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btiattung geradezu unverkLufllch macht, ift schleu- nigst zu beseitigen.

5. Die GrbschaftSsteuer ist beim Alobergang des landwirtschaftlichen Besitzes auf die Kinder ungerecht, und muß deshalb wenigsten- insoweit ausgehoben werden.

6. 3m Zusammenhang mit der Belastung durch die Reick sstcuem ist die 'Belastung durch die Landessteuern viel zu hoch: ihre wesentliche Verringerung könnte durch größte Sparsamkeit ermöglicht, werden.

1. Wir verlangen Wahrheit und Klarheit in der Bewertung. Deshalb muß so schnell wie möglich eine einheitliche Bewertung des land­wirtschaftlichen Besitzes für Reich, Länder und Gemeinden durchgeführt werden, zumal Vermö­genssteuer und Grundsteuer Denselben Steu-rr- gegenstand treffen.

8. Die Veranlagungsausschüsse für die Land­wirtschaft sind ausschließlich mit landwirtschaft­lichen sachverständigen zu besetzen.

9. Die Reichsregicrung wird gebeten, darauf yinzuwirkcn. daß hie Finanzämter im Verkehr mit den Landwirten in Wort und Lat entgegen­kommend sind, soweit die gesetzlichen Vorschriften dies irgend zülassen.

10. 3m ganzen verlangt die Landwirtschaft steuerliche Gerechtigkeit und soviel Berücksichti­gung ihrer geschwächten Leistungsfähigkeit, das) sie nicht vollends zusammenbricht, sondern ihre hohe volkswirtschaftliche Aufgabe, die Ernäh­rung des deutschen Volkes aus eigener Scholle zu sichern, bald wieder erfüllen kann.

Weinprobe rheinhessischer Weine.

Die Landwirtschaftskammer veranstaltete im Zusammenhang mit der Landwirtschaft- lichen Woche in Darnistadt am Donnerstag Mittag in der Lurnha.lle am Woogsvlah eine Probe von etwa 40 bis 45 rheinhessischen und starkenburger Weinen der 3ahrgänge 1911, 1915, 1919. 1920, 1922. 1923 und in größerer Zahl des hochedlen Jahrganges 1921. Wie alle Veran­staltungen der Lanbwirtschaftskammcr, insbeson­dere die Vortragskurse, war auch die Weinprobe außerortentlich stark besucht. Der große Saal der Turnhalle, der etwa 1000 Personen cmfneh- men kann, war vollbesetzt. Am Podium prangte eine Inschrift:Deutscher Wein, Du sollst ein Mahner zur Einigkeit sein." Andere Inschriften auf Plakaten in großen Leitern lauteten Trinkt deutschen Wein, Singt deutsche Lieder."Immer, wo Wein über Eure Zungen rollt, denkt, daß Ihr deutsch seid und fühlt mit den Brüdern über dem Rhein."Wer Auslandsweine tränkt, schädigt den Wiederaufbau unseres Vaterlandes."

Der Vorsitzende dec Landwirtschaftskammer, Oekonomierat Hensel- Dotzelrod. eröffnete die Veranstaltung mit einer Begrüßungsansprache, in der er die M i n i st e r des Innern und der Finanzen, sowie Vertreter des Verbandes der Hochschulen, der gegenwärtig in Darmstadt tagt, begrüßte. Es handle sich heute hier um eine ernste Angelegenheit, nicht um eine Kneiperei, sondern um Interesse für den hessischen Weinbau zu wecken. Der spanische Handelsvertrag würde, wenn er Gesetzeskraft erlangt, den ganzen Wein­bau ruinieren. Alle Parteien müßten ihren Ern- fluß dagegen geltend machen: gelinge es nicht, diese Gefahr für den Weinbau zu beseitigen, so seien die Folgen unabsehbar. Der Redner richtete einen nachdrücklichen Appell an die An­wesenden, nur deutschen Wein zu trinken und in diesem Sinne in tßten Kreisen zu wirken.

, Das hessische Weinbaugebiet sei das viert- 'größte in Deutschland. Nachdem der Redner Hoch in warmen Worten von den Vorzügen des Rheinweins gesprochen hatte, begann die Wein- Probe, die sich in der üblichen Weise vollzog. Insgesamt standen 828 Flaschen zur Verfügung. Die Probe begann mit rheinhessischen Weiß­weinen des Jahrgangs 1923, dann folgten drei Nummern Bergsträßer und Odenwälder Weiß­weine von 1922 und 1919. Ihnen folgten rhein­hessische Weißweine von 1922, dcknn Bergsträßer und Odenwäkder Weißweine von 1921. Der größte Teil der Proben bestand aus rheinhessi­schen Weißweinen des Jahrgangs 1921, denen sich einige ältere Jahrgänge anschlossen; den Beschluß bildeten rheinhessische Rotweine von 1921 und 1922.

