flüssigen Mittel der Dank erschöpfen. Die In- f l a t i o n wird also durch den Sanierungsplan nicht auf-gehalten. im Gegenteil, die Währung würde bei ferner Durchführung einen weiteren recht erheblichen Schritt in den Mgrund tun. Der Samötag abend und der Sonntag morgen waren mit der Einreichung von Gegenentwürfen aus gefüllt und in der Sonntagssitzung der Kommission mußte Painleve seinen Entwurf endgültig -urückziehen. Die Regierung hat es natürlich eilig, ein Finanzgeseh unter Dach und Fach zu bangen, und so hat sich Painleve entschlossen, schon zum Montag ein neues Projekt auszuarbÄ- tcn. Man konnte sich eigentlich denken, daß bei solcher Schnellarbeit nicht allzuviel herauskommen konnte, zumal es schließlich der Regierung ja auch mehr darauf ankommt, einen politischen Erfolg zu erzielen und eine neue Krise zu vermeiden.
Aber auch mit seinen neuen Plänen Halle Painleve in der Finanzkommission kein Glück. Sie hat seinen Vorschlag, von allen französischen Bürgern über 21 (Zähren eine jährliche K op f st eu er von 20 Franken zu erheben, mit großer Stimmenmehrheit abgclehnt, allerdings auch den Antrag der Sozialisten auf eine Kapitalabgabe in Form einer Beteiligung des Staats an allen Bermögensquellen des Landes mit 15 gegen 15 Stimmen. Rach dieser Stellungnahme der Finanzkommission ist man in politischen Kreisen allgemein der Auffassung, daß Painleve in allernächster Zeit zurück- treten werde. Auch in den Wandelgängen der Kammer wurde Montagabend erneut lebhaft über den Rücktritt des Kabinetts gesprochen.
„Paris Soir" weist darauf hin, daß Finanz- kommission und Regierung sich nach zweitägigen mühsamen Verhandlungen nur über das Prinzip der Amortisationskasse geeinigt haben. Es sei dies kein großer Erfolg, da dieser Vorschlag bereits in dem Projekt Eaillaux' enthalten gewesen sei. Eine Verständigung in der Frage der Inflation erscheine unmöglich. Das Blatt pflichtet Auriol bei, der der Führer der Gruppe ist, die die Inflation unter allen Umständen verwirft. Die aus* ländischen Devisen, sagt das Blatt, steigen unaufhörlich, und die Entwertung des Franken nehme in bedauerlicher Weise zu. Das Beispiel Deutschlands, das zur Inflation feine Zuflucht ergriff, zeige, daß Frankreich, wenn es sich demselben Vorgehen anschließe, der furchtbar st en Krise entgegengehe. Die Lage war seit fünf Jahren noch nie s o verzweifelt, wie im gegenwärtigen Augenblick.
Neue Kämpfe in Damaskus.
London, 9. Rav. CSU.) Rach einer Meldung der „Chicago Tribüne" aus Damaskus haben die Aufständischen die Stadt wieder angegriffen. Sie versuchten, die französischen Ma- schinengewchrposten zu stürmen. Das Gefecht dauerte über eine Stunde. Der mohammedanischen Bevölkerung der Stadt bemächt^te sich große Erregung. Die christliche Bevölkerung begann unter Zurücklassung von Hab unb Gut zu fliehen. Tausende versuchten, den einzigen abfahrenden Zug zu sturmen, um sich einen Platz zu sichern. Zirka 25 000 Bewohner sollen Damaskus verlassen haben. 15 000 Flüchtlinge befinden sich in Beirut. Die „Chicago Tribüne" meldet weiter, daß die Franzosen mit zwei heute erwarteten Kavallerieregimentern einen neuen Angriff für morgen planen mit dem Ziel, die Hauptkräfte der Aufständischen einzukreisen. Die Ernennung de Iouvenels zum Oberkommissar Syriens hat überall große Befriedigung hervorgerufen. Trotz der erneuten Angriffe zeigte sich in Damaskus das Bestreben, das geschäftliche Leben wieder aufzunehmen.
