ar. 8 Erstes Slatt
(75. Jahrgang
Samstag, (0. Januar (925
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GietzenerAnzeiger
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Zentrum
und Regierungskrisis.
GS erscheint fast als übertriebene Deruss- i^licht des politischen Chronisten, Herrn Mar» tuf allen Kreuz- und Querwegen um das Ziel , <r Regierungsbildung herum zu folgen, alle 'niese vlerlerlei Durchgangsstadierr zu verzeichnen, ■n denen allein der Kanzler sich alS der ruhende 'ßol m der Erscheinungen Flucht mit einer bewundernswerten AuSdauer präsentiert. Schon vor -em Fest sprachen offiziöse Auslassungen der rSilhelmstrahe von dem letzten, dem allerletzten, - allerallerletzten Versuch des Kanzlers, ein Kabinett aus die Beine zu bringen. Fast täglich i.rmal ist Herr Warr entschlossen, dein Reichspräsidenten seinen Auftrag zurück zugeben. Aber Herr Ebert redet allabendlich seinem jungen flattn wieder gut zu, und neuen Mutes begibt ij) der Kanzler am kommenden Morgen wieder die SishpHusarbeil.
Sic Reichstagsauflösung geschah, um eine ruf fcflcr parlamentarischer Mehrheit sich stühende Reichsregierung zu । rlangen. Die Verhandlungen über die Kabinetts- -ildung wurden vor Weihnachten vertagt, weil ocmals die Erreichung dieses Ziels nicht möglich schien. Rach dem Fest nahm dann der Kanzler feine Besprechungen mit Parteien und Einzel- Persönlichkeiten wieder auf, in der stlllen Hoffnung, daß einer der Allzuvielen wohl das Ei des Kolumbus entdecken möge. Bisher hat sich jode Kombination bei näherer Prüfung durch die Cino oder andere Partei als unmöglich erwiesen, ^ic drei Volksparteien einerseits, Demokraten und Sozialdemokraten andererseits haben sich seit langem sestgelegi, nur das Zentrum liegt in birtcm, innerem Konflikt um eine tlare En*schei- dang. And diese Tatsache kennzeichnet auch die varlMnentarische Krisis dieser Monate in ihrem 1 Bef en als Krisis des Zentrums. Darum ilt Herr Dr. Marx so geflissentlich bemüht, das $)eft in der Hand zu behalten. Darum wird uns inmer toteber der Leitsatz von der Politik der Mlle, die mit Dr. Marx und dem Zentrum das deutsche Voll einzuhalten hätte, als vornehmste politische 'Rotwendigkeit yingestellt. Aber hinter t<r „Politik der Mitte", die durch eine Erweiterung der alten Regierungskoalition durch die Zeutsch nationalen schwerlich gefährdet würde, ver birgt sich Me „Partei der Mitte", alS die sich baß Zentrum fühlt. „Das Zentrum muh in der Ulitte bleiben, darf seinen Charakter als Mittel- ? art ei niemals aufgeben. Jeder Versuch, es in cme linke oder rechte Parteigruppe einzuzwängen, bedeutet seine Sprengung", so ccflärt die „Ger- nonia“. das Berliner Zentrumsorgon, übersieht Labei aber geflissentlich, dah die „einseitige Vin- ?>ang", die das Blatt scheut, als sie in der Wei- mcrct Koalition nach links hin erfolgte, die . enlrumspartei doch leidlich überstanden hat. Und dah diese „einseitige Regierung" einen ,Hampfcharatter" gehabt hat, ohne den sich die „Germania" ein Rechts- oder Linkstabinett nicht denken kann, werden nicht zum Letzten die Herren Wirth und Fehrcnbach wohl schwerlich wahr haben wollen.
