Ausgabe 
10.2.1925
 
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Lohnen Interesse. <$u meoere Löhne seren ctn Zeichen dafür, dah ein Betrieb krank sei, und kein Unternehmer werde daS wünschen. Was allerdings der richtige Lohn sei, wisse kein sterb­licher Mensch, auch der Vorsitzende des Schlich­tungsausschusses nicht. Der Redner fordert De- sertiaung des § 6 der Schlichtungsordnung über Berömdlichkeitserklärungen. Der Arbeitsfriede werde durch diese Bestimmungen nicht gefördert, sondern nur gestört.

Abg. Aufhäuser (Soz.) wirft den Unter- nehmerverbänden vor, sie bemühten sich, nun sie wieder Boden unter den Füßen fühlten, soziale Reaktion zu betreiben. Der Redner richtet beson­ders heftige Angriffe gegen die Danken, die nach Einheimsung ihrer riesigen Inflationsge­winne jetzt nicht nur die Papierscheine, sondern auch die Angestellten eingestampft hätten. Den auf die Straße geworfenen Micum-Ange- stellten habe das Reichsarbeitsministerium den Rat gegeben, sich nach Paris zu wenden. Warum habe man nicht denselben guten Rat gegeben, als es sich um die 700 Millivnen-Ruhrentschädigung handelte.

2lbg. Dr. Pfeiffer (St. Dpt.) erklärt, das System der Zwischentarife widerspräche dem Sy­stem der Dertragsfreiheit.

2lbg. Stegerwald (Ztr.) bezeichnet es angesichts der Machtlosigkeit der Gewerkschaften als eine Staatsnotwendigkeit, daß von Staats wegen in das Derhalten zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer eingegriffen wird.

Aba. Schneider (Dem.) betont die Rot- Wendigkeit des Schlichtungswesens, um die Ge­fährdung öffentlicher Interessen durch den Ar­beitskampf zu vermeiden und weiter zu verhin­dern, dah die Lebenshaltung der Arbeiterschaft auf ein unerträgliches Riveau herabgedrückt wird.

Um 6V2 Uhr wird die Haushaltsberatung unterbrochen. Die über die Beschlüsse des Aus­schusses hinausgehenden Anträge in der Erwerbs­losenfrage werden abgelehnt.

Es wird dann

die zwecke Beratung des Wirtschaftsabkommens mit Siam

bei der in der letzten Sitzung Dsschluhunfähig- keft des Hauses eintrat, fortgesetzt. Zur Ab­stimmung steht der grundlegende Artikel 1, der fcic Zustimmung zu dem Abkommen enthält. Die Abstimmung ist namentlich.

Abg. Koch-Weser (Denr.): Es muh durch die namentliche Abstimmung festgestellt werden, ob die Deutschnat ionalen die Konsequen­zen aus ihrer Anschauung über den Vertrag ziehen, oder ob diese Worte, die der Agitation entnommen wurden, nur als billige Scheide­münze angesehen werden können.

Abg. S ch u l z - Dromberg lDnat.) erklärte unter lebhafter Unruhe der Linken, er wolle noch einmal feststellen, dah der Abg. von Frey- tag nicht gesagt habe, der Vertrag verstoße gegen die Ehre und Würde des Reiches, sondern er habe nur von einer Schädigung des 2In sehens des Reiches gesprochen. Das sei ganz etwas anderes. (Lautes Gelächter links)

Abg. Dittmann (Soz.) hält der Rechten vor. sie wolle nur die Macht in die Hand be­kommen, drücke sich aber um die Verantwortung herum. Die Deutschnationalen wollten in der Regierung bleiben und den Dürgerblock für ihre Zwecke ausnuhen. Sie sollen jetzt aber auch ge­zwungen werden, Farbe zu bekennen. (Beifall links.)

