Für den Büchertisch.
(Ein neues Buch von Rhein und Reich.
— Paul Wentzcke, Rheinkampf, 2 Bde Kurt Vowinckel, Berlin-Grunewald. 1925. (Bd. 1 387 S., Ld. 2 267 S. Mit Karten.)
Die gewaltige Schicksalswende, die das Ende des Weltkriegs für uns Deutsche brachte, hat das eine Gute, uns zu vertiefter Auffassung von unserem Volksheil und unserem Lebensraum, von unserer Geschichte und unserer geistigen Wesensart zu zwingen. Wir steigpn zu den Ursprüngen und schöpfen aus ihnen die Kraft zu gesammelter Schau und zu begründetem Wollen.
2lus diesem Drange ward die Jahrtausendseier geboren, die uns in diesem Jahre vom Rhein her die tausendjährige Reichsgeschichte aufleuchten laßt; aus diesem Drange heraus entsteht die ^ulle der Werke, in denen die deutsche Geistigkeit sich heute der Probleme von Volk, Nation und Staat zu bemächtigen sucht.
Sy Stegemann hat in seinem großen Buche vom „Kampf um den Rhein" „in Uebereinstimmung mit geographischen Verhältnissen und strategischen Gesetzen" den Kampf um den Rhein als den gewaltigen Schicksalskampf der Deutschen geschildert, der nunmehr in eine neue Phase getreten ist. Paul Wentzcke läßt auf dem Hintergrund dieser Gegebenheiten die Geschicke von Rhein und Reich in den „1000 Jahren deutscher Schicksalsgemeinschaft" vor uns abrollen, die seit der Reichsgründung Heinrichs 1. zu Anfang des 10. Jahrhunderts verflossen find. Welch unendliche Fülle: Die Mannigfaltigkeit der Gebilde, in die das Leben der deutschen Lande am Rhein sich nach den Zeiten der Kaiserherrlichkeit im alten Reiche auseinander legte, so daß das Land am Strom auch heute noch in eine verwirrende Vielheit von politischen Einzelindividuen zerfällt! Sie alle aber doch, von der Quelle bis zur Mündung, eine verborgene Einheit, von der aus das Leben gar gewaltig über die deutschen Lande ausströmt: sie alle, ob im Norden oder im Süden gelegen, schicksalhaft verbunden, ob sie es wissen oder nicht, durch den Kampf um den Strom, der seit 2000 Jahren nunmehr zwischen Römern und Germanen, zwischen Franzosen und Deutschen ausgefochten wird, ohne zu einem Ende zu kommen.
In den acht Abschnitten des ersten Bandes entfaltet sich das gewaltige Epos: von den „Anfängen" zur „Deutschen Kaiserzeit am Rhein" (925—1275), und zur Schilderung ihres „Erbes" (1275—1437). Das „Zwischenspiel" des vierten Abschnitts ist dem „Aufbau der deutschen Landesstaaten am Rhein" gewidmet. Der fünfte führt „vom Mittelalter zur Neuzeit" (1438—1556). Im sechsten Abschnitt entfaltet sich das gewaltige Drama des Zusammen- stoßes der großen Mächte „im Kamps um den Rhein" (1556—1807), das zum Zusammenbruch des alten Reiches führt. Aus den Trümmern aber ringt sich das neue Leben zu „Befreiung und Aufttieg" auf (1807—1914). „Rückschau und Ausblick" fasien Vergangenheit und Gegenwart zu eindrucksvoller Ueberschau zusammen und zeigen, daß sich auch heute wieder neues Leben am Strome zu entfalten beginnt. „3n einer einzigen großen Schicksalsgemeinschaft reckt sich das Großdeutschland unserer nationalen Sehnsucht aus tausend Jahren rheini- scher Geschichte und Kultur als Hoffnung und Aufgabe unseres staatspolitischen Wollens empor".
Tausend Jahre deutscher Geschichte, vom Rhein und von den Schicksalen der Menschen und Staaten am Rhein aus geseyen, das ist der Inhalt des außerordentlichen Buches, in dem die Weite und Tiefe des - geschulten politischen Historikers sich mit dem leidenschaftlichen Temperament des deutschen Politikers und Patrioten zu prachtvollem Zusammenklang verbindet.
