Ausgabe 
11.9.1925
 
Einzelbild herunterladen

I

4

Herren Strohschein Vater und Sohn und einem Mr.G ra y. Die Amerikaner hatten vor zwei Jahren mit gewissen Kreisen Fühlung genommen, um eine Organisation nach Mu st er des amerikanischen Ku-Klux-Klan ,3u bil­den. Die Kartothek ergab nachweislich eine Mit­gliederzahl von 350400 Personen. Wahrscheinlich sind aber mehr Personen an der Organisation be­teiligt. Satzungen, Statuten und Organisationsfor­men des Ordens muten sehr p h a n t a st i s ch an. Der Orden soll satzungsgemäß aus Männern ger­manischen Blutes bestehen. § 11 fordert nicht Worte, sondern Taten. Der Eid ist sehr langatmig. Jedes Mitglied schwört unter religiösen Formeln, nichts von dem, was er gesehen und gehört habe, zu verraten. Es schwört Haß allen Feinden des Vaterlandes. Es verpflichtet sich ferner zu unbe­dingtem Gehorsam gegenüber dem Häuptling. Wenn das Mitglied einem Feind oder sonst irgend jeman­dem etwas verrät, sollen seine Knochen im Leibe langsam zerbrochen werden, seine Augen ausge­stochen werden usw. Die Organisation hat fünf Grade, einen ersten, zweiten und dritten, den Senat oder Walhall, bestehend aus 14 Personen, und Asgard, der höchsten, unsichtbaren Macht, bestehend aus den drei Amerikanern. Diese hatten versucht, eine Verbindung mit den Ku-Klux- Klan zu schassen, haben aber dabei eine Abfuhr erlitten. Asgard wurde aufgelöst: die Leitung blieb bei dem Senat, dessen erstes Mitglied ein gewisser Brand, ein Angestellter bei Siemens, ist, der den Namen Wotan führte. Brand war nach seiner An­gabe ehemals Reichstagskandidat der Deutschen Volkspartei gewesen und gegenwärtig Mitglied der Deutsch-sozialen Partei. Die Mitglieder des Bundes sind Kaufleute und Handwerker, meist der Deutsch­sozialen, teilweise der Völkischen und Deutschnatio­nalen, noch Behauptung eines Mitgliedes aber auch einer republikanischen Partei zugehörig. Der Wi­king-Bund ist nicht daran beteiligt. Hier lag eine Verwechslung vor. Die beiden Amerikaner Stroh­schein sind gestern in Kotzenau in Schlesien f e st - genommen worden. Sie werden voraussichtlich ausgewiesen werden. Von den im ganzen fest- genommenen 18 Personen sind acht bereits entlassen. Die Mehrzahl der übrigen wird voraussichtlich heute entlassen werden. Nach den Behauptungen eines Mitgliedes ist eine Gewalttat im Bunde ver­boten gewesen. Der Bund sollte seine Ziele durch Druck auf die Volksvertretung erreichen. Ein Ter­rorakt konnte bisher auch noch nicht nachgewiesen werden. Es ist auch unwahrscheinlich, daß diese am 21. Februar 1925 gegründete Organisation an den meisten im Jahre 1923 erfolgten Fememorden beteiligt ist. Eine Strafverfolgung ist aber durch den § 128 des Strafgesetzbuches wegen Geheim­bündelei gegeben.

Der Stand der deutschen Luftfahrt.

Tagung der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Luftfahrt.

München, 10. Sept. (Wolff.) Unter Be­teiligung einer außerordentlich großen Zahl füh­render Persönlichkeiten der deutschen Luftfahrt begannen die wissenschaftlichen Vorträge im Nah­men der 14. ordentlichen Mitgliederversammlung der Wissenschaftlichen Gesell! schäft für die Luftfahrt mit einer Begrüßungs­ansprache des ersten Vorsitzenden Geheimrat Dr. Schütte, der die Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden, darunter den bayerischen Kul­tusminister Matt, den Handelsminister Ritter von Meine! und den Ehrenvorsitzenden der Gesellschaft. Prinz Heinrich von Preußen, willkommen hieß. Rach Uebergabe des Ehren- vorsihes an den Prinzen Heinrich sprach zu- Mchst Dr. Dornier über die neuen Erfahrun­gen im Bau und Betrieb von Metallflugzeugen, t Besonders eingehend schilderte der Redner die TypeWal", die bekanntlich auch von Amund- F sen bei dem Rordpolflug verwendet wurde, und eine große Anzahl Weltrekorde hält. Dornier wies darauf hin, daß der Versailler Ver­trag die Fortführung der Arbeiten auf dem Gebiete des Riesenflugzeugbaus verhindert habe, wenigstens soweit der Bau selbst in Frage komme. Heute stelle das vieltausendpferdige Riesenflugzeug kein Problem mehr dar, sondern eine Aufgabe, für deren Lösung die wissen­schaftlichen und technischen Voraussetzungen ge- schaffen sind, so daß mit dem Bau solcher Maschinen im Ausland begonnen werden kann. Dann werde man wissen, daß deutscher Geist die Flugzeuge geschaffen habe.

