Ausgabe 
10.1.1925
 
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Außenpolitische Umschau.

Von Prof. Dr. Otto Hvetzsch. M. d.R.

Die Räumungsnote der Alliierten ist am 6. Januar veröffentlicht, die d e u t f ch e Antwort darauf noch am selben Tage über­reicht worden. Leide Dokumente sind nur pro­visorischer Art. Das der Alliierten verweist auf den endgültigen Schlußbericht der Kommission und die darauf aufzubauende Schlußnote. Die deutsche Rote kann lediglich gegen Den Rechts­standpunkt oder vielmehr Anrechtsstandpunkt der Alliierten protestieren und muh im übrigen auch abwarten, bis Deutschland im einzelnen bestimmt und amtlich gesagt worden ist, was man ihm vor­wirft. Denis das ist das Unerhörteste an die­sem Rückfall in die Sanktionspolitik, dah, wäh­rend PoincarS derartige Decstöhe jedesmal wie ein Advokat ausführlich begründete, dieses Mal eine Reihe ganz allgemeiner, ganz vager Behauptungenbeispielswei.se" her­ausgegriffen wird und das Urteil, die Straf-- mahnahme der Richträumung, ausgesprochen wird ohne Mitteilung des Tatbestandes an den Be­klagten.

Die Durchsicht der englischen Presse ergibt, dah es England dabei selbst nicht wohl ist. Man weist darauf hin. dah es notig sei. klipp und klar zu sagen, was man Deutschland vvrwirft, und hat ein Gefühl dabei, dah die Weltmeinung sich bei dieser Lage der Dinge gegen England wenden muh. Auf der Welt und bei uns hat niemand erwartet, dah Frankreich England an­treiben würde, die 'Bestimmung Öc8 Art. 429 des Versailler Vertrages einzuhalten. Englands Pflicht war es, auf dem Recht zu bestehen und nicht, wie das jetzt geschieht, eine rechtswidrige Handlung, nämlich die Ruhrbesehung, durch eine zweite rechtswidrige Handlung, nämlich dieRicht- räumung der Kölner Zone zu bekräftigen.

Es wird aber jetzt ganz llar. dah Herriot in den Vorbereitungen zur Londoner Konferenz ausdrücklich aussprach, er könne auf die Pfänder­politik nur verzichten, wenn Frankreich seine Sicherheitsforderung befried'gt erhalte, und dah Macdonald das anerkannt hat. Unter der französischen Sicherheitsfvrderung verstand man damals das in Vorbereitung befindliche Genfer Protokoll, das im September an­genommen wurde. Macdonald war bereit, dieses Protokoll zu ratifizieren, das neue engl.sche Ka­binett der Konservativen sieht sich nicht in der Lage und sieht sich Frankreich gegenüber m der Rotte eines Genossen, der das Verhältnis mit dem bisherigen Genossen nicht nur festhalten, sondern eher noch enger ziehen möchte, und der doch dem anderen in dieser wichtigen Angelegen­heit das Wort nicht gehalten hat.

So ist Chamberlain F ankreich in der Räumungsfrage entgegengekommen und in d'efer Verquickung zwilchen Räumung und Sicherheitsfrage liegt das Bedrohliche und die Gefahr des Konfliktes in erster Linie, vor allem in der Richtung, dah damit der Kon- fiikt wahrscheinlich längere Zeit andauern wird. Denn die Forderung: Sicherheit Frank­reichs ist leicht ausgesprochen, aber schwer be­antwortet. Schon zwischen Engländern und Fran­zosen ist eine Verständigung darüber nicht leicht. Zwischen Deutschland einerseits und den Alliierten ist die eigentlich ausgeschlossen. Denn es gibt keine Lösung dieser Sicher­heitsfrage in dem Sinne, wie er den Franzosen vorschwebt, die für Deutschland annehmbar sei.

