Ausgabe 
9.2.1925
 
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rechtzeitig in

hat sich ein

Die beiden

Aus aller Welt.

Grohfeuer in Landsberg a. d. W.

Lawinenunglück.

3m Vorarlberg -Gebiet Lawinen-Hnglück ereignet. Brüder G a v e n e s ch wurden voll

Schuhmacyer runt Polnische Juden, die im dor­tigen Flüchtlingslager untergebracht waren, er­mordet hat.

Ein tschechischer Massenmörder.

_ Trebllsch verschwanden im Frühjahr 1919 die Brüder Porich. Jetzt wurde der Schuh­macher Dvoracek verhaftet, der im Rausch ausplauderte, er habe die beiden Brüder er­mordet und beraubt. Dvoracek gestand "'lßerdem, daß er rm Verein mit einem andern

3n der Ostdeutschen Maschinenbauanstalt brach ein Grohfeuer aus. das die Haupt­halle. das Kesselhaus, die Monteurhalle, die Schlosserei und die Schmiede vernichtete. Die Arbeiter konnten sich noch Sicherheit bringen.

. einer Lawine

in die Tiefe gerissen, wobei der eine getötet der andere schwer verletzt wurde. 3m Appach^ tale wurde der Münchener Ingenieur Link tot aus einer Lawine gezogen, seine Fvcvu tarn mit schweren Verletzungen davon.

" ..Ausgesteuerte Erwerbslose". Vom städtischen Wohlfahrtsamt wird uns gc--' schrieben: Es sind in der Stadt übertriebene Vorstellungen von der -Zahl derjenigen verbreitet, die aus der Erwerbslosenfürsorge infolge Ab­laufs der zulässigen Zeit ausgeschieden sind und in Fürsorge des Wohlfahrtsamts stehen. Es sind dies nicht 120 oder 100, sondern nur 53. Die Zahl derjenigen, die beim Wohlfahrtsamt mit Pflichtarbeit beschäftigt werden, hat in der letzten Zeit 75 nicht überschritten. Darunter be­finden sich auch Personen, die nie in der Erwerbs­losenfürsorge waren. Die Beschäftigung Erwerbs­loser mit Rotstandsarbeiten ermöglicht übrigens die Verlängerung dieser Fürsorge auf insgesamt 52 Wochen, während sie ohne Rotstandsarbeit nur 39 Wochen betrüge.

* Arbeiten an elektrischen Haus- Installationen. Die Direktion des Elektri­zitätswerkes schreibt uns: In letzter Zeit sind wiederum Arbeiten an elektrischen Haus-Instal­lationen durch nicht zugelassene Installateure vor­genommen worden. Es ist selbstverständlich, dgh eine Arbeit an einer elektrischen Anlage, von nicht sachgcmäher Hand auszeführt, eine wesent­liche Gefahrenquelle darstellt, die zu einer Ge­fährdung durch Brandgefahr, unter Hmständen auch zu einer direkten Lebensgefahr führen kann. Es sei hier ausdrücklich daraus hingewiesen, dah auch anscheinend einfache Arbeiten, wie das Auf- Hängen oder Auswechseln von Beleuchtungskör­pern. durchaus sachgemäß ausgeführt werden müssen, da auch hier bei unsachgemäßer Aus­führung eine Gefahrenquelle gebildet werden kann. Deshalb wird seitens der Städt. Elektri­zitätswerke die erlassene Vorschrift wiederum in Erinnerung gebracht und gleichzeitig darauf hingewiesen, Daß sich auch die Abnehmer, die derartige Arbeiten durch nicht zugelassene Im ftaltateure vornehmen lassen, außer der Gefahr auch einer empfindlichen Bestrafung aussehen. In diesem Zusammenhang sei auch auf einen Mißstand hingewiesen, der in der letzten Zeit besonders überhand genommen hat, dah näm­lich die Abnehmer von hausierenden 5jänDIcrn irgendwelche Sicherungspatronen oder ähnliche Erzeugnisse kaufen, die meist nicht zulässig sind und teilweise überhaupt nicht verwendet werden können. Es dürfte sich in allen Fällen empfehlen, bei irgendwelchem Bedarf nicht von hausieren­den Händlern zu laufen, sondorn sich ay di- zu»

-tv^sparteten auch in den Wahlen ®er bisher noch nicht veröffentlichte B e schluh erklärt sich für daS Verbleiben im Oppofitivns- block auf die Dauer der Legislaturperiode und spricht sich gleichfalls für die volle Selb - ständigkeit der Partei für die Dauer der Reuwahlen aus.