Ministerialrat Brandenburg vom Reichsver­kehrsministerium sprach über die Lage der deut­schen Luftfahrt. Unsere ganze Luftfahrt beruht auf dem Luftverkehr, der für einige große Linien vom Reich und für die Zwischenverbindungen deS dichten innerdeutschen Rehes von den Städten usw. unterstützt wird. Wenn diese wirtschaftliche Stühe auch nicht sicher ist, so sind doch die Fort­schritte und Erfolge des gemeinsamen Wetteifers erfreulich. Die Bodenorgarkisation wird ständig weiter entwickelt. Zur Zeit werden 42 Flug­plätze regelmäßig angeslogen: 37 Wetterwarten und 17 Funkstellen dienen der Flugsicherung. Besonders bringend ist die Frage des Flieger­nachwuchses. An der Verkehrsfliegerschule wird das Luftfahrtpersonal unserer friedlichen Handelsluftflotte gründlich ausgebildet, wobei be­sonders hervorzuheben ist, daß die Laufbahn des Flugzeugführers nicht die eines Chauffeur-, son­dern die eines Kapitäns sein soll und daß unserer Luftfahrzeugindustrie, da wir keine Luft­streitkräfte besitzen dürfen, ein Absatzgebiet über den Luftverkehr und bescheidenen Sport und Schulbetrieb hinaus fehlt. Trotzdem darf sie in der jetzigen Zeit der Wirtschaftskrise nicht zu­grunde gehen. Ihre Rot kann nicht besser demon­striert werden als dadurch, daß das Werk Zeppelins darauf angewiesen ist, sich durch Sammelpsennige eine Arbeitsmöglichkeit zu ver­schaffen. Die Ausgaben der Luftfahrttechnik sind vor allem die Erhöhung der Sicherheit, Weiterbildung des leichten Motors für Schule, Sport, Entwicklung des Schwerölmotors, Schaf­fung von Meßgeräten für das Fliegen und Lan­den ohne Bodensicht und Vermehrung der See­festigkeit bei den Wasserflugzeugen.

Zn der äußeren Politik i stder Druck der Botschafter-Konferenz hemmend. Die neue Luft- fahrt-Rote vom 24. Juni bietet keine Grund­lagen für die Anbahnung des Luftverkehrs mit unseren Rachbarn Frankreich, Belgien, Tschecho­slowakei und Polen, die an einer Verbindung über uns hinweg ein größeres Interesse haben als wir. Reben einem unerträglichen Druck der Bau­beschrankungen lastet auf den Deutschen die Luft­verkehrs-Verordnung 80 der Rheinlandkommission, die das lleberfliegen deutscher Flug­

zeuge über das besetzte Gebiet ver­bietet. Die Auslegung des Artikels 43 der Versailler Urkunde durch die alliierten und asso­ziierten Mächte, wonach die Flughäfen in der 50-Kilometer-Zone östlich des Rheines alsQllo- bilmachungsvorbereitung" angesehen werden. Es besteht kein Zweifel, daß die unberechtigten und unverständlic^n Gewaltmaßnahmen ebenso wie die Begriffsbestimmungen mit dem Geiste eines etwaigen Sicherheitspakies nicht in Einklang stehen.

Die spanische Offensive. Vor einer französischen Entsastnngs- aktiv».