Wir wollen uns darüber klar sein, dah d i c Kölner Zone nicht geräumt tocrfrm wird, 'solange französische Truppen im Rubr- gebiet stehen und solange nicht die Sicherheits­frage eine Lösung nach dem französisch-m Wunsch und der französischen Vorstellung gefunden hat. Man bemüht sich in England, die Lage zu meistern. Man fordert, dah Deutschland Zeit ge­geben werde, einige Monate oder tote lange, damit es feineVerfehlungen" in der Entwasf- nungsfrage wieder gutmache und dann würde, unter A Verkennung des deutschen Vertrags-echts, die Kölner Zone g-'räumt werden. W mt t bereits gesagt ist. dah dann auch die endgültige Räu­mung des Ruhrgebietes nach vorwärts gezogen würde und. womit wieder g.'sagt ist dah ü'»er die Sicherhellsfrage mindestens eine Art erster all­gemeiner Verständigung erzielt sein mühte. Da in diese Sach? auch Die Angelegenheit der inter­alliierten Schulden eimgreift. die jetzt ii der am 7. begonnenen Min'sterkonfevenz in Pa>?is be­handelt wird, so liegt auf der Hand, dah sich Deutschland und auch Europa auf eine Kr.sis von längerer Dauer einrichten muh.

Das ist nicht im Sinne Rordamerikas. Die Annahme des Dawes-Planes hat die gute Folge, dah Rordamerika auch an d rlei Streit­fragen wie der Kölner Ang rieten bet intere.'siert wird. Man rechnet, dah An?r ka seit vorigen Herbst rund lA Milliarde G ldmark in Deutsch­land angelegt hat, und es sei daran erinnert, dah die Stützungsanleihe der Dank von Frankreich von Amerika konsolidiert worden ist. Man be­fürchtet drüben von einem solchen Konflikt, der ja ausschließlich von einem Rückfall in die Sank- tionspolitik auch noch weiter und zu noch wei­teren. noch ernstlicheren Konsequenzen führen kann, eine Gefährdung der eigenen An­lagen. Und wenn auch die genannte Summe für den amerikanischen Wohlstand heute nicht groß ist, so will niemand in Rordamerika auch diese kleine Summe verlieren. Amerika fordert darum politische Ruhe in Europa, verlangt Ent­spannung in kurzer Frist, und da cs eben schon drin ist, ft> können wir sicher fein, dah es in Paris und London energisch feinen Standpunkt ver­treten wird.

Das ist ohne Zweifel ein Aktivum für uns und ein Weg, auf dem aus diesem Konflikt her- audgefommen werden kann. Ergibt sich in ihm für unS die Möglichkeit zu Verhandlungen, so ist dafür selbstverständlich Voraussetzung, dah Deutschland mitgeteilt wird, was man ihm vor- toirft. Weiter ist Voraussetzung für Verhand­lungen. bah man unser Vertrags recht mit einer klaren Interpretation des Artikels 429 anerkennt und diese Verhandlungen unter abso­luter Gleichberechtigung Deutschlands tufjrt. Ferner sollen wir uns Mat sein und von der anderen Seite Klarheit darüber fordern, was he sich unter jener Sicherheitsfrage Frankreichs denkt.

Schließlich muh zwischen Sicherheits­frage und Handelsvertragsver- handlungen die Drücke geschlagen werden, wie wir es schon längst gefordert tjahen. Jetzt hat man doch den Staatssekretär Trendelen- burg aus Paris zurückrufen müssen; die Ver­handlungen find auf einen toten Punkt gekommen. Wird jetit nicht sinnfällig Mar, welch ein demüti­gender Widerspruch cs ist, in der einen Sache, wo

Sturmzeichen im Reichstag

dah nach mühseligen Verhandlungen Frankreich mit einem Tarif kommt, dessen Minimalzölle eine Abmachung ausschließen? Wäre es nicht richtiger und verständiger gewesen, den Vertrag mit England zunächst einmal zurückzulegen und mit Frankreich nach Weihnachten überhaupt nicht die Verhandlungen zu eröffnen?

es Der anderen Seite patzt, als nicht gleichberech­tigt behandelt und vergewaltigt zu werden, imb in der anderen Sache, well es der anderen Seite paht, als gleichberechtigt behandelt zu werden, nämlich berechtigt. Zugeständnisse zu machen, für die der andere so wenig wie möglich geben will. Was erreichte Deutschland im Ver­trag mit England? Ost es nicht der reine Hohn,

