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Lnd (Daptmritnfter m einer Gescyützgretzerer m Spandau gearbeitet hat, er habe als Vor­sitzender des Bundes der Militär­anwärter zusammen mit dem späteren preu­ßischen Handelsminister Siering, der Devoll- mächtigter des Militärarbeiterverbandes war, den General G r ö h n e r ständig darüber unterrichtet, ob Streikgefahr vorhanden gewesen sei. In den ersten Ianuartagen hätten sich nur we­nige Spandauer Arbeiter an dem Streik beteiligt, Weir die meisten die Kommandierung ins Feld befürchteten. Als dann offiziell eine Streik­leitung gebildet wurde, habe der Streik weit grohere Ausdehnung angenom- m c n. Der Sozialdemokrat Siering habe ihm erklärt: Wir haben solange den Streik verhin­dern können: nachdem aber jetzt eine Streiklei­tung eingesetzt ist. wird er nicht mehr auf­zuhalten sein. Der Zeuge erklärt weiter, daß an dem Tage, «an dem bekannt geworden sei. daß eine Bestrafung wie in früheren Fällen nicht eintreten würde, auch die Arbeiter, die bis dahin standgehalten hätten, in den Streit einge­treten seien. Die Mitteilung, dah diesmal Streikende keine strafweise Einzie­hung zum Deere zu befürchten hätten, tei von den Besuchern der Treptower Bersamm- ;ung als Auskunft der Streikleitung mitgebracht werden. Sie habe sich wie ein Lauf- teuer verbreitet. Don der Aufforderung zur Aichtbefolgung der Gestellungsbefehle habe man in Treptow nichts gehört. In dec Versammlung fei nur gesagt worden, dah Gestellungsbefehle nicht mehr zu erwarten seien. Weitere Verhand­lung morgen vormittag.

Deutscher Reichstag.

Berlin. 11. März. Am Regierungstisch: Reichsjustizminis! er Dr. Fr euren. Der Gesetz­entwurf des Abg. B e st (Dntl.) über die Auf­wertung alter Goldschulden üird dem Aufwertungsaus"6)uh überwiesen.

Der Antrag Koch-Weser (Dem.) und Ditte mann (Soz.) über die Vorbe reit ungen zur Wahl de s Reichspräsiden le n steht als nächster Punkt auf der Tagesordnung. Es wird ein amtlicher Stimm ze ttel ge­fordert.

Abg. S ch ulz-Bromberg (Dntl.) beanteagt Überweisung des Antrages an den RxchtZ- ausschuh. Abg. D itlmann (Soz.) erklärt sich damit einverstanden.

Der Gesetzentwurf wird in erster und zweiter Beratung erledigt und dann dem Rechtsausschuß überwiesen.

Die zweite Beratung des Haushalts des Reichsjusttzministeriums wird fortgesetzt.

Abg. Schulte-Breslau (Z.): Von der ast- gemeinen Zivil- und Strafprozehreform sollte mm nicht einen Schritt rückwärts durch über-- stürzte Einzelverordnungen verlangen. Erforder­lich sei, dah der Strafgesetzentwurf gemeinsam mit Deutsch-Oesterreich geschaffen werde. Das Gesetz zum Schutze der Republik be­trachte das Zentrum als ein aus der Rot ge­schaffenes Ausnahmegesetz. Wenn die Zeit ge­kommen sei, werde es der Aufhebung des Staats- gerichtshoses näher treten. Der Redner bedauert, dah in mehreren Prozessen der letzten Zeit der Eindruck entstanden sei, als liehen sich die Rich­ter von einem einseitigen Standpunkt leiten. Der Reichstag sei aber nicht der geeignete Ort, die Haltung der Richter objektiv zu beurteilen. Es müsse alles getan werden, um das Vertrauen in die deutsche Rechtspflege wieder­herzustellen. Die an sich berechtigte Kritik des Landgerichtsdirektors Kröhne sei über das Ziel hinausgeschossen. Gegen Entgleisunaen ihrer Kol­legen soll en auch die Richter organis.ckionea euer kgisch Stellung nehmen Der Redner wendet sch dann gegen jede Erleichterung der Ehescheidung ^ünd der Abtreibung. Im letzten Jahre seien , ungefähr eine halbe Million Abtreibungen in r Deutschland erfolgt. Wenn das so weiter gehe, werden alle deutschen Zukunftshoffnungen zunichte werden.

