Damit schließt die allgemeine Aussprache. Gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten werden die geforderten Neubau- ten eines kleinen Kreuzers und fünf großer Torpedoboote bewilligt, eben- so • der gesamte Haushalt in zweiter Beratung. Der Antrag auf Streichung des Ministergehalts wird gegen die Sozialdemokraten und Kommunisten abgelehnt und das Gehalt des Reichswehrministers bewilligt Mil demselben Stimmenverhältnis wird der kommunistische Antrag abgelehnt: Der Reichswehrminister Dr. Getzler besitzt nicht das Vertrauen des Reichstags.
Cs folgt hierauf die e r st e Beratung der Gesetzentwürfe zur Vereinfachung des Militär- strafrechtes und über die
Militärgerichte.
Der Gesetzentwurf ändert das bisherige militär- gerichtliche Verfahren dahin, daß in jedem Gericht mindestens ein Offizier mitwirken muh, während bisher die Richter dem Dienstgrad des Angeklagten angehörten.
Abg. Rosenfeld (Soz.) bekämpft die Vorlage als einen Rückschritt, als eine Wieder- aufrichtung des militärischen Kastengeistes und ein Ändringen des Systems Emminger in die Militärgerichtsbarkeit. Abg. Schulz- Drom- berg (Sn.) tritt für die Vorlage ein. Das bisherige Verfahren sei höchst ungerecht gewesen, weil in Strafsachen gegen Offiziere auch Unteroffiziere oder Mannschaften als Richter mitwirken konnten und im umgekehrten Falle ausgeschaltet waren. Abg. Dierath (K.) lehnt die Vorlage als eine elende reaktionäre Stümperei ab. Abg. Drüninghaus (D. Vp.) findet in dem Gesetzentwurf eine Verbesserung des bisherigen Verfahrens. Den Mannschaften würden viele Härten erspart, die bei dem jetzigen System unvermeidlich seien. Abg. Dr. Haas (Dem.) begrüßt es, daß nach den Vorlagen unbedeutende militärische Delikte nicht mehr dem umständlichen Verfahren der ordentlichen Gerichte überlassen werden sollen. Dieser Grundgedanke über die Vereinfachung des Militärstrafrechts sei richtig. Abg. Br. Bell (3.) behält die Stellungnahme seiner Fraktion zu den Entwürfen für die Ausschuhberatung vor.
Die Vorlagen werden hierauf dem Rechtsausschuh überwiesen. Um 6.30 Uhr abends vertagt sich das Haus auf Mittwoch 2 Uhr nachmittags.
Fortdauer der Osfeufive Abd el Krims.
Paris, 10. Juni. (TU.) Rach einer Radiomeldung aus Rabat dauern die Angriffe der Truppen Abd el Krims mit unverminderter Heftigkeit a n. Die Rifleute sind in der Richtung auf Uezzan weiter vorgedrungen. Die Stadt gilt als bedroht.
Reise des französischen Ministerpräsidenten nach Marokko.
Paris, 9. Juni. (TU.) Painleve ist haute Rachmittag kurz . nach Ausgang des Ministerrates mit dem Generalstabschef General De- bene und dem Unterstaatssekretär für Flugwesen, Laurent-Ehnac. nach Torllouse abgereist, von wo er morgen früh mit seinen Begleitern in drei Flugzeugen die Reise nach Marokko fort- sehen wird.
Der unerwartete Aufbruch des Ministerpräsidenten nach Marokko erregt großes Au f seh en .und wird als Beweis dafür angesehen, dah die Lage der französischen Truppen sich in den letzten t Tagen außerordentlich verschlechtert hat. Pain- leve erklärte gegenüber Pressevertretern, daß er F bereits seit einigen Tagen die Absicht hatte, sich nach Marokko zu begeben, daß aber die * letzten Ereignisse auf dem Kriegsschauplatz ihn veranlaßt hätten, sofort nach Marokko aufzubrechen.