- Der zweite Band ist der Gegenwart gewidmet. . Er trägt den Untertitel: Im Kampf um Rhein F und Ruhr (1919—1924). Neun Aufsätze des Ver- ' fasiers sind aneinandergereiht und runden sich zum r großen Bilde von der Not, der. Gefahr und der Gegenwehr der fünf Jahre, vom Verlust Elsaß-Loth- ringens bis zum „stillen Kampf um Rhein und Ruhr", bis zum „Wiederbeginn des nationalen Selbstvertrauens, das die Nation fünf volle Jahre
, hindurch verloren hatte".
Das Ganze ist in einer Sprache geschrieben, die dahinbraust wie die Wogen des Stroms, besten Geschichte sie kündet: voll und kräftig, von dem starken Rhychmus glutvollen Erlebens getragen und doch maßvoll und gebändigt. Fr. König.
Politik und Geschichte.
— Unsere Generation, die in wenigen Jahren Höhen und Tiefen des nationalen Lebens kennen- gelern hat, die nach einem politisch und wirtschafllich beispiellos schnellen Aufschwung nun auf einem Trümmerfeld steht, aus dem sich erst langsam neue politische Formen gestalten, hat besonderes Interesse, über die Ereignisse der letzten Jahre Authentisches zu erfahren. Es wird ihr das nicht gerade leicht gemacht durch die Unsumme von Publikationen mehr oder weniger Berufener, die „mit dabei waren" und glauben, „etwas zu sagen zu haben". Dies trifft sicherlich zu für den langjährigen Pressechef der • Reichsregierung Exzellenz Hammann, der nach einer Reihe tagebuchartiger Veröffentlichungen jetzt in einem starken Band „Deutsche Weltpolitik 1 8 90 — 1 9 1 2" (bei Reimar Hobbing, Berlin SW. 61) zusammenfassend schildert, wie sich ihm die deutsche Vorkriegspolitik seit dem „Neuen Kurs" darstellt. Das Buch ist ungemein anschaulich, fast spannend geschrieben, bietet des Neuen und Jnter- estanten übergenug und läßt doch nicht die klare Linie vermisten, was bei der Fülle des Materials nahe läge. Hammann charakterisiert scharf die durch die Persönlichkeit Kaiser Wilhelms II. in die Außenpolitik hineingetragenen Eigenarten: den Hang zum lauten Mitspielen, Ungeduld und Unbeständigkeit, ■ Unkenntnis des Wirklichen zugunsten des ’ Wünschenswerten. Für Haymiann liegt der Hauptfehler der kaiserlichen Außenpolitik in der falschen Behandlung Englands. Dem Bau der Schlachtflotte, der zunehmenden deutsch-englischen Entfremdung nach dem Ausschlagen britischer Bündnisangebote, folgte eine Abschwächung des englisch-französischen und englisch-russischen Gegensatzes, folgte der Versuch des Kaisers zur Bildung eines Kontinentalbundes, folgte die Isolierung Deutschlands. — Eine in den Grundzügen nicht wesentlich andere Darstellung der politischen Entwicklung gibt der Chefredakteur des „Berliner Tageblattes" Theodor Wolff in seinem Buch „Das Vorspiel (Verlag für Kulturpolitik, München), das allerdings nur bis zür bosnischen Krisis und dem Sturz des Fürsten Bülow reicht. Wolff hat als langjähriger Pariser Korre-
pondent seines Blattes diese Jahre intensiv miterlebt und weiß manches Neue zu berichten, manches in einem neuen Licht erscheinen zu lassen. 256
— Auch auf der Gegenseite schwillt die politische Memoirenliteratur an. Der britische Premierminister während des Kriegsausbruchs H. H. A s q u i t h (jetzt Lord Asquith and Oxford), Jahrzehnte hindurch Führer der Liberalen im Parlament, gibt eine interessante Darstellung der Vorgeschichte des Weltkrieges in seinem Buche „Ser Ursprung des Krieges" (Verlag für Kulturpolitik, München). Naturgemäß ist sie eine Darlegung und Verteidigung des britischen Standpunktes, in vielen Punkten sehr aigreifbar und wenig überzeugend, aber interessant durch die beigegebenen Dokumente. 268
