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rima überreicht hat. Ministerpräsident Painleoe hat Krassin vor seiner Abreise nach Rußland eine Rote überreichen lassen, in der es die französische Regie­rung ablehnt, vage und undeutliche, an Bedingungen geknüpfte Vorschläge zu prüfen, und die Sowjetregierung aufgefordert, ihr kon­krete und genaue Vorschläge, die nicht an die Gewährung von Krediten geknüpft sind, zu unterbreiten.

Kleine polittsche Nachrichten.

Der Kreuzer'S c r l i. n" hat durch den Rvrdvstsee-Kanal seine große Auslands­reise nach Südamerika angetreten. Der .^Berliner Oberbürgermeister Voeß. der hier im Flugzeug eingetroffen war, nahm an der Fahrt des Kreuzers bis Rendsburg teil.

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Bei den Fraktionen des Preußischen Landtages sind aus verschiedenen Teilen des Landes Proteste gegen den Beschluß des Gemeindeausschufses ein­gelaufen, den 2 2. November als Wahl- termin für die Provinziallandtagswahlen gesetz­lich einzutragen. Es wird darauf hingewiesen, daß der 22. November der Tötens onntag ist, der sich als Wahltag durchaus nicht eignet. Die Regie­rung selbst hatte in ihrer Verordnung den 25. Okto­ber festgesetzt. Das Plenum des Landtags wird bei seinem Wiederzusammentritt die endgültige Ent­scheidung über den Wahltag zu treffen haben.

Am Donnerstag haben im Reichsarbeitsministe­rium die neuen Schlichtungsverhandlun- gen im Lohnstreit bei der Reichsbahn unter dem Vorsitz des Hamburger Schlichters Dr. Stentzel sowie die Schlichtungsverhanblungen im Lohnstreit der Reichsarbeiter unter dem Vorsitz des Staats­sekretärs a. D. Rucdlin begonnen.

Auf Grund der Amnestieverordnung ist das Verfahren gegen den Redakteur der in Staßfurt erscheinenden völkischen ZeitungMitteldeutsche Presse" Rothaardt eingestellt worden. Rothaardt war in Magdeburg wegen Verleum­dung des verstorbenen Reichspräsidenten Ebert zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Das Urteil war aber noch nicht rechts­kräftig.

Der Gerichtshof zum Schuhe der Republik hat auf Grund der Amnestie beschlossen, das Ver­fahren gegen Trebitsch-Lincoln, den Pressechef der Kappregierung, einzustellen. Trebitsch, dessen bewegtes Abenteurerleben ihn nach dem Zusammenbruch des Kapp-Putsches nach Wien, Prag, Rom und China geführt hatte, war zuletzt politischer Ratgeber Wupeifus und Or­ganisator der englandfeindlichen Propaganda in China.

Der Parteiausschuh der Deutschen De­mokratischen Partei ist auf Sonntag, den 20. September, nach Berlin einberufen worden.

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Als Ersatz für die untergegangeneShe- nandvah" plant die amerikanische Marine ein zweimal so arv hes Luftschiff, von mindestens fünf Millionen Kubikfuh Rauminhalt, zu bauen. *

Der König von Italien hat bestimmt, daß die Hochzeit der Prinzessin Mafalda mit dem Prinzen Philipp von Hessen am 23. September im Schloß R a c c o n i g r statt- findet.

Dom 17. bis 26. September werden in der ' Eifel große französischeManöver statt­finden, die von dem Oberbefehlshaber der Rhein­armee, General Guillaumat, geleitet werden, der sein Hauptguartier in Euskirchen aufschlagen wird.

Dom 18. bis 21. September sollen an der bekgisch-luxemburgisch-deutschen Grenze bei Gouvy große belgifcheManöver stattfinden, wobei erstmalig Transportübungen mit Raupenwagen vor genommen werden sollen.

Aus aller Welt.

Der deutsche Aerztetag.

Der 44. ordentliche Deutsche Aerztetag zeich­net sich durch die 25jährige Wiederkehr des Tages der Gründung des Verbandes der Aerzte Deutsch­lands in Leipzig am 13. September 1900 aus- Der Tag wird durch eine Festlichkeit begangen werden. Gleichzeitig erfolgt zur Erinnerung die Einweihung eines Gedenksteines für den Gründer Dr. Hartmann und die Einweihung eines Aerztehauses in BadVerka zugunsten der be­dürftigen und erkrankten Aerzte.

