Sterten darin gutudblteb. 2iod> ihren Angaben hatte fie von vornherein d i e Absicht, gegen QlrnautOüic ein Attentat zu verüben. Sie bezeichnet ihn als einen sehr schlechten QKa= -c Monier, der vor mehreren Jahren z w c i gute patriotische Mazedonier ermordete, i ic sie habe rächen wollen. Darum sie dieses Attentat gerade während der Dorstellung vec- übte. erklärte sie damit, daß ihr D.-gner stets gut bewaffnet gewesen sei und sie fürchten muhte, von ihm erschossen zu werden, w:rur sie ihn auf der Strahe oder sonstwo übcrfalten hätte. Sämtliche Personen d-es blutigen Dramas stammen aus Krisevo in Mazedonien.
Die „‘Heue Freie Presse" erfährt, der ermordete Dimitri Arnautowitsch Panizza sei identisch mit dem Mörder des betannten mazedonischen Führers Doris Sara soff. Er selbst sei Mazedonier von Geburt und habe an den Bewegungen in Mazedonien lebhaften Anteil als Mitglied der revolutionären mazedonischen Organisation genommen. Als 1906 die Organisation mit dem mazedonischen Obersten Rat in Sofia in Konflikt geriet, wurden die Führer dieses Rates Sarasosf und Garwanvsf .3 u m Lode verurteilt. Das Todesurteil wurde von Panizza in Sofia vollstreckt und zwar in der Meise, daß Garwanoff und Sarasosf bei einem Gastmahl, daS Sarasosf gegeben hatte uird an dem and) Panizza teilnahm, in_ dem Augenblick von ihm erschossen wurden, als Sara- soff seine Gäste in den Hausflur geleitete. 1920 organisierte Panizza, der nach der Ermordung SaDanfli die Führung der mazedonischen Föderalisten übernomnren hatte, wäh- i enb der Regierung Stambolijskis die Banden, die die Auto no mist en belämbfcn sollten 3n einem Gefecht bei Rewrodok im bulgarischen Teil von Mazedonicm, tourben diese Banden zurück- geschlagen. Panizza, der vom mazedonischen Komitee zum Tode verurteilt worden war, flüchtete nach Griechenland und trieb sich seitdem in b:n Bergen des griechischen und serbischen Teiles von Mazedonien herum. Später wurde er aus Griechenland ausgewicsen und. da er einen serbischen Pah hatte, nach Serbien abgeschoben.
e Die Ci Hebungen der Polizei haben ergeben, daß die Attentäterin
£ic Tochter ein.'s wohlhabenden Bulgaren ist, die vor zwei Monaten nach CBten gekommen war, uir sich hier wegen eines schweren Rieren- lcidens ärztlich behandeln zu lassen. Bei ihrer blutigen Vernehmung gab sie zunächst an, keiner rclituchen Partei anzugehören und bezeichnete sich als nationale Mazedonierin, die mit c; r autonomistffchen Partei empfinde.
Die Täterin ist in Haft, auch die beiden .nderen Insassen der Loge, in der sich das b'u- iae Drama abgespielt hat, wurden vorläufig >' ierrvahrurg genommen, bis bas Attentat in alb n Ein'n'hü:.'.^ aufgeklärt fein wird. Die Erhebnns.n gestatten sich sehr schwierig, weil die in Betracht kom- m.nden Personen der deutschen Sprache nur in ge- '.ir.genr Maß- mächtig sind In den Wohnungen der .Mazedonier, die im Jnrgtljeater anwesend waren, wurden Haussuchungen öorgenommen. Es wurde viel 'Material beschlagnahmt, über dessen Inhalt aber nichts Näheres zu erfahren ist, weil alle Papiere in fremder Sprache verfaßt oder in fremden Schriftzeichen geschrieben oder gedruckt sind. Die Frau des Ermordeten weiß bis heute noch nicht von dem Tode ihres Mannes. Ihr Instand ist ernst. Sie tonnte n 0 d] _n i d) i verhört luer- . den, da sie infolge einer Schußoerleßung der Junge .nicht sprechen kann. Der anbere Begleiter des 5Ermordeten, Ivan Bogdanowitsch, welcher • von vier Schüssen getroffen ist, liegt in ernstem aber r nicht hoffnungslosem Zustande darnieder. Im Burgtheater wurde heute vormittag der Tatort untersucht und dabei sestgeftellt, daß ein Geschoß auf die Bühne und eins im Parkett des Zuschauerraums aufgeschlagen ist.
