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ernster Bibelforscher,

>e im Saale

des Fürstenhofs einen Vortragsabend abhielt. Der Redner, ein Postbeamter Steinbach aus Frankfurt a. M., spr- zwei Stunden, entwickelte die Zahlengebäude ?cs Gründers Rüssel und ermüdete die Hörer durch Anführung einer Un» menge von nichtzusammenhängenden Bibelstellen. Sein Zweck war, darzulegen, daß noch in diesem Jahre 1925 der Untergang der Welt komme, die Toten auferstünden, zuletzt auch die Urväter Abraham, Isaak und Iakob. Die Art, wie diese Leute die Bibel benutzen, ist für jeden bibel­gläubigen Menschen ärgerniserregend. Denn sie reihen die Stellen aus dem Zusammenhang, auf welche Weise man das tollste Zeug aus der Bibel beweisen kann. Die anwesenden Geistlichen wiesen den Unsinn und den Mißbrauch der Bibel als Wahrsagebuch gehörig zurück. Als der Vor­tragende sich rechtfertigen wollte, hatten die Hörer genug und verliehen den Saal. Da auch keine Bücher und Schriften gekauft worden waren, hatten die Abgesandten des Kaufmanns Rüssel sehr schlechte Geschäfte gemacht.

!! Büdingen, 9. Sept. Am Sonntag wur­den in unserem Kreise Beiaeordneten- wahlen vorgenommen. In Aulendiebach wurde bei sehr xuhigem Wahlverlauf der seit­herige Beigeordnete, Bäckermeister Wilhelm Heck, einstimmig wiedergewählt. In Effol­derbach waren der seitherige Beigeordnete Iakob Häuser und Robert Lenz aufgestellt. Häuser wurde mit 135 gegen 36 Stimmen, die auf Lenz entfielen, wiedergevxihlt. Auch in Bell­muth wurde der seitherige Beigeordnete August Scherer mit großer Stimmenmehrheit wieder in sein Amt berufen. Einstimmig wählte man in Dudenrod den alten Beigeordneten R a g el wieder. Ein besonders einträchtiges und friedliches Bild bei der Beigeordnetenwahl gab 'die Ge­meinde Heegheim ab. Der alte langjährige Beigeordnete Landwirt Adolf Luther wurde mit 76 Stimmen einstimmig wiedergewählt. Ein Wahlkampf um den Beigeordnetenposten, wie er noch nie stattgefunden haben dürfte, wurde in Babenhausen geführt. Gegen den seitheri­gen Beigeordneten Louis A l b r a n d war Land­wirt Otto Wacker aufgestellt. Die Wahl ergab folgendes Ergebnis: Albrand 105 Stimmen, Wacker 50 Stimmen Rach der Wahl fanden unter verschiedenen Gemeindeangehörigen heftige Streitigkeiten statt, die sogar noch zu Schläge­reien ausarteten.

Kreis Schotten.

mm Schotten, 8. Sept. Aus den letzten Gemeinderatssihungen: Der Dau eines geräumigen Dierfamilienhauses, das in die Vogelsberger Straße zu, stehen kommt, wurde einstimmig beschlossen. Architekt von der Schmitt wurde mit der Bauleitung beauftragt. Das Haus wird in Bruchsteinmauerwerk. Hohl­blocksteinen, mit Verputz errichtet, es soll bis Ende Rovember beziehbar sein. Inzwischen ist der Dau schon weit vorgeschritten. Die Kosten werden sich auf ca. 30 000 Mk. belaufen. Der neue Bebauungsplan, den das Bau­amt für das neu erschlossene Baugelände am Hohenwiesen weg und Über der P f a r r g a l l e entworfen hat, wurde geneh­migt. Darnach ist eine neue Straße vom Post- häuschen nach der alten Frankfurter Straße und weiter über die neu angelegte Straße nach der Pfarrgalle vorgesehen. Für späterhin soll diese Straße noch weiter über den Markt nach dem städtischen Wasserreservoir durchgeführt werden. Ein Teil der alten FrankfurterStrahe wird kanalisiert und mit Wasserleitung ver­sehen, da zwei Baugesuche an der alten Straße vorliegen. Wegen Austausch der Pfarrgalle steht die Stadt mit der Kirche in Verhandlung. Verschiedene Strecken in der Stadt werden mit Pflaster versehen. Eine feldpolizeiliche Anordnung wurde vom Gemeinderat be­schlossen, nach der in der Zeit zwischen 7 Uhr

