Mit diesem Arbeiten sind wir nun bei den Geschenken, die die Kinder selbst nnfertigen. Sollen diese Geschenke wirtlichen, erzieherischen Wert haben, so müssen wir diese Geschenke richtig beurteilen und dem Kind die Möglichkeit g<pn, etwas eige ° n e s schaffen zu können, das auf Grund der Erziehung auch Schönheitssinn verrät. Was heißt nun, ein Oefd«2nf richtig beurteilen? Wir müssen uns ganz in die Seele des Kindes hineinversetzen und nicht an dem Geschenk, das vielleicht nicht ganz tadellos gearbeitet ist, Kritik üben, sondern wir müssen die Mühe sehen, die sich das Kind beim Arbeiten gegeben hat, wir müssen die Freude Mitempfinden, mit der das Kind geschaffen hat, dann werden wir einer kindlichen Arbeit gerecht. Wir können mit einer unbedachten Bemerkung über das Geschenk einer Kinderseele unendlich wehe tun, so daß wir es nie wieder gut machen können. Ent» täuscht, traurig, vielleicht mutlos zu weiterem Tun zieht sich das Kind vcn uns zurück und verliert die Freude am Schenken.
Damit nun auch während der Arbeit an einem Geschenk die Arbeitsfreudigkeit bestehen bleibt, und die Arbeit nicht eine Qual wird, müsien wir die Aufgaben, die wir dem Kind stellen, seinen Fähigkeiten und seiner Kraft anpassen. Hier gilt es nicht, eine Technik zu erlernen, die dem Kinde bisher fremd war, hier soll nicht eine Arbeit, die ein anderer angefangen hat, fertiggestellt werden, sondern hier soll das Kind, höchstens unterstützt durch prak- rische Ratschläge, frei und selbständig gestalten.
Aber es muß ja nicht immer eine Handarbeit sein, die geschenkt wird, denn womit sollten denn Kinder, die purch häusliche Pflichten schon sehr in Anspruch genommen sind, den Ihren eine Freude machen? Die wollen wir lehren, Augen und Ohren offen zu halten, um zu sehen, was Vater oder Mutter fehlt, oder um heimliche Wünsche zu erlauschen. Haben sie dann von ihren Ersparnissen etwas Schönes gekauft, so werden sie beim Schenken die gleiche Freude empfinden, wie die, die ihr Geschenk selbst gearbeitet haben.
Wie verhallen wir uns nun den Äindem gegenüber, die nicht gern schenken? Da müssen wir zuerst beobachten, warum das Kind nicht gern gibt. Ist es Egoismus oder ist es allzu große Schüchtemheit? Das erstere finden wir oft bei einzelnen Kindern, die immer nur alles für sich haben und dämm nicht gewöhnt sind, an andere zu denken, mit anderen zu teilen. Das „Schenken lehren" soll uns helfen, diesen Egoismus zu überwinden. Beim Anfertigen eines Geschenkes muß das Kind die Gedanken von sich ablenken, muß seine freie Zeit opfern, und wird dies sicher zuerst nicht gern tun; ober es wird einem verschenkten Spielzeug lange nachtrauem. Aber regen wir das Kind immer wieder an, schaffen wir ihm Möglichkeiten, andern Freude zu bereiten, so können wir Eigenliebe allmählich in Nächstenliebe verwandeln. — Anders verhält es sich bei Kindem, die z u schüchtern sind, 311 wenig Vertrauen zu sich selbst haben und darum nicht wagen, jemanden ein Ge- chenk anzuferiigen, ja nicht einmal den Mut haben, ein Geschenk zu überreichen. Bei diesen Kindem müsien wir versuchen, ihr Selbstvertrauen zu stärken, indem wir ihre kleinen Arbeiten loben. Wir müssen ihnen mit besonders viel Liebe und Geduld entgeaenfommen in ihrer Hilflosigkeit, damit sie allmählich lernen, ihre inneren, seelischen Hemmungen zu überwinden, um die Qual des Schenkens zur Freude werden zu lassen.
Helsen wir unfern Kindern, daß sie sinnvoll ihre Geschenke wählen, und daß die Weihnachtsarbeiten ihnen nicht zur Qual werden, damit es ans jeder Stube, m der jetzt genäht, gestickt, geklebt ober gesägt wird, klingt:
O du fröhliche, 0 du selige, Gnabenbringenbe Weihnachtszeit.