8 «eft tag-Corvins t>en (Dtntl.), der von lebhaften Aha-Rufen der Lin­ken empfangen wird, erklärt, daß die Haltung der Demokraten und Sozialdemokraten seine Freunde veranlaßt hätte, ihre Stelllung zu dem Vertrag noch einmal zu prüfen. (Minutenlanges Gelachter links.) Ein Teil unserer Freunde stimme dem Vertrag trotz mancher Bedenken im In­teresse der Siam-Deutschen zu. Der Auhenminister habe zwar Milderungsgründe angeführt aber fcTP Einwendungen nicht berührt. In seinem G'samturteil habe Stresemann im einzelnen zu- sunJnen müssen. (Lebhafter Widerspruch.) Der Redner behandelt unter dem Gelächter der Lin­ken'die Vorgänge des letzten Samstag und hält es für durchaus unzulässig, eineauhenpoli- tische Frage nach innenpolitischen Gesichtspunkten zu entscheiden. Eine Mehr- p?lt für die Vorlage sei unter allen Umständen gesichert. Eine Ablehnung des Vertrages hätten auch seine Gegner nicht gehofft. (Minutenlanges Gelachter in der Mitte und links.) Es sei not- venkng, dah eine große Partei im Reichstage darüber tatkräftig wache, dah die Interessen Landes nicht geschädigt werden. Dieses Ziel sei auch durch die Kritik am Samstag erreicht worden. (Erneutes Gelächter links.) Jetzt handle es fich darum, dah unsere ausländischen Dezie- b ungen nicht zum Spielball parlamentarischer Leidenschaft gemacht werden. (Gelächter in der Mitte und links.) Deshalb hätten sich seine Freunde, die Gegner des Vertrages seien, ent­schlossen, dafür zu stimmen. (Schallendes Ge­lachter in der Mitte und links.)

Abg. Dittmann (6'5.) stellt unter der Heiterkeit der Linken fest, dah die sozialdemo« kratrsche Erziehungsarbeit bn den Deuts hnatio- nalen Erfota gehabt habe. (Lachen rechts)

Abg. Koch-Weser (Dem.) Beantragt, zue Rede des Abg. v. Freytag zum öffentlichen An­schlag zu bringen. (Große Heiterkeit.) So habe noch niemand die Derantwortungsl.'ftgktit ferner eigenen Rede im Reichstag öffentlich dargelegt. (Unruhe rechts. Lebhafte Zustimmung links.) Der Zweck des Vorgehens der Demokraten sei es, die Hohlheit der deutschnationalen Agitation, die sich fünf Jahre lang breitgemacht habe, öffentlich festzustellen. (Zustimmung links und in der Mitte. Gelächter rechts.)

Abg. Graf Westarp (Dntl.) erklärt sich damit einverstanden, dah die Rede seines Partei- fteundes zur Weiterverbreitung im Lande an­geschlagen wird. (Heiterkeit rechts.) Das werde vielen Leuten die Augen öffnen. Dem Volke werden die Augen geöffnet über den Zynismus der Demokraten und Sozialdemokraten, eine Frage der Außenpolitik lediglich zu entscheiden nach innenpolitischen und taktischen Rücksichten. (Zustimmung rechts. Lachen links und in der Mitte.)

Die Abstimmung über Artikel 1 ergibt die Annahme der Vorlage mit 244 gegen 129 Stimmen bei einer Enthaftung. Dagegen stimmen die Sozialdemokraten, Kommunisten und Ratio­nalsozialisten.

Die Vorlage wird darauf in dritter Lesung und in der Schlußabstimmung angenommen.

Das Haus vertagt sich auf Dienstag 2 Uhr nachmittags. Reichsarbeitsministerium. Schluß 7 Uhr.

Die Kandidatur Marx.

Berlin. 10. Febr. (Priv.-Tel.) Zur heu­tigen Wahl des preußischen Ministerpräsidenten schreiben die Blätter, dah Marx voraussichtlich mit derselben Mehrheit gewählt wer­den wird, wie Braun. Marx werde fein Kabinett auf der Grundlage der Weimarer Koalition bil­den und versuchen, die W i r t s ch a f t sp a r t e i zur Stützung seines Kabinetts heranzuziehen. Laut demVorwärts" soll das preußische Mini­sterium des Innern unter der Leitung Seve -- rings verbleiben.

Das Verfahren gegen Sofie und Bauer.

