Ausgabe 
10.6.1925
 
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Damit schließt die allgemeine Aussprache. Gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten werden die geforderten Neubau- ten eines kleinen Kreuzers und fünf großer Torpedoboote bewilligt, eben- so der gesamte Haushalt in zweiter Be­ratung. Der Antrag auf Streichung des Minister­gehalts wird gegen die Sozialdemokraten und Kommunisten abgelehnt und das Gehalt des Reichswehrministers bewilligt Mil demselben Stimmenverhältnis wird der kommunistische An­trag abgelehnt: Der Reichswehrminister Dr. Getzler besitzt nicht das Vertrauen des Reichstags.

Cs folgt hierauf die e r st e Beratung der Gesetzentwürfe zur Vereinfachung des Militär- strafrechtes und über die

Militärgerichte.

Der Gesetzentwurf ändert das bisherige militär- gerichtliche Verfahren dahin, daß in jedem Gericht mindestens ein Offizier mitwirken muh, während bisher die Richter dem Dienstgrad des Ange­klagten angehörten.

Abg. Rosenfeld (Soz.) bekämpft die Vorlage als einen Rückschritt, als eine Wieder- aufrichtung des militärischen Kastengeistes und ein Ändringen des Systems Emminger in die Militärgerichtsbarkeit. Abg. Schulz- Drom- berg (Sn.) tritt für die Vorlage ein. Das bis­herige Verfahren sei höchst ungerecht gewesen, weil in Strafsachen gegen Offiziere auch Unter­offiziere oder Mannschaften als Richter mitwirken konnten und im umgekehrten Falle ausgeschaltet waren. Abg. Dierath (K.) lehnt die Vorlage als eine elende reaktionäre Stümperei ab. Abg. Drüninghaus (D. Vp.) findet in dem Ge­setzentwurf eine Verbesserung des bisherigen Ver­fahrens. Den Mannschaften würden viele Härten erspart, die bei dem jetzigen System unvermeid­lich seien. Abg. Dr. Haas (Dem.) begrüßt es, daß nach den Vorlagen unbedeutende militärische Delikte nicht mehr dem umständlichen Verfahren der ordentlichen Gerichte überlassen werden sollen. Dieser Grundgedanke über die Vereinfachung des Militärstrafrechts sei richtig. Abg. Br. Bell (3.) behält die Stellungnahme seiner Fraktion zu den Entwürfen für die Ausschuhberatung vor.

Die Vorlagen werden hierauf dem Rechts­ausschuh überwiesen. Um 6.30 Uhr abends vertagt sich das Haus auf Mittwoch 2 Uhr nachmittags.

Fortdauer der Osfeufive Abd el Krims.

Paris, 10. Juni. (TU.) Rach einer Radio­meldung aus Rabat dauern die Angriffe der Truppen Abd el Krims mit unverminderter Heftigkeit a n. Die Rifleute sind in der Rich­tung auf Uezzan weiter vorgedrungen. Die Stadt gilt als bedroht.

Reise des französischen Minister­präsidenten nach Marokko.

Paris, 9. Juni. (TU.) Painleve ist haute Rachmittag kurz . nach Ausgang des Mi­nisterrates mit dem Generalstabschef General De- bene und dem Unterstaatssekretär für Flugwesen, Laurent-Ehnac. nach Torllouse abgereist, von wo er morgen früh mit seinen Begleitern in drei Flugzeugen die Reise nach Marokko fort- sehen wird.

Der unerwartete Aufbruch des Ministerpräsi­denten nach Marokko erregt großes Au f seh en .und wird als Beweis dafür angesehen, dah die Lage der französischen Truppen sich in den letzten t Tagen außerordentlich verschlechtert hat. Pain- leve erklärte gegenüber Pressevertretern, daß er F bereits seit einigen Tagen die Absicht hatte, sich nach Marokko zu begeben, daß aber die * letzten Ereignisse auf dem Kriegsschau­platz ihn veranlaßt hätten, sofort nach Ma­rokko aufzubrechen.

