Ausgabe 
10.8.1925
 
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"Cent Dr. Ri e h e r vermag nicht den Lärm zu übertönen und dem Redner Gehör Ku verschaffen. Als nach etwa 10 Minuten Lärm Abg. Rippe! die Rednertribüne verläßt, klatschen die Kommu­nisten in die Hände.

Vizepräsident Dr. Richer weist wegen der Lärmszenen den Abg. Reubauer (Komm.) aus dem Saale.

Abg. Ehrhardt (Z.)

kam zunächst auf die Idee der Vereinigten Staaten von Europa zu sprechen, die von den. Zollgegnern vertreten wird. Die Zentrums­partei habe volles Verständnis für ein derartig weit gestecktes Ziel. Es scheine nur, als sei man von einer europäischen Zollunion noch außer- orbentlich weit entfernt. Die Welt um Deutschland habe sich hochschuhzöllnerisch einge­stellt. Wenn Deutschland in der Gegenwart einen Abbau der Zollschranken in der Welt erreichen will, dann müsse es zollpolitische Gegenmaß­nahmen ergreifen, weil kein Llnterhandler mit leeren Händen anderen Staaten begreiflich machen könne, daß sie ihre Zollschranken beseiti­gen müssen. Für das Zentrum sei die Frage Schutzzoll oder Freihandel keine prinzipielle Frage, sondern eine solche noch der Zweckmäßig­keit. Dabei müsse die Wirtschaftspolitik einen Ausgleich schaffen zwischen Industrie und Landwirtschaft. Der Kreditmangel wirke in Deutschland lähmend. Der innere Absatzmarkt sei geschwächt und in der Welt begegne die deutsche Industrie hohen Zollen und scharfer Konkurrenz. Es sei ein offenes Geheimnis, daß sich unsere größten industriellen Werke mit wenigen Aus'- nahmen in nicht geringen finanziellen Schwierig­keiten befänden. Wenn der Industrie heute eine allgemeine Zollfreiheit zugebilligt werde, mühten diese Industriezweige m kurzer Zeit zum Erliegen kommen. Dann würde die Arbeitslosigkeit so groß werden, daß die indu­striellen Arbeitermassen mit aller Entschieden­heit von der Regierung zollpolitische Maßnahmen verlangen würden. Es sei notwendig, daß die Regierung vor aller Welt zum Ausdruck bringe, daß unsere hohen autonomen Zölle nicht eine hochschutzzöllnerische Wirtschaftspolitik einleiten sollen, sondern daß mit ihnen das Ziel verfolgt wird, einen freien Güteraustausch in der Welt wieder in die Wege zu leiten. Zur Frage der Agrorzolle wies der Redner darauf hin, daß durch die Industriezölle die Produktionsmittel der Landwirtschaft verteuert würden. Die Landwirtschaft habe in Deutschland eine zweifache Bedeutung. Einmal als Abnehmer für die Industrieerzeugnisse und dann als Produ­zent von Lebensrnitteln und Rohstoffen. Es würde kaum möglich sein, für die nächste Zeit die Ausfuhr in notwendigem Maße zu steigern. Daher sei eine starke Steigerung der landwirt­schaftlichen Produktion unbedingt notwendig. Eine starke Intensivierung und Industrialisierung der deutschen Landwirtschaft müsse dos zu erstrebende Ziel fein. Ein mäßiger landwirtschaftlicher Schutz­zoll sei erforderlich, weil mün auf einen In-- dustriezoll nicht verzichten könne. Das Zentrum stützt sich bei seiner Haltung auch auf die Mehr­heit des EnqueteausschusseS.

Damit schließt die allgemeine Aussprache. Gegen 7.30 Uhr vertagt das Haus die Einzel- beratung der Zollvorlage auf Montag.

Steuergesetze und Finanzaus­gleich im Reichsrat angenommen

Berlin. 8. Aug. (IM.) Der Reichsrat nahm heute sämtliche Steuergesehe in der Fassung des Reichstages an, auch den Finanzausgleich. Gegen diesen stimmten nur Bayern und Hessen.

Die Jigarettensteuer im Reichstags-Steuerausschuh.