Berlin, 9. Febr. Wie dasTageblatt" meldet, richtete der Rechtsbeistand Dr. Höfles an den Generalstaatsanwalt die Bitte, vom Erlaß eines Haftbefehls gegen Höfle Abstand zu nehmen, da Höfle nicht daran denke, sich des chm drohenden Strafverfahrens durch die Flucht zu entziehen. Der Klagevorwurf gegen Höfle lautet zufolge auf passive Bestechung und Amtsvntreue. Gegen den ehemaligen Reichskanzler Bauer soll ebenfalls bereits ein Ermittlungsverfahren auf Grund der Anschuldigungen eingeleitet worden sein, daß er gegen die seinerzeit bestehenden Vorschriften An­käufe von Devisen zum eigenen Vor­teil getätigt fjabe. Ferner soll die Frage geklärt werden, ob sich Bauer dadurch einer strafbaren Verletzung der Schweigepflicht schuldig gemacht habe, daß er den Gebrüdern Darmat politische und wirtschaftliche Infor­mationen aus Reichs stellen zugeleitet habe, auf Grund deren die Gebrüder Barmat Devisen spekulativ nen zum Schaden der Währung des Reiches vorgenommen hätten.

Der Himmelsbachprozeh.

Berlin. 9. Febr. (Priv.-Tel.) Rach drei­tägiger Pause wurde der Himmelsbach-Prozeß heute wieder ausgenommen. Roch vor Eintritt in die eigentliche Verhandlung kam es zunächst zu sehr erregten persönlichen Auseinandersetzun­gen zwischen dem Privatkläger Himmels- b a ch und dem beklagten F e r n b a ch. bzw. den beiderseitigen Rechtsbnständen. Die gegenseitige ©rregung steigerte sich noch, als Fernbach er­klärte, Rechtsanwalt Bäcker habe bei ihm auf jedem Kehrichthaufen herumgesucht, um gegen ihn Material zusamme-zutv'aen.

Zeuge Rechtsanwalt Wiltberger berich­tete zunächst über die technische Konferenz vom 22. Oktober 1924, die sich mit der Durch ührung des Londoner Abkommens beschäftigte. In die­ser oKnferenz gab das französische Forstkomitee die Erklärung ab, dah es über die unbegründe­ten Eingriffe gegen die an den Verträgen be­teiligten deutschen Firmen sehr erstaunt sei. dah die Alliierten schon vorher zu viel größeren Abholzungen entschlossen getoefe ntoären, und zwar habe man zwei bis drei Jahre hindurch jährlich 400000 Fe st Meter abholzen lassen wollen, wofür bereits ein starkes Ange­bot nichtdeutscher Firmen vorgelegen habe.

Wecker bek nbete der Zeuge, dah nach seiner Kenntnis der Dinge Himmelsbach nach Fer­tigstellung der Verträge ihm gegenüber es als die nächste Aufgabe bezeichnet habe, an die Re­gierung zwecks Eintritt in die Verträge heran­zutreten. Er sei dann entrüstet gewesen, als er hörte, Berlin habe diese Vertrage noch nicht einmal sehen wollen. Außerdem hätte der Vor­sitzende des französischen Forstkomitees keinen

Gießener Konzertverein.

Rudolf Serkin (Klavier).

Volle B-Dur-Alk ^rde in gespanntem Rhyth­mus eine andere Welt ersteht vor uns. Eine aufsteigende Linie setzt ein; durch eine Fermate unterbrochen, erhebt sie sich wieder, immer gesteigerter, dann fällt sie in Oktaven- gangen herab, verklingt im Pianissimo. Wieder die Anfnngsakkorde, jetzt ausweichend nach v°Dur. Der v-Akkord schwillt an und geht in einen Passagenteil über, der zum Thema in O vorbereiten will. Plötzlich löst es sich im Daß ab, wird von den Mittelstimmen ausgenommen, und nun wächst es sich in der Oberstimme aus. Ein kurzes Intermezzo führt zu einer Gesangs­melodie, die nach wenigen Takten in ihrer Wie­derholung durch dauernden Stiller in einer Mittelstimme immer erregter wird; feste Akkorde führen zum Abschluß deS ersten Seils. Das rhythmische Motiv der Anfangsakkorde wird zum Thema eines Fugatos, das sich immer mehr zur KlarHkraft erhebt, und unterbrochen durch ein Cantabile in bi-Dur zur Wiederholung der Themengruppe überleitet; diesmal das erste Thema erregt und bewegt. Zum Schluß senkt sich der Satz llanglich bis zum ppp; ein plötzlicher Fortissimoakkord schließt ihn av.

