Ausgabe 
10.2.1925
 
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Dienstag, 10. Zebruar 1925

irs. Jahrgang

Ztr. ö-t Erstes Statt

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Annahme von Lnzetae» sirr bie Tagesnummer Die zum Nachmittag vorher ohne jebeDerbtnbtichlleit.

Preis für l mm HSHe für Anzeigen von 27 mm Dre.teLrtlich8,au»wSri» 10 Goldpfennig; für Re- klame-SInjcigen o 70mm Brette 35 (Bolbpfcnnig, Platzvorschrift 20°, ?luf- schlag. - Verantwortlich für Politik u. (fcuiücton: Vr.Friebr.Wilh Langes für den übrigen Teil: Grifft Blumschem; für de» Anzeigenteil: HanoVech, jamtlich in (Biefjen.

Köln. 9. Febr. (ID5:5.) Der Reichskanzler Dr. Luther ist zum Besuch b'S besetzten Rhrin- landes hier eingetroffen. Rach feiner Ankunft stattete er dem Oberbürqermrister Dr. Aden­auer und dem Karbinal-Erzb schof Dr. Schulte einen Besuch ab und empfang dann den briti­schen Delegierten von Köln. Zu Ehren des Reichskanzlers veranstaltete di: S adt Köln heute abend ein Festessen, während dessen

Oberbürgermeister Dr. Adenauer den ReichSkon'.ler begrüßte und in eindrücklichen und beredten Worten die wirtschaftlich' Rotloqe des Rheinlandes und die b'ttere Enttäuschung über die Richträumung am 10 Januar schilderte. Tiit den Millionen Menschen, die das Rhri-land bewohnen, verfahre man im Zeitalter der 'S emo- kr atie tote mit einem Reger stamm tm innersten Alrika. Die Rheinlande hätten das Vertrauen zu bem Reichäka-z'er. daß er die Der- Handlungen mit aller Energie durch'uhre w'.d dast es ihm gelingen werde, noch vorhandene Delurch- tungen auf der Gegenseite über Rüstungen Deutschlands zu zerstr"uen. wie er das sch^n getan habe. Er schloß: Wir wissen und vertrauen, daß Ihre Politik s-ch nicht lediglich auf fable Bernunft stützt sondern daß ihr dec machttoe Antrieb des Gemüts und des He ze.-is, den 3h-en die Liebe zu Ihrer zwe ten Heimat de Lteoe zum Rheinland gibt nicht fehlen wftd. 3n btefem Tertrauen, meine Damen und Herren, bitte ich zum Ausdruck zu geben, der Herr Reichskanzler lebe hoch. hoch, hoch!

Hierauf ergriff

Reichskanzler Dr. Luther

gesund zu werden, erschüttert, bann tragen bie Arbeiter die Folgen des wirtschafüichen Scha­dens mit. Rur wenn unsere Industrie erliartt, kann sie bessere Lohn- und ArbeftsbeblngungQi gewähren. Daß die Industrie die Pflicht hat. schon jetzt das Möglichste in dieser Hinsicht zu tun. wird von einsichtsvollen Kreisen nicht ver­kannt.

Die Regierung hat die Pflicht, alles zu tun, um die Lage der breiten Masse so zu bessern, als es die Verhältnisse eben ermöglichen. Ander- seits hat sie auch die Pflicht, staats- und Volks- feindlichen Bestrebungen, wie sie die Kommunisten verfolgen. nachhaltig entgegenzutreten. Die kommunistischen Pläne müssen von vornher­ein vereitelt werden. Wir brauchen Ruhe im Lande und Ordnung. Wo sich Mißstände zeigen, wo sich Ungerechtigkeiten enthüllen, da soll unverzüglich eingeschritten werden Es ist manches nicht so, wie e8 sein sollte. Hier muß gesäubert werden. Die Arbeiterschaft soll Ver­trauen haben zur Regierung, daß sie für sie tun wird, was möglich ist, ohne die Grund­lagen unserer Wirtschaft zu erschüttern, sie soll aber auch wissen, daß sie Putschereien zu unter­drücken weih.

Der Tschekaprozeh.

Der Kanzlerbesuch am Rhein.