Abg. Dr. Kahl (D. Vp.) erklärt, es müsse alles getan werden, um die erschütterte Auto­rität des deutschen Richters int deutschen Volke wiederherzustellen. Das könne nicht durch G e - sehesreformen, sondern nur durch eine Gesinnungsreform geschehen. Er nehme keinen Mihgriss der Rechtsprechung in Schuh, aber gegen die einseitige Kritik und politische Ausschlachtung müsse er sich wenden. Die Achtung vor dem deutschen Richter- tum müsse wieder hergestellt werden. In der Amnestiefrage sei größte Zurückhaltung geboten. Der Redner begrüßt die Strafrechtsreform. Vor­aussetzung dafür sei. dah die Jugend in Ha u s und Werk st alte in vaterlän­dischem Gei st e erzogen werde. Zu der Ehescheidungsfrage erklärte der Abgeordnete, dah eine gemäßigtere Reform nötig sei.

Reichsjustizminister Dr. Franken wendet sich gegen die Teilreform auf dem Ge­biete des Strafrechts. Er verurteilte es, wenn Festgenommene drei Wochm festgchaltcn würden vder durch folterartige Mahnahmen zu einem Geständnis gebracht worden sind Der Minister nimmt den Staatsgetichtshvf in Schutz, der zwar nach politischen Gesichtspunkten zusammengesetzt sei, aber seine Urteilssprüchr nach bestem Wissen fälle. Die Bestrebungen zur Erleichterung der Ehescheidungen könnten nicht gefördert werden.

Das Haus vertagt sich auf Donnerstag. Gesetzentwurf über die Volkszählung, Antrag der Demokraten, Sozialdemokraten und des Zen­trums über das Wahlverfahren bei der Präsi­dentenwahl und Iustizetat.

Preußischer Landtag.

Berlin, 11. März. Präsident Bartels eröffnet die Sitzung kurz nach 121 _ Uhr. Das Haus setzt dann die gemeinsame Beratung dec Uranträge und großen Anfragen betreffend das Grubenunglück auf der ZecheMinister Stein" fort.

Abg. Schwenck-Oberhausen (Wirt. Vgg.) Die schlechte Behandlung der Bergarbeiter, zumal der Aelteren, sei eine Ungehörigkeit. Mer auch hier werde aufs erste übertrieben.

Abg. Kaiser-Anklam (Ratsoz.) bemän­gelt den geringen Lohn des Bergmannes, her in schwerer Arbeit täglich sein Leben einsehen müsse. Man betreibe Raubbau mit seiner Ar­beitskraft. Den Kommunisten und den Sozial­demokraten spreche er das Recht ab, die Inter­essen dec Arbeiter deutschen Blutes zu vertre­ten. (AndaueriHc lärmende Unterbrechungen und Rufe Bei den Sozialdemokraten und Kommunist -1) Als der Red' c - in seinen weiteren Ausführungen es als ungehörig bezeichnet, daß sür das Begräbnis des Reichspräsidenten

drei Millionen Reichsmark ausgegeben worden feien, setzt bei den Sozialdemokraten em nicht endenwollender EntrüstungSsturm ein. Sobald der Redner versucht weiter zu sprechen .wird er durch erneute Pfui- und Schlußrufe der Sozialdemokra­ten daran gehindert.

Vizepräsident Dr. von KrieS erklärt die Sitzung für eine Viertelstunde unterbrochen.

In der neuen Sitzung seht der Abgeord. Kaiser (Rat.-Soz.) seine Ausführungen fort. Er wiederholt, daß für die Opfer der Kata­strophe von Dortmund und für die Hinter­bliebenen nichts Ausreichendes geschehe. Damit könne man die Ausgaben für das Begräbnis Eberts nicht in Einklang bringen.

Abg. Dr. von Waldhausen (D.-Ratl.): An tzen niedrigen Bezügen der Bergarbeiter seien nicht zuletzt die vielen Fe ierschichten schuld. (Zuruf rechts: Die Kredite sind an die Darmats gegangen!)

