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ilr. 58 Erstes Blatt
175. Jahrgang
Dienstag, 10. März 1925
Erscheint täglich, außer Seniu und S^iertogs.
Beilagen: GießenerFam.lienblütter
Heimat im Bild.
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2 Goldmark u. 2u Gold- Pfennig für Trägerlohn, auch bei Richterschemen oon einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Ternsprech-Anschlüsse: schriftleitung 112, Der- lagundGeschästsstelleSI. Anschrift für Drahtnachrichten SnzelgerAietze«. potischecktonto:
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GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Annahme von Anzeigen für die Tageanummer bis zum Nachmittag vorher ohne jebe*Berbinblict)hciL preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich8,auswärts 10 Goldpfennig; für Ne» Klame-Anzeigen v 70 nm Breite 35 Goldpfennig, Plahoorfchlift 20" .Aufschlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: vr. Friede. Will) Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Pech, sämtlich in Gieren.
Die Präsidentenwahl
Ein demokratischer Vorschlag
Die bürgerliche Sammelkandidatur
Der Sicherheitspakt in Genf
Bot.
Schurmann, Botschafter in Berlin? Aeuyork, 9. März. (BZ.) Als
Dom Hansabund.
Berlin, 9. März. (WB.) Der Hansabund hielt in Berlin eine Tagung ab, an der besonder- auch deutschooltsparteiliche und demokratische Parlamentarier teilnahmen. Der Hansa-
polen und der Garanflepatt.
England vertritt nach wie vor den 6tanb» Punkt, daß es nicht gewillt ist. Pole« in den Garantiepakt mit einzuschließen, wogegen Herriot wieder betonte, daß Frankreich die Garantie der polnischen Grenre wünsche Beachtenswert ist jedoch, daß Herriot diese Forderung nicht mehr als eine unbedingte Voraussetzung eines Garantievakts mit Deutschland aufgestellt hat. Herriot soll Polen gegenüber darauf hingewiesen haben, daß es im Interesse eines Garanttevakts gewisse Zugeständnisse an Deutschland machen müsse Frankreich scheint tatsächlich in letzter Zeit stark von Polen abgerückt zu sein und ihm scheint an dem Zustandekommen des Garantiepakts mehr zu liegen als an dem Schutz der polnischen Grenzen England hat Frankreich zu verstehen gegeben, daß es zwischen dem britischen Weltreich oder Polen zu wählen habe.
Diese Schwenkung der französischen Politik hat in Polen die größte Beunruhigung hervorgerufen. Der polnische Außenminister versucht alles, Frankreich zu bewegen, keinen Garantiepakt abzuschließen, in dem nicht auch die polnischen Grenzen geschützt werden. Herriots Kammermehrheit wünscht zweifellos eine Verständigung mit Deutschland und sieht in dem Beitritt Deutschlands zu einem Garantiepakt eine bessere Sicherheit alS die Festigung und den weiteren Ausbau der polnischen Militärmacht, was doch letzten Endes nur mit französischen Geldern erfolaen kann. Die Rechtsparteie n vertreten dagegen den Standpunkt des Marschall Foch. der In einem engen Militärbündnis mit Polen und der Tschechoslowakei die beste Sicherheit für Frankreich sieht. (
Gelingt es Herriot nicht, eine Verständigung mit England herbeizuführen, und kommt der Garantiepakt wegen der polnischen Frage nicht zustande, so wird die jetzige Kammermehrheit die Politik Herriots nicht mehr weiter unterstützen. Schon heut? ist man in den Koalitionsparteien mit Heriots Außenpolitik sehr unzufrieden und spielt schon mit dem Gedanken. Herriot durch Caillaux zu er'ehen. Die Presse der Linksparteien betont ausdrücklich, daß die französische Politik sich nicht durch polnische Wun'che in ihren lebenswichtigsten Fragen beeinflussen lassen dürfe. Frankreich habe für Polen schon so viel getan, so daß es jetzt von Polen eine Gegenleistung verlangen dürfe, die darin bestehe. Deutschland in der Frage des polnischen Korridors entgegenzukommen. In der polnischen Presse hat sich gegen dieses Verlangen ein Sturm der Entrüstung erholen. Alle Blätter sprechen bereits von einem deut'ch-pol- nischen Kriege. Eigenartig ist immerhin, daß das Geschrei der polnischen Preste und die dringenden Vorstellungen der polni chen Regierung bisher keinen Eindruck auf Frankreich gemacht haben.
