Ausgabe 
10.10.1925
 
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Geheimhaltung Bei Verhandlungen eine 2iot Wendigkeit. 3n wenigen Lagen werde man die Aussichten besser beurteilen können. Italien be­findet sich auf der Konfereirz in der gleichen Lage wie England. Italien sei aas der Rolle des Beobachters, die es in Genf noch gespielt habe, Heraasgetreten und arbeite in dem gleichen Sinne und unter den selb en Verhält­nissen wie England an dec Verständigung mit Eine Stunde nach den Erklärungen Scialojas empfing.

Gras SKrzynsKi

t)ic Presse. Er betonte eingehend, daß er zu. stärkerer Zurückhaltung gezwungen sei. Er sei nach Locarno gekommen auf Grund des Noten­wechsels zwischen der französischen und der deut­schen Regierung. Das deutsche Memorandum vom 9. Februar habe den Ostpakt im Zusammenhang mit dem Weüpakt gebracht. Die Antwort Polens sei die Anwesenheit Skrzynskis in Locarno. Mit dem gleichen Geiste der Verständigung wie die anderen in Locarno weilenden Staatsmänner trete er an die Lösung der europäischen Friedensfrago heran, aber die Sicherheit Europas könne nicht durch die Garantierung eines Streifen Landes zwischen Frankreich und Deutschland allein erreicht werden. Sie müsse sich auf alle bedrohten Grenzen erstrecken. Mit Tschitscherin habe er in Warschau politische und wirtschaftliche Verhandlungen geführt; denn Polen hoffe mit allen seinen Rachbarn zu friedlicher Regelung aller Streitfragen zu gelangen. Ruhland dürfe bei der Regelung der europäischen Sicherheit nicht abseits stehen. Bereits in Weingen Monaten werde er Herrn Tschitscherin seinen Besuch in Moskau erwidern, und er hoffe bei dieser Gelegenheit die friedlich« Annäherung zwischen Rußland und Polen weiter zu fördern. Der Ausdruck. daß Polen auf Frankreichs Garantie bestehe, sei nicht am Plaste, doch sei Frankreichs Garantie für Polen wünschenswert. Polen erhoffe den Aufbau des Ostpaktes auf Grund und im Ein­vernehmen mit den bereits vorhandenen Derträ- gen; denn der § 16 des Dölkerbundpaktes sei nach seiner Anschauung für die Verhandlungen nicht so bedeutsam, wie er hingestellt würde; denn er finde nur Anwendung, falls ein Staat den andern angrcife und bei den Locarner Verhand­lungen handele es sich nicht um Krieg, sondern um die Sicherung des Friedens.

Die Garantie des Ostpakts

EuglischePresscstimmen zur Konferenz.

London. 10. Oft. (DTD. Funkspruch.) Der Times"-Vertreter in Locarno meldet, es bestehe guter Grund zu der Annahme, daß die politische Delegation zu der Aeberzeugung gelangt ist, der französischen Garantie der östlichen Schiedsgerichtsverträge sei in der französischen und polnischen Presse eine Wichtigkeit beigemessen worden, die sie nicht Serbien c. Die Frage drehe sich jetzt vielmehr um den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. Man glaubt, daß, wenn Deutschland in den Völ­kerbund eintrete, unter der Bedingung. dieSahun» gen des Bundes vorbehaltlos anzunehmen. und wenn Artikel 16 unverändert bleibt zu­sammen mit den Rechten und Pflichten Frank­reichs gemäß diesem Artikel, dann werde Polen ohne Gefahr auf die französische Garantie ver­zichten und sogar auf eine Verbindung der Ost­verträge mit dem Westpakt. Aber in diesem Falle fordere der polnische Standpunkt, daß der fran­zösisch-polnische Vertrag und die Rechte und Dflichten Frankreichs gemäß Artikel 16 der Dun- dessahungen in Kraft bleiben. Der tschechische Standpunkt scheine ähnlich zu sein.