Wohlfahrtspflege, des Schul- und Dildungs- j wesens und ber Polizei den Ländern nach Maßgabe näherer reich-rechtlicher Vorschriften zur selbständigen Regelung überlassen werden. Die schleunige Durchführung dieses Programms ist mit allen Kräften anzustreben. Im Verhältnis vom Staat zur Selb st Verwaltung ist ebenfalls zunächst auf eine möglichst klare Schei­dung der Zuständigkeiten hinzuarbeiten. Voraus­setzung für eine Dezentralisation ist der m ö g - lichst leistungsfähige Selbstverwal­tungskörper. Es ist deswegen bis zu dem bis zum 1. April 1927 vertagten endgültigen Ausgleich eine ausrei chende Fi nanzie- rung der Selbstverwaltungskörper anzustreben.

Es wird zuerst der Kreis (Stadtkreis oder Landkreis) als geeigneter Unterbau für eine Dezentralisation in Betracht kommen. 3m Einzelfalle wird zu untersuchen sein, ob die für die Leistungsfähigkeit des Kreises. zu fordernde Größe gegeben ist. Wo diese Frage verneint werden muß, sind durch Aenderung der Kreisgrenzen (Zusammen­legung kleinerer Kreise) die erforderlichen

Doraussehungen zu schaffen.

Die Konzentration von Aufgaben auf den Kreis soll die in den dem Kreis angehörigen Gemeinden vorhandenen Kräfte nicht brach liegen lassen. Es muß dafür Sorge getragen wer­den, daß durch eine zweckmäßi gc Dezen­tralisation diese Kräfte zu verantwortungs­voller Mitarbeit herangezogen werden.

In der Organisation der Staatsver­waltung soll die Entscheidung in die lo­kalen Instanzen verlegt werden. Der Staat hat sich den Einfluß auf die Besetzung der Kreisinstanz (Landrat) zu sichern. Von einer grundsätzlichen Kommunalisierung der technischen Lokalbeamten wird jedenfalls abzusehen sein, wo­bei nicht ausgeschlossen sein soll, daß in geeigneten Fallen die Aufgaben dieser Beamten an Lokal­beamte nebenamtlich übertragen werden. Die Kommunalaufsicht über die kleineren kreisangehörigen Städte (mindestens bis zur Größe von 5000 Einwohnern) ist auf den Landrat und den Kreisausschuß zu übertragen. Die staat­lichen Verwaltungszweige der Provinz mit Ausnahme der juristischen und Burgverwaltung sind unter einem Oberpräsidenten zu­sammenzufassen. Reben den Oberpräsidenten tritt ein Provinzialverwaltungsgericht, an welches sich die Disziplinarkammer angliedert. Die besonderen Beschlußbehörden (Bezirksausschuß und Provinzialrat) werden a bg e s cha f f 1 und in die Provinzialregierung eingebaut. In der Zentral- instunz wird nach Durchführung der vorstehenden Maßnahmen innerhalb Preußens und nach der klaren Scheidung der Zuständigkeiten zwischen Reich und Ländern auch eine Verringerung der Zahl der Ministerien möglich sein. Eine Verringerung der Mitgliederzahl des Landtags und Staatsrates, die nicht in unmittelbarem Zusammenhang steht, bleibt jeden­falls anzustreben."