Der Deutsche Aerztetag selbst wurde heute in der Aula der Universität Leipzig durch den Vor­sitzenden des Deutschen Aerztevereinsbuntes, Geh. Medizinalrat Dippe, eröffnet. Für bis Rcich-s- ministerium des Innern und das Reichsgesund- heitsamt sprach Ministerialrat Dr. Taute, für die Stadt Leipzig Oberbürgermeister 'Dr. Rot h e. für die medizinische Fakultät der Universität Leipzig Prof. Rollh. Ueber das Thema:D c r Aerzte st and und die Leibesübungen" referierte Medizinalrat Schnell- Halle. Er plä­dierte für eine maßgebliche Mitwirkung Der Aerzteschast und forderte dementsprechend die Ausbildung von Sportärzten. Die von ihm vorgelegten Leitsätze tourten einstimmig ange- trommen. Ferner wurde folgendem Antrag zu- gestimmt: Die deutsche Aerzteschaft fordert die örtlichen Organisationen aus, die Be­strebungen zur Förderung der Leibesübungen ent- fprechend den im Rahmen der Leitsätze Dr. Schnells festgelegten Grundsätzen lebhaft zu unter­stützen und besonders dafür Sorge zu tragen, daß sie in den örtlichen Gruppen des Deutschen Aerzte- bundes für Leibesübungen vertreten sind.

2m weiteren Verlaufe beschäftigte sich der Leipziger Aerztetag mit Der Rechtsstellung der deutschen Aerzte im Lichte des neuen Strafgesetzbuches. Das Referat hierfür erstattete Medizinalrat Pros. Dr. Lechte, Göttingen. Rach einer ausgedehnten Debatte erklärte sich die Tagung mit Den Ausführungen des Refe­renten einverstanden. Ferner genehmigte Die Versammlung Die Rechnungslegung über das ver­flossene Geschäftsjahr.

Hauptversammlung des ApothekervereinS.

In Stuttgart fand die erste Sitzung der ordentlichen Hauptversammlung des Deut­schen Apothelervereins statt. Der 1. Vorsitzende, Dr. Salzmann, Berlin, begrüßte die Mit­glieder und Vertreter des Reichs, von Württem­berg, Preußen, Sachsen und Stuttgart. Eine

weitere Begrüßungsrede hielt Ministerialrat Dr. K a h l t e r, Berlin, für das Reichsministe­rium des Innern, das den Verhandlungen der Apothekertagung und ihren Ergebnissen mit In­teresse entgegensehe. Das Reformwerk, das die große Mehrheit des Apothekerstandes wünsche, sei von wesentlicher Bedeutung. Eine gegen­sätzliche Auffassung bestehe besonders bezüglich der Gewerbereform. Diese Gegensätze sollen aber zurücktreten. Die Gewerbereform sei in dem Reformprogramm nicht der einzige Punkt, der durch das Reich sapothekengeseh gere­gelt werden solle. Es gebe auch noch eine Reihe anderer Fragen, Deren ErleDigung zweifelhaft sei. wenn Das Reichsapothekengeseh an Der Ge­werbefrage scheiterte.

Jahresversammlung des Verbandes Deutscher Elektrotechniker.

In Danzig wurde die 30. Jahresversamm­lung des Verbandes Deutscher Elektrotechniker er­öffnet. Als erster Vortragender sprach Geh. Ober­baurat G r a u e r t - Berlin überDie Elektr o- technik im Schiffbau und in der Schiff­fahr t". Unter den Aufgaben, die noch einer end­gültigen Lösung harren, hob er besonders den elektrischen Schiffsantrieb hervor, der in anderen Ländern, besonders in Amerika, bereits eine umfangreiche Verwendung gefunden hat, wäh­rend er in Deutschland, dem sonst auf vielen an­deren elektrotechnischen Gebieten führenden Lande, hauptsächlich wegen der ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse der Kriegs- und Nachkriegszeit noch nicht Fuß fassen konnte.