Dr. Luthers Rede im Kölner Gürzenich. Räumung und Sicherheit

um den gewaltsamen Umsturz in Deutschland. I die Diktatur des Proletariats herbei- zuführen und fobarm etwaige Verräter an der kommunistischen Sache zu beseitigen. Dazu sollte eine straffe, zentralistische, militärische Organisation dienen, für die Waffen. Sprengstoffe und Munition beschafft werden sollten. Der militärische Leiter der ganzen Geheimorganfta- tion soll der Russe Skobelewsky. Alias Gorew. gewesen sein. Auch die verwerflichsten Mittel sollten angewendet werden. So wird der Tscheka vorgeworfen, sich Cho le ra - u n d T h » phusbazillen beschafft und Versuche damit angestellt zu haben, Weiter soll sie Atten- ta t c gegen General von Seeckt. Stin- nes, von Dvrsig und andere politische Per­sönlichkeiten geplant haben. Der Hauptgegai- stand der Ds^andluna wird die Ermordung des Friseurs Rausch bilden. In den kommunisti­schen Zeitungen wurde die Tscheka ckls 2lbwehr- organisation gegen die Spitzel in den eigenen Reihen bezeichnet. Die Verhandlung findet unter dem Vorsitz des Senatspräsidenten Rietoer statt. Die Anklage vertritt Reichsanwalt Dr. Reumann mit Unterftütjung von Landgerichtsrat Flöget.

Erscheint täglich, außer Sona* unb Feiertag«.

Beilagen: viehenerFamilienblLtter Heimat im Bilb.

BlonaBBejrgspreis: 2®olbmath u. 20 ®olb« Pfennig für Träger lohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernspre ch.Anschlüffe: Schriftleitung 112, Der» lagunbEeschäftssteNeSl. Anschrift für Drahtnach- richtem AniefaerGietze«.

povscheckkonlo:

SranffMrt a. M. 11686.

Kommunistische Pläne.

Don unserem Sortmun^er Mitarbefter.

Di- Wahlniederlage, die die Kommunisten am 7 Dezember erlitten haben, hat ihre Führer für tunte Zeit stutzig gemacht. In Moskau hatte manÄ einen Sieg öet Sonmuniften geW«. FLr fap Riederlagc rächte sich Moskau dadurch, daß verschiedenen Söldnern der Brotkorb hoher ge­hängt wurde. Das hals. Die Extremisten, die allen Parlamentarismus verwarfen und nur im Terror daS Heil erblicken, bekamen ilebertoaffer. Die Führer, die des Trotzkismus verdächtig sind, wurden kalt gestellt. Die schärfste Richtung gibt den Ton an. Für einen bevorstehenden Put s ch Wird 'alles vorbereitet. Die Wa f en- und Muni- tionSfunde in K ö l n und in anderen Orten geben zu denken. In L ü t g e n - ® o r t m u n b ist dieser Safle In einem Hause, das von Kornrnunlsten be­wohnt wird, eine Explosion von Handgranaten erfolgt, bei der zwei Bergleute^ Vater und Sohn, schwer verletzt wurden. Der Sohn ist inzwischen gestorben. Die Verletzten und einige andere Per­sonen sind überführt. Sprengstoffe aus der Grube mit nach Hause genommen zu haben, um daraus Handgranaten und Bomben anzusertigen Sie liehen durchblicken, daß etwas bevor stehe.

Es besteht kein Zweifel darüber, daß die Funde in Köln. Lütgen-Dortmund und in Mittel­deutschland in ursächlichem Zusammenhang stehen. Auch ist die in H a 11 c abgehaltene Betriebs­räte - K o n f e r e n z für den mittelbeut- schen Bergbau" nur der Auftakt zu der Ak­tion die für den gesamten Bergbau geplant ist. ImRuhrgebiet w llen die Ko mu iste.i den Bergarbeiter streik pr k ami r.n zug'.e ch soll er im rheinischen und mitteldeut­schen Braunkohlenrevier wie auch tm Aachener Steinkohlenrevier ausge­rufen werden. '