Deutschlands Wirtschaftslage.
Der Neichswirtschastsrriimster im Reichstag.
Berlin. 9. Mai. 3n der Fortsetzung der zweiten Beratung des Haushalts des Reichs- wictschaftsministeriums erstattete Abgeordneter Dr. Wienbcck lDeutschntl.) den Bericht des volkswirtschaftlichen Ausschusses über Handwerks- und Mittelstandsfragen. 3n einem Ausschuhantrag wird die Regierung ersucht. dem Reichstag einen eine Berufsorganisation des Handwerks behandelnder Gesetzentwurf beschleunigt vorzulegen. Weiter wird eine Prüfung der Frage verlangt, ob die Preistreibereiverordnung nicht aufgehoben werden könnte. Andere Ausschuhanträge wenden sich gegen die Mißstände im Wander- und Hausierergewerbe. Schließlich wird eine Aeu- vrdnung des Berdingungsweseirs verlangt.
Abg. Wentzel (Dtschnll.) erklärt, das Handwerk habe zu Minister Reu haus das Der- trauen, daß der Minister den praktischen Forde- 1 ungen sein Augenmerk zuwenden werde, deren es bedarf.
DaS Handwerkerorganisatloasgeseh, ,uf das die Beteiligten schon vier Jahre warteten, müsse schließlich Dorgelegt und dem Handwerk müsse Gelegenheit gegeben werden, vorher dazu Stellung zu nehmen. Da^ Kleinge- werbe bedürfe des Schutzes gegen die Konkurrenz der Genossenschaften. Die Deutschnationalen seien bereit, der üleberspan- nung des Genossenschaftswesens entgegenzutreten. auch wenn es sich um landwirtschaftliche Mittelstandsgenossenschaften handele.
Abg. Esser (Ztr.) weist darauf hin, daß die Handwerkskammer in diesem Jahre auf das 25jährige Bestehen zurückblicken könne. Ihre Sätifjfcit habe sich im allgemeinen bewährt. Auw die künftige Organisation des Handwerks müsse sich eng an die staatliche Einrichtung anlehnen und sich frei von jeder politischen Tendenz halten.
Für Handwerk und Kleingewerbe sei dringend Kredithilse notwendig
Die Hauptsache fei aber die Selbsthilfe. Der Redner richtet an die Regierung die Aufforderung, bei der Vergebung von Arbeiten und Lieferungen das Handwerk besser zu berück- ichllgm.
Abg. Bartschat (Sem.) stellt mit Genug- uung fest, daß in der letzten 3eil bei den Eltern jie Re gung gewachsen sei, die Sohne dec Hand- werk-lehre zu uführen. An alle Kreise des Volkes müsse die Mahnung gerich et werden, den Haut Wecker für seine ehrliche Arbeit pünktlich zu bezahlen. Bei dem durch die Inflation ge
schaffenen Mangel an Betriebskapital könne das Handwerk heute gar nicht mehr mit vielen Außen - ständen arbeiten. Der Minister solle endlich sich über die von anderen Stellen ausgehenden Widerstände hinwegsehen und das Handwerks- organisationsgeseh fd;kunigft herausbringen.