Generaldirektor Dr. Dr.-Ing. A. Franke- Berlin sprach bann überM assenfertigung und Schulungswese n". Er legte die beson­deren Anforderungen dar, die an Ingenieure und Techniker gestellt werden müssen, die in Betrieben der Massenfabrikation in Konstruktion und Fabri­kation beschäftigt find. Die Notwendigkeit, zu ihrer Ausbildung an den Hoch- und Mittelschulen neue Wege einzuschlagen, hob er besonders hervor. Der Verband ist aus den Wirtschaftsnöten der letzten Zeit neugefestigt hervorgegangen und weist einen Mitgliederbestand auf, der den der Vorkriegszeit fast um das Doppelte überschreitet. Am Nachmittag fanden in der Technischen Hochschule Fachvorträge namhafter Vertreter der Elektrotechnik über Spe­zialfragen aus dem GebieteElektrische Maschinen und Transformatoren" sowieElektrische Anltgen" statt.

Tagung der deutschen Zahnärzte.

Die 66. Jahresversammlung des Zentralvereins Deutscher Zahnärzte, die vom 9. bis 13 .Sep­tember in Hannover ftatfinbet, hat mit einer Er­öffnungssitzung begonnen, an der zahlreiche Ver­treter staatlicher und städtischer Behörden teil- nahmen.

Japanischer AUegerbesuch in Berlin.

Am Vormittag des 15. September treffen in Berlin auf dem Tempelhofer Feld zwei japanische Flieger, von Tokio kommend, zu mehrtägigem Aufenthalt ein. Berlin ist eine der Stationen des Asien Europafluges, den die beiden ja­panischen Flieger erstmalig unternommen haben. Arn 14. September verlassen sie Moskau und fliegen über Riga und Königsberg. Die Fi­nanzierung hat die japanische Zeitung ,O s a k a A s a n i" übernommen.

verhafteter Hochstapler.

In Püttlingen ift ein gefährlicher Hochstap­ler in der Person des Schriftstellers Hans Fuchs, genannt Ferdinand Kinzelmann, aus D a r m ° st a d t wegen Betrugs in mehreren Fällen festge- nomen worden. Fuchs-Kinzelmann verstand es, sich hie Mittel zu seinem luxuriösen Lebenswandel durch Betrügereien aller Art zu verschaffen und hatte Z u- tritt z u den Höch st en Gesellschafts­kreisen. Er Hot sich unter anderem auch als poli­tischer Schriftsteller betätigt und es zustandegebracht, daß ihm der Präsident der Regierungskommission des Saargebietes, R a u l t, eine längere Unter­redung gewährte, über die Fuchs bann einen selt­samen Bericht schrieb, den er in einigen ausländischen Zeitungen unterzubringen verstand, während ihn die deutschen Blätter durchweg ablehntcn

In vier Stunden von Friedrichshafen nach Budapest.

In Budapest ist, von Friedrichshafen kom- mcnD, DaS Deutsche Dornierflug^eug ^Komet" eingetroffen. Es hatte zu Dem Fluge, Der eine PflichtlanDung in Asporn oorsah, vier Stunden zehn Minuten gebraucht Der ungarische Innenmin'.ster v. Rakowski, Der sich zur Be­grüßung cingefunten hatte, nahm an einem Schaufluge Des ., Körnet^ teil.

Schweres Eisenbahnunglück bei Donauwörth.

Augsburg. 9. Sept (WTB.) Amtlich. Der Militärzug 40 347, Der bas 3. Batailldn Des 11. Reichswehrinfaaterte Regiments Konstanz vn» Teile Des AusbilDUngsbataillo.is Donaueschingen von 11 Im aus nach Treuklingen beförderte, stieß am 9. September früh 12,55 bei der Einfahrt in Die Station Donauwörth auf eine über das Merkzeichenn das Einfahrtgleis hin­einragende Wagengruppe auf. Durch den Anprall tourten der hinter Der Zuglokomotive befind­liche Packwagen unD der folgende mit Soldaten besetzte Personenwagen i n e i n an der g e scho­ben. Der als Zugführer fahrende Oberschaffner S t o h r und der Reichswehrsoldat Fritz Schto ehr von Freiburg i. B. wurden hierbei so schwer ver­letzt. Daß sie bald Darauf starben. Außerdem wurden vier Reichstoehrso! Daten schwer und zehn leicht verletzt. Der Präsident Der Reichsbahn- direttion Augsburg hat dem Kommandeur Der Truppen persönlich sein herzliches Beileid aus­gesprochen und die Verletzten im Krankenhause besucht. Wie hierbei sestgestellt wurde, sind Die Verletzungen ter Soldaten, auch die der Schwer­verletzten. glücklicherweise derart, daß noch weitere schlimme Folgen nicht zu befürchten sind Unter dem Verdacht des Gattenmordes verhaftet.

