Ausgabe 
10.7.1925
 
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Blatt

175. Jahrgang

Freitag, A Juli (925

r.

Die französische Niederlage in Marokko

Annahme der Kriegs

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mäßige Wirkung und vergleicht damit wie er sich durch die neuen Vorschlag

orschläge ergibt. Für

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rbeiter Wilhelm rn für die Ge-

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmitlag vorher ohne jedeDerbindlichkcit.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlichZ, auswärts 10 Goldpfennig; für Re- Klame-Anzeigen o 7vn m Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschnft 20' ,Auf» schlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilletoru 3. D.: Ehrhard (Eoers; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein;für den Anzeigenteil: Hans Deck, sämtlich in Gießen.

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I3 und Klauen-

»örhten sich den Kommunisten anschliehen, damit iie Aktion gegen den Krieg zu einem guten -Mle geführt werden könne. Wenn man auch de Kommunisten verfolge, so würden sie doch die

:n Gegenstände. L bis 30. Juni gemeldeim Met Dekcmni-

Pvlizeiamt, n.

Ht. 159 Erstes Erscheint täglich, außer Sonn« und Feiertags.

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Heimat im Bild. !NonatS'»<;ugrpreir:

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Die Opposition gegen das Marokko-Abenteuer

Kredite. Ständiges Vordringen der Rifkabylen

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Übertreter, daß Ainden- der Fall ß« erheben. tln*nu ethxittet.

Die französische Wahlreform.

Paris, 9. Juli. (Wolff. Die Gesetzgebungs- kommifsion der Kammer beschäftigte sich gestern mit der W a h l r e s o r m. Nacheinander wurden der An­trag über die einfache Rückkehr zur Arrondissements- wahl mit 14 gegen 12 Stimmen abgdehnt, und die Rückkehr zur Departementslistenwahl mit 22 gegen 3 Stimmen abgelehnt; dann der Antrag, in den Är- rondisfements, in denen mehrere Abgeordnete ge­wählt werden müssen, Listenwahlen vorzunchrnen, mit 17 gegen 6 Stimmen. Der Geseßgebungsaus- schuß der Kammer hat also keine positive Arbeit geleistet, und es wurde schließlich beschlossen, die Frage der Wahlreform bis Oktober zu vertagen.

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tun sich schlagen.

Ministerpräsident Paiuleve habe d e Dot- Scndigkeit gezeigt, Abd el Krim zu beweisen, d<tz, wenn Frankreich geneigt sei, Frieden zu schließen, es ihn nicht etwa mache, weil ! *5 Furcht habe. Krieg zu führen. Jetzt müsse Md el Krim bewiesen werden, daß Frank­reich den Kampf führe.

gebe kein Beispiel von glücklichen Friedens- nHandlungen, die nicht begleitet waren von

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Die Verhandlungen sollen erst nach Ankunft Äoulins in Marokko beginnen, falls nicht unvorhergesehene Ereignisse eine schnellere Einleitung von Verhandlun­gen notwendig erscheinen lassen.

Das Ergebnis der Marokko-Konferenz.

Paris, 9. Juli. (WTD.) Wie dem3ourn. aus Madrid gemeldet wird, hat die französische spanische Konferenz gestern das Protokoll und die die ileberwachung zu Lande betreffen­den Akten, die der französischen Regierung augen­blicklich zur Ratifizierung vorliegen, unter­zeichnet. ,

Bezüglich der Tangerfrage hat Spa­nien vorgeschlagen, Ueberwachungsposten in be­stimmte Zonen von Tanger einzusetzen, um den Machenschaften derjenigen, die zum Schaden Spa­niens und Frankreichs ihr Handwerk treiben, ein Ende zu machen. Man würde schwer be­greifen, wenn England sich dieser Maßnahme widersehe, da man sonst Gefahr laufen würde, daß Tanger zu einem Aufstandsherd gegen Spanien und Frankreich würde.

Heute wird der Abg. Malvh vor feiner Abreise nach Paris das Abkommen über die politische Zusammenarbeit der beiden Länder unterzeichnen.