ReichswirtschaftsrurnisterDr. Neuhaus weist dann auf die bevorstehend: Handels- und z 0 l l p 0 l i t i sch e Debatte im Rrich-- tage hin Bei der Zolltarifnovelle, die seht in endgültiger Fassung vorliege, handel: es sich um eine Aebergangslö s u n g . um ein Hmidelsverrrags inst rumc 0 Di< Entscheidung über unsere dauernde zollpolitisch: Einstellung werde erst bei Vorlage des endgültigen Zolltarifs fallen. Schon in den nächsten -eagea werd: bei den deutsch-französischen Verhandlungen in die Einzelberatung über di: künftige Eisen- und Textilcegelung eingetreten werden. Bei den deutsch-italienischen Vechandlmigen sei mit einem Abschluß für Anfang Mai zu rechnen. Rock' Annahme der Zolltarifnovelle dürfe dann bis zum Sommer Dm: cnögüliigc Handelsvertrag zustande kommen. Für unsere deutsche Wirtschaft werd: die in Aus- ichi stehmde Rückkehr zur englischen Schutzzoll- poli^Ü in einzelnen Industriezweigen drückend empfunden werden
Die deutsche Wirtschaft trete eigentlich erst jetzt in die Epoche der Aebergavgswirtschaft ein.
Es lägen allerdings Symptome vor. die bereits auf eine allgemeine Besserung der Wirtschaftslage Hinweisen. Der Minister verweist auf die Entspannung des Arbeitsmarktes. die Entwicklung des Warenmarktes, die Steigerung des Güterlaufs und der Produktion hin. 3n steigendem Maste finde auf denr Weltmärkte heute wieder ein verschärfter Konkurrenzkampf statt. Die Wiedereinsetzung der G 0 l d - Diskontbank solle gerade dem deutschen Aus- uhrhandel Erleichterungen bringen. Der Minister bespricht dann die Rotwendigkeit einer wirksamen Beeinflussung des allgemeinen Preisniveaus. Das Reichswirtschaftsministerium werde sich für eine Senkung der Kosten einsetzen, die die Generalunkosten unserer Wirtschaft belaste. Es würde in diesem Sinne brr der Gestaltung der Frachttarife und beim Ausbau der Steuergesetze mitwirken. Die H a l d e n b e st ä n de an der Ruhr seien auf 6 bis 10 Millionen Tonnen zu schätzen. Der Grund dafür liege in der katastrophal enAbsatzlage. Den Schwierigkeiten werde seitens der Kohlenwirtschaft durch eine Ausgestaltung des Rheinisch-westfälischen Kohlensyndikats entgegengetrekn werden.^ Sie Entscheidung darüber werd: in den nächsten Wochen fallen. Große Bedeutung werde aber für die Kohlenwirtschaft die in Aussicht genommene
Aenderung des Eisenbahntarifs baten, der schon in den nächsten Tagen in Kraft treten soll. Mastnahmen zur Einführung eines neuen Verfahrens zur Gewinnung von Oel seien bereits in die Wege geleitet. Sie Verhandlungen zur Behebung der Kreditnot des gewerblichen Mittelstandes seien im wesentlichen abgeschlossen. Rach Durchführung dieser Kreditattwn werde die Frage einer besseren Ausgestaltung des ganzen nrittelländischen
Kreditwesens geprüft werden. Ser Referenten- Entwurf über die Reichs handwerks-
0 r g a n i f a 11 0 n sei den Ländern bereits zu- gestellt worden. Der Entwurf über den endgültigen Reichswirtschafts rat werde in naher Zeit zur Diskussion stehen. Der Reichswirtschaf ts- rot werde auch in dieser Zusammensetzung den Bedürfnissen nach sachkundiger Arbeit trotz stacker Herabsetzung der Mitgliederzahl in weitgehendem Maß^ entsprechen. (Beifall.)
Abg. von Raumer (D. Vpt.) verlangt größere Beschleunigung bei der Einbringung der Zolltarifvorlage.
Die Geduld der Wirtschaft und des Reichstags seien bald erschöpft.
Reichswirtschaftsminister Dr. R e u h a u s stimmt dem Vorredner durchaus darin zu, daß die schleunige Verabschiedung der Zolltarifnovelle notwendig sei. Bei der Vergebung öffentlicher Arbeiten und Lieferungen werde auf das bedrängte Gewerbe im besetzten Gebiet besonders Rücksicht genommen werden.
Abg. Schmidt-Berlin (Soz.) wünscht die Einrichtung eines Kartellamtes und eines Kartellregisters. Das Wirtschaftsministerium habe jetzt schon die Möglichkeit, Auswüchsen des Kartellwesens vorzubeugen. Aber es machte davon leider viel zu wenig Gebrauch.
