Ausgabe 
10.3.1925
 
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Deutscher Reichstag.

Berlin. 10. März. Vor Eintritt in die Tagesordnung protestiert Abg. S t ö ck e r (Kom.) gegen das Verbot von 11 kommunisti­schen Zeitungen auf Grund des Republik- schutzgesetzes. Er beantragt die Äufh.bung dieser Verbote und verlangt die sofortige Beratung dieses Antrags. Er verlangt weiter die sofortige Besprechung des Streiks der Eisen­bahner.

Der sofortigen Beratung des kommunistischen Antrages auf Aufhebung des Verbotes der kom-- munistifchen Zeitungen wird widersprechen. Da­gegen wird die Besprechung des Eisen­bahner st reiks als vierter Punkt auf die Tagesordnung gesetzt. Ohne Debatte wird hierauf die Regierungsvorlage genehmigt, wonach die Wahl des Reichspräsidenten auf Sonntag, 29. März, und für einen eventuellen zweiten Wahlgang auf Sonntag, 26. April, gelegt wird.

Zur Beratung kommt dann der von den Mchrheitsparteien eingebrachlc Gesetzentwurf, wonach zum Stellvertreter des ver­storbenen Reichspräsidenten der Präsident des Reichsgerichts bis zum Amtsantritt des neuen Reichspräsidenten be­stimmt wird. Der Entwurf ist von allen Par­teien mit Ausnahme der Kommunisten und Rationalsozialisten unterzeichnet und wird in erster und zweiter Beratung gegen die Stimmen der Kommunisten und Rationolsozialisten an- genommen.

Der vom Reichsfinanzministerium ein­gebrachte Gesetzentwurf, der die Reichsregierung ermächtigt, die aus Anlaß des Ablebens! des Reichspräsidenten entstehenden Ko st en auf Reichsmittel zu über­nehmen, wird gegen die Stimmen der Rationalsozialisten und der Kommunisten an­genommen.

Abg. Koehnen (Komm.) begründet einen Antrag seiner Freunde, der die Regierung er­sucht, ihren ganzen Einfluß auf die Reichsbahn- Verwaltung vahin geltend zu machen, daß die Forderungen der Streikenden er­füllt werden.

Abg. Schumann (Soz.) weist darauf hin, daß sich die Sozialdemokraten schon bei der Hm» Organisierung der Reichsbahn für eine größere Rücksichtnahme für die Lebensbedürfnisse der Eisenbahner eingesetzt hätten. Die fr.nen Gewerk­schaften betrachten den Streik nur als allerletztes Mittel, wenn alle Derhandlungsversuche geschei­tert seien. Darum habe auch der Eisenbahner- Verband die Streiks in Sachsen zu.'.ächst nicht sankttoniert, sondern den Verhandlungsweg be­schritten. Es wäre unverständlich, wenn die Ver­waltung die Einigung an der bescheidenen For­derung einer Erhöhung des Stundenlohns um drei Pfennige scheitern lassen würde. Der Redner ersucht den Reichsarbeitsminisler um schleunigstes Eingreifen.

Abg. Dr. Cremer (Dt. Dpt.) beantragt Schluß der Debatte und Heberweisung der Angelegenheit an den Derkehrsausschuß zur schleunigen Erledigung. Der Antrag auf Schluß der Debatte wird angenommen.

Es folgt die zwette Beratung des Gesetz­entwurfes über die Aufnahme von Aus­landkrediten durch die Gemeinden und Ge° meirrdeverbände. Rach der Vorlage bedürfen die Gemeinden und Gemeindeverbände zur Auf­nahme von Auslandkrediten der Zustimmung des Reichsfinanzministeriums. Rach einem Beschluß des Ausschusses soll das Gesetz auch Anwendung .finden auf alle Kreditverträge, die feit dem 1. März 1925 abgeschlossen worden sind. Dieser l Termin wurde auf einen vom Abg. Keil (Soz.) begründeten soziakdemokratilchen Antrag auf den 1. Februar 1925 verlegt.

Die Vorlage wird dann in zweiter und ' dritter Beratung endgültig angenommen.

Das Haus vertagt sich auf Dienstag. Auf der Tagesordnung steht der Etat des Reichsjustiz- ministeriumö.

Der Warmatskandal.