Spielzeug für Kinder.
Die wertvollsten Spielsachen für Kinder sind immer die, mit denen sie sich lange beschäftigen können, die ihre Schöpferkraft und ihre Pharnasie anregen. Spiel material wollen die Kinder, nicht eigentlich fertige Dinge, die sich nur anstaunen lassen. Sie wollen handeln, arbeiten, sich betätigen. Darum gehört in jede Kinderstube ein Baukasten, namentlich da, wo Jungen sind. 2(ngcfangen vom einfachen Holzbaukasten mit ein paar Klotzen, die dem kleinen Kind eine ganze Welt zaubern, über die schönen Richter-Steinbaukasten bie Vorlagen lasse man solange wie möglich bei» feite!) bis hin zu den in den letzten Jahren auf» gekommenen Metallbaukasten für kleine Techniker
Pelzmärtel-
Ein Nürnberger Spielzeugroman.
Aach dem 3 a'iemfcfcn der Terefah erzählt von Gustav W. Eberlein.
Copyright 1925 by 21. Scherl G. m. b. H.» Berlin.
11. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Was machen wir nut?“ fragte Bringglück. „Da Otto sich nun selber beschuldigt hat, werden seine Kameraden nicht mehr mit ihm spielen wollen, sie werden ihn verhauen, sie werden ihn —--"
„Da bleibt nichts anderes übrig," siel Kunigunde ein, „als ihn mit aus die Reise zu nehmen."
„Sehr gut," stimmte Karl der Große bei. „Aber wie?" setzte er schnell hinzu, denn er dachte daran, wie ost er sich schon mit seiner mangelnden Doraussicht blamiert hatte.
Luginsland, Schnabelspih und Wiesenftelz wechselten einen Blick. Sie hatten wohl den guten Willen, wußten aber, daß sie zu schwach wa.en, ein Menschenkind zu tragen. Außerdem, wenn Otto mitdurfte, konnte man Liefet nicht auöschließen. Wohl trat Gevatterin Cornelia da, aber sie muhte tagsüoer ihre Kunden besuchen, und Gevatter Franz arbeitete in einer Fabrik, so daß Liefet immer allein gewesen wäre.
„Was machen wir nun?" wiederholte Bring- glück.
Da trat ein grauer Esel hervor, verbeugte sich höflich und meinte, seiner Ansicht nach könnten Otto und Liefet in Schlaf verseht werden und bei den Spielsachen im unterirdischen Gang bleiben. Für den ersten Augenblick schien der Gedanke car nicht so schlecht.
„Bortresslichl" spottete Pelzmärtel. „Wer gibt ihnen denn dann zu essen? Ihr seid Spiel- fachen, beseelt, wie ich gern zugebe, ihr könnt lausen, denken, allerhand Dinge unternehmen, lustig und traurig sein. Essen jedoch braucht ihr nicht, denn man hat euch zwar ein Herz, aber keinen Magen gegeben.“
Auch das war richtig. Zwei Kinder in Schlaf versetzen und in einen unterirdischen Gang einschliehen, vielleicht ein ganzes Jahr lang,
und Baumeister. Mancher Junge, der der Schularbeit absolut kein Interesse abgewinnen kann wegen seines mangelnben Wortgedächknisses unb seines fchlenben Interesses für theoretische Dinge, beweist feinen auf praktische und technische Dinge gerichteten Berstanb beim Arbeiten mit solchen Baukasten. Sie sind entschieden wertvoller als etwa bie kleinen Kinos für Kinder ober Dampfmaschinen. bie man doch im günstigsten Falle nur in Tätigkeit setzen kann, ohne aber Eigenes gestalten zu können, wie bie Kinder müssen. An diesen Baukasten können die Jungen ihren praktischen Verstand schulen und bilden. Das wird in manchen Fällen wichtiger fein als bie mehr theoretische Arbeit für die Schule.