Abg. S t ö h r (Völk.) wünscht die Einbeziehung der Handwerksgesellen in Die Handwerks!ommcrn, um so eine Art Volksgemeinschaft innerhalb des Handwerks zu schaffen.
Abg. Mollath (Wirtsch Vgg.) verlangt eine wesentliche Erhöhung des zur Kredithilfe für den Mittelstand bereitgestellten Fonds.
Weiterberatung Montag mittag
Kleine politische Nachrichten.
Reichkanzler Dr. Luther traf Samstag abend mit zwei Begleitern in Hannover ein und begab sich sofort zum Reichspräsidenten v. Hindenburg, wo eine mehrstündige Unterredung stattfand. Bei dem Reichspräsidenten wurde dann in kleinem Kreise das Abendesten eingenommen. Reichs^ kanzler Dr. Luther kehrte noch in der Rächt zum Sonntag nach Berlin zurück.
Der Stellvertreter des Reichspräsidenten, Dr. Simons, hat dem Kaiser und der Kaiserin von Japan zu der Feier ihrer silbernen Hochzeit, die am 10. Mai ftatt» sand, seine aufrichtigsten Glückwünsche telegraphisch übermittelt.
Zu der am 16. Mai stattfindenden Eröffnungsfeier der I a h r t a u s e n d a u s - stellung in Köln sagten ihr Erscheinen von der Reichsreg'.crung der R e i ch s k a n z l e r, dec Reichsauhenminister, dec Reichsminiftec für die besetzten Gebiete, Frenken, und von der preußischen Regierung Ministerpräsident Braun, Innenminister Severing und Wohlfahrtsminister Hirtfiefer zu
Reichskanzler a. D. Marx, der sich von seinem Grippeanfall erholt hat, ist von Sigmaringen wieder in Berlin eingetroffen. Er war am ScmU tagnachmittag bereits im Reichstag anwesend und wird auH bei der Vereidigung des neuen Reichspräsidenten zugegen fein.
3m Juni wird mit der Verhandlung der Finanzfkandalprozefse begonnen. Den
Anfang wird der Prozeß gegen Holz m a n n und den Regierungsrat Bartels machen. Holzmann stand mii K u t i f t c r in Beziehungen. Bartels ilt Der frühere Leiter der Fremden- polizei. Die Anklage der Staatsanwaltschaft lautet auf versuchte Erpressung, Betrug und Bestechung.
Bei schönem Wetter wurde unter großem Pi'blikumandrang — etwa 90 000 Personen waren erschienen — durch den König nach einer Ansprache des Herzsgö von ‘3er,.’ die britische Weltausstellung in Wembley eröffnet.
Vertreter Dec polnischen monarchistischen 'Parteien, Darunter Politiker und frühere Generäle sollen in einer geheimen eifcung den Prinzen Sixtus von Bourbon zuiii Kronprätendenten gewählt haben.
Nach längerem Krankenlager ist m Bukarest Der ehemalige rumänische Ministerpräsident und Vor- itzende Der forffchrittlichttonservotioen Partei, Alexander M a r g h i l 0 m a n , im Alter von zweiundsiebzig Jahren gestorben.
Hundertjahrfeier des Börsen- vereins deutscher Buchhändler.