Der Fall Hoesje.- 1

Während Herr Marr am Freitag den ganzen Tag wieder in vollendeter Hilflosigkeit zwischen dem Reichstag, der Reichskanzlei und der Wohnung des Reichspräsidenten hin und her pendelte, hielt das Parlament pro forma eine Sitzung ab, um irgendwie die Zeit tot- z u s ck l a g c n. Der Cxplosionsstoff. der sich aber allmählich zwischen allen Parteien aufsammelt, führte doch wiederholt zu Entladungen in Form stürmischer Auseinandersetzungen. Die Wiedererrichtung der Ausschüsse für Krcegs- beschädigtenfrage, für die besetzten Gebiete und für Aufwertung wurden zwar debattelos be­schlossen; auch die K o m m u n i st e n konnten zu­frieden sein, dah wenigstens zwei ihrer inhaf­tierten Abgeordneten auf Deschluh des Aus­schusses. dem sich der Reichstag einstimmig an- schloh, der Haftentlassung zugesührt wer­den sollen, dagegen wurde die Einstellung des Strafverfahrens gegen Höllein abgelehnt.

Wenn es hier nur zu gelegentlichen Tem- peramentsauSbruchen kam, so schloß sich daran bei der Beratung des Postgesetzes die erste richtige Skandalszene des Reichstages. 5>en Anlaß dazu gab 6er Abgeordnete Henning von den Rationalsozialisten, der mit einer ge­sunden Portion Bosheit verlangte, dah der Reichspostminister selb st,falls er noch im Amte fein sollte", das neue Postgesetz zu vertreten habe, um gleichzeitig Rechenschaft ab­zulegen über die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Herr Ho es le hat es nämlich vorgezogen, sich durch seinen Staatssekretär vertreten $u lassen. Der Antrag fand zwar keine Mehrhell, die Rationalsozialisten erreichten aber praktisch doch ihr Ziel, da von ihrer Seite dauernd die Zwischenrufe ..Barmat-Schieber" kamen. Der Rationalsozialist Henning kündigte gleichzellig an, daß er der Staatsanwaltschaft Rkaterial über­geben würde und die Einleitung einer Unter» suchung gegen Hoesle beim Staats- gerichtshos beantragt habe.

Das Zentrum wurde unter diesen heftigen Angriffen sichtlich nervös und schickte zuletzt seinen Vorsitzenden Fehrenbach vor. um sich einiger­maßen aus der Klemme zu helfen. Eine undank­bare Aufgabe, bei der Herr Fehrenbach durch ein ilebermafc von Pathos seine schwache Stellung zu verbergen suchte. Immerhin nannte er den Fall Hoefle eine traurige Angelegenheit, die noch nicht geklärt sei und sprach sein Bedauern aus, daß der Fall jetzt breit getreten werden sollte. Unter starker Bewegung des Hauses gab er dabei die Zusicherung, dah der Gerechtigkeit Genüge ge­schehen würde. Unter diesen Umstanden wurde der Gesetzentwurf von der Tagesordnung abge- seht. und man wandte sich den von ben Deutsch- nationalen, Sozialdemokraten und Äomnuiniften eingebrachten Am n e st ie v o r l a g e n zu, die zu­nächst an den Ausschuß gehen.

Sitzungsbericht.

Auf der Tagesordnung steht der Bericht des Geschäftsordnungsausschuss^s übcr die Ar- träge auf Haften lassung der kommunist scheu Ao- geordneten Rosenbaum und H ö l l e i n. Der Ausschuß hat einstimmig die Haftent­lassung des Abg. Rosenbaum und die Ein­stellung >lles Verfahrens gegen ihn beschlossen. Im Falle Höllein ist die Haftentlassung. nicht aber die Emst Lung des Verfahrens beschlossen worden. Der Ausschuh richtet an die Regierung anläßlich des Vorgehens d s Untersuchungsrich­ters Vogt gegen den 215g. Höllein die Auf­forderung, dafür zu forgen, dah Briefe, die von Abgeordneten aus der Untersuchungshaft an den Reichstag gorchtet werden, nicht zurückgehalten werden.

