Franziska.
Roman von Liesbet Dill.
15. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Hasse hatte ein Angebot erhalten, in London in eine größere Klinik als Chef der chirurgischen Abteilung einzutreten, doch lockte ihn andererseits auch die UniversitätSkarrieve und Heidelberg- mit seinem ewig jungen Zauber. Zwischen bieten beiden neuen Wegen stand er noch unschlüssig. Das Leben in London reizte ihn nicht. Man ging in geistige Verbannung. Das öde Klubleben, die Oberflächlichkeit und Unbildung der ersten Gesellschaft, der vollständige Mangel an gutem Theater, an Literatur, an künstlerischen wie geistigen Erholungsstätten lieh ihn troch zögern, so glänzend dieser Posten auch dotiert war, ihn anzunehmen. Rur eines war ihm flar geworden an dem Abend, als er wieder Fuh gefaßt in dieser Residenz, hterbleiben würde er nicht. Gr konnte weder einer Begegnung ausweichen in dieser Stadt, in der man sich täglich mehrere Male in dem Zentrum begegnete, welches Bahnhof, Theater und die Hauptgeschäftsstraße bildeten, und sie fallen Bluts er» tragen, konnte er auch nicht. Der gestrige Abend hatte alle seine Pläne umgeworfen.
Er hatte sich vorgestellt, wenn er zurück- Wme, sei alles leichter zu ertragen, die Einsamkeit, unter der er fitt, die Leere, die er empfand, den feinen, stechenden Schmerz in der Brust, über den er sich selbst lustig machte, der aber nicht wegzuleugnen war. — Seit diesem Abend aber wußte er, daß er sich selbst betrogen hatte, daß er nicht« vergessen hatte.
SS wurde draußen geSopft.
.Herein!"
Der Laboratoriumsdiener sollte ihm noch die Glasspachteln bringen, er drehte sich gar nicht erst um. Die Tür wurde geöffnet und geschlossen. Da wandte er den Kopf... Auf der Schwelle stand, in einen braunen Taftmantel gehüllt, von einem breitrandigen, dunklen, weichen Hut beschattet, schweratmend Franziska...
Sie ytekt sich an der Klinke fest, als ob sie nicht Heber wieder gehen wolle. Franziska stand noch unter dem Eindruck des eben Geschehenen. Sie hatte in ihrem Leben einmal ein Krankenhaus betreten, als sie eine Kollegin besuchte. die im Sterben lag. Diese hatte ein leichtfertiges Leben geführt unb war so jung und rasch gestorben, so entsetzlich sah sie aus mit ihrem Nein gewordenen, grauen, verfallenen Gesicht. Alle Erinnerungen der bamaltgen Zeit waren vor ihr aufaetaucht, als sie durch die stillen, hohen geweißten Hallen schritt. Ernste, gemalte ©irarfprikfce sahen ihr entgegen, blau- gelleidete Diakonissinnen begegneten chr mit ihren weißen duftigen Mullhäubchen, sie sahen alle so friedvoll und beruhigt aus, auf allen Fensterbänken standen frische Blumen. Das ganze Haus atmete Ruhe und Harmonie.
In einem Saal wurde Harnwnium gespielt. 3m Vestibül wartete eine Familie, vier schwarzgekleidete Kinder, die sich mit großen, scheu um- herirrenden Augen an den Vater drückten, den siebenjährigen Jungen, dessen dunkle Augen umherirrten. als ob er die Mutter suche, würde sie nie mehr vergessen. Franziska dachte an ihre eigene Mutter, an das enge Zuhause, an die mit Geschwistern überfüllten Heinen Stuben, an ihre ärmliche Kindheit. Das alles erschütterte sie so. daß, als sie sich Hasse gegenübersah, sie keines Wortes mächtig stehen blieb.
Hasse hatte sich gefaßt, aus alles war er vorbereitet gewesen, nur auf das nicht, daß sie in seine Wohnung kam... hierher.
„WaS willst du hier?" fragte er.
Sie trat rasch ein, warf den Schirm auf den Tisch und strich sich das Haar aus den Schläfen. „Ich habe dich ausgesucht, weil — weil ich nicht ohne dich leben Lum..." Und sie warf sich in dem halb dunklen Zimmer mit einem Aufschluchzen an seine Brust-
Ihre Herzen pochten tote Hämmer aneinander, er trank ihren Atem, ihren Haarduft und das Gemisch von Puder und Parfum, das er so lang entbehrt hatte. Dann kam er aut Besinnung und machte sanft und bestimmt ihre Hände loS. — Gr rang ein bitteres Wort hinunter. „Das kommt zu spät."
„Darum zu spät?" fragte sie. auf die Koffer deutend. „Di: gehst fort von hier?"
Gr nickte.
„Wohin?"
„Rach London."
Sie Hämmerte sich an seine Hand. „Geh nicht fort! Ich halte das nicht aus. Ich hab' mich geschämt. Ich muß von dir wissen, ob du mich noch lieb hast. . aber wenn du gehst, dann ist alles vorbei, alles!" Die legte beit Kopf auf den Tisch und weinte.