London, 11. Sept. (WTB. Zunkspruch.) Daily Telegraph" berichtet aus Tanger, auf die dortigen Eingeborenen hat die Landung bei Alhucemas einen tiefen Eindruck ge­macht. Die gelandeten spanischen Truppen werden auf ungefähr 1216 000 Mann geschäht. Man nimm: an, daß sie in der Lage sind, Ajdir ein- zunchmen, das nur 6 Kilometer von der Lan­dungsstelle entfernt liegt. Die Einwirkung d-er Landung auf die Stämme Abd el Krims könne «roch nicht abgeschätzt werden, aber es fönne schon jetzt eine unverzügliche Zurückziehung eines Teils der Riftruppen aus der Westfront erwartet werden, wodurch die fran­zösische Offensive erleichtert würde. Rach Mit- icilungen von der französischen Front sei eine Bewegung der Riftruppen nach Rorden fest­gestellt worden. Eine weitere Meldung besagt,, daß ein spanisches Kriegsschiff die Andjeraküste östlich von Tanger be­schossen hat. ..Daily Rews" berichtet aus Tanger, daß der Andjeras-Stamm sich vorgestern offen zum Kampf gegen die Spanier gerichtet habe. Die Andjeras-Krieger sollen 8 Meilen von Tanger an der internationalen Zone versammelt sein. Ein Angriff der Andjeras- und Dscheballah- Krieger werde täglich erwartet, bei dessen Ge­lingen die Straße Tetuan abgeschnitten und die spanische Schlüsselstellung in Agaia stark. be­droht werden würde.

DerChicago Tribüne" wird aus Madrid gemeldet, daß die Spanier

eine zweite Truppenlandung in der Alhu» cemas-Ducht

vorgenommen haben. Eine 5000 Mann starke Abteilung ist in der Rahe des Kap Quilatei am westlichen Vorsprung der Bucht an Land gesetzt worden. Die Spanier haben nunmehr beide Vorgebirge der Alhucemas-Ducht in Händen und sollen nun einen Vormarsch auf Abd elKrims Stellung bei Ajdir planen, die von 25 000 regulären Rifleuten mit beträchtlicher Artillerie verteidigt wird- Aus irgendwelchen Widerstand find die Spanier bei der Landung nicht gestoßen. Die wenigen dort anwesenden Rifleute schossen ihre Gewehre ab und flohen. Dagegen greifen die Rifleute Te­tuan heftig an und versuchen es von allen Seiten außer der Seeseite abzuschneiden. Auf den Anhöhen in der Rahe der spanischen Haupt­stadt Rordafrikas sei eine wilde Schlacht im Gange, die meist in einem Kampf ManngegenMann bestehe. Der Feind habe die Spailler von Den Harrikh vertrieben, einer Anhöhe, die die Stadt beherrsche. Spanische Flug­zeuge haben die Stellungen des Feindes unauf­hörlich beschossen.

Es scheint zweifellos, daß die Situation an der Tetuanfront sehr ernst ist. Abd el Krims Bruder entwickelt gegen die spanischen Schuhllnien bei Tetuan eine Offensive, die gestern nachmittag in der Gegend von Denkarisch zu furchtbaren Kämpfen geführt hat.

Westlich nach Larache haben die Rifleute die spanische Linie durchbrochen. Der Marsch auf Ajdir, von der Küste aus, ist zum Stillstand gebracht worden und General Primo de Rivera hat den Marschall P 6- tain gebeten, sofort mit der französischen Offensive zu beginnen, um eine Katastrophe an der spanischen Westfront zu verhindern. Ge­neral Primd de Rivera wird solange in Tetuan bleiben, bis die Bedingungen für die militärische und politische Aktion in der ganzen spanischen Zone bis ins einzelne festgelegt sind. Der Leiter des spanischen Vaebindungsdienstes im Haupt­quartier des Marschalls PZtain teilt mit, daß die französisch-en Truppen wahrscheinlich morgen einen heftigen Vorstoß im Mittelpunkt der Operationslinie und in einer anderen Zone unter­nehmen werden.

Kleine politische Nachrichten,

Reichspräsident von Hindenburg empfing heute den japanischen Botschafter, Ex­zellenz Honda, der einen längerer Heimats­urlaub antritt, ferner die deutschen Gesandten D o r e tz s ch in Lissabon. Frehtag in Bukarest und Ohlshausen in Belgrad.