Die rote Kaschgar.

Roman von Fedvr von Zvbeltih.

37. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Nun aber bestand ich darauf, die Savary zu begleiten. Weniger aus Courtoisie als aus dem Anreiz der Gefahr. Meinetwegen über­legungslos, einer Nervenspannung nachgebend. Auch ich kleidete mich um. Von einem Maskcn- sest her fand sich noch das schornsteinfegerhafte Kostüm eines französischen Studenten aus 6ent Mittelalter - das legte ich an.

Die Schwärze der Nacht begünstigte uns. Die Wolken fangen lief, die Luft war faückend schwül und branstig. Ganz fern her schollen wohl dumpfe, verhallende Geräusche aus dem Ameisenbausen der engen Gassen ut bet* inneren Stadt, doch der Kriegsläcm war stumm geworden, kein Schuß fiel, auch die grünen, weißen und roten Raketen, die aus den Gärten des Karser- palastes die Angriffe theaterhaft anzuzeigen pflegten, sah man nicht mehr.

Ich gestehe, noch glaubte ich nicht recht an die Minengcfahr. Die Franzosen waren zwar sorglose Leute und wenig verläßlich, aber etwas von bet unterirdischen Wühlarbeit hätten sie doch merlen müssen. Wir krochen wie Schlangen über den Boden, die Blendlaternen nach den feindlichen Barrikaden zu mit einem Luche ver­deckt. Der Boden war trocken und puvrig und so nachgiebig, daß hier eine Minenkammer ohne feste Ausmauerung und Holzverkleidung gar nicht angelegt werden konnte. Zuweilen legte ich auch das Ohr nach Indianerart dicht an die Erde, um die Arbeit des Gegners belauschen zu können, aber ich hörte ebensowemg, wie ich Drrdäch- tigeö sah. Erne dicke Ratte fuhr einmal über meine tastende Hand, und aus einem Hofwinlel ftatterte ein Nachtvogel auf. Die geschmeidige dunkle Gestalt der Savary hatte ich noch einen Augenblick vor mir gesehen, im Ausflammen ihrer Laterne auch spukhaft ihr Weißes, sehr mager gewordenes Gesicht mit der blutroten Lippenlinie. Dann verschwand sie mir, und ich kroch weiter.

Da glaubte ich (oberhalb ober rückseitig her feindlichen, sehr fest gefügten Barrikade ein Ge­räusch zu vernehm«. Sofort verlöschte ich mein Licht und warf mich platt auf die Erde DaS Lsesusch ging weiter, es wat nicht zu unter-

Aus der Provinz.

Landkreis Gießen.

