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Mittwoch, 9. Dezember |925

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger fürGberhesien)

Hl 288 Zweites Blatt

Aus dem Reiche der Frau

Straft deS

die

Verte sie die höchste Würde

sich mit wie der Irrtum

ilnö der genügt ja. Schein öu

geh weg, ich chen Dinge, Lebens und Äerven uns

uns, wie im Men- und Ted verteilt

der Mann sich nicht inehr scheut, leiseste Flecken im Kristall der Seele um das Licht zu brechen und den trügen.

Gesegnet feien die alten Gesichter, die sich über unsere Kindheit geneigt haben, und in deren Obhut fid) alles tecklich hervorwagte, was in dem Kindergemüt entstehen wollte, in Deren aushor. chendes Ohr alles, was wir sagten, hineinging, wie in eine Heimat, weil sie Zeit u n d R u h e für uns hatten. Aber wir wollen nicht warten, bis wir in den Ruhestand verseht sind, um dann erst den Reichtum des nahen Verkehrs mit den Kindern, die in unseren Bereich kommen, zu ge-

die'em Gebiet noch nicht genügend gesetzt hat.

D'.e Frau hat lange Zeit geglaubt, denselben Mitteln durchsetzen zu müs'en Mann. Mer das ist eben der große

sich für einen Preis.

Solche Wertungen zeigen

und Irr" eg gewesen. Denn ihr Weg kann nur der Psad der dienenden selbstlosen Liebe sein. Eine Frau, die anders denkt, verrät sich und ihr Geschlecht an den Mann. So notwendig und also auch berechtigt alle politi'chen Forderungen der Frau im Berus sind, so darf die Frau doch auch hier nicht verlernen, durch alle diese Kämpfe hindurchzuschauen. Es gibt ja genug politische Frauen, d'e ihre Art nicht verleugneten, und durch sie hat unser öffentliches Leben eine un­endliche Bereich erung er'ahren. Wo immer echte Frauen in das Politische eingegrifsen haben, da haben sie den Menscben im Menschen an­gerufen, da haben sie sich um die Seele ihres

ist für die Atmungsorgane gut; auch der Schlaf erfährt dadurch erwünschte Vertiefung. Säug­linge brauchen an kalten Tagen noch ein leicht erwärmtes Zimmer zum Schlafen. Mer von einem Jahr an kcnrn jedes Kind solange es gesund ist stets, auch im kalten Winter, im ungeheizten Zimmer schlafen. Es ist das eines der besten Mhärtunqsmirtel für die Atmunas- organe überhaupt. Manche Kinder decken sich gewohnheitsmäßig während der R '.cht im Schlafe auf. Da müssen die Eltern entweder öfter Nach­sehen, oder die Bettdecken müssen mit einer Schnur am Bett festgcbunden werden. Für Men­schen, die Don Jugend auf an Schlafen bei offe­nem Fenster gewöhnt sind, ist daö Schlafen bei geschlossenem Fenster kaum erträglich.

Wirklichen Erfolg wird man in der ganzen Abhärtungsfrage nur bei voll gern Eingehen auf die Eigenart jedes einzelnen Kindes haben. Der kindliche Körper ist zwar jung, daher elastisch und anpassungsfähig, aber man darf ihn nicht künst­lich und irgendeinem schlecht begründeten Prin­zip zuliebe, naturwidrig unter Bedingungen brin­gen, die für ihn nicht geeignet sind. Vorüber­gehende oder längerwährende Schädigung ist sonst die sichere Folge.