Leipzig. 11. Mai. (211.) Aus Anlaß der Feier des hundertjährigen Bestehens des Dörsenverrins der deutschen Buchhändler l‘üu> aus allen Tellen des Reichs Verleger, Sortimenter, Antiquare usw. nach Leipzig geeilt, um diesen Tag festlich zu begehen. Auch Vertreter aus dem Ausland, besonders aus Oesterreich und der Schweiz, sind zahlreich anwesend. Der Börfen- verein hat eine umfangreiche Festschr i f t her- ausgegeben, die Beiträge namhafter Schriftsteller und Künstler enthält. Die Festlichkeiten, die bis Dienstag andauern werden, begannen am Samstag mit einem Empfangsabend im Palmengar t^r. Am Sonntagvormittag findet die feierliche Einweihung des Ehrenmals für die int Weltkrieg gefallenen deutschen Buch- Ha ndl er in der Buchhändlerbörse statt. Das Denkmal ist ein Werk des Berliner Bildhauers Professor Kolbe. Am Samstagnachmittag sand
dir diesjährig: ordentliche Hauptversammlung des Börsenvereins fü den Buchhandel im Buchhändlerhause statt. 3n dem Geschäftsbericht wird daraus hingewiesen, das) der Buchhandel unter der Ueberteuetung besonders zu leiden habe, da seine Erzeugnisse nicht zum notwendigen Lebensbedarf gehörten. Es müsse alles getan werden, um die Selbstkosten nach Möglichkeit herabzusehen. Aus diesem Gebiete liege die Hauptaufgabe für die Organisation. Erstaunlich bleibe auch dieses Jahr die Höhe der Verleger Produktion. Selbst wenn gegenüber dem Vorjahr ein weiterer Rückgang zu v.r- zeichnen sei, so fei dies noch tosmig, aber doch immer noch zu viel gegenüber der gesunkenen Kaufkraft. Große Verluste feien daher unvermeidlich. Hemmungen 1 in Absatz treten besonders auf dem Auslandmarkt Hervor. Der Bericht geht Dann auf die einzelnen Zweige des Buchhandels ein und stellt fest, daß Da8 Weihnachtsgeschäft für Buchverlag und Sortiment nicht den gewünschten Ausgleich für die vorjährige Stagnation brachte. Die Zahl der Mitglieder des Börsenvereins betrug am 1. April 1925 4917. Zum Schluß wird darauf hingewiefen, daß dem oft ausgesprochenen Verlangen, einen Vertreter des Buchhandels in den Reichs - wirtschaftsrat zu entfenöen. bisher feine Erfüllung zuteil geworden fei. Dem Reichstag gehöre aber jetzt Berlagsbuchhändler Rippe! aus Hagen an. Eine Entschließung richtet an den Vorstand die dringende Bitte, sich mit allen Mitteln bei den zuständigen Reichsstellen für die Aufrechterhaltung des Laden- p re i s e s einzusetzen. Am Montag findet im Buchhändlerhaus ein großer Festakt statt.
Der Stellvertreter des Reichspräsidenten Dr. Simons hat an den Börsenverein Deutscher Buchhändler in Leipzig anläßlich seiner Jahrhundertfeier folgendes Telegramm gerichtet: Dem Börsenverein Deutscher Buchhändler spreche ich zu seiner Hundertjahrfeier meine Glückwünsche aus. Ihr Verein hat in seiner hundertjährigen Arbeit nicht nur eine mustergültige Organisation des deutschen Buchhandels g^chaffen, sondern sich auch um das gesamte putsch: Schrifttum bleibende Verdienste erworben, deren das Reich beute dankbar gedenkt. Möge Dem Börsenverein auch in Zukunft erfolgreiche Arbeit und gute Weiterentwicklung be° schieden fein.
Der Berliner Anwaltstag.