Abg. Dr. von Freytag-Loringhv- ven (deutschnatl.) betont, die deuischnat ^nale Fraktion lehne es grundsätzlich- ab, die Abge­ordneten als eine pr.vilegierte Menschen klasse zu behandeln und der Strafrechtspflege in den Arm zu fallen, wenn es sich um Abgeordnete handelt. Grundsätzlich muh auch daran festge­halten werden, daß die Kommunisten ihren ganzen Parteishstem nach den Hochverrat erstreben. Im Falle Höllein habe aber die Staatsanwaltschaft nicht ausreichend Ma­terial beigevracht. Es handele sich hier um eine tendenzchse Verfolgung und die Deutsch- nationalen würden deshalb für die Haftent­lassung stimmen. Die Ablehnung des Haftent­lassungsgesuches durch den StaatSgerichtShvf sei nicht maßgebend, weil die Deutschnationa'en die­sen Staat^erichtshof nicht als ein unabhängiges ordentliches Gericht anerfemten formten. Der Redner verurteilte schließlich die Anklageerbe- bung gegen den Journalisten Adolf Stein, der unter dem PseudonymRumpelstilzchen" schreibt.

Abg Dittmann (Soz.) wendet sich gegen die von dem deutschnationalen Redner vorgetra- genen Gründe in der Immunitätssrage. Im Jahre 1920 hätten die Deutschnationalen eine an­dere Haltung eingenommen und die Einstellung des Verfahrens gegen ihr Fraktionsmikalied Dan den Kerckhoff wegen Steuerhinterziehung und Altenvernichtung beantragt. (Rufe rechts: Dar­mat!)

Abg. Dr. Dell (Ztr.): Es müsse in jedem Falle geprüft werden, ob das Interesse an der Strafverfolgung überwiegt oder das Interesse des Reichstags an der Arbeitsmöglichkell seiner Mit­glieder. Der gemeinen Verbrechen ober schweren Verbrechen des Hochverrats werde Im allgemeinen der Strafverfolgung nichts in den Weg gelegt. Wenn der deutschnationale Redner int Falle Höllein eine tendenziöse Verfolgung sieht, so hülle et auch für die Einstellung d e s D er­sah r e n s stimmen müssen. Das Zentrum mache ocr Reichsanwallschaft den schweren Vorwurf der tendenziösen Verfolgung. Gr werde darum zwar für die Haftentlassung, nicht aber für die Ein­stellung des Verfahrens stimmen. Dr. Bell weist bann die Angriffe des deutschnationalen Redners gegen den Staatsgerichtshos zurück. Dieser sei keineswegs einseitig gegen rechts zusammengesetzt.

Abg. v. Freytag-Loringhoven ver­weist darauf, daß der frühere sozialdemokratische Justizminifter Dr, Radoruch selbst den vokiti-

Die Amnestieanträge-

schen Charakter des Staatsgerichtshofes be­tont habe, der sich gegen bestimmte Parteien richtet. Der Fall Van ben Kerckhoff habe mit Freisprechung geendet.

Der Qlntrag auf Einstellung des Verfahrens gegen den 2Tbg. Höllein wird gegen die Sozial- bemoltaten und Kommunisten abgelehnt. Der Ausschutzantrag auf Haftentlassung der Abgeord­neten Rosenbaum und Höllein und auf die Ein­stellung des Verfahrens gegen Rosenbaum wird einstimmig angenommen.

Es folgt die dritte Beratung der

Novelle zum Postgeseh.

2lbg. Henning (Ratsoz.): Wir beantragen, den P o st rn i n i st e r herbeizurufen oder, wenn er inzwischen zurückgetreten ist, fernen Vertreter. (Staatssekretär Sauter vorn Reichspostministe- rtum verbeugt sich lächelnd.)

Präsident Lobe: Die Rechtslage ist so, daß Minister Dr. Hoefle fein Amt nieder gelegt hat, ebenso wie die übrigen Mitglieder des Ka­binetts. Er war vom Reichspräsidenten mit der Fortführung des Amtes beauftragt worden und führt diesen Auftrag gegenwärtig nicht aus.

Abg. Henning (Ratwz.): Wir beantragen dennoch die Herbeirufung des Herrn Dr. Höfle. Wenn er auch sein Anll niedergelegt hat, so wis­sen wir doch nicht, ob er nicht bald als Steh­aufmännchen wieder auftaucht. Das wäre ange­sichts der Beteiligung dieses Herrn am Barmatfkandal unerträglich.