Abg. Pinkerneil (D. Vp.): Erste Vor­aussetzung für die ruhige und geordnete Leitung eines Betriebes ist die Pflichterfüllung der Be­amten. die doch alle aus den Rechen der Prak tischen Bergleute kommen. Wir treten durch­aus dafür ein, daß der Bergmann keine Rah- rungssorgen hat, und darum sind wir auch für ausreichende Löhne. Wir schützen den Bergbau nicht um des Kapitals willen, sondern um des Volkes willen. (Lachen links.)

Sämtliche Anfragen und Anträge zu den Grubenunglücken werden dem Ausschuß für Han­del und Gewerbe überwiesen.

Bei Festsetzung der nächsten Sitzung fordert Abg. Pieck (Kom.j. daß am Donnerstag der kommunistische Antrag auf Auflösung des Landtags als erster Punkt verhandelt werde. Die fortgesetzte Regierungs^läse zeige die 11 n= fähigkeit der Regierung. Ein neuer Volks­entscheid sei nötig. Dec Antrag wird ad- gel e h n t.

Rächste Sitzung Donnerstag. Entwurf über die Hinausschiebung der Wahlen zu den Pro- vinziollandtagen und Kreistagen, Rovclte zur Grundvecniögenssieuer, kommunistischer Urantrag über die Geschäftsführung des Präsidenten.

Die PriDaLdahnen m Preuhen,

Berlin. 11. März. (WTD.) Oit einer kleinen Anfrage im Preußischen Landtag wird das Staatsministeri'.im ersucht, fein Aufsicht!?- recht über die Privatbahnen dahin geltend zu machen, daß die vor dem 1. Oktober 1923 pen­sionierten Beamten mit den nach diesem Termin pensionierten gleichgestellt werden. Wie der amtliche Preußische Pressedienst der Antwort des preußischen Innenministers enl- nimmt, ist für die Ruhegehaltsbezüge der 2111= Pensionäre bei den Privatbahnen die P en - sionSkassefü r De amtedeutsche r Pri­tt ateisen bahnen maßgebend, die der Auf­sicht des Ministers des Innern untersteht Die Bezüge der vor dem 1. Oktober 1923 pensionierten Angestellten der Privatbahnen wurden mit mini­sterieller Genehmigung im Dorjahre erhöht und sind auf durchschnittlich etwa 50 Prozent mehr des FriedenspensionSbetrageS bemessen worden. Dei weiterer günstiger Entwicklung wird eine weitere Erhöhung der Bezüge der Altpensionäre Gegenstand besonderer 2lufmerksamkeit der Auf­sichtsbehörde sein. Eine Gleichstellung dieser Ruhegehaltsempfanger mit den Reupen'ionären kann mangels verfügbarer Mittel zur Zeit nicht in Aussicht gestellt werden.

Der Streik

der Eisenbahnarheiler.

Berlin, 11. März. (WTD) Rach einer Mitteilung des Deutschen Eisen bahnerverbanbeS wurde in einer Konferenz der Gewerkschaften und der Spitzenverbände zum Eisenbahnerstreik eine Entschließung gefaßt, in der der Verl'cinös- beirat des Deutschen Eisenb.'chnerverbandeS die Haltung der Derhandlungscomm-ssion billigt. Ferner wird den im Kampfe befindlichen Kollegen die volle Sympathie ausgesprochen und erklärt, daß die Forderungen auf eine allgemeine Lohnerhöhung ab 1. März und auf Ver­kürzung der Arbeitszeit voll aufrecht - erhalten werden. Dei einer weiter ablehnenden Haltung der Reichsbahnverwaltung sei eine Ver­breiterung der Kampfbasis vorzuneh­men. Dem Vorstand wurde dazu jede Vollmacht erteilt. Auch wurde der Vorstand beauftragt, die vom Reichsarbeitsminister eingeleiteten Schlichtungsverhandlungen wahrzunehmen, um eine Verständigung auf der Dasis der gestellten Forderungen zu erzielen.

Ersatz für Artikel 48.