*

Rach neueren Mitteilungen wird der M i - ni st er Präsident Braun sich an der Reife des Reichspräsidenten und des Reichs­kanzlers nach dem Ruhrgebiet beteiligen. Der Ministerpräsident wird, wie auch der Reichs­präsident und der Reichskanzler in Bochum eine Rede halten.

Die Schlicht, ngsverhairdlungen zwischen den Vertretern der Arbeitnehmer und der Reichs- b a h n v e r w a l t u n g, die im Reichsarbeilsmini- sterium begonnen haben, haben bisher zu kei­nem Ergebnis geführt. Es ist eine Schlichtungs­kammer eingesetzt worden.

*

Der von der Schlichtungskammer zur Bei­legung der Lohnstreitigkeiten der Arbeiter bei den Reich^verwaltungen gefällte Schiedsspruch sieht vor, daß die bis zum 31. Aug. bezahlten Grundlöhne mit Wirkung vom 1 Sept. ab wieder in Kraft treten. Dazu wird den Parteien aufgegeben, die O r t s l ö h n e dem­nächst nachzuprüfen und sie, wo es zwecks An­gleichung an die von den privaten Llnterneh- mungen gezahlten Löhne erforderlich ist. mit Wirkung ab l.Sept. 1925 dementsprechend zu erhöhen. Die Parteien haben sich auf diesen Schiedsspruch bis Montag, 14. September, mit­tags 12 älhr, zu erklären.

In Bozen hat der italienische Llnterprä- fekturkommissar verfügt, daß die städtische Haushaltungsschuleaufgelöst und da­für eine Mädchenvolksschule eingerichtet werden soll. Dem Gymnasium der Augustinerkloster­herren in Drix en wurde mitgeteilt, daß die

Weiterführung der ersten Klasse sofort und die der zweiten und dritten Klasse noch im Verlaufe dieses Jahres e i n z u st e l l e n ist.

Aus Anlaß der französischen Manöver ist Euskirchen mit etwa 400 Mann neuer Be­satzung belegt worden, wofür u. a. zwei Turn­hallen und ein Tanzsaat beschlagnahmt worden sind. Dem Vernehmen nach wird bei Tonndorf ein neuer Flugplatz von 180 Morgen Fläche angelegt werden.

Aus aller Well.

62. Deutscher Genossenschuftstag.

Freudenstadt, 10. Sept. (TU.) Die erste Hauptversammlung des Deutschen Genossenschafts- verbanöes am Mittwoch war gemeinsamen An- gelsgeTcheiten aller Genossenschaften gewidmet. Das Hauptreferat hielt der Anwalt des Deut­schen Genossenschaftsverbandes, Prof. Dr. S t e i n. Anfang September sei eine Verständigung der drei großen Genossenschaftsverbände mit den Sparkassen angebahnt worden. Soweit eine Schätzung möglich sei, tonne gesagt werden daß die Kriegsgenossenschasten im Durchschnitt we­niger als 10 Prozent ihres Vermögens nach Umstellung auf Goldmari gerettet hätten. Die Genossenschaften hätten allgemein früher und umfassender ihren Wiederaufbau vollzogen als die anderen 1.!nternehmungsformer..

Die Gesamtsumme des Geschästsguthabens habe am 31. Dezember 1924 40,6 Millionen Mark betragen bei 1075 berechneten Genossen­schaften gegen 198 Millionen bei 1493 Genossen­schaften im Jahre 1913. Der Bankkredit liefere heute die Mittel zur Aufrechterhaltung und Führung des Betriebes. An den reinen Schulden gemessen, hätten die Genossenschaften sich wieder so in die Höhe gearbeitet, daß sie an die Ziffern des Jahres 1907 etwa wieder beranreichten. Für die Genossenschaften sei kaum Anlaß zu Pessimis­mus und älnruhe vorhanden, vielmehr hätten sie allen Grund, vertrauensvoll in die Zukunft zu schauen.

Der deutsche Aerztetag.