Der Artikel der „Germania" ist deshalb I» lehrreich, weil er zugesteht, dah der Kampf uet die Regierungsbildung nichts anderes ist >118 die Erhaltug des Zetrums, und dah die Tragikomödie, die wir alle schaudernd über uns ergehen lassen, um des Zentrums willen angeführt wird, und zwar zu einer Stunde, die i>cß deutsche Volt im erbittertstem Kampfe um ixn letzten Rest seines Rechts sieht.
Sehen wir von den taktischen Derlegenheits- lombinationen und Verschleierungsmanövern dieser Tage ab, so gibt es für die Dauer doch nur • öei parlamentarische Möglichkeit 1 «n, zu einer Mehrhcitsregierung zu gelangen. Sntineber dem Zentrum glückt es, Rachbarparteien
Rechts- oder Linksblocks zu einer Kompromih- ‘ 'rliitik der Mitte zu sich herüberzuziehen, oder
Zentrum schließt sich entsprechend den parla- amtarischen Gegebenheiten einmal mit Erlaubnis 'eines Wirthflügels als linke Zlügelpartei einer ÜcchtskoaU.ion an. oder es tritt mit stillschweigen- bn- Einwilligung seines rechten Flügels als rechte -Mgelgruppe zu einem Linksblock. 3in ougenblick- -iirtn Stadium der Krisis erscheint die erste Mög- l'hleit ausgeschlossen, bleibt also die Entscheidung teS Zentrums, ob Rechtsblock oder Weimarer Koalition. Innerhalb des Zentrums !«i>eint sich der Kampf, ob links oder rechts, nun ticr so zugespitzt zu Haven, dah eine klare Cnt- loieidung das Auseinanderfallen der Partei behütet. ilnö um diese Parteikrisis, die sich immer mehr als der eigentliche Kern unserer par- l-anentarischen Krisis yeraustristalkisien, um die- leä innere Dilemma des Zentrunrs zu verschleiern, b-iglückte uns Herr Marx mit Plänen von einem . iberparteilichen Kabinett" von Par- I-dienten, das, parlamentarisch gesehen, in Zen- tnum und Demokraten die denkbar schmälste Basis ! finbe.
Wenn schon die Parteien ihren Bankrott er- ’ klaren wollen und mit dein parlamentarischen Sy° nichts anzufangen wissen, dann wird ein „Ka- b inett der Köpfe" gewiß nicht das schlechteste fein, Ur dem wir in unserer Lage greifen können. 'Aber d cnn auch fort mit den Parteien und ihren Beauf- Ixegten und Leute heran, die in ihren Entschlie- b mgen frei sind von Parteirücksichten und Par- kvitaktil und über das hohe Maß von sachlichem Wissen und politischem Können verfügen, das für ' öit Leiter des Staates, auch einer Republik, we- kDillicher ist als die Parteizugehörigkeit und die Tewihheit, möglichst vielen Parteien „genehm" »u sein.
Soeben trifft die seit Wochen fällige Rachricht eu, dah Herr Dr. Marx sich cnblid) zu dem
Barmatfkcmdal und Parlament.
Minister Hoefle seines Amtes entbunden. — Beschuldigungen und Dementis-
Die amtliche Dementiermaschine hat setzt keine ruhige Minute mehr, jeden Augenblick tauchen neue Rachrichten über d'e D-rbindungen hoher und höchster Persönlichke ten b:r Regierung und des Parlaments zu den Schiebern Barmat und Kutisker auf. Dah sich unter der Fülle dieser Mitteilungen auch zahlreiche befinden, die nicht hieb- und stichfest sind, liegt in der Ratur der Sache. Was aber biß heute auch von amtlicher Seite zugestanden toort-en ist, spottet doch jeder Beschreibung. Herr Höf le. seines Zeichen Reichspo'tminister und M tglied der Reichstagsfraktion d.-s Zentrums, gibt sich zwar noch immer den Anschein, als ob er mit dem ganzen Darmat-Skandal nicht das geringste zu tun hätte. Die Unter)udjungen feiner Parteifreunde haben aber doch so belastendes Material zutage g.fördert, dah das Zentralorg-an der 3cn- trumspartei heute feststellen muh, Herr Höfle werde vorerst sein Mandat ruhen lassen.