— Während die militärische Geschichte des Weltkriegs durch Veröffentlichungen aus beiden Lagern heute im wesentlichen klar vor aller Augen liegt, ruht auf weiten Gebieten seiner politischen Ge- chichte noch schwer durchdringlicher Nebel. Die Schürzung des Knotens in der Vorgeschichte und die Katastrophe der Tragödie im Versailler Diktat harren heute noch der Aufklärung durch die Oeff- nung der Ententearchive. Dagegen kann man bezüglich des Umschwungs, der sich mit dem Namen. Kaiser Karl, Prinz Sixtus von Parma, Erzberger und Czernin verknüpft, heute, nachdem alle Beteiligten gesprochen haben, die reine geschichtliche Wahrheit feststellen. Der Hallesche Historiker F e st e r hat keine Mühe gescheut, aus den unmittelbaren Quellen ein festes Tatsachengerüst zu erbauen, das Ursachen und Wirkungen völlig überblicken läßt. Die Ergebnisse hat er in seinem eben erschienenen Buche „Die Politik Kaiser Karls lind der Wendepunkt des Weltkriegs" (I. F. Lehmanns Verlag, München, geh. 8 Mk., geb. 10 Mk.) niedergelegt. Die Pläne der Bourbonen auf den Thron von Frankreich, die Heiratspolitik der Häuser Parma und Braganza, die geheimen Reisen des Prinzen Sixtus, die Tätigkeit Erzbergers, alle diese bisher so geheimnisvollen Dinge werden unparteiisch durchleuchtet und aufgehellt. Die Friedensaktion Wilsons, das Friedensangebot vom 12. Dezember 1916, die Erklärung t)£S uneingeschränkten U-Boot-Kriegs, die Krisis im Ententelager, die Verhandlungen Oester- reicy-Ungarns mit der Entente, die Friedensresolution des Reichstags, die päpstliche Friedensaktion, die Vorgeschichte der großen Offensive und das Ende des Zweibundes, werden in den Zusammenhang gestellt, in den sie gehören und der sie erst verständlich macht. 424
— Wilhelm, Kronprinz, Ich suche d i e W a h r h e i t! Ein Buch zur Kriegsschuldfrage. (Ganzleinen 7,50 Mk. I. G. Eottasche Buchhandlung, Stuttgart.) Aus dem Willen, seinem Vaterlande nach besten Kräften zu nützen, hat der Kronprinz ein Werk geschaffen, das mutig den Kamps aufnimmt gegen die erdrückende Last von Liiaen, die böser Wille und Aberwitz auf das deutsche Volk und seine Führer gehäuft haben, um ihnen allein die Schuld an dem furchtbaren Kriege aufzubürden, durch den wir gehen mußten. Schritt für Schritt an- kämpfend gegen die Scheingründe und trügerischen Schlüsse, auf denen der Versailler Vertrag ruht, wird die ganze Hohlheit und Unhaltbarkeit seiner Voraussetzungen auf Grund aktenmäßiger Darlegungen nachgewiesen, und es wächst aus diesem Nachweis mit zwingender Gewalt die Erkenntnis, daß Deutschland nicht im Sinne des Vertrages von Versailles die Schuld am Kriege trägt, daß Deutschland weder systematisch den Krieg vorbereitet hat, noch daß es eine den Nachbarvölkern unerträaliche Hegemonie der Welt erringen wollte. Das Buch des Kronprinzen Wilhelm, das ohne Betonung irgendeines Parteistandpunktes zu jedem deutschen Manne sprechen will, ist eine Tat, mit der der Kronprinz erwiesen hat, daß er als Mitkämpfer werktätig neben allen deutschen Männern steht, die um die deutsche Freiheit ringen.