In Herne in Westfalen tourte Der Berg­mann Broda unter Dem schweren VerDacht verhaftet, im Januar seine Frau und seine fünf Kinder im Alter von 2 His 11 Jahren ermordet und Die Leichen beiseite gebracht zu haben. DroDa. Der jcDe Schuld leugnet, behauptet, seine Frau habe sich mit den KinDern von ihm getrennt. Seit der angeblichen Trennung hat man jedoch von Der Frau und Den Kindern nichts mehr gehört.

Zusammenstöße zwischen Wallfahrern und Gendarmen.

In Nagyszakacsi (Ungarn) kam es zwischen Wallfahrern und Gendarmen zu einem blutigen Zusammenstoß, wobei eine Frau getötet und eine andere schwer verletzt mürbe. Die Bevölkerung von Nagyszakacsi und Umgegend ist schon seit längerer Zeit in einem religiösen Wohn befangen und gibt ag, daß einem Bauernmädchen die Mutter-

gottes erschienen sei. Obwohl der Bischof einen j Hirtenbrief erlassen hatte, in dem er erklärt, daß es sich nicht um ein Wunder, sondern um eine Irreführung handelt, wallfahren Tausende von Personen nach Nagyszakacsi. Am Tage Mariae Geburt nahm die Menge eine drohende Haltung gegen die nach Nagyszakacsi entsandten Gendarmen an, so daß diese von den Waffen Gebrauch machten.

Das Jubiläum der russischen Akademie der Wissenschaften.

Leningrad, 10. Sept. (WTB. Funk sprach.) Unter den bisher eingetroffenen 129 ausländischen Gästen ist Deutschland mit 24 Delegierten am zahlreichsten vertreten. Von den ausländischen De­legierten sprach der Sekretär der Preußischen Aka­demie der Wissenschaften, Prof. Dr. Planck un Namen der deutschen Teilnehmer nn dem Jubi- läumsfeft den Dank für die Gastfreundschaft aus und sagte u. a., die Energie, mit der in Sowiet- Rußland an Dem wirtschaftlichen und kulturellen Fortschritt gearbeitet wird, (ei bewundernswert und übertreffe alle Erwartungen. Er glaube im Namen der gesamten deutschen Gelehrtenwelt zu sprechen, wenn er erkläre, daß die deutsche Wissenschaft und Technik jederzeit bereit fei, für das weitere Ge­deihen des sowjetrussischen Landes tatkräftig mttzu- wirken. . .

Brockborff-Rantzau, ber als einziger Botschafter an der Feier der Russischen Akademie teilnimmt, empfing gestern im hiesiegen General­konsulat die deutschen Gelehrten, Journalisten und Angehörige der deutschen Kolonie. Im ehemaligen Patais der Reichsduma sand die feierliche Begru- ;ung der Akademie und der ausländischen Gaste durch den Leningrader Sowjet statt.