So angenehm die Säuberungsak tionde» Zentrums berührt, so bertounberlief) erscheint es. dah die Sozialdemokratie, durch die doch die Darmat-Affäre erst zu einem politischen Skandal geworden ist, es nicht für nötig hält, ebenfalls im eigenen Lager aufzuräumen. Statt dessen muh man erleben, dah die am stärksten belasteten Persönlichkeiten nach wie vor bei der Partei in 21 mt und Wurden sitzen. Einen sehr komischen Eindruck hat bisher der Reichspräsident hervorgerufen, von dem der amtliche Dementierapparat der Oeffentlichkeit mitteilt. er könne sich weder auf bestimmte Briefe, die sich auf Barmat bezogen, noch auf ein Bild, das er Barmat mit eigenhändiger Unterschrift schenkt^, besinnen. Stellten bisher* Staat und Parlament die Haupt beteiligten an Liefern Skandal, so scheint nach der Mitteilung eines Berliner rechtsstehenden Blattes, jetzt auch noch der Berliner Oberbürgermeister Böh eine gewisse Rolle zu spielen, von dein behauptet wird, er hätte sich in eine Wohnungsschiebung zugunsten Kutiskers eingelassen und würde jetzt disziplinarisch verfolgt werden.
Das Zentrum und der BarmaMandal.
Berlin, 10. Cian. (Priv.-Tel. des Wolff- büros.) Tie deutschnationale Presse fährt fort, im Zusammenhang mit der Darmatafsäre schwere Beschuldigungen aegen den Reichspostminister Dr. Hoefle und den Zentrumsabg. Longe-Hegermann
Entschluß durchgerungen hat, seinen Auftrag zur Kabinettsbildung in die Hände des Reichspräsidenten z u r u ck z u l e g e n. Damit ist die Situation geschaffen, die die Bildung eines „Kabi- nettsderPersönlichkeite n", das von den Parteien unabhängig ist, infolge seiner Zusammensetzung nach rein sachlichen Gründen, aber die Wahrscheinlichkeit in sich trägt, das Vertrauen aller bürgerlichen Parteien des Reichstags, möglicherweise auch eine neutrale Haltung der Sozialdemokraten zu finden. Als möglicher Führer eines solchen Kabinetts wird zur Stunde der seitherige Reichsfinanzminister Dr. Luther genannt, der seiner ganzen Einstellung nach hierfür durchaus die geeignete Persönlichkeit zu sein scheint.
Dr. Luther Lanzlerkandidat.
Dre Haltrruq der Deutschnationaleu.
Berlin, 10. Jan. (TU.) Bon zuständiger Stelle wird der Telegraphenunion folgendes mit- geteilt: Die Feststellungen bei der Reichstags- fraltivn der Deutschen Dolkspartei haben ergeben, daß sie sowohl gegen ein durch Zentrum und Demokraten gebildetes Kabinett als auch gegen das durch Staatssekretäre ergänzte, bisherige Kabinett in schärfste Opposition treten wurde. Da Reichskanzler Marx unter diesen Umständen die Möglichkeit einer Regierungsbildung durch ihn nicht mehr gegeben sah. hat er gestern nachmittag den ihm erteilten Auftrag dem Reichspräsidenten zurückgegeben, nachdem auch die Bayrische Dolkspartei und die W ir t sch ast s Partei sich ablehnend Verhalten haben und endlich auch Jinanzmtnister Dr. Luther erklärte, dah er in einem durch Staatssekretäre ergänzten Kabinett nicht der- bleiben werde. Es wird nunmehr angenommen, daß Zinanzminister Dr. Luther mit der Kabinettsbildung beauftragt werden wird.
