des Inhaberpapiers zuwider laufenden Handhabung erwachsen müssen, wie sie vorliegend beabsichtigt ist.
Protestversammlung gegen den Auswertungsentwurs.
Berlin, 9. April. (Wolff.) Gestern nbenD fand in Berlin eine Sparerversammlung statt, welche der Verband für Aufwertung von Staat- und Kommunal- onleihen gemeinsam mit anderen Verbänden einberufen hatte. 3m Laufe der Verhandlungen machte der Vorsitzende der Hypo- thekengläubiger und Sparerverbände die Mitteilung, dah sich gestern ein Kartell von 22 Sparerverbänden und sonstigen Onteressenverbänden gebildet habe, das gegen das Aufwertungsgesetz den Kampf aufnehmen werde. Eine von der Versammlung angenommene Entschließung, die in schärfster Weise gegen den Aufwertungsentwurf Stellung nimmt, fordert den Reichspräsidenten auf, sich der Sparer anzunehmen, wenn nötig durch Veranlassung eines Volksentscheids.
Freispruch lm Senter Eisenbahnprozetz.
Der Staatsanwall hält den Angeklagten 5) a • berkampfür schuldig, am 13. Januar mit seinem O°Zug das Haltesignal überfahren und im Bahnhof Herne ein Eisenbahnunglück verfchuldet zu haben. Er veantragt gegen den Angeklagten eine Gefängnis st rafe von neun Monaten. In anderthalbstündiger Verteidigungsrede tritt Rechtsanwall Frank- Dortmund für völlige Freisprechung des Angeklagten ein. Darauf wurde die Verhandlung auf 3 Uhr vertagt. Rach Wiedereröffnung der Sitzung heute nachmittag wurde sofort das Urteil verkündet. Der Angeklagte wurde freigesprochen.
Bei der Urteilsverkündung bemerkte der Vorsitzende: Es wäre einwandfrei festgestellt, daß Signale nach dem Unglück auf Halt gestanden und die Einrichtung voffchristsmäßig in Ordnung gewesen sei. Die Stellwerksbeamten hätten unter Eid versichert, daß sie keine Manipulationen vorgenommen hätten. Andererseits sei der Angeklagte ein einwandfreier Mann, und seine Vorgesetzten stellten ihm das beste Zeugnis aus. Die Strecke sei so alltäglich, daß ein Mann, wie der Angeklagte, der sie durch Jahrzehnte besahren habe, die Orientierung nicht hätte verlieren können. Die eidlichen Angaben des Heizers gäben dem Angeklagten Recht. Wegen dieses unlösbaren Widerspruches sei der Gerichtshof nicht in der Lage, eine Entscheidung zu treffen, zumal aus dem Herner Bahnhof im Signaldienst Unregelmäßigkeiten vorgekommen seien. Da durch die unrichtige Meldung über die Abfahrt des Personenzuges 230 noch die Vermutung bestärkt würde, daß vielleicht doch unlautere Manipulationen nach dem Unglück von dem Stellwerkspersonal vorgenommen seien, könnte ^rotz des dringenden Verdachtes eine Verurteilung nicht erfolgen. Der Angeklagte wird daher kostenfrei jfr ei gesprochen.
Anträge im Hessischen Landtag.
Darmstadt, 8. April. Die Abg. H e r ä u s, Birnbaum und Hattemer haben im Landtag .'folgenden Antrag eingebracht Was hat die Regierung getan, um dem Antrag Hattemer gegen ^Schmutz und Schund zu entsprechen? — Zur Begründung wird angeführt, daß durch a n - vfi ößjge Kinodarstellungen in Worms, Darmstadt und Offenbach die Frauenehre und würde verletzt werde. In Darmstadt sei ein JVikn ongekündiat nach einem Roman der „Berliner'Illu- strierten Zeitung", einem Roman, gegen den 'weite Frauenkreise protestieren.