Polnische Kundgebungen gegen England.
Katlowitz, 9. März. lTU.) In einer Demonstrationsversammlung. die sich mit dem Ga- rantiepatt beschäftigte, griff K o r f a n t i) England in einer Rede scharf an Er betonte, daß Polen es England zu verdanken habe, wenn es Oberschlesien nicht bis zur Ober oder restlos bekommen habe. Wenn der polnischen Republik jetzt noch etwas genommen werden solle, dann könnte es nur beißen: Kampf bis zum letzten Blutstropfen!
Reuhorker Familie, ist von Haus auS Pädagoge und war ursprünglich Philosophieprofessor an mehreren amerikanischen Universitäten. Schurmann hat in Europa studiert, u. a auch mehrere Jahre in Heidelberg, Berlin und Göttin» ?ien, spricht sehr gut deutsch und kennt Deutsch- and gut. Er war Gesandter in Athen und
Peking
schafter der Vereinigten Staaten in Berlin kommt der gestern genannte republikanische Parleiboh und Ver'icherungsbankdirektor Charles Dewey Hilles nicht in Betracht. Das Weiße Haus hat bereits offiziell die von der amerikanischen Dresse aufgestellte Kombination ausdrücklich i n Abrede gestellt. Heute verlautet, daß ein amerikanischer Diplomat für den wichttgen Berliner Posten ausersehen sei und daß seine end- gültige Ernennung schon in einer Woche erfolgen wird. Es ist dies der amerikanische Gesandte in Peking. Jakob Gould Schurmann. Schurmann entstammt einet alten holländischen
bundpräsident Reichstagsabg. D r. Fischer erklärte, daß der Hansabund jetzt 164 Einzrloer» bänöe und 200 000 Mitglieder zähle. Iu itzrat Schauer berichtete über die Gründung einer neuen Abteilung des HansabundeL für ausländisches Recht, die eine besondere Zeitschrift unter dem Rainen „Gesetzgebung und Rechis- praris des Auslandes" herausgeven wird. Das Präsidium des Hansabundes nahm ferner eine Entschließung an. in der es u. a. heißt. Der Hansabund weist den Versuch des Reichs» landbundes der deutschen Landwirtschlft, gegenüber anderen Erwerbsständen eine Vormachtstellung durch genossenschastlichc Zwangslar teile zu schaffen, auf das ent- schiebens! e zurück. Ebenso lehnt er die Bestrebungen zur Monopolisierung des QI g r c- lreditwesensab. Das Präsidium des H^.nsa- bundes ruft daS Gewerbe, den Handel und die Industrie zu kräftiger Gegenwehr dagegen auf
den Eintritt Deutschlands nicht durch eine verletzende Antwort zu erschweren. Die Franzosen verlangen nach wie vor den Eintritt Deutsch- lands ohne Vorbehalte, bevor an einen Sicherheitsvertrag gedacht werden könnte, wahrend einige Ratsmitglieder den Eintritt selbst schon als einen Teil des Sicher- heitsvertrages betrachten.