Der Ministerpräsident wird ungefähr 3 bis 4 Tage abwesend sein, und mit Marschall Liau» t e Y entweder in Fez oder in Rabat Bespre­chungen haben. Außerdem dürfte ein Besuch der Kampffront in Aussicht genommen werden. Auf alle Fälle wird Painleve aber am nächsten Diens­tag wieder in Paris sein, um dem Präsidenten der Republik und dem Ministerrat über seine Eindrücke Bericht zu erstatten.

Beginn derfranzöfisch-spanischen Konferenz.

Paris, 9. Juni. (TU.) Die spanische und die französische Regierung haben sich dahin geeinigt, daß die Marokkokonferenz am kommenden Montag in Madrid zusammentriit, die eine Zusammenarbeit der beiden Länder zur Unterdrückung des Waffen- und Munitionsschmuggels erreichen soll.

Die Schlacht bei Kanton.

Paris, 9. Juni. (TU.) Nach Siner Reuter­meldung aus Kanton dauert das Gefecht zwischen den Jünnan und den Regierungstruppen noch an. Beide Parteie" haben starke Stellungen bezogen. Die chinesis^'u Freiwilligen versuchten, die Arbei­ter einer jap 'ichen Mine zum Streit' zu ver­leiten. Als sich die Arbeiter weigerten, schossen die Freiwilligen auf die Arbeiter.

Der Streik in China.

Schanghai, 9. Juni. (WTB.) Eine aus chinesischen Stauflcutcn zusammengesetzte Freiwil­ligenabteilung versuchte heute nachmittag, chinesische Arbeiter einer im chinesischen Stadtteil gelegenen belgischen Fabrik zum Streik a u f z u wiegeln. Da die Arbeiter es ablehnten, der Aufforderung zum Streik Folge zu leisten, tarn es zu Streitig­keiten, in deren Verlauf die chinesischen Frei­willigen auf die Arbeiter Schüsse ab- gabeu. Ein Arbeiter wurde getötet, einer schwer und mehrere leicht verwundet.

Dreitausend Matrosen von sechs verschiedcney Küsten- und Flußdampfergesellschaften sind in den Streik getreten. Die japanischen Schiffahrtsgesellschaf­ten bekommen große Schwierigkeiten und denken daran, ihre chinesischen Mannschaften durch japanische zu ersetzen. Der Streik der Dockarbeiter hat die Arbeit in den Docks lahmgelegt. In den Häfen herrscht deshalb sehr wenig Verkehr.

Mac Neiü berichler im Unterhaus

London, 9 Juni. (WTB.) Ronald Mac Reill antworte!« im Unterlaufe auf eine An­frage über dis Lage in China, nach den briti­schen, ameritanifa;cn, französischen, italienischen und japanischen Konsulatsberichten habe die Poli» zei den Ruhestörern gegenüber die größte Geduld bewiesen. Sie könnt? nicht anders handeln, als sie es tat. Die britische Regierung vertraut darauf, daß die chinesische Regierung mit den anderen beteiligten Regierungen »usammenzuarbelten wünscht, um eine gerechte und befriedigende Lö­

sung für diese bedauerliche Angelegenheit zu finden. In erster Linie mühten Gesetz und Ord­nung in den Fremdenvierteln w'.eder- hergestellt werden. 3n zweiter Linie wünsche die britische Regierung dem chinesischen Volk ihre Sympathie und ihr Bedauern wegen der Verluste an Menschenleben auszudrücken. Die Ausländer sehen als einen ernsten Fehler die Beschlüsse an, die zur Aufhebung der exterritorialen Rechte der Deutschen, Oesterreicher und anderer führten, da diese Aufhebung einen großen Prestigeverlust zur Folge hatte.

Aus dem .Haushalts­ausschuß des Reichstags.

Der 18. Januar Nationalfeiertag.