Berlin, 8.2Iug. CSU.) Der Reichstags- Ausschuß für 6teuerfragen beriet den Entwurf einer Verordnung über die steuerliche Belastung der Zigaretten, der die Zustimmung des Reichs­rates gefunden hat. Ministerialdirektor E r n st schilderte die durch den angenommenen Zigaret- tenfleuerenttourf geschaffene Lage. Es handele sich darum, die Höhe der Banderole n- steuer und der M a t e r t a I ft e u c r so zu be­messen. dah sie für die Zigarettenfabrikation tragbar fei und die Herstellung bil­liger Zigaretten nicht befeitige. Die -Reichsregierung glaube dem Wunsche der Ziga- retten-Industrie nach größerer Bewegungsfrei­heit in der Kalkulation durch Herabsetzung des geltenden Fabriksteuer-Satzes soweit entgegen- kvmmen zu sollen als es möglich erscheine, ohne den sicheren Eingang der aus der Tabaksteuer zu erwartenden Beträge zu gefährden. Die äußerste Grenze für eine Umstellung der Steuer liege nach ihrer Auffassung bei 20 Prozent Fabrik­steuer. Er bitte um Annahme der Vorlage Rach kurzer Aussprache wurde die offizielle Sit­zung geschlossen und in eine private Aussprache eingetreten.

Die

Wettkirchenkonferenz.

Die Optarrteufrage.Der Völkerbund.

Stockholm, 9.2lug (HS.) Auf Antrag von Dr. 21 k i n s o n -Reuhork und Prof. D e i f£ mann -Berlin widmete die Weltbundkonferenz der Flüchtlings- und Minvritäten- frage eine besondere Sitzung. Der General- fefretär des amerikanischen Kirchenbundes, Dr. Mac Farland, hatte zwei Resolutionen über die Austreibung deutscher Op­tanten aus Polen und über die Frage der religiösen und nationalen Minderheiten aus­gestellt, die er mit großem Ernst unter Hinweis auf die schweren politischen Gefahren begründete. Prof. D e i h m a n n dankte unter warmen Wor­ten für das Mitgefühl für die Ausgewiesenen, daß der amerikanische Führer diese Frage auf- rollte. Die amerikanische Kirche hätte die Auf­gabe, ein Clearing House zu fein für die Wirren der europäischen Lage. Generalsuper­intendent D u r s ch-Warschau leugnete nicht die Härte der polnischen Ausweisungen und die der Griechen aus Kleinasien. Der wegen seiner Deutschfeindlichkeit bekannte Warschauer General­superintendent bat Mac Farland. sich auch einmal in Warschau zu informieren. Die Minoritäten mühten mehr und mehr lernen, die Loyalität gegen ihre neue Obrigkeit als eine gottgewollte Pflicht zu betrachten.

Gegen diese Auslassungen führte der Dest- schweizer Roger Dornand unter großem Bei­fall der Decsammlung aus, die Ob tonten» rusweifungen auS Polen mit ihren Unge­

heuerlichkeiten fei durchaus der Vertreibung der kleinasiatischen Griechen gleichzustellen.

Gencralsuperintendet Blau, Posen, betonte, daß die Loyalität der Minderheiten gegen die Obrig­keit ihres Staates selbstverständliche Pflicht sei, aber es sei nicht illoyal, wenn die Mitglieder ihre teuersten geistigen Güter sich zu erhalten wünschten. In ergreifenden Worten legte et dann die Wirkungen der Optantenausweisungen auf das kirchliche Leben der Posener evangelischen Kirche dar. Die Resolutionen Mac Far- l a n ds wurden dem Exekutivausschuß des Welt­bundes überwiesen. Die ganze Verfammlung war von regstem Interesse und von tiefster Sympathie für die Verriebenen erfüllt.

In der Frage der militärischen Macht des Völkerbundes bekannte man sich nach Ausführungen der englischen Bischöfe von Lincoln und Worchester und des Reichsgerichtspräsidenten Dr. Simons, Leip­zig, zu der Heberzeugung, daß der Einfluß des Völkerbundes in dem Maße wachse, wie er sich entschließt, sich mehr auf Moral als aus Gewalt zu stützen.