Das Scherzo (B-Dur) erwächst aus einem einzigen kurz geteilten Motiv. Einem Trio (B-Moll) mit einer einfachen melodischen Linie folgt eine kurze Presto-Episode, die wieder zum Scherzo führt. Hine kurze Coda leitet für wenige

Takte von B nach H und dann verklingt das Scherzo in B.

Der dritte Sah, ein breites Agadio (appas- fionata e con molto fentimento). ein Suchm nach Trost nach Erhebung. Einem breitausgesponne- ren bis-Moll-Them 1 folgt ein zwe teZ in gleicher Tonart, aber weniger fest mit den begleitenden Akkorden verbunden, gleichsam über ihnen in rhythmisch bewegten Figuren schwebend. Sin Zwischensatz in O-Dur mit sich antwortenden Stimmen der Höhe und Tiefe führt nach mehr­fachem Anllingen wieder hin zum ersten Thema, das diesmal in Zweiunddreihigstel aufgelöst er­scheint. Immer wieder neues Suchen dann ein ergebenes Verllingen im Bis-Dur-Akkorden.

Die erwachenden Kräfte des letzten Satzes finden ihre letzte Sammlung, ihre letzte Dan- nung und Formung in einer Fuge. Ein Largo, oft intermezzoartig durch Steigerungen unter­brochen, führt zum Allegro risoluto, mit einem voller Energie gespannten Thema; und so wird die strengste aller Formen zum Ausdrucksmittel voller musikalischer Feinheiten, zur Fassung tita­nenhafter Kraft. Dies das Werk. Mit feinen gewaltigen Klängen, wie wir es heute hören, hat es Beethoven nur in seiner Phan­tasie geschaut, weck über das hinausgehend, was die Instrumente seiner Zeit ihm an Klangkraft ju geben vermochten; obwohl der neue Drvad- wvodflügel ein Geschenk des Londoner Fabri­kanten an den Meister, die klangliche Anregung zu dieser Sonate gegeben hat.

Serkin ließ die von Beethoven geahnten Klange Erfüllung und Wahrheit werden. Mit

I ötoeifel daran gelassen, daß Paris in energisch- 1 ster Weise die Lieferungen aus den Verträgen verlangen würde. Himmelsbach habe deshalb von der Regierung verlangt, sie solle den Firmen wenigstens Kredite geben, dann wäre der Wald stehen geblieben und man hätte den Fran­zosen mit Hilfe dieser Kredite das Holz an­derweitig verschafft, aber auch darauf habe sich die Regierung nicht eingelassen.

Wiesbaden

englisches Hauptquartier?

Paris, 10. Febr.Echo de Paris" meldet aus Mainz, dort laufe hartnäckig ^as Gerücht um, daß die Engländer ihr Hauptquatier nach derRäumungderKönerZone in Wies­baden aufschlagen werden. Seit 2 Tagen besich­tigen Offiziere des brftischen Genera Istabes die Baulichkeiten, die zu militärischen Zwecken Verwendung finden könnten.

Holland lehnt den Garantiepalrt ab.

Amsterdam, 9. Febr. (Wolff.) Zu den in verschiedenen ausländischen, namentlich eng­lischen und französischen Blättern erschienenen Artikeln über die etwaige Teilnahme Hollands an einem westeuropäischen Garantie- Pakt, der Frankreich, Belgien, Holland und England umfassen solle, wird demTelegraaf" aus dem Haag berichtet, daß nach Auskunft von maßgebender Seite für derartige Betrachtungen nicht die geringste tatsächliche-Un- ter läge bestehe. Daß man Holland bewegen könne, sich einer solchen Übereinkunft anzu­schließen, müsse als vollkommen ausge­schlossen betrachtet werden. Auch dasAll- gemeen Handelsblad" weist scharf den Artikel des englischen Oberstleutnants Repington im Daily Telegraph", in dem dieser Vorschlag zuerst gemacht wurde, in einem längeren Aufsatz, der die Ueberschrist trägt:E i n unerwünschter Ratschlag", mit dem Hinweis zurück, daß die Riederlande bereits im Weltkrieg für ihre Sicherheit allein Sorge getragen hätten und glaubten, damit irt Zukunft auch a in besten zu fahren.