Berlin, 9. Juni. Der Haushaltsausschuß des Reichstages beschäftigte sich bei der weiteren Beratung des Reichsinnenetats mit Drrfassungs- fragen. Reichsrnnenminister Schiele erklärte, die Reichsregierung habe sich für den Verfas­sungsausschuß nur auf Initiative aus dem Hanse, nicht aus eigener, erklärt, auch nicht selbst Auf­träge auf Verfassungsänderungen vorbereitet. Der Deutschnationale Schlange - Schöningen be­merkte, seine Partei habe ebenfalls zur Zeit Wichtigeres zu tun, als eine grundlegende Aenderung der Weimarer Verfassung vorzube­reiten. Damit war die allgemeine Erörterung abgeschlossen. In der Abstimmung wurden eine große Reihe von Entschließungen angenommen, darunter ein Antrag, die Reichsregierung zu ersuchen, einen Gesetzentwurf vorzulegen, der die Verleihung vonTiteln von Reichs wegen neu regelt. Abgelehnt wurde mit nur 14 gegen 12 Stimmen eine deutschnationale Ent­schließung. wonach die Reichsregierung ersucht werden sollte, einen verfassungsägndernden Gesetz­entwurf vorzulegen, der schwarz-weiß-rot für d i e Reichsfarben erklärt.

Angenommen wurden deutschnationale An­träge, die wirksame Schutzmahregeln zugunsten der gefährdeten und mißhandelten deutschen Minderheiten in fremden Staaten verlangt, eine Statistik über den Umfang der ostjüdi - scheu Einwanderung seit 1914 und ein Gesetzentwurf zur Einführung eines allgemeinen Dolkstrauertages zum Gedächtnis der im Weltkrieg Gefallenen. Außerdem wurde angenom­men ein deutschnationaler Antrag auf Aufhe­bung des Republikschuhgesetzes und ein weiterer Antrag, wonach der 18. Januar zum Nationalfeiertag erklärt wird.

Fraktionsneubildung.

Berlin, 9. Juni. (WTB.) Nachdem durch den Uebertritt des bisherigen deutschnationalen Reichstagsabgeordnelen B e st als Gast zur Deutsch­völkischen Freibeitspartei die Zahl der völkischen Vertreter im Reichstage sich auf insgesamt 15 er­höhte, haben sich die Reichtagsabgeordneten der Deutschoölkischen Freiheitspartei und der National­sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei unter Wah­rung ihrer organisatorischen Selbständigkeit zu einer gemeinsamen Fraktion der Deutschvölkischen Freiheitspartet und der National­sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (Völkische Arbeitsgemeinschaft) z u s a m m e n g e s ch (offen. Auch Ludendorss gehört dieser neuen Fraktion an.

Hessischer Landtag.

Darmstadt, 9. Juni. (Eigew Bericht.) Heute vormittag trat der Hessische Landtag zu seiner Sommertagung zusammen. Auf der Tages­ordnung steht eine Reihe von Deratungsgegen- ständen, die erst erledigt werden sollen, bevor die Dudgetberatungen beginnen. Es ist hierfür der Dienstag und der Mittwoch vorgesehen. Der Donnerstag (Frohnleichnamstag) ist sihungsfrei. Der Freitag wird zur Abhaltung von Fraktions- sitzungen freigehalten. Montag, den 15. Juni, wird mit der Generaldebatte zum Budget be­gonnen.

Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 10' i Uhr und teilt den oben erwähnten Ar­beitsplan des Landtags mit. Er meint, dah in spätestens vier Wochen dieser Tagungsabschnitt des Landtags beendet sei. Vor Eintritt in die Tagesordnung erhält

Frhr. Max von Hey l (D. Dpt.) das Wort zu zwei lleinen Anfragen. In der ersten werden Wünsche zu einer verbesserten Postzustel - lung im Kreise Worms ausgesprochen. In der zweiten wird eine bessere Bahnverbin­dung nach Rord- und Ostdeutschland über Frankfurt gewünscht. Die Regierungsant­worten besagen im ersten Falle, daß eine Ent­scheidung des Postministeriums noch nicht er­gangen ist. Im zweiten Falle hat sich die Reichs» vahnverwaltmrg ablehnend verhalten. Die Re­gierung versichert, die Angelegenheiten weiter zu verfolgen.