Der Leipziger Aerztetag faßte nach einem Re­ferat über die Findelhausfrage von Dr. Nassauer-München eine Entschließung, worin die Aerzteschaft ihre Sympathie für die Schaffung von Findelhäusern zum Ausdruck bringt. Eine lebhafte Erörterung fand das ThemaBekämpfung der Kurpfuscherei", worüber Medizmalrat Dr. Kanter-Warnsdorf als Arzt und Rechtsanwalt Dr. Fuhrmann-Berlin als Jurist referierten. In den angenommenen Leitsätzen bringt der Aerztetag zum Ausdruck, daß die Kurpfuscherei eine sehr schwere Schädigung der Volksgesund­heit bedeute und daher zu bekämpfen fei. In der Aerzteschaft müsse es daher für eine sehr ernste Aufgabe betrachtet werden, gemeinsam mit der deutschen Wissenschaft zur Bekämpfung der Kur­pfuscherei vorzugehen, bis die erwünschte Aufhebung der Kurpfuscherei erreicht sei. Schließlich gab der Aerztetag eine Erklärung ab, daß das herrschende Wohnungselend der Hauptgrund für die Ausbreitung der Volksfeuche sei. Die Regierungen und Kommunalverwaltungen müßten es daher als ihre wichllgste Aufgabe betrachten, hier Wandel zu schaffen.

Deutscher Apothekertag.

Stuttgart, 10. Sept. (WTB.) Die Ver­handlungen des zweiten Tages der Apotheker­tagung befaßten sich mit dem Verhältnis zu den Krankenkassen. Dabei wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, in der die Wieder­herstellung des § 375 Abs. 2 der Reichsversiche­rungsordnung zum Zwecke eines gerechten Aus­gleichs zwischen Apotheken und Krankenkassen gefordert wird. Weiter wird die Laborprüfung der Richtlinien zur Anwendung eines friedlichen Verkehrs mit den Krankenkassen verlangt, da sich das interimistischr Abkommen mit den Kranken­kassen vom Dezember 1924 nicht, wie erwartet auswirkte. Die Arzneiversorgung durch Selb st abgabe stellen der Kranken- k a s s e n gehöre nicht zu deren Aufgabe. Sie sei daher zum Schutz der Krankenkassenpatienten selbst sowie im Interesse der Allgemeinheit, welche die Lebensfähigkeit der Apotheken nicht gefähr­det wissen wollte, zu bekämpfen.

Die erstrebenswerte Regelung", erblickt die Versammlung in der Schaffung eines De- triebsrechtes, das frei veräußerlich und vererblich ist, wobei eine behördliche Ueberwa- chung der Apothekenverkäufe zur Verhinderung ungesunder Preise vorzusehen wäre. Heute hat sich aber die Schaffung eines Reichsgesehes auf dieser Grundlage als nicht erreichbar erwiesen. So kann nur ein System in Frage kommen, das wenigstens für alle bis zu einem bestimmten Zeitpunkt tatsächlich als übertragbar behandelten Apotheken das Recht der älebertragbarfeit wei­terhin sichert. Die Personal konzession die dann für die übrigen Apotheken bestehen bliebe, wäre durch eine wesentliche Llmaestal- tung von ihren Mängeln soweit als möglich zu befreien.

Tagung des Vereins für Gesundheitspflege in der Schule.

Der deutsche Verein für Gesundheitspflege in der Schule hielt in B o n n seine 20. Jahresversamm­lung ab, in der Ministerialrat Dr. S t o l z e-Berlin die aus allen Deutschlands erschienenen Teilnehmer begrüßte. Ausführlich wurde in der Versammlung über die Gesundheitspflege der schulentlassenen Jugend gesprochen. Gewerbeschuldirektor G a u t en­de r g - Duisburg sprach über die organisatorischen Forderungen. Stadtrat Dr. K e t t l' a n t- Berlin- Schöneberg hielt ein Referat über die Maßnahmen zur Ertüchtigung und zur Erholung der Jugend­lichen, während.grau Dr. Else Szagunn - Berlin- Charlottenburg ! einen Vortrag über Maßnahmen zur planmäßigen Gesundheitsfürsorge hielt. Prof. Dr. K a n t o r o wi c z -Bonn behandelte das Pro­blem der erzieherischen Wirkung auf die Jugend.

Ein unbekannter Brief Richard Wagners.

3m vergangenen Monat wurde ein bisher unbekannter Brief Richard Wagners, der über das Verhältnis Richard Wagners zu dem da­maligen König Ludwig 11. von Bayern und seinem Außenminister von der Pfordten Aufschluß gibt, von Professor Anton S r b a in Triest entdeckt. Der Brief ist vom 11. April 1866 in Luzern datiert und wird im Original und in Uebersetzung mit der Unterschrift WagnerS in der nächsten Zeit, und zwar zunächst in Prag veröffentlicht.

