sonstige Beweise zu erheben, sich des Zeugniszwangsverfahrens zu bedienen und insoweit auch Gerichte und andere Behörden um Rechtshilfe zu ersuchen. Indessen, das sind nur äußere Beigaben. dazu bestimmt, die Ausschüsse bei ihren Erhebungen von anderen Instanzen, namentlich von der Regierung, unabhängig zu machen. Ihr Wesen wird dadurch nicht berührt.
Welche Folgerungen nun aus dieser Feststellung im einzelnen zu ziehen sind, kann hier nicht erörtert werden. Das wesen'lich? ist. daß es sich bei derartigen „Untersuchungen", um das noch einmal zu betonen, in jedem Falle nicht um ein Rechtsoerfahren handelt, sondern um eine Form parlamentarischer Geschäitsbehand- lung und somit um eine politische Aktion, bei der nur in beschränktem Maße einzelne Formen und Mittel seines RechtsversahrenS Der- wendung finden. Das wird man aber gut tun, sich immer vor Augen zu halten, wenn es gilt, einzelne (Vorgänge bei den Der Handlungen eines solchen Ausschusses oder deren Ergebnisse au würdigen.
Im mazedonischen Uesküd
(Don unserem Dallanberichterstatter.)
S k o p l j e, F .-bruar.
Zwischen Belgrad und UeS'üd, das die Serben Skoplje nennen, ist die Kr.egszell bereits vergessen und Ekprehzüge. die tief aus dem Herzen drs westlicher Europas über Agram oder Budapest auch Belgrad und von da an weiter nach Sofia und Konstantinopel oder hinunter nach Uesküb und Athen brausen, können so ungefähr schon wieder die vorkriegSmäßige Schnelligkeit entwickeln. Die Drückenbauten, die beim Rückzug im Herbst des Jahres 1918 von den deutschen Truppen zerstört wurden, sind auf Wiedergutmachungsrechnung schon seit einiger Zeit wieder aufgebaut. In die Züge sind bequeme, moderne Wagen — auch Wiedcrgutmachungssieferungen — eingestellt, es gibt Speise- und Schlafwagen, — und wenn man nach zwölfstündiger Fahrt von Belgrad her durch das grüne gewundene Morawatal und durch die fast thüringischen Berge des südlichen Serbiens vor Uesfüb in die mazedonische Landschaft ds Wardars eintritt, fühlt man sich kaum erheblich angestrengt.
Hier in dieser zentral gelegenen Stadt Makedoniens. von der sich nach allen Seiten Fluß- läufe erstrecken, und von der nach Belgrad, nach Saloniki, nach Ochr d. nach Mltrvwiha und nach Monastir (dem serbischen Bitolja) Eisenbahnen auSlausen, residierten in den Kriegsjahren die deutschen Generäle Mackensen, v. Gallwih und v. Scholh. Fast sechzig Stunden Eifenbahnfahrt von Berlin entfernt standen deutsche Truppen und arbeiteten deutsche Pioniere. Diele Spuren des würgenden Krieges sind ausgelöscht und viele Spuren deutscher technischer Aufbauarbeit sind geblieben. Mit neuen Eisenbahnlinien haben deutsche Ingenieure unzulängllche mazedonische Gebirge für immer erschlossen, mit neuen oder erneuten Straßen wurde der Derkehr in einem Lande erneuert oder belebt, daS vor dem Kriege noch als das unbekannteste Land Europas galt Diese aufbauende Arbeit der Deutschen ist hier
unten nicht vergessen und wenn auch der Serbe natürlich den siegreichen deutschen Soldaten nicht | gerne auf feinem Grund und Boden sah, so erkennt er doch an, daß die Anwesenheit der Deutschen nicht nur Schaden, sondern auch Ruhen für dieses schwer zu kolonisierende Land gebracht hat.