Der deutsch-siamesische Vertrag.

Eine Rede Stresemanns im Reichstag.

Berlin, 7. Febr. Auf der Tagesordnung steht zunächst das Wirtschaftsabkommen mit Siam.

Abg. Dauch (DDP) berichtet über die Ver­handlungen des Auswärtigen Ausschusses und empfi hlt die Annahme des Vertrages.

Abg. Freiherr von Freytag-Loring- h o f e n (D. Rat.) meint, daß der Vertrag der Würde und dem Ansehen des Deutschen Reiches widerspreche.

Abg. Dr. Haas (Dem.) wendet sich gegen diese Aeusierung und beantragt. Reichsauhen- Minister Di. Stresemann herbeizurufen, da­mit er auf diese Aeußeruna erwidere.

Abg. Kube (Rat. Soz.) bezweifelt die Be- schliitzfähigkeit des Hauses. Die Abst'm» mung ergibt, dah nur 242 Abgeordnete anwesend sind, während zur Beschlußfähigkeit 247 Abge­ordnete erforderlich sind.

Präsident Lobe schließt daher um 2 Hhr nachm. die Sitzung.

-ihn 21/? ilfjr eröffnet Präsident Lobe die nächste Sitzung

In Fortsetzung des Etats des Reichs- a r b e i t s m i n i st e r i u m s spricht sodann Abg. Rädel (Kom.) Rädel meint, daß aus der Tätigkeit des internationalen Arbeitsamtes für die deutschen Arbeiter noch nichts herausge- komrnen sei und auch nichts herauskommen könne, weil in Deutschland jetzt die letzte Etappe der Reaktion erreicht sei.

Abg. Frau Dohm-Schuch (Soz.) wünscht Vorlage der Berichte der Gewerbeanfsichtsbeam- ten. so rechtzeitig, dah die Gewerkschaften dazu Stellung nehmen können. Auch müssen aus den Kreisen der Arbeitnehmer Aufsichtsbeamte heran­gebildet werden.

Abg. Bi en er (D. Rat.) verlangt größeres Verständnis für die Bedürfnisse des Hand- w e r k s. An dem Wesen der Handwerkerlehre dürfe nicht gerüttelt werden. An sozialer Für­sorge für die Lehrlinge habe es das Handwerk nie fehlen lassen. lWiderspruch bei den Sozia­listen.) Einer gesetzlichen Reuregelung des Lehr­lingswesens würden sich die Deutschnatio» nalen nicht widersetzen, aber das Lehrlingsver­hältnis dürfe nicht als ein gewerbliches Arbeits­verhältnis betrachtet werden.

Abg. Schneider (Den,.) ist in vielen Punkten nicht mit dem Vorredner einverstanden. Er meint, dah jetzt schon von vielen Meistern das Lehrlingsverhältnis als gesetzliches Arbeitsver- bältnis behandelt würde. Bei der kommenden geschlichen Regelung müßten auch die besonderen Verhältnisse der Angestelltenlehre gebührende Berücksichtigung finden.

Abg. Behthien (D. Dp.) bestreitet ent­schieden, dah die Ausbildung des gewerblichen Rachwuchses sich verschlechtert habe. Die Ausbil­dung des Handwerkes stehe vielmehr in Deutsch­land auf ganz besonderer Höhe.

Abg. Pe hold (W. Dg.) wendet sich gegen eine schematische Gleichbehandlung der ße&rtinge in den verschiedenen Berufszweigen. Von einer Lehrlingszüchterei im Handwerk könne feine Rede fein.

Abg. Thiel (D. Vp.): Dem Etatsvosten für die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens Amme die Deutsche Volkspartei zu. Der Ein- iKtt Deutschlands in das internationale Arbcits- afyit könne nur bei voller Gleichberechtigung und irach Erfüllung für Deutschland notwendiger Vor­aussetzungen erfolgen. Hierüber müsse noch eine Besprechung des Reichsarbeitsministers mit den in Frage kommenden Ausschüssen stattfinden.