Sind wie es falsch ist, weil das Rachbarskind vielleicht mit neun Monaten schon laufen kann, das nun auch von dem eigenen zu erwarten, so unrichtig ist es, dem Kind den Mantel zu ver­sagen, weil ein anderes Kind ohne Mantel bei (altem Wetter herumläuft. Richt nach Dorsch if- ten und am allerwenigsten nach einem falsch verstandenen .Ehrgeiz" darf man handeln wol­len, sondern immer nur nach dem, was dem einzelnen Kind gut ist. Das er­kennt man aber vor allem an dem Einfluß auf sein Allgemeinempfinden. In der Regel ist ja beim Kind viel wichtiger als Wiegen, Messen und andere älntersuchungsmethoden, die einfache Beobachtung, wie es sich fühlt, ob es vergnügt und munter ist, ob es spielt usw. Auch die Ab­härtungsbestrebungen werden noch diesem Ge­sichtspunkt den. größten Erfolg erzielen. j

kannte Müllersche System soweit es sich auf Leibesübungen bezog, gute Einbürgerung fand, daß aber der Teil mit den Wasser Übungen fast von allen wieder verlassen wurde, die sie ver­sucht hatten. Bei Kindern ist jedenfalls die me­thodische Anwendung von kaltem Wasser zur Whärtung nur mit alleräußerster Vorsicht zu gebrauchen. Kinder sollen natürlich abgehärtet werden. Die Mutter, die ihr Kind aus Angst vor einer Erkältung vor jedem Windhauch be­hüten möchte, die es am liebsten in Watte Pak­ten und zwischen Glasscheiben sehen würde, die leistet ihrem Kinde leinen Dienst. Denn eineß Tages muß es doch ins Freie, es kommt mit Krankheitskeimen aller Art unweigerlich in Be­rührung, und dann entsteht nur um so rascher und heftiger eine Erkrankung, der ein wind- und wettergewohntes Kind nicht ausgesetzt ist. Kin­der die mit schwächlicher Konstitution geboren sind, also oft Kinder tuberkulöser Eltern usw.. müssen allerdings besonders behättt werden, aber nicht im Sinn einer Verweichlichung und Ver­zärtelung, sondern gerade im Sinne einer Kräf­tigung und vernünftigen Abhärtung des ganzen Körpers von frühester Jugend an. _

Was bezweckt Abhärtung? Sie Be­gegnung mit Krankheitsleimen aller Art läßt sich nicht vermeiden. Die Kräftigung des Körpers ist daher von großer Bedeutung, denn nur dann kann er eingedrungene Keime rasch unschädlich machen und wieder entfernen. Eine Erkältung, eine örtliche älnterkühlung schafft sofort Punkte verminderter Widerstandsfähigkeit im Körper: dort siedeln sich die Krankheitskeime an. Daher erkranken Menschen, die zu Erkältungen neigen, Diel häufiger als andere, bei denen das nicht der Fall ist. Das Ziel vernunftgemäßer Kör­perausbildung muß es sein, die Reigung (Dw- position) zu Erkältungen herabzusetzen. E-n wich­tiges Mittel dazu ist eben dieAbhärtu ng des Körpers gegen Witterungseinflüsse und plötzliche Temperaturänderungen.

Der ganze Körper, namentlich tue Haut, soll habet so geübt werden, daß bei Veränderungen

befaßend ober verneinend sein zeigen uns auch, was denn von einer Frau erwartet wird und nach welcher Richtung ihr Wesen liegt.

Fra: en, die um d'e Anerkennung der Frau im öffentlichen Leben kämpf en, ha-en die G e'ch- heit von Mann und Frau als eine Tatsache hingestellt. Mer zu oft verwechselte man die Gleichheit des Wertes mit der Gleichheit der Art. De Art von Mann und Frau ist so un­gleich wie mög'ich, ja das Wesen v-m Mann und Frau ist verschieden. Fmuenidea e können nicht Männerideale sein, Mütter'ichle t, das höchste Ziel der grau, kann einem Manne nicht die letzte Richtung geben. Das We en von Mann und Frau ist grundverschieden, d. h. in Grunde verschieden. Aber Frauen wert kann weder hö­her noch tiefer stehen als Manneswert. Sind so gilt denn hier der gleiche Wertmatzstab und die gleiche Forderung.

Je höher die Wertmöglichkeit eines Men­schen, je gottnäher fein Wesen, um so tiefer die Schuld, um so teuflischer sein älnve'en. Gewiß, wir können einen Menschen auch entschuldigen, sein We'en auf äußere Le^ensbedingun^en zu- rüefühten. Rur können wir ihn dann nicht mehr werten. Ohne das Wagnis der eigenen Schuld kein Wert, ohne den Mut der eigenen Derant- wortung keineHöhen, die Seelenhöhen sind" (George).

