Ausgabe 
10.9.1925
 
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Preis 50Pf.das Halbpfund in der bekannten Packung.

Marke! Aroma, Nährwert und Billigkeit der Blauband - Mar­garine sind nicht zu übertreffen. /

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Der gefesselte Strom.

| Roman von Hermann Stegemann.

X. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Einen Augenblick zögerte der Knabe, dann Verwand der Stolz seinen Trotz, und er ent- jgegnete mit erregter Stimme:

Sie brauchen einen Hecht im ,.St. Joseph". Den geh' ich jetzt holen mit dem Fräulein."

Mit dem Fräulein? And holen?" stieß Hanns hervor.

Da stand sie plötzlich leibhaftig vor ihm, en die er nie mehr hatte denken wollen und an Vie er doch gedacht hatte.

Ruth war leise aus der Tür getreten.

Er konnte ihr Gesicht nicht erkennen, denn bas Zwielicht erlosch in den Dämmerschatten, und der volle Mond zögerte noch hinter dem Wald.

3a, mit Fräulein Ruth! Zwischen der Insel bind dem Lauffenbuck stehen ein paar im Schilf, die beißen auf den Löffel, wenn der Mond steigt."

Der Knabe kehrte Ruch den Rücken und Wußte nicht, daß sie schon hinter ihm stand.

Da trat Hanns Ingold schweigend beiseite Und grüßte.

Schattenhaft neigte Ruth den blonden Kopf Und schritt an ihm vorüber.

Christian Ingold empfing den Sohn mit ge­lassener Ruhe. Er schob ihm einen Stuhl hin.

Setz' dich und sag' deinen Spruch. Ich hab' igewuht, daß du noch einmal zu mir kommst, ehe Du anfängst."

Es war dunkel im Zimmer. Der Fischmeister sparte am Licht. Der Lauffen begann schon sil­bern zu glimmen und schimmerte durch die Scheiben, obgleich der Mond noch tief stand.

'Ja, Rater, es hätte ausgesehen, als ging's 'gegen dich, wenn ich mein Unternehmen bekannt- gegeben hätte, ohne noch einmal mit dir ge­sprochen zu haben. Hier, diese Schrift wird morgen versendet. Lies sie, und du wirst sehen, - ich recht habe und daß das Werk kein Gaukelspiel ist."

Das weiße Heft zeichnete sich als heller Fleck auf dem dunkeln Tische ab. auf den der Fischmeister es ruhig niederlegte.

Ich weih, daß du deine Sache verstehst. Das brauch' ich nicht zu lesen. Aber hier am Lauffen leidet der Rhein keinen Zwang. Du gehst zugrunde an deinem Werk, Hanns, ich, dein Vater, sag's dir an!"

Die erste Mondhelle, die über dem Strom erschien, floß um die Gestalt des alten Rhein­fischers und hob sein bärtiges Gesicht aus dem Dunkel. Feierlich wie eine Verkündigung tön­ten seine warnenden Worte im Rauschen des Wassers.

Ein Schauer ging über Hanns Ingolds Racken. Aber seine Stimme klang fest und klar, als er antwortete:

Auf das Werk kommt es an, Vater, nicht auf den, der es baut. Schaff' mir drei Mil­lionen, und in drei Jahren steht auf 6t.» Josephs-Acker der Dau fertig und die Kraft des Lauffen wird lebendig in Tausenden von Pferde­kräften, die alle Städte und Dörfer des Rhein- thals mit Licht speisen und alle Webstühle, alle Sägen und Maschinen in Gang setzen."

And der Lauffen selbst! Der Rhein! Wo bleibt der! Wo bleibt die Wasserweide, die wir vom Herrgott haben zu ewigem Eigen! Da tritt her, du heilloser, gottvergessener Schächer, den das Fischerneh als Wiege geschwungen hat! Siehst du den Lauffen, wie er weiß kocht und strudelt! Da unten hat mein Großvater schon den Salm gestochen, und es sind mehr als Eimer Schweiß von uns in den Rhein gefallen, als du dein Leben lang Tropfen zählst! And hier willst du mit deinem Höllenpulver Fels und Wasser sprengen und den Fisch vertreiben! Eh' ich das erleb', soll mich der Lauffen ins tiefste Loch ziehen!"

Er hatte den Sohn ans Fenster gerissen und den Flügel aufgeschlagen.

Der Mond warf sein Licht auf die schwarzen Felsen und den weißschäumenden Strom.

Gebannt starrte Hanns Ingold in die zau­berische Nacht. Hoch oben hing der Schatten­riß der gedeckten Drücke zwischen dem kochenden Strom und dem Sternenhimmel. And darunter

hervor schoß in einer stahlblauen, mit silbernen Spiegeln belegten Fläche der Rhein, bäumte sich und stürzte, quirlte, strudelte über Klippen und Riffe, in ein enges Dett gedrängt, durch den Lauffen.

Das Wasser schleuderte irisierende Dünste, still und geheimnisvoll stand die Silberscheibe des Mondes am nächtlichen Himmel. Feierlich rauschte der Strom.

And Hanns Ingold, der in den Schaum­und Wolkenmassen des Niagara gestanden und vom Donner des Falles betäubt in den Ab­grund geblickt hatte, spürte Schauer der Er­griffenheit, die er noch nie empfunden hatte, durch seine Seele wogen.

Da trat der Fischmeister einen Schritt zu­rück, griff das Heft vom Tisch und schleuderte es mit wildem Wurf in den Strom.

Vater!" schrie der Ingenieur.