— General Suat: Hindenburg. Von dem berühmten Buch des bekannten französischen Generalstäblers und Militärschriftstellers, einer objektiven Würdigung der Persönlichkeit und des Werke^ der deutschen Heerführers, die beide ehrt, ist in der Münchener Allgemeinen Verlagsanstalt nun auch eine deutsche Ausgabe erschienen, die gerade jetzt, wo Hindenburg erneut an die Spitze seines Volkes berufen ist, auf Interesse rechnen darf. 312
Generalleutnant Keim, der bekannte Führer des Wehrvereins, hat seine Erinnerungen unter dem Titel „Erlebtes und Erstrebtes bei Ernst Letsch. Hannover herausgegeben, em Buch das farbig und interessant geschrieben, em wichtiger Beitrag für die Geschichte der deutschen Militärpolitik in den letzten dreißig Jahren ist, voll interessanter Cinzelzüge und Erinnerungen an bedeutsame Persönlichkeiten, zugleich das Zeugnis für ein der Wehrhastmachung des deutschen Volkes rastlos gewidmetes Soldatenleben. 400
— Deutschland in d e n weltgeschichtlichen Wandlungen des letzten Jahrhunderts. Von Professor Dr. F. Schnabel. In Leinwand gebunden 8,— Mk. B. G., Teubner, Leipzig. — Das Buch gibt nach einem gedrängten Ueberblick über die die deutsche Geschichte beherrschenden Probleme eine kurz gefaßte und doch lebhaft und fesselnd geschriebene Darstellung der deutschen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, m den Zusammenhang des weltgeschichtlichen Verlaufs gestellt. Die Geschichte des deutschen Staates steht dabei im Mittelpunkt, sie erscheint aber aufs engste verknüpft mit der geistigen und wirtschaftlichen Entwicklung des deutschen Volkes, wie dies auch in den dem Buche beigegebenen 16 Bildnissen führender Männer des deutschen Volkes zum Ausdruck kommt. Das Buch ist geschrieben in weiser Beschränkung auf das Wesentliche, mit sicherem Gefühl für das, was aus der Vergangenheit lebendig und wirksam geblieben ist, ein Volksbuch im besten Sinne des Wortes. 236
— Gottlob Eghaaf, der durch seine unentbehrlichen Jahresübersichten bekannte Stuttgarter Historiker, rundet seine „Geschichte des 19. Jahrhunderts" nach rückwärts ab. Streng sachlich, zweckmäßig gegliedert, über den Einzelheiten nicht die große Linie einbüßend, das sind auch die wesentlichen Züge des neuen Werkes, das nun in seiner Gesamtheit sich bald viele Freunde gewinnen wird. (Verlag Carl Krabbe in Stuttgart) 327
Alfons Goldschmidt: Wie ich Mo s° kau wiederfand (bei Ernst Rowohlt, Berlin W. 35). Der Verfasser gibt die Bilanz der letzten fünf Jahre in Sowjetrußland und einen bemerkenswerten Ausblick in die Zukunft.
— „D ie Schlacht bei Vpern 1914“, die der neueste Band der vom Reichsarchiv her- I ausgegebenen Schriftfolge „Schlachten des Weltkrieges" (Verlag Stalling. Oldenburg) behandelt. erweckt in uns die Erinnerung an das
Heldentum des besten Teiles des deutschen Voltes, zugleich allerdings auch an den furchtbarsten Aderlaß der deutschen Jugend, die freiwillig bei Kriegsbeginn aus Universitäten und Werkstätten, aus Fabriken und Schulen zu den Fahnen geströmt war und bei Vpern mit einer in der Geschichte aller Zeiten kaum gesehenen Begeisterung unter dem Gesänge vaterländischer Lieder die im Begriff der Erstarrung stehende Front zu durchbrechen versuchte. Diese Schlacht, an der über 5 Korps beteiligt waren, so schildern zu wollen, daß sie sich klar vor dem Auge des Lesers aufbaut, und zugleich dem höchsten deutschen Heldentum gerecht wird, stellt eine Aufgabe dar, die zugleich einen Historiker und einen Dichter erforderte. Das Reichsarchiv hat dieses Mann in Werner Beumelburg gefunden, der bereits in dem Bande „Douau- mont" derselben Folge den Beweis seines hohen Könnens erbracht hatte. Die naturalistische Schilderung „Douaumont" ist besonders in den Kreisen der Frontkämpfer als eine Darstellung, von der man sagt, „so ist es gewesen und so haben wir es empfunden", begrüßt worden. Einen Begriff, welche gewaltigen Anforderungen der Krieg unserer Zeit an den Menschen stellt, übermittelt der neue Band Bstern 1914 in erschütternder Weise. Als ein Denkmal höchsten deutschen Heldentums wird die Arbeit Beu- melburgs in den ungezählten deutschen Familien, die bei Vpern ihr Bestes auf dem Altäre des Vaterlandes opferten, begrüßt werden. 412
— R. G. Binding:AusdemKriege (bei Rütten & ßoentng in Frankfurt a. M., geb. 7 Mk.). Weg einer Wandlung nennt der Dichter diese Briefe und Tagebuchblätter, die sein Erleben des Weltkrieges spielen, der Kampf eines wahrhaften, aufrechten Menschen mit dem Schicksal seiner Zeit. 253
Natur und Kunst.