Der Reichspräsident hat im Laufe des gestrigen Abends Reichsminister Stresemann, die Reichstagsabgeordneten Schiele, Hermann Müller und am späten Abend noch Reichs- sinanzminister Luther empfangen. 3n der Besprechung erklärte der Äeichspräsidenr, daß er die Absicht habe, den Reichsftnanzministrr Dr. Luther mit der Kabinettsbildung zu betrauen und fragte die Abgeordneten, wie sich ihre Fraktionen dazu stellen werden. Hermann M ü 11 e r behielt sich sein Urteil vor, bis er wisse, wie das Kabinett zusammengesetzt sein werde. Der Abgeordnete Schiele deutete an, daß die Deutschnationalen an sich mit D r. Luther einverstanden wären. Selbstverständlich müßte ihre Partei in einer entsprechenden Weise in dem Kabinett vertreten fein.
Zu den gestrigen Besprechungen bemerken die Blätter, dah aller Voraussicht nach Dr. Luther, der keiner Partei angehört. jedoch dem
vorzubringen. Die „Drutschc Zeitung" behauptet, dah Hoefle aus Restgeldern, die, wie das Blatt ertliir.e, dem wirtschaftlichen Wiederaufbau des Rhein - und Ruhrgebietes dienen sollten, seinem FraktionSgenofsen Lanae-Hegermann einen Kredit von 2 Millionen Goldmack eing*räumt habe, von denen Lange- Hegeimann 1,5 Mill.onen zum Ausbau einer Maschinenfabrik aufjertalb B rlins lür sich verwendete. Der Verbleib des Restes des Geldes konnte bisher nicht nachgewiesen weiden. Hoefle soll persönlich eine Provision von 60 000 Mk. bezogen haben.
Der „Lag" (Rachtausgabe) klagt Hoefle an, im Vorjahre 12 Millionen Goldmark aus Geldern der Reichspostverwaltung der Holzindustrie 2L G. Mologa geliehen zu haben, die Holz- geschäste mit Sowjetruhland betreibe und in deren Aufsichtsrat sich der frühere Reichskanzler Wirth, her demokratische Relchstagsabgeord- nete Ludwig Haas, dec Zentrumsabgeordnete Lange-Hegermann und der frühere Reichskanzler Fehrenbach befänden. Ob die Angaben der beiden genannten Blätter den Tatsachen entsprechen, war bisher nicht festzustellen.
Zu diesen Beschuldigungen der Rechtspresse gegen sührende Parlamentarier der Zentrumspartei nimmt die Germania" in längeren Ausführungen Stellung. Zu dem Vorstoß des „Tag" gegen
bk Deutsch-russische Holzindustrie 21.®. Mologa erklärt das Zentruwsorgan u. a. dieses Organ wird gestützt und geführt von bekannten hcut- fchen großindustriellen Unternehmungen, wie Deutsch-Luxemburger, Gelsenkirchener 21.=®., Gebrüder Himmelsbach u. a. Um das Zustandekommen dieses größten deutschen Unternehmens in Rußland waren seinerzeit aus Veranlassung der beteiligten Industrie und unter dein Wissen und Unterstützung des Auswärtigen Amts die Herren Dr. Wirth und Dr. Ludwig Haas bemüht gewesen. Reben den genannten Herren, wobei Herr '5 ehren bad) überhaupt niemals an d em Unternehmen beteiligt gewesen ist, sitzen die prominentesten Vertreter der deuschen Industrie. Wir nennen heute nur den ehemaligen deutschnationalen Abgeordneten Generaldirektor V ö g e l e r , Generaldirektor Fehr mann vom Stinnes-Konzecn u. a.