Der Ministerpräsident wird ungefähr 3 bis 4 Tage abwesend sein, und mit Marschall Liau» t e Y entweder in Fez oder in Rabat Besprechungen haben. Außerdem dürfte ein Besuch der Kampffront in Aussicht genommen werden. Auf alle Fälle wird Painleve aber am nächsten Dienstag wieder in Paris sein, um dem Präsidenten der Republik und dem Ministerrat über seine Eindrücke Bericht zu erstatten.
Beginn derfranzöfisch-spanischen Konferenz.
Paris, 9. Juni. (TU.) Die spanische und die französische Regierung haben sich dahin geeinigt, daß die Marokkokonferenz am kommenden Montag in Madrid zusammentriit, die eine Zusammenarbeit der beiden Länder zur Unterdrückung des Waffen- und Munitionsschmuggels erreichen soll.
Die Schlacht bei Kanton.
Paris, 9. Juni. (TU.) Nach Siner Reutermeldung aus Kanton dauert das Gefecht zwischen den Jünnan und den Regierungstruppen noch an. Beide Parteie" haben starke Stellungen bezogen. Die chinesis^'u Freiwilligen versuchten, die Arbeiter einer jap 'ichen Mine zum Streit' zu verleiten. Als sich die Arbeiter weigerten, schossen die Freiwilligen auf die Arbeiter.
Der Streik in China.
Schanghai, 9. Juni. (WTB.) Eine aus chinesischen Stauflcutcn zusammengesetzte Freiwilligenabteilung versuchte heute nachmittag, chinesische Arbeiter einer im chinesischen Stadtteil gelegenen belgischen Fabrik zum Streik a u f z u wiegeln. Da die Arbeiter es ablehnten, der Aufforderung zum Streik Folge zu leisten, tarn es zu Streitigkeiten, in deren Verlauf die chinesischen Freiwilligen auf die Arbeiter Schüsse ab- gabeu. Ein Arbeiter wurde getötet, einer schwer und mehrere leicht verwundet.
Dreitausend Matrosen von sechs verschiedcney Küsten- und Flußdampfergesellschaften sind in den Streik getreten. Die japanischen Schiffahrtsgesellschaften bekommen große Schwierigkeiten und denken daran, ihre chinesischen Mannschaften durch japanische zu ersetzen. Der Streik der Dockarbeiter hat die Arbeit in den Docks lahmgelegt. In den Häfen herrscht deshalb sehr wenig Verkehr.
Mac Neiü berichler im Unterhaus
London, 9 Juni. (WTB.) Ronald Mac Reill antworte!« im Unterlaufe auf eine Anfrage über dis Lage in China, nach den britischen, ameritanifa;cn, französischen, italienischen und japanischen Konsulatsberichten habe die Poli» zei den Ruhestörern gegenüber die größte Geduld bewiesen. Sie könnt? nicht anders handeln, als sie es tat. Die britische Regierung vertraut darauf, daß die chinesische Regierung mit den anderen beteiligten Regierungen »usammenzuarbelten wünscht, um eine gerechte und befriedigende Lö
sung für diese bedauerliche Angelegenheit zu finden. In erster Linie mühten Gesetz und Ordnung in den Fremdenvierteln w'.eder- hergestellt werden. 3n zweiter Linie wünsche die britische Regierung dem chinesischen Volk ihre Sympathie und ihr Bedauern wegen der Verluste an Menschenleben auszudrücken. Die Ausländer sehen als einen ernsten Fehler die Beschlüsse an, die zur Aufhebung der exterritorialen Rechte der Deutschen, Oesterreicher und anderer führten, da diese Aufhebung einen großen Prestigeverlust zur Folge hatte.
Aus dem .Haushaltsausschuß des Reichstags.
Der 18. Januar Nationalfeiertag.