Berlin, 9. März. (Wolff.) 3m Unter* suchungsausschuh des Preußischen Landtags für die Darmat-Kutisker-Angelegenheit wurde dec frühere Staatssekretär v. Möllendorf ver­nommen, der bekundet: Darmat erschien 1919 in Begleitung des sozialdemokratischen Abgeordneten Wels beim Rcichswirtschaftsminister W i s s e l l, um eine Einfuhrerlaubnis für Tex­tilien zu erhallen. Der Antrag Bacmats sei in den ordentlichen Geschäftsgang gekommen. Der Zeuge ter mag nicht mehr zu sagen, ob d?r An­trag Erfolg gchabt hat. Regierungsra: Weh er­mann erklärt, Julius Darmat habe bei den Ge­sprächen mit ihm nicht unterlassen, seine Be­ziehungen zu den damals führenden Herren der sozialistischen Partei zu erwähnen. Er stand in einem sehr vertrauten Freundscha-tsverhältnis zu dem damaligen Unter» staatssekretär Baake. Aus den Beziehungen Darmats zu den behördlichen Stellen ergab sich für die Beamten der Reichsfettstelle eine Lage, wie sie gegenüber keinem anderen Partner bestanden hat. Der Zeuge verliest Dann einen Brief des Herrn Rommel vom 19. April 1920, aus dem der Einfluß Barmots auf die deutsche Gesandtschaft im Haag und das Auswärtige Amt hervorgeht.

Darmat sei Ende 1919 in Gegenwart Heilmanns und Hermann Müllers im Auswärtigen Amt gewesen und habe dort die Erlaubnis erhalten, zu seiner Informatton einen Bericht des Herrn von Reißwitz einzusehen.

Geschäftsführer Pöllwitz von der Reichs- settstellc gibt an. er selbst habe keine V rträge mit Darmot geschlossen; das sei aus sch ließ- l, ch vom Reichswirtschaftsmini st e° vi um geschehen. Die Reichsstellen wurden schließlich ganz übergangen. Man ging direkt zum Reichsw'.rtschaftsministerium. Die Preise seien 2030 Cents hoher gewes.m als die Kasse- preise. Dafür gab es aber sechs Monate Ziel. Die tatsächliche Lieferung war gerinn; e - teuren Wohl zwei W. ggons Schm [\ und vier W ggons Butter. Aus die Frage des Vorsitzenden gibt der Zeuge an, daß der Sechsmonatkre'dit eigentlich nur aut dem Papier stand. Der Zeuge gibt auf Fragen an, er sei auch n n Barmat zu einer Gescllsch.ft geladen worden E; habe ihm einen Stich ins Herz gegeben, uun er an einem Diner teilnehmen sollte während am selben Tage der Vertrag von Versailles abgeschlossen wurde. Er er­innert sich, zwei Ministerfrauen ge­sehen zu haben. Auch der damalige Staats-

jerretar in Der Reichskanzlei Baake und Hell­mann als intimer Freund Barmats seien an­wesend gewesen. Von kommunisiischer Seite wird gefragt, wer diehöhere Stelle" gewesen sei, bei der Darmat gut angeschrieben gewesen stt. Der Zeuge gibt an, das seien wohl die Mi­nister Robert Schmidt und Bauer ge­wesen, überhaupt alle sozialdemokrati­schen Häupter.

3n der Aachmittagsverhandlung erklärt der preußische Finanzminiü,er a. D. von Richter, er habe vergessen mitzuteilen, daß er mit Heil- mann im Ravember 1921 nochmals über Dar­mat gesprochen habe. Heilmann habe ihm er­klärt, daß sich bei der Firma Bacmat in der letzten Zeit gewisse Schwierigkeiten ein­gestellt haben, die nur durch u m f a n g r ei che Kredite, für die nur die Seehandlung in Frage komme, behoben werden könnten, von Richter habe erklärt, daß er die Kreditgewäh­rung nicht beeinflussen könnte. Staats- bankpräsident Schröder und andere Herren von der Seehandlung hätten ihm darauf mitgeteilt, daß Darmat bereits 14 Millionen erhalten habe und weitere Kredite ausgeschlossen seien. Ec habe das Heilmann mitgeteilt. Heil­mann erklärt sich mit der Darstellung im wesent­lichen einverstanden.