Der neue Vizekönig von Indien.
An Stelle Lord Readings, dessen Amtszeit als Bizekvnig von Indien im April nächsten Jahres abläuft, ist der Landwirtschaftsminister E. F. L. W o o d. einziger Sohn und Erbe des Wiscount Halifax, zum Dicekönig ernannt worden. Die Entscheidung ist eine Ueberraschung, da andere Kandidaten im Vordergrund standen, in erster Linie Lord Birkenhead, der Staats- s^retär für Indien. Der „Manchester Guardian" meint etwas lebhaft, der Erstminister Baldwin sei wohl davon ausgegangen, daß, wie seinen eigenen, so auch den höchsten Außenposten im britischen Reich ehre Persönlichkeit von nur durchschnittlicher Begabung, begrenzter politischer Erfahrung und einer durch keinerlei Sachkenntnis getrübten Unbefangenheit ausfüllen könne. Die Times bemerkt dagegen, daß der Großvater des neuen Dizekönigs Staatssekretär für Indien gewesen sei und er selber als Hnter- staatssekretär im Kolonialamt eine Informationsreise nach Westindien gemacht habe; auch entspreche es einer englischen Gepflogenheit, gelegentlich auf neue Männer zurückzugreifen.
In Indien herrscht augenblicklich verhältnismäßig Ruhe, doch ist die Lage nichts weniger als sicher. Die indischen Liberalen, die mit einer englischen Regierung gehen wollen, haben keinen Halt in den Massen und die Swara-- jisten, die noch im Banne der Ron-Cooperation stehen, haben nach dem Tode von C. R. D a s bisher keinen Führer gesunden, der ihn ersehen könnte. Der neue Vizekönig wird daher vermutlich die vielfach verwickelten Aufgaben, die das Riesenreich der englischen Regierungskunst stellt, ungefähr in dem gleichen Zustande vorsinüen, ' wie sein Amtsvorgänger.
Italien.
Mussolinis Kamps gegen die Linke.
Rom, 9. Roo. (Agenzia Stesani.) In allen Kirchen Italiens wurden gestern aus Anlaß der Errettung Mussolinis Dankgottesdienste abgehalten. Verschiedene liberale Abgeordnete suchten um Einschreibng in d i e faszistische Partei nach, unter ihnen der frühere Minister Marquis C a p i t a n i, dessen Antrag genehmigt wurde. Einige Führer der V o l k s p ar t e i traten aus ihrer Partei aus und erhoben dagegen Einspruch, daß die Volkspartei das Attentat nicht stärker bedauerte. Unter ihnen befindet sich der Advokat M u r a t o r i vom Provinzialrat von Ferrarra. Der Nationalrat der italienischen Dolkspartei erklärt, daß der programmatische Gegensatz zwischen dem Faszismus und der Popolaripolitik nicht aus Gründen politischer Art, sondern aus dem Ursprung der Parte i s e l b st herrühre, und daß daher die Partei in ihrer oppositionellen Haltung weiter verbleiben werde. Die Popolari würden in die Kammer zurückkehren, um dort ihren Standpunkt zur Geltung zu bringen. Die j
Republikaner kehren nicht in die Kammer zurück.
Heute nachmittag hat die Polizei die Direktionen des „A v a n t i" und der kommunistischen „U n i t a" in Mailand besetzt und Durchsuchungen, die allerdings erfolglos geblieben sein sollen, vorgenommen. Sodann wurden die Räumlichkeiten versiegelt. Den beiden Chefredakteuren wurde ein Präfekturdekret übergeben, das die Einstellung der beiden Blätter verfügt wegen des Kampfes gegen das faszistische Regime, weil die Blätter trotz wiederholter Verwarnungen auch nach dem Attentat ihre aufreizende Haltung nicht geändert hätten. Durch Dekret des Präfekten von Mailand sind die Arbeiterkammern von Mailand und Monza a u f g e l ö ft und dem Kommissar der Präfektur zur Verwaltung übergeben worden. In der Begründung dazu wird erklärt,^ daß die beiden Arbeiterkammern fast ausschließlich p o l i t i sch e n Zwecken dienten imd sich der aufwieglerischen Tätigkeit der aufgelösten Uni- tarisch-sozialistischen Partei angeschlossen hätten.