Das Haus stimmt hierauf ohne Debatte fol­genden Regierungsvorlagen zu. Einst­weilige Zurverfügungstellung der im Entwurf des Staatsvoranschlags für 1925 vorgesehenen Bankkredite. Aufbau eines weiteren Stockwerkes und eines Mansardenstockes auf das Hochbau- amt Gießen, Erneuerung der N.LnvIatoren- batterie in der Landes- Heil- und Pflegeanstalt Pbi ippöhospiial, Zuschuß zum Römisch Germa­nischen Zentralmuseum in Mainz, Unterricht in der Mineralogie a.t der Landesuniversität Gießen, Ausbau der Wölfersheimer Be­triebe und Wasserversorgung des Forsthauses Glaubzahl, Ridda.

Zu einem Anträge des Abg. Dr. D e h - linger über die Verbesserung der Wasser- und Boden-Verhältnisse im Ried der Provinz Slar- lenburg, macht Antragsteller zu seinem Pro­jekt längere Ausführungen, worauf nacheinander Redner verschi d ner Parteien ihre Zustimmung zur Riedsntwäfserung tunbgeben. Ab7. Schrei­ber (Dem.) meint, da'S Reich müsse angegan­gen werden, ebenfalls Mittel für dieses Kultur­werk bereitzustellen. Abg. Frhr von Heyl (D. V. P.) erklärt im Namen der Deutschen Volkspa t .l die Zust i m m u n g z i dem Projekt. Jede'AusgabefürdieRiedentwüsse- r ung fei eine W ertv er mehrung. Die Hess. Regierung möchte bei der Durchführung der Regulierungsarbeiten auch das linke Ahetn- ufer, die Gegend bei Eich und benachbarte Gebiete, berücktichligen und Mittel h erfur bereit stellen, gemäß dem Anträge, den die Deutsche Dolls­partei unter Führung bed Frhr. von Heyl bereits im Landtag gestelli hat.

Minisieriald rektor liebel erwidert u. a., daß Aussicht bestehe, die R ichsreg.eran.g zu ver­anlassen, Mittel für die Riedentwässerung be­reit zu stellen.

I Es sprechen hierzu noch mehrere Redner ver­schiedener Parteien: sie rühmen die Derdienste des Abg. Dr. D e h l i n g e r um die Dorarbeiten zur Riedentwässerung. Der Antrag Dr. Dehlingers wird sodann einstimmig angenommen.

Bei dem Antrag Dr. von Helmolt und Gen. über den Arbeitsbeginn im Bäckereigewerbe entspinnt sich eine längere Debatte. In dem Antrag wird ersucht, die Verfügung des Mini­steriums für Arbeit und Wirtschaft vom 20. Fe­bruar 1925 dahin zu ändern, daß der Arbeits­beginn für alle im Bäckereigewerbe Beschäftigten (Meister, Gesellen und Lehrlinge) von 5 Tlhr morgens ab gestattet ist. Die Mehrzahl der Redner der Linken spricht von einer Arbeits­verlängerung oder verquickt die Frage mit dem Rachtbackverbot. Abg. Haury (D. Vpt.) weist auf die Schädigung des Bäckereigewerbes hin, die mit dem späteren Backen verbunden ist. Es handle sich nicht um eine Verlängerung der Arbeitszeit, sondern nur um eine Vers chie- bung. Abg. Frhr. von Heyl (D. Vpt.) erklärt, das Frühaufstehen habe der Jugend noch nie ge­schadet. Namentlich die Jugend in den Städten treibe sich oft noch spät abends herum. Von einer Nachtarbeit könne keine Rede sein.

Es sprechen noch weitere Redner zu dieser Angelegenheit: die Abgeordneten der Linken sind gegen die Vorlage, die der Rechten dafür. In der Abstimmung wird ein Antrag, den An­trag von Helmolt durch eine Regierungserklärung für erledigt zu erklären, von den Sozialdemo­kraten, den Demokraten und dem Zentrum an­genommen, damit ist der Antrag von Hel­molt abgelehnt.