Die Konferenz wird noch eine Woche dauern, denn es sind noch einige Punkte von untergeordneter Bedeutung zu erledigen. Malvy wurde vom König empfangen und anschließend batte er eine längere Unterredung mit Primo

militärischen Operationen. Diese mühten Frank­reich würdig sein.

Frieden könne man nicht schließen, wenn man zurückgehe. Titan könne ihn nut dann haben, wenn man doranschreite.

Der Abg. Fabry spricht alsdann die Hoff­nung aus, daß die Regierung nicht zögern werde, die 15 oder 16 Divisionen, die notwendig sein würden und deren Rekrutierung zum Teil in Rordafrika durchgeführt werden forme, aufzu stellen. Seine Freunde seien der Ansicht, daß Friedensverhandlungen nur möglich seien, wenn sie in gut geführten militärischen Operationen ihre Berechtigung gezeigt hätten. Der Redner tadelt alsdann das Verhalten der Kommunisten. Cachin und seine Freunde bereiteten den Gene­ralstreik vor, also den

Dolchstoß von hinten.

Das sei ein wahrer Akt des Verrats. Er for­dert auf, die verbrecherischen Um­triebe b er Kommunisten z u unter­drücken.

Rach ihm sprach der kommunistische Abg. Femando Saure. Er protestiert gegen die Rede Fabrys. Die Regierung des nationalen Blocks sei für den Marokko krieg verantwortlich. Aber die jetzige Regierung hatte das Land über die Opportunität der mrlitärischen Operationen Be­fragen sollen.

3m weiteren Verlaufe der Marokkodebatte erklärt der Abg. Rvux-Fressines, daß es sich bei der M a r o k k o a n g e l e a e n h e i t um keine politische Frage handele. Die Si­cherheit Marokkos und Algeriens stehe auf dem Spiel. Diejenigen, die davon sprächen, daß die Rifleute für ihre Freiheit kämpften, täuschten sich. Abd el Krim habe den Charakter des Rifgebiets geändert, indem er sich zum Emir-Sultan au5- gerufen habe. Er habe sich also gegen den wirk­lichen Sultan aufgelehnt und zum Heiligen Kriege aufgerufen. Frankreich habe die Pflicht, die M a - rottaner zu schützen. Aber es handele sich auch darum, Algier zu retten.

Der sozialistische Abg. Clucel, der der par­lamentarischen Enquetekommission angehörte, die jetzt aus Marokko zurückkehrte, erklärt, die Kre­dite, die man jetzt bewillige, genügten nicht, um den Krieg zu Ende zu führen. Marschall Liauthey habe im Monat 160 000 Granaten nötig. Er fordert eine Abänderung der Verwaltungs­methoden.

Auf Veranlassung des Mimsterpräsidenten wird beschlossen, die Sitzung zu unterbrechen und um 9 illjr abends zu einer Rachtsthung zusam­menzutreten.

Rach langer, oft sehr erregter Debatte wurden die Marokkokredite mit 411 gegen 21 Stimmen be­willigt.

Die französische Niederlage.

Paris, 9. 3uli. (Wolff.) Havas berichtet aus Fez, das amtliche Kommunique über die Lage in Marokko lautet: Die Ristruppen haben 10 000 Gewehre am Ouergha versammelt. Ein großer Teil dieser Kontingente übt einen Druck auf die Flußlinie zwischen Mjara und Ain-Aich aus, indem er versucht, die Stämme dieser Geg«rd, die sich zum größten Teil nach Süden zurück­gezogen haben, zu spalten. Die Absicht deS Fein­des ist anscheinend ein neuer Angriff auf Fez von Rorden und Süden her.

Vorkehrungen sind im Gange, um nördlich vom Ouerghafluh die Dissidententruppen, dre zwi­schen Kelaa-des-Sleß und Ain-Aicha stehen, zurückzuschlagen. Dieser Frontabschnitt ist ständrg bedroht. Die Stämme in der Umgegend von Taza zeigen sich beunruhigt. Ewige sind vorsichtshalber von uns entwaffnet worden. Indessen scheinen die von der französischen mobilen Truppe nördlich und östlich von Kiffane errungenen Erfolge auf diese (Stämme einen günstigen Einfluß auszuüben. Man muh besonders mitteilen, daß die durch diese Truppe seit mehreren Wochen unternom­menen Aktionen den Feind dauernd beunruhigen und ihm durch rasche und kühne Entschlüsse zahl­reiche Verluste zufügten. Die Räumung von Taza geht in aller Ruhe vor sich Der Verkehr auf der Straße Taza-Fez ist vollkommen normal.