Ein Vertreter derWestminster Gazette" in Locarno erfährt von gut unterrichteter Seite, Polen bestehe nicht auf der Garantie Frank- _ reichs, vorausgesetzt, daß im Sicherheitsvakt an­erkannt werde, dab kein Hindernis für einen Durchmarsch Frankreichs durch die entmilitarisierte Zone zu Polens Beistand stehe, wenn Polen von Deutsch­land angegriffen werden feilte. Aus ein französisches Durchm-irschrechl durch Deutschland zur Unterstützung Polens gegen einen russi­schen Angriff sei Polen bereit zu ver­zichten. um dadurch die Regelung oes Pro­blems des Eintritts'Deutschlands in den Völker­bund zu erleichtern. Der Bericht schließt:So­mit scheint das Problem des Paktes im Westen wie im Osten auf gutem Wege zu einer Regelung zu sein."

Ein Saar-Delegatten für Locarno

Saarbrücken, 10. Oft. Hm für den Fall der Behandlung der saarländischen Frage die Interessen deS Saargebiets in geeigneter Weise wahrnehmen zu könnnen, begibt sich heute eine saarländische Delegation nach Locarno Ihr ge­hören an von der deutsch-saarländischen Volks­partei die Herren Röchling und Schmel­zer, ferner der saarländische Zentrumsführer L e v a ch e r.

Hugo Preuß °f.

Berlin, 9. Oft. (TA.) Heute nacht um 3 Ahr ist der ReichSministe- s. D., Hugo Preutz. der Schöner der ReichSversassung von 1919 und demokratischer LandtagSabgeordneter einem Schlaganfall erlegen.

Reichsminister a. D. Hugo Preuß wurde am 28. Oktober 1860 in Berlin geboren. Er be­suchte dort das Gymnasium und wandte sich auf den Aniversiiäten zu Heidelberg und Berlin dem Studium der Rechts- und Staatswissen­schaften zu. Seinen persönlichen Reigungen fol­gend, ließ er sich nach Abschluß seiner Studien im Zähre 1889 als Privatdozent an der Berliner llnite: t fit n e er. 3n kec Fortsch iit i c i Volks­partei betätigte er sich besonders auf dem Ge­biete der Kommunalpolitik. Er war als Ver­treter dieser Pavtei lange Jahre Stadtver­ordneter in Berlin. 3m Jahre 1910 wurde er zum unbesoldeten Stadtrat in den Magi­strat Berlins gewählt, welches Amt er bis zu seiner Ernennung zum Staatssekretär des Innern, die am 15. Roveml er 1918 durch den Rat der BvlkSbeauftragten erfolgte, innehatte. Bel der Bildung deS Koalitionsministeriums am 6. Februar 1919 durch die Rationalversammlung in Weimar wurde er zum Reichsmini st er des Innern ernannt. Als solchem fiel ihm die wichtige Aufgabe zu, die Formulierung der neuen Reichsverfassung zu leiten. Der Wahlkreis Berlin wählte ihn bei den Wahlen zur preußischen Landesversammlung am 26. Januar 1919 als Vertreter der deutschen demokrattschen Partei, ebenso im Jahre 1921.

Vom Reichsministerium des Innern ivat er mit t dein Kabinett Scheidemann im Juli 1919 wieder zurüct. Jedoch wirkte er noch bis zum Abschluß der Reichsversassung im August 1919 als Kom - m issar der Reichsregierung mit. Hugo Preuß hat den Entwurf zur Weimarer Verfassung her- gestellt, dem wesentlich zentralistische Tendenzen zu Grunde lagen. Dieser Entwurf ist jedoch bei der weiteren. Beratung und Ausarbeitung der Reichsverfassung durch die von den Parteien vereinbarten verschiedenen Kompromißformeln vielfach durchlöchert worden.

Die Teilnahme der Reichsregierung.