Aus der Provinz.

Landkreis Gießen.

X Allendors (Lahn), 9. Sept. Die Feld- bereiniaungsarbeiten in der hiesigen Ge­markung schreiten gut vorwärts. Verscyleisungs- arbeiten wurden in erheblichem Umfange ausae- fuhrt, das Wegenetz ist festgelegt, jetzt werden Die Grenzsteine gesetzt. Baugelände wird in gro­ßem umfange erschlossen, leider ist jedoch schon jetzt wegen des Elsbachs ist eine Ausdehnung der Bauten nach der Länge eingetreten, wodurch das Bild des Ortes beeinträdjtigt wird, da die einzelnen Straßen sich erheblich weit ausdehnen. Obgleich die G e - treibeernte verhältnismäßig günstig ein­gebracht wurde, gibt der anhaltende Regen zu Be­sorgnissen Anlaß, da ein Faulen der Kar­toffeln befürchtet wird. Die Grummeternte verzögert sich erheblich, das zum Teil lange ge­mähte Gras ist dem Verderben ausgesetzt. Die ge­pflügten Stoppeläcker werden wieder grün

! I Obenhausen, 9. Sept. Das von den Gemeinden Odenhausen, Geilshausen, Rüddings- Hausen und Weitershain in Odenhausen zu er­bauende Pfarrhaus wurde soweit gefördert, daß es voraussichtlich am 11. Oktober seiner Bestimmung übergeben werden kann. Die Liefe­rung und das Anfahren der Baumaterialien erfolgte größtenteils durch die beteiligten Ge­meinden, die auch die Kosten gemeinschaftlich aufzubringen haben. Die Einfriedigung des Ge­bäudes ist wegen der finanziellen Frage vorerst zurückgestellt. Der Reubau ist neben dem Schul­haus errichtet und durch seine schöne Bauart eine Zierde des Dorfes.

T Grünberg, 8. Sept. Gestern nachmittag fuhr ein Grünberger Auto auf der Straße GrünbergHungen beim Hessenbrückehammer so unglücklich gegen einen Baum, daß das Auto sich überschlug und zum größten Teil zertrümmert wurde. Der Führer erlitt innere Verletzungen, zum Glück sind sie aber nicht lebensgefährlich. Das Unglück soll da­durch entstanden sein, daß der Führer nach einem Gegenstand in seinem Wagen sehen wollte und sich deshalb rückwärts drehte. Aus der gestrigen Gemeinderatssitzung ist zu be­richten: Zur Lieferung der Rohre zur Ka­nalisation in der Theo-Koch st raße lie­gen 2 Angebote vor; von K. Dock, dem bereits die Arbeiten übertragen sind, für den lausenden Meter 9.50 bzw. 11.50 Mk., und von der Fa. Dahm er zu 7.50 bzw. 9.50 Mk.; ersterem wird der Zuschlag erteilt, weil sich diese Lie­ferung trotz des Preisunterschieds für die Stadt günstiger stellt. Auf Antrag wird dem A. Röhm die Genehmigung zur Erbauung eines Lagerhauses in der Dismarckstrahe auf Widerruf erteilt. Der Antrag des Wilh. S ch r ö d e r, bauliche Veränderungen an feiner Scheune in der Bahnhofstraße vorneh­men zu dürfen, wird zurückgestellt, um zu ver­suchen, dem Antragsteller ein anderes Objekt zur Verfügung zu stellen, denn diese und noch zwei uralte Scheunen, die nicht zur Zierde der Stadt gereichen, will man auf irgendeine Art aus der Bahnhofstrfahe entfernen. Rach einem Schreiben des Ministeriums sind mehrere Räume für die Landwirtschaftliche Winterschule zu beschaffen, denn die bis jetzt von dieser innegehabten Räume müssen der Ge­werbe- und Madchenfortbildungsschule überlassen werden. Cs wird beschlossen, zwei größere und ein kleineres Zimmer im Rathause der Land­wirtschaftlichen Schule behelfsweise für diesen Winter zu überlassen. Für die neueinzurich- tenbe Mädchenfortbildungsschule soll Rektor Dender ein Verzeichnis über die er­forderlichen Küchengeräte usw. aufstellen.