Ebenso gehören in jedes Kinderzimmer Schwarz-, Weiß- unb Buntpapier zum Ausschneiden, Buntstifte zum Malen unb Zeichenpapier. Ein schönes Beschästigungsmittel ist auch Knetmasse, Plastilin. Nur lasse man hier wie auch bei ben Malereien unb ben Ausschneidearbeiten alle Vorlagen weg! Die Kinber wollen ja gar nicht nur vorgezeichnete Linien unb Bilder nachzi-chcn unb ausmalen, sie wollen nicht tote Aepfel und Kirschen unb Pflaumen kneten ober ausschneiden. Die Kinder wollen Leden. immer wieder Leben unb Freube. Sie malen alles, was sie sich benfen, sie kneten und formen alles, was sie irgend gesehen: wie sie Schlitten fahren, wie ein Auto gegen einen Baum fahrt, bie Eisenbahn, ben Lehrer, sie stellen alles bar, unb babei soll man sie lassen. Mädchen müssen natürlich alle ihre Puppen Haden. Daß aber die Puppe echte Haare hat unb ihre Augen bewegen unb vielleicht gar sprechen kann, bas ist ganz unb gar nicht nötig. Im Gegenteil! Einfach, wiberstands- fähig, e ch t muß alles Spielzeug fein. Gar oft steht der Wen in umgekehrtem Verhältnis zum Preis. Als eine arme Mutter einmal lange gespart hatte, um ihre mKinbe mit einem feinen Puppenwagen zu Weihnachten eine ganz besondere Freube zu machen, da beachtete bas Kind ben Wagen kaum unb wandte sich begeistert zu einigen kleinen Beutelchen mit Perlen: Jetzt kann ich mir und allen meinen Puppen Armbänder und Halsbänder machen! Dem Kinde war das Wichtigste das, womit es sich betätigen konnte.
Daß Schlitten und Schlittschuhe. „Roller", „Schnelläufer" unb „Hollänber" usw. zu den wertvollsten Weihnachtsgeschenken für Kinder gehören. ist so felbstverstänblich, daß man es kaum zu erwähnen braucht. Sehr schön sind auch bie guten alten „Spiele im häuslichen Kreise", bas alte „Glocke- unb Hammerspiel", die verschiedenen Quartettspiele, Halma, Dame und wie sie alle heißen, vorausgesetzt, daß das Wichtigste hinzu- kommt, daß bie Eltern Zeit haben, um gemeinsam mit ihren Kindern zu spielen.
Praktische Winke für WeihnachLskonfekt.
In vielen Familien ist es noch Sitte, Lebkuchen. Marzipan unb kleine Würzkuchen selbst herzustellen, und "da dieses zeitraubende Geschäft natürlich nicht erst in den letzten Tagen vor dem Weihnachtsfest vorgenommen werden kann, wo die vielgeplagte Hausfrau alle Hände voll zu tun hat, muß Sorge getragen werden, daß das Gebäck und Konfekt auch seine Frische und Knusprigkeit behält, ohne die es sofort an Wohlgeschmack verliert. Hierzu einige erprobte Winke, die sich auch auf gekauftes Backwerk und Konfekt erstrecken, die man vor dem Feste gern frühzeitig besorgt.
Lebkuchen und mürbes Gebäck hält sich monatelang mild und frisch, wenn man es in einem irdenen Topf mit gut schließendem Deckel oder in einigen leeren, breiten Rex- konservengläsern mit Jeftem Bügel aufbewahrt, und zwischen jede Schicht Gebäck eine Lage von Seibenpapierschnihel bringt. S'n), trotz aller Vorsicht, Lebkuchen doch einmal hart geworden, stelle man sie in einem tönernen Topf, den man mit einem nassen Tuch verhüllt, eine Rächt in den Keller oder bei recht nebeligem Wetter ins Freie auf den Balkon, wo sie genügend Feuchtigkeit aufsaugen und wieder weich werden. Keks, Plätzchen, Oblaten, Waffeln usw. halten sich besser noch in festschliehenden Blechbüchsen, müssen aber auch die oben erwähnte Papierschnitzel-Zwischeniagtz erhalten, denn das Seidenpavier sorgt nicht nur dafür, daß sich die Kuchen nicht miteinander berühren, und dadurch unansehnlich werden, sondern es saugt auch jede, dem Gebäck ausströmende Feuchtigkeit sofort auf
ohne ihnen Rahrung zu geben, das hätte bedeutet, sie beim Aufwecken magerer vorzufinden als die sieben mageren Kühe, von denen die Bibel erzählt. Die Spielsachen traten ganz niedergeschlagen. Aus Schritt und Tritt neue Schwierigkeiten. Wie war es doch schwer, ein gutes We k zu vollbringen!