Bei den weiteren Fragen wurden zwischen den Aussagen von Richters und denen Heilmanns über die Kreditvermittlung H ilmanns süo Dar­mat Unstimmigkeiten festgestellt, v. Richter be­hauptet, er fei tatsächlich der Auffassung ge­wesen, daß Hellmann die Kredite für Darmat AU erhöhen gewünscht habe. Heilmann sagt, wenn ihm der Finanzminister damals mitgeteilt hätte, daß ihm die Sicherheiten zwei­felhaft erscheinen, so hätte er feine gesamten Aufsichtsratsposten niedergelegt und ab» gewartet, bis er sie ohne Gefahr des Kompro­mittierens hätte wieder aufnehmen können. Von Richter betonte, daß ihm Staatsbankpräsident Schröder und Herr Rogge ausdrücklich gesagt haben, daß es um Darmat kritisch stehe. Es sei nicht anzunehmen, daß er kurze Zeit später Heilmann das Gegenteil gesagt habe.

Der Tschekaprozeß.

Leipzig, 9. März. (Wolff.) Die Ver- nehmiing des Zeugen Koppenhoefer gestal­tet sich sehr lebhaft. Der Zeuge bekundet. Reu- ma n n habe bestimmtest erklärt, er habe Rausch nid?', in teil, sondern ihm nur einen Denkzettel geBeu wollen. Er habe aber die Schuld »olt- ständig auf sich genommen, um seine Genossen nicht unnötig zu belasten. Die Angabe P o e g e s , daß Reumann ihn fälschlich der Tat beschuldigte, und Laß er, Poege, erst dadurch zu seinen An­gaben veranlaßt worden sei, treffe nicht zu. Pooge habe dies auch nicht cmnehinen können. Poege habe sogar gesagt, wenn er gewußt hätte, wie er in Stuttgart behandelt würde, hätte er sogleich gesprochen, um die Parteibonzen und das Iudengcsindel, das die Partei leitete, hoch­gehen zu lassen. Hierauf kommt es zu lebhaf­ten Auseinandersetzungen zwischen dem Zeugen und dem Angeklagten MargieS, der behauptet, der Zeuge habe ihn zu Geständnissen zwingen wollen. Margies be­zichtigt den Zeugen, der dies eindringlichst ab­streitet, des Meineides. Der Zeuge bekundet weiter, daß er sämtliche Angaben durch Poege über die (Stuttgarter Fälle auch durch Köni g erhielt. Reumann sei die ganze Zeit über noch ein eing-efleifchter Kommunist gewesen. Gr habe erst gesprochen, nachdem ihn die Partei ausge­schlossen hatte.

Die Dienstzeit der Neichsbeamten

Berlin, 10. März. (SU) Das Reichs» kabinett hat auf Antrag des Aeichsministers des Innern folgenden Beschluß gefaxt: Die im Hinblick auf die Rotlage des Reichs über die Dienstzeit der Reichsbeamten für die Zeit bis zum 31. Dezember 1925 getroffenen B schlüsse werden vorläufig wie folgt gmildert: Dic Dienst­zeit kann aus 51 Stunden wöchentlich herabgesetzt werden, soweit dies ohne er­hebliche Mehrauswendung möglich ist. Unberührt bleiben die allgemeinen Grundsätze über die Ver­pflichtung des Beamten, die ihm übertragenen Arbeiten rechtzeitig ohne Rücksicht auf die all­gemeine Regelung der Si-nffftunpen zu erkbi-ren uni> über die Erhöhung der Dienstzeit bei bloßer Dienstbereitschaft. Die Ressortminister erlassen die erforderlichen Aus.ührungsbesttmmungen

Der Streik

der EisenÄQhnnrbeßter.

Berlin, 10. März. (W'lff.) Der Lokal­anzeiger" weiß von einem weiteren Rückgang des Streiks der Eisenbahnarbeiter sowohl in Berlin wie in Sachsen zu berichten, während derVorwärts" behauptet, daß besonders im Westen die Erregung der Eisenbihnirbttier im Steigen begriffen ist. Die Gr.chorgmi» fotknen der Eisenbahnbe.mten hätten ihre Sym­pathie ausgedrückt. Rach dem ..Lokalaaz.' hauen gestern im Reichsarbellsmini terium Beratun­gen slattgefunden. die den Versuch einer gütlichen Beilegung des Konfliktes zum Gegenstand hatten. Eine Anrufung des Reichsarbeitsmi ttsters als Schlichter von fei­ten der Gewerkschaften sei bisher noch nichtt erfolgt.