Hat man sich nach Ankunft in UeSküb glücklich durch das bunte Gewimmel der türkischen, albanischen und mazedonischen Hamals. dieser wie Schwcißlliegen auf den Reisenden^ zustürzenden zerrissenen und zersetzten Gepäckträger durchgewunden. so stößt man ghsich vor dem langgc- zogenen. sauber grau gestrichenen und rvtbezie- gcltcn Dahnhofgebäude über einen kleinen grünen Schmuckpiah hinweg auf eine deutsche Erinnerung au« der Kri-gszeit Der Platz zur rechten Seite, den im Rücken die Deinen zerfallenen Orient- lehmbuden mit ihren offenen Verkäuferin den säumen, ist mit einer Reihe von toc hgestrichenen niederen hüttenartigen Gebäuden bedeckt, in denen während d s Krieges die durchreisenden deutschen Soldaten sich aufhielten und nächtigten. Ein Teil dieser gefälligen Gebäude bient heute dem gleichen Zwecke und in ihnen wimmelt es immer von den durchreisenden grüngelb gekleideten Soldaten der südllawischen Truppenkörper, die hier unten in Mazedonien auf der Wacht gegen Bulgaren und Albaner stehen. Eines dieser Gebäude aber ist anderen Zwecken gewidmet. Während im Kriege in ihm die deutschen Soldaten mena- gierttn. trägt es heute vorn an dem turmartig hochgeschwungenen Eingang die Aufschrift: ..OfizierSki Dom", das h^'ht — Oftizierskas'mv An schönen Hm?bstab'nd-n sitzen vor ihm auf S ü^len di" südllawischen Offiziere an einzelnen Tischen und speisen oder zechen, und aus dem Innern tönt off mne harte Mil'tärblechmus k b't'u«. die tanzlustigen, jungen Offneren zum Kolo oder zum Tango und Jazzband aufsplllt. Die Skopljer Offiziere haben es seither noch nicht zu ein^m würdigen Kasino gebracht, und sie müssen vorläufig noch mit diesem Holz- oder Lehmprovisorinm vorlieb nehmen, durch dessen "rbrige Fenster or'ental sch" Hamals und Stiefelputzer neugierig hineinblicken. Düster leuchtet dazu armselige Skovljer Licht, ringsum weben die nicht lieblichen Düfte aus den Orientkneipen — und das Geschehen drinnen in den niedrigen Rä'nnen gl ich' eher dem eines Feldlagers, als dem i'i'cr F :e''e"«iamilon.
Worte wie Vergnügen und Lustbarkeit, werden In Sro'-'lie gerade nicht groß g-fd) neben. Dlllen u-’b Bars kennt man hin noch nicht. In den Hot"lZ hoch man zwar jetzt ab und u chne gute Mozartmusik, ab-r aus dm kleinen serbischen und turllfch-n Kn-lpen bringt noch immer jene wilde R 'turburschenmullk ber Zigeuner. die bie Bilkanvolker so begeistert und bei Wein und Rakiza zu heftigen Gemütsemotionen bringt. In den Skopljer Kinos werden die Filme aus allen Weltteilen gezeigt. Ein Theater gibt es hier auch und In dem dumpfen, primitiven Raum müht sich eine Kapelle um Opern und plagt sich eine ganz passable Schauspielertruppe, unter ber es manchen einst beachteten russischen Künstler gibt, um die Wiedergabe von Dramen und Schwänken, Operetten und Vaudevilles.
Damit sind aber auch die Zerstreuungsmöglichkelten Skopljes erschöpft, denn ein behagliches Bummeln auf Gassen und Plätzen, in Gärten und Parks verbietet im Sommer ber unerträgliche Staub unb Im Herbst unb Winter ein tiefer, ble ungepflasterten Gassen durchströmen- ber Schlamm. Das Leben In Skoplje ist noch gänzlich primitiv, man geht etwa die einzig gutgepflasterte König - Peterstrahe bis zu der Duschanbrücke entlang, man überschreitet diese große Steinbrücke, die einen schönen Blick auf die alte Zitadelle bietet und taucht dann unter in dem bunten Gewimmel de« türkischen Viertels, das sich an dem Hang eines niedrigen Hügels unb in die weite Skopljer Ebene hinzleht. Hier in dem Meer von armseligen türkischen Kaufhäusern, von hohen stattlichen Moscheen unb Minaretten und von tausend zerfallenen Erinnerungen aus dem historischen Glanz ber Vergangenheit liegt tausendfältige Farbe. Hier kann der Romantiker schwärmen und seine Sinne zu dem Kranz kahler Berge erheben, die rings Skoplje einrahmen unb in denen manches Kloster noch heute sich verbirgt, au« dem heraus bie christlichen Slawen sich gegen bie türkischen Eroberer wehrten.
Aus der Provinz.
Landkreis Gieften.