Die Öage ist gegenwärtig sehr gespannt. Im Ruhrdergbau fordern die Bergarbeiter die Achtflundenschicht für alle Arbeiter über Sage und die Siebenstundenschicht unter Tage. Die unterirdisch beschäftigten Arbeiter siick) für eine gewisse Frist bereit, 7V- Stunden zu arbeiten, verlangen jedoch dafür die halbe ©tunbe beson­der- und mit 25 Prozent Zuschlag bezahlt- Die Zechenbesther erklären das für unmöglich. 3m Frieden habe die Arbeitszeit 8V3 Stunden und bet Hauerdurchschnittslohn Mk. 5.60 je Schicht betragen gegen Mk. 7.06 heute bei 8 Stunden. Die Randzechen müßten auf der 81/, stündigen Schicht (es ist jedesmal die Sin- und Ausfahrt mit ein- gerechnet, die die effekftve Arbeitszeit um eine Stunde verkürzt) bestehen, da sie sonst die Verluste nicht wettmachen könnten, mit denen sie letzt arbeiteten. Auch die Arbeiter im rheinischen Braunkohlenrevier haben daS Arbeftszeftabkom- men gekündigt. Die Verbände der Metallarbeiter haben das mit der Gruppe Rordwest getroffene Lohn- und Arbeitszeitabkommen gleichfalls zum 1 Marz gekündigt. Der Kamps um Lohn und Ar­beitszeit wird also auf der ganzen Lime ent-

Hilfe angedeihen lassen, hätte die Regierung hier in erster Linie einspringen muffen. Wenn Verstöße auf dem Gebiete der Ertoerbslossnunter- stützung vorgekommen wären, so liege die Schuld nicht bei den Gewerkschaften. Der Redner for­dert für die Erhöhung der Unterstützungssätze eine Zwischenlösung und einen Ausgleich der einzelnen Sähe in den verschiedenen Wirtschafts­gebieten. ,

Abg. Hartmann (Sem.): Die beste Lö­sung der ErwerbSlosenfrage liege in der Be­schaffung von Arbeitsmöglichkeit. Hier müsse besonders die Erschließung von Moor- und Oedländereien in Angriff genommen werden.

Abg. Dartschat (Dem.) beantragt einen Betrag von 80 Millionen vorwiegend für die Unterstützung solcher Erwerbslosen zu verwen­den, deren Unterstühungsdauer abgelaufen ist. Der Redner fordert weiter eine Summe von 80 Millionen zur Herstellung von Klein- und Mittelwohnungen und zur Oedlandkullivierung.

Abg. Rädel (Komm.) verlangt Erhöhung der Mittel für die produktive Erwerbslosen für- sorge auf 500 Millionen Mark.

Ministerialrat Weigert wendet sich gegen die Ausführungen der Linken, als ob die letzte Erhöhung der Unterstützungssätze eine Knickerei sei. Für den Wohnungsbau sei die produftive ErwerbSlosenfüriorge ungeeignet 3m kommen­den Frühjahr werde voraussichtlich unter den Bauarbeitern keine Arbeitslosigkeit herrschen, eher werde es an gelernten Arbeitern fehlen.

Die Beratungen wenden sich dann dem Ab« schnftt

Tarifverträge, Lohn- unb Einigungswesen

zu. Abg. Gok (Dnat.) stellt nach seinen Erfah­rungen als Beisitzer im Schlichtungsausschuh feft daß die SchlichtungSeinrichtungen nur sehr küm­merliche Erfolge gehabt hätten. Es fei ein ver­hängnisvoller Irrtum, zu glauben, daß die Un- ternehmer irgendein Interesse an niedrigen Löh­nen hätten. (Lachen links.) Er habe an r i ch t i g e n

Deutscher Reichstag.

Berlin. 9. Febr. Am Regierungstisch: Reichsarbeitsminister Dr. DraunS.

Präsident Lobe erofft^t die Sitzung um 2 20 11b r und teilt mit daß der Wg. Hos 1 e (Zentr.) sein Reichs t ags manba t nie­der g e l e g t habe. (Lebhaftes Hott hört I)

Die Einzelberatung des Reichsarbeitsministeriums toirb fortge etzt mit der Besprechung des Äbfchnfttes: Arbeitsvermittlung und Erwerbslosenfürsorge.

Abg. Dreh (Soz.) wendet sich gegen die zahlreichen De 11 i eb S ft i 11 eg un g en bei Reichsbetrieben, wodurch Saufende ton atfeUCTn erwerb-los geworden seien. Da die Privatbetriebe diesen Erwerbslosen großzügige

Leipzig. 9. Febr. (Wolff.)Bor bem Staatsgerichtshof zum Schuhe der Republik be­ginnt morgen der große politische Prozeß gegen die sogenannte .Deutsche Tscheka amtlich als Prozeß gegen Reumann und Genoffen bezeichnet. Angellagt sind 16 Kommunist^, samt' sich wegen Hochverrats bezw Beihilfe bazu in Tateinheit mit Geheimbündelei. gemäß dem Republiffchutzgeseh: einige von ihnen auch toeaen Verabredung zum politischen Mord, wegen W o r d e S und weiter wegen Vergehens gegen das S p r eng st of f g esetz und die Was s enordnung.

