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Donnerstag, 10. September (925

175. Jahrgang

Nr. 2(2 Erster Blatt <d

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vrvck vnd Verlag, vrühl'sche Unwerfiläts-Vuch- und bteindruckerei R. Lange in Kietzen. Zchriftlettung und Seschäftrftelle: rchulfttahe 7.

Die Schlacht bei Alhucemas.

Spauischc L'-gesberichte. Neue erbitterte Kämpfe.

Madrid, 10. Sept. (0D2ZB. Funkspruch.) Die spanischen Blätter melden: Drei Tage lang haben die Transportschiffe und daS spanische und französische Geschwader an der Küste von Alhucemas Landungsmanöver und Schcinlandun- gen inszeniert, um den Feind zu täuschen, so bah endlich die Landung in der Bucht von Cepabitta vollkommen überraschte. Insgesamt waren 112 Kriegsschifse und andere Fahrzeuge versammelt. Das Meer war ruhig und bot den Anblick eine» ungeheuren SeeS. Die französischen und die spanischen Schiffe begannen sofort die An­höhen der Alhucemasbucht zu beschießen, während alle Flugzeuggeschwader aus Melilla, ungefähr 50 Apparate, sowie französische Wasser­flugzeuge Bomben abwarsen. Einige Geschütze der Rifleule erwiderten das Feuer und suchten die französischen und spanischen Schisse zu treffen, was jedoch nicht gelang. Bur eine einzige Gra­nate beschädigte die radiotelegraphische Anlage eines Schisses leicht. Der Schaden konnte aber sofort wieder auSgebessert werden.

In der Nacht vom Montag zum Dienstag Wurde der Befehl zur Landung gegeben. In­folge deS Gedränges stießen ein Kanonenboot unb ein Torpedoboot zusammen und wurden schwer beschädigt. Das Torpedoboot konnte je­doch noch mit eigener Kraft in den Hafen von Melilla fahren. Bon 59 Uhr morgens bom­bardierten Flugzeuggeschwader die feindlichen Stellungen. Kurz vor 11 Uhr vormittags be­gann d i e eigentliche Landung, die ohne Zwischenfall vor sich ging. Um 12 Uhr mittags rückten starke Eingeborenen-Abteilungen gegen die au nehmenden feindlichen Stellungen vor. Es kam zu einem leichten Zusammen- st mit b e m Feinbe, aber unter dem Feuer ber Geschwader zog dieser sich bald zu- füd und die spanischen Truppen konnten ihr Ziel erreichen. Die erste LandungS-Abtei- Tung bestand aus 10 Panzerwagen, 2 Abteilun­gen ber spanischen Fremdenlegion. 3 Eingebore- nen-Abteilungen. 3 Iäger-Bataillonen, 2 Ar­tillerie-Abteilungen. einem Auto-Park. 4 Pio­nier-Kompagnien und 3 Rabio-Telegraphen- Abteilungen. Gin spanisches Flugzeug wurde vom Feinde abgeschossen und mußte auf die See niedergehen. Die Mannschaften konnten aber von einem französischen Torpedoboot auf­genommen und gerettet werben. Gegen Abend gingen die Truppen unbelästigt auf ber Moro- Nuevo in Biwak.

Französifche Meldungen besagen, daß große Flugzeuggeschwader gestern nachmittag erneut die Rifstellungen beschossen haben. Das Hauptquar­tier Abb ei Krims wurde mit Bomben be­worfen. In Madrid herrschte gestern über die Truppenlandung große Begeisterung. Man glaubt, daß die Lage sich jetzt völlig zugunsten ber Spanier verändert habe. Meldungen aus Tanger besagen jedoch, daß die Spanier bei der Landung große Berluste erlitten haben. Die Artillerie der Aifleute soll dabei 21 spanische Schiffe versenkt haben, darunter sieben größere Transportschiffe.

Der britische Gewerbschafts- bongreh.