Berlin, 9. Oft. (WTB.) Der Reichs­arbeitsmini st er hat namens der Reichs- regienmg an Frau Preuß folgendes Beileidstele­gramm gerichtet; Zu dem schweren Verlust, der Eie und Ihre Söhne durch das unerwartete Ableben Ihres Gatten und Vaters betroffen hat, spreche ich Ihnen namens der Reichs­regierung mein aufrichtiges Beileid aus. Der Verstorbene hat in seiner langen ver­dienstvollen Tätigkeit als Lehrer der akademi­schen Jugend, als Abgeordneter und vor allem als Reichsminister des Innern dem Daterlande seine besten Kräfte gewidmet und ihm untec Hingabe seiner ganzen Persönlichkeit gedient. Als Schöpfer unserer Verfassung wird der Verblichene in der Geschichte deS deutschen Volkes und des Reiches unvergeßlich fortleben.

Gleichzeitig richtete der Deichsarbeitsminister an den Vorstand der Reich stagsfrak- tion der Deutschen Demokratischen Partei fol­gendes Telegramm: Zu fern schweren Verlust den die Deutsche Demokratische Partei durch das Ableben Ihres hochverdienten Mitgliedes Dr. Preuß erlitten hat. spreche ich namens der Reichs­regierung mein aufrichtigstes Beileid aus. Das verdienstvolle Wirken des Dahingeschiedenen zum Besten des Vaterlandes sichert ihm ein bleiben­des Andenken im deutschen Volke.

Der p r eu hische Ministerpräsident hat an Frau Preuß und an die Landtagsfraktion der Deutschen Demokratischen Partei Beileids­telegramme gerichtet. Ebenso hat der preußische Minister für Handel und Gewerbe der Witwe telegraphisch sein Beileid übermittelt.

Die Preisbildung der Kartelle.

Darlegungen des Reichswirtschafts- minifterinms über die Rückkehr zu Festpreisen.

Berlin, 9. Oft. (Wolff.) Bekanntlich hat sich das Reichswirtschaftsrninisterium feit langem nachdrücklich für eine Beseiti­gung des Vorbehalts freibleiben­der Preise (Berechnung erfolgt zu den am Sage der Lieferung geltenden Verbands preisen) aus den Lieferungs- und Zahlungsbedingungen eingesetzt. Diese Bemühungen hatten den Erfolg, daß eine Zahl von Verbänden in Erkenntnis der wirtschaftlichen Rotwendigkeit, dah sich der Warenverkehr auf einer festen Grundlage voll­ziehe. die Zreibleiberckklausel aufgegeben bat und dazu übergegangen ist, zu den am Tage der Auftragsbestätigung geltenden Preisen zu ver­kaufen und zu liefern. Es dürften mehr als ca. 150 Verbände in den letzten Monaten auf diese Weise zu Festpreisen übergegangen sein und damit die Rückstände der Inflationszeit aus ihren Lieferungs- und Zahlungsbedingungen auSgement haben. Gegen eine Reihe von Ver­bänden, Die den Anregungen des Reichs Wirt­schaftsministeriums keine Folge gegeben haben, wurde beim Kartellgericht Klage auf Besei­tigung des Vorbehalts freibleibender Preise aus den verbandsmäßigen Lieferungs- und Zahlungs­bedingungen und auf Gewährung des Rück­trittsrechts aus Verträgen, die unter diesen Bedingu:n abgeschlossen sind, erhoben. Die Klagen richteten sich zunächst gegen 15 Verbände, die vorn.legend der Glasindustrie, Ziegelindu­strie, keramischen Industrie, Sertilinbuftrie, Eisen- und Eisen verarbeiterchen Industrie angehören.