FauMet, daß nach dem Muster der russischen 1 Tschcka die deutsche Tscheka gebildet worden sei,

In Gürzenich sah man die hervorragendsten Vertreter deS Rheinlandes, wie den Oberprä­sidenten FuchS. den Regierungspräsidenten Grasen Adelmann, den früheren Vizekanzler Dr. Jarres, der jetzt wieder als Oberbürger­meister der Stadt DuiSbuig wirft, ferner den Kardinal Erzbischof Dr. S ch u l t e. Generalsuper- intendant Klingemann. Reichsjustizminister Dr. F r e n f e n . Landeshauptmann Dr. Horion , die Verleger der Kölnischen Zeitung Re wen unb Dumont, Geheimrat Strauß. General­direktor Shlberborg Geheimrat Hagen, den Führer der Vereinigten Zentrumsparteien Münig. Exzellenz Wallraf, nahezu sämt­liche Abgeordneten des Rheinlandes, die Vertteter der Universität, Wissenschaft und Kunst. Rechts neben dem Kanzler sah der alte August Thyssen. Um 11,39 Uhr hat der Kanzler die Weiterfahrt nach München an­getreten.

der ftanzöfische Ministerpräsident bereit, die nördliche Rhrinlandzone sofort zu räumen, nach­dem die Beseitigung der Deutschland etwa nach­gewiesenen Verstöße in der Abrüstung sicher- gestellt ist?"

Ich habe auf diese Frage eine Antwort bis heute nicht bekommen.

(Hört, hörtl) Wohl aber ist von politischer Seite in der französischen Dresse ausgesprochen worden, daß die Räumung der Kölner Zone nicht etwa nur von der Entwaffnungsfrage. sondern auch davon abhängig gemacht werden solle, daß vor­her ein besonderer Sicherheitspakt zugunsten Frankreichs zu st an de kommt. Ich kann nicht annehmen, daß in dieser Auffassung die Antwort der französischen Regierung zum Ausdruck kommt. Immerhin kann ich bei der begreiflichen Deunruh gung. die über diese Frage nicht nur im besetzten Geb et, sondern in ganz Deutschland besteht, folgendes bemer­ken: Ich hab- namens der beutf4' ; Reichsrenie- rung ausgesprochen, daß die beut h- Reich re- gienng bereit ist, an der So)...: 1 der © dy-r- hesisfrage positiv m tjuarbeiten. Sollte man aber, meine Damen und Herren, von der Lösung dieser Frage die Räumung abhängig m a ch e n , s o mutz dieser Gedanke, der keiner­lei Begründung im Vertrage von Versailles findet, mit allem Rachdruck zu­rückgewiesen werden. (S hr richt g!) Cs wäre nicht nur das G-genteil des Geistes, der zur Genugtuung Deutschlands im Londoner Ab­kommen zum Ausdruck gekommen ist. fonbern er war überhaupt das Gegenteil des Gedankens internationaler Vereinbarung. 3a. meine Samen und Herren, das Gegenteil des Gedankens der Sicherungsverträge selbst. Denn auch diese Siebe- rungßoerträge müssen eben, wenn sie ihren Zweck erfüllen tollen, unter dem Gesichtspunkt der Ach­tung vor den Verträgen stehen. (Sehr wahr!) And diesen Gesichtspunkt der Achtung vor dem Vertrage müssen wir auch für die Bestimmungen n Anspruch nehme», die sich beziehen auf die Räumung der nördlichen Rheinlandzone, und in denen von Sicherung^bedingungen nichts ent­halten ist.