Unter Den Mitgliedern des Ehrenpräsidiums befinden sich Die Sekretäre Der Preußischen Aka­demie der Wissenschaften Prof. Dr. Planck und Prof. Dr. Lueders. Sinowzew führte in seiner Begrüßungsansprache u. a. folgendes aus: Zum erstenmal in Der Geschichte treffen Die Vertreter Der Weltwiffenschaft mit einem Organ Der Arbeitermacht zusammen. Heber alle Verschiedenheiten hinweg kann eine Gemein­schaft der Wissenschaft mit der Masse des Volkes in allen Ländern auf folgenden drei Punkten beruhen: 1. Bekämpfung der Kriegsgefahr: 2. Herstellung der Planmäßig­keit im Wirtschaftsleben Der Völker, die durch die Konkurrenzanarchie gestört wird und 3. An­näherung zwischen Wissenschaft und Volk. Die Sowjetmacht hat die gemeinsame Sprache Der Gelehrten Der Sowjetunion gefunden und hält es für ihre Pflicht, die Lage der Gelehrten und der Wissenschaft in jeder Hinsicht zu bessern. Der Aeuherung des indischen Professors R a - man bei der Feier der Akademie Der Sowjet­union, daß niemanD eine mächtige Bewegung Der Menschheit zur Freiheit aufzuhalten ver­mag. kommt eine symbolische Bedeutung zu. Im Anschluß an Die Rede Sinowjews Dankte per Generalsekretär der Akademie Der Sowjet­union. Oldenburg. Dem Leningrader Sow­jet, für seinen Beistand in Den schweren Tagen.

Pirandello-Uraussührung im Frankfurter Schauspielhaus.

Das Leben, das ich Dir gab.

Das ist Die Tragödie einer Mutter, Die ihren gestorbenen Sohn mit Der ganzen In­brunst ihres Mutterherzens weiter leben lassen will, Das Leben, das sie ihm einst gab. Sieben Jahre war Dieser Sohn fern von ihr, und hat trotzdem in ihrem Herzen, in ihr gelebt: nun ist der Heimgekehrte nach einigen Tagen ge­storben und Die Mutter kann nicht begreifen, Daß Der starre, leblose Körper ihr KinD ist. ..Schlagt ihn in ein Laken und bringt ihn fort. Die Schwester, Die selbst zwei Kinder in der Stadt hat, Der Pfarrer, Der Dem Sterbenden Die Beichte angenommen, sie alle, wollen diese, nicht an Den Tod ihres Kindes glauben wollente. Mutter trösten. Vergeblich, sie bäumt sich mit übermenschlicher, vielleicht mit in dem. Durch Die lange Einsamkeit schon angekränkelten Rcrven- system tourzelnDe Kraft gegen Die Trauer. So versucht sie Dem Toten abermals Leben zu ver­leihen. indem sie sich selber belügt, sich seine Abwesenheit vortäuschend,er ist jetzt Dort". Die ganze Umgebung zwingt sie, an Dieses Scheinleben Des Sohnes zu glauben. Aber lang­sam verlischt in ihr selbst Die Kraft zu Diesem Selbstbetrug Der Liebe, so fetzt sie Denn alle Hoffnung cuf Die Geliebte ihres Sohnes, Der sie seinen migcfanger.cn Brief zu Ende _ schreibt, sie kommen läßt und mit ihr gemeinschaftlich Den Toten unsichtbar um sich zu habest. Die Ge­liebte. eine verheiratete Frau, Die Mann und Kinder zurücklähl. kommt: noch eine Rächt hält Die Mutter Die Täuschung aufrecht, Dann zer­schellt das Gebäude Der Lüge und erst der ge­sunde Schmerz Der jungen Frau, in Detern Kinde Der Tote auserstehen wird, bringt sie zur Be­sinnung. Jetzt ist er wirklich gestorben,^ Da. er auch Das Leben in dem Herzen Derer. Die ihn liebten verloren. .Erst das ist der Tod. mein Kind sich martern, sich trösten, sich beruhi­gen erst das ist der Tad" Heber Diesen Worten Der endlich sich zum wahren Schmerz gefundenen Mutter senkt sich der Vorhang

Sie ist nicht bühnenwirksam, diese Tragödie des Mutterseins. Leben zu geben und erlebest zu müssen, wie dieses Leben durch den Tod oder auch durch das Leben selbst vernichtet wird, ilnb Das Publikum liebt es nicht, aus dem Be­harrungspunkt der Oberflächlichkeit gerüttelt zu werten. Vielleichl ist auch manches ungesund, vielleicht stellt sich zwischen diese Mutter und ihre eigenartige Gefühle unsere heutige Zeit, die auch für dieseGesühlsromantik" zu nüchtern ist und ihrkrankhaft" dazwischen ruft! Denn dieses In-sich-betäuten-toollen der Wirklichkeit, dieses Auflehnen gegen die Ratur und Das Ge­schick der Menschheit kann im gewissen Sinne pathologisch berühren. Aber trotz allem kreisen Worte um das Geschehen ter Tragödie, die so tief sind und so durchleuchtet von Der Wahr­haftigkeit ter Gefühle, einer großen Liebe, daß sie unbedingt die Hörerschaft in ihren Bann schlagen.