Zu einem Antrag der Abgg. Dr. Werner und Gen. über das Änwesenwilder" Hau­sierer weist Aba. Schott (D. Vp.) auf die Schädigung des reellen Handels durch das Hausiergewerbe, das geringwertige Warenquali­täten vertreibe, hin und verlangt, daß die Kreis­ämter angewiesen werden, den Hausierhandel schärfer zu kontrollieren. Abg. Dr. Werner (Dull.) stimmt dem Vorredner zu: er verlangt auch eine schärfere Besteuerung der W a n d er­lag e r, Der Antrag des Ausschusses, Yen An­trag Dr. Werner für erledigt zu erklären, wird angenommen.

Ein Antrag der Abgg. Eberle und Gen. auf Verlängerung der Zuckerungsfrist für Wein wird nach längerer Debatte durch die Re­gierungsantwort für erledigt erklärt.

Nachdem noch eine Reihe von Anträgen in älebereinstimmung mit den Ausschuhanträgen verabschiedet war, sollte über den Antrag der Abg. Dr. von Helmolt und Gen. zum Volksschulgesetz vom 25. 10. 21 beraten werden. Es handelt sich hier um den ländlichen Fortbildungsschulunterricht. Der Antrag ist un Aussuß noch nicht beraten und wird daher nach längerer Geschäftsordnungsdebatte von der Ta­gesordnung abgeseht.

Bei einem Antrag der Abg. Dr. Keller, D i n g e 1 d e y und Gen. über Abänderung des Volksschulgesehes (hier Fortbildungsschulunter­richt) handelt es sich um die Behandlung von Fortbildungsschülern, die früher höhere Schulen, bis Obersekunda, besucht haben. Im ganzen find es 148 Schüler in Hessen. Die Regierung hat in einer Antwort erklärt, daß diese Schüler vom Besuch des Fortbildungsschulunterrichts befreit werden konnten. Abg. Dr. Keller (D. V. P.) vertritt den Standpunkt der Minderheit des Aus­schusses und verlangt, daß die Kann-Vorschrift in eine Muh-Vorschrift umgewandelt wird. Nach weiterer Aussprache wird ein Antrag angenom­men, die Abstimmung auf morgen zu vertagen. Schluß der Beratungen IV* Tlhr.: nächste Sitzung Mittwoch 9 Uhr.

Preußischer Landtag.

Schutzder Minderheiten irnSchultvesen

Berlin. 9. Juni. Als erster Punkt wird ver­handelt die zweite Beratung des Notetats von 1925. Der Berichterstatter, Abg. E b er s b a ch (Dschntl.), berichtete, der Etat für 1925 habe infolge der poli­tischen Vorgänge in Preußen erst Ende März dem Landtag vorgelegt werden können, und werde daher in diesem Jahre erst sehr spät zur Verabschiedung kommen. Aus diesem Grunde sei die Vorlage eines besonderen Notetats erforderlich gewesen, durch den eine Reihe von Etatposten, insbesondere für Neu­bauten, vorweg bereitgestellt werden sollen. Ferner sei zur vorübergehenden Verstärkung der Betriebs­mittel der Generalstaatskasse ein Kredit von 200 Millionen Mark erforderlich. Der Ausschuß habe sich für die Annahme des Notetats ausgesprochen. Eine allgemeine Aussprache zum Notetat fand nicht statt. In der Einzelbesprechund wurden einige Ein­wände erhoben. Schließlich wurde der Nothaushalt nach den Vorschlägen des Ausschusses in zweiter Lesung angenommen und im Anschluß daran in dritter Lesung endgültig verabschiedet.

Zu dem Urantrag der Sozialdemokraten über den Schutz der Minderheiten auf dem Gebiete des Schulwesens empfiehlt der Unterrichtsausschuß, das Staatsministerium zu er» suchen, sich aus dem Gebiete des Schulwesens den Schutz der Minderheiten im Sinne des Erlasses vom 31. Dezember 1918 auch weiterhin, und zwar in vollster Loyalität, angelegen sein zu lassen.