i, Wieseck. 8. Jan. Im abgelaufenen Jahre erledigte der Gemeinde rat seine Arbeit in 18 Vollsitzungen. Die Vorbereitung der wichtigsten Beschlüsse machte 30 Sitzungen der verschiedenen Kommissionen notwendig. Die Arbeit, die in dieser Zeit vom ©emcinöerat ge­leistet wurde, war diesmal von besonderer Trag­weite, die Auswirkung der wichtigsten Ange­legenheiten ist einer späteren Zeit Vorbehalten. Gleich zu Beginn beS Jahres war der Gemeinde- rat vor eine schwerwiegende Frage gestellt: die notwendig gewordene Erweiterung un- s er er Schul e. Diese Frage wurde durch den vorzüglich gelungenen Ausbau des Dackstockcs der Schule int Luchtenauer Weg glücklich gelöst. Damit ist diese Schule zu einer OKuftereinridiLung ihrer Art geworden, die nur noch der Angliede­rung zweier Seitenflügel und dent Einbau eines Vergrößerten Schul- und Volksbades bedarf, um die Zentralisation unseres Schulwesens zu voll­enden und einem dringenden Bedürfnis gerecht zu werden. Doch dies ist Zukunftsmusik. Aber ernstlich erwogen und nach Auswegen in dieser Richtung wird bereits gesucht. In Verbindung hiermit sei noch erwähnt, daß durch die Errich­tung der Schulküche für die Fortbil­dungsschule ein äußerst wichtiger Alntcr* richtsgegenstand geschaffen wurde, der aber un- begreifliche» weise noch wenig Verständnis findet. Der Gedanke wird sich jedoch ganz bestimmt durch­setzen, schon weil er gesund und notwendig ist. Wie ein rötet Faden zieht sich durch alle Sitzun­gen der Punkt' Wohnungsgesuche und Beschlagnahmungen. Leider mußte gerade bei den Beschlagnahmungen wiederholt sestgestellt werden, daß sich die Besch verdeinstanz den Maß­nahmen des Gemeinderats entgeaemstellte, so daß keine Neigung mehr besteht. Beschlagnahmungen vorzunehmen. Zur Linderung der Wohnungsnot nahm auch im vergangenen Jahre der Gemetnde- rat Stellung, indem er den Dau eines Dop­pelhauses mit vier 3-Zimmerwohnungen in Angriff nahm, das setzt unter Dach steht und im Frühjahr fcrtiggeftclü wird. In Verbindung da­mit wurde die Herstellung und Kanali­sierung einer Reihe neuer Straßen, deren Entstehung teilweise bis vor dem Krieg zurück­reicht, durchgeführt. Ein weiterer Gegenstand', der den Gemeinderat fast daS ganze Jahr hin­durch beschäftigte, waren die Festsetzungen der verschiedensten Steuerarten, eine Tätigkeit, die notwendig ist, für die er aber sehr wenig Gegenliebe bei dem zahlenden Teil fand. Die hierüber einfetzende äußerst scharfe Kritik, die sehr stark ins persönliche ging, ver­anlaßte auch den Rücktritt des Gemeinde- rats Dr. Rein, der zu Anfang dos vergangenen Jahres perfekt und lebhaft bedauert wurde. Die sehr mangelhaft Dotgcfunbenen Feuerlösch­geräte wurden auch in diesem Jahre um einen wesentlichen Teil ergänzt, so daß unsere jung» Freiwillige Feuerwehr wvbl in kurzer Zeit in jeder Beziehung schlagfertig ist. Die ®rtycbung von Kanalisationsgebühren wurde abge-> lehnt, dagegen das völlig kommunalisierte Destattungswesen in der seitherigen Form beibehalten. Diese Maßnahme unterschied sich von jeher von den ähnlichen anderer Gemeinden, als dieselbe nicht als Notstandsmaßnahme gedacht war. Unter dem Druck der Verhältnisse wurde die Durchführung erleichtert. Die Durchführung des Wiesenprojektes beschäftigte den Gemeinderat in verschiedenen Sitzungen. Die Ver­hältnisse der Wiesen in dem Wiesocktal waren infolge des nassen Sommers unheilvoll gewor­den, diese Aufgabe ist aber so schwer und umfang­reich für die einzelne Gemeinde, daß der Plan, die Angelegenheit im vergangenen Jahve in An- griff zu nehmen, nicht verwirklicht werden konnte. Das kommende Jahr wird wohl eine Klärung bringen. Gegen Schluß deS alten Jahves wurde noch einer ganzen Reihe von Ortsbürgern eine Weihnachtsfreude gemacht: zunächst denHunde- b e f i h e r n. indem die Gemeindehundesteuer von 20 auf 4 Mk. herabgesetzt wurde. An die Ge­meindebediensteten der Gehaltsklassen 1 bis 6 und die Vollerwerbslosen wurden besondere Wirtschaftsbeihilfen gewährt, die hoffentlich manchen stillen Weihnachtswunsch er­füllen halfen. Außerdem wurden die Gehälter

scheiden, woher cs stammte, es schien indes mehr von der Novdfeite herzukommen, wo sich jenseits der Gasse daS Gelände der österreichischen Ge­sandtschaft cinfchlietzt und c3 klang wie das Aus­schütten ron Sandsäcken, wie das Rascheln fal­lender Erde. Lind nun flackerte über der Barriere Licht auf ein Schuß fiel, ein einzelner, ein! zweiter folgte, dann das Knattern einer Salve, der heulende Sturmruf Tscha! Tscha! der Chi- nesen und unmittelbar darauf ein donnerähn­liches Getöse eine Explosion. Ich wurde von einen, Sand- unb Steinhagel überschüttet, auf­gewühlter Staub hüllte mich ein, ein Heer flüch­tiger verängstigter Ratten huschte über mich fort aber ich blieb unverletzt.