Berlin, 10. Mai. (Wolff.) Set Vorstand des Deutschen Anwaltvereins hatte heute einen außerordentlichen Anwaltstag nach Berlin ein- betufen. Der in der Philharmonie zusammentrat. Einziger Punkt der Tagesordnung war die Aus- sprache über die Rechtsnot. Der Vorsitzende des Deutschen Anwaltvereins, Dr. Drucker, konnte fast 2000 Anwälle benutzen. Reichs- justizminister Dr. F r e n i e n begrüßte Di: Versammlung namens des Reiches. Er sagte u. a.: 3n den zwölf vergangenen Jahren seit dem Anwallstagc in Breslau sind schwere Stürme übe runfer Vaterland dahingebraust. 3n diesen Stürmen hat auch das Recht, das Fundameick. jeglichen Strel-ens, schwer gelitten. So blicken wir Denn auf Dem Gebiete Des Rechts lebens auf eine Zeit der Unrast, der Wirrnis, des Hastens und Des Suchens zurück. Das Schmei'z- luchste bei einem Rückblick auf diese Zeit ist aber Die Erkenntnis, daß auch Die Autorität des Rechts und der Glaube an feine sieghafte Kraft nicht unversehrt aus dem Sturm hcrvvrgegangen silid. Der Ge- dante. daß nicht das Recht, sondern die Wacht das höchste fei, und daß Das Recht mißbraucht und ausgebeutet werden Dürfe, und daß es gebeugt werden kann, wenn dies den Machtintcrefsen entspiichl. hat erschreckend um sich gegriffen und vergiftet in gleichem Maße das staalliche Leben nach außen wie im Innern. Denn wie das internationale Leben diese Rechtsbeugungen geseheii hat. und daß das internationale Leben selbst in Rot ist, hat unser Volk auf tem Leidenswege, den wir feit dem un- glü.liichen Kriege beschr tten haben, nur gar zu häufig erfahren. Das Schicksal meiner lieben rheinischen Heimat unb das Schicksal meiner Heimatstadt Köln erinnert uns tagtäglich an Den schweren ungleichen Kampf, den jetzt das Recht
gegen d 1 e W a ch t zu kämpfen hat. -LebhastL Zustimmung.) So gilt es Denn auch auf Dem Gebiete Des Rechtes Wiederaufbauacosic zu leisten im internationalen Leben wie in Dem unter unseren Volksgenossen. Di: Allgemeinheit: rechnet hier vertrauensvoll auf ihr: Witarbell. Ihre Rechnung wird leine D:r::oll? «ein.
Sei Anwaltstag trat Dann in seine e'igenllrcheic Arbeiten ein.
DreMainzeLSängerimNeichstag
Am ßonntaguormiliag II Uhr hat im Reichstag Der offizielle Empfang Der anläßlich Der Iahrtausendfeier der Rhein- lande nach der Reichshauptstadt gekommenen Mainzer Sänger Durch Die Reichsregierung unD Die Stadt Berlin statlgefunden.
In der großen Wandelhalle des Reichstags begrüßten sich Der Berliner Rheinische Wänner- gesangverein und Der Mainzer Männergesangverein dura- Die Lieder ..Fröhliche Rheinlande" bzw. ..Morgenlied im Walde". Hieraus-b e w i l l- fommnctc die rheinischen Gäste als Vertreter der Reichsregierung Reichstagspräsident Lobe, als Vertreter Des Ministeriums^für die besetzten Gebiete Generalreichskommissar Schmid und als Vertreter der Stadt Berlin Bürgermeister Sr Scholz. Reichstagspcäsident Lobe totes auf die Leiden hin, Die gerade das Rheinland in Deutschlands schwerster Zell hat tragen müssen. Er betonte die Treue und Anhänglichkeit zum Reich, die allen verlockenden Versprechungen der Franzosen mannhaften Widerstand entgegengesetzt haben. Dafür — so schloß Reichstagspräsident Löbe seine Ansprache - gebührt Ihnen unser Dank und die Versicherung, daß wir nicht ruhen werden, bis auch am schönen Rhein und int goldenen Mainz das deutsche Lied wieder frei aus allen Kehlen erklingen kann, bis diese herrliche Gegend, friedlich gebettet zu Den übrigen (Bauen Der deutschen Lande, keine Bedrohung mehr zu fürchten braucht. In diesem Sinne heiße ich Sie herzlich willkommen im Deutschen Reichstag und in Berlin.
Auch Generalreichskommissar S ch m i d sprach Dann im Sinne des Vorredners und dankte den Sängern für ihre edelmütige Absicht, auf ihrer Fahrt auch für den in bedenklichem Zustande befindlichen Mainzer Dom zu werben.
Als Vorsitzender des Mainzer Männer- gesangvereins dankte Sr. Gaßner der Regierung und der Stadt Berlin für Den herzlichen Empfang. Mit dem Deutschland- Li c d schloß die eindrucksvolle Feier, an der unter anderen Persönlichkeiten Frhr. v. Binge- teten als Vertreter des Hess. Staatsniini- st e r i u m s und Polizeivizepräsident Dr. Frie-. densburg teilnahmen.
Aus aller Welt.