London, 10. Sept. (TU.) Der Gewerk» schaftskongreß in Scarborough irahm gestern mit großer Mehrheit einen Antrag auf Bi 1 dung von Betriebsräten in allen Fabriken an. Das ist ber erste Erfolg ber sogenannten roten Bewegung. Auch die Vertagung ber Entscheidung in ber Frage ber Konzentration in den gewerkschaftlichen Organisationen wirb heute etwas pessimistischer beurteilt als gestern. Die rote Bewegung hat keineswegs mit der Vertagung ber Entscheidung eine Niederlage erlitten; vielmehr ist es die Politik des Kon- aresses, wesentlichen unb bedeutungsvollen Ent­scheidungen auS dem Wege zu gehen. An­derseits wurde aestern ein Antrag des linken Flügels aus Bildung einer Generalgewerftchaft eebnsalls abgelehnt, jedoch treffen hierbei die oben gemachten Bemerkungen über die Politik des Kongresses zu. Die wirkliche Stimmung bei dem linken Flügel zeigt ein Dries des Sekretärs der Kommunistischen Partei. I n k p i n, an den Kongreß. Es heißt darin: Die Negierung habe beschlossen, die Kommunistische Partei wegen ihrer Auftorderung an die organisierte Arbeiterschaft zur Aufklärung der in Heer unb Marine Ar­beitenden über ihre Stellung zu den bevorstehen­den Arbeitsstreitigkeiten zu bekämpfen. Die Kom­munistische Partei fordere den Kongreß auf. das Recht der Arbeiter auf Aufklärung ihrer Drüber in Heet^und Marine zu wahren.

Die Bodenreform in Polen.

Warschau. S. Sept. (WTD.) Die ver- einigten Senatslommissionen berieten über die Boden reformvorlage und stimmten über die ersten sechs Artikel des Gesetzes ab. Zu Artikel 4, der den Maximalgrundbesitz bestimmt, war- den Abänderungsanträge angenommen, die den Höchstbesih an Grund und Boden m Industrie- gegenben und Dorstadtorten von 60 auf 180 Hektar, in den Ostgebieten von 300 auf 400 und in einigen anderen Gegenden von 180 auf 300 Hektar erhöhen. Von den Bauernabgcord­neten und den Linksparteien wurde angesichts dieses Beschlusses das Ging reif en ber R e - g i crung gefordert. Als ihr Antrag abge» wiesen wurde, verliehen die Vertreter dec ge­nannten Parteien den Saal.

Die Konferenz der Außenminister.

Ministerialdirektor Gaus hat nach seiner Rückkehr aus London bem Berliner Auswär­tigen Amt unb auch bem Reichspräsi­denten sehr eingehend Bericht erstattet, er befindet sich jetzt in Aorberneh beim Außen­minister Dr. Stresemann unb 1oirb von ba aus nach Whk weiterfahren, um auch ben Reichskanzler zu informieren. In ber Zwischenzeit finben in Genf sehr eingehcnbe Beratungen ber Außenminister mit ihren juristi­schen Sachverstänbigen statt, die sich einmal um die Sicherheitsfrage selbst, zum anderen um die Einladung an bie Reichsregierun g brehen. Es erscheint nicht ausgeschlossen, baß schon in ben nächsten Tagen bas Auswärtige Amt von bem Wunsch ber Alliierten nach einer persönlichen Aussprache mit Herrn Dr. Strese­mann Ende des Monats in einem Schweizer ober oberitalienischen Ort in Kenntnis gesetzt wirb. Da sich bie Besprechungen ber alliierten Staatsmänner schon seit Tagen hinziehen, ge­winnt bie Nachricht an Debeutung. bah an ber bevorstehenben Auhenministerkonferenz auch bie Chefs der einzelnen Regierungen teilnehmen werben. Da Mussolini, der gleichzeitig Außenminister unb Ministerpräsident ist, an der Sicherheitskonferenz teilnehmen will, darf an­genommen werden, daß auch bie Ministerpräsi- benten Englands, Frankreichs unb Belgiens nicht zurückstehen wollen, also schließlich doch ber Sor­tierung Deutschlanbs nach Erweiterung ber Außenluinisterbesprechung zu einer Dollkon- f e r e n z nachkommen werben.