Die Vernichtung der Deutschen Presse in Südtirol.
Bozen, 9. Nov. (TTl.) Rachdem die Italiener den rücksichtslosen Ausrottungskrieg gegen die deutsche Presse in Südtirol geführt haben, wird jetzt angekündigt, daß demnächst ein deutschgeschriebenes Tageblatt herauskommen wird, das selbstverständlich i n f o f eß i ft i f dj e m Sinne gehalten fein soll. Um für die faschistische Gründung auch Abnehmer zu erhalten, haben sich also ihre Urheber zunächst einmal durch die Regierung jede deutsche Konkurrenz vom Hals zu schaffen gesucht. Herausgeber dieses neuen „deutschen" Mattes wird der berüchtigte Faschist Reri- L e o n a d i sein, der bisherige Inhaber der amtlichen Presseagentur Drennero. Die Faschisten künden an, daß sie für ihr neues Blatt einen ausgezeichneten Stab von reichsdeutschen Redakteuren erhalten würden (??). Um die deutsche Bevöllerung zu täuschen, sollen das Format, Titel und Ausmachung vollständig mit dem derzeitig behördlich eingestellten „Deutschen Landsmann" übereinstimmend gemacht werden. Eine Verschwörung gegen Das
spanische Direktorium.
Paris, 10. Rov. (TU.) Aach einem Telegramm des „Petit Parisien" aus Pau wird die Meldung von einer Verschwörung gegen das Direktorium bestätigt. Es stellt sich heraus, daß zahlreiche Offiziere der Garnison von Madrid verhaftet worden sind. Die Rachricht von der Verhaftung hat in Barcelona große Erregung hervorgerufen. General Lopec Ochoa reifte vor einigen Tagen aus Barcelona ab und wird feitdem vermißt. Es ist möglich, daß er zu den Verhafteten zählt.
Der Reichspräsidentenbesuch in Darmstadt.
Vorbereitungen zum Empfang Hindenburgs.
Darmstadt, 9. Rov. In 'Darmstadt werden zur Zeit die Vorbereitungen für den Besuch des Reichspräsidenten von Hindenburg getroffen. Da der Reichspräsident Donnerstag abends 8.10 Uhr hier eintrifft, so wollten die hessischen Regimentsvereine sowie andere Verbände sich mit Fackeln an der Spalierbildung beteiligen. Zuerst verhielten sich die Behörden ablehnend, doch find sie erneut in die Prüfung des Wunsches eingetreten und werden morgen die Entscheidung bekannt geben. Für die Spalierbildung ist das Mitbringen von Spazierstöcken, Hakenkreuzen, Wehrwolfabzeichen, Sowjetsternen usw. untersagt. Das Abendessen im Hotel zur Traube, wo der Reichspräsident ab- steigt, wird im engsten Kreise stattfinden. Um 9.30 Uhr am Freitag wird der Reichspräsident von der Hess. Regierung im Staatsministerium empfangen werden, daran schließt sich eine Rundfahrt durch die Hauptstraßen der Stadt, die im Alten Palais endet, wo um 10.45 Uhr der große Empfang von Behörden und Vertretern von Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst und Presse stattfindet. Staatspräsident Ulrich, Landtagspräsident Adelung und der Oberbürgermeister von Darmstadt Dr. G l ä s - sing werden Ansprachen halten. Um 12.24 Uhr reift der Reichspräsident nach Frankfurt Weller.
Der Reichspräsident zur Siedlungsfrage.