Dem Pelzmärtel machte das alles einen Heidenspaß. War er es doch, der alles aus- gedacht, alles borbereitet, alles gelenkt hatte. Wer war es getoeen, ver Lugins and veranlaßte. Tante Berta bei dem Spiel mit dem glitzernden Stein zu beobachten? Wer hatte Kunigunde den Gedanken eingegeben, den Ausstand der Spielwa.en anzu'.etteln? Wer steckt hinter Hans Sachs, als er die zauberhafte Melodie seiner Laute entlockte?
„Rur nicht verzweifeln," sagte jetzt das putzige Kerlchen mit der lässigen Miene einer gewichtigen Persönlichkeit, bie bereit ist, ein großes Zugeständnis zu machen. „Auch Otto und Liefet sollen die Feen des Südens sehen, ich habe einen Ausweg gefunden."
Alle lauschten mit angehaltenem Atem.
„Ich werde einfach", fuhr Pelzmartin fort, „Otto und Liefet In einem bequemen Landauer reifen lassen, einer Kutsche, die ich selber erfunden habe und die nicht nur ebenso leicht wie solid ist, sondern auch trefflich vor Kälte und Aln- teetter schützt. Und du, mein Lieber," wandte er sich an Krachauf, indem er ihm das Kinn herunterzog, „nachdem dir gar soviel daran liegt, die Reise mitzumachen, du wirst den Landauer ins Maul nehmen. Es gehört sich ohnehin, diß du einmal einen Besuch bei den Feen machst, die wichtigste Persönlichkeit unter dem Volke der Spielsachen trat von jeher der Nußknacker. Mm die Stadt Nürnberg würdig zu vertreten, können wir keinen besseren Gesandten ins Feenland schicken als dich."
Es läßt sich kaum vorstellen, wie selig Krachauf war. Natürlich wollten jetzt auch die anderen Völker und Stämme ihren Gesandten hoben. Da aber die Störche erklärten, für eine so weite Reife sich, bei allem Respekt vor den Gesandten, nicht soviel Leute aufhalfen zu können, wurden schließlich nur den Marionetten, den Soldaten und den Hunden Vertreter zugebilligt. Damit
unb erhält eben dadurch die Knusprigkeit. Hat man viel Vorrat an Pralinen unb Fondants und will sie vielleicht über Neujahr für geselliges Zusammensein aufbewahren, so scheue man die kleine Mühe nicht, jedes Stück in Staniolpopier zu hüllen unb das Konfekt in einer gutschließenden Glas- ober Porzellandose zu verwahren. Nuß- unb mit Marzipan gefüllte Pralinen, sowie kandierte Mandeln hebe man nicht lange auf, denn sie werden leicht ölig und ranzig. Kandierte Früchte und Maronen dagegen halten sich lange Zeit frisch in Pergamentpapierhülsen. Mokkabohnen, diesem heute so beliebten herzhaften Konfekt, kann man ziemlich lange ihr feines Aroma erhalten, wenn man sie in fest- verschlossener Blechdose aufbewahrt und von Zeit zu Zeit ein paar frisch geröstete Kaffeebohnen dazu gibt. Die größte Sorgfalt beanspruchen die Bonbons, wie Fruchtbonbons, Drops, Rocks usw., die so'ort kleben, wenn sie mit Luft in Berührung kommen ober mit ben Händen an- gefaßt werden, weshalb sie in besonders feft- schliehenden Glasbosen aufbewahrt werden müssen und nur mit einem Horn- ober Glaslöffel herausgehoben werden dürfen.
Beim Backen kleinerer Kuchen und Plätzchen ist oft das Ablösen vom Blech mit Schwierigkeiten verknüpft und Bruch unvermeidlich. Da empfiehlt es sich bas noch warme Backwerk mit einem an beiden Enden gefaßten, feinen, aber festen Bindfaden, den man wagerecht unter die Kuchen schiebt, abzulöfen. „Baisergebackenes" muß vor dem Loslösen erst vollständig erkalten, denn es ist eine sehr zerbrechliche Masse — größere Vorsicht ist geboten. Ist es nicht möglich, dieses Schaumgebäck, „Windbusserln" „Spanischer Wind" unb „Winbkruste" ober wie sonst noch diese lustigen Bäckereien genannt werben, mit einem Messer abzulösen, so taucht man einen großen Schwamm in heißes Wasser unb befeuchtet gehörig das Backpapier. Nach diesem Verfahren lösen sich die „Baisers" leicht unb mühelos ab. In einem 'Porzellangefäh ober einer Dlechbose halten sie sich wochenlang.