Ein neuer Smowjewbrief

DieBolschrwisierung der französischen

Kolonien.

Paris, 10. Febr. (TU.) DieLiberte" veröffentlicht in großer Aufmachung einen vom 2. Dezember datierten Brief Sinowjews an den Ausschuß der französischen kom­munistischen Partei, in dem er eine ver­stärkte kommunistische Propaganda in den französischen Kolonien fordert und den Abgeordneten Doriot zum Leiter des Propagandadienstes vorschlägt. Ferner kündigt Sinowjew an, daß den französischen Kommunisten ein Betrag von IV2 Mill. Franken in Ratenzahlungen durch den Pariser Vertreter der Iswestija", Rappaport zu Propag-andaztoecken in den Kolonien ausgehändigt werden wird. DieLiberte" beschuldigt Herriot. das vorstehende Dokument, das ihm durch eine offiziöse Agentur am 27./28. Dezember bekannt wurde, der Ö el­fen 11 i f e i t vorenthalten zu haben.Wir -beschuldigen Herriot", schreibt dieLiberte", Frankreich wissentlich dem Bolschewis­mus auszuliefer n.

Pasiischs Wahlsieg.

Das Ergebnis der jugoslawischen Wahlen.

Belgrad, 9. Febr. (SU.) Die gestern statt­gefundenen Wahlen zur Skuptschina haben einen Sieg der Regierung gebracht. Die Gesamtzahl der Mandate ist 315. Die absolute Majorität beträgt demnach 158 Sitze. Die Re­gierungsparteien haben zusammen 162 Mandate errungen, von denen 141 auf die radi- kal:n Rationalisten (bisher 108) und 21 auf die selbständigen Demokraten (bisher 15; Ptibitsche- witschpartei) entfallen.

Die Raditschpartei zieht mit 68 Ab­geordneten in das neue Parlament ein (bisher 70 Sitze). Die Demokraten (Dawidowitsch- Partei. bisher 33 Sitze) gehen aus den Wahlen mit 39 hervor. Die slowenischen Kleri- taten haben 19 Mandate bekommen (bisher 24). die bosnischen Moslems 13 (bisher 18), die mazedonisch en Sürken 1 Mandat (bisher 14), die Deutsche Volkspartei 5 (bisher 8), die serbische Bauernpartei 4 'bisher 11), die slowenischen Landwirte 1 Sih. Die Sozialdemokraten, die in der alten Skuptschina 2 Abgeordnete hatten, sind dieses Mal ohne Mandat. Die Wahlen sind im ganzen Lande im allgemeinen ruhig ve laufen, nur aus Bosnien und dem Delowarer Kreise werden Zusammenstöße zwischen opp sckienellen und Re- gierungsanhängem gemeldet.

gigantischer Kraft einerseits und feinstem Rach­gehen anderseits gab er das gewaltige Werk wie aus einem Guß. Wer so die Sonate zu meistern vermag, (wir haben augenblicklich nur wenige, die es To vermögen) der tft zu Größtem berufen; denn aus ihm spricht nicht nur der hervor­ragende Pianist, sondern der kongeniale Musiker.

Schubert ^-Dur-Sonate (op. 120) gehört einer ganz anderen Wett an. Frei von allem Auf­geregten, Problematischen, voller Beschaulichkeit, voller intimer Klangfreudigkeit und voller Emp­findsamkeit. Dort idas dramatische Ringen, hier das lyrische Moment im Vordergrund. Die ein­zelnen Sähe fügen sich völlig der althergebrachten Form, kurz und durchsichtig, flar in ihren Durch­führungen. Wie einfach das zweite Thema des Andante, und wie ergreifend schön wußte es Serkin zu gestalten. Und im dritten Satz ein Spielrondo im besten Sinne welche möglichen Steigerungen, und wiederum das Leichtbe­schwingte, Dewegungsfrohe eines längst ent­schwundenen Zeitalters wurden durch Serkin wach: ein Stilkünstler.