Ein Opfer der Wissenschaft.

In O l m ü tz ist nach langem, qualvollem Lei­den der hervorragende Röntgenologe der dortigen Krankenanstalt, Dr. Rudolf Bacher, im 48. Le­

bensjahre gestorben. Er war der erste Arzt der Tschechoslowakei, der sich mit der Röntgenologie befaßte zu einer Zeit, als man die damit verbun- denen Gefahren noch nicht kannte. Seit 16 Jahren litt er an einer Erkrankung, die er sich da- mals zuzog und in deren Verlauf ihm die rechte Hand und der rechte Arm stückweise abgenommen werden mußten.

Ein Millivnärssshn als Doppelmörder.

Abermals wird Reuhork durch ein Mord­verbrechen in Atem gehalten, das der g e i stes- gestörte Sohn eines Reuyorker Mil­lionärs, der 20jährige Harrison Roel, be­gangen hat. Der junge Mann, der erst kürzlich aus einem Sanatorium entlasten worden war, das er wegen eines Rervenzusammenbruches auf­suchen mußte, ließ seinen Chauffeur in Montelair (Reuyersey) in eine einsame Gegend in der Rähe eines Waldes fahren, erschoß den Chauffeur während der Fahrt und warf feine Leiche in den nahen Fluß. Dann raubte er ein sechs- jähriges Mädchen namens Mary Dolh und ermordete es ebenfalls. Als er die Eltern- des ermordeten Kindes telephonisch antief und von ihnen die Hinterlegung einer großen Summe in einer Reuyorker Bank forderte, falls sie ilW Kind wieder haben wollten, wurden er ver­haftet. Er gestand mit vollendetem Zynismus fein Verbrechen.

Choleraepidemie in Japan.'"

Tokio, 10. Sept. (WTB. Funkspruch.) Die Choleraepidemie greift in TZokohama und Tokio erschreckend um sich. Aus V->kohama werden 50 Cholerafälle gemeldet. Die Aerzte veröffentlichen Warnungsrufe.

Wettervoraussage.

Zunächst noch Riederschlagsneigung, dann Winde nach Rorden drehend und langsam auf- llärend.

Wie erwartet, ist das Fallgebiet bereits et­was nach Südosten vorgerückt. Wir haben auf seiner Rückseite noch mit Regenfällen, später bei Herankommen des Hochs mit langsamer Auf­klärung zu rechnen. Allerdings dürfte dem Hoch bereits ein neues Tief westlich von Irland her folgen, so daß die Aufheiterung unserer Witte­rung nur von kurzer Dauer sein wird.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 14,8, Minimum 9,2 Grad Celsius. Riederschläge: 4,6 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 9,9 Grad Celsius.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 11. September 1925.

Die Steierländer in Gießen.

Liebe Gäste, kerndeutsche Schwestern und Brüder aus dem Steiererland, konnte man gestern abend im Stadttheater willkommen heißen. Cs handelte sich um die S te ire r g r up p e des Alpenländischen Verbandes der Kriegsteilne hmer 1914/18, die zur Zeit mit ihren Damen auf Einladung des Zentral­verbandes deutscher Kriegsbeschä­digter und Kriegerhinterbliebener Deutschland besucht und dabei wertvolle Stücke heimatlichen Kulturgutes zu Gehör und zur Schau bringt. Der Ortsgruppe Gießen des Zentral- verbandes der Kriegsbeschädigten ist es zu dan­ken, daß auch uns dieser bemerkenswerte Besuch, der der Vertiefung des deutsch-österreichischen Anschlußgedankens diente, zuteil wurde.