Die Offensive Abd el Krims.

Paris, 10.3ult CSU.) Aus Fez wird gemeldet, daß der Druck der Streitkräfte Abd el Krims tm Süden des Quergha-Tales anhält. 3n der Gegend von Kelaa-Sleß wird die An­sammlung feindlicher Streitkräfte beobachtet. Der Feind scheint eine große Aktion gegen Fez vor- z übereilen.

Die französischen Friedens­vorschläge.

Paris, 10. 3uli. (THZ Rach Mitteilungen aus zuverlässiger Quelle sind Abd el Krim noch keine Friedensvorschläge überreicht worden. Es verlautet, daß in den Friedensvorschlä­gen daS Tal und die Ebene deS Ouergha- Flusses von Abd el Krim zurückverlangt werden, daß sich also Abd el Krim auf eine Demarkationslinie zurückziehen müßte; dagegen sollen den Rifleuten Zugeständnisse für die Le­bensmittelversorgung aus dieser Gegend gemacht teerten.

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"ßLrd sie wird sich auch bemühen, hierfür die' IDirigkeit der Gewerkschaften zu erzielen. Die

0 sozialistischen Abgeordneten, die ge-

2 gen d i e Kredite stimmen wollten,

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Paris, 9.3uli. (WB.) Die Kammer bc- Ichästigte sich heute nachmittag in einer Sitzung nrit Dem für den Feldzug in Marokko g rf orderten Schuhkredit im Betrage von 1M3 000 000 Franken. Davon entfallen auf das Vriegsministerium und auf das Marinemini- ftterium 7167 200 Franken.

Dor Beginn der Diskussion dementierte Mi- n sterpräsident Painlevs die falschen Ge- rirchte, die heute vormittag in Umlauf gesetzt werden seien. Man frage sich, welche Stelle «.-Li Interesse daran habe, ebenso falsche wie !Lcherliche Gerüchte zu verbreiten. Kammerprä- i !>ent Herriot erklärt, die Kammer nehme bie Erklärung der Regierung mit Freuden zur -7rnntnis.

Als elfter Diskussionsredner ergreift der lknnmunistische Abgeordnete Marcel Cachin das Wort. Die Kredite, die morgen verlangt würden, |1 Dirben sicher viel größer sein als die, die man heute fordere. Rach seiner Ansicht seien

I bereits Milliarden In Marokko vergeudet »wrden. Die Regierung verheimliche dem Lande hi t eigentlichen Ausgaben, die die französische Ansehung von Marokko erfordere. In M a« rof f o Befinde man s i ch in vollem R liege.

Ministerpräsident Painl ede ruft: Wer trägt d i e Schuld daran?

Cachin antwortet: Gewiß nicht der Redner, fre* sich im Augenblick auf der Tribüne befindet.

Vor einigen Wochen wäre ein Friede leicht |U erlangen gewesen. Vor sechs Wochen habe s sich um das Risgebiet gehandelt, heute 'vielten sich die militärischen Ereignisse weit »Dm (Rif gebiet ab. Cs sei unmöglich, zu Ileugnen, daß eine gewisse Anzahl von (Stämmen, hie Frankreich Gehorsam zugesagt hätten, sich jetjt nicht mehr gebunden fühle. Er höre immer baDon sprechen, daß Abd el Krim zuerst be­ll reft werden müsse, und daß man deshalb Ver- ckungci. und besseres Kriegsmaterial abgehen lassen müsse. Aus diesem Grunde

müsse die 'Regierung sagen, wie weit sie gehen wolle.

Er erinnert daran, daß vor einigen Jahren j| die üiga für Menschenrechte von Marschall kdyauteh gefordert habe, daß er die Er - i flärung 7)c r Menschenrechte-in Ma ° roffo übera ll anfdjlagen lasse.