Die gleichen Abg. haben ferner beantragt: Der Landtag möge beschließen, daß die Regierung beim Landesbildungsamt verstellig werde, damit dieses veranlasse, daß der Handarbeitsunterricht in den Mädchenschulen, wie seither, so auch im Schuljahre 1925—26 in dem zweiten Unterrichtsjahr beginne.
Abg. Frau Hattemer hat folgenden Antrag im Landtag eingebracht! Der Landtag wolle beschließen, die Regierung möge die Wohltaten der Beomtenfiedl'ungs-Verordnung des Deutschen Reiches auch den hessischen abgebauten Beamten zugutekomen lassen, und entsprechende Verordnung erlassen.
Patriarch Tichon gestorben.
Moskau, 9. April. Der Patriarch Tichvn ist an einer Angina gestorben. Mit ihm ver-- schwindet aus dem revolutionären Sowjetstaat die letzte Figur der Zare.nzeit in offizieller Stellung. Tichvn hat mit der Sowjet-- regierung Konflikte gehabt, die zu seiner Verurteilung führten. Spater erfolgte eine Art Ausgleich. Sein Ginsuh auch gegenüber der orthodoxen Kirche war zuletzt sehr gering. Seine nach der Auffassung vieler kirchlich gesinnter Russen teils zu schroffe, teils zu nachsichtige Haltung ist oft kritisiert worden.
England erkennt Ibn Saud an.
Konstantinopel, 8. April. (TU.) Ibn Saud, das Haupt der Wahabiten, der heute über Mekka Herr ist, schloß mit England ein Abkommen, in dem sich die Wahabiten verpflichten, keine neuen Angriffe gegen Transjordanien zu unternehmen. Dagegen hat sich England verpflichtet, den König Ali von Hedschas weiterhin nicht mehr materiell zu unterstützen. Dieser Vertrag /ist gleichbedeutend mit der englischen Anerkennung des heutigen Machtbesitzes Ibn , Sauds.
Die belgische Regierungskrisis.
London, 9. April. (WTB. Funkspruch.l Ein Brüsseler Bericht der „Times" über die Aussichten der Kabinettsbildung in Belgien führt aus, die Lage .fei augenblicklich äußerst verwickelt. Eins sozialistische Regierung werde in der Außenpolitik keine wesentlichen Aen- derungen zur Folge haben. Danderoelde betrachte das Sicherheitsproblem von demselben Standpunkt wie das bisherige Ministerium. Er messe einer Garantie Großbritanniens den größten Wert bei. Möglicherweise werde eine isozialistffche Regierung eine gewisse Milderung des Regimes der militärischen Besetzung des Rheinlan
des «ur Folge haben» doch feien weitere Mutmaßungen veffrüht. Das größte Problem, dem das komm-ende Kabinett gegenüberstehe, werde finanzieller Art sein. In dieser Hinsicht werde eine Aenderung der Politik nicht eintreten.
Dor Herriots Sturz.
Schärfste Opposition des Senats.
Paris, 8. April. (TU.) Der Senat setzte die Beratung über das Budget des Unter» richtsministeriums fort. In der Rach- mittagssihung aber unternahm die Opposition einen neuen schweren Vorstoß gegen den Llnterrichtsminister Francois Albert, Der bereits gestern abend vom Senat mit 138 gegen 134 Stimmen in die Minderheit versetzt wurde, ohne jedoch die üblichen Konsequenzen aus diesem Abstimmungsergebnis zu ziehen. Heute nachmittag hat H e r r i o t in die Debatte persönlich einge- ariffen und die Vertrauensfrage gestellt. Es handelte sich um die von der Opposttionspresse heftig kritisierte Wiederein ftellung eines Volksschullehrers namens Le Bley, der unter dem Kabinett Clemenceau wegen Mitarbeit an dem deutschen Besatzungsorgan „Gazette des Acdennes" kriegsgerichtlich verurteilt wurde. Ein oppositioneller Senator verlangte unter stürmischem Beifall der M.tte und der Rechten Aufllärung über die Gründe der Wiedereinstellung dieses Lehrers.