Parlamrntarische Kontrolle der auswärtigen Politik.

London, 10. März. (SU.) Die Arbei­terpartei hat im Unterhaus einen Antrag eingekracht, in dem für das Parlament das Kontrollrecht für die auswärtigen Angelegenheiten gefordert wird. Danach dürfen ohne vorherige Genehmigung des Parla­ments keine Abmachungen ober Heber» einkommen mit anderen Staaten getroffen werden, die direkt oder indirekt nationale Verpflichtungen nach sich ziehen. Es sollen im Kriegsfälle Verpflichtungen für Heer, Flotte oder Luftflotte gegenüber anderen Staaten erst nach Mitteilung an den Völkerbund und an alle Staaten, mit denen England in diplo­matischen Beziehungen steht, rechtsgültig werden.

Pariser Studentendcmonstrationen.

Paris, 9. März. (WTB.) George Scello hat in der Sorbonne einen Kurs über Völkerrecht begonnen, mit dem er beauftragt worden ist. Eine Gruppe t>an Studenten, die der ..Action Sranqaife nahe steht und mit dieser Wahl nicht einverstanden ist, hat deshalb Professor Scello der Kabinetlschef des Arbeitsministeriums ist'

alS er feine Vorlesung beginnen wollte, aus» gepfiffen und einen derartigen Skandal voll» führt, daß der Doyen der rechtswissenschaftlichen Fakultät die Hilfe der Polizei in Anspruch nehmen mußte, die die Lärmenaen ausgewie­sen hat Auch im Quartier Latin veranstalteten die Studenten Kundgebungen und versuch­ten wiederholt, in die Sorbonne vorzudringen, was durch die Polizei verhindert wurde. Fün Studenten sind von der Polizei verhaftet worden, jedoch nach Feststellung ihrer Perso­nalien alsbald wieder freigelassen worden. Cs ist gegen sie wegen Ruhestörung Strafantrag gestellt woden.

Aus aller Welt.

Hypotßckclrscbwlndri.

Berlin, 9. März. (WB.)Preußische Grund st ücksgesellfchaft" nannte sich ein -unternehmen, das im vergunaenen Jahr ge­gründet werden war und je st mit der Der- h c, »tun g f einer drei Direktoren en» i' c t c. Ihre Direktoren waren der frühe.e Fliegeroberleutnant v. A l t h a u s . der K.us- mann Ansinck und ein Dr. Moser. Die Gesellschaft wandte sich an Leute, die Hhprthelln cu, ihre Grundstücke suchten, und denen sie mit- teilte, daß sie an Stelle baren Geldes golb= Wertgedeckte Schuldatteste gäbe, die an der Börse bereits mit 12.0 Prozent gehandelt werden. Der Zentralverband des deutschen Dunk- und Dun- liersgewerbes hat schon einmal vor diesem Unternehmen gewarnt. Srvtzdem scheint die Gescllschuft ausgedehnte Geschä'*' g macht zu haben. Bon überall her kam nen Rachsr gen an Die Kriminalpolizei, die sich nun.aeyr mit den Machenschusten eingehend befaßt. Tis jetzt haben sich 100 Hypothekensucher gemeldet, die sich be­trogen fühlen. Die Schuldatteste ließen sich nicht du Selb machen, weil sie nichts wert sind. Es fehlt ihnen auch der Steuerstempel des Lan» desfinanzamtes. Vermutet wird, daß die Direk­toren sich den größten Seil der Hypothekenbriefe bereits haben beleihen lassen. An Deckung ist nichts vorhanden. Dei den Hypotheken handelt es sich zum Seil um sehr hohe Be­träge.

Deutsche Schifssbauten für England.

