Feuer am Nordpol.
Technisch-politischer Roman aus der Gegenwart. Von Karl-August von Laffert.
62 Sortierung (Nachdruck verboten.)
„Und Sie werden ganz allein von hier aus den Kampf leiten?" fragte Linda.
Das Telephon läutete an. Kersten ergriff den Hörer.
„Hier Kommandozentrale." Aufmerksam lauschte er der Mitteilung, dann rief er: „Sofort Alarmbefehl geben und melden, ob alle Kommandostellen richtig ausgenommen haben." Er wandte sich an Sanders: „Flugaufklärung Staffel 31 meldet das Herannahen von sieben Fliegern aus Richtung Nordpol, die auf Funkanruf nicht antworten. Es handelt sich entweder um ein feindliches Aufklärungsgeschwader oder um die Spitze der ganzen französischen Luftflotte. Ich ließ daher Alarm ansagen."
Sanders wandte sich erregt an Linda:
„Sie müssen rasch fort von hier. Am besten bleiben Sie in Ihrer Wohnung im Hause der Zentralverwaltung. Dort kann ich Sie jederzeit anrufen und über alles orientieren."
„Ist die Gefahr etwa für mich größer als für Sie? Ich gehöre zu den Gründern der Gesellschaft und verlange meinen Platz an Ihrer Seite."
„Ich bitte Sie, Frau Linda, nehmen Sie Vernunft an. Hier beginnt bald das blutige Handwerk der Männer. JhreAnwesenheit würde stören."
„Sie wissen genau, daß ich nicht stören werde, und sagen das nur, um mich, fortzubringen." Sie wandte sich an Kersten: „Herr Oberbefehlshaber, erlauben Sie mir, hier für alle Fälle einen kleinen Verbandplatz einzurichten? Ich bin als Krankenschwester geprüft und werde sofort das Nötige heranholen."
Kersten blickte zögernd auf Sanders, und als er dessen Schwanken bemerkte, sagte er:
„Hier über uns befindet sich noch ein kleinerer Raum, der bereits für diese Zwecke vorbereitet ist. Der Aufgang führt neben dem Lift nach oben. Die beim Alarm vorgesehene Schwester wird wohl sofort erscheinen."
„Dann bleibe ich bestimmt!" rief Linda. „Zwei Schwestern sind besser als eine, und oben werden mir Sie in keiner Weise belästigen."
Der List brachte zwei Offiziere der Schutztruppe herauf, die sich bei Kersten meldeten. Das Telephon rief an. Kersten schaltete den Lautsprecher ein, damit alle Anwesenden die Nachrichten hören sollten.
„Hier Nachrichtenzentrale."
„Hier Kommandant."
„Alarmbefehl wurde von allen Seiten ausgenommen. Kommando der Transportschiffe fragt an, ob es mit allen überflüssigen Fahrzeugen abfliegen solle. Die dazu beftimtmen sechs Rapidflieger stellte es zur weiteren Aufklärung bereits den Kampffliegern zur Verfügung."
„Ich erteile ihm später Befehl. Verbinden Sie mich zuvor mit Aufklärungsstaffel, falls Sprechverbindung möglich."
„Staffel 31 befindet sich augenblicklich noch über 30 Kilometer nördlich Platinia. Sie funken gerade neue Meldung, die ich sofort geben werde."
Nach kurzer Pause folgte die Meldung:
„Die gesichteten Flieger, anscheinend Franzosen, kommen in breiter Linie heran. Flugzeug 31b versuchte, sie in der Flanke zu umfliegen, wurde aber stark beschossen. Wir gehen daher zurück. 3,47 nachmittags waren Franzosen 35 Kilometer nördlich Platinia."
Kersten antwortete:
„Befehl für Staffel 31: Kampfflieger werden Feind frontal aufhalten. Staffel 31 umgeht feindliche Flanke in weitem Bogen und versucht festzustellen, ob weitere Luftstreitkräfte folgen. — Verbinden Sie jetzt mit Kommando der Kampfflieger."
Kersten wandte sich an seinen Ersten Offizier:
.Sobald es feststeht, daß weitere feindliche Kräfte im Anfluge sind, lassen Sie die Transportschiffe nach Petrolea abfliegen."
Dann befahl er dem Zweiten Offizier:
„Nehmen Sie gleichzeitige Sprechverbindung mit den fünf Beobachtungsstellen auf, halten Sie sie über alle wichtigen Nachrichten auf dem Laufenden und verlangen Sie Meldung, sobald irgend etwas vom Feinde sichtbar wird." .
Die beiden Offiziere stellten auf besonderen Leitungen die befohlenen Verbindungen her. Unter
dessen hatte sich das Kommando der Kampfflieger gemeldet.