Mit der Entwaffnungskontrolle in Deutschland scheint man noch nicht den Völkerbund betrauen zu wollen. Die Frage dürfte vertagt werden. Ebenso soll das Projekt der Entmilitarisierung des Rheinufers zu- rückgestellt werden. Dagegen scheint der Völkerbund entschlossen zu fein, den Zwischenfällen in Danzig durch seinen technischen Spezialaus- schuh, der alle Beschwerden zu prüfen hat, ein Ende zu machen.
s ch ä t f e n, die großen Linien bet politischen Entscheidung verwlsctzen und zu einem Zufallsergebnis fuhren, das dem gewählten Präsidenten nicht das erforderliche Ansehen Im In- und Auslande gibt. Die Deutsche Demokratische Partei hat den Wunsch, daß möglichst eine große Mehrheit deS deutschen Dolles sich auf eine Persönlich.e t vereinigt, die, fest auf dem Boden der Weimarer Verfassung stehend, über den Rahmen bet politischen Parteien hinaus allgemeines An» sehen und Vertrauen in das hohe Amt mit» bringt. AlS eine solche Persönlichkeit betrachten wir den Ptäfibenten deS Reichsgerichts Dr. Simons. Wir sind zu ge» meinfamen Beratungen auch über einen anderen, den erwähnten Voraussetzungen entsprechenden Vorschlag bereit.
Die Rechtsparteien zu der Kandidatur Simons.
Berlin, 10. März. (Priv.-Tel) Die demokratische Anregung, eine bügerlicho Sam- mclkandidatur für die Reichspräsidentenwahl in der Person des Reichsgerichtspräsidenten Dr. Simons aufzustellen, ist. wie der „Lokalanzeiger" schreibt, zu so später Stunde ergangen, dah eine Stellungnahme deS Arbeitsausschusses der rechtsstehenden Gruppen nicht mehr ftatt- finden konnte. Das Blatt glaubt jedoch berichten zu können, dah man diese Anregung außerordentlich ernsthaft beurteile und nur bedauere. dah sie nicht schon eine Woche früher erfolgt fei. denn die Vorbereitungen der rechtsstehenden Gruppen für eine gemeinsame Kandidatur seien inzwischen soweit gediehen, daß es zwecklos fein werde, sich völlig anders einzu- stetten. Zweifellos werde seitens des Ausschusses der rechtsstehenden Gruppen sehr ernsthaft und sehr sachlich mit den Vertretern der Demokraten über die Anregung verhandelt werden.
In erster Linie könnten sich diese Besprechungen um die Frage drehen, ob eine bürgerliche Einheitskandidatur mit Einschluß deS Zentrum- und der Demokraten Überhaupt möglich ist.
Die Person SimonS müsse dabei in zweiter Linie stehen, um fo mehr, als der demokrattfche Brief in feinem Schlußsatz die Möglichkeit einet anderen Kandidatur als der des Reichs- gerichtSpräsidenten offen läßt. Man werde sich Daran erinnern dürfen, dah z. D Dr. Jarres die in dem Brief erwähnten Voraussetzungen, vor allen Dingen die positive Einstel- lungzurReichsverfassung. durchaus erfüllt. Es könne danach eine andere Kandidatur in Betracht gezogen werden. Dr. Simons werde voraussichtlich für die rechtsstehenden Parteien kaum in Betracht kommen. Hebet die Haltung' des Zentrums zu dem demokratischen Dor- fd)Iag liegt bisher nichts weiteres vor
Der Parteivorstand der Deutschen DollSpartei hat ohne Debatte der Kandidatur des Herrn Dr. Jarres für den Fall seiner Aufstellung z u g e st i m m t und gegenüber dem Vorschlag der Demokraten folgenden Beschluß gefaht: Dir stimmen mit der Deutschdemokratifchcn Partei in der Würdigung für die Persönlichkeit des Herrn Reichsgerichcsvräfidenten Dr- Simons überein. Bei der Gegenüberstellung der beiden Persönlichkeiten machen wir aber keinen Hehl daraus, daß wir in der Persönlichkeit des Herrn Dr. Jarres die Vertretung des Reichs, soweit sie in den Händen deS Reichspräsidenten liegt, gut gewahrt sehen würden. Wir glauben daher auch kaum, dah die in dem sogenannten Löbellschen Ausschuß vereinigten Parteien von ihrer bisherigen*Stellungnahme in der Personenfrage abgehen dürften, jedoch sind wir überzeugt, daß jede Mitarbeit und Mitwirkung weiter bürgerlicher staatS- bejahendet Kreise vom Ausschuh nur begrüßt werden tarnt.