Abg. Baczewski (Pole): Der Schutz der polnischen Minderheit ist in Ostpreußen bisher ver­geblich erstrebt worden. Die Landräte machen sich nach wie vor der ärgsten Willkür schuldig. Im Widerspruch mit den Tatsachen wird in der Presse die Behandlung der deutschen Minderheit in Pol­nisch-Oberschlesien als eine schlechte und ungerechte angeklagt, nur um die in Preußen geübte Willkür zu bemänteln.

Abg. Stefens (D.Vp.) setzt sich mit dem Abg. Baczewski auseinander. Die Erlasse der preußischen Regierung seien durchaus loyal ausgeführt worden und es bestehe keinerlei Grund, die Regierung noch zur besonderen Einhaltung der Erlasse zum Schutze der Minderheiten aufzufordern.

Abg. Frau Voigt (D.Vp) widerspricht ent­schieden der Aeußernng des Abg. Baczewski von einer friesischen Minderheit. Die Friesen seien Deutsche. Der dänischen Minderheit in Schleswig werde ihr volles Recht zuteil.

Abg. Frau Wronke (Z.): Das Zentrum steht nach wie vor auf dem Standpunkt, daß den berech­tigten Ansprüchen der nationalen Minderheiten im Schulwesen genügt werden muß. Wir müssen aber andererseits von diesen Minderheiten alle Loyalität verlangen. Die Respektierung der Minderheitsrechte ist nicht gleichbedeutend mit einer Bevorzugung dieser Minderheiten.

Sodann gelangt der Ausschußantrag zur An­nahme.

kleine politische Nachrichte-r,

Genf, 10. Juni. (TA.) Der frühere öftcr- rcichische Bundeskanzler Seipel, dec zur Zeit eine Dortragsreise durch die Schwe'z macht, svrnch gestern in Zürich vor deutsch-schweizerischen: Pressevertretern u. a. auch über die A n sch 1 u h* frage und erklärte, das Anschlußverbot setz eine der größten Inkonsequenzen des Friedens». Vertrags. Zweifellos ergebe sich, trenn heute eine entscheidende Abstimmung stattfinden würde, eine ungeheure Mehrheit für den Anschluß an Deutsch­land.

*

Der Hauptausschuh der internationalen Waffenhandelskonferenz hat das Verbot der Verwendung bakteriologischer Kriegs­mittel angenommen.

Rom, 9. Juni. (TU.) Zum Nuntius tn München wurde Msgr. Alberto V a s a l l o di Torregros s a ernannt. Msgr. Vasallo ist 1865 in Cataldo geboren und ist Nuntius.. in Argen­tinien gewesen.

London. 9. Juni. (WB.) Auf eine Anfrage im Unterhaus teilte der Regierungsvertreter mit, die Gesamtstärke der Landstreitkräfte Sow­jetruhlands werde auf 1 058 000 Mann geschäht. In die Zahl seien die Reservestreitkräfte nicht einbegriffen.

Reichskanzler Dr. Luther empfing gestern nachmittag 6 Uhr die Führer der Reichstagsfrak- tionen, von den Deutschnatioralen bis zu den So­zialdemokraten, um mit ihnen die Entwaffn nunysnote, die heute Gegenstand einer Bera­tung irn Auswärtigen Ausschuß sein wird, zu be» sprechen.

Aus aller Welt.

Mißglückter Flug der Los Angeles.

Wie die Blätter berichten, hat das Zeppelin­luftschiffLos Angeles" auf feinem Flug nach Minnesota über 9)oungtomn (Ohio) einen Motor- d e fett erlitten, der es zwang, nach Lakehurst zu­rückzukehren. Das Helium hatte sich infolge der Hitze derart ausgedehnt, daß nach 24 vergeblichen Landungsversuchen, die das Schiff nur bis 100 Fuß über den Erdboden brachten, 150 000 Kubikfuß He­lium ausgelassen werden mußten. Zwölf Stunden dauerten die Landungsoersuche, die zeitweise 500 Mann in Atem hielten. Wahrscheinlich tritt das Schiff schon in zwei Tagen den zweiten Flug nach Minnesota an.

Eine kanadische Polexpedition.