Äla'ronen.
Man gebraucht P/2 Pfund Zucker, 4 Eiweiß unb die abgeriebene Schale einer Zitrone für 1 Pfund Mandeln. Letztere rührt man mit bem Eiweißschaum, der iefcr fest fein muß, dem Zucker und der Zitronenschale sehr gut durch, legt mit einem Löffel runde Häufchen von der Masse auf eine heißgemachte, mit Wachs bestrichene Platte und backt sie bei schwacher Hitze gelb. Man kann bie Makronen auf Oblaten baden, was am bequemsten ist. Hat man indessen beides nicht und muh auf Papier *baden, so bestreiche man dieses, wenn sie aus dem Ofen kommen, auf der Mnterfeite mit einem nässen Pinsel, worauf sie sich lösen.
Ehristbaum-Konfekt.
Mi Pfund Zucker wird mit V« Pfund Butter verrührt, dazu M2 Pfund Mehl unb 2 Eier unb ein paar Tropfen Vanille-Essenz. Man läßt ben Teig 2 Stunben an kühlem Ort stehen. Dann wird er messerbick ausgerollt, mit Blech formen Gestalt von Sternen, Kringeln, Halbmonden usw. ausgestochen, auf einem mehlbestäubten Backblech mit zerquirltem Eigelb bestrichen, mit buntem Streuzucker bestreut und bei mäßiger Hitze gebacken. Wan kann auch einige der Plätzchen, nachdem sie gebacken sind, mit einem dicken Zucker- ober Schokoladenguß überstreichen.
tafelet Lebkuchen.
3 Pfund Honig läßt man aufkochen, bis er steigt, schüttet ihn in eine große Schüssel unb läßt ihn auf lauwarm abkühlen, bann mischt man P/2 Pfund Mehl hinzu, wirkt alles tüchtig durch, drückt den Teig in Lebkuchenformen, Die mit Mehl ausgestreut sind, nimmt ben Kuchen bann aus den Formen, legt sie auf ein mit Mehl bestreutes Kuchenblech unb bäckt sie bei starker Hitze. Nachbein sie fertig gebacken, bürstet man alles Mehl von ihnen ab, bestreicht die Oberfläche mit Honig, Syrup ober zu gaben gekochtem Zucker, häufig auch mit Milch, die stark mit Zucker versüßt ist, und läßt die Glasur trocknen. Noch schöner werden die Lebkuchen, wenn man dem Teig nach dem Aufkochen 4—5 Eidotter und noch Mi Pfund Zucker, mit etwas geriebener Zitronenschale gemischt, zugeseht hat.
war die Passagierliste geschlossen. Sie setzte ich nun folgendermaßen zusammen: drei Abgesandte des Puppenvolkes, nämlich Karl der Große, Kunigunde und Hans Sachs: bann, für die Marionettengesellschaft, die Primadonna namens Ro- fauia, die jedoch auch ihren Bräutigam Florindo und ihre Zofe Coraliina milnehmen wollte, älnd Corallina wollte auch nicht auf ihren Verlobten verzichten, der Harlekin hieß. Als Kinder des Südens litten die vier arg an Heimweh, und es war begreiflich, daß sie sich nicht trennen mochten. Die Soldaten ordneten je eine Gruppe Husaren, Li anen und Schwere Reiter ab. Etwas lärmend ging es zu, bis die Hunde ihre Vertreter ausgesucht hatten. Die Wahl fiel auf einen Pudel, einen Dackel und einen Windhund.
Alles in allem handelte es sich um keine allzu schwere Fracht für die Störche, denn was war bie Reisedroschke, die großartig? Erfindung des Pelzmärtels, die Krachauf ins Maul zu nehmen hatte? Eine Nuß.
„Na, endlich", sagte das Männchen im Pelz und tat einen mächtigen Seufzer. „Nicht zu glauben, was ihr einem für Mühe macht! Eigensinniges Doll, das ihr seid! Am liebsten ginge ich auf und davon und ließe euch in der Patsche drin. So was von Llmständlichkeit! Wenn ich wollte, brauchte ich doch nur geradeswegs zum Bürgermeister gehen und ihm die ganze Geschichte vom Puppenpeter erzählen, um den Mann freizukriegen."