Der Anterrichtsminister verweigerte die Antwort mit der Erklärung, es widerspreche dem parlamentarischen Brauch, daß ein Minister im Parlament ohne vorherige Benachrichtigung nach einer Amtshandlung gefragt werde. Er habe die Akten über diesen Fall nicht mitgebracht und werde über die Frage deshalb aus dem dachtnis antworten müssen; er mißbillige persönlich die Mitarbeit dieses Lehrers an der „Gazette des Ardennes", man müsse ihm aber zuguthalten, daß ihm bald die Augen über die Bedenklichkeit seiner Mitarbeit an dem deutschen Organ aufgegangen sind, daß er jedes Honorar ablehnte. und die weitere Mitarbeit einstellte. Die Opposition schien sich damit zufrieden zu geben, verlangte aber die Streichung eines Kredites bei dem Tttel „Stipendien für Studenten".
Ministerpräsident Herriot. der der Sitzung beiwohnte, stellte die Vertrauensfrage, woraus der Senat mit 142 gegen 140 Stimmen im Sinne des Antrages des Uti rrichtsmini ters beschlossen hat. Aach di ser Abstimmung habe7 zwei Senatoren ihre A b st i m m u n g berichtigt, so daß. wenn der Eerichtigungsantrag angenommen würde,
der Antrag Herriots, für den er die Vertrauensfrage der Regierung ekngebracht hat, abgelehnt worden wäre. Als Ministerpräs drut Herriot vom Senat ins Ministerium für auswärtige Angelegenheiten zurückgekehrt war und von dieser Sachlage Kenntnis erhiell, beraumte er einen außerordentlichen Kabinettsrat an, in dem die Mehrzahl der Kabinettsmitglieder der Ansicht war, daß die Regierung die Durchführung ihrer politischen und sinanziälen Programms fort- setzen muß, solange eS nicht formell durch eine Abstimmung des Parlaments mißbilligt würde.
Herriot hat nur auf das dringende Zureden des Führers des Linkskartells seinen Dffchluh, au? Grund der Senatsbestimmung zurückzu- treten, wieder fallen gelassen. Im Kabinettsrat wurde nach einer erregten Debatte beschlossen, daß Herriot im Parlament erklärt,, die Regierung ziehe sich vor einem Mißtrauensvotum des Senats nur in grundsätzlichen, nicht aber in unwichtigen Fragen zurück. Aach übereinstimmender Auffassung der Presse ist es der Regierung gelungen, ihr Bestehen um vielleicht 48 Stunden zu verlängern. Sie wird entweder bei der Aussprache über die Aufhebung der Gesandtschaft beim Vatikan oder bei der Debatte über das Finanz-Projekt im Senat unterliegen.
Die Finanzkrrifis.
Paris, 8. April. l'TA.) Der Widerstand gegen die Finanzpläne der Regierung nimmt immer mehr zu. Die Erklärungen de Monzies haben einen sehr ungünstigen Eindruck hervorgerufen. Die Regierung erleidet c;nen Mißerfolg nach dem anderen. Die Sozialisten haben trotz der bringenbften Vorstellungen des radikalen Kammer-Ausschusses beschlossen, an ihrem Gegenprojett einer zehnprozentigen Kapitalabgabe unter allen tilmständen festzritz alt en. Dazu kommt der schwere Konflikt zwischen der Regierung und der Danque de France. Es hat sich herausgestellt, daß die Geldumlaufgrenze von 41 Mi tiarden um mehr als 2200 Millionen Franken überschritten wurde und Atoar auf Grund der ständigen Vor -- s ch ü f f e, dre das Kabinett von der Banque de France seit Januar erzwungen hat. Seit gestern wird eine f ortschreitende Auflösung des Metzrheitsblvckes beobachtet. Die linksradikale Gruppe um L o u ch e u r, die gegen die Finanzpläne Stellung genommen hat, erhält fortwährend starken Zuzug. Sogar innerhalb der regierungstreuesten Gruppe, der Radikalsozia l i st e n, herrscht die größte Ratlosigkeit. Dreimal trat die Gruppe heute zusammen, ohne einen Beschluß fassen zu können.