Wie die „Tägliche Rundschau" meldet, ist von maßgebender Seite der Rechtsparteien den Demokraten auf ihren Vorschlag geantwortet worden. dah man es außerordentlich begrüße, wenn die Demokraten in die staatsbürgerliche Linie einschwenken würden. Man werde den Demokraten Herrn Dr. Jarres als Präsidentschaftskandidaten enbieten, der bei ihnen kaum auf Widerstand stohen könne, da Herr Dr. Jarres in dem von den Demokraten gestützten Kabinett Innen- m i n i st e r war
London, 10 März. (WTB. Funkspruch) Der Sonderberichterstatter der „Daily Rews" in Genf meldet. Chamberlain habe mit aller Deutlichkeit zu erkennen gegeben, dah er an eine auf das deutscheAngebot begründete Vereinbarung denke.
Chamberlain hat in Paris Herriot erklärt, dah ein militärifches Bündnis zwischen Großbritannien, Frankreich und Belgien ausgeschlossen fei, da es nicht nur bei den Liberalen und der Arbeiterpartei, sondern auch in weiten Kreisen der Konservativen auf heftigen Widerst an d stoßen werde. Wenn es auch der jetzigen Regierung gelingen könnte, das Bündnis durchzusehen, fo würde es von der nächsten Regierung mit Bestimmtheit r ü d g ä n g i g gemacht werden. Deutschland müsse in das Bündnis e i n b e z og e n werden. Die beste Losung sehe England in einem Fünferbun d: England, Frankreich, Beigen, 2 alten, Deutschland. Die Vorbedingungen dafür müßten von den Ver- bünbcien unter sich festgelegt werden, wonach Deutschland zu den enbgüliigen Verhandlungen herangezogen werden würde.
Die belgische Haltung gegenüber den deutschen Vorschlägen ist vorsichtig, aber keineswegs ablehnend. B.lgien befindet sich jetzt in derselben schwierigen Lage wie Frankreich wegen seiner östlichen Alliierten. Das Hauptinteresse der Belgier liegt in einer Garantie durch Großbritannien, sei es mit oder ohne gegenseitige Garantie Deutschlands. die. wie zugegeben wird, von moralischem Vorteil sein kann. Die Regierungen der D o - m in io ns sind über die deutschen Vorschläge unterrichtet worden. Man weiß jedoch noch nichts Bestimmtes, wie sie sich dazu stellen.
Wenn Chamberlain foinc Erklärung über das Genfer Protokoll abgegeben hat. wird vermutlich der Völkerbundsrat eine Rote an Deutschland veröffentlichen, zu dem Vorschlag Deutschlands, sich Frankreich. Bllgien. England und Italien in einem Garantiepakt anzulchl.eßen. In Völkerbundskreifen ist man der Ansicht, es werde unmöglich fein, mit irgendeinem Pakt vorwärts zu kommen, solange Deutschland außerhalb des Völkerbundes stehe. Die gesamte Arbeit des Völkerbundes für Schiedsgericht. Sicherheit und Abrüstung werde durch das Fernbleiben Deutschlands vom Völkerbundsrat ausgehalten. Das werde zweifellos auch der wichtigste Teil der Erllärung Chamberlains fein, die für nächsten Donnerstag erwartet werde.
Deutschlands Eintritt in den Völkerbund.
Genf. 9. März. (TH.) Die Tagesordnung des Rates wird wegen des verspäteten Eintreffens Hymans und Hadens geändert werden. Die Traucrkundgebung für Granting soll auf Donnerstag verschoben werden. Chamberlain w rd dann feine Erllärung zu dem Genfer Protokoll abgeben.