das Wort. Meine Damen und Herren! Rhein­lands Schicksal ist Deutschlands Schicksal! Rhein­lands Freiheit ist Deutschlands Freiheit! Das ist die Auffassung der deutschen Reichsregierung, und die Ihnen auszusprechen, obwohl es für jeben Deutschen selbstverständlich ist. bin ,ch zu Ihnen gekommen. Wir haben in unserer Arbeit dafür gesorgt, die Rheinlande nicht zu elfter Reparationsprovinz zu machen. Wir werden in unserer weiteren Politik dafür sorgen, daß die politischen Auseinandersetzungen zwifchenDeutsch- land und den Miierten nicht zum Schaden des Rheinlandes sich vollziehen. (Bravo.) Der Reichskanzler kann von der Frage per Richträumung der nördlichen Rheinlandzone nicht sprechen, ohne immer wieder in die Welt hinaus- zurufen, daß die Grundlagen für die ein­seitige Entscheidung der Alliierten über die Richt- räumung b i s zum heutigen Tage nicht mitgeteilt worden sind. Der ^zatbeftaiw ist also der, dah die Voraussetzungen für Ver­handlungen über die Räumung ausschliehsich von Seiten der Alliierten nicht befolgt worden sind. Zu Verhandlungen ist die deutsche Regierung, wie ich bei jeder sich bietenden Gelegenheft aus­gesprochen habe, bereit. Die deutsche Regierung ist ebenso bereit, berechtigte Anstände, die etwa von Seiten der Verbündeten in der Frage der Entwaffnung erhoben wurden, ober die sonst zur Kenntnis der deutschen Regierung kommen, 'auf das schnellste aufzurollen. Ich habe tu eirter Rede die ich am 30. Januar vor den auslän­dischen Journalisten, also vor der Weltof ent- lichkeit gehalten habe, an den Herrn französischen Ministerpräsidenten die Frage gerichtet:

brennen. _ , . .

Die beiden großen Dergarbeiterverbande, der Verband der Bergarbeiter Deutschlands und her Geweilverein christlicher Bergarbeiter, nehme'-, eine scharfe Stellung gegen das Arbeftgebertum ein. In christlichen Bergarbeiterversammlungen ist offen von dem bevorstehenden Kampf ge­sprochen worden. Die Bergarbeiter sind nicht nur unzufrieden mit dem Lohn und mit der Ar­beitszeit. sondern auch mit der Knappschaft. deren Leistungen in keinem Verhältnis stünden zu den hohen Beiträgen. Biel zur Erregung bel- getragen haben auch die je nach Parteistellung scharf kritisierenden Auslassungen der Gewerk- schafts- und Tagespresse zu den an die Ruhr- industriellen gezahlten Mgeltungen für die Ende 1923 von der Industrie übernommenen Micum- ßaften. Sie Arbeiter fordern, daß aus diesen Zuweisungen auch sie cire Entschädigung be­kommen für die Einbussen, die sie unter dem Druck der Verhältnisse durch niedrige Löhne und Ar- ^eit. Arbeitslosigkeit unb Feierschichten er- ^"^an'^siehl, es ist viel Zündstoff vorhanden. Die K o m m u n i st e n . die sich bisher etwas im Hintergrund gehalten haben unb die Ge­werkschaften Arbeit verrichten lassen, bereu Frucht in ihre Scheuer bringen wollen, halten letzt anscheinend die Zeit für gekommen, um die Arbeiter zu Schritten zu perleiten. die ver­hängnisvoll für unsere Wirtschaft werden müssen Ob. wenn die Massen aufgeregt und erbittert sich zu Anbesonneuheiten hinreihen lassen der Gewerkverein und der Dergarbeiterverband sie noch in der Hand haben, steht nach, den Erfah­rungen im Mai 1923 unb im Mai 1924 sehr dahin. . . _ _..

Es darf nicht verfamft werden, daß Die Ar­beiterschaft namentlich deS Ruhrgebietes in den beiden letzten Jahren große Opfer ge­bracht und viel gelitten hat. Die Ur- fache liegt in dem Druck, der auf das ohn­mächtige Deutschland ausgeübt wurde. Amnah- lich scheint eS besser werden zu sollen: die Indu­strie kommt mehr unb mehr in Gang. Aber noch find große Schwierigkeiten zu bewältigen. Der Absahmarft. der durch den Krieg unb noch mehr durch ben Friedensvertrag eingeengt wirb, muß langsam zurückerobert werden. Das Ausland ist nicht durch Reparationen belastet, seine Industrie hat nicht entfernt die Steuerlasten zu tragen wie die deutsche Industrie, die allein aus dem Dawes- abkommen ml* V/r Milliarden vorbelastet ist. DaS tonn natürlich nicht ohne Rachteils auch für den deutschen Arbeiter blei- Ben. Folgen sie den Putschisten, die das Chaos wollen, um ein utopisches Reich aufzurichten, dann sägen sie den Ast ab, auf dem sie sitzen, flvird unsere Industrie jetzt, wo sie sich anschickt.