U. Lollar. 11. März. Aus bei jüngste« ®emeinbctat«|itiung ist folgendes au berichten: Zu (Beginn bet Sitzung hielt Bürgermeister Schmidt eine kurze Ansprache zu Ehren bes verstorbenen Reichspräfi- den t cn Ebert, die stehend angehört wurde. — Der Plan der Errichtung eines Siebensamilicnwohnhaufes nimmt jetzt greifbare Gestalt an. So wurden in dieser Sitzung die Arbeiten für den Rohbau an bie Wenigst- nehmenden vergeben. Die durch Ausschreiben cin- gegangenen Angebote zeigten im allgemeinen keine großen Preisunterschiede, mit Ausnahme der beiden Angebote für Erd- unb Maurerarbeiten, bei denen eine Differenz von 1114 Mk. in Erscheinung trat. Rach den gemachten Angeboten werden sich die Kosten des Rohbaues auf 24 604 Mark beziffern. Es wäre nun zu wünschen, baß die Wohnungen recht bald zum Beziehen fertiggestellt werden, damit der dringendsten Wohnungsnot etwas Abbruch getan wird. — Zur Durch üirung der weiblichen Fortbildungsschule und nach einer Ver ügung der höheren Behörde wurde bie Anschaffung einer Kücheneinrichtung crfotbc.lid). Es wurde demgemäß beschlossen und die Beschaffung ber erforderlichen Sachen dem Rektor und ber betr. Lehrerin überlassen. Zu den Ausgaben stellt bie Rachbargemelirde Ruttershausen, die an diesem blillerricht interessiert ist. cm Drittel, di« beiden anderen Drittel der Kosten werden von bei Gemeinde Lollar getragen. — Durch die schichte wirtscha tlichc Lage während der Inflationszeit veranlaßt, beschloß damals der Ge- meinu-erat, für die Särge der verstorbenen Gemeindeangehörigen das Holz frei zur Der ügung zu stellen. Rach Derbrauch der vorhandenen Holzmenge mußte man sich jetzt wieder mit dieser Frage bcfdjäitigen; man beschloß, nach einem eingebrachten Antrag, diese Lieferung wieder fallen z u lassen. — Gin Gesuch betr. Errichtung einer Dapolin-Pump- a n l a g e wurde, da keine Bedenken bestehen, befürwortet. — Ein anderes Gesuch, die Errichtung einer Hallen-Derkaufsstelle betreffend. wurde, da der vorgesehene Platz al« zu Nein befunden wird, abgelehnt. Die nach- gefuchte Zustimmung zu einer Eingabe an Bie Eifenbahnverwaltung wurde erteilt. Hierbei handelt es sich um den Person e n z u g. der in f üHeren Jahren in Gießen abends 10.45 blhr abging unb bis Rieder-Wal- gern fuhr, feit längerer Zeit aber, angeblich wegen zu geringer Benutzung auf dem Rückweg, nicht mehr verkehrte. Alle früheren Eingaben traten bedauerlicher Weise ohne den gewünschten Erfolg. Es wäre dringend zu wünschen, daß endlich soviel Einsicht bei den maßgebenden Stellen zu finden wäre, daß hier einem großen Bedürfnis Rechnung zu tragen ist.
)t Mainzlar, II. März. Dor einigen Tagen wurde hier schon ein neues Gold- ammernefl mit vier Eiern in einer Weißbornhecke gefunden. Die Ri st Plätze für unsere Heckenbrüter sind rar geworden. Durch die Feldbereinigung sind die meisten Hecken verschwunden. Als Ersah hat man ein (Vogelschutz g e h öl z angelegt, das jedoch als Rist- hätte ungeeignet ist. Es liegt auf einet zugigen Höhe und weitab vom Wasser. Die vor mehr als 10 Jahren angepflanzten Weih- börner haben sich bis jetzt noch nicht so entwickelt, daß sie ein sicheres und verstecktes Rist- Plätzchen bieten könnten. Die geeignetsten Brutstätten sind die noch wenigen Heckenraine, unb sie verdienen daher alle Schonung. Sehr traurig ist es. jedes Frühjahr sehen zu müssen, wie hier unb dort eine Hecke in Flammen aufgeht. Kein vernünftiger Lanbwirt zerstört diese Hecken. Es ist die u n v e r st ä n d i g e Jugend, die Sonntags aus ilebermut oder sonstigen Ursachen die Hecken abbrennt. Alle Belehrungen und Ermahnungen sind bis jetzt auf unfruchtbaren Boden gefallen. Es ist daher Pflicht bet ©cmeinbeDertoaltungen, mit aller Energie diesem unsinnigen Treiben Einhalt zu gebieten.
* 2111 e n b o r f a. d. Lda., 11. März. Di« gell rige Holzversteigerung unserer Gemeinde erbrachte folgende Durchschnittspreise: Fichtenderbstangen 1. und 2. Kl. 45 Mk. je Fstm., Eichenscheiter 15 Mk., Duchenknüppel 15 Mk.,
Gießener Stadttheater.