Berlin, 9. Juni. Der Haushaltsausschuß des Reichstages beschäftigte sich bei der weiteren Beratung des Reichsinnenetats mit Drrfassungs- fragen. Reichsrnnenminister Schiele erklärte, die Reichsregierung habe sich für den Verfassungsausschuß nur auf Initiative aus dem Hanse, nicht aus eigener, erklärt, auch nicht selbst Aufträge auf Verfassungsänderungen vorbereitet. Der Deutschnationale Schlange - Schöningen bemerkte, seine Partei habe ebenfalls zur Zeit Wichtigeres zu tun, als eine grundlegende Aenderung der Weimarer Verfassung vorzubereiten. Damit war die allgemeine Erörterung abgeschlossen. In der Abstimmung wurden eine große Reihe von Entschließungen angenommen, darunter ein Antrag, die Reichsregierung zu ersuchen, einen Gesetzentwurf vorzulegen, der die Verleihung vonTiteln von Reichs wegen neu regelt. Abgelehnt wurde mit nur 14 gegen 12 Stimmen eine deutschnationale Entschließung. wonach die Reichsregierung ersucht werden sollte, einen verfassungsägndernden Gesetzentwurf vorzulegen, der schwarz-weiß-rot für d i e Reichsfarben erklärt.
Angenommen wurden deutschnationale Anträge, die wirksame Schutzmahregeln zugunsten der gefährdeten und mißhandelten deutschen Minderheiten in fremden Staaten verlangt, eine Statistik über den Umfang der ostjüdi - scheu Einwanderung seit 1914 und ein Gesetzentwurf zur Einführung eines allgemeinen Dolkstrauertages zum Gedächtnis der im Weltkrieg Gefallenen. Außerdem wurde angenommen ein deutschnationaler Antrag auf Aufhebung des Republikschuhgesetzes und ein weiterer Antrag, wonach der 18. Januar zum Nationalfeiertag erklärt wird.
Fraktionsneubildung.
Berlin, 9. Juni. (WTB.) Nachdem durch den Uebertritt des bisherigen deutschnationalen Reichstagsabgeordnelen B e st als Gast zur Deutschvölkischen Freibeitspartei die Zahl der völkischen Vertreter im Reichstage sich auf insgesamt 15 erhöhte, haben sich die Reichtagsabgeordneten der Deutschoölkischen Freiheitspartei und der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei unter Wahrung ihrer organisatorischen Selbständigkeit zu einer gemeinsamen Fraktion der Deutschvölkischen Freiheitspartet und der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (Völkische Arbeitsgemeinschaft) z u s a m m e n g e s ch (offen. Auch Ludendorss gehört dieser neuen Fraktion an.
Hessischer Landtag.
Darmstadt, 9. Juni. (Eigew Bericht.) Heute vormittag trat der Hessische Landtag zu seiner Sommertagung zusammen. Auf der Tagesordnung steht eine Reihe von Deratungsgegen- ständen, die erst erledigt werden sollen, bevor die Dudgetberatungen beginnen. Es ist hierfür der Dienstag und der Mittwoch vorgesehen. Der Donnerstag (Frohnleichnamstag) ist sihungsfrei. Der Freitag wird zur Abhaltung von Fraktions- sitzungen freigehalten. Montag, den 15. Juni, wird mit der Generaldebatte zum Budget begonnen.
Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 10' i Uhr und teilt den oben erwähnten Arbeitsplan des Landtags mit. Er meint, dah in spätestens vier Wochen dieser Tagungsabschnitt des Landtags beendet sei. Vor Eintritt in die Tagesordnung erhält
Frhr. Max von Hey l (D. Dpt.) das Wort zu zwei lleinen Anfragen. In der ersten werden Wünsche zu einer verbesserten Postzustel - lung im Kreise Worms ausgesprochen. In der zweiten wird eine bessere Bahnverbindung nach Rord- und Ostdeutschland über Frankfurt gewünscht. Die Regierungsantworten besagen im ersten Falle, daß eine Entscheidung des Postministeriums noch nicht ergangen ist. Im zweiten Falle hat sich die Reichs» vahnverwaltmrg ablehnend verhalten. Die Regierung versichert, die Angelegenheiten weiter zu verfolgen.