Die Reichsregierung hat einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, nach dem der Reichsverfassung ein neuer Artikel 77 a eingesügt werden soll, der es in Zukunft ermöglichen wird, der. Reichsregierung eine Handhabe sür die Fortführung der gesetzgeberischen Arbeiten zu geben, auch wenn der Reichstag sich vertagt hat. Der Zweck dieses Artikels besteht darin, einen Ersatz sür den heißumskrittenen und häufig recht scharf angegriffenen § 48 zu geben, der be­kanntlich den Reichspräsidenten ermächtigt, im Falle einer Gefährdung der. öffentlichen Ord­nung und Sicherheit entsprechende Maßnahmen zu treffen. Dieser Artikel mußte bisher dazu Dienen, eine Dasis für wichtige Derordnungen der Reichsregierung abzugeben. Rach dem Ar­tikel 77 a bedürfen in Zukunft derartige Ver­ordnungen der Zustimmung des Reichs­rates und des ständigen Reichstags­ausschusses. Die Einbringung des Gesetz­entwurfes ist insofern erforderlich, als der Reichstag sich in etlichen Wochen auf längere Zeit vertagen dürfte, während seiner Vertagung aber von der Reichsregierung doch wichtige ge- sehgebeiifchr Arbeiten vorzunehmen sind, die keinen Aufschub dulden.

Der Tschekaprozeh.

Leipzig, 11. März. (WTD.) In der Dormittagssitzung wird die Vernehmung des Zeugen Koppe nhoefer fortgesetzt. Rechts­anwalt Dr. Wolfs betonte, es sei merkwürdig, daß der Angeklagte König, der eines schweren Sprengstosfverbrechens angeklagt war, trotzdem Mitte Januar aus der Schuichaft entlassen wurde. Auch das milde Urteil in dieser Sache (ein Jahr Gefängnis, sei befrembenb. Weiter brückt Rechtsanwalt Wolff sein Erstaunen darüber aus, daß der Zeuge den Angeklagten erst am 10. März dem Untersuchungsrichter vorgeführt habe, obwohl die Vorführung unverzüglich hätte erfolgen müssen. Koppenhoefer bemerkt dazu, daß die Angelegenheit erst nach dem Ge­ständnis Poeges vom 8 März genügend klar ge­

wesen fei, dann habe er unverzüglich der Staats­anwaltschaft Anzeige erstattet. Auf die Frage, ob den Angehörigen der Angellagten kein Er­sah der Reisekosten zum Besuch versprochen wurde, z. D. Frau Poege, verweigert der Zeuge die Aussage. Rechtsanwalt Wolfs beantragt, die Genehmigung zur Aussage einzufordern. Bei der Erörterung hierüber kommt es zu erregten Auseinandersetzungen und heftigen Zusammen­stößen zwischen dem Vorsitzenden und dem Rechts­anwalt Dr. Löwenthal.

In der Rachmittagssitzung verkündete dec Vorsitzende einen Gerichtsbeschluß, wonach der Antrag des Rechtsanwalts Wolff als uner­heblich abgelehnt wird. Die Frage, ob auch Vertrauensleute der Polizei befragt wur­den, ob Diener Rachrichten an die Polizei ge­geben .habe, beantwortet der Zeuge Koppen­hoefer nicht, da sie nicht unter die Aussage­genehmigung falle.

Der Antrag des Rechtsanwalts Wolff, proto­kollarisch Widersprüche des Zeugen festzuLegen, der vielleicht einen Meineid, zumindest aber einen fahrlässigen Falscheid geleistet habe, wird ab= belehnt, da ein Widerspruch nicht bestehe. Rächste Sitzung Freitag 9 Uhr.

Zun-Hat-Zen

London, 12. März. (WTD. Fuukspruch.) Reuter meldet au-5 Peking daß Sunhatsen gestern morgen'gestorben sek.

Dr. Sunhatsen, der schon mehrmals totgesagte Präsident de r s ü d chi n c 1 i s ch e n R c p u - blik. stammt aus kleinen Verhältnissen, studierte in Hongkong Medizin und ließ sich 1892 in Makao als Arz: nieder, wo er Führer der revo- Ivtümaren jungchinesischen Partei wurde. Rach einem mißglückten .Putschversuch 1895 hielt er sich int Ausland auf. Rach Ausbruch der Revo­lution 1911 wurde er in Ranking von der Ra- tionalnerfammhing zum ersten Präsidenten der Republik China gewählt. Rach Qlböanfung der Mandschudynastie machte er Iüanschikai Platz und ging nach Japan. Als sich infolge des Streits zwischen der Militärpartei und dem Parlament die südlichen Provinzen von China trennten, wurde er 1913 zum Präsidenten von Südchina gewählt. In den letzten Kämpfen um Schanghai^ spielte er keine Rolle. Erst in den Einigungsbestrebüngen der letzten Monate, die ihn nach Peking geführt hatten, trat ct führend hervor.