Wenn es angesichts der Tatsache, daß der Reichsverband der deutschen Indu­strie in mehrfachen Entschließungen und auch die Vereinigung der Arbeitgeberperbände nach­drücklich betonten, daß eine Gesündung unserer Wirtschaft wesentlich von der Rückkehr zu Festpreisen abhangt und daher im Interesse der Gesamtwirtschaft ein Versauf zu festen Prei­sen verlangt werden müsse, noch einer besonderen Begründung bedürfte, daß die Anwendung dieser Klauseln die Gesamt wirtschaft gefährdet, so ge­nügt eS wohl, auf folgendes hinzutveisen: Für eine gesunde Entwicklung der Wirtschaft ist d i c Schaffung einheitlicher fester Kal­kulationsgrundlagen von ausschlag­gebender De^utung. Das System des Verkaufs zu festen Preisen sichert und beruhigt die Preisbildung durch die grundsätzlich Psy­che logische Einstellung der an der Preisbildung beteiligten Kreise.

Da der Verkäufer. der zu Festpreisen verkäust, ein Hausse-Risiko insbesondere für die Ent­wicklung läuft, dagegen Vorteil aus einer Sen­kung zieht, ist er an einer Preissteigerung für die verkauften Mengen nicht interessiert. Bei Anwendung des Vorbehaltes freibleibender Preise ist die Einstellung des Verkäufers eine umge­kehrte. Er zieht einen Vorteil aus jeder Preissteigerung und kann bei einer Preis­senkung nur verlieren. Die Bedeutung, die der Handel in der Vorkriegszeit für den Preis­ausgleich gehabt hat, ist bekannt. Die Möglich­keit, in der früheren Weise preisausglei­chend zu wirken, ist ihm unter der Herrschaft freibleibender Preise genommen. Wenn ihm jede Lieferung, die an ihn erfolgt, zu gegebenenfalls erhöhten Preisen im Zeitpunkt der Lieferung berechnet wirb, ist er außer Stande, wie früher, aus den laufenden und zu günstigen Festpreisen getätigten Abschlüssen und unter Verzicht auf eine volle Ausschöpfung des Markt- oder Der- bandspreises im Zeitpunkt der Lieferung den Verbrauch au beliefern und damit auf die Markt­tendenz und auf die Preispolitik des Verbandes mäßigend zu wirken.

Die Klausel freibleibender Preise wirkt noch auS weiteren Gründen preissteigernd. In erster Linie ist schon die erwähnte grundsätzliche Einstellung der an der Preisbildung be­teiligten Kreise ä la Hausse von Bedeutung. Dazu kommt, daß die Hausseeinstellung des zu frei­bleibenden Preisen abschließenden Verkäufers das Streben nach einer Kostensenkung erfahrungs­gemäß cinschläfert, weil er mit der Abwäl­

zung auch unwirtschaftlicher K o st e n auf d en Käufer rechnen kann, während ein Verkäufer zu Festpreisen in Wahrnehmung der Daifsechancen seine ganze Tatkraft darauf ver­wenden wird, seinen Betrieb voll auszu-. nutzen und ihn technisch und organisatorisch zu rationalisieren. Preissteigernd wirkt auch die Tatsache, daß als Folge der Anwendung dieser Klausel eine stärkere Festlegung von Kapital zu unwirtschaftlichen Zwecken erfolgt. Dies ist beim Handel inso­fern der Fall, als die Angewißheit über die Hohe des eigenen Einkaufspreises den Weiter­verkauf vor erfolgter Lieferung sehr erschwert und daher der Warenumschlag verlang­samt wird. Bei der Industrie wird dagegen vielfach, uni einen höheren Preis zu erzielen, die Lieferung in der Hoffnung auf Preis­erhöhungen über Gebühr binausgezogen. Das hat zur Folge, daß der Hantel wenn er vor erfolgter Lieferung an ihn die Ware weiterverkauft, das Risiko einer späteren Preiserhöhung läuft, was er wieder durch entsprechende Risikozuschläge aus- gleichen muß.

Die Sozialdemokraten gegen eine deutsche Einheitsfront in Böhmen.