Die Aufführung unter ter Leitung _ Fritz Peter Buchs stand im richtigen Verhältnis zum Werk, sie war von großliniger Einfachheit. Wuntervoll. alle ihre bisherigen Leistungen übertreffend, war Leontine Sagans Donna Anna Luna, die Mutter, die anderen scharten sich wirkungsvoll ergänzend um diesen künstle­rischen Mittelpunkt. Ludwig Sievert sch'ck in einem düsteren Szenenbild den stilistisch^ drucksvollen Rahmen zu Dieter Mutter-Tragödi' Der Beifall war anfänglich scheu und gi:t w v l auch mehr Den Künstlern als Dem Stück. Wie gesagt, es ist kein Werk für die große Masse.

L. W.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 10. September 1925.

Straferlaß in Hessen.

i Aus Grund Des Art. 9 Der Hessischen Ver­fassung hat das Gesamtministerium eine Der- orDnung mit Gesetzeskraft erlassen, nach Der Die bei hessischen Gerichten ober Staatsanwaltschaften anhängigen Strafverfahren niederge­schlagen werben, soweit sie bestimmte, in ber Verorbnung näher bezeichnete Zuwibephandlun- gen gegen bas Gesetz zum Schutze der Republik betreffen, ferner Zuwiterhanblun- gegen bestimmte Paragraphen des Straf­gesetzbuches, unerlaubten Waffen­besitz und Zuwiderhandlungen gegen Verbote politischer Parteien oder politischer Verbände.

Unter ber Voraussetzung, baß wegen ter Tat voraussichtlich auf keine höhere Strafe als Geld­strafe allein, ober Haft, ober Festungshaft bis zu zwei Jahren, oder Gefängnis bis zu zwe? Jahren allein oder auf eine dieser Freiheits­strafen neben Geldstrafe oder neben Einziehung erkannt werden würde, werden ferner nieder­geschlagen die bei hexischen Gerichten ober Staatsanwaltschaften anhängigen Strafverfahren, soweit sie u. a. öffentliche Kundgebun­gen im politischen und wirtschaft­lichen Kampfe betreffen, falls durch sie oder bei ihrer Veranstaltung strafbare Handlungen begangen Worten find, insbesondere Widerstand gegen die Staatsgewalt, Haus- und Land­friedensbruch, Beleidigung, Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Rötigung, Bedrohung, Sach­beschädigung und mit vorgenannten Zuwider­handlungen in ursächlichem Zusammenhang ste­hende Straftaten.

Die Straffreiheit findet keine Anwendung, wenn Die Tat nach dem 15. Juli be­gangen ist.

Alle Strafen, die von hessischen Gerichten wegen der in der Verordnung aufgeführten Straftaten vor dem Inkrafttreten dieser Verordnung rechts- kräftig verhängt und noch nicht verbüßt sind, wer­den erlassen, wenn die Strafe ober der noch nicht verbüßte Strafrest nur entweder in Geldstrafe allein oder in Haft ober Festungshaft bis zu zwei Jahren ober Gefängnis bis zu zwei Jahren allein ober in einer dieser Freiheitsstrafen neben Geld­strafe besteht. Uebersteigt die noch zu verbüßende Festungshaft oder Gefängnisstrafe die Dauer von zwei Jahren, so wird sie um zwei Jahre ge­kürzt.

Ist von hessischen Gerichten wegen mehrerer der hier genannten Zuwiderhandlungen auf Haft oder Festungshaft ober Gefängnisstrafe erkannt worben, ohne baß die Voraussetzungen für Die Bildung einer Gesamtstrafe Vorlagen, so wird der Straferlaß nur bis zum Gesamtbeträge von zwei Jahren ge­währt. Er tritt beim Zusammentreffen von Haft, Festungshaft und Gefängnis oder zweier dieser Strafen zunächst bei der Gefängnisstrafe, bann bei der Festungshaft, im übrigen zunächst bei der früher erkannten Strafe ein.