Schwerer Automobilunfall bei Walfch«
Heidelberg. 11. Mai. ($11.) Gestern abend 7.27 Ahr wurde bei der Station Roth- Walsch bet Strecke Heidelb^'g—Bruchsal—Karlsruhe ein Lastkraftwagen, der sich bei einem Gesangfest in St. Leon befunden hstte, von dem Schnellzug D 161 Heidelberg- Bruchsal—Stuttgart erfaßt. Dabei wurden e I f Personen, sämtlich aus Walsch stammend, getötet. Vier Personen wurden verletzt. Der gleich nach dem Anglück die Anfallstelle das- ficrenbe Schnellzug D 1 Berlin — Karlsruhe brachte die Verletzten nach Heidelberg. Saf Unglück konnte geschehen, weil der Schrankenwärter vergessen hatte, die Schranken rechtzeitig zu schließen.
Eröffnung des Flughafens „Ruhrgebiet".
Bei Herves-Dorsten wurde am Sonntag der neue Flughafen „R uhrgebiet" e r 0 f f n c r. Um 4.30 Uhr traf das erste Iunkersflugzeug vom Fernflug aus Erfurt mit zwei Fahrgästen ein.
• ■
Wettervoraussage.
Zeitweise aufheiternd, doch mehrfach wolkig, tagsüber milder, meist trocken.
Unter der Zufuhr kälterer Luftmassen haben sich die Reste der Nordjeedepression aufgefüllt. Don Südwesten her ist schnell hoher Druck nachaefotgl, so daß heute morgen über Frankreich, West- und Mitteldeutschland ein Hochdruckgebiet mit Verhältnis- mäßig niederen Temperaturen sich erstreckt, die im Laufe des Tages erheblich ansteigen dürften. Ucbcr Island und den britischen Inseln ist heute starker Druckfall eingetreten.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 11. Mai 1925.
©ewerbe geriet u nb Kaufmanns geriet der Stadt ©ietzen.
Die Antlarheit Der wirtschaftlichen Lage iml ihren oftmals wilden Konjunkturschwankungen, wie sie eine Eigenart der Rachkriegszeit war uni) geblieben ist, hat auch den Svndergerichten eine starke Mehrbelastung gebracht, Die zwecks beschleunigter und vereinfachter Rechtsprechung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern geschaffen worben sind, den Gewerbe- und Den Kaufmannsgerichten. Seit dem 1. Januar 1924 sind ihnen bekanntlich Durch die Rei h-gescy- gebung viele Dt* den Ausgaben zugewies:n worden, die früher Den exhlichtungsausschüssen oblagen, insbesondere die Streitigkeiten aus dem Betriebsrätcgesey. Aber auch abgesehen von dieser gesetzlichen Bemrehrung Des Ausgaben- kreises bleibt eine starke Zunahme der anhängigen Sachen zu verzeichnen. Im Vergleich zur Vorkriegszeit werden auch weniger Sachen Durch Vergleich erledigt. Es mag dies damit zusam- menhäugen, daß die Organisationen jetzt in größerem ilmfangc auf beiden Seiten die Parteien vertreten. Während die Einzelpersönlichkeit Den Rechtsstreit scheut und einen annehmbaren Vergleich gern eingeht, um nur den Prozeß loS zu sein, sehen die Organisationen mehr das Grundsätzliche des Streitstoffes und wollen eine rechtsverbindliche Entscheidung haben als Richtschnur für ihr weiteres Verhalten und für die Rechtsberatung, die sie ihren Qltitgliebem geben. Das überaus umfangreiche heutige Arbeitsrecht besteht aus zahlreichen Gesetzen und Verordnungen, bei denen oft mehr auf Geschwindigkeit als auf Brauchbarkeit gesehen toori>en ist. Sie sind zu^ staiide gekommen teils noch unter dem Drucke der politischen Amwalzung. teils unter dem noch schwereren Swucke der katastrophalen Fincmznot des Reiches. Ein langes, forgfälliges Durch- arbeüen und gewissenhaftes Ausseilen, wie es früher üblich war und toi-e es notwendig wäre, konnte oft nicht ftattfinben So ergeben sich im
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