Rachdem am Samstag die zweite Tagung des Weltbundes internationaler Freundschaftsarbeit der Kirchen ihren Abschluß gefunden Hal, wurde gestern mit zwei feierlichen Gottesdiensten, in deren erstem der Landesbischvs von Sachsen, D Ihmels, vor Vertretern fast aller christ­licher Bekenntnisse predigte,

die Laguna des Internationalen Ausschusses der Weltkirchen-Konserenz eröffnet.

Die Aufgabe des Ausschusses ist es, die in dieser Woche zusammentretende große Kirch en-Ver­sammlung vorzubereiten. Es waren über 100 Kirchenführer aus arten Kirchen und Konzil­gruppen eingetroffen, darunter von der kontinen­talen Gruppe die Bischöfe der skandinavi­schen Länder, Finnland, Estland, Ver­treter des schweizerischen und franzö­sischen Protestantismus, au5 Deutschland die Präsidenten des Deutschen Evangelischen Kir- chenausschusses und des Kirchentages, Dr. Kap- l e r und Freiherr von Kezhmann, von der britischen Gruppe an Stelle des Erzbischofs von Canterbury der Lordbischof von Winche­ster. Die Amerikaner sind geführt von dem bekannten Kirchenmann Brown, die grie­chisch-katholische Kirche von den Erz­bischöfen von Sofia und Bukarest. Die Ver­handlungen, die heute, Montag, beginnen, stehen unter der G i'iung des schwedischen Erzbischofs Soderblom. Die ganze Woche wird den Be­ratungen der etwa 13 Kommissionen gewidmet sein, die das Material zu den Fragen internatio­naler Beziehungen, Politik, Ethik und anderem zu prüfen haben, die den Gegenstand des Konzils bilden sollen. Die Hauptverhandlungen, zu denen etwa 600 Abgeordnete aus allen Ländern der Welt erwartet werden, darunter 70 aus Deutsch­land. werden am 19. August beginnen. Am gestri­gen Rachmittag fand ein Empfang der De­legierten des Weltbund-Kongresses bei dem deutschen Gesandten, Dr.-von Rosenberg, statt.

Der Aufstand in Syrien.

Berschleierungsversuche der Pariser

Behörde.

Paris, 10. Aug. (TU.) Das Kriegsnüniste- rium teilt mit, daß bisher von General oa r = r e i I nur kurze Telegramme eingegangen seien und ein ausführlicher Bericht über die Lage in Syrien durch diplomatischen Kurier nicht vor Montag er* wartet werden dürfe. Die Depeschen des Generals Sarrail besagten lediglich, daß sich in der Zeit vom 5. bis 7. August keine bemerkenswerten militärischen Ereignisse abspielten und die Lage im Drusengebiet wiederhergestellt fei. Die Telegramme übergehen aber sonst die Er­eignisse vom 5. August. Ein Teil der Presse erklärt sich von dieser Mitteilung wenig befriedigt. Es helfe nichts, die Tatsache zu verschleiern, daß die Ko­lonne des Generals M i ch a u d vom Feinde in ihrer Ruhestellung überrascht und ein Batail­lon auf gerieben sei. Zehn Flugzeuge, die gesamte Artillerie und das Proviantmaterial seien dem Feinde in die Hände gefallen.

Daß die Regierung über die Ereignisse in Sy­rien besser unterrichtet ist, als die offiziösen Mit- teilungen erkennen lassen, beweist der soeben ge- K Beschluß, zwei Bataillone der Jretn- legion sofort nach Syrien zu ent­senden. Rach einem weiteren Telegramm haben sich zwei starke französische Kolonnen in der Re­gion von Suaida verschanzt. Die Drusen wollen die Garnison aushungern.