— Seinen beiden Jtalienbänden läßt Kurt Hieb s ch e r einen entzückenden Band, „D i e ewige Stadt" folgen (Verlag Ernst Wasmuth A.-G.) ein neues Wunder der Kamera, diese Wanderung durch die Jahrhunderte, die sich in den Trümmern, den Palästen, Kirchen und Gärten Roms ein Denkmal gesetzt haben. Ganz besonders schön erscheinen die Aufnahmen aus den Gärten Tivolis, dem Forum Romanum, den römischen Parks. (Preis gebt). 12,50 Mark.) 251
— Rudolf Schiestl, Fränkische Wanderungen. 40 Bleistiftzeichnungen. Mit einer Einführung von Dr. Heinrich Höhn. Volksverband der Bücherfreunde, Wegweiser-Verlag G. m. b. Sy, Berlin-Charlottenburg 2, Berliner Straße 42/43.— Alle Schiestlschen Werke, seien es nun Gemälde, Steinzeichnungen, Linoleum- oder Holzschnitte, haben ihren Nährboden in Naturstudien, die in der Werkstatt daheim, auf Schlendergängen durch.fränkische Städte und auf Wanderungen durch das hei- matliche Land eingeerntet wurden. Die meisten sind mit weichem Bleistift auf dünnes, weißes Papier klar und einfach hingezeichnet, man könnte sagen: fast mühelos hingeschrieben. Im vorliegenden Band vereinigen sich eine im Beisein des Künstlers getroffene Auswahl der nach vielen Hunderten zäb- lenden Studien aus feinen Skrizenbüchern. Da sie meist aus den Jahren 1913 bis 1920 herrühren, also der vollen Reife seiner künstlerischen Entwicklung angehören, geben sie eine sehr deutliche und einprägsame Vorstellung von dem Lebensgefühl, dem Wesen und den Mitteln der zeichnerischen Kunst dieses starken Gestalters. ö75
— Rothenburg o. d. Tauber. Ein Führer durch Geschichte und Kunst. Mit einem Stadtplan und über 100 Bildern von E. (Eger, G. Müller und I. Zeller. Mit Geleitwort von Prof. Dr. P. Bonatz. Verlag von Hans Kling, Bad Mergentheim. Preis 2 Mk. Rothenburg bietet eine Fülle von Schönheit und Anregung, gleicherweise für den, der kommt, sich in Vergangenes zu versenken und alte Kunst zu genießen, wie für den, der forschen und lernen will. Für jeden wird, das reichhaltige Büchlein ein willkommener Führer sein. 334
Schöne Literatur.
— Die schön st en Erzählungen von S t e u b. Ausgewählt und eingeleitet von Josef Hofmiller. Mit einem Bilde des Dichters- (Langens Auswahlbände, Band 22), Preis gebunden 4 Goldmark. Verlag von Albert Langen in München. — Mit Spitzweg vergleicht Josef Hofmiller den Dichter Ludwig Steub in der kurzen Einführung, die er dem Auswahlbande von dessen schönsten Erzählungen ooranfteUt. Wahrhaftig, wie Spitzwegsche Gestalten muten die lieben Menschen an, die er darstellt: der Bauernmaler Duldenhofer — ein Prachtkerl! — Die frischen Mädel und Buben, die doch etwas Besinnliches haben in ihrem jungen Blute, die kernhaften Gesellen in den gemütlichen bayrischen und tiroler Wirtsstuben. Aus derselben Zeit stammend, wie Spitzwegsche Kunst, so altmodisch herzlich, in einem so kostbaren Humor und in leiser, gutmütiger Ironie gesehen, so fein und fbuber hingepinselt in alt- meisterlicher Beherrschung der Mittel; Schöpfungen eines feinen Künstlerherzens, das menschenkundig ist und doch von einer Liebenswürdigkeit und Liebesfähigkeit, als hätte es die Sonne all der Sommer in sich getrunken, die die Meisterhand malt. Der Humor allein, der aus den hellen Augen des Erzählers funkelt, der alles Muckerhafte und Allzumenschliche verspottet und doch in seiner Liebesfülle auch noch den „Schwarzen Gast" mit einem freundlichen Schimmer umgibt, dieser Humor allein muß schon alle Herzen gewinnen. 390
Rudolf Borchardt, dessen dichterische und kulturelle Sendung von Jahr zu Jahr sichtbarer wird, gibt in einem schmalen, vom Verlag Ernst Rowohlt, Berlin SW 35, liebevoll aus gestatteten Bande „Ausgewählte Werke" einen Querschnitt durch sein gesamtes Schaffen. 407
— Eine Gesamtausgabe des Angelus S i - l e f i u s veranstaltet die Allgemeine Derlagsanstalt, München, in drei buchkünstlerisch wohlgelungenen, von H. L. Held sehr sorgfältig durchgesehenen Bänden. Daß bereits die zweite Auflage nötig wurde, zeigt, wie sehr man das Fehlen einer umfassenden Ausgabe der Werke des großen Mystikers empfand. Bedeutsam ist auch die Einleitung des Herausgebers, ein guter Führer zu den Schönheiten des Dichters.