Den Abschluß des Konzertes blldeten Regers Variationen und Fuge über ein Thema von I. S. Dach. Ein choralmähiges Thema wird zunächst in strenger Weise orgelmähig variiert, von Va­riation zu Variation gesteigert; das Thema selbst zieht sich tote ein Faden hindurch. In den wei­teren Variationen ist das Thema im einzelnen nicht mehr Lecker, sondern wird in seinem Ge- samtcharafter zum Anreger. Da werden die ver­schiedensten Stimmungen wach, in breiter Kan- lilene. in impressionistischer Klcrngauflösung, in

Aus aller Wett.

Furchtbare Bluttat in Dens.

Eine furchtbare Bluttat hat sich in dec Samstagnacht in Dens zugetragen, wo der zwecke Sohn des Bergmanns Franz seine Hochzeit feierte. Der 19jährige Gebhardt Goß mann Hopfte gegen ein Llhr nachts gegen die Fenster des Hochzeithauses. worauf der Bruder des Bräu­tigams Christian Franz, auf den Hof ging um zu sehen, wer geklopft hatte. Er wurde im näch­sten Augenblick durch einen Schutz des Gohmann tödlich getroffen. Hierauf sprang der Bräu­tigam seinem Bruder zu Hilfe, erhielt ebenfalls einen lebensgefährlichen Schuß und starb an Verblutung. Als dann der älteste Bruder auf den Hof hinausging, legte der Gohmann auch auf ihn an. aber die Pistole versagte. Gohmann wurde verhaftet. Man bringt die Bluttat mit Streitigkeiten aus der Reujahrsnacht in Verbindung.

Haarmann entlastet Grans.

Der Massenmörder Haarmann hat am 5. Februar, als er in einem Auto zur Fest­stellung wichtiger Daten durch die Stadt gefah­ren wurde, einen Brief abgetoorfen, her­an den Vater des Mitverurteilten Hans Grans gerichtet war. Dieser Dries, der ein Geständnis Haarmanns enthält und den Zweed hat. seinen Freund Grans zu entlasten, befindet sich im De sitz der Staatsanwaltschaft. Der Verteidiger Grans. Rechtsanwalt Lotze, über­mittelt uns eine Abschrift des Briefes, in dem Haarmann sagt, daß Grans von den Mordtaten keine Ahnung gehabt habe und dah er, Haar- mann, den Grans aus Rache zu Anrecht schwer belastet habe.

Wie weit dem neuen Geständnis des Sexual« mörders Glauben geschenkt werden darf, muß durch neue Antersuchungen festgeftcllt toerden. Dem Verteidiger des Grans wird mit diesem Brief die Handhabe zu einem Wieder­aufnahmeverfahren gegeben, zumal Haarmann in­zwischen auch vor ben Richtern seine Grans be­lastenden Aussagen widerrufen hat. Die Ver­teidiger, Iustizrat B e n f e y und Rechtsanwalt Lotze, hatten heute bereits eine Untcrrebimg mit dem Oberstaatsanwalt.

Don der Burg Saaleck.

Auf der Burgruine S a a l e ck bei Bad Käsen wurde bei Erneuerungsarbeiten die alte H a us- k a p e l l e der Burg aufgefunden. Man kannte sie aus der Geschichte der Burg, hatte sie aber bisher noch nicht entdecken können.

DieDuckau" im Kieler Hafen angekommen.