O Schreck! Die Gesandten der Spielsachen, die schon die Freuden einer langen, abenteuerlichen Reise vorgekostet hatten, überlief ein kalter Schauer bei dem Gedanken, daß zu guter Letzt noch alles in Rauch aufgehen könnte. Auch von den tapfersten Herzen soll man nicht zuviel Heldenmut verlangen. Sich jeder Gefahr auszuiehen, um den armen Puppenpeter zu befreien, ja, dazu waren sie bereit, aber eine so gute Gelegenheit, berühmt zu werden, verlieren —--
Auch die Herzen der Im unterirdischen Gang zurückbleibenden Spielwaren schlugen höher bei der Vorstellung des Triumphes nach vollbrachter Tat. Der Tag würde kommen, wo alle Welt von dem berühmten Kreuzzug der Nürnberger Spielsachen sprach, tinö dann würden alle den
OÄerhessen.
U Rödge n, 8. Dez. Der hiesige Frauenverein verunstaltete am Sonntag Abend im Saale von Gastwirt Balser eine Weihnachtsaufführung, bie trotz der Kälte von ben Ge- meinbegliebem gut besucht war. Zwei kleine Stücke gingen über bie Bühne. Der Inhalt der hüben Stücke hatte die Weihnachtsbotschaft zum Gegenstand. Die Darsteller waren Schüler und Schülerinnen der hiesigen Volksschule, teilweise auch andere junge Leute aus unserer Gemeinde. Sämtliche Spieler wurden ihrer Aufgabe mit großer Geschicklichkeit und anerlenncnswertem Eifer gerecht. Drei Lbmbe Bilder, Dornröschen. Aschenbrödel unb Schneewittchen darstellend, schlossen ben Abend cb. cklmrahmt war das Ganze von mehreren Gesängen der ersten Schul- llasse, die unter Leitung von Lehrer Leisenheim e r flott und eindrucksvoll vorgetragen wurden.
= Mainzlar, 8. Dez. Der Zweigverein Lumdatal vom Vogelsberger Höhen- c l u b hatte seine Mitglieder zu cinTnr-Ä ik 0 1 ausübend in die hiesige Wirtschaft zum Bahnhof am Samstagabend eingelaben. Sehr zahlreich waren die V.-H.-C.-Brüder und -Schwestern der Einladung gefolgt. Nach einleitender Begrüßung durch den Vorsitzenden wechselten Gesänge und Spiele in bautet Reihenfolge ab. Eingeflochten wurden zwei kurze Theaterstückchen: „Das Schwert des Damokles" und „Der Arme und der Reiche". Beide Lustspiele wurden flott und mit Hingebung von einzelnen Mitgliedern des Zweigoereins gespielt. Mit reichlicher Verspätung kam endlich auch der Nikolaus an, der diesmal nur einigen Anwesenden u. a. kleine Paket chen schenkte. Schon hatte die Uhr 12 geschlagen, als erst mit dem Tänzchen begonnen werden konnte.
: Beuern, 8. Dez. Am Sonntag feierten Gemeinberechner Stein unb sein: Ehefrau bas Fest ber golbenen Hochzeit. Welcher Hochachtung sich ber gewissenhafte Beamte erfreut, zeigten die vielen Ehrungen, die ihm aus nah unb fern zuteil würben. In einer harmonisch verlaufenen Feier sprach ber Ortsgeistliche. Pfarrer Wagner, ganz vortreffliche Worte zu bem Jubelpaar. Der Gemeinbevor- stanb hatte durch Bürgermeister Linden- struth seine Glückwünsche übersandt. Am Nachmittag fang der en gl. Kirchengesang- verein Beuern, dessen Mitbegründer Rechnet Stein im Jahre 1886 war, dem Jubelpaar. Rechner Stein dankte gerührt für die Ehrung. Der Männergesangverein Polyhymnia. dessen Ehrenmitglied der Jubilar ist, brachte am Abend das übliche Ständchen. Der VereinS- vorsitzende, Wilhelm Hermann, würdigte die Verdienste des Jubilars, der den Verein jederzeit mit Rat und Tat unterstützt hat. Rechner Stein versprach in seinen Dankesworten, auch in Zukunft ein regsames Mitglied des Vereins zu bleiben.