England erwartetHerriotsSturz
London, 9. April. (WTB. Funkspruch.) Aach „Daily Telegraph" hat man in politischen britischen Kreisen gestern die Meinung vertreten, daß die Regierung Herriot wahrscheinlich von einem K abinett P a i n l e v e -- B r i- and abgelöst werde. Painleve werde im großen und ganzen die Außenpolitik Herriots fortführen, Briand soll den Wunsch haben, das Außenministerium zu übernehmen, um die Verhandlungen wegen des Paktes fortzuführen.
Freisprechung Sabonis.
Paris, 8. April. (WTB.) Das Kriegsgericht in Orleans hat heute gegen den ehemaligen Hauptmann Sadoul, der einer französischen Mission an Rußland ang'hörte und von dort nach Kriegsende nicht nach Frankreich zurückkehrte, sondern bei der Sowjetregierung Dienst genommen hat, weshalb er im Ao- vember 1919 wegen Desertion im Einverständnis mit dem Feinde in Abwesenheit zum Tode verurteilt wurde, im Wiederaufnahmeverfahren das Urteil gefallt Sadoul wurde der Desertion vor dem Feinde nicht für schuldig befunden und nach zehntägiger Ver
handlung mit Stimmenmehrheit vom Kriegsgericht freigesprvchen.
Frankreich am Schwarzen Meer.
Der Drang Frankreich, sich im Orient ein großes Kolonialreich zu schaffen und den.Engländern nach Möglichkeit überall Hindernisse zu bereiten, hat in den letzten Ja Hern einen immer größeren Umfang angenommen und der Londoner Regierung mancherlei Kopfschmerzen verursacht. Richt genug, daß Frankreich jetzt wieder mit den Türken gemeinsame Sache gegen Großbritannien zu machen scheint, hat es auch plötzlich sein Auge auf das Schwarze Meer geworfen und sich von R u - m ä n i e n einen Vorschlag unterbreiten lassen, der dahin geht, aus dem Hafen von Kon st an za einenfranzöfischenFlottenstützvunkt zu machen. Die rumänischen Meldungen sprechen zwar von einer französisch-e nglischcn Marinebasis, doch handelt es sich hier wohl mehr um ein Wortspiel, um nicht die Gunst Englandszu verlieren. Frankreich dagegen ist sofort mit allerlei Begründungen zur Hand, die Rußland die Festsetzung an der rumänischen Schwarzmeerküfte plausibel machen sollen. So behauptet es, durch die Rückgabe der russischen Schwarzmeerflotte würde Frankreichs Sicherheit gefährdet, eine Behauptung, die ebenso unsinnig ist wie die von der angeblichen deutschen Gefahr. Jedes Kind weiß, daß aus der Wrangelflotte fein kampftüchtiges Geschwader mehr gemacht werden kann, daß wohl nichts anderes mehr übrig bleiben wird, als die Schiffe zum Abwracken zu verkaufen. Der franzöfifch-ru- münifche Schachzug zeigt aber doch wieder einmal, daß die französische Sicherheitspolitik nur dazu da ist, Frankreichs territorialen Besitz immer mehr auszudehnen.
Hochfchulnachrichten.
Das Frauenftudium in Deutschland.