Der sozialistische Abgeordnete Darennes ruft dazwischen: Wir fordern auch den Anschlag ;* 'ne ©co r g i e n. Wenn man die Diktatur von IloSfau annimmt, kann man sich nicht für die Sckklärung der Menschenrechte aussprechen.

Cachin erwidert: Ich bin für die Diktatur Proletariats, und Sie. Herr Darennes, sind ütarpft, also für die gleiche Diktatur.

Darennes erwidert: Im übrigen hat Ruß - la n b keineswegs die Diktatur des Proletariats, Imbern eine Diktatur von Tyrannen.

Cachin erinnert daran, daß Außenminister tzichon vor Jahren versprochen habe, daß die rMtärische Besetzung in Marokko nur von kurzer :: Sauet fein werde. Das sei vor 15 Jahren der ; Fall gewesen, weil Pichon die Gefahr erkannt IcEe. Das marokkanische Volk sei 15 Jahr- / iunderke frei gewesen. Wenn man es jetzt mit L, Ödoalt unterdrücken wolle, dann werde man , Ich auf einen gefährlichen Weg begeben. Mi- Müsterpräsident Palnlev 6 ruft dazwischen: |-Tenn man gegen Abd el Krim kämpft, rettet wuQTi die Einwohner Marokkos vor der Unter-

Irädung.

Cachin fährt fort: Der Parteitag vom flitzten Sonntag hat auch die militärische Räu- numg des Maroklogebiets gefordert.

Die kommunistische Partei wird den Wider- : stand gegen den Marokkokrieg organisieren,

zurückgeaangen.

Der Rebne. gibt bann einen Ueberdlick über den bisherigen Fi n a n z a u s g l e ich und feine ziffern- Den Zustand,

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oderhefsen

Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitäts-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Sietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7.

Steuerbebatte

im Hessischen Landtag.

S a rm ft a b t, 9. Juli. (Eigner Bericht.) Prä- fibent 21 b c l u n g eröffnet bic Sitzung um 9.30 Uhr. 21m Rcgicrungstisch: Staatspräsibcnt Ulrich so­wie bie Minister Henrich und Raab.

2lus ber Tagesorbnung steht der Staatsooran- schlag für 1925, und zwar Kapitel 9 und 10. Diese Kapitel behanbeln bic R e i ch s st e u e r n, bie L a n- besfteuern unb bie indirekten Auslagen. Zu Kapitel 9 beantragt ber Ausschuß, bie Einnahme mit 29 800 000 Mark zu bewilligen.

Die Einkommensteuer ist mit 22 800 000 Mark angelegt, bie Körperschaswsteuer mit 2 200 000 Mk., bic Umsatzsteuer mit 3 900 000 Mk., bie Gründer- werbssteuer mit 550 000 Mk. unb bie Rennwett- steuer mit 300 000 Mk.

Zu Kapitel 10 beantragt ber Ausschuß, bie Ein­nahme mit 34 573 000 Mk. unb bie Ausgabe mit 5 242 000 Mk. zu bewilligen.

Es liegen noch mehrere Anträge vor, doch be­antragt ber Ausschuß hierzu, diese Anträge abzu- lehnen. Mit diesen Kapiteln ist die Beratung des F i na n z ge s e tze s verbunden, über das Abg. Lux (Soz.) Bericht erstattet.

Anranzminiftcrpcnridi

führt aus: Im ursprünglichen Voranschlag waren cnsprechend dem Ergebnis des Jahres 1924 als Anteil an den Rcichsftcucrn eingestellt 33,7 Millio­nen. Es blieb ein ungedeckter Fehlbetrag von 6,7 Millionen, der mit 4,5 Millionen auf bie Gcmcin- ben abgewälzt werben sollte. In bem Nachtrag zum Bubget wird wegen der Herabsetzung der Lohn- steuer die Einnahme aus Rcichsftcucrn auf 27,9 Millionen herabgesetzt. Gleichzeitig ergeben sich für den laufenden Etat besondere neue Mittel in Höhe von 5,8 Millionen, fo baß ein

ungedeckter Fehlbetrag von 8,3 Millionen verbleibt. Hiervon sollen jetzt auf bie Oemeinben 3,4 Millionen überwälzt werben. Der Minister legt bann bar, baß im Vergleich mit einer Reihe größerer ßänber Hessen auch nach biefer Rückübcr- wälzung seine Gemeinden noch günstiger behandelt wie jedes andere Land. Der Anteil des b e fe lj t en G c b ie t e s an der Einkommensteuer im Jahre 1919 mit 49,8 Prozent ist im Jahre 1924 auf 38,1 Proz.