Heber bem Ergebnis ber Conboner Iuristen- besprechung liegt nach wie vor ein geheimnis­voller Schleier, bennoch lassen gut unterrichtete politische Kreise burchblicken. bah bie Situation Drutschlanbs auf ber bevorstehenden Auhen­ministerkonferenz keineswegs so pessimistisch be­urteilt zu werben braucht, wie bas burch bie Londoner Presse geschieht. Vielmehr sei es ge­lungen, bei ber Formulierung ganz wesentlicher Streitfragen ben beutfdjcn Stanbpunkt burchzufetzen. Es habe sich eine ganze An­zahl Einheitsformeln finben kaffen, wäh- renb bie Alternativformeln stark, verringert wor­ben seien. Wenn auch allgemein bavor gewarnt wirb, voreilige Hoffnungen zu hegen, so ist boch im großen unb ganzen ber Eindruck in Berlin ber, bah für Deutschland fein Anlaß vorliegt, mit dem Ergebnis bet Besprechungen unaufrieben zu fein. Wie sich bie Dinge nun weiter ent­wickeln werben, hängt einerseits von ben Alliier­ten, anbererseits von bem Kanzler unb bem Außenminister ab. Vermutlich werben Herr Dr. Luther unb Herr Dr. Stresemann boch schon in ben nächsten Tagen nach Berlin zurück- kehren, um noch vor ben Feierlichkeiten im be­freiten Ruhrgebiet, an denen nicht nur ber Reichspräsibent, fonbern auch bie Reichsregie­rung teilnehmen wird, einen Kabinetsbe- schluß über bie weitere Haltung Deutfchlanbs herbeizufiihren.

Dr. ©aus in Berlin.

Dcr Bericht

über die Juriftenkottferenz.

Berlin, 9. Sept. (Wolff.) lieber den augen­blicklichen Stand der Verhandlungen über den Sicherheitspakt kann das Nachrichtenbureau des Vereins Deutscher Zeitungsverleger in Berlin fol­gendes mitteilen:Nach Informationen von unter­richteter Stelle sind die Nachrichten aus dem Aus­lande, denen zufolge bereits eine Einladung 3 u einer alliierten Ministerbefpre- d) u n g an einem bestimmten Tage und an einem bestimmten Ort ergangen sein soll, aus der Luft gegriffen. Bisher liegt nur die schon vor einiger Zeit ergangene mündliche Einladung durch den französischen Botschafter in Berlin vor. zu der sich die Reichsregierung damals ihre Beschluß- sasfung vorbehalten hat bis nach Kenntnisnahme des Berichtes des deutschen Sachverständigen, Mini­sterialrats Dr. Gau s. Es ist möglich, daß die alliierten Minister nach ihrer Rücksprache unter­einander in Gens und nach Feststellung ihrer eige­nen Dispositionen die Einladung nach Berlin richten werden. Es würde aber auch nach diplomatischen Brauch möglich fein, daß sie vor einer präzisen Einladung er st Fühlung mit den deut­schen Stellen über die deutschen Regierungs­dispositionen nehmen. Bisher ist dies noch nicht geschehen. Die Entscheidung der deutschen Regierung über das formale weitere vorgehen wird erst er­folgen, nachdem das Reichskabinett auf Grund des Gausschen Berichtes sich über den mate­riellen Stand der Dinge klar geworden ist.