Sie Erteilung eines Auftrages zum Dau von 5 Motorschiffen seitens Englands an eine Hamburger Firma beschäftigt eingehend die Lon­doner' öffentliche Meinung. DieD^ily Rews" xJ- 4 auf Oie bedauernswerte Lage der britischen Schiffsbauindustrie srwie auf die industrielle Or- g mifation in Deutschland hin, mit der die schwer­fälligen englischen Methoden nicht konkurrieren könnten. Auch dieTimes" widmet der Frage einen Leitartikel und bezeichnet den Auftrag als sehr beunruhigend und als einen Schlag für den britischen Schiffsbau.

Raubüberfall auf ein Postamt.

Auf die Postagentur in Hartenberg bei Wernigerode wurde ein Raubüberfall ver­übt. Als die Tochter des Postagenien abends zwei Mannern, die an die Tür geklopft hatten, öffnete, feuerten diese sofort zwei Schüsse ab. Während die Tochter einen Streifschuß er­hielt, wurde der im Hausflur stehende Post- agent s ch w e r v e r l e h t. Als die beiden scharfen Hunde des Postagenten sich auf die Räuber stürzten, ergriffen fie die Flucht und entkamen.

Berliner Autounsalle.

Berlin, 9. März. (Wolff.) Heute nacht ist gegen 1134 Uhr infolge der schlüpfrigen Fahr­bahn ein Kraftwagen gegen eine Gaslc»- ferne und zwei Bäume gefahren. Der Wagen ist umgeschlagen und stark beschädigt lie­gen geblieben. Der Führer hat einen Armbruch und Kopfverletzung erlitten. Don den Insassen wurde ein Ehepaar schwer, ein anderes Ehepaar und ein fünfter Insasse leichter verletzt. Heute früh gegen 41 2 Ahr hat in Ternpelhof eine Kraft­droschke einen Geschäftswagen über» fahren Der leichte Wagen wurde umgeworfen. Der Kust'cher hat innere Verletzungen erlitten, seine milfahrende F-au nur äußere. Der Führer des Kraftwagens, den die Schuld an dem Zu­sammenstoß treffen soll, hat in der Kopflosigkeit die Flucht ergriffen.

itfcncrimAttefartc..

Zeitweise bewölkt, meist nördliche Winde, Frost, vielfach Schneefälle.

Das Gebiet des hohen Druckes gewinnt stetig nach dem Kontinent zu an Raum, während das nördliche Tief im Abziehen begriffen ist. Dei vorwiegend nördlichen Winden wird die herr­schende Kälte zunächst noch weiter bestehen.

ANS Stadt und Land.

Gießen, den 10. März 1925.

Die Gelränkesteuer in Gießen.

Bezüglich der in der öffentlichen Sitzung des Provinzialausschusses vom 14. Fe» bruar 1925 verhandelten Klagen der Ficmen 3)Gießener Bauhaus und Spiritus­fabrik A. & W. Denninghoff in Gießen, b)Ihring-Melchivr, Kommandit­gesellschaft in Lich,

c) Heinrich Göbel in R i e d e r S h a u s e n gegen die Stadt Gießen w?gm Heranziehung zur Getränkesteuer wurde am Samstag das Urteil des Prvvinzialausschusses v erfändet. Hiernach sind die Klagen als unbegrün­det abgewiesen worden. Mit den Kosten des Dersahrens, einschließlich derjenigen der an­waltlichen Vertretung der Stadt Gießen wurden die Klägerinnen belastet.

Der Provinzialausschuß vertrat den Stand- pmrkt, daß die von dem Oberbürgermeister der Stadt Gießen erlassene Gemeinde-Geträn ke-Der° brauchssteuerordnung vvm 31. August 1923 ord­nungsmäßig zustand? gekommen ist, und daß die Stadt Gießen nach dieser Verordnung sehr wohl berechtigt gewesen sei. von k^m Verbrauch von Bier innerhalb des Derbrauchssteurrbezirks Gießen von den Klägerinnen ema Der­brauchsabgabe zu erheben, die sich aus 5 Prvz. aus dem Großverkaufspreis plus einem Klein­handelszuschlag von 25 Prvz. berechnet, da diese Derblauchssteuerabgabe 5 Prvz. den in der Stadt Eießen im Jahre 1924 allgemein gültig gewesenen Kleinhandelspreise für Dier nicht übersteigt. Auch hat der Provinzialausschuh sich der Stel­lungnahme der Deklagten angeschlvssen. wonach die -Brauereien Ihring-Melchior, Kommandit- Kommandttgefellschaft in Lich, und Heinr. Göbel in Riedershaufen alsEinbringer für Dier" in den Derbrauchsfteuerbeziick Gießen an­zusehen feien.