1925 ergäbe sich feine Verschlechterung. 19 2 6 bringe eine Verschlechterung und kein Zuschlagsrecht. Die Reichsregierung verweise in ver­stärktem Maße auf die Mietzinssteucr, darauf könne man aber den Etat nicht stützen. Der Redner schließt mit der Hoffnung, daß bei Besserung der Wirtschaft bie (Steuereingänge größer werben möchten als jetzt angenommen werden muß, baß bann gemäß dem Antrag Kaul die geplante Mehrbelastung der Ge­meinden unwirftam werden könnte.

Abg. Lux (Soz.) spricht über Steuerfragen vom Standpunkt der Sozialdemokratie aus; seiner Rede schickt er eine Bemerkung voraus, daß die gegen­wärtige Regierung die vorher versprochenen Re­formen noch nicht durchgeführt habe. Die weiteren Ausführungen gründen sich auf bie Ansicht, daß bie Erzbcrgersche Steuerreform zu loben sei. Er wendet sich daher u. a. gegen Uebermeifung von bestimmten Stcucrarten an die Gemeinden. Zum Schluß seiner Rede verliest Abg. Lux eine längere Erklärung der Sozialdemokratischen Partei, in ber bie Pläne der Reichsregierung zu einer Steuer­reform abgelehnt werden. Die ablehnende Haltung der hessischen Regierung wird gebilligt unb bie Er­wartung ausgesprochen, baß bie Regierung in biefer Haltung fest bleibt.

Nach ber Pause spricht als Vertreter bes Zen­trums

Abg. Weckler. Er meint, bei allen Parteien sei ber Wille zum Sparen vorhanben gewesen, nur über bie Wege sei man verschiebener Meinung. Der Rebner wendet sich bann gegen ben Bauern- b u n b. Er glaubt nicht, baß bas Zuschlagsrecht der ßänber zu ben Gemeinden einen Jdealzustand schaf­fen wird. Die mraen Steuervorschläge wären nichts anderes als die Ideen Erzbergers. Der Redner erörtert Dann die Wirkung verschiedener Steuer- arten und unterbreitet dem Hause einige Wünsche; er verlangt u. a., daß die Kirchensteuer end­lich einmal auf eine re chtkiche Grund­lage gestellt wird. Zum Schluß verliest ber Redner zum Finanzausgleich, wie er von der Reichsregie, rung geplant wird, eine längere Erklärung, die dem Sinne nach sich mit der sozialdemokratischen Erklä­rung deckt

Der Präsident teilt mit, daß ein koin mu­ri i st i s ch e r Antrag dem Hause ^gegangen ist, worin die Abberufung des hessischen Ge- sandten in Berlin verlangt wird, wegen sei­ner Abstimung über die Zollvorlage im Reichsrat.

Abg. Dr. Leuchtgens (Bbd.) bemerkt, die Reichsregierung habe das Bestreben, im Finanz­ausgleich einmal Ordnung zu schaffen. Zur Reichsregierung gehöre jetzt auch das Zentrum. Früher habe die ßinfe erklärt, nach dem Zusammen­bruch habe sie eine Konkursmasse zu verwalten unb bies als Milderuogsgrunb angeführt. Die jetzige Reichsregierung habe auch eine Konkursmasse zu verwalten. Der Finanzminister habe von einer Schicksalsgemeinschaft ber ßänber gesprochen; bas Reich müsse hier in bicse Schicksalsgemein- schäft einbezogen werben, (ßebhafter Bei­fall rechts.) Diese Frage Dürfe nicht zu einer poli­tischen gestempelt werben. Das Reich müsse einen Zwang ausüben, sonst komme in die Fmanzvcr- hältnisse keine Ordnung. Die Sondersteuer vom be­bauten Grundbesitz habe ber Sauembunb stets ab* gelehnt; sie sei ein Ausfluß ber sozialbemokratischen

£,5t fc Reifes.