Das Frau-enLVahlrechL in Italien aLgelehnt.

Rom, 12. März. (LH.) Zur Vorlage zum Frauenstimmrecht, die zur Zeit die bei'Oi-n Par- lamentsrcmmissionen beschäftigt, hat sich die Mehr­bett dahin ausgesprochen, daß die italieni­schen Frauen nicht zur politischen Betätigung neigen und Vorgänge im Ausland durchaus nicht ohne weiteres vor­bildlich für Italien feien. Die Kamme rminber- heit befürwortete dagegen die Annahme der Vor­lage aus politischen und sozialen G'üiden. Es ist anzunehmen, daß die Regierung nicht auf der Vorlage bestehen wird.

Aus aller Welt.

Die deuLschc» Staatsrechtslehre? in Leipzig.

Am 9. und 10. d. Mts. fand in Leipzig die diesjährige Versammlung der Vereinigung dm Deutschen Staatsrechtslehrer statt. Die Versammlung wurde im Lichtsoale des Kol­legiums Iuridicum von ihrem derzeitigen Vor­sitzenden. Geheimrat Pros. T r i e p e l-Berlin, im Beisein zahlreicher Qltitglieber der Leip­ziger Juristischen Fakultät und des Reichsgerichts mit einer Einsprache eröffnet. Die beiden Gegenstände der Tagesordnung waren der Schutz des öffentlichen Rechtes und die Or­ganisation des Verwaltungsgei ichts. worüber Prof. Walter I e l l i n ck - Kiel und Gerhard L a s s a r - Berlin Bericht erstatteten, sowie die neueste Entwicklung des deutschen Gerneinde- rerfassungsrechts, über das Prok.S t i e r S o m lo°- Köln, Geheimrat H e l f r i h - Berlin und Staats- minister a. D. Köhler» Tübingen Vortrag hiel­ten. Zum Schluß der Verhandlung wurde der bisherige Vorstand, bestehend aus Prof. T r i e - pel - Berlin, Anschütz- Heidelberg und Stier- S o m l v - Köln wiedergewählt.

Das Ruhrgebiet als Jlugzeugzentrum.

Die Luftverkehrsgesellschaft im Ruhrgebiet A. G. Lurag hat folgende Luftverkehrslinien in Vorbereitung: 1. Hamhurg-Dremen-Ruhrgebiet- Frankfurt-Zürich, 2. Leipzig-Ccfurt-Ruhrge'eiet, 3. Ruhrgebiet-H-Iland-Am Ierd.im, 4. Ruhrc>e- biet-Hannover-Berlin. Ferner sind für später die Linien: Ruhrgebiet-Brüssel und Amsterdam-Brüs­sel-Paris geplant. Für die Strecke Bremen- Ruhrgebiet-Frankfurt-Zürich h fft man den Ver­kehr schon am 20. April aufnehmen zu können.

Schnelligkeitsrekord LondonKöln.

Das Flugzeug der englischen Flugzeug- linie LondonKöln hat die 353 englische QKeiten lange Strecke in der Rekordzeit von 2Stun­den 10 Minuten zurückgelegt.

Amundsens Dordpolflugzeuge ferkiggestellt.

Die beiden großen Wasserflugzeuge, welche in Marina di Pisa für den Ror d- polflug Amundsens gebaut wurden, wer­den auf dxn norwegischen DampferVaga" verladen. Amundsens Begleiter, welcher dem Dau der Wasserflugzeuge beigewohnt hat, erklärt in der italienischen Presse, daß auf Grund der Konstruktion das Gelingen des Unternehmens sicher wäre.

Mit dem Auto in den Zug gefahren.