Von der Schuld eines Menschen al'o können wir nur reden, wenn wir ihm eine hohe Fähig­keit, eine Werthöhe zumuten. älnd so hat auch nur der das Recht, von der Schuld der Frau zu sprechen, der ihre Gröhe anerkennt und ihre Art verehrt.

Die Werthöhe, zu welcher die Frau strebt, nennen wir die Frauenseele. Eine Frau,

die das immer rollende Rad des die oft im Getriebe zerriebenen wollen sagen lassen. Wir dienen wenn wir dem Kinde dienen.

Beruf bsr Frau.

Von Kurt Plachte.

Bis in das Leben der Gegenwart hat

Freude.

Wer die Jugend Hit, hat dir Zukunft. Eine Zukunft möchtm toi: all: haben, möchten nicht untertauchen in ein Richts ober Vergänglichkeit. Es gibt ein gutes Mittel dagegen. Wer, und sei es im übrigen ein g^n' unbekannter Mensch, von d.m nicht Diel laut wird in der Weltgeschichte, wer Don dem Besten seines Wesens so Diel er kann als Samenkorn in Kindesseelen legt, der hat etwas für die Unsterblichkeit getnn.

rufen. Ihr! die ihr Mütter seid!

Vom erzieherischen Wert des Schenkens.

Von Elisabeth Werner, Alumnatsschwester an der Staatlichen Bildungs­anstalt, Berlin-Lichterfelde.

Schenken ist eine Kunst, die von vielen Men­schen nicht verstanden wird. Sie begnügen sich damit, in einen Laden zu gehen, etwas zu kaufen und nicht im geringsten daran zu denken, .ob das gewählte Geschenk dem anderen Freude machen wird oder ob er es gebrauchen kann. Und gerade das Wertvolle an einem Geschenk ist nicht sein relativer Wert, s andern das Bemühen des Schenkenden, etwas zu finden, was dem anderen eine Heber« raschung ober die Erfüllung eines heimlichen Wunsches ist.Sinnvolles Schenken" wollen wir unsere Kinder lehren, denn wir geben ihnen damit eine große, innere Freude, die sie fühlen läßt, daß Geben freudiger, glücklicher macht als Nehmen.

Die meisten Kinder schenken gern; je kleines sie sind, desto unüberlegter natürlich. Mit weich' strali- lendem Gesichtchen bringen uns die Kleinsten irgend etwas, was sie gefunden haben: bunte Steinchen, Blätter ober Blumen, und wie leuchten ihre Augen, wenn wir uns über ihr Geschenk freuen! Werben die Kinber größer, so ändern sich wohl die Ge­schenke. Sie bringen uns dann vielleicht schon etwas Selbstgebasteltes ober etwas, was sie von ihrem Taschengelb erstanden haben, doch die Freude des Gebens ist die gleiche geblieben. Und diese Gebe- sreudigkeit wollen wir im Kinde erhalten. Sie kann uns ein guter Gehilse bei der Erziehung des Kin­des fein.

So können wir mit dieser Gsbcfreudigkeit eine gewisse 0 p f e r f r e u b i g f ei 1 verbinden; z. B. soll vor Weihnachten nicht nur das Spielzeug zinn Verschenken ausgesucht werden, was nicht mehr in Ordnung ist oder woran das Kind keinen Gefallen mehr findet, sondern das Kind soll lernen, sich von einem ihm lieben Spielzeug zu trennen, um damit einem armen ober kranken Kind eine Freude zu machen, ohne dem fortgegebenen Buch ober Spiel­zeug lange nachzutrauern.