Ministerpräsident P a i n l c d c hat gestern Pressevertretern ebenfalls eine Erklärung über die Vorgänge in Syrien abgegeben. Danach soll der Aufstandsbewegung keine große Bedeutung zukom­men, weil nach verbürgten Nachrichten innerhalb der Familien der Aufständischen weitgehende Mei­nungsverschiedenheiten bestünden und einzelne Mitglieder dieser Familien entschieden die Wieder­aufnahme einer franzosenfreundlichen Politik befür­worteten. Wegen der wachsenden Gärung habe der Oberkommandierende zu Demonstrations- zwecken eine 175 Mann starke Kolonne entsandt, die von einem überlegenen Feind zum größten Teil niedergemacht worden fei. Nur 60 Soldaten seien der Gefangennahme entgan­gen. Einer Strafexpedition unter General Michaud hätten die Drusen die Munitionskolonnen abgenommen, so daß die Infanterie sich wegen Munitionsmangel haben zurückziehen müs­sen. Der kommandierende Offizier habe sich durch eine Gewehrkugel getötet, um der Gefangennahme zu entgehen. Die französischen Verluste seien noch nicht bekannt, weil der Schluß des Telegramms des Generals Serrails noch fehle. Seit dem 5. August hätten die Drusen nicht mehr ernsthaft angegriffen. Sueida werde zur Zeit noch von den französischen Truppen gehalten. Der Abg. Ferry hat eine Inter­pellation über die Ereignisse in Syrien angemeldet.

Der Amerika-geppelin für den Luftverkehr.

Aeuyork, 10. Aug. (SIL) Hays Ham- monb hat dem Präsidenten Cvolidge in Gegenwart Hoovers den Vorschlag ge­macht, ihm das Luftschiff »Los Angeles" gegen eine bestimmte Iahresmiete zu überlassen, weil er eine Luftverkehrslinie zur Be­förderung von Passagieren und Frachten zwischen Reuhork, Chicago und St. Louis ein­zurichten beabsichtige. Wenn sichLos Angeles" bewährt, will Hammond weitere Luftschiffe für diese Linie in Betrieb nehmen. Die Re­gierung scheint den Vorschlag erwägenswert zu firtben. Der Präfibent Cvolidge gab ihn an den Marineminister Wilburn weiter.

Kleine politische Nachrichten«

An Spenden für die Optanten im Schneidemühler Lager sind eingegangen: 30 000 Mark von der Stadt Berlin. 2000 Mark vom Deutschen Roten Kreuz, je 1000 Mark von der Kronprinzessin Cäcilie und dem Deut­schen Offiziersbund, je 500 Mark vom Landesbund Preußisches R o t e s K r e u z und vom Hauptoerband der Vaterländischen Frauen vereine.

Dresden, 8. Aug. (SU.) Der ehemalige sächsische Ministerpräsident Dr. Erich Z e i g n e r, der bekanntlich wegen Bestechlichkeit und anderer Vergehen zu 3 Iahren Ge­fängnis verurteilt worden war, ist im Wege der Einzelbegnadigung durch den Iustiz- minister Bünger begnadigt worden. Am 30. August wurde die Hälfte der von Zeigner abzubüßenden Strafzeit verflossen sein.

*

Der estnische Außenminister P u st a ist, von Paris kommend, in Berlin eingetroffen. Zu seinem Empfang auf dem Bahnhof Friedrichstraße waren der e st nische Gesandte und die Herren der Gesandtschaft erschienen. Außenminister Pusta wird heute um 12.30 Uhr vom Reichspräsidenten und um 1.15 Uhr vom Reichsaußenminister Dr. Stresemann empfangen werden.

Aus aller Welt.

Furchtbarer Doppelmord bei Breslau.

In der Rächt zum Sonntag wurden in dem Breslauer Vorort Bi/chofs Walde der Di­rektor des Botanischen' Instituts und Professor an der Breslauer Universität Rosen, der im 60. Lebensjahre stand, sowie sein Hausmeister, der Schuhmachermeister Stock ermordet. Prof. Rosen, ein .Bruder des früheren Außenmini st ers Rosen, war durch einen Kopfschuß, der Hausmeister durch mehrere Ham- merschläge getötet worden. Die Wirtschaf­terin von Professor Rosen, ein Fräulein Re u- m a n n, wurde vorläufig inHaftgenommen. Mitbewohner des Hauses war außerdem noch die 23jährige Adoptivtochter von Prof. Rosen, ein uneheliches Kind der Wirtschafterin. Die ver­haftete Haushälterin wurde gegen Morgen i n einem Kleintierstall vor gefunden, wohin sie angeblich geflüchtet war, als die Ein­brecher in das Haus eingebrungen waren. Die Polizei schenfte ben Angaben jedoch keinen Glau­ben. Es wird vielmehr vermutet, daß die Hau s° hälterin die Tat begangen hat. um sich durch die Erbschaft ihrer unehelichen Tochter, des Adoptivkindes des Professers, in den Besitz des Vermögens des Professors zu setzen.