Wie ein Schmetterling schlug es mit den weihen Blättern gleich Schwingen angstvoll um sich, stürzte, wurde hinabgewirbelt und ver­schwand.

Hanns hatte hastig den Arm des Vaters ergriffen, doch der Wurf war schon getan.

Eine Zeitlang standen die beiden Männer sich schweratmend gegenüber. Endlich schüttelte der Ingenieur die Lähmung ab.

Angelesen, Vater! Darauf habe ich nichts mehr zu sagen. Leb' wohl!"

Leb' wohl!"

Anbeweglich blieb Christian Ingold am Fen­ster stehen. Auf der Treppe verklang der Schritt seines Sohnes.

Je höher Hanns die Römergasse hinauf­stieg, desto milder wurde die Luft. Aus den Hausgärten schwoll der Duft der ersten Rosen. Die Leute saßen vor den Türen, auf dem Markt­platz standen Gruppen und unterhielten sich, an den Brunnen plauderten die Mädchen bei den gefüllten Eimern.

And in diese idyllische, schlafende Stille fuhr morgen, wenn derRheinauer Anzeiger" er­schien. der erste Schuß. Wie ein Schuh muhte die Ankündigung der Broschüre und seines ge­waltigen Planes wirken.

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In der gestrigen Ausgabe des Gießener Anzeigers war versehentlich Marktstraße 2 veröffentlicht worden.

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Bekanntmachung.

Die zur Amgestaltung des Ehrenfried­hofes erforderlichen Erdarbeiten sollen öffentlich vergeben werden. Angebote auf Vordruck sind vor dem Eröffnungstermin, am Mittwoch, dem 16. September d. I., vormittags 10 Ahr, im Stadtbauamt, Asterweg 9, abzugeben. Daselbst sind die Vordrucke erhältlich. Zuschlagsfrist drei Wochen.

Giehen, den 8. September 1925.

Stadtbauamt: Braubach. 84458

Obstversteigernng.

Montag, den 14. September, vor­mittags 9 Ahr anfangend, soll das der Gemeinde Grüningen gehörige Obst, be­stehend aus Zwetschen und Aepfeln baum­weise öffentlich meistbietend versteigert werden. Zusammenkunft auf der Straße nach Gießen.

Grüningen, den 8. September 1925. Bürgermeisterei Grüningen.

___________Dingel.______8438D

Gbstversteigerung.

Dienstag, den 15. und Mittwoch, den 16. September an beiden Tagen vormittags um 9 Ahr beginnend, ver­steigert die Gemeinde Münzenberg etwa 800 Zentner Aepsel (größtenteils Tafel­obst). Die Aepsel an der Straße nach Rockenberg kommen am Mittwoch von 9 Ahr vormittags an zur Versteigerung. Zusammenkunft am 15. September auf der Straße nach Wohnbach.

Hessische Dürgermeisterei. ____________Weber.________8443D Aeilag, Sen 11. Skpkeniver 1925,

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Hessischer GerichlSvottzteher in Gießen Dammstrake 24 1 8450V

Versteigerung.

Samstag, den 12. ds. Mts., vorm. 10 Uhr werden auf dem Trieb HHeilplatz) ea. 500 Stück Pfosten

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meistbietend versteigert. 07419

Hanns gab sich darüber keinem Zweifel hin. Er hatte die Inseratenseite des Dlattes gepach­tet und trug die Einladung zur Versammlung, in der er seinen Plan entwickeln wollte, schon bei sich. Morgen früh wollte er sie in ®rud geben.

Trotz dieser Stunde, trotz dieser letzten Anterredung mit feinem Vater? Ja, trotzdem! Sein Werk trieb ihn, und er, er trieb sein Werk. Sie waren eins. Es war ein Glück, daß dir Mutter diesen Tag nicht mehr erlebt hatte.

Anwillkürlich war er weiter und weiter gegangen, durch das Obertor ins Freie. Einr weiche, sehnsüchtige Stimmung zog bei ihm ein nach den Tagen fiebernder Arbeit, in denen er rücksichtslos ins Geld gegriffen hatte. Aber diese Weichheit war zugleich eine wohltätige Entspannung nach dem harten Strauß mit dem Vater. Es war ihm gewesen, als hätte der alte Mann einen Mord begangen, da er die Schrift und mit ihr die eingeborene Idee seines Kopfes, sein Werk, in den Lauffen schleuderte,

Einsam wanderte er am Rhein aufwärts Der Mond versilberte den Strom und holte schwarze Schatten aus den Weidenbüschen. And in Hanns Ingold erwachte mit überwältigender Macht die Sehnsucht seiner , Jahre nach Aus. spräche, nach Mitteilsamkeit "untr Liebe.

Auf einmal wußte er, was ihn trieb und ihm das Herz schlagen ließ, wenn die Nacht von Stimmen widerhallte, ein Kauz rief, ein Fisch sprang oder der Dlaff eines Hundes in der Ferne laut wurde.

Angestüm brach er durch das Weiden­dickicht und trat dicht an den Strom, der hier breit und eben in starkem Drang einherzog. Dir schwarze Silhouette der Insel schwamm reglos auf der Flut, der Mond goß sein volles Licht auf die Wasserbahn, und nun vernahm Hanns den Ruderschlag und eine Stimme, die süß unb schwer über das Wasser klang.

Der Kahn trat aus dem Schatten der Insel- büsche in den beglänzten Stromarm. Hermann ruderte langsam, mit Anstrengung gegen die Strömung. Ruth saß auf der Steuerbank und hielt die Hand an der ausgestreckten Schlepp­schnur.

(Fortsetzung folgt.)

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