Ludwig Fulda:
„Die verlorene Tochter".
„Haben Sie Familie?" ..Ach ja!" (Unb was für welche!) Kann man es der kleinen Rellh verdenken, wenn sie mit ihren 23 Jahren durch- brennt, wenn auch mit der etwas backfischhaften Siebe zu ihrem Literaturlehrer Dr-. Lips?
Zwar draußen in der großen Welt, im Wintersporthotcl, gehen ihr die Aeuglein auf: lief er ebendiesen Doktor Harald Lips (einen schlimmen Trottel!) über sich selbst und über noch jo manche andere Dinge dieser Welt. Doch der charmante Rechtsanwall ihres Onkels Alex, Kurt Weftfal. löst dabei (geschickt soufflierend) „bie Stimme des Herzens".
Man wird — im Grunde — einig. Unb als die liebe Familie, trostlos über die „verlorene Tochter", in das Wintersporthotel nachkommt, um auf zwangsläufige Anerkennung der bestehenden Verhältnisse zu bringen, ba wird, allerdings ganz anber«, als vvrauszusehen. boch noch alles gut. Die Erbschaft und die Tochter, beide kommen in bie richtigen Hände.
Die gestrige Aufführung war wohl die in allen Teilen abgerunbetfte der bisherigen (mir bekannten) Spielzeit. A conto Karl (Bold wäre zu buchen: Lebendiges Zusammenspiel, gute Aufteilung und Bewegung der Gruppen (zweller All fein!) unb, mit Unterstützung von Karl Löffler (Dekorationen) urrd Ludwig Keim (Beleuchtung) lebendige, in Plastik unb Farbe freundliche Dühnenbiwer.
Felix Rorfo 1 k als Rechtsanwalt Weftfal bestach durch blendende Liebenswürdigkeit. Er spielte mit viel Wärme und Temperament und war die führende schauspielerische Leistung seiner männlichen Kollegen. — Der Landtagsabgeordnete Alex Kornemann, das würdige Oberhaupt der Familie, fand in Adolf Teleky einen aus
gezeichneten Dertreter. Gut in ber Maske, vorzüglich im sprachlichen Ausdruck, gelang ihm eine sehr seine, persönliche Charakterstudie eines Mannes „von echtem Schrot und Korn" (wie sich solche Leute gerne nennen hören). — Die dritte Stelle des Aberrds, vielleicht dankbarer noch als bie ber Relly, ist Dr. Lips. Julius 23 a ft 6 war besonders im ersten (Akt sehr stark. 2lls die Literatur aufhört und bie Liebe anfängt, etwas unsicher, im dritten Akt zwischen Tur und Angel wieder durchaus überzeugend. _— Rudolf Goll erfreute durch angenehme Ratür- lichkeit im Spiel: sein Bernhard Äomemann war — al« Gatte wie als Vater — durchaus glaubhaft. Auguste M a r ck s war ihm eine würdige Gattin. Karl V o l ck, dessen Spiellellung schon oben gewürdigt wurde, sah sehr gut au« unb schuf mit feiner bescheibenen Rolle ein kleines Kabinettstück.
Der Haupterfolg des Abends war jedoch Rita Andres „verlorene" Tochter (Relly). Das Heine, literaturbeflissene Gänschen wuchs sehr rasch über den Herrn Geheimrat Wolfgang Goethe und Herrn Doftor Harald Lips hinaus, als sie ihre schneeweißen Breeches trug und mit Rechtsanwalt Weftfal den ersten Tee nahm. Der rückkehrende Pseudogatte ftndet schon eine etwas sehr veränderte Seelenlage seines Fräulein Frau vor, und gar dem Landtagsabge- orbneten unb Ches dr Familiee wird mit erschreckender Deutlichkeit klar gemacht, daß im vierten Gebot nichts von Onkeln drinsteht. (Hier gab es starken unb langanhallenden Applaus auf offener Szene.) Die an sich dankbare Rolle hatte (Rita Andre mit ungemeiner Grazie und Frische durchlebt, und riß, nicht zuletzt auch wieder dank eines entzückenden Aussehens, das volle Haus zu wiederholten Beifallsstürmen hin.
Die überaus freundliche Aufnahme dieses Lustspiels im Publikum läßt den Wunsch auf- ftehen, gelegentlich eines neuen Stückes dieser Art etwas Gleichwertiges vorgeführt zu be
kommen Wie wäre es mit Leo Lenz. „Heimliche Drautsahrt"? Ein Stück, das Rollen hat, die unserem Solopersonal viel Freude machen werden unb das. bei einigermaßen guten Leistungen (wie sie durch den gestrigen Abend als möglich bewiesen wurden), auch den nötigen Erfolg verbürgt. e-s.