Das Lastauto einer Kieselgur-A.-G. stieß nach einer Dlattermeldupg bei Müden an der Oerpe mit dem Zuge MünsterVeckendors zu­sammen. Die auf dem Führersitz befindliche Person wurde getötet, während ein mitfahrender Arbeiter schwer verletzt wurde. Die Schuld an dem Unglück dürfte allem Anschein nach den Führer des Lastkraftwagens treffen.

13 goldene Hochzeiten auf einmal.

3n der belgischen Gemeinde Ixelles konn­ten gestern 13 Ehepaare das Fest der Gol­denen Hochzeit feiern. Der älteste Jubilar ist 83, die jüngste Jubilarin 67 Jahre alt. An der Feier nahmen 93 Kinder und Enkel teil.

Italienischer Frühling.

In der Po ebene, bei Bologna und in Flvrenz liegt reichlich Schnee. Heute nach- mütag hat es auch in R o m einige Minuten lang bei 5 ©raö Reaumur unter Rull leicht geschneit.

Aus Stadt und Lano.

Gießen, den 12. März 1925.

Ein großer und ein kleiner Gartem

(Ein lehrreiches Beispiel.)

Als die beiden Sohne eines fleißigen Hand» werksmeisters nach seinem Tode die Hinterlassen­schaft unter sich teilten, waren auch zwei Grund­stücke vorhanden, über die man sich zu einigen hatte, von denen das eine um die Hälfte flehtet! war als das andere. Man hatte beide verkaufen und derr Erlös dann teilen können, aber wahr­scheinlich wollte man vermeiden, daß das väter­liche Erbe tn andere Hände kam und ließ darum das Los entscheiden. Auf diese Weise fiel das größere Grundstück dem Aelteren zu, wahrend das kleine dem anderen verblieb.

Anstatt nun mit dem Schicksal verdrossen zu hadern, wie es vielleicht manch anderer getan haben würde, begab er sich ohne viel Besinnen! an die Arbeit, um seinem Eigentum einen höheren Wert zu verschaffen. 2lls die Bäume in den Gälten der Stadt zum zweiten Male grünten, war an die Stelle seines verwilderten Zwetschen- grundstückchens ein blühender, fest umzäuntet Garten entstanden, in welchem sauber gehaltene Kieswege zu einem schmucken, von-edlem Wein, Goisblatt und Schlingrosen berankten Garten- Häuschen führten. Auf den Blumenrabatten, die alle Wege umsäumten und die an den Wegkanten mit gleichmäßigen Feldsteinen eingefaßt waren, hingen bereits b'.e jungen Stachelbeerbäumchen voller Früchte, und die weißblühenden Erdbeer­beete versprachen eine reiche Ernte. An eine Hecke aus Quittensträuchern, hinter der sich ein ummauerter Komposthaufen verbarg, schloß sich ein Spargelbeet, einige rotstielige Rhabarber- stauben breiteten ihre großen Blätter der Sonne entgegen. UebcraU herrschte Sauberkeit, Ord nungssinn und fröhliches Wachstum, und daß es an Bodenbearbeitung, Düngung und Pflege nicht fehle, bewies der wohlbestellte ©arten, in welchem altes reichlich vorhanden war, was em junger Haushalt für die Küche, eine blumenliebende Frau ' die Schmuck ihrer Wohnung und obsthungrige Kinder für ihre kleinen Schnäbel benötigten. Ja, cs blieb immer noch etwas übrig zu Aufmerk­samkeiten für Verwandte und Kranke, denn der Garten wa r groß genug.

Und der andere ©arten? Sein glücklicher Den her war in der Zwischenzeit nicht untätig gewesen Angeregt durch das Beispiel seines Bruders wollte er hinter diesem nicht zurück­stehen und hat mit seiner Familie ebenso viel Fleis- auf den ©arten verwendet, zu dem er sein Grundstück geschaffen hatte und hat noch mehr gepflanzt und gesät. Wenn man aber nach bem Ergebnis der aufgewendeten Mühe und Arbeit gefragt und erwartet hätte, daß es bei Grüfte des Gartens entsprechend doppelt fohlet gjtoefen fei, fo Ware man in einem großen Irr­tum. denn bn zur Verfügung stehende Dünger reichte nicht, um dem ausgehungerten Boden die nötige Rährstoffmenge zuzuführen. Weil der Garten groß war und man den Boden ausnühen wollte, wurde mehr angebaut, als man brauchte. Als das llnfraut emporschvft, waren nicht Hände genug da, um es zu beseitigen. Es unterdrückte die Pflanzen, wucherte zwischen den Beerensträu­chern, die dadurch von -Ungeziefer und Krankhei­ten befallen wurden. Es verunstaltete die Wege und ging schließlich, was das Schlimmste war, in Samen. Dadurch bekam der Garten ein un­gepflegtes Aussehen, das wie ein stiller Vor­wurf die Freude an der Arbeit unterdrückte, die nie zur rechten Zeit fertig wurde, denn! der Garten war zu groß. D.