Die Zahl der in Deutschland studierenden Frauen ist von 8591 (Sommersemester 1923, gegen 4000 im Sommersemester 1914) auf 7474 zurück- gcgangen. Es wird weniger als bisher Medizin und Philologie bevorzugt, sondern daneben Aa- tionawkonomie und Rechtswissenschaften. Theologie, Aatur Wissenschaften und Pharmazie. Im Sommer 1924 studierten in Berlin 1367, München 896, Köln 502, Freiburg 375, Frankfurt 530, Leipzig 389, Hamburg 341, Heidelberg 256, Bonn 337. Breslau 369. Münster 250, Ma bürg 255, Göttingm 215. Jena 260, Tübingen 205. Würzburg 167, Königsberg 169, Kiel 175, Halle 172, Gießen 105, Greifswald 115, Rostock 106, Erlangen 78 Frauen.
Aus aller Welt.
Ein Schullgrständnis im Kutiskerflandal.
Der russische Kaufmann H o l z m a n n, der ebenso wie der frühere Leiter des Berliner' Fremdenamtcs im Lazarett des Moabiter Laza- rettgefangnisses liegt, wollte gemeinsam mit seinen Mitgefangenen Kassiber in russischer Sprache durch einen dritten Gefangnen, der entlassen werden sollte, aus dem Lazarett heraus- bringen. Die Kassiber gelangten jedoch in die Hände der Llntersuchungsrichter. Die Mitteilung, aus der hervorgcht, daß sich beide tilntersuchungs- gefangene schuldig fühlen, wird für die An-, klagebetzörde von größter Wichtigkeit sein. Der Untersuchungsrichter hat sofort verfügt, daß Holtmann aus dem Lazarett nach dem Zellengesangms verbracht wird. Auch Kutisker wurde aus dem Lazarett wieder in das Untersuchungsgefängnis transportiert.
Beisetzung der Opfer bon Karnap.
De Opfer des Unglücks auf der Zeche „M a t - thias ©tinnes" in Karnap wurden Mittwoch mitag zur letzten Seilfahrt geleitet. An den Gräbern sprachen der eoangelsche Pfarrer Lenz--Karnap und der katholische Dechant W e n k e r - Horst Worte des Glaubens und Trostes. Generaldirektor Hold widmete den Heimgegangenen einen herzlichen Nachruf und sprach Den Hinterbliebenen namens der Zechenverwaltung sowie im Auftrage des Reichspräsidenten ihr herzliches Beileid aus. Land, rat Mertens, der zugleich im Auftrage des Regierungspräsidenten und des Oberpräsidenten der Rheinprovinz sowie des Oberpräsidenten der Provinz Westfalen sprach, gab dem Wunsche Ausdruck, daß die Opfer, die hier gebracht worden seien, nicht vergeblich sein möchten.
Schwerer Anfall im Hamburger Rotverkehr.
Aach einer Meldung aus Hamburg hat der dortige Verkehrsstreik einen schweren A n- f a l l zur Folge gehabt. Bei einem Lastauto- mobil, das eine große Anzahl Personen zur Beförderung aufgenvmmen hatte, versagte die Steuerung. Der Wagern raunte in eine große Ladenscheibe hinein und kippte u m. Mehrere Personen wurden verletzt, darunter drei so schwer, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden muhten. Es wird eine weitere Ausdehnung des Verkehrs st reiks befürchtet. da nunmehr auch die Droschkenchauffeure mit der Arbeitsniederlegung drohen, um eine Lohnerhöhung zu erzwingen. Wenn eine Einigung mit den Arbeitgebern nicht zustande kommt, wirb zu Ostern der gesamte Straßenverkehr Hamburgs stlllgelegt.
Iahrtausendfeier des Rheinlandes in Wien.