Ministerialdirektor Gaus hat am Dienstag zunächst dem Staatssekretär im Auswärtigen Amt von Schubert und sodann dem stellver­tretenden Reichskanzler Dr. Gehler Bericht erstattet. Am heutigen vormittag hat er sich zu dem gleichen Zwecke zu bem Reichs­präsidenten begeben. Am heutigen Abend wird er zusammen mit Staatssekretär von Schubert zum Reichsaußenminister Dr. Strefemann unb ba- nach zum Reichskanzler fahren, um biefen Herren seinen Bericht vorzulegen. Erst hiernach wirb bestimmt werben, wann bas Reichskabinett zur materiellen Beschlußfassung zusammentreten kann. Irgendwelche Dispositionen sinb nach blefer Richtung selbst vom Reichskanzler noch nicht ge­troffen worben. Die Iurisien haben sich streng an ihr Mcmbat gehalten, nach welchem sie in keiner weise bie Stellungnahme ber Regie­rungen fe ft legen bürsten. Man kann deshalb auch noch nicht von einem aünfliaen oder unaün-

stigen Eindruck des Ergebnisses ihrer Besprechungen reden, bevor sich das Reichskabinett mit der Frage besohl hat. Die Iuristenbcsprechung sollte nur den deutschen Sachverständigen über ben Stanbpunkt ber Alliierten hinsichtlich ber juristischen unb tech­nischen Seite bes Paktes informieren. Eine Erörterung ber großen politischen Probleme war ben Iurislcn nicht übertragen worben, unb biese haben solche Probleme nur so­weit behanbelt, als sie von ber juristischen unb tech­nischen Erörterung nicht zu trennen waren. Es ist lebiglich ber beiderseitige Stand­punkt formuliert, aber es sind keine Be­schlüsse gefaßt, sondern nur die Besprechung ver Minister vorbereitet worden.

Die Konferenz der Außenminister.

Die Zusammenkunft in Lausanne beschlossen.

Genf, 9. Sept. (LU.) Von der englischen Delegation des Völkerbundes Wird mitgeteilt: Heute vormittag fand die erste offizielle Zu­sammenkunft der Außenministcr Chamberlain, Driand, Dandervelde und des ersten italienischen Delegierten beim Völkerbund Scialoja mit den drei Sachverständigen Sir Cecil Hurst, Froma- geot und Rollin statt. Don den drei Außen­ministern wurde offiziell festgestellt, daß die Lon­doner Sachverständigenbesprechungen mit dem deutschen Ministerialdirektor Dr. Gaus einen sehr wichtigen Fortschritt in den Ver­handlungen über den Sicherheitspakt bedeuteten, so daß eine Des p rechung der alliierten Außenminister mit Dr. Stresemann die beste Aussicht auf Erfolg hätte. Die drei Außenminister faßten den Beschluß, an die Reichs­regierung mit der Auftorderung heranzutreten, an einer demnächst stattfindenden Konferenz teil­zunehmen. Die Konferenz wird, wie man hört, in Lausanne stattsinden.

Die Frage der Beteiligung Italiens an der Besprechung der alliierten Außenminister mit Dr. Stresemann ist noch nicht entschieden. Die Teilnahme der Tschechoslowakei und Polens ist, entgegen den Wünschen dieser beiden Länder, abgelehnt worden. Es ist der Dorschlag gemacht worden, gleichzeitig mit den Verhandlungen über den Westpakt und in der- sell>en Stadt die Dertreter der Tschechoslowakei und Polens mit den Vertretern der Reichsregie- rung zu einer Beratung über die Schieds - gerichtsverlräge im Osten zusammenzu- bringen. 2Iber auch dieser Vorschlag ist bisher auf Widerstand gestoßen. Chamberlain forderte heute vormittag von dem italienischen Mit­glied Scialoja für Klärung der Frage der weiteren Teilnahme Italiens an den Verhand­lungen

eine bindende Erklärung, ob Italien dem Sicherheitspakt beitrete ober nicht.