Der zweite und wichtigste Punkt der Tagesordnung ist
der Eintritt Deutschlands In den Bund. Chamberlain hat nach seiner Ankunft in Genf mit den führenden Persönlichkeiten deswegen Rücksprache genommen. Den Entwurf seiner Antwort hat er auch mit Herriot besprochen. Die Antwort wird vor der Hebergabe an Deutschland im Rate verlesen und beraten werden. Der Inhalt der Antwort wird streng geheimgehalten. In VölkerbundSkrelsen verlautet darüber folgendes:
Hm die deutschen Anhänger des Eintrittes nicht vor den Kopf zu stoßen, soll <* 16 nochmals so ausgelegt werden, dah bet seiner Anwendung auf die besonderen Verhältnisse eines jeden Staates Rücksicht genommen wird. Dieser Paragraph sieht neben militärischen Sanktionen auch wir.scha tliche Sanktionen vor, die in Form einer Wasser- oder Landvlockade gegen den zu bestrafenden Staat anzuwenden wären. Die Mebrzahl der Ratsmitglieder ist der Meinung .daß man bei den geringen Sreit- fräften Deutschlands auf eine militärische Beteiligung verzichten könne und daß auch die Bereitstellung deutschen Gebietes für einen Durchzug fremder Truppen nicht die entscheidende Frage fei. Dagegen wird das größte Gewicht auf die Teilnahme Deutschlands an einer Wirtschaftsblockade seiest. Jedenfalls wird sich der Rat bemühen,
Die Ausstellung deS Sozialdemokraten Otto Staun alS Kandidaten für den Posten des 1 Reichspräsidenten hat die Parteien der Weimarer i Koalition in große Verlegenheit gebracht. Die I Gründe, welche die Sozialdemokratie zu biefer । Sftratuur veranlaßt haben, find recht Har: Don l Den Kommunisten ist einer ihrer rabiatesten Führer, der Vorsitzende der kommunistischen JeichstaaSfraktion Thälmann, als Zählkandidat auf gestellt worden. Wenn nun die Sozialdemokraten einen Mann aufstellen, der in dem größten deutschen Bundesstaat jahrelang die politischen Geschäfte geführt hat. fo hoffen sie. die ; Abwanderung derjenigen Elemente ins kommunistische Lager zu verhindern, die In der letzten Zeit an der sozialdemokratischen Partei Irre geworben sind. Es hat den Anschein. alS fei mit ; der Kandidatur Dvaun in erster Linie bezweckt worben, daS gegenwärtige Zahlen- Verhältnis der Sozialdemokratie zum Kommunismus llarzuftellen.
Wegen der maßlofen Rekrologc, die daS , Zentralvl gan bei Kommunistischen Partei Deutschlands gegen den verstorbenen Reichspräsidenten Sbert veröffentlicht hat. ist die „Rote Fahne" chr vierzehn Tage verboten worden. Dor ; 'xm Erlaß des preußischen Innenministers Se- : xrtng, welcher dem Erscheinen der „Roten Fahne" für einige Zeit Einhalt tat, hat daS kommuni- ; '1 liebe Zentralblatt immer wieder nachd-rnckl ch I >-hauptet. selbst ein großer Teil der sozialdemo- lratischen Gesolgschaft sei mit der Führung der I rleichsgeschäste durch Ebert und mit bet Art. wie । man ihn zur letzten Ruhe getragen hat. nicht ein- »ctflanben gewesen. Die Sozialdemokratie ist sich I natürlich ganz klar darüber, dah Otto Braun ! Debet im ersten Wahlgange noch — wenn er dann überhaupt noch ausgestellt werden sollte — m zweiten Wahlgange Aussicht hat. gewählt zu rerben. Man wird ben Verdacht nicht los. Xih die Haltung der Sozialdemokratie zur Frage I der EinheitSkanbibaten den Zweck verfolgt, nicht iDieber einen aus ihrer Mitte an d u höchsten Platz , u bringen, den die deutsche Republik zu vergeben hat.