Auf Anregung der Deutschen Kunftgemeinschaft in W i e n wird die Iahrtausendfeier des Rheinlandos auch in Deutschösterreich in mehrtägigen Festveranftaltungen begangen. In einer vom Festausschuß veröffentlichten Ankündigung heißt es, durch ein würdiges Begehen der aroß-n rheinischen Iahrtausendfeier werde den Deusschösterreicktern gerade im gegenwärtigen, politisch so verworrenen Zeitpunkte die notwendige Gelegenbeit gegeben, ihre unverbrüchliche Treue zum Gedanken eines künftigen großdeutschen Reiches und ihres Anschlusses an das deutsche Mutterland wiederum vor der ganzen Welt zu bekunden. Die Feiern finden in Wien am 22. April und vom 2. bis 4. Mai statt. Ihren Höhepunkt werden sie in einem Festakt am Sonntag, 3. Mai, erreichen. Rach einer Ansprache eines Mitgliedes der Regierung soll im großen Mu- sikvercinssaal eine Huldigung der Stände stattfinden. Den Abschluß der Feier bildet am 4. Mai eine Fest- oorftellung der „M e i ft e r f i n g c r" in der Staatsoper.
18 Häuser eiageaschert.
Stettin^ 9. April, (Funkspruch.) Am Mittwochnachmtttag brach in Pommersdorf (Kreis Fantow) ein Feuer aus, das sich, durch den herrschenden Sturnr und die Strohbedachung der Häuser begünstigt, rasch ausbreitete. Acht
zehn Gehöfte wurden ein Raub der Flammen, denen auch viel Vieh zum Opfer gefallen ist.
Verurteilte Mörder.
Das Schwurgericht in Kottbus hat den Grubenarbeiter Koszrnierzek und die Witwe des Grubenarbeiters Winkler aus Sedlitz bei Senftenberg in der Lausitz wegen gemeinschaftlichen Mordes zum Tode verurteilt. Kaszmierzek, der verheiratet war. erwürgte am zweiten Weihnachtsfeiertage den Ehegatten Winkler. Frau Winkler sorgte dafür, daß niemand die Stube betrat. Einige Wochen vorher hatten beide versucht, Winkler durch Gift umzubringen.
Das Cxplosionsunglück von Spezia.
Lieber das tilnglück an Bord des Kriegsschiffes „Duilio". das seit einigen Tagen außerhalb des Hafens von Spezia in der Rahe der Mole vor Anker liegt, um einige Probeschieß- übuiigen mit dem mtttleren Turm von 30.5= Zentimeter-Geschützen auszuführen. wird amtlich mitgeteilt, daß um 1.30 Ahr nachmittags die Ladung im Innern des Hauptaufzuges des Turmes Feuer fing. Die Zahl Der Toten beträgt sieben. Der Kommandant des Schiffes Netz das Munitionsdepot unter Wasser fefcen. damit nicht die ganze Munition explodiert. Dadurch wurde ein großer Brand verhindert. Der Schaden an dem Schiff selbst ist unbedeutend.
Feuer im Kloster Ettal.
Wie wir hören, brach in dem allen Klo» st e r Sttal bei Oberammergau Feuer aus, das schnell um sich griff. Das Hauptgebäude des Klosters konnte gerettet werden. Der durch den Brand verusachte Schaden wird auf mehrere hunderttausend Mark geschätzt.
Eine amerikanische Munitionsfabrik in die Saft geflogen.
Die Munitionsfabrik Der Aatwnal Fire Works Eompagny in Hanvver (Massachusetts) wurde durch mehrere Explosionen zerstört Annähernd 100 Gebäude wurden vernichtet. De» Riefenbrand konnte nur durch die Feuerwehren von sieben benachbarten Orten und nur mit größter Mühe gelöscht werden. Die Zahl der bei der Katastrophe ums Leben gekommener Menschen steht noch nicht fest, weil Die Arbeiter größtenteils Portugiesen und Litauer ohne Verwandte in Amerika sind. Es besteht noch immer die Gefahr, daß auch das Pulvermaga- z t n noch von dem Brande ergriffen wird.
Araberüberfatt in Palästina.
Wir hören aus Ierusalem: Mittwoch nad> mittag wurden 3 0 Touristen in der Rähe von Jerusalem von Arabern überfallen, wobei 6 Juden durch Steinwürfe und Messerstiche verwundet wurden. Polizei konnte die Angreifer vertreiben. Am selben Tage wurde Lord Balfour in Roch Pinatz friedlich von Den Arabern empfangen. Bei dem Empfang sand ein großer D e r b rü d e r u n g s- aft zwischen Arabern und Juden statt. Die jüdische Einwanderung nach Palästina belief sich im Monat März auf 3500 Köpfe.