Scialoja wird diese Frage dringend an die italienische Regierung weitergeben und sich die Antwort bis zum Eintreffen weiterer Weisungen aus Rom Vorbehalten. Man rechnet damit, daß die Antwort der italienischen Regierung in zwei bis drei Tagen in Genf eintreffen wird. Die Absendung der Einladung an Deutschland hängt vom Eintreffen der italienischen Antwort ab. Lieber die Teilnahme Italiens sind, wie aus Mailand gemeldet wird, im Lande selbst die Ansichten geteilt. Mus solini wird im Laufe dieses Monats schwerlich Italien und wahr­scheinlich nicht einmal Rom verlassen können, wo zwischen dem 15. und 18. September die Verhandlungen des Ministerrats ftattfinben und anderweitige politische Pflichten ihn fest­halten. Er wird sich in Lausanne, falls die Pakt­konferenz dort stattfindet, durch ben Unterftaatd- fefretär Dina Grandi vertreten lassen. Die faszistischePresse nimmt zum Teil gegen eine Teilnahme Italiens an diesen Ver­handlungen Stellung mit der Begründung, daß Italien mit Rücksicht auf das österreichische Problem, auf das die französischen Vorschläge nicht genügend Rücksicht nehme, seine Hand- lungsfreiheit wahren müsse.

Besprechungen über den Dawes-Plan.

London. 10. Sept. (WTD. Funkspruch) Der diplomatische Berichterstatter des ..Daily Telegraph" meldet, am Montag habe in London eine private, aber bedeutsame Zusammenkunft im Zusammenhang mit dem Dawesplan und mit englisch-amerikanischen Krediten an Deutschland ftattgefunben. Anwesend waren bie Gouverneure der Federal-Reserve-Dank von Ame­rika, MontaZue Norman, der Gouverneur der Dank von England, sowie Reichsbank-Präsident Dr. Schacht und der General-Agent für bie Reparationen Parker Gilbert.

Der Danziger Brieskastenftreit.

D a n z i g . 9. Sept- (TU.) Wie bie .Danziger Nachrichten" aus Gens berichten, wird erwogen, dort die Entscheidung ber Völkerbunds kommission über ben Driefkastenkonflift an bas Haager Schiedsgericht zu verweisen. Es sind Zweifel entstanden, ob nicht durch das Gutachten der Kommission in Danzig, das durch das Gut- acht, t des Haager Schiedsgerichts geschaffene juristische Fundament verladen und die Ange- leaenbett auf das politische Gebiet b i n»

übergespielt worden sei. Das scheint auch schon daraus hervorzugehen, daß die beiden Parteien, Danzig und Polen, gegen das Gut­achten Verwahrung eingelegt haben. Da beide Parteien einen völlig abweichenden Stand­punkt vertreten, möchte der Völkerbund anschei­nend die Verantwortung für die Entscheidung nicht übernehmen, ohne den Haager Schieds- gerichtshof zu befragen, ob fich die vorgeschlagene grüne Linie" mit dem vom Haager Gerichtshof aufgestellten Rechtsgrundsatz deckt Der Danziger Senatspräsident Dr. Sahnr wird am Freitag in Genf ertbartet. während der Dbcrfommiffar des Völkerbundes für San­gig. Mac Donne 1 l, am nächsten Dienstag hie> eintrifft. Damit wird es wahrscheinlich, daß die beiden Danziger Fragen im Laufe Der nächsten Woche vom Rat behandelt werden.

Ku-Klux-Klan in Berlin. Aufdeckung einer politischen Gehcim- organisation.

Berlin, 10. Sept. Die politische Polizei hat in Berlin eine Geheimorganisation aufge­hoben, deren Leiter drei Amerikaner waren und die fich zum Ziel gesetzt hatte, in Deutschland eine Organisation zu schassen, die im Aufbau und in allen Formen und Gebräuchen der amerikani chen Ku-Klux-Klan-Bewegung ent- prechen sollte. Die Organisation, die die Polizei etzt in Berlin entdeckte, nannte fichOrden des eurigen Kreuzes". Seine Mitglieder fie­len Ritter des feurigen Kreuzes. 5)icfe Geheim- organifation setzte sich in erster Linie aus Mit­gliedern völkischer Organisattonen zusammen. Bei den drei amerikanischen Gründern handelt es sich um einen Studenten Gray auS Chicago, ber vor drei Wochen in sein Vaterland zurückgekehrt ist unb um zwei Deutsch-Amerikaner, Vater und Sohr, nameirs <3 tr ob fein, die in Schlesien verhaftet worden find. Die drei sollen po litische Hochstapler sein, die sich bie Leicht­gläubigkeit Zahlloser zunutze gemacht haben, u m si ch die Taschen zu füllen. Die Aufnahme in ben Bund soll sehr leicht gewesen fein, wenn der um den Eintritt Ersuchende nur die erforder­lichen Gelder habe aufbringen können.