* Lick, 8. Sept. Auf seinen neu errichteten SchießstänoenAm Seedamm" beeenbete her Schutzenverein 1913" fein diesjähriges öffentliches Preisschießen. Obwohl von der Witterung nicht immer begünstigt, zeitigte es sehr gute Ergebnisse, zumal diesmal die von derDeut­schen . Spottbehörde" herausgegebene kleine K.-K.- Scheibe verwandt wurde. In Klasse I, stehend frei­händig, errangen von 41 Bewerbern Wilhelm Kraus und Hermann Lemmer mit je 25, Karl Schöne, Fritz Drechsler und Ludwig Volz III. mit je 24, Hans Süßel, Karl Freitag und Karl Röhrn mit je 23, Friedrich Gondolph und Matthias Ettl mit je 22 Ringen Preise. Von 27 Bewerbern der Klasse II, kniend freihändig, gingen Preise in den Besitz von Karl Schöne, Hermann Süßel, Heinrich Briegel und Ludwig Volz HI. mit je 25, Wilhelm Rein­hardt, Fritz Trechsler, Hermann Uhrhan mit je 24, Jakob Süßel und Ludwig Volz II. mit je 22, Her­mann Lemmer mit 22 Ringen über. Die Preise der Klasse III, liegend freihändig, erwarben von 36 Be­werbern Karl Schöne mit 29, Hans Süßel, Konrad Schöne, Ludwig Volz III., Wilhelm Kraus und Jakob Süßel mit je 27, Fritz Trechsler, Karl Renk mit je 26, Hermann Süßel und Heinrich Jung mit je 25 Ringen. Das am Abend stattgefundene ge­mütliche Beisammensein nebst Preisverteilung bil- bete ben Abschluß ber wohlgelungenen Veran­staltung.

Kreis Friedberg.

* Friedberg, 8. Sept. DerKlub für Landwirte" in Franks urt a. M, dessen Geschäftsstelle sich in Fttedberg befindet, und dem die größeren Landwitte aus der ganzen Frankfurter Umgegend als Mitglieder angehören, eröffnete am gestrigen Montag in Frankfurt seine diesjährigen Zusammenkünfte. Als Redner war Universitätsprofessor Dr. Krämer aus Gießen gewonnen, der über das gegenwärtig so hoch­wichtige Thema:Zuchtbetrieb, Abmelkwirtschaft und Rassenfrage" einen eingehenden Vortrag erstattete. Prof. Krämer stellte sich in seinen Ausführungen und namentlich auch in der sich an den Vortrag anschließenden Aussprache, an der sich eine ganze Reihe von alten Viehzüchtern beteiligte, auf den Standpunkt, daß im südlichen Teil der Provinz Oberhessen, namentlich im Kreise Friedberg, das schwarzbunte Riede- rungsvieh von den größeren Landwirten recht gut gehalten und gezüchtet werden könne. Dieser Standpunkt wurde von jeher auch von dem Zucht- Verein für das schwarzbunte Riederungsvieh ver­treten. Der ausgezeichnete Vortrag fand reichen Beifall. Die Aussprache hat wesentlich dazu bei­getragen, diese viel umstrittene Frage weiter zu Hären und in ihrer Lösung einen Schritt toeiter- zubttngen.