ö*lbuiWfen pWnetn inner,

E Leinde * in die ln Frage

eßen:

Dandervelde bei Briand.

Paris. 9. Juli. (WTB) Ein Dericht- <rrftatter desPetit Parisien" wurde gestern abend von dem in Paris anwesenden belgischen Außenminister Dandervelde empsangen, der erklärte:

Man darf die Bedeutung meinem Besuches nicht übertreiben. Ich woUte Fühlung mit Briand nehmen. Das ist der Zweck meines kurzen Aufenthaltes in Paris. Man kann nicht behaupten, daß französisch-belg.sche Verhandlun­gen geführt werden. Gewiß, die Räumung deSRuhrgebietes macht eine technischeDer- stänbigung zwischen Belgien und Frankreich not­wendig. Die Bewegung der Truppen hat schon begonnen, denn die am 11. Januar 1923 von den belgischen und französischen Truppen besetzten Gebiete werden vor dem Termin geräumt werden, der in London bestimmt wurde, also vor dem 16. August.

Auf die Frage, ob die Städte Düssel­dorf und Duisburg-Ruhrort ebenfalls geräumt würden, habe Dandervelde nach einer kleinen Pause geantwortet: Die Besetzung dieser Städte ist eine interalliierte und nicht eine bel­gisch-französische Angelegenheit. Ihre Räu­mung macht also eine interalliierte Verständigung notwendig. Mehr will ich nicht sagen. Ich leugne nichts von dem. was ich gesagt habe und geschrieben habe, bevor ich Minister geworden bin. Jedoch habe ich jetzt andere Derantworllichkeiten, und ich kann heute nicht antworten, wie ich vor sechs Wochen ge­antwortet haben würde.

Was die Verhandlungen über den Sicher­heitspakt anlangt, kann ich nur bestätigen, daß die Sonder- und Zusatzabkommen, zu denen man sich entschließt, keineswegs den Tod des Genfer Protokolls bedeuten. Frankreich und Bel­gien Bleiben diesem Protokoll treu.

Der Berichterstatter fragte alsdann, ob die Anwesenheit Danderveldes im belgischen Außen­ministerium nicht eine Aenderuna in der bel­gischen Außenpolitik Bcoeute. Dander­velde antwortete: Man spricht von gewissen Be­unruhigungen, nicht etwa wegen der Anwesen­heit von Sozialisten im Kabinett, sondern wegen der flämischen Mitglieder in unserem Kabinett. Sagen Sie, daß d^ese Befürchtungen volükonv- men ungerechtfertigt sind. Richt ettoa weil man flämisch spricht und weil man wünscht, daß die flämische Sprache in Belgien mit der ftanzösi- schen gleichgestellt fein soll, entfernt man sich mit seinem Herzen von Frcmkreich. Die Flamen find keineswegs antifranzöfisch. Sie haben für Frank­reich die gleichen brüderlichen Gefühle tote die Wallonen. Die neue belgische Regierung mit ihren flämischen Mitgliedern wird für Frank­reich Die gleiche Liebe zeigen wie das vorcrus- gegangene Kabinett.

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jii)t eingeleitete Aktion weiterführen. ^Hebrigens pniie sie auch auf die Zustimmung gewisser ^atlamentsmitglieder rechnen, die weit von ben ioiununiftcn entfernt seien, Mitglieder, die die binmunistischen Abgeordneten in ben Wanbel- {ängen bei ben Rockschößen genommen hätten, ihnen zu sagen: Ihr habt Recht!

Der Äbg. Fabry erklärt, die Lage |et zenilich ernst, so daß man seine Ansicht über Dit Feldzug in Marokko aussprechen müsse. Die lamzösische Infanterie sei gut, aber man Dürfe tn Gegner auch nicht unterschätzen, sonst be- fyrßre man bie Gefahr herauf, halb vor fürch- tCic^ Tatsachen gestellt zu werben. Der Gegner jrcmkreichs wolle keinen Frieden, also müsse