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— ©eftalten und Probleme der rheinischen Dichtung der Gegenwart von Dr. Ernst Hengstenberg. Verlag von Franz Borgmeyer, Hildesheim. Don einem Rheinländer wird hier, nicht in trockener philologischer Abhandlung, auch nicht mit wissenschaftlicher Akribie, aber dichterisch geschaut und gefügt, plastisch gestaltet mit rheinischem Temperament, ein grotzangelegtes Bild der rheinischen
Dichtung gegeben. Schars Umrissen Jetten WB tÄt rheinischen Gestalten, Künder rheinischen Geistech, und Seelenlebens einzeln hervor, gewinnen das ihnen eigentümliche Leven und stellen sich in Ihrer Kunst und in ihrem Charakter in geprägter Deuütche feit dar. Wie ein Dichtwerk lieft sich das Buch, aus- beste unterhaltend, unmerklich oelehrend, das Wißen erweiternd und in die Materie selbst zwanglos und aufschlußreich hineinführend. Selbst die umfang» reiche Bibliographie ist durch beigegebene Charakteristiken, die der betreffende Dichter teilweise selbst beigesteuert hat, dem Philologischen enthoben und dem Dichterischen nahegerückt. Eine Reihe namhafter rheinischer Dichter, wie Josef Ponten, Josef Winckler, Nikolaus Schwarzkopf, Adele Gerhard u. a. sind mit Originalbeiträgen vertreten, die ihre Selbstcharakteristik ausmachen. 369
Rüstig schreitet die monumentale Tolstoj- Ausgabe des Berliner Verlages Bruno Casst r e r voran. Als neuester Band erscheinen die „Vvlkserzählungen und Legenden", die vielleicht die bekanntesten Schöpfungen des groben Russen enthalten. Eine Durchsicht des stattli<chen Bandes eröffnet aber noch neue ungeahnte Schätze, die in der schönen Ausgabe gewiß bald Volksgut werden. 426
— Von Theophil Gautier., dem großen französischen Romantiker, erscheinen foeb?fi im Aoa- lius-Verlag (Hellnau bei Dresden) die gesammelten Werke. Ein Künstlers des Stils, ein entzückender Plauderer und feinsinniger Psychologe offenbart sich in diesen Romanen, die K. M. Schultheiß mit charakteristischen Zeichnungen ausftattete. Eines der größten Schätze der französischen Literatur sind durch diese neue geschmackvolle und billige Ausgabe dem deutschen Volke erschlossen. 361/63
— Selma Lagerlöf. Der Ring des Generals. (Ganzleinen 5 Goldmark. Verlag von Albert Langen in München.) — Gin neues Buch der Lagerlöf! Eine tolle Gespenstergeschichte von dem gestohlenen Königsringe des toten Grafen Löwensköld auf Hedebh. des tapfern Generals Karls XII. Eine Geschichte. die aus Ewigem kommt, in Ewige- wandert. Da erzählt fie uns, wie in schlafloser Rächt die Dämonen zu spielen belieben mit den Menschenherzen, wie sich diese Herze« selber über ihre eigenen Absichten betrügen. Wie sie überzeugt sind, das Beste zu wollen, noch, als sie das Schlimmste tun. Wie Unheil sich an diese unselige Tat heftet, wie das gestohlene Kleinod jedem den Tod bringt, der eS berührt, dem Schuldigen wie dem Llnschuldigen. Selma Lagerlöf erzählt in diesem Buch, daß es zu jener Zeit so armselig zugegangen wäre in Värmeland, daß nur eines die Menschen vor Kopfhängerei, ja vor Verzweiflung bewahrt habe, etwas ganz Einfaches: das Feuer ihres Herdes. Vor der spielenden Herdflamme wurden ihre Seelen zu spielenden Flammen, spielten mit sich selber das Spiel von Tod und Leben in Geschichten und Märchen. Das gab ihnen Wärme. Buntheit, Blühen. Solch eine spielende Flamme am Herdfeuer der Menschheit ist Selma Lagerlöf. 417
— G ambattista Bico: Die neue Wissenschaft von der gemeinschaftlichen Natur der Völker, übersetzt und eingeleitet von E. Auerbach (Allgem. Verlagsanstalt in München). Ein Vorläufer der modernen Kulturphilosophen ist dieser italienische Philosoph des 18. Jahrhunderts, sein Werk eine Zu- sammenfassung europäischen Geistes, wie sie vor ihm wohl nur Dante gelang. 234
Wirtschaft und Recht.