Die vorher abgebrochene zweite Beratung des Deutsch-siamesischen vorläufigen Wirtschafts­abkommens wird fortgesetzt.

die Verhütung des Verfalls ermöglicht, bleibt es noch die Aufgabe der Gemeinden, den Reubau und die Erhaltung von Wohnungen m i t Hilfe öffentlicher Mittel zu fördern. Hm diese Aufgabe planmäßig und we.tsichtig zu lösen, ist es erforderlich, den Gemeinden eine Mietzinsabgabe in Höhe von 20°b der Friedens miete auf zunächst 5 Iahre durch ein Gesetz zuzuweisen, ohne dabei die den Gemeinden für allgemeine Zwecke zustehenden Einnahmen zu kürzen. Gewerbliche und land­wirtschaftliche Detriebsräume dürften von der Steuer nicht ausgenommen werden können.

Die Barmatuntersuchung.

Berlin, 7. Febr. (Wolff.) Im Unter- suchungsausschuh des preußischen Landtages über die Kreditgewährung der Seehandlung kam es bei der heutigen Sitzung zu Zusammenstößen zwischen dem stellvertretenden Vorsitzenden, dem deutschnationalen Abg. Dr. Deerberg einer­seits und dem Zeugen Ministerialdirektor Falk und den sozialdemokratischen Aus- schuhmitgliedern andererseits bei verschie­denen Fragestellungen. Von der Linken wurde schließlich ein Antrag eingebracht, der die Ge­schäftsführung des stellvertretenden Vorsitzenden mißbilligt, worauf dieser fein Amt sofort niederlegte. Die Sitzung wurde hierauf unterbrochen. Bis zur Wiederaufnahme der Sit­zung konnte jedoch die Wahl eines neuen stell­vertretenden Vorsitzenden nicht oorgenommen werden. Mit der Weiterführung des Vorsitzes wurde der volksparteiliche Abg. Pinkerneil betraut.

Der Ausschuß trat dann in die Vernehmung des ehemaligen Reichswirtschaftsministers W i s - s e l ein, der auf die Bekundungen des Kriminal­oberinspektors Klinghammer brieflich um sofor­tige Vernehmung und Gegenüberstellung mit Klinghammer bat. Wissel erklärte, daß er wäh­rend feiner Amtszeit als Wirtschaftsminister niemals Ausfuhr- und Einfuhrbewilligungen für Druckpapier oder andere Waren erteilte, da hier ür ein Ausfuhrkommissar zu­ständig gewesen sei. Klinghammer verwechselte möglicherweise die von ihm ausgestellte Befür­wortung der Einfuhr von Lumpen durch die Firma Darmat mit der Einfuhrbewilligung auf Antrag des Abg. M u f ch k e. Dann wird die in der letzten Sitzung abgebrochene Vernehmung K l i n g h a m m e r s fortgesetzt. Auf die Frage des Verhandlungsleiters, ob er sich genau er­innere, eine Einfuhrbewilligung beschlagnahmt zu haben, erklärt der Zeuge, es habe sich nicht um eine formularmäßige Bewilligung, sondern um ein Schreiben mit der Unterschrift des Wirtschaftsmini st e rs gehandelt, in dem von der Einfuhrerlaubnis die Rede war.

Ministerialdirektor Falk kommt nochmals auf die Angelegenheit des verschwundenen Aktenstückes zu sprechen und erklärt dazu, daß nach Ansicht der Oberstaatsanwallschaft das Vorgehen des Kriminalkommissars Klinghammer durchaus unzulässig gewesen sei.

Strafverfahren gegen Sofie?

Berlin. 8. Februar. (TH.) Man rechnet, Wie dieVossische Zeitung" mitteilt, in parla­mentarischen Kreisen damit, daß dem Reichs­tag schon in den nächsten 48 Stunden von oer Staatsanwalt ein Antrag auf Aufhe­bung der Immunität für den Abg. Höfle zugehen wird. Es erscheint nicht aus­geschlossen, dah die Hntersuchung der Staatsan­waltschaft auch auf den Zentrumsabgeordneten Lange-Hegermann ausgedehnt wird.