Der Nacht-D-Zug Berlin München verunglückt.

Nürnberg, 10. Aug. (TA.) Der am Sams­tagabend um 1/38 Uhr aus München abgelassene O-Zug 115 ist auf der Strecke R egensburg H 0 f zwischen den Stationen Wernberg und Luhe in der Rähe von Weiden auf einen Güter­zug aufgefahren. Der Anprall deS zumeist mit Ferienreisenden voll besetzten Zuges war so stark, daß 20 Wagen des Güterzuges auS den Schienen gehoben und zum Teil zertrümmert wurden. Die Lokomotive des v» Zuges sprang aus den Schienen. Die nachfolgenden Wagen leg­ten sich seitwärts. Unter den Insassen des Zuges entstand eine Panik. Rach den bisherigen Fest­stellungen wurden zwei Personen getötet, zwei schwer und elf leichter verletzt.

Wie die Morgenblätter berichten, soll das Zugunglück durch einen unglücklichen Zufall verursacht worden fein. Der Güterzug hatte einen Maschinendefekt und muhte längere Zeit auf freier Strecke halten. Der Lokomotivführer des v-Zuges habe angegeben, daß er vor der letzten Dlockstqtion das Haltesignal be­merkt habe. Auf sein Zeichen mit der Dampf­pfeife wäre freie Fahrt gegeben worden. Plötzlich seien dann in einer Kurve die Schluß­lichter des Güterzuges aufgetaucht. Er habe sofort gebremst, aber den Zusammenstoß nicht mehr aufhalten können.

Dreifacher Selbstmord.

Ein erschütterndes Familiendrama ereignete sich in Erfurt. Der der Unterschlagung und Beraubung von Briefen beschuldigte Post­schaffner Göpsert war durch die Polizei abge­führt worden. Rach einem umfassenden Ge­ständnis kehrte er nach Hause zurück und fand dort die Wohnung verschlossen. Rach gewalt­samem Oeffnen fand er seine Ehefrau und den neunjährigen Sohn in ihren Betten 101 auf. Eie hatten aus Scham über die Schande, die über die Familie gekommen war, den freiwil­ligen Tod durch Gasvergiftung gesucht. In seiner Verzweiflung wählte der Mann die gleiche Todesart. Alle drei wurden am Mor­gen von Hausbewohnern tot aufgefunden.

Jür Schaffung einer deutschen volkskurzschrist.

Die Hauptversammlung des 7. Steno­graphentages Stolze-Schrey nahm eine Entschließung an, die sich für die Schaffung einer deutschen Volkskurzschrist bei möglichst geringem Aufwand an Kraft und Zeit und gleichzeitig ge­nauer Darstellungsweise ausspricht. Die sogenannte Einheitskurzschrift entspreche diesen An- forberungen in keiner Weise, weshalb der Verbands- oorstand beauftragt wurde, mit den andern Organi­sationen zur Erreichung dieses Zieles znsammenzu- arbeiten.

Auslösung der Philosophischen Akademie in Erlangen.

Die Philosophische Akademie zu Erlangen teilt mit: Die Vorstandschaft der Philosophischen Akademie zu Erlangen hat beschlossen, eine außer­ordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen und auf die Tagesordnung u. a. die Auflö­sung der Philosophischen Akademie zu setzen, da der Vorstandschaft die Erreichung des Zieles der Akademie, die Zusammenarbeit der verschie­denen philosophischen Richtungen aller Länder, nach den gegebenen Verhältnissen und auch auf der jetzigen finanziellen Grundlage, nicht mehr möglich erscheint. Mit der Vertretung der Akademie bis zur Mitgliederversammlung ist Präsident Geheimrat Hensel, Erlangen, ge­meinsam mit dem Sekretär betraut.