Alle Beziehungen, welche die Mologa mit dem Osten unterhalten hat, sind nicht nur dem Auswärtigen Amt und Dr Stresemann bekannt, sondern wir erfahren, daß Dr. Strese
mann Dr. Wirth auf das lebhafteste unterstützte in feinen Bemühungen, diese gegenlc tigen m i- schaftlichen Bestehungen zu s ö r d e r n. Auch di. übr.gen Stellen her Reichsregierung haben bd) mit dieser Angelegenheit schon längst bef.häfi gl. Die Mologa selbst hat niemals in einem beia- ii= gen Kreditverhaltnis mit der Reichspost gestanden. Das Blatt betont, daß das Zentrum einmütig her Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zur Pru ung her gegen den Reichspostm.nister Dr. Höfle und d.n Zentrumsabgevrdneten Lange-Heg ermann erhobenen Dorwürfe jugeftimmt habe und den größten Wert darauf lege, daß die Angelegenheit völlig geklärt
3u den Vorgängen bei der Reichspost.
Berlin, 10. Jan. (TU.) Rechtsanwalc Dr. 2llsberg bat in Beantwortung der ükröffen: - lichung der „Deutschen Zeitung" folgendes Schreiben an Lief es Blatt gerichtet. „3m Auftrage des Herrn Reichspostminisiers D/. Hösl- habe ich Ihnen folgendes mitzuteilen' Sie berichten in Ihrer Abendausgabe vom 9. Januar, daß Herr Dr. Höfle aus den Poftgeldern, die dem wirtschaftlichen Wiederaufbau des Rhein- und Ruhrgebietes dienen solltest, feinem Fcal- tionsgenoffen Lange-Hegermann einen Kredit in Höhe von 2 Millionen ®o[bmarf eingeräumt habe und daß Herr Dr. Höfle persönlich sür hiefetf Geschäft eine Kaution von 60 000 Mack bezogen habe. Diese Mitteilungen sind unwahr. Der Kredit ist von der Abteilung München der Reichspostverwaltung, die in der Verwaltung ihrer Gelder völlig selbständig ist, unter Einschaltung von zugelassenen Danken gewährt worden. Die Dehouptung, daß Herr Dr. Hosle irgendeine Vergütung direkt oder indirekt bezogen habe, stellt eine Verleumdung dar. Ich bin beauftragt, gegen die Urheber und ■Verbreiter der Rachrichten die notwendigen strafrecht- lichen Schritte einzuleilen.
Reichspostminister Hoefle seines Amtes enthoben.
Berlin, 9. 3an. (WB.) Der Reichspräsident hat Reichsminister Höfle auf dessen Antrag von dem Amt deS Reichspostministers und des AeichSministerS für die besetzten Gebiete entbunden.
rechten Flügel her Deutschen Volks- Partei nahe st eh 1. mit der Kabinettsbildung beauftragt werden dürste. Laut .,Derl. Lokal- anz" durfte Dr. Luther feine Aufgabe darin erblicken, ein fraktionell nicht gebundenes Kabinett dec bürgerlichen Parteien zufrande zu bringen. Es fei hem gleichen Blatt zufolge anzunehmen, daß er drei Persönlichkeiten in das Kabinett aufnehmen werde, die den Deutschnationalen nahestehen. Reichsauhenminister Dr. Stresemann würde einem solchen Kabinett ebenfalls angehören und man rechne damit, daß vom Zentrum mindestens Rcichsarbeitsmrnister Brauns in der ütegierung verbleiben würde. Ob Dr. Luther die Bildung eines derartigen Kabinetts gelingen werde, kann allerdings noch als zweifelhaft angesehen werden, ha die deutsch- nationale Fraktion des Reichstages sich gestern in einem Beschluß für dir Bildung eines parlamentarischen Kabinetts ausgesprochen hat, in welchem sie selbst entsprechend ihrer Parteistärte durch vier Mini st er vertreten sein will. — Don den Dlättern wird noch eine zweite Möglichkeit her Regierungsbildung im Reiche erwähnt, nämlich hie Beaustragung des sozialdemokratischen Führers Hermann Müller mit der Kabinettsbildung, der bereit fein würde, die Herstellung her Weimarer Koalition (Zentrum. Demokraten, Sozialdemokraten) zu versuchen. Zu einem Kabinett Luther würden, wie das „Decl. Tagebl" und der „Vorwärts" betonen. die Demokraten und Sozialdemokraten in schärfster Opposition stehen.