Schlägerei zwischen Kommunisten und Reichsbanner

Berlin, 7. Febr. (TH.) Der Hauptaus­schuh des Deutschen Städtetages faßte nahezu einstimmig folgende Entschließung. Als unver­meidbare Hilfsmaschine im Kampfe gegen die Wohnungsnot kann die Wohnungs- z w a ngsioirtschaft erst mit dieser völlig fallen. Eine voreil ge Abschüttelung des lästigen Zwanges würde gemeinschädliche Fügen haben. Die Beseitigung der Zwangswirtschaft auf dem Wege der allmählichen Locke­rung und des schrittweisen Ab­baues bleibt jedoch das Ziel. Schon jetzt ist das ZwangSrecht insoweit aufzuheben, als es sich entweder als schädliche Heberspannung er­wiesen hat oder teilweise eine Milderung der Raumnot bereits eingetreten ist. Eine Beseiti­gung der Wohnungsnot ist nur möglich durch Reu Herstellung von Wohnungen bei gleichzeitiger Verhütung des Verfalls alter Woh­nungen. Hierzu haben Arbeitgeber in Stadt und Land für ihre Arbeitnehmer, insbesondere Reich und Länder für ihr 'Jkrfonal, mitzuwrrken. Solange aber noch die Mieten nicht wieder in einer Höhe erhoben werden können, die den Reu­bau von Wohnungen rentabel macht itnA

Berlin, 9. Febr. (Wolff.) Die Berliner Leitung der Kommunistischen Partei hatte am Sonntag ihre Anhänger zu Provinz­demonstrationen aufgerufen, die in Velten, Für- tenwalde. Strauhbcrg und Bernau stattfanden. Die Beteiligung war nicht übermäßig start. Die in Bernau versammelten Kommunisten fuhren auf drei Lastwagen nach dem benachbarten Zepernick, wo eine Gründungsfeier des Reichs­banners Schwarz-Rot-Gold stattfand, um diese zu sprengen. Von Bernau aus war, jedoch bereits eine Abteilung Schutzpolizei nach Zepernick geeilt. Kaum waren die Kom­munisten in Zepernick, als der Rote Iungsturm in das Lokal einzudringen versuchte. Die Reichs­bannerleute setzten sich zur Wehr, und in wenigen Augenblicken war eine große Schlägerei im Gange. Die Polizei versuchte vergeblich die Kämpfenden zu trennen. Als die Kommunisten auch auf die Polizei losgingen, feuerte diese einige Schreckschüsse in die Luft ab. Darauf er­griffen die Kommunisten die Flucht.

Parlamentarisches aus Hessen.

Darmstadt, 8. Febr. (Eig. Bericht.) Die Deuts chnationale Volkspartei hat im Landtag einen Antrag eingebracht, worin die hessische Regierung ersucht wird, sich für die Aufklärung des Barmatskandals ein­zusehen, sowie der anderen Skandalfälle. Ein weiterer Antrag ersucht, dafür zu sorgen, daß Reichs mittel zu erträglichen Zinssätzen zur Verfügung gestellt werden, um der K r e d i t n o t von Landwirtschaft und Gewerbe so­wie dem Wo hnungsmangel abzuhelfen. Ferner wird die Regierung ersucht, für eine Verbesserung der P 0 st v e 1 h ä l t ni sse einzutreten.

kommen, der Regierung vorzuwerfen, sie habe mit diesem Vertrag die Ehre und das Ansehen Deutschlands geschädigt. Das sagt ein Vertreter der stärksten Regierungspartei. Die Ausführun­gen des Außenministers waren nicht die an­gemessene Verwahrung der Reichsregierung gegen solche unerhörte Vorwürfe: sie glichen vielmehr wie ein mildes und freundliches Plä­doyer. Es ist doch ein ganz unmöglicher Zu­stand, dah die Deutschnationalen im Ausschuß und im Plenum nur im Interesse ihrer Agitation die Regierungsvorlagen bekämpfen, in der Zu­versicht, daß die übrigen Parteien die Annahme sichern werden. Wir lassen uns nicht eine Ver­teilung in der Weise gefallen, daß ein Teil des Reichstags die Macht ausübt und der andere Teil ihm diese Macht durch die Bewilligung der Re­gierungsvorlagen sichert. Wir unterstützen nicht die deutschnationale Politik des Halb und Halb. Wir werden mit Rücksicht darauf, dah das Ab­kommen von einer Regierung vorgelegt wird, in öer vier Deutschnationale sitzen, ihm zunächst in der zweiten Lesung zustimmen. Für die dritte Lesung behalten wir uns volle Freiheit vor. Wir werden sehen, ob dann die Deutschnatio­nalen von der Kritik des Abg. von Frey tag abrücken.