EineBauernaborduungbeiHindeuburg
Berlin, 10. Nov. (TU.) Der Reichspräsident empfing gestern eine Abordnung der Bauern- und Kleinbauernverbände, die von dem Hauptgeschäftsführer des Reichsverbandes landwirtschaftlicher Klein- und Mittelbetriebe, Lücke, und dem Vorstand des Schlesischen Bauernbundes, H i l t m a n n , geführt war. Die erschienenen Vertreter legten dem Reichspräsidenten die Notlage der existenz- losen Landwirte, der nachgeborenen Bauernsöhne, der verdrängten Pächter usw. dar, denen durch beschleunigte und großzügige Fortführung der landwirtschaftlichen Siedlung eine landwirtschaftliche Existenz gegeben werden müßte, und wiesen auf die wirtschaftliche und nationale Bedeutung dieser Ausgabe hin. Der Reichspräsident betonte in seiner Erwiderung, daß er von der Bedeutung des Siedlungswerks überzeugt sei und der Notlage der gesamten bäuerlichen Schichten volles Verständnis entgegenbringe. Ebenso hoffe er, daß die mit diesen Fragen befaßten Stellen im Reich und in den Landern, ferner die Landlieserungsverbände und die ländlichen Genossenschaften in gleicher Weise den Sieh- lungsausgaben persönliches Interesse und tatkräftige Förderung entgegenbrächten. Anderseits machte der Reichspräsident aber auch auf d i e schwierige finanzielle Lage des Reichs wie der Länder aufmerksam. Der Reichspräsident erklärt sich am Schluß der Aussprache bereit, dahin mitzuwirken, daß in Zusammenarbeit von Reich und Ländern und unter gerechtem Ausgleich der hier oft widerstrebenden Interessen das Werk der landwirtschaftlichen Siedlung nachdrücklich fortgesetzt werde.
Bundestag des Reichsbundes der höheren Beamten.
Köln, 9. Nov. (WB.) Bei den Verhandlungen des Bundestages des Reichsbundes der höheren Beamten bildete die Frage der Besoldung das Hauptthema. Präsident Spiegelthal undinsbe» *
sondere Oberstudiendirektor Dr. Bolle wandten sich in ernsten Worten gegen die in der Regierung vertretene Beamtenpolitik. Dr. Bohlen sprach über die Frage der G l e i ch st e l l u n g der höheren Beamten in der Besoldung und beklagte die Bestrebungen, durch Zulagen usw. einzelne Gruppen herauszuheben. Er verlangt die gleiche auskömmliche Besoldung für alle Beamten mit gleicher Vorbildung. In einer einstimmig angenommenen Entschließung wurden diese Forderungen zusammengefaßt. Geheimrat Dr. v. Strempel trat aufs wärmste für die Weiterbildung der Beamtenschaft ein.
PuLfchgerüchtecmsBayern
Zur Zeit scheint es kein besseres Gesprächsthema als das eines unmittelbar bevorstehenden Putsches in Bayern zu geben. In der Tat, es mangelt gewissen Zeitungen an Sensationen: die Räumung Kölns macht keine Fortschritte. der bulgarisch-cwiechische Krieg ist wieder eingeschlafen, auch in Marokko und Syrien ist zur Zeit nichts los. Also richtet man sein Augenmerk auf die bayerischen Verhältnis se, die gerade deswegen in den Mittelpunkt der Erörterungen gerichtet werden können, weil der Jahrestag der Hitler-Revolution wieder einmal angebrochen ist. Lind was für interessante Sachen gibt's aus München und Tlmgegend zu berichten. TIeberall sind monarchistische "Verschwörungen im Gange, ja, die Verschwörer sind sogar schon bei der Regierung gewesen und haben angefragt, ob sie jetzt revoltieren konnten. Diese hat aber abgsswinkt, worauf der Tlmsturz um einiges zurückgestellt wurde. — Spaß beiseite: wer glaubt denn, daß Kronprinz Rupprecht von Bayern seine Berater zum Ministerpräsidenten schicken wird, um diesen auf Dinge, die sich angeblich im Verborgenen ab- spielen, aufmerksam zu machen? Wir haben doch wirklich andere Sorgen, als derartiges Geschwätz überängstlicher Republikaner ernst zu nehmen, zumal im Ausland hinter jeder monarchistischen Bewegung militärische Absichten gewittert werden. Gerade im gegenwärtigen Augenblick sollte man die Auftischung und Verbreitung eines der- arttgen Tlnsrnns unterlassen.