Der Antrag auf Herbeirufung des Ministers Dr. Höfle wird gegen die Deutschnationalen, Kom­munisten, Rotionalsozialisten und einige Sozial­demokraten abgelehnt.

Abg. Henning (Ratsoz.): Wir beantragen nunmehr Absetzung des Gegenstandes von der Tagesordnung. Wir können nicht für die Post etwas bewilligen, solange die Gefahr be­steht, daß Dr. Höfle sein Geld wieder Herrn Bar­mat zuführt. Dieser Mann, der in den Barmat- skandal verwickelt ist. muß vom Reichspräsidenten sofort seines Amtes enthoben werden, wenn er es nicht selbst niederlegen sollte. Wir haben weiteres Material in Händen und werden gegen Dr. Höfle eine Unter­suchung beantragen.

Abg. Fehrenbach (Ztr.) betont unter großer Anruhe der Rechten, das Postgesetz habe- gar nichts zu tun mit dem traurigen Fall, der bei änderet Gelegenheit geklärt werden müsse.

Abg. Dr. Scholz (D. Dp.): Wir haben gegen die Herbeirufung des Ministers Dr. Hoefle gestimmt. Wenn aber eine Partei die Absetzung eines Gegenstandes von der Tages­ordnung beantragt, weil sie darüber Auf- flärung von der Regierung verlangt, so müssen wir der Absetzung z u st i m m e n, solange wir eine verhandlungsiähige Regierung n.cht haben.

Der Antrag Henning auf Absetzung derPost- novelle von der Tagesordnung wird gegen die Stimmen der Mitte a n g e n o m.M e n.

Es folgt die

Deratung der Amnestieanträge.

Zur ersten Beratung kommen die von den Kom­munisten, den Sozialdemokraten und.den Deutsch­nationalen vorgelegten Gesetzentwürfe auf Straffreiheit für polit.sche Straftaten (Amnestie- gefetz).

Die Begründung des von den Kommunisten eingebrachten Entwurfes gibt Abg. Deichte (Komm.): Die Klassenjustiz, das einzige Macht- mittel der Reaktion gegenüber der 2lrbei.ec- klasse, tobt sich ungehindert aus. Die Sozial­demokraten, welche die Revolution einfach ab­gemeuchelt haben, betreiben einen Rachefeldzug gegen die Kommunisten, gegen die einzige Ar­beiterpartei Deutschlands.

2lbg. Dr. Rosenfeld (Soz.) verlangt Straffreiheit für Straf aten, die begangen wur­den 1. im Jahre 1919 un Zusammenhang mit den Unruhen in Bayern, 2. im Zusammen­hang mit den März Unruhen oder mit dem , Einrücken der Reichswehr in Sachsen und Thüringen oder in bei Abwehr monarchisti­scher Bestrebungen, oder in Lohnkämpfen, 4. we­gen Bekanntgabe des Bestehens verbotener Or­ganisationen. Die Kommunisten hätten kein Recht zu ihren Angriffen, denn sie hätten durch ihren Kampf gegen das Lo iboner Abkommen die Am­nestierung vieler politischer Gefangener verhin­dern wollen.

2lbg. Thälmann (Kom.) ruft: Gemeinei Schwindler! und wird deshalb vom Vizepräsi­denten Gräf-Thüringen zur Ordnung ge­rufen.

Abg. Lohmann lDeutschnatl.) begründet den Amnestiegesrtzentwurs der Deutschnationalen, in 2 em Straffreiheit verlangt wird für alle Beteiligten am Kapputsch, am Küstriner Putsch und für die Angehör-gen der Orgaiw sation Consul, sowie für diejenigen, die Ver­suche zur Befreiung von verurteilten KapPutsch- teilnehmern gemacht 1; ab eit. Der Redner erklärt, Kapitän Ehrhardt habe feinen Freunden ver­sichert, er würde sich in dem g-gen ihn anhängigen Meineidöveifahren den deutschen Gerichten stel­len, sobald ihm wegen der Hochverratsbeschuldi­gung Amnestie gewährt worden sei.