Kreis Bii-rngcrr.

am. Büdingen, 8. Sept. Eine gründliche Abfuhr erfuhr am Samstagabend die Ortsgruppe Offenbach der Internationalen Vereinigung

abends und 5 bzw. 6 Uhr morgens keine Person das freie Feld betreten darf. Ein Teil der Stadtbach soll ausbetoniert, evtl, zugelegt wer­den, da die Bach als allgemeine Abladestelle für Unrat benutzt wird. Die städtische Acker­verpachtung wurde genehmigt. Es sind Preise von 16 bis 40 Mk. pro Morgen erzielt worden. Eine Mindesttaxe von 16 Mk. ist pro Morgen festgesetzt worden. Das Gesuch des Gärtners Komp um Anlage einer Baum­schule wurde genehmigt. 4 bis 5 Morgen stehen für diesen Zweck zur Verfügung. Es be­stand schon lange ein Bedürfnis nach einer der­artigen Anlage, aus der einheimisches Baurn- material, das an das hiesige Klima gewöhnt ist, in Zukunft bezogen werden kann. Die O b st» ernte ist im allgemeinen hier gut ausgefal­len, besonders reich ist die Zwetschen-, Ruß- unb Aepfelernte, Dirnen sind seltener. In­folge ber anhaltenden Regengüsse, die beson­ders schwer in den oberen Höhenlagen des Vogelsberges niedergingen, ist die Frucht- ernte sehr schwer mitgenommen, sie gleicht einer totalen Mißernte. Eine Ver­sammlung am nächsten Sonntag auf dem Hohe- rodskopf wird Stellung nehmen über die zu ergreifenden Maßnahmen. Der schwer betroffe­nen Bevölkerung muß Unterstützung zuteil wer­den. Den gemeindlichen Steueraus­schlag setzte der Gemeinderat auf 20 Pf. für je 100 Mk. Steuerwert der landwirtschaftlichen Grundstücke und auf 22 Prozent Zuschlag auf die gewerbliche Einkommensteuer, da nach den neuerlichen Steuerfeststellungen des Finanzamts diese Ermäßigung möglich ist. Dem Besitzer des Haus Luginsland wurden 5 Morgen Ackerland pachtweise zu mäßigem Sah abgegeben. Für eine wohnungsuchende Familie leistet die Stadt gegen die nötigen Sicherungen Bürg­schaft zum Ankauf eines Häuschens.

§ Ulrichstein. 9. Sept. Die diesjährige Hauptversammlung des Schloßberg- Vereins fand am Sonntag nachmittag im Saale von Groh statt. Postsekretär Meiski eröffnete die Bersammlung, die zwar gut besucht war, die aber ein noch regeres Interesse seitens Erwach­sener Verträgen hätte. Dann begrüßte Bürger­meister Appel die Erschienenen und den ein­zigen Ulrichsteiner Ehrenbürger, Professor Dr. R o e s ch e n von Laubach, der einen eingehenden Vortrag über Stadt und Schloß Ul­richstein hielt. Schon in alter Zeit war unsere Gegend besiedelt, was aus zahlreichen Hügel­gräbern hervorgeht, die sich noch heute finden.' In geschichtlicher Zeit wird der Ort 1279 erst­malig erwähnt; schon 1340 begann der Dau der Burg, von der zuerst der Pallas der Rordseite sich erhob, und zwar unter Iohann von Eisen­bach, dazu wurde eine Ringmauer errichtet und der Wallgraben angelegt. 1347 erhielt der Ort Stadtrechte. 1570 wurde auf dem Schloß der Graf Dietz von seinen eigenen Verwandten aus- gehoben, weil er feit 1567 ein Schandleben führte und der Schrecken aller Mädchen der Umgebung geworden war; er kam nach Ziegenhain ins Ge­fängnis, wo er lange Iahre bis zu seinem Tob schmachtete. 1622 brachte der 30jährige Krieg der Stadt schwere Leiden; im 7jähttgen Krieg wiederholte sich das, als 1759 und 1762 um das Schloß erbittert gekämpft wurde 1813 war bann Dlücher in der Stadt über Rächt. Schon diese wenigen Angaben zeigen, wie reich die geschicht­liche Vergangenheit unseres Ortes ist. Kein Wun­der, daß am 12. September 1890 gelegentlich eines Vortrages Prof. Dr. R o e s ch e n die Er­haltung der Ueberrefte der Ulrichsteiner Schloh- rutne anregte. Dieser Gedanke wurde denn auch vettvirklicht, besonders durch die eifrigen Be- nritfjimgen von Postsekretär Meiski unb Schmiedemeister App el, unserem jetzigen Bür­germeister. Der Histottsche Verein nahm sich weiter ber Sache an, unb 1905/06 fanden Aus­grabungen ber Grundmauern und Ausbau eines Turmes der Ringmauer statt. In der Ver­sammlung erfolgte Bestätigung bzw. Reuwahl des Vorstandes, dem angehören: Postsekretär Meiski. Vorsitzender, Bürgermeister Appel, als Mitglied von Amts wegen, Veierirärrat Dr. Sauer (Aufsichtsrat), als Beisitzer, Pfarrer Kornmann als Schriftführer. Letzterer schloß auch die Versammlung ab mit wertvollen Rach­richten über die Kirche unb beten Altertümer unb dankte den Veranstaltern, besonders dem Vor­tragenden.