Talsperren und Hochwassergefahr.
Der Qi u h e n der Talsperren hat sich nach Der Zeitschrift „Die Wasserkraft" bei dem letzten Hochwasser im Bergischen Land deutlich erwiesen. Daß eine Wasserkatastrophe, wie sie im Jahre 1860 eingetreten ist, vermieden wurde, Dürfte zum nicht geringen Telle den zahlreiches Talsperren zu verdanken sein. So hat u. a. die Dewertalsperre in jeder- Stunde etwa 50 000 Kubikmeter Wasser ausgenommen und diese Menge bis zur Höchstgrenze von ca. 3 300 000 Kubikmeter gestaut. Erst von diesem Augenblicke an rauschte das Wasser in mächtigen Kaskaden über die Mauer ins Tal hernieder. Die Solinger Talsperre hat etwa eine Million Kubikmeter Wasser zurückgehalten. Hätte diese Wassermenge ungehindert in das Wuppertal einfliehen tonne.i, so wäre zweifellos eine unübersehbare Katastrophe für das ganze Wuppertalgebiet eingetreten und ein unermeßlicher Sachschaden wäre die Folge gewesen.
Ein neuer Funkturm in Königswusterhausett.
In aller Stille ist vor bett Toren Berlins eine Großleistung deutscher Technik im Entstehen begriffen. Aus Dem Gelände Der Funkstelle Kö- nigswusterhausen, dem „Funkberg", soll ein gewaltiger Bau entstehen, deffen Ausmaße dem Eiffelturm nahekommen. Es wächst Dort ein Turm in Höhe r>on 255 Meter empor. Der vielleicht noch bis auf 280 Meter agsgebaut werden soll. Vorläusia ist allerdings erst das Untergestell fertig, aber schon dessen gewaltige Dimensionen geben nach den Aboildungem. die wir in der „Radio-Umschau" Frankfurt a. M. sehen, dem Beschauer eine Idee von der Größe des angefan- genen Werkes. Der Durchmesser des Fußgestells beträgt 52 Meter. Senkrecht auf diesem Gestell soll sich der Turm erheben, Der sich in 21 Etagen von je 10 Meter Ab st and bis auf 6 Meter verjüngen wird. Das Ganze soll eine Plattform mit Instrumentenhaus fronen.
Line neue Eisenbahn zwischen Birma und Siam.
Die Eisenbahnlinie zwischen Moulmein und Pc in Birma, die soeben eröffnet worden ist, bildet den ersten Schritt in der Verbindung des Eisenbahnnetzes von Birma mit Dem von Siam und den Vereinigten Mala»)cnstaaten. Die Linie, die 140 Km. lang ist, wurde in einem Gebiet angelegt, das einen jährlichen Regenfall von 367 Zoll hat und großen Uederschwemmungen ausgesetzt ist. Die Eisenbahn geht daher über 200 Brücken, für die das Material bei der vollständigen Abwesenheit von Wegen auf kleinen Booten herbeigeschafft werden mußte. Die Fortsetzung der Linie von Ve bis Tavoy ist fast vollendet, und sie wird in nächster Zeit bis Merguli ausgedehnt. Von dort wird die Eisenbahn über den Ialingapaß nach Siam geführt werden, und Siam hat nur eine Linie von 25 Km. zu bauen, um Die neue birmanifthe Eisenbahn mit der Haupt strecke von Dankok nach Penang zu verbinden. Dar Programm für das ganze neue birmanische Eisenbahnnetz umfaßt neue Schienenwege von etwa 1500 Kilometer.
Wettervoraussage.
Später stärker bewölkt, sonst wenig Aenderung des herrschenden Wetters.
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