Abg.Graf Westarp (Dtntl.) betonte dem Vorredner gegenüber, es sei doch auch bei früheren Koalitionskabinetten vvt- gekommen, dah ein Teil einer Regierungspartei scharfe Kritik an einer Vorlage geübt habe.

Abg. Müller (Soz.) Da die stärkste Re­gierungspartei in dem Vertrag eine Schädigung des Ansehens und der Würde sieht, können wir nicht für diesen Antrag stimmen.

Vor der Abstimmung es fehlen viele Ab­geordnete der Rechten stellt Präsident ßöbe Beschluhunsähigkeit des Hauses fest und beraumt die nächste Sitzung auf Montag 2 Hhr nachmittags an.

Die Iustizreform.

Eine Programmrede des Reichsjustiz- minifters.

$ er! i n, 7. Febr. (WB) Im Haushalts­ausschuh des Reichstages bezeichnete Reichsjustiz­minister F r e n k e n die Schaffung eines auf den modernen Rechtsanschauungen aufgebauten, in NH geschlossenen Prozehrechts als eine der Hauptaufgaben der nächsten Zeit. Wichtige Vor­arbeiten seien von einer beim Reichsjustizmini­sterium gebildeten Zivilprozehkommission bereits geleistet worden. Den Wünschen weiter Kreise nach Beseitigung des Zwanges zum Mahnverfahren ist für den Hrkunden- und Wechselprozeh durch eine Verordnung vom 11. Dezember Rechnung getragen worden. Die Frage der völligen Abschaffung des Obligatoriums wird im Benehmen mit den Landesjustizverwaltungen geprüft. Die Frage der Abschaffung der Gerichtsferien wird mit den Ländern er- neut erörtert werden. Die alsbaldige ersahlose Aushebung der En tlastungsvervrdnung vom 15. Ianuar würde die Zivilsenate und das Reichsgericht in eine Geschäftslage bringen, für bte das Reichsjustizministerium eine Verantwor­tung nicht übernehmen könnte. Den Bestrebungen der unteren und mittleren Iustizbeamten auf Aenderungen der Amtsbezeichnungen in den Iustizgesehen bringe er volles Verständnis ent­gegen. Der Entwurf des Gesetzes über die un­ehelichen Kinder und die Annahme an Kindesstatt enthält tiefgreifende Aenderungen des Bürgerlichen Gesetzbuches. Gr werde dafür eintreten, dah der Entwurf sobald als möglich im Kabinett zur Beratung gelangt Eine Stel­lungnahme zu der Frage der Erleichterung der Ehescheidung wird der Beratung des Antrags der Abg. Frau Lüders und Genossen Vorbehalten bleiben dürfen. Eine zeitgemäße Re­gelung des ehelichen G ü t e r r e ch t e s bildet den Gegenstand eines lebhaften Meinunasaus- tausches.