Die Gründung der Organisation reicht in das Iahr 1923 zurück. Als damals eine Reihe völkischer Organisationen aufgelöst wurde, taten sich ihre Führer zur Gründung eines Geheim- bundes zusammen. Einem gewissen Klapp- roth lag die Gründung der Ortsgruppen ob. Außerdem waren in Berlin noch Oberleutnant a. D. Hildenbrandt und Dr. Hübner tätig, bie eine mehr untergeordnete Rolle spiel­ten. Die Ritter des feurigen Kreuzes traten in Berlin mit den obengenannten Amerikanern in Verbindung, bie in ber amerikanischen Ku- Klux-Klan-Bewegung eine Rolle spielen unb auch sonst einen nicht unerheblichen Einfluß be­sitzen. Die Organisation war an dem Kli­st r i n e r Putsch nicht unbeteiligt. Der da­malige Leiter des Küstriner Unternehmens, Ma­jor Buchdrucker, gehört bem Feurigen Kreuz an. Es ist als sicher anzunehmen, daß bie dR o r b t a t e n, die im Anschluß an den mißglückten Küstriner Putsch sich ereigneten, von Mitgliedern des Ordens «ingeführt worden sind. Der obengenannte Kapitän Klapproth wurde gerade verhaftet, als er im Begriff stand, von Wefel aus im Auto über die holländische Grenze zu entfliehen. Bei Klapproth wurde wichtiges Material beschlagnahmt.

Dr. Eckener über llmunöfens Polarflugpläne.

Zu der Meldung verschiedener Blätter, wo­nach Amundsen ben Plan verfolge, mit Hilfe der italienischen Regierung im fol­genden Iahr den Pol mit einem italienischen Luftschiff zu überfliegen, äußerte sich Dr. Eckener etwa folgendermaßen:Die Ansichten über die Größe eines den Ausgaben einer Polarsorschung gewachsenen Luftschiffes find auf deutscher Seite geteilt. DieInternationale Studiengesellschaft für Erforschung der Arktis" hält cm Größen- maß von 150 000 Kubikmeter für erforderlich: dieLuftschiffbau Zeppelin" hält ein Luftschiff von rund 100 000 Kubikmeter für ausreichend. Jedenfalls ist nur ein Luftschif f von er­heblicher Größe und Leistungsfähigkeit der Ausgabe gewachsen. Das unstarre italienische Luftschiff des Konstrukteurs Nobile ist an sich eine gute Konstruktion, wenn sie auch nicht an die des deutschen Zeppelin heranreicht.

Soviel ist aber klar, daß das ftalienische Luft­schiff eine beschränttere Leistungssähigleit hat im Vergleich zu den Zeppelinen der oben genannten Größen. Unter biefen Umständen erscheint es fraglich, ob mit bem italienischen Luftschiff, wenn es wirklich für eine Polarreise ausersehen werden sollte, eine Polarexpedition durchgesührt werden kann, die wertvolle wissenschastliche Ergebnisse zu erbringen verspricht. Bestenfalls kann es sich um eine Ueberquerung des Poles in rein sportlichem Sinne handeln, auf bie Amunbsen stets großen Wert gelegt hat.

Rußlands französische Schulden.

Paris, 9. Sept' (WTB.) Ministerpräsident P a i n l e o e und Außenminister B r i a n b hoben in Genf den Bericht geprüft, ben Botschafter Ärassm in her norannnonan ---sarJ.