ich auch, daß die Gegnerschaft gegen daS Kabinett nicht ausartet in hä­mische Feindschaft. W«mn wir nicht di« Grundlage für unsere Zusammenarbeit übeihaupt verlieren wollen, dann müssen wir im parla­mentarischen Zusammenleben auch lernen, die Gegnerschaft nur sachlich zu gestalten. Die Opposition g-hört zum parlamentarischen 'Betrieb.

Die Opposition darf aber nicht Feindschaft sein und, wenn sich die gegenwärtige Regierung auf eine Mehrheit stützt, unb sich auf eine Mehrbeit stützen muß, wenn sich gerade darin der parla­mentarische Grundgedanke unseres SiaatSwe'enS auSwirkt, so lege ich doch ein ebenso große- Ge­wicht darauf, immer wieder zu betonen, daß diese Mehrheitsbildung keinen Ausschluß der an­deren von der Mitarbeit bedeutet, die bereit sind, im staatsbejahenden Sinne mftzuarbeiten.

(Bravo!) Unb, da die ganze überwiegende Mehr­zahl unserer Devöllerung zu solcher staats- oeiahenden Mitarbeit bereit ist, so ist eS gerade in her Stunde der Rot Aufgabe des führenden Reichskanzlers, nach seinen Kräften dafür zu sorgen, baß die deutsche Wittensbildung sich aus so breiter Grundlage vollzieht, wie nur irgend möglich.

Zweierlei habe ich in den Rh ein landen In mich ausgenommen. Ich möchte sagen: Deut­sches Sein und deutsches Werben. Deutsches Sein, auSgedrückt in ber Kultur des Rheinlandes. in bet deutschen Kultur des Rhein- landcs, die älter als ein Jahrtausend ist, und die aus bem deutsche Volk nicht hinweggebracht werden kann, bic ihren Ausdruck gefunden hat in den unzähligen äußeren Gütern, aber auch in unzähligen seelischen Werten, die eng ver­schlungen sind mit bem deutschen Wesen über- Haupt. 11 nb deutsches Werden, bas ist bas, waS sich vollzieht auf bem Boden deS Inbustrie- gebietes, nicht beschränkt aus das Ruhrgebiet, obwohl dort das Kräftigende zum Ausdruck kommt Hier in Köln, angesichts des Kölner Domes, fordere ich Sie auf, mit mir zu rufen: Es lebe der deutsche, deutsche, deuffche Rhein, er lebe hoch, hoch, hoch!) Die Versammlung erhebt sich unb stimmt begeistert in den Ruf ein. (Bei­fall unb Händeklatschen.)

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

vrvck und Verlag , vrühl'fche Univerßlätr-Vuch- und Steintruderci R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Lchulftraße 7.

Das ganze deutsche Doll weiß mit Sicherheit und wirb es von Tag zu Tag mehr wissen, daß es sich bei ber Lösung ber Kölner Frage nicht uni eine Frage des besetzten Gebietes, sondern um die Frage Deutschlands handelt. Herr Oberbürgermeister Dr. Adenauer hat die Freundlichleit gehabt, seine Ausführungen in einem Hoch auf ben gegenwärtigen Reichs­kanzler ausklingen zu lassen. Ich sehe dann eine grundsätzliche Zustimmung zu den Zielen der Politik, wie sie die gegenwärtige Regierung ver­folgt. Denn es handelt sich nicht um die Person, sondern darum, ob wir die geeignete Form gefunden haben, Deutschland wieder zur Geltung zu bringen. Gerade aus dem Geiste heraus, den ich im Rheinland suhle, aus bem Geiste, der das gesamte Schicksal über kleinen unb kleinsten Zwistigkeiten fehen will, möchte ich von biefer Stelle aus bic Ditte an Deutschlanb richten, ber gegenwärtigen Reichsregierung bic Dahn für bic Arbeit frei zu öffnen. Dazu rechne ich auch, bah bie hämischen Versuche, Zwistig- lwt leiten zwischen bie Mitgsieber des Kabinetts Ist zu säen, eingestellt werben. (Bravo!) Dazu rechne