Weiter können wir den Kindern zeigen, wie sie ihre Dankbarkeit zum Ausdruck bringen durch ein Geschenk ihre Dankbarkeit zum

Ausdruck bringen können. Machen wir sie ein­mal darauf aufmerksam, wieviel Arbeit und Mühe sie oft ihren Eltern, Erziehern und Leh­rern machen und wie diese immer darauf

bedacht sind, ihnen das Leben so schön wie

möglich zu gestalten, und fordern wir sie dann auf, doch einmal zu überlegen, wie sie ihnen eine Freude bereiten können, so sind sie gleich dazu bereit. Es beginnt nun ein eifriges Nachdenken darüber, was Mutter wohl gut gebrauchen könnte, worüber Vater sich freuen würde. Das Taschengeld, die Ersparnisse werden gezählt, Material wird eingekauft, und ein eifriges Arbeiten beginnt. __

scheu Gut und Böse, Leben

sind und wie das Hohe, Reine, Edle an das Riedere, Gemeine, Unechte in uns verhaltet bleibt. Aber solche Urteile sie mögen nun

die mit beseelten Händen die wirren Falten glatt streicht, eine Frau, die mit beseeltem geisti­gen Auge den Pfaden nachgeht, die ein Men­schenkind in die Irre führten, eine solche Frau ist berufen, den QIZann zurück usühren in fein Eigentum, in die Mitte seines We enS, in seine Seele. Frauen, dazu berufen, ein Kind wachsen zu sehen, von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde, und immer wieder voll heiligen Stau­nens das große Fremde, Schöpferische zu er­kennen, das in einem jungen Menschenttnde durch­bricht, Frauen, die in dieser wachslümlichen Ent­fremdung des Menschens von sich selbst ihn immer wieder leise zurückleiten zu sich selbst, solche Fra. en tragen in sich den göttlichen Fun­ken: das Ewig-Weibliche. Sie erüllen das Ge­bot der höchsten Liebe: immer zu warten und immer da zu sein. Die Mütterlichkeit durch­leuchtet üjr Wesen und formt ihr Tun. 3rt ihrem Schoße wird auch wieder das neue Leben un­seres Volkes reisen und sie werden so hoffen wir das Leben auch des ärmsten Menschen­kindes hülen.

Müt.er, die solche Liebe in sich tragen, wer­den nicht nur das Kind veredeln, sondern auch den Qllann. Das Hinanziehende und Hinein­ziehende ihres Wesens w'rd dem Mann immer wieder die innere Linie seines Handelns zeigen. Sie ziehen ihn in die Innerlichkeit, die 2nnen- Seite des Lebens hinein, sie speisen sein Tun aus Quellen des älrlebendigen und geben ihm so ein Gefühl für das Echte, das er im Kampf des Tages allzuleicht verliert. Ich kenne Frauen, die an ihrem Rähkorb sitzen und schweigend dem Gespräch der Männer lauschen, älnd während sie Stich bei S ich nähen, bessern, lösen, ve.k. üpfen, fällt plötzlich ein feines ruhi­ges Wort in den Streit der Männer, das diese aufhorcken läßt, älnd wenn der Mann es ver­steht, die Frau zu ehren, dann wird er begreifen, daß die Frau das Leben adeln, den Alltag ver­edeln undhimmlische Rosen" ins irdische Leben flechten und weben kann. Denn dies ist die Be­deutung der Frau für den Mann: bessern, lösen, verknüpfen, schlichten und binden.---Aber

wenn dies alles wahr ist, ist dann nicht die Tragik der heutigen Frau eine ungeheure? Ist dann n'ch' ihr Schicksal ui erträg ich? Jedenfalls das Schick'al der Frau, d'.e nicht Mutter werden kann? Die selbst hinaus muß in das harte rücksichtslose Männer leben? D'e im Kampf um ihr nack'es Dasein in der Behauptung ihres sozialen Platzes polittch werden muß? und um die Gleichstellung und Gleichheit der Frau kämp­fen muß?

Ich weih hierauf nur eine Antwort: daß Frauen, die dies schwere Los trifft, einen heroi­schen und heiligen Kampf kämpfen, um In dem äußeren Kampf ihr inneres Wesen zu be­wahren, Fra en, die nicht Mutter werden können, sollten trachten, Mütter zu sein d. h. ihre Mütterlichkeit hineinzutragen in ihren Beruf.