lg. Gedern, 8. Sept. Der heutige Schweinemarkt wies trotz ber ungünstigen Witterung eine recht gute Beschickung auf. Auf­getrieben waren 244 Schweine. Die Preise für Ferkel im Alter von 6 Wochen bewegten sich zwischen 30, unb 40 Mk., während achtwöchige Ferkel 40 bis 45 Mk. pro Stück kosteten. Für Läufer wurden 100 bis 120 Mk. pro Kopf be­zahlt. Kauflust und Umsatz waren hinsichtlich der jetzigen Wirtschaftslage und Geldknappheit be- friebigenb. Man hätte jedenfalls seitens der Händler mit noch stärkerem Besuch rechnen können, wenn der Markt im Marktkalender verzeichnet gewesen wäre.

Kreis Alsfeld.

<t> Erbenhausen, 9. Sept. Gelegentlich ber Renovation eines der ältesten Häuser von hier wurde ein interessanter Münzen- f u n b gemacht. Man fand unter der Türschwslle, von zwei Steinen beschwert, in einer Messingdose, deren Deckel zerstört war, 15 Silbermünzen. Die Messingdose enthielt noch ein vollständig zer­mürbtes und unleserliches Schrift- st ü cf. Ihr Inhalt bestand aus einigen franzö­sischen Geldstücken aus ber Zeit von 1702 bis 1756 in Größe und Gewicht eines Fünf-Mark- Stückes. Wie die Stücke dorthin kommen, wird immer ein Rätsel bleiben. Interessant ist immerhin, daß sich in alten Erbenhäuser Gemeinderechnun­gen Rottzen darüber befinde:,, daß 1745Heu und Hafer nach Weilburg für die Franzosen ge­fahren" wurde.Auch nach Gießen" heißt es kurz und bündig. 1758 heißt es:Gelder bezahlt für Wach-Patroullien und Reuther". 1760:Pa­gage-Fahrten nach Alsfeld, Homberg, Marburg, Cassel; Dragoner einquartiert... Jedenfalls vermag dieser Münzfund nachdenklich zu stimmen und durch ihn ein Stück bewegter Vergangenheit lebendig zu werden.