: Beuern, 8. Dez. Am Samstagabend eröffnete der hiesige Volksbildungsoerein seine Tätigkeit für ben Winter 1925/26. Nach einem kurzen Begrüßungswort durch den Vorsitzenden gab dieser einen Rückblick über die Veranstaltungen des Vereins im Winter 1924/25. Die Bibliothek, zu deren Erweiterung von der Kreiskasie des Kreises Gießen 8 Mk. und von der Dereinskasie etwa 60 Mk. zugesteuert wurden, erfreute sich recht eifriger Benutzung. Rund 1500 Bünde wurden im letzten Winter ausgeliehen. Die Vorträge des Vereins waren im großen und aanjen recht gut besucht. Es unterstützten nachfolgende Personen den Verein mit Vorträgen: Prof. Dr. Helmke von Gießen: „Vorgeschichtliche Siedelungen in Deutschland, insbesondere in Oberhessen", Lehrer Mül- l e r, z. Z. in Rüddingshausen: „Die Tätigkeit ber Bakterien unb ihre Erhaltung in der Ackerkrume", Landwirtschaftslehrer Barth von Großen-Buseck: „Grünlandwirtschaft", Schriftsteller Karl Rudolf Fischer von Laubach: Lichtbilberoortrag über bie „Lüneburger Heide", Lehrer Rau von Beuern: Lichtbilberoortrag über „Eine Rhein fahrt von Mainz bis Köln", Pfarrer Haupt von Gießen: „Die Franzosen am Rhein" und in einem Licht- bildervortrag: „Ist der Spiritismus eine Wahrheit?", Dberftubienbireftor Philipps von Friedberg, unser oberhessischer Mundartdichter: „Aus meiner Werkstatt", Lehrer Schmoll von Elpenrod: Lichtbilberoortrag über Lubwig Richter, ben Maler mit dem Kinberherzen", unb Frembenlegio- när Specht aus der Darmstädter Gegend: „Meine Erlebnisse in der französischen Fremdenlegion". Im Anschluß an den Vortrag von Prof. Dr. Helmke
gleichen Anteil an der Ehre haben, und es würde heißen: „Denkt nur, was die Nürnberger Spielwa.en gemacht haben!" Die Leute würden mit offenem Munde zuhören, und einer würde es dem anderen erzählen.
Unb das sollte nun plötzlich alles nicht mehr sein? Nein, zum Glück begnügte sich Pelzmärtel damit, zu drohen. Er wäre in eine schöne Verlegenheit gera en, wenn er seine Drohung hätte wahrmachen wollen. Denn obschon er wirklich lebt und einen schönen Pelz trägt und nach seinem Belieben erscheinen und verschwinden kann, hat ihn noch fein Mensch zu Gesicht bekommen. Er kann sich niemand sichtbar machen. Wenn er also auch zum Bürgermeister ginge und zu ihm spräche, würde ihn der weder sehen noch hören. Pelzmärtel konnte es wohl fertigbringen, die Unschuld Peters zu beweisen, aber nicht dadurch, daß.er dessen Geschichte erzählte, sondern dadurch, daß er die Nürnberger mit merkwürdigen Ereignissen in Atem hielt, so lange, bis sie endlich dabinte.kämen, was es mit dem geheimnisvollen Verschwinden der Spielsachen für eine Bewandtnis habe.
Fünftes Kapitel.
Wie Pelzmärtels merkwürdiger Dcisewagen sich in Bewegung setzt und nach einem Probeflug über der Stadt der unterirdische Gang geschlossen wird, wobei Fist, die Gummikatze, und Blaublau, der schöne Zwitschervogel, durch rechtzeitiges Ausreißen das bessere LoS gewählt zu haben glauben.
Ich glaube nicht, daß jemals Kinder, denen eine Reise versprochen wurde, sich so gefreut haben, wie Otto und Liesel, als Luginsland, Bringgiück und Wie enstelz ihnen die Einladung Pelzmärtels überbrachten. Eine Einladung, Die weder ich noch ihr verstanden hättet, da sie natürlich in der Storchensprache ausgedrückt wurde. Aber Pelzmärtel hatte bestimmt, daß Otto und Liefe! jene Eigenschaften annehmen sollten, ohne welche ihre Reise inmitten der Spielsachen unbenf.ar gewesen wäre. Zu diesen außergewöhnlichen Eigenschaften gehörte es, daß sie alle Sprachen verstanden und sich über nichts mehr wunderten.
(Fortsetzung folgt)