Die Partellorrefpondenz der Bayrischen Volkspartei schreibt zu den Putschgerüchten: „Es ist wieder einmal ein bevorstehender monarchistischer Putsch an die Wand gemalt worden. Es müßte nicht Rovember fein. Daß das natürlich alles ein TI nsinn ist, das braucht nicht für die Leute in Bayern gesagt zu werden. So richtig es ist, daß ein großer Teil des bayrischen Dolles sich innerlich mit der neuen republikanischen Staatsform nicht abgefunden hat, so richtig ist auch, daß das bayerische Doll in seiner Gesamtheit nichts von gewaltsamen Derfassungsexperi menten wissen will, die nach der Tlebrrzeugung aller einsichtigen Patrioten zu einem vollkommenen Zusammen- druch der bayerischen Stellung und damit des Königsgedankens selbst führen müßten. Darüber herrscht auch bei allen Parteien, die für eine positive Behandlung des Derfassungsproblems überhaupt in Frage kommen, vollständige ileber- einffimmung.“
Aus aller Welt.
Line (Eberf-Büffe im Heidelberger Rathaus.
Auf Veranlassung des Stadtrats hat der in Stuttgart ansässige Bildhauer Kerzinger eine überlebensgroße Büste des verstorbenen Reichspräsidenten Ebert in bayerischem Iuramarmor ausgeführt. Die Büste wird in der Treppenhalle des Rathauses zur Aufstellung gelangen.
Uraufführungen im Frankfurter Schauspielhaus.
Als nächste Uraufführungen im Schauspielhaus sind vorgesehen: Maughams Schauspiel „Rege n“, im Dezember Emil Bernhardts Drama „Die Jagd Gottes" und im Januar Zuck- mahers Lustspiel „Der fröhliche Weinberg", das soeben mit dem Kleistpreise ausgezeichnet wurde. Ferner sind in Dorbereitung als nächste Klafsikervorstellung Shakespeares bisher in Frankfurt ungespielter „S u r m“ und als Erstaufführung Lahusens Tanzspiel „Der Wald".
Antergrundbahn Nürnberg—Fürth.
In Nürnberg wird der Plan des Baurs einer Tlntergrund-Schnellbahn Nürnberg—Fürth- Zirndorf ernsthaft erwogen. Die Kosten, die sich auf 1 bis 1,5 Millionen Mark pro Kilometer berechnen würden, sollen durch kleine Anteilscheine aufgebracht werden.
Schweres Eisenbahnunglück bei Aachen.
Ein schweres Eisenbahnunglück ereignete sich am Sonntag nachmittag im Ronheider Eisenbahntunnel im Aachener Wald. Als ein von Aachen kommender Schnellzug nach Herbesthal den Tunnel durchfuhr, traten die in dem Tunnel arbeitenden Rottenarbeiter statt in die Nische auf das Nebengleis. Durch den starken Qualm der Lokomotive gewahrten sie nicht, daß auf dem Nebengleis aus entgegengesetzter Dichtung ein Güterzug herankam. Von diesem wurden zwer Arbeiter getötet, einem Arbeiter wurden beide Deine abgefahren. Sein Befinden ist besorgniserregend.
Ein verhängnisvolles Akropin-Rezept.
Vor dem Schöffengericht tzharlottenburg wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen einen Apothekergehilsen verhandelt, der Atropinpillen in 60facher Stärke des Rezeptps verabfolgte, die bei dem Patienten Wahnsinnsanfälle hervorriefen. Das Gericht kam zu einem Freispruch, da nichr festgestellt werden konnte, welcher Apotheker- gehilfc die Pillen anfertigte, während der andere das Etikett ausschrieb. Der Vorsitzende legte in der Urteilsbegründung dem Apothekerstand nahe, die gebräuchliche Arbeitsteilung beim Rezepticren aus Sicherheitsgründen abzuschaffen.
Schwere Bluttat.