Kreis Wetzlar.

dg. Wetzlar, 9. Sept. 3m Laufe dieses Jahres ist von der Stadt ein Häuserblock bei Riebergirmes errichtet worden, der vielen Wohnungsuchenden aus der Rot geholfen hat. Trotzdem der Herstellungspreis von Woh­nungen sich bedeutend erhöht hat, sind diese« städtischen Wohnungen doch verhältnismäßig preiswert in der Miete. Es sind Musterwohnun­gen nach jeder Richtung hin, sie bieten auch nach außen ein recht freundliches Bild. In den

Bauten sind Zwei-, Drei- und Dierzimmer- Wohnungen. An dem Riedergirmser Weg hat auch die Firma Röchling Neubauten für Werkangehörige erstehen lassen. Durch den Zuzug vieler Familien in diesen Stadtteil sind naturgemäß auch mehrere Geschäftshäuser da­selbst entstanden. Das Ukrainerdenkmal, Pas an ber Außenseite ber langen Friedhofs­mauer nach dem Kriege zur Erinnerung an den Aufenthalt der gefangenen Ukrainer in Wetz­lar errichtet wurde, scheint nicht von allzulanger Dauer zu fein. Seit der kurzen Zeit seines Bestehens hat es sich an vielen Stellen mit grünem Moos überzogen, das das erste Zer­störungswerk an dem Denkmal anzeigt. Die auS- gemeihelte Unterschrift:Ukrainerdenkmal 1915 bis 1918. ist beinahe verwittert. Die Stadt hat es sich angelegen sein lassen, die Umgebung des Denkmals würdig auszugestalten.

Starkenburg und Rheinhessen.

* Darmstadt, 9. Sept. Die Staatsanwalt- schäft teilt mit: Der Mörder I. Mevn ist am Dienstag von Gotha mit der Dahn abgehvüi und in bas hiesige Landgerichtsgesängnis ein­geliefert worden. Er ist geständig.

* Darmstadt, 9. Sept. In^Aofheim im Ried erhielt ein Wirt einen Drohbrief, in dem er aufgefordert wurde, an einer bestimmten Stelle 100 Mk. zu hinterlegen. Als Anlaß zu dem Vorgehen wurde das politische Ver­halten des Wittes bezeichnet. Dieser ging zum Scheine auf die Erpressung ein und legte ein Kästchen an den gewünschten Ort, verständigte aber auch die ©enbarmerie, die zwei junge Burschen festnahm, als sie bas Kästchen abholen wollten.

Hessen-Nassau.

T Waldgirmes, 9. Sept. Unser alter Schäfer, auch mit Namen Schäfer, ist nach 60jähriger ununterbrochener Tätigkeit a mts- m ü d e und wird jetzt sein Amt, das er mit seltener Hingabe gepflegt hat, an seinen Schwiegersohn Julius Schmidt abtreten. Mit seinem Vater, der vor 50 Jahren in hohem Alter bei seinen Schafen im freien Felde starb, hat er zehn Jahre gehütet und dann 50 Jahre selbständig seines Amtes ge­waltet, manchen Sturm und Blitz über sich gespürt bzw. gejehen. Da auch der Großvater von Jugend an bis ins hohe Alter hinein die Schafe in hiesiger Gemeinde gehütet hat, kann die Familie Schäfer auf ein Jubiläum von mindestens 150 Jah­ren zurückblicken. Gewiß eine Seltenheit. Hoffent. lich wird diese auch höheren Orts gelohnt werden.

][ Marburg, 8. Sept. Gestern beging ber hier wohnenbe langjährige Kommandant des KreuzersSperber", Kontreadmiral a. D. Foß, seinen 75. Geburtstag. Der Iubilar hat auch ben Untergang besGroßen Kurfürst" mitgemacht unb damals schwimmend fein Leben gerettet. Rach dreitägiger Dauer ging gestern hier die Tagung des kurhessi­schen Landesverbandes evangeli­scher Iungmännervereine zu Ende. Trotz des unbeständigen Wetters hatten sich etwa 600 Vertreter von 50 Vereinen aus ganz Hessen eingefunden, die in Marburg und den umliegen­den Dörfern einquarHert waren. Von ben Der- schiedenen Kundgebungen ist diejenige auf bem Marktplatz zu erwähnen, wobei über 120 Po­saunenbläser mitwirkten. Generalsekretär Möpps- Kassel sprach dort überUnser Ziel". In allen Kirchen fanden Festgottesbienfte statt und in ber reformierten Kirche wurde Sonntag und gestern «abend der FilmGlaube und Heimat" vor- geführt. Auf dem heute hier abgehaltenen Herb st-Pferdemarkt standen rund 310 Pferde und Fohlen zum Verkauf. Bei flauem Ge­schäft wurden für gewöhnliche ältere Arbeits­pferde 250 bis 350 Mk., für bessere Tiere 600 bis 850 Mk. unb für eblere Pferde 1000 und mehr Mark verlangt.