Das RotorschiffBuckau", das Donners- tagnachmcktag 5 Uhr mit einer für Schottland bestimmten Holzladung von Danzig auslief, ist nach 68stündiger Fahrt Sonntagmittag um 1 Uhr in der Kieler Ducht eingetroffen. Es ankerte zunächst in der Kanalmündung bei Hol­tenau und ging dann zur Germaniatoerst, wo es mit einer Funkanlage ausgerüstet wurde. Die Verzögerung der Ankunft man hatte die Duckau", die für die Fahrt von Kiel nach Danzig nur 44 Stunden benötigte, bereits Sams­tagnachmittag erwartet erklärt sich aus den Stürmen der letzten Sage. Ramenllich am Freitag und Samstag hatte das Schiff schwere Böen zu bestehen, bei denen die Rotoren infolge starker Döen aus Rord und Rordtoest nicht in Tätigkeit treten tonnten. Sturzwellen schlu­gen über Deck und das Schiff schlingerte heftig, ohne aber ernstlich in Gefahr zu kommen. Auch ein Schneesturm, der Samstagabend über die Duckau" hereinbrach, wurde gut überstan­den. Die Weiterfahrt durch den Kanal wird voraussichtlich am Dienstag erfolgen.

Wetterkuriosa aus Rußland.

Rach Dlättermeldungen aus Moskau herrscht in Südruhland 20 Grad Kälte und liegt meterhoher Schnee. Die Eisenbahn Tiflis- Datum ist durch Schneeverwehungen unterbrochen. Die Tabak- und Südfruchtplantagen sind längs der Küste des Schwarzen Meeres bis zur Krim durch die Kälte schwer in Mitleidenschaft ge­zogen worden. Das Kaspische Meer ist stellenweise zugefroren. Im Gegensatz zu dieser ungewöhnlichen Kälte in Süd-Ruhland steht die auffallende Wärme in Mittel- unt Rordruhland. Seit der Gründung von Peters­burg ist in diesem Jahre zum ersten Male die Retoa nicht zugefroren.

Hungersnot in China.

Aus Peking wird gemeldet: In der Prv^ vinz Chili sind 1 600000 Menschen in diesem Winter vom Hungertode be­droht. Aehnliche Verhältnisse herrschen in 18 anderen Provinzen. Der Hunger in China ist so allgemein, daß die Frage:Haben Sie etwas zu essen!" zum geflügelten Wort gehört. Die Hochwasserkatastrophen haben über 5000 Ortschaften zerstört und beschädigt. Die Zahl der Menschenopfer konnte bisher unmöglich abgeschätzt werden; es mutz sich jedoch um eine ganz ungeheure Zahl handeln. Unge­zählte Tausende sind obdachlos, wandern um­her und schlafen im Freien. Es fragt sich, wieviel Menschen den Winter Überstehen können.

starker Erregung, in gesteigertster Klangentla-» düng, technisch bis an die Grenze des Lei­stungsvermögens gehend; und dann wieder die Reger eigentümliche Weichheit. Der Wechsel der so vielseitigen Erregungen und Stimmungen fin­det seine Krönung, wie bei Deethoven. in der Fuge; hier ein chromatisches Thema, aber den­noch in sich einheitlich geschlossen. Immer höher türmen sich die Klangmassen, der thematische Dau wird immer reicher, vielseitiger, mit vollen Akkorden schließt das Werk; ein getreues Ab­bild Regerschen Schassens, seiner impulsiven Ra- tur. Wenn Reger uns nichts anderes hinter­lassen hätte, dies Werk würde ihn« uns für alle Zeiten in feinem reifsten abgeklärten Können offenbaren. Das über allem Persönlichen stehende, religiöse Thema Bachs wird zum Zeugnis feiner Persönlichkeit.

Mck welcher Wärme setzte sich Serkin für dieses monumentale Werk ein! Voller Kraft, den feinsten Stimmungen nachspürend, das tech­nisch scheinbar Llnmögliche in vollster (Selbftber- ständlichkeck meisternd. Man vergaß den Ver­mittler, es war eben Reger, der zu uns sprach. Pianist und W rk waren eins geworden der Künstler zum Künder einer Persönlichkeit.

Der Abend war der Höhepunkt der bis­herigen Reihe der Solistenkonzerte. Das Publi­kum jubelte, mit Recht. Immer wieder wußte Serkin sich zeigen, er, der Große, immer wieder in seiner bescheidenen Art. -in«