Mit ihrer einzigen befielt Freundin, der Mieze, hatte sie sich veruneinigt und getrennt; nun war sie ihre Feindin, eine scharfe, bittere, die zu den Kolleginnen schändliche Dinge von ihr sagte. Sie fühlte sich verlassen, die nette Sentimentale war zum ersten Oktober nach Braunschweig engagiert, die Mucki nach Hamburg, und der gute alte Wohlgemuth ging zum Frühjahr nach Halle. Wenn der hier geblieben wäre, hätte er ihr die Bahn frei gemacht. An seiner Stelle kant ein neuer, junger, scharfer Norddeutscher her, und der gute Intendant war gestorben. Die Wagnerrollen bekam sie nie, die hatte alle die Ufzky in Händen, die mit ihrer abgesungenen Stimme, ihrer Schleppe auf der Bühne herumfegte und intrigierte und auch schon den Herrn Grafen in der Tasche hatte. Oh, sie hatte das Theater so satt! Die zeigte an den runden weißen Hals, der aus der mattrosa Ehiffonbluse ausblühte. Deine Hand zerknitterte die blaue Tischdecke, er wollte fest bleiben und ließ ihren Redestrom an sich vorbeirauschen, er hörte ihn. aber er berührte ihn nicht mehr.
„Franziska," saate er, als sie, das naffe Spitzentuch gegen die Augen gedrückt, schwieg, „du mußt lernen zu arbeiten. Das ist ein vortreffliches Mittel, solche Gedanken zu vergessen." Sie hob jäh den Kopf, ihre Augen, die voll Tränen blitzten, schauten ihn an. „Wenn du etwas geworden bist, brauchst du keinen Menschen mehr, dann kommen sie zu dir. denen du jetzt nachtrauersl. Ich habe einen Strich unter das Bisher gemacht, ich arbeite und bin zufrieden."
„Das ist nicht wahr", stteh sie heraus- „Bist du nicht neulich in .Hoffmanns Erzählungen"
gewesen? Sie stemmte leicht den Arm te t*e Seite. „Hast du keine Veränderung mit meiner Stimme bcmerft? Oh, ich hab' gelernt in der Zwischenzeit!" Ihre Brust hob sich stolz, sie ging im Zimmer hin und her und trat an seinen Tisch, wo seine aufgeschlagenen Manuskripte und Bücher lagen. „Wir Haden beide gelernt, nicht wahr? And jetzt wollen wir unS einfach wieder vertragen, du böser, schlechter, häßlicher, alter Kerl —“
Sie zog ihn auf den Diwan nieder, und fick die Tränen trocknend, nannte sie ihn mit all jenen süßen, dummen Rainen, die mir ein Weib erfinden kann.
„Geh nicht fort!" bat sie immer wieder, die Hellen Tränen liefen ihr über die Wangen, während sie mit ihren leichten Händen seine Stirn glättete. „Bleib hier, die Trennung vertrag' ich nicht, du weiht, ich kann keine ordente lichen Briefe schreiben, und dann wirst du böS und machst mir Vorwürfe. Geh, kannst du daS nicht rückgängig machen in London —T
Er fühlte die Tränen an seinen Wangen herabrinnen und auf seine Hand tropfe^ fühlte die Wirkung ihrer warmen, liebreizenden Person, aber machte sich sanft los: „Franziska, von deiner Antwort mache ich's abhängig, ob ich gehe oder bleibe. Sieh, wir waren getrennt, aber haben uns zueinander gefunden, spontan, unwiderstehlich Es gibt wenig Menschen, die so aufeinander gestimmt sind wie wir, und toenn’S auch manchmal einen Mihton gegeben hat, du hast mir immer wieder meine Heftigkeit vergeben, denn was ich denke, das denke ich für dich was ich tue, tue ich für dich, ich muß aber wiflen, daß du mir gehörst —"
Franziska wollte etwas einwerfen, aber ec hielt ihre Hand fest und sprach weiter:
„Ich finde genug Frauen aus unserem KreiS, die einen Mann glücklich machen wollen und können, aber dich finde ich nie wieder, Franziska. Wir sind jung, wir können warten, aber ich muß dein Versprechen haben, daß du mein bist und es auch bleibst. Dann bin ich ruhig, dann brauch' ich kein Versprechen von dir, keinen Ring, dann weiß ich du gehörst mir ganz."
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Im Laufe des Jahres wurden wieder- i hott Reu- und Umbauten begonnen, ohne i dahvorherdie baupolizeilicheGenehmigung erwirkt wurde. Ein solches Vorgehen liegt ; nicht im Jnlerefse einer geregelten Durch- j fuhrung der Bauarbeiten und fördert I mehr oder weniger die Verschandelung 1 des Elädtebildes. Außerdem machen sich , nach der bestehenden Allgemeinen Bau- ! orbnung Bauherr, Bauleiter und Unter» I nehmer strafbar.
Ich richte an alle interessierten Kreise der Bürgerschaft das dringende Ersuchen, bet Ausführung von Bauvorhaben, auch bei Erweiterung bereits genehmigter und I in der Ausführung begriffener Bauten, । für die Folge die Baugenehmigung stets rechtzeitig einzuholen. Bei Ausführungen . ohne Genehmigung werde ich künftig ' Strafanzeige erheben, die begonnenen Arbeiten einstellen lassen und, wenn not» ! wendig, die Riederlegung der bereits er- I folgten Aufbauten veranlassen.
Gießen, den l. Dezember 1925.
Der Oberbürgermeister.
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