Von der Niederschlagung und dem Sttaferlaß ausgeschlossen sind diejenigen Personen, die zur Durchführung der Straftat ober in Zusammen­hang damit ein Verbrechen gegen das Leben, Kör­perverletzung, des schweren Raubs, der Brandstif­tung, ber vorsätzlichen Gefährdung eines Eisenbahn­transportes ober des verbrecherischen und gemein­gefährlichen Gebrauchs von Sprengstoffen begangen haben, oder hauptsächlich aus Roheit, Eigennutz ober sonstigen nichtpolitischen Beweggründen ge­handelt ober einen Hochverrat begangen haben.

Das Justizministerium ist ermächtigt, bie zur Ausführung bieser Verorbnung erforberlichen An orbnungen zu erlassen.

Der Stand der Feldfrüchte in Hoffen.

Rach dem amtlichen Saatenstandsbericht für Hessen von Anfang September ist die Getreide- und Hafer: < ? beendet und im all­gemeinen zufriedenstellend gewesen. Infolge Der Augustnieterschläge haben sich die Hackfrüchte, Klee und Wiesen gut erholt und versprechen eine gute Herbsternte. An vielen Orten wird jedoch über Mäusefraß geklagt.

Durch Das fcufitc Qtugufttoetter ist in den schl-cht gepflegten Weinbergen Peranospera und Escherich aufgetreten. Fast überall wwd über das Auftreten des Sauertourms geklagt. Im übrigen wird Der Behang als mittet bzto. gut bezeichnet, nur bleiten die Beeren in ter Entwicklung und Reife zurück.

Die EaatenstandZnotcn betragen für Hafer 2,9, Kartoffeln 2,3, Zuckerrüben 2,3, Futterrüben 2,5, Klee 2,8, Luzerne' 2,7, De°(Ent-)wäsferungs- wiesen 2,5, andere Wiesen 2,7 und Reben 2,6. (Hierbei teteutet 2 gut unj> 3 mittet.

Gicstener Wochenmarttpreisc.

am, 10. September (Händlerpreise).

Es föfteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butler 220 bis 230, Matte 40, Käse 70. Wirsing 12 bis 15, Weißkraut 3 bis 10, Rotkraut 15, gelbe Ruten 15. rote Rüben 10, Spinat 20, Römischkohl 10. Bohnen 30 bis 35, Unterkohlrabr 6 bis 8, Mischgcmüse 15. Tomaten 20, Zrebeln 15. Meerrettich 100. Rhabarber 20, Kürbis 3, Pilze 40, Kartoffeln 4 V.. Frühäpfel 15 bis 20. Falläpfel 5. Birnen 20 bis 50. Zwetschen 12, Honig 30. junge Hahnen 100, Suppenhühner 120. Rüsse 80, Preiselbeeren 70. Weintrauben 50 Pfg. Das Pfund: Eier 16. Blumenkohl 40 bis 150, Salat 10 bis 15, Salatgurken 30 bis 40, Einmach- gurfen 2 bis 3. Endivien 15 bis 20, Otetckohlrabi 5 bis 10, Lauch 10. Rettich 10 bis 20, Sellerie 15 bis 20 Pf das Stück: Radieschen 15 Ps bas Bund.

Wettervoraussage.

Roch keine wesentliche Aenderung Der herr­schenden Witterung.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 15,3 Grad Celsius. Minimum 9,1 GraD CelsiuS, Aie- terschläge 8,9 Millimeter. Heutige Morgentem­peratur 10,9 Grad Celsius.

** Dien st stunden des Polizeiamts ab 15. September sind von 8 Ahr vormittags bis 1 Uhr mittags und von 2Vs bis 6 Uhr nach­mittags, Samstags von 8 bis l1/? Uhr mittags. Das Meldeamt und Die Reviermeltestellen sind für das Publikum geöffnet von 8 Uhr vormittags bis 12 Uhr mittags und von 3 bis 5 Uhr nach­mittags, Samstags von 8 bis 12 Uhr vorm.