Es gibt ja schon heute Ausgaben im sozialen Leben, welche die Frauerfüllen" kann, Berufe, zu denen die Frau und nur die Frau berufen ist. Cs gibt in der Fürsorge, in der Seelsorge wahrhafte Mutter-Berufe. denen nur die Frau gewachsen ist. Wenn die schlechthin unentbehrliche Stellung der Frau im sozialen

Das junge Geschlecht mit der Lebens zu durchglühen und zu durchleuchten das ist eure Zukunftsaufgabe, dazu seid ihr bc-

nießen. Wir wollen s uns nicht nehmen lassen, auch so lange wir im ilmtrieb des Lebenstages stehen, ein wenig Zeit für sie zu Habern Wir wollen nicht immer lagen, wenn so ein kleiner Fragegeist fsmint mit seinen hundert Anliegen, ach, Kitzd, ich hab: Wichtigeres zu denken, oder: habe Rötiges zu tun, oder öerglei-

Leben noch nicht genügend anerkannt und er­kannt ist, so müssen wir an diesem Punkte auch von der Schuld der Frau sprechen, die sich auf durch-

Frau eine zwiespältige Stellung. Heber nie­mand sind in der Geschichte der Menschheit so widersprechende Urteile ge ä.lt. Dau den ältesten bis zu den jüngsten Völkern wurde die Frau heilig gesprochen oder verrucht, verehrt oder verachtet. Entweder sie galt den Männern als die Mutter Gottes, die Priesterin, das Ewig- Weibliche oder sie war ein Arbeitstier und sank herab zur nutzbaren Sa he. Entweder verkör­perte sie die höchste Würde oder sie verlauste

uns s.lbst,

ilnb es zahlt sich durch viel Wärme, Kraft und

Luft, nicht Wasser zur Abhärtung des Kindes!

Don Dr. W. Schweisheimer.

Mit Theorien kann man vielleicht einen Hau­sen fanatisierter Menschen zu einem Ziel füh­ren, das dem natürlichen Zustand entgegengesetzt ist. Sie werden immer da versagen, wo uns die Ratur rein gegenübertritt: beim Kinde. Von all den ungezählten Theorien, die bei der körper­lichen und geistigen Erziehung des Kindes ange­wandt wurden, hat sich auf die Dauer nur das bewährt, was wirklich dem Bedürfnis seiner Ra­tur entsprach. _ .. . _

Das Wort von der A b h a r t u n g des Kin- des beruht auf richtigem Kern. Schlimm ist es nur, wenn daraus eine irregeleitete Theorie ein falsch verstandenes Schlagwort bildet. Vor ge­raumer Zeit war ein Verfahren "modern', das inzwischen wenn auch leider nicht ganz wieder abgewirtschaftet hat. Die Kinder wurden nämlich jeden QEorgen oder Abend in eine Wanne mit leitungskaltem Wasser gebracht oder unter eine kalte Dusche gestellt. Das angeblich ab­härtende Prinzip dieses Vorgehens in einer all­mählichen Verlängerung der Zeitdauer des kalten Bades oder der Dusche. Die Kinder sträubten sich gegen die unangenehme Störung ihres De- haglichkeitsgefühls. Rur mühsam konnten sie überredet oder gezwungen werden, die alltägliche Kaltwasserbehandlung zu erdulden. Die Folge war: zahlreiche Kinder erfuhren in kurzer Zeit höchst unangenehme gesundheitliche Schädigungen, flc wurden blutarm, litten ständig an Katarrhen bet Atmungsorgane und ließen Zeichen hoch­gradiger Rervofität erkennen. Die Kinder wur­den krank gemacht statt gesund. .