„Sie sind durch Nachrichtenzentrale über feindliche Flieger unterrichtet?" fragte Kersten.
„Wir erhalten, wie befohlen, alle Nachrichten durch Doppeloerbindung gleichzeitig mit Oberkommando."
„Befehl für Kampfflieger: Aufsteigen und feindliche Vorhut zurückwerfen. Beim Erscheinen des feindlichen Gros allmähliches Zurückweichen bis ins Innere des Verteidigungsringes. Hier den Kampf aufnehmen, um möglichst viele der Gegner hineinzuziehen. Sobald das geschehen, gleichzeitiger Durchbruch nach entgegengesetzten Seiten, und zwar nur über Beobachtungsstände 2 und 5 weg. Die dort befindlichen Batterien werden dazu das Sperrfeuer einstellen. Der Beginn des Durchbruchs ist telephonisch zu melden. Gleichzeitig geben alle Kampfflieger Blinkzeichen für den Fall, daß die Antennen durchschossen sein sollten. Ist alles richtig verstanden, und wann steigen Sie auf?"
„Kampfflieger sind bereits in der Luft. Alles war bereit, so daß bei den ersten Worten des Befehls abgeflogen wurde. Die Rapidflieger fetzte ich schon vor fünf Minuten in Marsch. Sie sollen feindliche Flanken umgehen, um dahinter aufzuklären. — Befehl über Kampftaktik und Durchbruch richtig verstanden."
„Ich werde durch besondere Leitung ständig Verbindung mit Ihnen unterhalten!" rief Kersten. „Bitte jede auch geringfügige Beobachtung sofort melden. Schluß!"
Linda stand während dieser überraschenden Vorgänge regungslos in einer Ecke dicht neben Sanders. Sie wagte es nicht, ihn um Aufklärungen zu bitten, sondern drückte nur immer wieder in heftiger Spannung seine Hand.
Die Krankenschwester meldete sich beim Zweiten Offizier. Dieser mies sie nach oben zum kleinen Verbandraum. Da riß auch Linda sich los, um ihr zu folgen.
„So, die Maschinerie ist aufgezogen, Herr Präsident, nun wollen wir die Ereignisse in Ruhe abwarten", sagte Kersten und begab sich mit Sanders an den Kontrolltisch. Eine große Zahl winziger Lämpchen leuchtete im grünen Licht, ein Zeichen, daß die Batterien schußbereit waren. Eins dagegen zeigte
die rote Störungsfarbe. Der Erste Offizier rief bereits an und stellte fest, daß die Vorrichtung zum Nehmen der Seitenrichtung sich geklemmt hatte. Gleich darauf zeigte auch diese Batterie ihr grünes Licht.
Fünf gelbe Lämpchen bewiesen die Bereitschaft der Beobachtungstürme, ein weißes die richtige Besetzung der Ersatzkommandostelle.
Die Nachrichtenzentrale meldete:
„Ich verbinde mit Staffel 31, die durch Sprechverbindung zu ererichen ist."
Schwach und undeutlich nur ertönte der Anruf:
„Hier Staffel 31."
„Hier Kommandant. Erbitte Meldung."
„Gegner trieb uns bis dicht nach Platinia zurück. 31b erhielt beim Versuch, die feindliche Flanke zu umfliegen, unerwartet aus großer Entfernung eine Anzahl von Schüssen, die seine Tragflächen beschädigten, so daß es landen mußte. 31a wird in größerem Abstande vom Feinde den Versuch wiederholen. Da wir schneller fliegen als die Gegner, wird es gelingen."
„Wo sind die Kampfflieger?" -•
„Sie schrauben sich noch über Platinia hoch, werden gleich 2500 Meter Höhe erreicht haben. Das feindliche Geschwader zieht sich nach der Mitte zusammen."
„Sind weitere feindliche Streitkräfte gesichtet?"
„Wir konnten noch —"
Hier brach die weitere Verständigung ab. Die Nachrichtenabteilung teilte mit, daß 31a sich bereits über sechs Kilometer entfernt befände, wo die Grenzen der Sprechverbindung überschritten seien.
Der Erste Offizier meldete:
„Kampfflieger nehmen die Verfolgung des zu- rückweichenden Gegners auf. Entfernung zur Feuereröffnung war noch zu groß."
Fünf Minuten vergingen, die nur die Nachricht brachten, daß das feindliche Geschwader weiter in Richtung Grönland zurückginge.
Kersten meinte:
„Der Alarm scheint wieder einmal unnötig gewesen zu sein." Dann befahl er:
„Hälfte der Kampfflieger folgt dem weichenden Gegner, andere Hälfte macht weiteren Vorstoß in Richtung Island, aber nicht über fünfzig Kilometer Entfernung."
(Fortsetzung folgt.)
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