Der bei einer Frau Brandes in Gaarden bei Kiel möbliert wohnende Wilhelm Iohnk gab im Laufe eines Wortwechsels nach erfolgter Kündigung auf seine Wirtin und ihre Kinder mehrere Schüsse ab, wodurch eine zehnjährige Tochter getötet, Frau Brandes selbst, ihre 13jährige Tochter und ihr 22jähriger Sohn schwer verletzt wurden. Der Täter tötete sich darauf selbst durch einen Schuß in den Kopf.
Ein Amokläufer.
In Alexandria schoß ein geisteskranker Laienbruder auf zwei Priester der Franziskanerkirche und lief hierauf als Amokläufer durch die Straßen der Stadt. Er wurde schließlich gefangen genommen. Die beiden Priester wurden lebensgefährlich verletzt.
Raubüberfall.
Ein pensionierter Lehrer aus Sangen- schied a. d. Lahn wurde abends gegen 11 Tlhr
aus einer Koblenzer Wirtschaft von zwei Frauenspersonen nach einem dunklen Platze gelockt. Dort sprang ein Genosse der beiden Frauenzimmer, der vorausgeellt war, aus einem Gebüsch, schlug den Lehrer nieder und b e- raubte ihn seiner Barschaft, die das Kleeblatt unter sich verteilte. Der Äeberfallene blieb schwer verletzt bewußtlos liegen. Die Banditen konnten im Laufe des Tages fest genommen werden.
Auch eine „Weltmeisterschaft".
Die „Weltmeisterschaft" in der Körperkorpulenz besitzt ein Deutscher, und zwar ist es ein Stuttgarter Bürger namens Hohne, der als der dickste Mann der Welt bezeichnet werden kann. Er wiegt nicht weniger als 594 Pfund.
Verhaftung von Scheckschwinblern.
In Berlin wurden Sie Kaufleute Ludwig ©rauer und Gustav Mühlhaus auS Hamburg verhaftet, die mit einem hiesigen Bankbeamten gefälschte Bankschecks in Umlauf bringen wollten. In ihrem Hotelzimmer wurden eine große Perforierungsmaschine gefunden, um Auslandsschecks mit Summen in englischen Pfunden und Geheimzeichen zu versehen. außerdem Stempel von fast allen deutschen und ausländischen Großbanken und 'Behörden. Faksimilierte Unterschriften vieler Dank- bireftoren Deutschlands und des Auslandes, sowie gefälschte Empf ehlungsschreiben in- und ausländischer Behörden. Der kaufmännische Angestellte Harry Wolf in Hamburg wurde unter dem Verdacht der Mithilfe verhaftet. Die Bande hat hier bereits versucht, Schecks über mehrere Tausend Pfund unterzubringen.
Grubeuunglück.
Aus der Zeche Alstaden bei Oberhausen ereignete sich ein schwerer ^Inglücksfall. Zwei Bergleute waren mit Schießen im Gestein beschäftigt. Als ein Schuß nach längerem Warten noch nicht losgegangen war, begaben sich die beiden Bergleute nach der Schußstelle, um nach der Tlrsache zu sehen .In diesem Augenblick ging der Schuß plötzlich los. Die Bergleute wurden durch herabfallendes Gestein so schwer verletzt, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird.
Ungetreuer Kassenverwalter.
Der in Oftersheim bei Schwetzingen (Bad.) wohnhafte Leiter der Detriebskranken- taffe der Zündholzfabrik Mannheim-Rheinau, Jacob Zimmermann, wurde wegen Urfun- denfälschungundTInterschlagung zum Nachteil der Kassenmitglieder verhaftet und ins Mannheimer TlntersuchungsgefängniS eingeliefert.
Wettervoraussage.
Meist heiter, nördliche Winde, kälter-, nachts Frostgefahr, meist trocken, doch vielfach noch Re- belbildung.
Das mitteleuropäische Tiefdruckgebiet hat sich nordöstlich verlagert und ist im Begriff, sich aufzufüllen. Wir kommen immer mehr in den Bereich des heranrückenden Hochs. Ob die zu erwartende Schonwetterlage allerdings von Bestand sein wird, bleibt abzuwarten.
Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 7,0 Grad C., Minimum 2,5 Grgd C.» Niederschläge 0,7 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 3,3 Grad. C.
Aus -er Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 10. November 1925.
Die Dorzugsrente.
Don Steuersyndikus Paul Pechau, Kassel.
Bekanntlich hat der bedürftige Anleihealtbesitzer dem Reich gegenüber einen Anspruch auf Gewährung einer Altersrente. Dem Altbesitzer steht fein Rechtsnachfolger gleich, wenn es sich um den überlebenden Ehegatten oder Verwandte ersten Grades handelt. Kinder erhalten die Vorzugsrente nur bis zum Eintritt der Volljährigkeit, es fei denn, daß sie durch körperliche oder geistige Gebrechen dauernd erwerbsunfähig find.
Bedürftig ist jeder, der im vergangenen Jahr ein Einkommen von nicht mehr als 800 Mk. gehabt hat. Kein Einkommen find: Bezüge auf Grund gesetzlicher Unterhaltsberechtigung, Versorgungs- bezüge der Kriegsinoaliden und Kriegerhinterblie- denen, Renten der Reichsversicherung und Vorzugs- renten auf Grund des Anleiheablöfungsgesetzes.
Die Vorzuasrente beträgt 80 Proz. des Nennbetrages des Auslosungsrechts, auf Grund dessen sie gewährt wird, jedoch höchstens 800 Mk. jährlich. Sie erhöht sich um 25 Proz. bis höchstens 1000 Mk.. wenn auf das Auslosungsrecht verzichtet wird: sie erhöht sich um 50 Proz. bis höchstens 1200 Mk., wenn der Verzichtende über 60 Jahre alt ist.
Der Antrag auf Gewährung einer Dorzugsrente tft bei der Bezirksfürsorgestelle zu stellen, in deren Bezirk der Anleihegläubiger wohnt. Er muß enthalten: Tag und Ort der Geburt, Staatsangehörigkeit sowie die Höhe und Quellen des Einkommens, daß der Antragsteller im vergangenen Jahre gehabt hat. Ueberfteigt das Einkommen 800 Mk., so ist anzugeben, weshalb einzelne Teile außer Ansatz bleiben können. Vorzugsrenten, die der Gläubiger bei einem Bundesstaat beantragt tjat ober bereits bezieht, sind gleichfalls aufzuführen.
Die Auslosungsrechte, auf Grund deren die Vorzugsrente beantragt wird, find anzugeben. Im Falle bereits ein Auslosungsschein ausgegeben ist, soll feine Nummer mitgeteilt werden. Ist der Umtausch der Reichsanleihen noch nicht vorgenommen unb über ben Erhalt bes Auslosungsscheines noch nicht entschieden worden, so genügt es, wenn der Betrag der umzutauschenden Anleihen, sowie die zuständigen Anmelde- unb Altbesitzstellen genannt werden (Reichsbankstelle bzw. Finanzamt). Der Altbesitzer braucht also jedenfalls nicht bis zur Durchführung des Umtauschverfahrens zu warten, bevor er die Vorzugsrente beantragt.
Zn dem Antrag auf Gewährung einer Vorzugsrente muß ferner gegebenenfalls der Verzicht auf das Auslosungsrecht im Falle der Gewährung einer erhöhten Rente ausgesprochen fein. Des weiteren hat sich der Anleihegläubiger zu verpflichten, die An- leiheablöfungsfchuld in Höhe des Nennbetrages feines Auslosungsrechts an das Reich zu übertragen.
Die Bezirksfürsorgeftelle prüft die Angaben bes Antragstellers und übergibt feine Eingabe dem Ausschuß für Dorzugsrenten. Dieser trifft die endgültige Entscheidung darüber, ob der Altbesitzer den Anforderungen des Gesetzes entspricht.
Im Falle einer Ablehnung bes Antrages kann der Gläubiger binnen zwei Wochen nach Erhalt des Ablehnungsbefcheibes Beschwerbe bei der Fürsorge« stelle einlegen.