Prag, 10. Olt. (TA.) Im Austrage der deutschen Sozialdemokratischen Partei hat deren Vorsitzender Dr. E z e ch den Vertretern sämt­licher bürgerlichen deutschen Parteien den Be­schluß übermittelt, wonach die sozialdemokra­tische Partei die Bildung einer deutschen Ein­heitsliste für die kommenden Wahlen und den Gedanken einer deutschen Einheits­front überhaupt ablehnt. Die Ver­treter der übrigen deutschen Parteien verhan­delten über die durch die sozialdemokratische Absage geschaffene Lage. In den Beratungen kam die außerordentliche Enttäuschung der übrigen deutschen Parteien darüber zum Aus­druck. Der Schritt der Sozialdemokraten wurde gerade jetzt angesichts der fortdauernden neuen Angriffe auf den Besitzstand des deutschen Volkes unbegreiflich erklärt und darauf Omgetotefen, tm?, die t7chechischen So­zialisten seit 1916 in einer engen or­ganischen Verbindung mit den übri­gen tschechischen nationalen Par­teien stehen und dah daS tschechische Volk seine politischen Erfolge zum größten Teil der Z u s a mm enarbeit aller tschechischen Parteien verdankt. Die übrigen deutschen Parteien werden ihrerseits den Versuch machen, trotz der sozialdemokratischen Absage Verein­barungen zur Bildung eines Wahlblocks wenig­stens untereinander zu treffen.

Französische Rücksichtslosigkeiten in der Pfalz.

Landau, 9. Ott. (WB.) Am 5. und 6. Ok­tober hielt eine französische Abteilung schwerer Artillerie beim Militärbahnhof Bundenthal bei Pirmasens Schießübungen in Richtung auf den Schießplatz Bitsch in Lochringen ab. Dabei 'wurde das etwa 70 Meter vom Standort der Geschütze in der Gemarkung Bruchweiler liegende, erst im Jahre 1923 erbaute Anwes en eines Landwirts durch den Luftdruck schwer beschädigt. Das Dach des Hauses wurde zumteil abgedeckt und daS ganze Gefüge des Hauses gelost. Die Familie des Landwirts mußte sich zwei Tage im Keller aushalten. Ein Kind der Eheleute verfiel infolge der Deto­nationen in Krämpfe und liegt schwer krank darnieder. Am 6. Oktober ging bei den Schieß­übungen ein Schuß au kurz und explodierte sechs Kilometer vom Abschuß entfernt auf einer Wiese in der Gemarkung Fischbach bei Dahn. Auch tiefer Fall zeigt die Gefahr, der die Bevölkerung frei solchen Schießübungen ausgesetzt ist.

Dor einem Generalstreik in Frankreich.

Paris, 10. Oft. (WTB. Funljpruch.) Wie die Morgenblätter berichten, sind in den Vor­städten von Paris gestern abend dret Kommu­nisten verhaftet worden, als sie vor Fa« brllrn Flugblätter an die Arbiter und Passanten verteilten, in denen die bei einem Derkehrs- streik einzunehmende Haltung vorgeschrieben wird. Die Flugschrift enthält außerdem einen Protest gegen denMarokkotrieg. Rach einem Verhör durch den Polizeipräsidenten sind die Verhafteten wieder in Freiheit gesetzt worden. Die kommunistischeHumanite" veröffentlicht den Befehl, heute vormittag 10 Ahr in Paris den Derkehrsstreik zu beginnen. Der Streik soll sich auf die Straßenbahn und die Autobusse erstrecken, ob er auch die Hoch- und Untergrund- bahn erfassen wird, bleibt abzuwarten. Die kom­munistische Partei hat heute nacht Plakate anschlagen lassen, in denen die Arbeiter auf- gefordert werden, am kommenden Montag in einen 24stündigen Proteststreik einzutreten. Es wird sich zeigen, ob das bedeutet, das am kom­menden Montag in ganz Frankreich der von den Kommunisten angekündigte 24ftündige politische Streik in Erscheinung tritt, der unternommen wird, um gegen öle Lebensmittelteuerung und den Krieg in Marokko und Syrien zu protestieren.

Beschießung von Teluan.