Die künftige Gestaltung des Wohnungs - und Mietwesens wird ebenfalls eine b?r Hauptaufgaben des Reichsjustizministeriums fein. Inwieweit sich bei Berücksichtigung der noch vor­handenen Wohnungstnappheit eine Lockerung Der in jenem Gesetz enthaltenen Zwangsvoischritten ermöglichen läht. darüber ist das Reichsjustiz­ministerium schon vor einiger Zeit mit den Län­dern in Erörterungen eingetreten, Die noch nicht abgeschlossen sind. Das Reichsjustizministerium ist auch in eine erneute Prüfung der gesamten Frage des Vergleichsverfahrens zur Abwendung des Konkurses einge- treten. Ferner soll eine Zentralstelle zur Wah­rung der Einheitlichkeit in der Rechtsprechung beim Reichspatentamt geschaffen werden. Eine allgemeine Revision des Patentgesehes, des Warenzeichengesetzes und des Gebrauchsmuster- gesehes ist noch in der Schwebe. Der Entwurf eines allgemeinen deutschen (Straf- g e s etzbuches wird etwa in einem Iahre dem Reichstag zugeleitet werden können. Das Straf­recht soll auf völlig neue Grundlagen, insbe­sondere nach der Richtung einer besseren Siche­rung gegen das Gewohnheitsverbrechertum, ge­stellt werden. Seit dem Handelsgesetzbuch und der Wechselordnung ist dieses Werk erstmalig in gemeinsamer Arbeit mit Oesterreich herqe- stellt worden. Rahe vor dem Abschluh stehen die Erörterungen über die Einführung einer be­sonderen Strafvollzugsstatistik.

Der Städtetag zur Wohnungsfrage.

Außenminister Dr. Stresemann wendet sich gegen die Kritik, die der deutsch- nationale Abg. Freiherr Dr. von Frehtag- Loringhoven an dem Abkommen geübt hat. Es liege durchaus kein Zeugnis deutscher Schwäche darin, wenn die Verhandlungen in Berlin ge­führt wurden. Cs liege vielmehr im

deutschen Interesse. Hnberechtigt sei auch die Kritik darüber, daß der Tert des

Abkommens in englischer Sprache ab= gefaßt sei. Eine Abfassung in dieser Sprache sei für die deutschen Kaufleute zweifellos praktischer, als wenn man sich auf die wenig bekannte siame­sische Sprache stützen mühte. Das Abkommen sei dringend notwendig gewesen, denn nach dem bisher geltenden Recht war es deutschen Kaufleuten verboten, siamesischen Boden zu be­treten. Der für Deutschland außerordentlich schäd­liche Artikel 18 des Versailler Vertrages, der die Beschlagnahme deutschen Eigen­tums zuläht, ist vertraglich ausgeschaltet nicht nur für Siam, sondern auch für England Volgien, Italien, Iugoslawien, die Tschecho­slowakei, Portugal, Iapan, Peru und Kanada.

Der Abg. von Frehtag bemängelte weiter, daß wir die siamesische Gerichtsbar­keit anerkennen. Gerade Deutschland müsse es vermeiden, als eine Macht angesehen zu werden, die zwar selbst Gleichberechtigung für sich ver­lange, aber Die anderen Völker haben gerade jene europäischen Völler verleugnet, die im Welt­kriege außereuropäische Staatsangehörige als gleichberechtigte KriegStellnehmer verwendeten. Dr. Stresemann bedauert zum Schluß die Wen­dung des Abg. v. Frehtag. daß der Vertrags­abschluß Die Würde und das Ansehen des Deut­schen Reiches geschädigt haben. Subjektiv könne dieser Vorwurf nicht gemeint gewesen fein, Denn Der Redner setzte gleich hinzu, daß ein Teil seiner Freunde für den Vertrag stimmen werde. (Heiterkeit links und in der Mitte.) Objccktiv müsse zugegeben werden, dah die Lage Deutschlands nach dem verlorenen Kriege eine Außenpolitik bedingt, die sehr oft der Würde und dem Ansehen des Deutschen Reiches wenig entspricht. Wir sind ja eigentlich kein souveräner Staat mehr. Es ist aber Unrecht, Der Regierung aus Den Folgen Dieter Zwangslage Vorwürfe zu machen. Wir sollten doch nicht immer davon sprechen, was gewesen ist, sondern von Dem, was uns ge­blieben ist und was wir wahren wollen. (Beifall links und in der Mitte.)

Abg. Meyer-Berlin (Dem.): Der deutsch- nationale Abg. von Freytag hat es fertig ge-

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 9. Februar 1925.

Schulfiichse.

Roch ist nicht Ostern, aber die Schulfüchse rühren sich schon. Sie haben längst ausspioniert, wo der Ort ihrer künftigen geistigen Tätig­keit ist. fragen viel nach Lehrer und Einmal­eins und sind wesentlich beruhigt Darüber, daß sie schon bis 10 zählen können und willen, daß 2x2 4 ist. Einige haben auch schon Schreib- verfuche gemacht und das eine ober- andere Gedicht auswendig gelernt, das nachweislich jedes erste Iahrbranfommt.