Den geschätzten Gästen entbot Beigeordneter Dr. Selb namens der Stadt Gießen herzlichen Willkommengruh. Er betonte die DlutS- und Stammverwandtschaft, die die Bewohner beider Länder verbindet, wies auf das unverbrüchlich treue Zusammenstehen der Reichsdeut­schen und der Deutschen Oesterreichs in den schweren Kriegsjahren hin, erinnerte an die schweren Vergewaltigungen und Leiden beider Länder durch die Friedensdiktate der rachsüchtigen Feinde, hob die Verweigerung unseres Selbstbestimmungsrechts durch die Gegner hervor,feierte die lebendige Kraft des Zusammen­schlußgedankens und bat alle, ob hüben oder drüben der heute noch bestehenden Grenzpfähle, an diesem Gedanken sestzuhalten und nie rastend dem hohen Ziele der Vereinigung der beiden Länder Deutschland und Oesterreich zuzustreben: dann werbe auch der Tag kommen, wo alle deut­schen Stämme ohne Ausnahme von einem einigen Großdeutschland umschlungen sein würden. In dieser Hoffnung galt der herzliche Gruß dens Gästen des Abends. Landesarchivar Dr. Karl Hafner, Graz, der Führet der Gäste, dankte in deren (Kamen für die freundliche Begrüßung, gab zu erkennen, daß die Steierer von demselben Gedanken und dem gleichen Geiste wie Wit be­seelt sind, daß sie aus dieser Einstellung heraus an der wechselseitigen Unterstützung des deutsch- österreichischen Kinderhilfswerkes der beiden Ktiegskameraden-Vetbände tatkräftig Mitwirken und daß sie jetzt durch ihre Darbietungen aus dem reichen Schatze ihres kernhaften Dolls- tums werben wollen für die Vertiefung der Beziehungen der beiden Länder. Richt als Künst­let fernen sie, denn das seien sie alle nicht, sondern als schlichte Menschen aus dem Volle, die in einfacher, ungezwungener Weise durch Worte, Lieder und Bild erzählen wöllten von ihrer schönen Heimat und deren treudeutscher Ge­sinnung. Lebhafter Beifall nach beiden An­sprachen bewies, daß die Herzen der Zuhöret mitschwangen mit den Worten der Redner. Und nun machte man unter der Führung von Dr. Hafner in einem abwechslungsreichen Licht- bildervorttag einen interessanten Spaziergang durch das herrliche Steierland, wobei wohl be» vielen Besuchern der Wunsch entstanden fein mag, dieses schöne Land und feine Bewohnet an Ort und Stelle kennenlernen zu können. Volkslieder und schöne Vollstänze, die man vielen jungen Leuten bei uns als gutes Vorbild empfehlen­kann, offenbarten im weiteren Verlause des Abends noch schärfer als die Vortragsworte die ausgezeichneten Charaktereigenschaften der Steie­rer. die der herzlichsten Sympathie aller noch nicht verbildeten Zeitgenossen sicher sein dürfen. Dazu gab es noch einige köstliche Proben auS Peter Roseggers Dialektdichtungen zu hören, die ebenso wie alle übrigen Darbietungen stürmischen Beifall auslösten. Den herzlichen Dank der Zu­hörer faßte der Vorsitzende der Gießener Orts­gruppe des Zentralverbandes in Worte, denen als Abschluß und als gemeinsames va'erländisches Bekenntnis der Gäste und der Einheimischen der Gesang des Deutschlandliedes folgte. Mit lebhaften brüderlichen Heil-Rusen trennten sich Gäste und Zuhörer. Das war ein trefflichen volksgemeinschastlicher Abend, der bei uns in bester Erinnerung bleiben wird.

5i

Hin1

i>E sieb und

S

)ii > Ä fffe uni >tal« Mjonall in M finci' [iciudiic, lifr del in der

gii'1 großes Wcnge Muern t efftber sei«, 6,e.

i*en D rung der Teilnahm Sonde' Werktag!

So 1 Siehe treffend« nur nod 3.00 Uh Vie (fon Sever von La 1.15 An! Siehe abends Gelnhai bis Ni ßen 7.0. Vie Aeb ist tami:

Don kehrt en hält, in ab 12.0! Hiebe Svnderz eintrifft zu dem verkehv der um fahren Die Äe

Au wir- 6t cin/reffei

Von laufen, d Siehrn e Ton der cs abhär oder un Streäe Qlbenby

Dasl

M Städten stertoc oft achse Messen anftaltun bewerbe. Gestoltui unbfoed Lchaufei beim n tungen Hchausei S ift 1 Winters, sensterlm ruher Karlsruk tewber e der Pre vchaus eigenes 1 wählen Gruppen Nehmer tt

Elb §ön,c Brüt

SOW Vibrai und |

em Berni

^ke st- Nim