TS ist unwahrscheinlich, daß sich die Sozialdemokratie auf Zureden ihrer Freunde von der ! Öeimnrer Koalition schließlich doch noch bestimmen läßt, die Kandidatur Braun zurüdzu- ichen und ihre Anhänger anzuweisen, den Zen- : rumßmnnn Wilhelm Mar? zu wählen. Würde sie Sozialdemokratie jetzt noch um allen, so wären I He Folgen, die mm mit der (Srtritour vermeiden Dofite. in besonders hohem Maße zu befürchten.
Die Parteien der Rechten sind sich von j vornherein darüber klar gewesen, drß nur eine s Sinheiiskanbidatur Aussicht gäbe, die I Dahl eines Linksdemtraten ober gir eines So- .calbcmotraten zum Reichspräsidenten zu vcrhin- >cm. Hätte sich die Rechte entschlossen, zunächst i ?inmal für den ersten Wahlgang am 29. März : hllandidaten der einzelnen Parteien aufzu-
I stellen, fo hätten sich wahrscheinlich drei oder I a ier bürgerliche Kandidaten bekämpfen müssen : a.ad es auf diese Weise außerordentlich erschwert, später, beim -.weiten Wahlgang, zugunsten eines riebenbuhlers zu resignieren.
Ein Reichspräsident, der nicht feiner Partei- I sigehörigkeit. sondern seiner Persönlichkeit wegen gewählt ist. hat nicht die inneren Hemmungen, ■eie Ebert immer wieder überwinden muhte, renn er sich entschloß, diesem oder jenem Mann Xe Führung der Reichsgeschäfte anzuverttauen. 3m Kabinett Luther haben sich zum ersten I Xtal die großen Parteien der Rechten durch. ? etzen können und dabei wemgstens bei einzelnen j ^Persönlichkeiten des Zentrums und der Deomkratie Sefolgfchaft gefunden Es hätte nicht nur die Dahlaussichten für einen rechtsstehenden Präfi- ‘ »entfchaftskandibcrten gemindert, sondern geradezu >rs eben erst zur Macht berufene Kabinett Luther i bedroht, wenn die Rechtsparteien die sogenannte .Handlungsfreiheit" prollamiert hätten Es be- i lieht begründete Aussicht zu der Annahme, daß bei der Aufstellung eines parteipolitisch neutralen Mannes der Rechten erhebllche Seile des Zentrums und der Demokraten für eine aussichtsreiche Rechtskandidatur und nicht für j ene aus'ichtslose Kandidatur eines Mannes ihrer . eigenen Partei stimmen werden.
Wer ein Freund reinlicher Scheidung ist. xivb es bedauern, dah nicht einem Einheits- lendidaten der Rechten ein Einheitskandidat der Weimarer Koalition entgegengestettt werden soll. §as Schicksal des deutfchen Volkes kann nur 4 durch klare Stellungnahme, nicht aber durch tak° m | tsche Kniffe entschieden werden Wenn es eines ’ Beweises bedurft hätte, daß die Weimarer Koa- I '.-ition in den sechs Jahren ihres Bestehens nicht in Aktionsfähigkeit gewonnen hat, so ist dieser * Beweis durch den Verzicht auf die Einheits- j knbtbatur der Linken erbracht worden.
/ die Initiative der Demokraten.
Berlin, 9. März. (WTB.) Die demolra- 5 !»che -Re'cchs.agssra ttvn hat ein Schreiben an die Deut che Zen.ru mspartei, b:e Deutschnallo- tale Vollst a tri, die Deutsche Vollspartet, die Laherifche Volkspartei, die Sozialdemokratische Partei und an den Staatsnriu.stec a. D. von Soeben (-3erl.n) als Dorsitzenöen deS Ausschusses der Reichsparte.en gerichtet, in denen . jrr ReichSprä ioentenwahi u. a. auSgeführi wird: Sne Wahlbewegung, in de: eine größere Anzahl von Kandidaten der Parteien r»,träten, würde die Gegensätze der»