fpd. Frankfurt a. M., 9. Sept. Für den Posten des Stadtkämmerers als Rach- solger des Prof. Dr. Bleicher standen anfänglich ganz hervorragende Kräfte in Aussicht. Diese Herren zogen aber ihre Zusage aus bestimmten Gründen für Frankfurt zurück. Run griff man zu ben übrigen Bewerbungen. Unter diesen befindet sich auch der sozialistische Bürgermeister Asch von H ö ch st a. M , der bis 1919 Kaufmann war. Herr Asch hat sich bereit erklärt, eine eventuell auf ihn fallende Wahl als Kämmerer von Frank­furt anzunehmen. In einer heute int Schoße des Magistratswahlausschusses vyrgenommenen soge­nannten Probeabstimmung fiel die Mehr­zahl der Stimmen, abgegeben von ben Sozial­demokraten, den Demokraten unb bem Zentrum, auf Bürgermeister A s ch. Es wird sich nunmehr noch ber Aeltestenausschuß unb bann nochmals ber Magistratswahlausschuß mit ber Angelegen­heit beschäftigen. Die endgültige Wahl durch die Stadtverordnetenversammlung soll am nächsten Dienstag erfolgen.

fpd. Kassel, 9. Sept. Don der Bezirksver- toaltung des Regierungsbezirks Kassel ist die Stelle eines Landesbankdirektors für die Landeskreditkas se Kassel zur Reube- sehung ausgeschrieben worden. Wie in der letzten Sitzung des Landesausschusses bekanntgegeben wurde, sind 417 Bewerbungen einge­laufen. Born Landesausschuß ist eine Kommission eingesetzt worden, die eine Sichtung vorzunehmen und einen geeigneten Bewerber zur Wahl vor­zuschlagen hat.

gum Mörlenbacher Mord.

* Darmstadt, 9. Sept. Zu ber Meldung, daß in ber Gegend der Mordstelle bei Mörlenbach ein Mann mit einem grünlichen Rucksack gesehen worden sei, erläßt jetzt die Staatsanwaltichaft in Darmstadt folgendes Aus- schreiben: Am Sonntag, 30. August l. I.. gegen 3 Uhr nachmittags, wurden ein Mann und eine Frau beobachtet, die auf der Landstraße, in der Richtung von Mörlenbach kommend, ben Seiten­weg einbogen, ber nckch ber Mordstelle zu führt. Der Mann wird wie folgt beschrieben: Etwa 1,70 Meter groß, schmales, langes Gesicht mit kleinem, schmalem, blonden Schnurrbart, 45 bis 48 Iahre alt, trug braunen, sauberen Anzug von schlichtem Aussehen, weichen, dunklen Hut unb schwarze Schnürschuhe. Aus dem Arm eine grau-grüne Windjacke (bzw. Gummimantel), dar­unter verschiedene nicht erkennbare Gegenstände. Auf bem Rücken einen grünlichen Rucksack. Be­schreibung ber Frauensperson: 3m wesentlichen lichen wie in unserem Ausschreiben vom 2. Sep­tember 1925. Wer über die beiden Personen wei­tere Auskunft geben kann, sie an anderen Orten gesehen hat, wird ersucht, dies alsbald der Staatsanwalt Darmstadt oder der Polizeibehörde seines Wohnottes mitzuteilen.

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