Das Haus stimmt hierauf ohne Debatte folgenden Regierungsvorlagen zu. Einstweilige Zurverfügungstellung der im Entwurf des Staatsvoranschlags für 1925 vorgesehenen Bankkredite. Aufbau eines weiteren Stockwerkes und eines Mansardenstockes auf das Hochbau- amt Gießen, Erneuerung der N.LnvIatoren- batterie in der Landes- Heil- und Pflegeanstalt Pbi ippöhospiial, Zuschuß zum Römisch Germanischen Zentralmuseum in Mainz, Unterricht in der Mineralogie a.t der Landesuniversität Gießen, Ausbau der Wölfersheimer Betriebe und Wasserversorgung des Forsthauses Glaubzahl, Ridda.
Zu einem Anträge des Abg. Dr. D e h - linger über die Verbesserung der Wasser- und Boden-Verhältnisse im Ried der Provinz Slar- lenburg, macht Antragsteller zu seinem Projekt längere Ausführungen, worauf nacheinander Redner verschi d ner Parteien ihre Zustimmung zur Riedsntwäfserung tunbgeben. Ab7. Schreiber (Dem.) meint, da'S Reich müsse angegangen werden, ebenfalls Mittel für dieses Kulturwerk bereitzustellen. Abg. Frhr von Heyl (D. V. P.) erklärt im Namen der Deutschen Volkspa t .l die Zust i m m u n g z i dem Projekt. Jede'AusgabefürdieRiedentwüsse- r ung fei eine W ertv er mehrung. Die Hess. Regierung möchte bei der Durchführung der Regulierungsarbeiten auch das linke Ahetn- ufer, die Gegend bei Eich und benachbarte Gebiete, berücktichligen und Mittel h erfur bereit stellen, gemäß dem Anträge, den die Deutsche Dollspartei unter Führung bed Frhr. von Heyl bereits im Landtag gestelli hat.
Minisieriald rektor liebel erwidert u. a., daß Aussicht bestehe, die R ichsreg.eran.g zu veranlassen, Mittel für die Riedentwässerung bereit zu stellen.
I Es sprechen hierzu noch mehrere Redner verschiedener Parteien: sie rühmen die Derdienste des Abg. Dr. D e h l i n g e r um die Dorarbeiten zur Riedentwässerung. Der Antrag Dr. Dehlingers wird sodann einstimmig angenommen.
Bei dem Antrag Dr. von Helmolt und Gen. über den Arbeitsbeginn im Bäckereigewerbe entspinnt sich eine längere Debatte. In dem Antrag wird ersucht, die Verfügung des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft vom 20. Februar 1925 dahin zu ändern, daß der Arbeitsbeginn für alle im Bäckereigewerbe Beschäftigten (Meister, Gesellen und Lehrlinge) von 5 Tlhr morgens ab gestattet ist. Die Mehrzahl der Redner der Linken spricht von einer Arbeitsverlängerung oder verquickt die Frage mit dem Rachtbackverbot. Abg. Haury (D. Vpt.) weist auf die Schädigung des Bäckereigewerbes hin, die mit dem späteren Backen verbunden ist. Es handle sich nicht um eine Verlängerung der Arbeitszeit, sondern nur um eine Vers chie- bung. Abg. Frhr. von Heyl (D. Vpt.) erklärt, das Frühaufstehen habe der Jugend noch nie geschadet. Namentlich die Jugend in den Städten treibe sich oft noch spät abends herum. Von einer Nachtarbeit könne keine Rede sein.
Es sprechen noch weitere Redner zu dieser Angelegenheit: die Abgeordneten der Linken sind gegen die Vorlage, die der Rechten dafür. In der Abstimmung wird ein Antrag, den Antrag von Helmolt durch eine Regierungserklärung für erledigt zu erklären, von den Sozialdemokraten, den Demokraten und dem Zentrum angenommen, damit ist der Antrag von Helmolt abgelehnt.