Etwas vom Gehör.
Derschiedene neuerfundene Apparate haben es ermöglicht, die Hörfähigkeit des Menschen genau festzustellen unb andererseits sie außerordentlich zu Reigern. Der Kegeltrichter, mit dessen Hilfe man alle Tongeräusche am besten unterschoben kann, ist sehr verbessert worden. Wenn man ihn an passenden Stellen anbrachte, so wurden Rahgeräusche, wie Pfeifen, Klingeln, Knarren. Flüstern, im Freien über Strecken von 10—200 Mtr. Entfernung nach Art, Richtung und Weite genau erkannt. Auch das Abhören, An- unb Abfliegen ber Flugzeuge zeigte eine so wesentliche Verbesserung, bau tiefe Töne, von 60 Schwingungen in der Sekunde an. 1' ?mal hohe Töne doppelt so gut und weit mit bloßem Ohr gehört wurden. Die R a ch 11 u f t unb große Wasserflä chen sind für bie Schalleitung bedeutend günstiger als Tagesluft unb trockener Boden.
Die größte gemessene Re i ch w e i t e für bas bloße Ohr, die durchschnlltlich nur 3—7 Kim. beträgt, wurde mit 15 Kim., für den Trichter mit 25 Kim. festgestelll. Durch einen neuen Gehörprüfer, bei dem die Lichtbogen- methode der drahtlosen Telegraphie benutzt wurde, konnte die obere und untere Hör grenze beim Menschen bestimmt werven. Sie ist fast stets verschieden für das rechte und linke Ohr, sowie für Luft- und Knochenleitung. Eine Bevorzugung ber rechten oder linken Selle lieh sich nicht nachweisen: aber im Gegensatz zu der bisherigen Annahme bemerkte man ein bessere« Hören durch birefte Luftleitung. Die Jugend 5ört am besten. So lag bei einem 18jährigen
Schüler die oberste Grenze rechts für Luftleitung bei 20 800, für Knochenleitung bei 18 800, links bet 20 400 bzw. 19100 Schwingungen: bei einem 77- jährigen Landwirt rechts bei 8600 bzw. 9000 Schwingungen in ber Sekunde. Schon vom 2 0. Lebensjahr an läßt bie Hörfähigkeit bedeutend nach unb hält sich vom 35. bis 45. Jahre auf annähernd gleicher Höhe. Die Abnahme beträgt vom 6. bis zum 47. Jahr etwa 7000 Schwingungen: die Tonhöhe im Apparat fällt dabei um eine volle Quinte, d. h. vom Di« in der 7. bis zum Gis in der 6. Oktave. Durch Gewohnheit und längere ilebang wird das Hören höchster Töne abgestumpft: aber ilntooblfein uni leichte Erkrankungen haben keinen Einfluß.
Der neue Gehörprüfer, ber von Professor Gildemeister konstruiert wurde, ist auch fül bie Heilkunde von Wert. Roch wichtiger abir ist in dieser Hinsicht der von Professor H ö b e r er* funbenc Aktionsstromhörer. Durch diesen Apparat wird die Hörfähigkeit auf das Millionenfache gesteigert, so daß die sog. Aktionsströme des menschlichen und tierischen Körpers, bie elektrischer Ratur sind und sich bei jedem beliebigen Lebensvorgang, also fortwährend, bald lauter, bald leiser äußern, abgehört werden können. Die wahrnehmbare Stärke und Art diese« Aktionsstromes im Körper gibt einen direktem Maßstab für bie gesunde oder krankhafte Lebhaftigkeit und Dauer eines Gebensrrorgange«. Wenn z. B. die Versuchsperson ihre Waden- muskeln beim Wippen auf den Fußspitzen an- und abfpannt, so hört man das raschelnde Zu- und (Äbnahmegeräusch im ganzen Körper. 50 Stromschwingungen der gereizten Mittelnerven am Unterarm verursachten ein lautes Brummen, 100 einen celloartigen. 256 einen höheren, schon raschelnden. 512 einen stark rauschenden Ton, aus dem bei 850 Schwingungen ein unbefinier* bares Kratzen wurde. Bei Herzkrankheiten ist eS mit diesem Apparat dem in seiner KlinU weilenden Professor möglich, eine Fern Untersuchung des Patienten im Kreise feiner SUp benten vorzunehmen.