Gießener

am 10. März 1925 (Händlerpreise).

Es kosteten: Dufter Pfd. 220 Pf., Matte 40, Käse 70, Wi.sing 20, Weißkraut 15, Rotkraut 20. gelbe Rüben 10, rote Runen 15. Spinat 4050. Unter-K?hlrabi 10, Grünkohl 2025. Rosenkohl 60 Fells lat 100, Tomaten 120150. Zwiebeln 2530, Meerrettich 40100. Schwarzwurzel 1 6C bis 70, Kartoffeln 5, Aepfel 102), junge Hah­nen 120, Suppenhühner 100. Endivien 100 Eier Stuck 12, Blumenkohl 120150, Salat 5) 9. U<B 520, Sellerie 2060.

Der verkehrte Winter, der unö d.csmal be)ch-eden ist, treibt recht unliebsame Späße. In den Wochen und Monaten, da alle Welt auf fein weißes Kleid und seinen kalten Od:m wartete und auch die Kohlenkeller wohl leidlich bestückt waren, blieb er die Erfüllung dieser Hoffnungen schuldig, und ganz frühlings- maßiges Wetter war meist der Trumpf der T-ge. Jetzt nun. wo der alte, gestrenge Herr schon tüchtig auf dem Abmarsch sein sollte, re'ßf er das Regiment noch einmal an sich und macht nun durch die Frühiahrshoffn-ung^n der Mensch­heit vorerst einen Strich, fügt aber zugleich auch i^n jungen Grün in den Gärten, Anlagen und Wakeni herbes Weh zu. Seit ein paar Tagen n? G a und rauh daher, und seit der letzten Rächt hat er nach einigen kurzen Schneeschauem der beiden vorh rg h nd:n Sage ein Schneetrelb n folgen lassen, das zu der Stunde, da diese Zeilen geschrieben werden, rechtvielversprechend" für dklese Iahreszell einseht. Hoffentlich fährt bald ber Wettergott mit einem kräftigen Donnerwetter drein uni) jagt den ganz und gar aus der nor­malen Bahn gerutschtem grimmen Herrn auf und davon. Hat er uns früher nicht gefarmt, so bedanken wir uns jetzt für seine Gegenwart!

** Sie Vorbereitungen 5 um 32. Ali 11elrheinischen Kreisturnfest gehen rüstig voran. Aller Voraussicht nach kann mit einer sehr starken Beteiligung der Turner sowohl, wie auch der Bevölkerung aus unserer Rachbarschaft gerechnet werden. Für unsere hei­mische Geschäftswelt bietet sich da die Aussicht auf eine gute Einnahmemöglichkeit, die den Ge­schäftsleuten nur zu gönnen ist. Saß die Gröhe des Festes entsprechende .Betriebsmittel, zum mindesten aber von vornherein gehörige finan­zielle Garantien erfordert, ist selbstverständ­lich. Hm nach dieser Richtung hin alle Vor­kehrungen zu treffen, wendtt sich der Finanzaus­schuß des Turnfestes in unserem heutigen An­zeigenteil mit einem Aufruf an die Bevölkerung unserer Stadt. Möge dieser Appell überall Be­achtung und ein freundliches, zeichnungsfreudiges Echo finden!

" Von der Straßenbahn. Seit gestern fahren die Straßenbahnwagen der Grüner Linie bis ziim Friedhof durch. Cßon dort geht ber letzte Wagen um 5.30 Hhc stadtwärts. Sie später verkehrenden Wagen wenden am Wiesecker Weg.