Zu einem Antrag der Abgg. Dr. Werner und Gen. über das Änwesen „wilder" Hausierer weist Aba. Schott (D. Vp.) auf die Schädigung des reellen Handels durch das Hausiergewerbe, das geringwertige Warenqualitäten vertreibe, hin und verlangt, daß die Kreisämter angewiesen werden, den Hausierhandel schärfer zu kontrollieren. Abg. Dr. Werner (Dull.) stimmt dem Vorredner zu: er verlangt auch eine schärfere Besteuerung der W a n d erlag e r, Der Antrag des Ausschusses, Yen Antrag Dr. Werner für erledigt zu erklären, wird angenommen.
Ein Antrag der Abgg. Eberle und Gen. auf Verlängerung der Zuckerungsfrist für Wein wird nach längerer Debatte durch die Regierungsantwort für erledigt erklärt.
Nachdem noch eine Reihe von Anträgen in älebereinstimmung mit den Ausschuhanträgen verabschiedet war, sollte über den Antrag der Abg. Dr. von Helmolt und Gen. zum Volksschulgesetz vom 25. 10. 21 beraten werden. Es handelt sich hier um den ländlichen Fortbildungsschulunterricht. Der Antrag ist un Aussuß noch nicht beraten und wird daher nach längerer Geschäftsordnungsdebatte von der Tagesordnung abgeseht.
Bei einem Antrag der Abg. Dr. Keller, D i n g e 1 d e y und Gen. über Abänderung des Volksschulgesehes (hier Fortbildungsschulunterricht) handelt es sich um die Behandlung von Fortbildungsschülern, die früher höhere Schulen, bis Obersekunda, besucht haben. Im ganzen find es 148 Schüler in Hessen. Die Regierung hat in einer Antwort erklärt, daß diese Schüler vom Besuch des Fortbildungsschulunterrichts befreit werden konnten. Abg. Dr. Keller (D. V. P.) vertritt den Standpunkt der Minderheit des Ausschusses und verlangt, daß die Kann-Vorschrift in eine Muh-Vorschrift umgewandelt wird. Nach weiterer Aussprache wird ein Antrag angenommen, die Abstimmung auf morgen zu vertagen. Schluß der Beratungen IV* Tlhr.: nächste Sitzung Mittwoch 9 Uhr.
Preußischer Landtag.
Schutzder Minderheiten irnSchultvesen
Berlin. 9. Juni. Als erster Punkt wird verhandelt die zweite Beratung des Notetats von 1925. Der Berichterstatter, Abg. E b er s b a ch (Dschntl.), berichtete, der Etat für 1925 habe infolge der politischen Vorgänge in Preußen erst Ende März dem Landtag vorgelegt werden können, und werde daher in diesem Jahre erst sehr spät zur Verabschiedung kommen. Aus diesem Grunde sei die Vorlage eines besonderen Notetats erforderlich gewesen, durch den eine Reihe von Etatposten, insbesondere für Neubauten, vorweg bereitgestellt werden sollen. Ferner sei zur vorübergehenden Verstärkung der Betriebsmittel der Generalstaatskasse ein Kredit von 200 Millionen Mark erforderlich. Der Ausschuß habe sich für die Annahme des Notetats ausgesprochen. Eine allgemeine Aussprache zum Notetat fand nicht statt. In der Einzelbesprechund wurden einige Einwände erhoben. Schließlich wurde der Nothaushalt nach den Vorschlägen des Ausschusses in zweiter Lesung angenommen und im Anschluß daran in dritter Lesung endgültig verabschiedet.
Zu dem Urantrag der Sozialdemokraten über den Schutz der Minderheiten auf dem Gebiete des Schulwesens empfiehlt der Unterrichtsausschuß, das Staatsministerium zu er» suchen, sich aus dem Gebiete des Schulwesens den Schutz der Minderheiten im Sinne des Erlasses vom 31. Dezember 1918 auch weiterhin, und zwar in vollster Loyalität, angelegen sein zu lassen.