Gießener WoMcrrm^rkLvreise

am 12. März (Händlerpreise).

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 220, Matte 40, Käse 70, Wirsing 20, Weißkraut 15, Rotkraut 20, gelbe Rüben 12, rote Rüben 15, Spinat 50, Unter-Kohlrabi 10, Grünkohl 20 bis 25, Rosenkohl 60, Feldsalat 100, Tomaten 150, Zwiebeln 20 bis 25, Meerrettich 40 bis 100, Schwarzwurzeln 60 bis 70, Kar­toffeln 5, Aepfel 10 bis 20, junge Hahnen 100, Suppenhühner 120, Endivien 100 Pfg. bas Pfund; Eicr 12, Blumenkohl 120 bis 150, Salat 50, Lauch 10 bis 20, Sellerie 30 bis 70 Pfg. das Stück.

Wettervoraussage,

Starker Rachtfrost, nördliche Winde, zeit­weise aufheiternd, trocken.

Die T'efdruckstörungen, die die Riederschläge der letzten Tage bewirkten, verlieren ihren Ein­fluß auf unsere Witterung. Wir kommen in baß Gebiet eines von den Pyrenäen bis nach Skan­dinavien reichenden Hochdruckrückens, so daß zu­nächst weiter nördliche kalte Winde cinftrömen. Ein nordwestlich dieses Gebietes liegendes neues Tief wird morgen unsere Witterung noch nicht beeinslussen.

Bornotizeu

Lageskalender für Donners­tag. Stadttheater: 6% UhrKater Lampe". Deutscher Bund: 8 Uhr Iohannessaal Familien- abenb. G. S. C. 1900: 81 Uhr bei Boller Monatsoersammlung. Deutsch-Oesterreichischer Alpen-Verein: 83/i Uhr Minerateg.-Geolog. In­stitut Lichtbildervortrag. Lichtspielhaus. Bahn­hofstraße:Quo vadis". Astoria-Lichtspiele: Hütet eure Töchter".

Die Vortrags-Vereinigung veranstaltet am nächsten Montag einen sehr aktuellen Vortragsabend, indem sie Professor Wempe aus Oldenburg zu einem Filmvvrtrag über denSteinkohlenbergbau" gewon­nen hat, Professor Wempe, der im Auftrage der deutschen Dergbaubehorde diesen Film eigens ausgenommen hat, wird über die Gewinnung und Förderung der Kohle, über den schweren Beruf des Bergmannes, die neuzeitlichen Fortschritte besonders in der Kohlenförderung und vor allem über die Vorsichtsmaßregeln gegen die heim­tückischen Raturelemente wie gegen die Gleich­gültigkeit der Bergleute, die die tägliche Ge­wöhnung naturgemäßerweise mit sich Bringt. Es darf ein sehr interessanter Vortrag erwartet werden, der die Beachtung weiter Kreise ver­dienen dürfte. (Siehe gestrige Anzeige.)

Ein Wohltätigkeits-Kinder­fest veranstallet der Israelitische Frauenverein am kommenden Sonntagnachmittag auf der Lie- bigshöhe. Montag abend Vortrag. (Siehe An­zeige.)

Der 1. Gießener Billard-Club veranstaltet morgen abend in seinem Klubheim (Cafe Am end) einen Vortrag über die ©rund­lehren d:s Dillardspiels. Ani Samstag sinden Klub-Wettspiele statt, für die man eine beson», dere Bereicherung durch das ivpiel des Billards Meisters Haubl erwartet. (Siehe Anzeige.)

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