Paris, 10. Oft. (TA.) Die französischen Blätter melden aus Tanger, daß Abd el Krim erneut mit der Beschießung von Tetuan begonnen hat. Man vermutet, daß der Rifführer eine unsichtbare 105-Millimcter-Kanone 12 Kilometer südöstlich der Stadt aufstellen ließ. Seit einigen Tagen wird daS Feuer der Rifsoldaten auf den Palast des Oberkommissars konzentriert. Die spa­nischen Offiziere und Beamten haben damit be­gonnen, ihre Familien nach Ceuta zurückzu- schicken.

Der KreuzerPari s" ist von Marokko kommend, in Toulon schwer beschädigt eingelaufen. Im Verlauf der militärischen Ope­rationen hat er etwa 15 Granattreffer erhalten und muh in Reparatur gehen.

Die Kämpfe in Syrien.

Beirut, 9. Oft. (HavaS.) Die Haupt­abteilung der mobilen Truppen des Generals Gamelin hat die Wasserstellen bei Mozraa und Sojen erreicht, an denen die Abteilung des Generals Michaud in der Recht zum 3. August gelagert hatte. Die Franzosen haben dabei eine starke Drusenabteilung zurückgeworsen, die versuchte, sich ihrem Vormarsch entgegenzusehen.

Wettervoraussage.

Vorübergehend zunehmende Bewölkung, nordwestliche Winde, tagsüber toärmer, nachts Frost, nur vereinzelt Riederschläge.

Dir Hochdrucklage über Europa, hat an Stärks verloren, das starke finnisch: Sief gewinnt da­gegen etwas Raum in südwestlicher Richtung nach Mitteldeutschland hin, wo die Temperaturen infolge TageSeinstrahlung etwas gestiegen find. Größere Störungen sind jedoch vorläufig unwahr-, scheinlich.

Gestrige Tagestemperaturcn: Maximum 11,6 Grad E., Minin,um minus 0,6 Grad C.. heutige Morgentemperatur 1,7 Grad C.

In Rordshrien haben französische Flieger die Zeltlager von Beduinen beschossen. Die Beduinen haben versucht, gegen die Eisenbahn AlepP oD a m a s k u s vorzustoßen. Auch in Südshrien sind an verschiedenen Orten Aufruhr­bewegungen zu verzeichnen. Die betreffenden Orte sind beschossen worden.

Die Reorganisation der finnischen Wehrmacht.

Helsingfors, 9. Ott. (LA,) Das Ko­mitee zur Reorganisation der WehvEScht Finn» lands hat seine Tätigkeit beendet und festgestellt, daß die politischen B^iehungrn Finnlands zu anderen Staaten die Möglichkeit eines Krieges, den Finnland als Angreifer beginnen würde, ausschliehe. Die einzige Macht, die Finnland bedrohen könnte, sei Rußland. Die eventuelle Kampffront mit Sowjetruhland wäre jedoch so ausgedehnt, daß ihre Verteidigung mit Hilfe von Fe st ungen unmöglich wäre. Dos Komitee nimmt an, daß Finnland hauptsäch­lich einen unerwarteten An griff in: Karelien zu befürchten haben Fennie, daher müßten im Kriegsfälle die Haupt­wehrkräfte auf der Linie LadogaseeFinnischer Meerbusen mobilisiert werden. Der größte Teil der ständigen Armee mühte im Südosten deS Staates konzentriert werden. Die gegenwärtige Organisation der Armee gebe keine Garantie vor Aeberraschungen: für vortommende Fälle könnten nicht genügend Divisionen auf gestellt werden. Das Komitee betont, daß weder eine Verkürzung der Dienstzeit, noch eine Verringerung des jährlichen Kontingents möglich sei. DieGrund- prinzipien des finnischen Flottenpro­gramms mühten in der taktischen Aeberlegen- heit der finnischen Flotte über die leichten See­streitkräfte des Feindes bestehen. Das Komitee hebt hervor, daß seine Vorschläge als das Mini­mum der zur Sicherheit des Staates erforder­lichen Schutzmittel zu betrachten seien.