Die hessische Regierungsbildung.
Darmstadt, 9. Jan. (Eigener Bericht.) Ueber den Verlauf der Reugestaltung her Regierung meldet unser Berichterstatter: „Der sozialdemokratische „Hessische Volksfreund" veröffentlicht einen längeren Artikel über die Regierungsbildung in Hessen, der sich hauvt- sächlich gegen die Deutsche Volkspartei und das Zentrum Wendel. Es finden sich aber auch darin die nachstehenden Sähe: „Kommt also die alte Koalition wieder, was nach dem bisherigen Gang der Verhandlungen angenommen werden darf, so wird auch wohl die Ressorwerleilung unter den Koalitionsparleicn hie gleiche bleiben. Wahrscheinlich wird das Justizministerium als Ministerium verschwinden und dem Ministerium des Innern angegliedert werden: vielleicht wird das Landesamt für das Dil- dungswefen eine andere Benennung erfahren. Im toefentließen aber werden etwaige Aenderungen eine Angelegenheit der inneren Organisation sein, die natürlich Gegenstand der Verhandlungen Ist."
Der Preußenlandtag zum Vertragsbruch.
Die Parteien des Preußischen Landtag.'S hatten eine Kundgebung gegen i>ie rechts widrigeDerläilgerungLerDesehuug der ersten Zone im altbesehteu Gebiet vereinbart, es war beschlossen, daß der Landtagspräsident in dieser Demonstration das Wort ergreifen sollte. Die Sozialdemokratie hat es aber fertig gebracht, diesen Protest zum Scheiteim zu bringen, so daß er vollkommen wirkungslos verpuffte. Der MinisterpräsiLent Braun wollte es sich nicht nehmen lassen, ebenfalls eine län gere Erklärung abzugeben, obwohl von dec Deutschen Dolkspartei vorher im Ael- testenausschuß angefünhigt worden war. daß sie die Regierung nicht als versasfungs- mäßig betrachte, er also von einer R e - gierungSer Uärung abf eben müsse. Trotzdem der Aeltestenausschuh in diesem Sinne beschloß, fühlte sich Herr (Braun doch bewogen, diesen (Beschluß zu sabotieren und das Wort zu ergreifen. Darauf verliehen natürlich die Deutsche Voltspartei ebenso wie die Deutsch- nationalen geschlossen den Sitzungssaal. Herrn (Braun trifft also die Schuld für das, was nun kommen wird. Daneben zeichnete sich aber die Freitagsihung des Preußischen Landtags noch durch wüste Lärmszenen der Kommunisten aus, die ebenso wie Herr Braun das ihrige dazu beitrugen, der Kundgebung für die Kölner Zone jede Wirkung zu nehmen.
Der Kampf um die Kölner gone.
Berlin, 9. Ian. (Wolff.) 3n der Sitzung des Auswärtigen Ausschusses des Reichstages gab Dr. Stresemann eine ausführliche Darstellung der politischen und handelspolitischen Lage und erläuterte im Zusammenhang damit die Frage her Räumung her Kölner Zone. Die Ausführungen des Ministers waren vertraulicher Ratur.
Wie aus parlamentarischen Kreisen verlautet, betonte der Minister besonders hie Tatsache, daß die angeblichen deutschen Verfehlungen in der Entwafftcungsfrage von den Alliierten nur angedeutet worden seien. Der Minister wies auf das große Mißverhältnis hin, dah zwilchen her angeblichen Richterfüllung von Einzelheiten in der Entwaffnungssrage und dec daraus seitens der Entente gezogenen außerordentlich harten Folgerung her Richträumung her Kölner Zone festzulrelkn fee Angesichts tc unzweifelhaften Tatsache der durchgeführten Entwaffnung Deutschlands entspräche eine solche Handlungsweise keiner objektiven und loyalen Auslegung des Artikels 429 des Versailler Vertrages.