Zur Züchtung von Riederungs- vieh in Oberhessen. Wie wir hören, hat die Bürgermeisterei Lich namens der Stadt Lich gegen das Hrteil des Provinzialausschusfes der Provinz Oberhessen vom 24. Januar 1925 in Sachen ..Klage der Stadt Lich gegen das Kreis­amt Gießen vom 16. Juni 1924 wegen Richt­genehmigung d r Anschaffung eines Riederungs- bullen durch die Stadt Lich" Revision an den Derwaltungsgerichtshos verfolgt. Bekanntlich hat der Kreisausschuh des Kreiles Gießen in erster Instanz die Verfügung des Kreisamts Gießen vom 16. Juni 1924 auf­gehoben, während der Provinzialausschuh au* die Berufung des Kreisdirellors zu Gießen das Kreisausschußurtell aufgehoben und die kreis- amtlich? Verfügung bestätigt hat. Der demnächst ergehenden endgültigen Entscheidung des Revd sionsgerichts wirb insbesondere in den Kreiser der Landwirte mit großer Spannung entgegen gesehen.

® Selbstmordversuch auf den Schie­nen. Gestern v-rmitt rg wirf sich der ll j ihrige Sohn eines hiesigen Arbeiters in der Rühe der Hnterführung an der Ederllraße in selb km^rde' rischer Absicht vor einen herannuhenben Güter­zug. Der Lcckomotivführer, der die Absicht des jungen Menschen bemerkte, versuchte Den Zug zum Stehen zu bringen, jedoch w:rde der Junge von Der Maschine erfaßt und zur Seite ge° schleudert. Dabei erlitt ec innere Verletzungen, Hautabschürfungen und eine größere Fleischwunde am linken Hnterschenkel. so daß nach Ailegung von entsprechenben Verbänden eine Hebcriüh- rung nach der Klinik durch die Freiwillige Sani« tätsMonne notwendig war. Das Be inden des Patienten war heute vormittag etwas gebessert

** D i e Taubstummen- und Blin­denanstalten Hessens hatten nach einer statistischen Aufnahme am 15. Mai 1924 im ganzen einen Bestand von 168 Knaben und Mädchen. An den Anstalten unterrichteten 22 Lehrer und 2 Lehrerinnen.

*" I n den Krematorien Hessens wurden im Jahre 1924 481 Personen einge­äschert (535 im Vorjahre), davon waren 282 männlich und 199 weiblich 390 Personen waren evangelisch, 37 katholisch, 21 israelitisch und 33 gehörten anderen Gemeinschaften an

Vornotizen.

Tageskalender für Dienstag. Sfadtthea'er, 71/5 älhr,Kater Lampe". Männer-Dadeverern, 8 Hhr.Pfalzer Hof", Ge­neralversammlung. Lichtspielhaus, Dahnhof- trahe:Weib gegen Weib".

Aus dem S t a df f he af erb ureau wird uns geschrieben: Der vielfach geäußerte Wunsch nach einem hübschen Lustspiel hat zm Deueinstudierung von Ludwig «FaldasVer­lorener Tochter" ge ubrt. Das Werk, das in der morgigen Mittwochsabonnementrvrstellung zum erfien Male wieder in S^ene geht, steht unter der Spielleitung des Herrn Volck, beschäftigt einen crrohrn Se;I d^s Personals und bktet namentlich Fräulein Andre und den Herren Baste, T e l e k y und Goll größere Aufgaben.

D i e Handels- und Gewerbe­bank beruft in unserem heutigen Anzeigenteil ihre 66. ordentliche Generalversammlung aus Mittwoch, 18. März, in Sauers Saalbau ein. Räheres im Anzeigenteil.

Landkreis fökftcit.

R eiskirchen, 9. März. Gestern fand hier in der Kirche ein sehr gut besuchter Ge- mein de abend statt. In seinem packenden Vortrag bot Pfarrer M a r g u t h - Winnerod ein lichtvolles Lebensbild des indischen Pilgers und ,

i«®ot s fas* «aW flatiiW ^2 er des Dwili verfahren heuern J Walthers diert und schäfte öeul f sri Krieger inerad.D Ä nicht abgc eines v u diesigen 0. Icr Doch gelegenhe" baubehörde t All der wN Mißd-e eine W fanden t (cbM und jwge hie" iaWlami ein« 2um dahier der Schmidk- ttnfl und vaS in die üm ist. um Sie 2leves chen Sewin I! Cid Ihring-l Ssterhessens 3dt versch' Äellemeubc. folge groß' noch weiter in Angriff

'43(i tarntet 6d mittag zu Horteten Vor slattli Deilin, die das st manch hoi von Deethi tung gerne fchlob die gestrige Tc Takt es i @rnfl-<?L lifju feget Sie Safeix

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