Schnelle Justiz.

Lemberg, 6. Aug. (WB.) Se rMörder des polnischen Polizeiagenten Cechnowski D e t - Win ist heute morgen vom Standgericht zum Tode veru rteilt worden. Da der Präsrdent der Republik das durch den Fernsprecher über­mittelte Begnadigungsversuch verwarf, wurde heute nachmittag um ein älhr das Urteil vollstreckt.

Opfer des Meeres.

Am Strand von Boulogne spülte eine Flut­welle eine Anzahl Kinder weg, die einer hier weilenden Ferienkolonie angehörten. Bisher wur­den 11 Leichen geborgen. Verschiedene werden noch vermißt.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 10. August 1925. I

Einweihung

des Waldsportplatzes des D. f. B.

Bei herrlichstem Sommerwetter marschierten Punkt 11 Tlhr, Iunge und Aktive des Vereins um den Denkma lsplatz und nahmen Auf­stellung, die Kapelle Topp eröffnete die Feier mit dem Riederländischen Dankgebet. Der Ehrenvorsitzende des Vereins, Dr. Knoppler. hielt eine packende Gedächtnisrede. Die Feier gelte denen, die mit und im Glauben an Deutsch­lands Zukunft hinauszogen. Ihr Mut, ihr Opfer­sinn, ihr Pflichtgefühl, ihre ^eifterung müsse uns ein mahnendes Beispiel fein. Ihrem Ge­dächtnis fei dieser Stein geweiht. Der Vor­sitzende Georg A l b 0 l d legte mit einem Steu- gelöbnis für die 25 Gefallenen einen Kranz nieder. Die Musik spielte das Deutschlandlied. Angehörige der Gefallenen schmückten den Sockel des Denkmal mit Blumen. An bet'-Feier be­teiligte sich als Vertreter der Stadt Beige­ordneter Dr. Seib. Das Denkmal ist in der Südostecke des Platzes unter Tannen und Dirken aufgestellt mit Blumen und Rasenbeeten ein­gefaßt. Einfach und schlicht erhebt sich inmitten eines Steinsockels ein Granitfindling von 2 Meter Höhe. Er zeigt einen Stahlhelm, unter dem die Widmung steht: Denen, die in Kraft und Schön­heit für uns starben. Eine Messingplatte mit den Ramen der 25 Gefallenen wird noch auf dem Stein angebracht werden.

Zu der offiziellen Platzeröffnung hatte sich eine große Menschenmenge trotz der glühenden Augustsonne auf dem Sportplatz eingesunken. Unter den Gästen befand sich auch Ministerialdirektor Professor Ur stabt. Um 41 Uhr rückten die Mannschaften unter Marschmusik auf ben Platz und nahmen vor ber Terrasse Aufstellung. Beig. Dr. Seib sprach namens der Stadt.

Die Eröffnung des Spartplahes sei ein Ereignis besonderer Bedeutung. Der Ver­ein habe mit frischem, frohem Mute die Errichtung des Platzes in Angriff genommen und den Plan trotz vieler Schwierigkeiten so gestaltet, daß man sagen müsse, es gibt in Deutschland wenige so schön gelegene und ausgestattete Sportplätze. Der Verein arbeite mit an dem großen Ziele der kör- perlichen Ertüchtigung des deutschen Volkes. Die Stadt Gießen als Eigentümerin von Grund und Boden erkenne dankbar an, was der Verein mit bewunderungswürdiger Tatkraft ausgeführt habe und spreche dem Verein die herzlichsten Glück­wünsche zur heutigen Eröffnung aus. Dr. Knop p- I e r gab im Auftrage des Vereins dem Gefühl ber Freude Ausbruck und weihte den Platz der Stäh­lung ber deutschen Jugendkraft. Er dankte der Stadt, die mit Rat und Tat den Verein unter­stützt habe, er sprach den Mitgliedern Dank aus für die selbstlose und opferfreudige Mitarbeit. Be­sonders hob er die Verdienste des Mitgliedes Karl P10 ch als des eigentlichen Erbauers hervor ; er habe sich in dem Platze selbst ein Denkmal gesetzt. Der Redner schloß mit einem dreifachen Hipp hipp Hurra! auf das deutsche Vaterland, wonach das Deutschlandlied gesungen wurde.