Dolche Gewaltmatznahmen können sich bei einzelnen Erwachsenen gut bewähren. Der Mehr- zahl auch der erwachsenen Menschen wird da­durch keine Förderung gebracht. Es ist das bei­spielsweise klar daraus zu ersehen, daß das de­

in Temperatur und Feuchtigkeit die natürlichen Schutzmittel rasch in Tätigkeit treten können. Die Blutgefäße der Haut erweitern sich bei Wärme, verengen sich bei Kälte der Umgebung. Die Haut gibt dementsprechend mehr oder weni­ger Wärme ab. Abhärtung soll die Hautgefäße lehren, sich nach Bedarf rasch zusammenzuziehen und wieder auszudehnen. Dadurch gelingt es, örtliche liniert ühlurg-n und die Schaffung eines Angriffspunktes für Kranlheitskeime zu vermei­den.

Das Bestreben, die Kinder frühzeitig adzu- härten, geht also von einem richtigen Gesichts­punkt aus. Rur muß man babei überlegt Dor­geben. Die vernunftmätzige Abhärtung wird vom Wasser als Abhärtungsmittel viel weniger Ge­brauch machen als von der Luft. Kinder gehören von Jugend auf möglichst viel ins Freie, bei Regen und Wind so gut wie bei mildem Wetter und Sonnenschein. Rur Säuglinge und kleine Kinder wird man bei zu kaltem und rauhem Wetter wegen ihrer zarten Atmun"sorgane nicht ins Freie tun. Voraussetzung ist bab:i allerdings geeignete Kleidung. Hierbei »sparta­nisch" vorgehen zu wollen, rächt sich bitter. Kleine Kinder geben verhältnismäßig Diel Wärme an die Umgebung ab und werden drum rascher kalt cis Erwachsene. Man muh sich immer nach dem Wetter richten, nicht nach dem Kalen­der! Und darf Kinder deshalb nicht an kalten August tagen in leichter Sommer kleidung herum­laufen lassen, so wenig wie man sie in warmen Ianuartagen allzu warm einhüllt. In b:r war­men Jahreszeit findLuftbäder" bei Kindern gut; sie werden dazu abends vor dem Schlafen­gehen 5 bis 10 Minuten ganz entkleidet und dürfen fo herumspringen. Das macht ihnen Spatz und fördert die Abhärtung. Im Winter muß das Zimmer, in dem ein Luftbad genommen wird, natürlich erwärmt sein.

Besonders wichtig ist das Schlafen bei offenem Fenster und in ungeheiztem Zimmer. Die ständige Erneuerung der De-,brauch­ten Lust und ihr Ersatz durch sa-'.erk^ftreichere

Volkes gesorgt, da haben sie die Qlatur zur Kultur umgeoilbet und durchgeformt. Kultur- wille ist Wille zum Doll, Wille zur Gemein­schaft. Und cs gibt keine Gemeinschaft ohne Liebe. Es gibt im ganzen Menschenleben icincn (SinLang ohne die Paarung des Strengen mit dem Zarten, und die Che, auf die sich dieser Schillcrsche Gedanke bezieht, ist em Urbild, un Gleichnis des Vo.kslebens. Wie kein Familien­leben denkbar ist ohne Mutter, so ist kein Dolks- leben möglich ohne die Frau als Trägerin und Hüterin der Kultur. Man spricht mit Recht von dem konservativen, bewahrenden Cha­rakter der Frau. Ihre Ausgabe ist es, zu be­wahren und zu behüten. Wo die Sitte eines Landes verfällt, da ist es die Schuld der Frau. Wo die artfremde, cntarie.ibc Mode ihren Ein­zug hält, da ist es die Schuld der Frau. Wo der gute Ton eines Hauses oder einer Gesell­schaft schwinde', da ist es die Schuld der Frau, deren Lauterkeit eine Trübung erfuhr, fo dah

Kinder und alte Leute.

Don AnnaSchieber.