Nach einer Meldung aus O 11 a v a wird die kanadische Regierung unter Leitung Macken- ziens eine Polexpedition nach den in der Eisregion liegenden kanadischen Inseln ent­senden, um von allen, die gefunden werden. Besitz zu ergreifen. Zur Hinterlassung von Mann­schaften sollen dort Polizeistationen errichtet wer­den. In Washington hat man vorstehende Nach­richt mit größtem Interesse aufgenommen.

Erdbeben.

In Looben und mehreren anderen Orten der Obersteiermark wurde Dienstag früh 1 Ahr 37 Minuten ein zwei Sekunden lang andauerndes Erdbeben verspürt, das so heftig war. daß die Bewohner aus dem Schlafe geweckt wurden.

Kältewelle in Amerika.

Die Hitzewelle ist längs der östlichen Meeresküste plötzlich ab geflaut. Die Tem­peratur fiel innerhalb weniger Stunden um 20 bis 50 Grad Fahrenheit. Die Bevölkerung, die vor der Hitze in den Parks Zuflucht gesucht hatte, mußte sich nun gegen die Kälte schützen.

Tvrnadoderherrungen in Colorado.

Nach einer Nachricht aus Wray (Colorado) wurde durch einen tornadoartigen Sturm über 100 Gebäude vernichtet und 20 Personen in einem Gebiet von 20 Quadratmeilen getötet.

Schwere Aeberschwemmungskalastrophe in Mexiko.

Nach einer Meldung aus Washington ist die Halbinsel Tehuantepec von einer schwe­ren TIeberschwemmung heimgesucht wor­den. Sämtliche Flüsse sind über die Ufer ge­treten. Hunderte von Personen sind er­trunken und mehrere Dörfer wurden völlig zerstört.

Explosionsrglück.

Sturqis (Kentucky). 9. Juni. (WB.) In einem Schacht bei Sturqis (Kentucky) wurden durch eine Explosion 17 Bergleute verschüttet. Es besteht keine Hoffnung auf Rettung.

Beisetzung der Opfer des Koburger Massen­mörders.

Unter gewaltigem Andrang der Bevölkerung des Steinachtales fand auf dem Friedhof ©er- stungshausen die Beerdigung der Opfer des Hassenberger Massen­mörders in einem gemeinsamen Grabe statt. Der Mörder wurde bei Sonnenuntergang dem alten Brauch der Gegend gemäß ohne Sarg in der Friedhofsecke begraben.

Unfall eines Fallfchirmpilolen.

Aus Naumburg an der Saale wird gemeldet: Der Fallschirm pilot Staltner aus Mün­chen, der Chefkonstrukteur der Stromlinien- und Fallschirmgesellschaft, war am Samstagabend bei einem Sprung aus tausend Meter Höhe von Böen fortgetrieben worden und mußte in Bäumen landen. Dort hing er eine Stunde zwischen Him­mel und Erde, bis ihn die Feuerwehr aus der Lage befreite. Nach der Reparatur des beschädigten Fall­schirmes sprang Staliner am Sonntag wieder aus der gleichen Höhe aus dem Flugzeug. Der Fall­schirm entfaltete sich jedoch nicht. Der Pilot stürzte zu Boden und erlitt lebensgefähr­liche Rückgratsoerletzungen.

Beim Ein machen verbrannt.

In Lichterfelde hat sich ein schweres Un­glück ereignet. Die Ehefrau des Beamten Zwink war mit dem Einfchwefe 1 n von Einmachgläsern be­schäftigt, als sich plötzlich der Schwefel entzün­de i e und die Kleidung der Frau Feuer fing. Her» beieilende Hausbewohner versuchten durch Decken die Flammen zu ersticken. Ein herbeigerufener Arzt konnte nur noch den Tod der Frau feststellen.

Wettervoraussage.

Meist heiter, trocken, warm.

Die Huchdruckwetterlage dauert unverändert fort. Allerdings ist das Fallgebiet in Osteuropa etwas westlich Dorgebrungen und könnte vorüber­gehend Abkühlung und Gewitterstörung Hervor­rufen.

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