Darauf traten die Mannschaften zum ernsten Wettkampf an. Das erste Spiel der Jugend des festgebendey Vereins wurde gegen Marburg mit 3: 0 gewonnen. Die übrigen Wettspiele brachten für ben Verein schwere Rieberlagen und Enttäu­schungen. Allerbings muß gesagt werden, daß der Fußballsportoerein Frankfurt einer der besten Deutschlands ist, Gießen wehrte sich anfangs erfolg­reich, bann fiel es ab und erlitt eine Niederlage 12:0. Das dritte Spiel ging ebenfalls hoch ver- loren gegen Homberg mit 7:1.

Der offizielle Einweihungsball ver­sammelte abends zahlreiche Mitglieder im Saale zur Liebigshohe, als Mitwirkende sind zu nennen der Tenorist Kurt Richter und die Kapelle Topp. Dr. Knöppler hob in einer kprzen Ansprache nochmals die Verdienste der Kameraden hervor, die sich um die Errichtung des Sportplatzes große Mühe gemacht hatten, z. D. den Vorsitzenden AI« bald, Henkel, B r e i t w i e s e r, Vereinsdiener Need und als ben verdientesten Karl P l 0 ch. An Herrn Breitwieser überreichte er eine Uhr. Karl Ploch wurde zum Ehrenmitglied ernannt, erhielt eine Ehrenurkunde, ein Werk über Sport und eine Fruchtschale als Anerkennung seiner Verdienste. Die Glückwünsche des Gaues Hessen-Hannover überbrachte ber Gauvertreter persönlich.

Wir wünschen dem Verein für Bewegungs­spiele auch fernerhin beste 'Erfolge und vor allem bie wohlwollenbe Unterstützung der Behörde, um sein Werk zum guten Ende führen zu können. K°l.

Wettervoraussage.

Stärkere Bewölkung, gewitterhaft und Rrc» derschlagsneigung, etwas kühler.

Der nordwestliche Wirbel rückt nordostwärts weiter. Damit wird für unseren Bezirk das Zuströmen von westlicher kühler Luft bedingt, die zunächst Veranlassung zu Gewttterbildungen geben wird.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 28,8 Grad Celsius, Minimum 16,5 Grad Celsius. Heu­tige Morgentemperatur 23,8 Grad. Celsius.

*

Zur Dersassungsfeier werden Platzkarten außer der in der Anzeige am Sams­tag bekanntgegebenen Zeit auch noch nm Dienstag von 11 bis 1 Ähr an der Kasse des Stabttheaters ausgegeben.

** Sonntagv-Son Verzug nach Kas - sei. Am Sonntag, 16. August 1925, fährt von Frankfurt a. M. ein Sonderzug mit nur 4. Wagen­klasse nach Kassel, ber besondere Vorteile bie­tet. Die Teilnehmer an dieser Fahrt genießen eine Fahrpreisermäßigung von einem Drittel des gewöhnlichen Fahrpreises. Der Zug fährt in Frankfurt a. M. (Hauptbahnhos) ab um 6.18 Uhr vormittags, hat Einsteigegelegenheit in Frankfurt- West um 6 26 Uhr. in Vilbel um 6.42 Uhr. in Friedberg um 7.04 Uhr, in Bad-Nauheim um 7.12 Uhr, in Butzbach um 7.28 und in Gießen um 7.50 Uhr vormittags. Ankunft in Wilhelinshööe um 9.52 Uhr und in Kassel um 10 Uhr vormittag-. Die Rückfahrt wirb in Kassel um 7.2-5 Uhr nr': mittags unb in Wilhelmshöhe um 7.35 Uhr na* mittags angetreten. Die Teilnehmer haben somit reichlich Zeit für den Besuch von Kassel. Wilhelb'k- höhe usw. Ankunft in Gießen 10.01 Uhr. in Butzbach 10.26 Uhr, in Bab-Nauheim 10.58, in