Abg. Baczewski (Pole): Der Schutz der polnischen Minderheit ist in Ostpreußen bisher vergeblich erstrebt worden. Die Landräte machen sich nach wie vor der ärgsten Willkür schuldig. Im Widerspruch mit den Tatsachen wird in der Presse die Behandlung der deutschen Minderheit in Polnisch-Oberschlesien als eine schlechte und ungerechte angeklagt, nur um die in Preußen geübte Willkür zu bemänteln.
Abg. Stefens (D.Vp.) setzt sich mit dem Abg. Baczewski auseinander. Die Erlasse der preußischen Regierung seien durchaus loyal ausgeführt worden und es bestehe keinerlei Grund, die Regierung noch zur besonderen Einhaltung der Erlasse zum Schutze der Minderheiten aufzufordern.
Abg. Frau Voigt (D.Vp) widerspricht entschieden der Aeußernng des Abg. Baczewski von einer friesischen Minderheit. Die Friesen seien Deutsche. Der dänischen Minderheit in Schleswig werde ihr volles Recht zuteil.
Abg. Frau Wronke (Z.): Das Zentrum steht nach wie vor auf dem Standpunkt, daß den berechtigten Ansprüchen der nationalen Minderheiten im Schulwesen genügt werden muß. Wir müssen aber andererseits von diesen Minderheiten alle Loyalität verlangen. Die Respektierung der Minderheitsrechte ist nicht gleichbedeutend mit einer Bevorzugung dieser Minderheiten.
Sodann gelangt der Ausschußantrag zur Annahme.
kleine politische Nachrichte-r,
Genf, 10. Juni. (TA.) Der frühere öftcr- rcichische Bundeskanzler Seipel, dec zur Zeit eine Dortragsreise durch die Schwe'z macht, svrnch gestern in Zürich vor deutsch-schweizerischen: Pressevertretern u. a. auch über die A n sch 1 u h* frage und erklärte, das Anschlußverbot setz eine der größten Inkonsequenzen des Friedens». Vertrags. Zweifellos ergebe sich, trenn heute eine entscheidende Abstimmung stattfinden würde, eine ungeheure Mehrheit für den Anschluß an Deutschland.
*
Der Hauptausschuh der internationalen Waffenhandelskonferenz hat das Verbot der Verwendung bakteriologischer Kriegsmittel angenommen.
Rom, 9. Juni. (TU.) Zum Nuntius tn München wurde Msgr. Alberto V a s a l l o di Torregros s a ernannt. Msgr. Vasallo ist 1865 in Cataldo geboren und ist Nuntius.. in Argentinien gewesen.
London. 9. Juni. (WB.) Auf eine Anfrage im Unterhaus teilte der Regierungsvertreter mit, die Gesamtstärke der Landstreitkräfte Sowjetruhlands werde auf 1 058 000 Mann geschäht. In die Zahl seien die Reservestreitkräfte nicht einbegriffen.
Reichskanzler Dr. Luther empfing gestern nachmittag 6 Uhr die Führer der Reichstagsfrak- tionen, von den Deutschnatioralen bis zu den Sozialdemokraten, um mit ihnen die Entwaffn nunysnote, die heute Gegenstand einer Beratung irn Auswärtigen Ausschuß sein wird, zu be» sprechen.
Aus aller Welt.
Mißglückter Flug der Los Angeles.
Wie die Blätter berichten, hat das Zeppelinluftschiff „Los Angeles" auf feinem Flug nach Minnesota über 9)oungtomn (Ohio) einen Motor- d e fett erlitten, der es zwang, nach Lakehurst zurückzukehren. Das Helium hatte sich infolge der Hitze derart ausgedehnt, daß nach 24 vergeblichen Landungsversuchen, die das Schiff nur bis 100 Fuß über den Erdboden brachten, 150 000 Kubikfuß Helium ausgelassen werden mußten. Zwölf Stunden dauerten die Landungsoersuche, die zeitweise 500 Mann in Atem hielten. Wahrscheinlich tritt das Schiff schon in zwei Tagen den zweiten Flug nach Minnesota an.
Eine kanadische Polexpedition.