Die drei Qlmnefti-'g-fcljenttoürfe wurden dem Rechtsausschuh überwiesen. Der Präsident schlagt Vertagung bis spätestens Mittwoch vor.

Abg. Stöcker (Kom.) protestiert gegen eine Vertagung des Reichstags, der in dieser Zell, wo die K o r r u p t i o n s s k a n d a l e zum Him­mel stinken, nicht auseinandergehen könne.

2kbg. Müller- Franken (Soz.) weist darauf bin, daß morgen die politische Aussprache Im Auswärtigen Ausschuß beginnen wird. Gleich­zeitig könnten nicht Plenarverhandlungen statt- sinden.

2Ibg. Dittmann (Soz.) erklärt, daß in der deutschnationalen Presse behauptet werde, er, Dittmann, habe in Amsterdam mit 'Larmat ver­kehrt. Diese Behauptung ist glatt erlogen. (Hört, hört!)

Auf Vorschlag des Präsideillen Lobe wird sofort durch einstimmigen Beschluß der von den Deutschnationalen beantragte aus 18 Mitglie­dern behebende darlamenr«cische Anter-

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k uchungsausschuy eingesetzt. Dec öfr Beziehungen Barmats zu den Reichsstellen Prüfer- soll. Im übrigen bleibt es bei der Der 1a-- gung nach dem Vorschläge des Präsidenten,'

Das Ende der ZoAfreLhett.

Berkin, 10. Jan. (£. 51.) DieVossische Zeitung" meldet aus Straßburg, daß alle Grenzübergänae zwischen Deutschland und Elsaß- Lothringen überfüllt sind von Elsässern, die in letzter Stunde vor bem heutigen Ablauf der Versailler Bestimmung über die freie Aus­fuhr elsässischer Waren nach Deutsch­land profitieren wollen. Die Heberfüllung ist am schlimmsten an der Kehler Drücke, wo ein besonderer Polizei-Ordnungsdienst eingerichtet werden mußte. Eine bedeutende Persönkichkeü der lothringischen Industrie erklärte, daß die Unterbinbung der elsaß-lothringischen zollfreien Einfuhr nach Deutschland Frankreich große Sor­gen bereiten würde. Die elsässisch-lothringische Industrie habe zwar noch für die nächsten Mo­nate Deschäfigmrg, jedoch sei es nicht ausge, schlossen, daß schon nach einigen Wochen eint große Arbeitslosigkeit eintreten könnte.

Aus Stadt und Land.

Gießen, ben 10. Januar 1925.

Anschluß vvn Wölfersheim att das Großkraftwerk Borken (Oderweserj

A. G.?

O Die Elektrizitätsversorgung von Hessen erfolgt z. Zt. in der Hauptsache durch scchL größere Unternehmungen: Hess. Eisenbcchn A.- G., Städü Elektrizitätswerk Offenbach, Elektr, Werk Rheinhessen A.-G., Stadl. GkektrizitätL-' werk Mainz, Ueberlanbanlage der Provinz Obere Hessen, Stadt. Elektrizitätswerk Gietzen, die je etn getrenntes Gebier ,üc sich mit Strom beliefern. Ein Zusammenschluh zwischen den einzelnen Unternehmungen besteht z. Zt nur in gerin­gem Umfang. Eine gemeinschaftliche, ben Strom- austausch in großem Maße dienende, daS ganze Land durchziehende Leitung, an die die einzelnen Stromversorgungsgebiete angeschlossen wären, wie es in anderen Ländern ber Fall ist, ist nicht vvrhar.ben.

Die Svraftquellen, aus denen die Stromver­sorgung der einzelnen Gebiete erfolgt, sind zum grössten Teil eigene Wärmekraftwerke (Ober­hessen bezieht seinen Strom aus dem staatlichen Braunkohlenkraftwerk Wölfersheim). Daneben findet noch größerer Fremdstrombezug durch bic Heag und Offendach aus bem Kraftwerk der Gewerkschaft Gustav bei Dettingen und aus bat preußischen Moinstaustufen statt.