Protest der fremden Mächte in Peking.

London, 9. Oft. (TA.) Der holländische Gesandte Überreichte der chinesischen Regierung im Ramen aller Mächte eine Protestnote gegen das amtliche Rundschreiben, in dem alle aus­ländischen Kosuls als bestechlich hin- gestellt werden und in dem behauptet wird, dah in den Augen der Fremden jeder chinesische Staatsangehörige als vogelfrei erklärt werde. Der holländische Gesandte verbat sich im Ramen des diplomatischen Korps eine solche Sprache gegen befreundete Mächte.

Aus aller Welt.

Zum 1OO. Geburtstag des Präsidenten Paul Krüger.

A m st e r d a m, 10. Ott. (WTB. Funksprach.) Die meisten Morgenblätter erscheinen als G e - denkausgaben zur Erinnerung an Den 100. Geburtstag Paul Krügers, des ersten Prä­sidenten der Südafrikanischen Republik. In ver­schiedenen Städten Hollands und von zahlreichen Verbänden wird dieser Tag heute festlich be­gangen werden. In Pretoria sind zur Ge­denkfeier Paul Krügers fast alle Holländer Süd­afrikas zusammengekommen. Ihre Zahl ist so groß, dah sie auf den Sportplätzen la­gern müssen. Die Erinnerungsfeier soll sich nicht allein auf die Holländer beschränken, auch Engländer, vor allem der englische Gou­verneur. werden an den Feierlichkeiten teil- nehmen, die durch eine Kranzniederlegung am Grabe Paul Krügers eingeleitet werden.

Die Studienstistung baß brutschen Volles.

München, 9. Ott. (Wollf.) Am Freitag und Samstag tagt die Zentrale des Arbeits­ausschusses der Studienstiftung des deutschen Dolles. Die Etudienstiftung des deutschen Volkes ist zu Beginn des Jahres von der Wirt­schaftshilfe der Deutschen Studen­tenschaft ins Leben gerufen worden zu dem Zweck, besonders tüchtigen, begabten und mensch­lich bewährten armen Abiturienten das aka­demische Studium zu ermöglichen. In diesem Jahre find insgesamt 681 Gesuche eingegangen. Aus der Zahl der Bewerber konnten 219 zu­nächst für ein Studienjahr in die Studienliste des deutschen Volles aufgenommen werden. Die gegenwärtige Beratung dient einer Aussprache über die zukünftige Gestaltung der Studien­stiftung des deutschen Voller.

Zu der MordassLre Rosen.

Breslau, 9. Oft (Wolff.) Zu der gestern mit» geteilten sensationellen Meldung eines 'Berliner Blattes über die Mordangelegenheit Rosen, wo­nach das Ermittlungsverfahren positiv ergeben haben soll, daß die Wirtschafterin Reumann in Gegenwart ihrer Tochter, Frau Standke, zwei Männer zur Ermordung des Prof. Rosen gegen Vorausbezahlung von 200 Mark und das Ver­sprechen einer weiteren Zahlung von 100 Mark gedungen hat, wird von amtlicher Seite mitgetetlt, daß diese Nachricht von Anfang bis zum E n de erfunden ist.

Explosion in einer amerikanischen Gasanstalt.

St. Louis (Missouri). 9. Oft. (Wolff.) In einer Gasanstalt ereignete sich eine Explosion der Ammoniaktanks, durch die drei Per­sonen getötet und 30 verletzt wurden. Durch die Explosion, welche sämtliche Fensterscheiben des Gebäudes zertrmnmert, wurde ein großer Brand hervorgerufen, der aber aus seinen Herd beschränkt werden konnte.

Schweres Dauunglück.

In einem Reubau der Eg erschien Porzellan« sabrik Marttnroda bei Ilmenau erfolgte gestern abend ein Deckeneinsiurz. Mehrere Ar­beiter wurden unter den Trümmern begraben. Bisher wurden drei Tote gemeldet. i