Nach einer Meldung aus O 11 a v a wird die kanadische Regierung unter Leitung Macken- ziens eine Polexpedition nach den in der Eisregion liegenden kanadischen Inseln entsenden, um von allen, die gefunden werden. Besitz zu ergreifen. Zur Hinterlassung von Mannschaften sollen dort Polizeistationen errichtet werden. In Washington hat man vorstehende Nachricht mit größtem Interesse aufgenommen.
Erdbeben.
In Looben und mehreren anderen Orten der Obersteiermark wurde Dienstag früh 1 Ahr 37 Minuten ein zwei Sekunden lang andauerndes Erdbeben verspürt, das so heftig war. daß die Bewohner aus dem Schlafe geweckt wurden.
Kältewelle in Amerika.
Die Hitzewelle ist längs der östlichen Meeresküste plötzlich ab geflaut. Die Temperatur fiel innerhalb weniger Stunden um 20 bis 50 Grad Fahrenheit. Die Bevölkerung, die vor der Hitze in den Parks Zuflucht gesucht hatte, mußte sich nun gegen die Kälte schützen.
Tvrnadoderherrungen in Colorado.
Nach einer Nachricht aus Wray (Colorado) wurde durch einen tornadoartigen Sturm über 100 Gebäude vernichtet und 20 Personen in einem Gebiet von 20 Quadratmeilen getötet.
Schwere Aeberschwemmungskalastrophe in Mexiko.
Nach einer Meldung aus Washington ist die Halbinsel Tehuantepec von einer schweren TIeberschwemmung heimgesucht worden. Sämtliche Flüsse sind über die Ufer getreten. Hunderte von Personen sind ertrunken und mehrere Dörfer wurden völlig zerstört.
Explosionsr „glück.
Sturqis (Kentucky). 9. Juni. (WB.) In einem Schacht bei Sturqis (Kentucky) wurden durch eine Explosion 17 Bergleute verschüttet. Es besteht keine Hoffnung auf Rettung.
Beisetzung der Opfer des Koburger Massenmörders.
Unter gewaltigem Andrang der Bevölkerung des Steinachtales fand auf dem Friedhof ©er- stungshausen die Beerdigung der Opfer des Hassenberger Massenmörders in einem gemeinsamen Grabe statt. Der Mörder wurde bei Sonnenuntergang dem alten Brauch der Gegend gemäß ohne Sarg in der Friedhofsecke begraben.
Unfall eines Fallfchirmpilolen.
Aus Naumburg an der Saale wird gemeldet: Der Fallschirm pilot Staltner aus München, der Chefkonstrukteur der Stromlinien- und Fallschirmgesellschaft, war am Samstagabend bei einem Sprung aus tausend Meter Höhe von Böen fortgetrieben worden und mußte in Bäumen landen. Dort hing er eine Stunde zwischen Himmel und Erde, bis ihn die Feuerwehr aus der Lage befreite. Nach der Reparatur des beschädigten Fallschirmes sprang Staliner am Sonntag wieder aus der gleichen Höhe aus dem Flugzeug. Der Fallschirm entfaltete sich jedoch nicht. Der Pilot stürzte zu Boden und erlitt lebensgefährliche Rückgratsoerletzungen.
Beim Ein machen verbrannt.
In Lichterfelde hat sich ein schweres Unglück ereignet. Die Ehefrau des Beamten Zwink war mit dem Einfchwefe 1 n von Einmachgläsern beschäftigt, als sich plötzlich der Schwefel entzünde i e und die Kleidung der Frau Feuer fing. Her» beieilende Hausbewohner versuchten durch Decken die Flammen zu ersticken. Ein herbeigerufener Arzt konnte nur noch den Tod der Frau feststellen.
Wettervoraussage.
Meist heiter, trocken, warm.
Die Huchdruckwetterlage dauert unverändert fort. Allerdings ist das Fallgebiet in Osteuropa etwas westlich Dorgebrungen und könnte vorübergehend Abkühlung und Gewitterstörung Hervorrufen.
ritt!
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