Ein neuer Horizont tut sich auf. Manches Söhnchen, das sehr verwöhnt war und gar nichts bnn Gehorsam willen wollte, wird schon bei dem GedankenLehrer" ein wciq sfll und acht­sam und läßt sich Schaueraeschichten von Rohr­st öcken und Ohrzwicken erzählen. Das ist etwas ganz Reues: Eine fremde Gewalt greift ein, ein unbetannter Wille, dem man unterworfen ist, t>Dne daß man sich Dagegen wehre n^kann.

Das Kind versteht oder fühlt das schon fepr fliit, besser jedenfalls als mancher Er- wachsener denkt: es benimmt sich Dabei oft auch geschickter als die Eltern, de wahrhaftig manch­mal recht hilflos und ungeschickt sind.

I eben falls ist es grundverkebrt, wenn Vater - ?2u^CVi Bewußtsein ihrer eigenen er­zieherischen Ohnmacht, m't dem Lehrerdrohen" und ihn als Schreckgespenst abmalen, das ein ö'einb Der Kinder ist. Wirkung tut das wohl, aber e£ birgt die große Gefahr in sich, daß Die KlnDesseele dem Lehrer entfremdet ist, noch ehe sie die Möglichkeit hatte, ihm nabezukom- men. Die Folge ist Scheu und Verschüchterung, unfreies Verhalten und ein Anhausen von inne­ren Hemmungen, die der Lehrer erst wieder be­seitigen muß. Wenn man mit den Kindern von dem zukünftigen Lehrer spricht, Dann tue man Da£ in jenem freundlichen, aber doch sehr bc- ftimmtem Ton, der fein Ausweichen möglich "fächt und Den ganzen Ernst der Lage erkennen laßt. Der Lehrer wird gerade für diese Art DerEinschulung" sehr dankbar fein.

Run wird langsam die Schiefertafel gekauft, wenn sie nicht schon Der Weihnachtsmann ge­bracht hat, der Tornister dazu, ein Schiefer­rasten, Federhalter und was derlei Herrlichkeiten alles find. Das ganze Haus nimmt an diesen kleinen Freuden und Sorgen teil, und für man­ches Kind ist die Schule tatsächllch von aller­größter Bedeutung, nicht nur deshalb, weil da der junge Geist zum erstenmal zu geregelter Arbeit, angehalten wird, sondern auch well bas Kind in Der Grundschule mit allen Bevölke­rungskreisen in Berührung kommt. Wie heil­sam kann das fein, aber auch wie gefährlich!

Aber nur keine Angst, ihr kleinen Schul­füchse!

Gießener Wockteum^rktvreise

am 7. Februar (Händlerpreise).

Gs kosteten auf dem heutigen Wochenmarkte: Butter 200, Matte 40, Käse 70, Wirsing 15. Weißkraut 15, Rotkraut 20, gelbe Rüben 10, rote Rüben 15. Spinat 50, Hnter-Kohlrabi 8, Grünkohl 20. Rosenkohl 50, Feldsalat 100, En­divien 100, Tomaten 150, Zwiebeln 15, Meer­rettich 40 bis 80, Schwarzwurzeln 70, Kartoffeln 5, Aepfel 12 bis 20, Dirnen 15, Dörrobst 30, Honig 40, junge Hahnen 100 bis 110, Suppen­hühner 120 Pf. das Pfund. Eier 15. Blumen­kohl 120 bis 200, Lauch 5 bis 20, Sellerie 20 bis 70 Pf. das Stück.

Wettervoraussage.

Zunächst wenig kühler, wechselnde Bewöl­kung, dann stärkere Bewölkung, zunehmende Tem­peraturen, einzelne Regenfälle.

Der Witterungscharakter der letzten Sagt zeigte ein unruhiges, schnell wechselndes Bild das durch das nördliche Vorüberziehen von Teil­wirbeln einer großen Depression bedingt ist. Die heute morgen eingetretene Aufbesserung ist wiederum nur von kurzer Dauer, Da die Ein­wirkung der nördlichen Störungen auf unser Ge­biet andauert.