— Liefmann, Prof. Dr. Robert: Vom Reichtum der Nationen. Untersuchungen über die sogenannten Reparationsfragen und die internationalen Verschuldungs- und Währungsprobleme. Karlsruhe. Verlag G. Braun. Halbl. 5,80 Mark. Dieses Buch ist die erste deutsche wissenschaftliche Kritik an den Reparationslösungen in ihren theoretischen und weltwirtschaftlichen Zusammenhängen. Es wird untersucht, welche Folgen die bisherigen internationalen Regelungen durch die einseitige Reichtumssteigerung haben müssen, und zwar nicht nur in Deutschland, sondern auch in den „reichen" Landern. Auf der Grundlage seiner Theorie des Reichtumsausgleichs gelingt es Prof. Lief- mann, die großen Gefahren bedingungsloser Erfüllung aller Welt klar aufzuzeigen. Es ist eine Stimme, die in allen Ländern von den Politikern, Volkswirtschastlern, Wirtschasts- und Organisation^- fühkirm gehört werden muß. 409
— Eine neue Auflage, die dreizehnte, von W. H Riehls berühmter „Raturgeschichte deS Volkes als Grundlage einer deuffchen Sozialpolitik', und zwar des 3. Bandes „Die Familie" gibt der Eottasche Verlag soeben heraus. Ein klassisches Buch wird uns damit neu ge- schenkt, klassisch nach der unvergleichlich klaren und schönen Diktion, klassisch auch nach historischsozialpolitischer Auffassung. 206
— Don den Aufwertungsgesehen erschien soeben in der Guttentagschen Sammlung eine Ausgabe, die sich durch eine von Reichs- gcrichtsrat Michaelis geschriebene Einleitung über die Entwicklung der Aufwertungsgesetzgebung und eine aus derselben sachkundigen Feder stammenden erläuternden Ülebersicht über den Inhalt der Gesetze auszeichnet. 3m übrigen zeigt diese Ausgabe die bekannte Zuverlässigkeit des Ge- schestertes. enthält auch die LImrechnungstabellen sowie bereits die Verordnung vom 21. 3uli 1925 über die Einrichtung und das Verfahren der * Aufwertungsstellen. Ein gut gearbeitetes Sachregister schließt das kleine Büchlein. 452
D i e neuen Aufwertungsgeseye (Hhpothekenaufwertungsgeseh und Anleiheablö- sungsgeseh) vom 16. 3uli 1925. Für die Praxis erläutert mit Ausführungsbestimmungen, Aufwertungskalender, Goldmarktabellen und eingehender Behandlung sämtlicher, also auch der in den neuen Gesehen nicht ausführlich geregelten Aufwertungsfragen von Dr. Otto Warneyer. Reichsgerichtsrat und Dr. Fritz Koppe. Rechtsanwalt. (Preis. Leinen 6,80 Mk. — Industrie- Verlag Spaeth & Linde, Berlin W 10.) 3n knapper Form werden hier nicht nur die einzelnen Paragraphen der neuen Aufweriungs- gesehe erläutert, sondern auch die sonstigen Aufwertungsmaterien, die in den neuen Aufwertungsgesehen nicht geregelt sind, unter Anführung der bisherigen Rechtsprechung dargestellt. Eine systematische Einführung, eine Zusammenstellung der zunächß zu beachtenden Termine und Kristen, ein Aufwerturigskalender, sowie eine Gegenüber- I stellung der alten und neuen Vorschriften erleichtern in ausgezeichneter Weise dem Leser daS Eindringen in die neue Materie. 457