Wie wir Horen, finden z. Zt. zwecks An­schlusses von Wölfersheim an das Großkraftwerk Borken Verhandlungm zwischen bem hessischen Staate und bei Provinz Oberhessen einerseits und her Oberweser A.-G. andererseits statt. Die Oberweser A.-G. wird, wenn ber Vertrag zu­stande kommt, ihre nach Frankfurt a. M. zv ziehende Freileitung durch die Provinz Ober­hessen legen und unmittelbar an bem Kraft­werke Wölfersheim Odrübergeben lassen. Dor­soll bann vom hessischen Staate eine 100000- Voll-Umspannstation errichtet und mit dieser bic Verbindung mit der Oberweser A.-G. aufgenonv men werden.

Durch diese Verbindung und daS dadurch ge­schaffene Stromausgleichsverfahren ist bann die Gefahr, im Falle bes «Äntcetens von Störungen in einem Werke lMaschinendefekkS, Streiks), bic Stromkieferung einschränken zu müssen, so aut wic behoben.

Wettervoraussage.

Zunehmend bewölkt, ».dweftliche Winöe Temperaturen wenig geändert, stellenlveisc Riebeifchläge oder Rebel.

Ein neuer Hochdruckkern ist im Vorübergehea, währen vom Inland her ein neues starkes Falb gebiet heranruckt, dessen Ausläufer tm Laufe des morgigen Tages neue Störungen Hervorrufen werben. Die Wetterlage ist durch den Vor- ubergang einer ganzen Reihe von Tiefdruck-- aebieten im Rorden einer ständigen Schwan­kung unterworfen. Wechselnde Bewölkwig. vor­übergehende Riederschläge und Rebelbildung sind die Folge.

Voruolizen

LogeSka lend er für S amStag. StenoaraphenvereinStolze-Schrey": 8 Uhr Dw- fammlung imSchipkapaß". Geseklschaftsverein Gießen. 71/3 Ähr Musikalischer UnterhaltunaS- abenb. - D. B. K. D.: 8 ÄhrHotel 6W Monatsversammlung. Die Wanderer: 8 Hin LiebigLhöhe" Stiftungsfest. Gießener Ruder- gesellschafi: 8 Ahr Jahreshauptverfammlung. RuderklubHassia" 1906 : 8 Ahr Mitgliederver­sammlung. Lichtspielhaus Bahnhofstraße:Dir zehn Gebote". Astoria-LichtspielBoulevard- bkut". Palast-Lichtspiele:'Die Seeschlacht von Santiago".

Lageskalen der für Sonntag, Stadllheater: 31/3 AhrNordische Heerfahrt". 71/2 AhrMein Vetter Eduard". Verein fix Sterbeunterstützung: 3 Ahr nachmlltags Jahres­hauptversammlungPostkeller". Gießener- Kon- zertverein: 4V2 Ahr ÄniversitätsaulaDaS Wesi- beutsche Trio". Bienenzüchterverein: 3 Ahr Versammlung und Vortrag bei Kraft, Frankfurt« Str. V. H. C.: 2lbfahrt 8.20 vorm. n«ich Bieber. Kirchenkonzert 8 Ahr Johanneskirche. Licht­spielhäuser tote Samstag.

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Am nächsten Dienstag wird Millöckers klassische OperetteDer Det* telstudent" zum ersten Male gegeben wer­ben. In der Aufführung wirken u. a. mll dc Herren von Schenk, Roller und Garciö von der Frankfurter Oper.

Der Goethe-Bund veranstaltet cm Sonntagabend einen Vortragsabend, an dem Hei* Grave 1 ius über seine Erlebnisse als Kriegs­gefangener im Osten berichten wird. (Siehe heutige Anzeige^

Der 2111 gem. Deutsche Frauen- verein häll am Montag nachmittag 41/3 Ab» im Hindenburg eine Mitgliederversammlung ab. in ber Prof. Dr. Lenz einen Vortrag übn Famllie, Gesellschaft, Staat" halten wird. (Sichl die Anzeige in unserem gestrigen Blatte.)

Die Bortragsvereinigung i)im für ihren nächsten Vortragsabend am Donnerstag. 15. Januar, den bekannten Reiseschriftsteller Rentwich aus Berlin zu einem Lichtbilder- Doctrag über den Harz gewonnen. Rentwich hti im Scmmer 1923 eine mehnnonatliche Reise iii

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