Ich las neulich die Einleitung zu den ge- frömmelten Christuslegenden der schwedischen Dich- terin Selma Lagerlös. Sie erzählt da von der stillen Stube ihrer Großmutter, in der die alte Frau und das Kind eben die Verfasserin beisammensaßen und in der aus dem Schah der Mten ein schier unerschöpflicher Reichtum von Märchen, Sogen und Geschichten in das begierig horchende Ohr des Kindes hinüberging. War eine Geschichte erzählt, so legte die alte Frau bie Hand auf den Kopf des Kindes und sagte. Das ist alles so wahr, wie dah ich dich sehe und du mich siehst. Als ich das las, da spürte ich den geheimnisvoll-ehrfürchtigen Schauder, der da­bei durch das Kindergemüt hindurch gegangen fein mag. Und mir war, als sehe ich den Ur­sprung des tiefen Märchentons, der durch die Werke der Dichterin hindurchgeht, und verstand eS so gut, daß sie jetzt noch, in reifem Alter, von jenen Stunden dankbar reden muh. well so viel innere Schönheit von ihnen ausfloß.

Und es stand vor meiner Seele auch eine alte Frau und auch ein kleines Mädhen, die gin­gen miteinander durch einen großen, sonnigen Garten, und der Garten stieß an den Friedhof an.

Da gingen sie hin und her und die alte Frau, die ein gütiges und heiteres Gesicht hatte, pflegte ihre Pflanzen liebreich uno mit regem Eifer und hörte daneben zu, was das Kind zu erzählen hatte. Sie sagte selber nicht so viel, aber sie verstand so herrlich zuzuhoren.

Denn baß Kind hatte eine lebhafte Phantasie, und im Wohls in des sonnigen Gartenlebens gedieh ihm der Traum von einem noch schöneren Garten, in dem alles gedieh, was man sich nur denken könnte. ES gab keinen Wunsch, der dort nicht erfüllt worden wäre, es wuchs alles an Bäumen und Büschen, was das Kinderherz be­gehren konnte und kannte keinen Unterschied zwi­schen Demünftigcn und unvernünftigen Wünschen, war alles da.

Aber das Kind wollte das alles nrcht allem genießen, sondern die Dinge erhielten erst recht Leben und Gestalt, wenn eS alles der^Groß- muttcr erzählen konnte. Da brachte jeder Sag ein Reues hinzu, es war Schönheit ohne Ende, und die alte Frau lächelte so herzlich dazu hinein, und hatte für alles ein freundliches und kluges Auf merken, und hielt es nicht für nötig, das Kind daran zu mahnen, daß das ja alles nur geträumt sei, und daß es auch gar nicht gut und notig fei, daß sich alle Kinderwünsche erfüllen. Sondern sie lebte mit dem Kinde in dem schönen Garten und es war ihnen beiden ein Eden. Viel- leicht hat die alte Frau hie und da über den 3aun in den Rachbargarten hinübergesehen, wo die DorauSgegangenen schliefen, und hat ihre Wünsche, die anders waren als die des Kindes, und von denen sie auch nicht wußte, wie viele ihrer einst erfüllt würden, in einen andern ©ar- tn, den sie auch nur im Geiste sah, vorausge- schickt. Gesagt hat sie nichts davon.

Wenn ich an diese Zeit zurückdenke: so geht eine warme Welle über mich hin, von Sonne und Ruhe und Geborgensein. Das war einmal. Wie viel könnte ich erzählen von der alten Frau, die meine Großmutter war. von ihr und von andern alten Menschen, die meiner Kindheit Freunde waren. Wie viel könnte man erzählen davon, wie die ganz Alten und die ganz Jungen zusammenpassen, weil die einen noch mcht und die andern nicht mehr im Getriebe des Tages stehen, weil sie beide nicht so sehr von Sorgen und Lcidensch asten bewegt sind, wie die, die sich mitten durchs Gewühl hindurchkämpfen müssen. Wie viel unverlierbar Gutes fließt in ein Kindergemüt hinüber aus dem ganz unbefangenen Zusammensein miteinem alten Menschen, der etwas von unvergänglicher Jugend im Tiefsten seines Wesens bewahrt hat. Und wie viel Teil am werdenden Geben, am immer neuen Frühling deS Menschengeschlechts kann ein einsames, alterndes Herz daran haben, dah es sich mit Kindern umgibt, ihr Werden beobachtet, mit ihnen lebt, und gebend und neh- mend in einem Säftekreislauf der Liebe mit ihnen steht.