Der Feind hatte an einer unvermuteten Stelle tatsächlich eine Mine t>o ..getrieben, nämlich gegen den Anbau eines Nebenhauses, brr nur von. drei Franzosen bewacht wurde. Sie wurden durch diese Explosion getötet, zugleich aber auch etwa fünfzig Chinesen, die im Eifer ihres Sturm­versuchs mit den Leitungsdrähten einer seitwärts angelegten Tretmine in Berührung gdomnicn waren. Sie hatten sich in der eigenen Schlinge gefangen.

Bei den Aufräumungsarbeiten fand man unter den glimmenden Trümmern die Leiche der armen Savary. Der Kops war ihr vom Halse gerissen - - ich fab diesen Kopf, und die hübschen Dunilen Augen schauten mich so sprechend an, als sei noch Leben in ihnen, und um die immer kirschrot gefärbten Lippen lag ein lächelnder Zug. Es war tief erschütternd, cd war wehmütig, es war grauenhaft. Und ganz in ihrer Nähe fand man seltsamerweise den völlig zersetzten Leib der kleinen chinesischen Sängerin, die ihr die Warnung zugetragen hatte. Irgendeine geheim- nisvolle Verbindung muß zwischen dcn beiden bestanden haben. Llber war die Savary eine Schuldige, so hat der Tod sie entsühnt. Wir haben sie aus dem Bearäbnisplatz der französi­schen Gesandtschaft beigesetzt. Zwei Tage lag die Trikolore auf ihrem Grabe. Sie war für ihr Vaterland in den Tod gegangen.

Der Waffenstillstand wurde auch weiter nicht cingehalten, unsre Lage verschlamm ate sich zu­sehends. Aber ich will Dich nicht m'tt der Schil­derung der zahlreichen neuen Angriffe ermüden wir schöpften erst wieder Hoffnung, als ns einem Japaner gelungen war, sich von Tientsin zu uns durchzuschlagen, um uns die tröstende Nachricht zu bringen, daß 6ort 13 0E) verbündete

einiger Angestellten einet Revision nach oven unterzogen. Das Jahr 1924 brachte für Deutsch­land geordnete Geldverhältnisse und damit auch für den Gemeinderat die 'Möglichkeit, die Ge­mein de f in an z en aus dem Papiergeld- sumpf herauszuholen. Die Verhältnisse in dieser Beziehung sind durchaus gesunde, mit neuen Hossnmigen kann an neue Aufgaben herange­treten werden. Hierzu, gehört vor allen Dingen die Schaffung einer Verkebrsmögllchkeit mit der nahen Stadt. Nachdem die Errichtung der Stra­ft e n b a b n Gießeniesc ck in der Oeffentlichkeit nach allen Veiten beleuchtet war, faßte der Gemeinderat Mn Beschluß, 6er even­tuellen Erbauung dieser Bahn generell zuzu­stimmen und einen dahingehenden Antrag an die Stadtverwaltung Gießen zu rich­ten. Für den Alr.bct eilig ten sieht diese Sache nun so aus, als ob fie int Sande verlaufen soll: es besteht aber Aussicht, haß dieser ganze Fragen­komplex im Jahre 1925 endgültig auf* gerollt wird, und zwar endgültig in jeder Be­ziehung, wenn nicht auf diesem Woge, so auf einem anderen auch über diesen herrscht tut Gemeinderat eine anerkennenswerte Einmütig­keit.

T G rün bera, 8. Ian. Die hiesige 3 ndu - ft r i c, die hauptsächlich der Textil brauche angehört, kann auf das verflossene Jahr als auf ein sehr wechselvolles zurückblicken. Es brachte an seinem Anfang einen bedeutenden Almfaß, der hauptsächlich auf Die durch dos Jahr 1923 geschaffene ßagc vollständig geleerte Lager zurückzuführen war. Diese starke Inanspruchnahme Der Industrie dauerte bis April und Mai. Durch die Kapitakknappheit und durch den von der Regierung verlangten Preisabbau erlitt das Geschäft einen schweren Schlag. Der Absatz ging auf ein Minimum zurück, so daß Feierstunden eingelegt werden, ja sogar mehrere Tage in der Woche die Betriebe ruhen mußten. Diese außerordentlich unangenehme Lage dauerte bis August und September. Nun­mehr setzte der Geschäftsgang int Oktober in erfreulicher Weise wieder ein urtb steigerte sich bis zum Ende des Jahres ganz erheblich. Der Versand nach allen Gegenden Deutschlands ist wieder vollständig ausgenommen, und ganz be­sonders lebhaft ist Der Absatz in das Rheinland und Saargebiet infolge des Fallens der Zoll­grenze. Dagegen ist Der Versand in das Ausland Luxemburg. Oesterreich und Schweiz noch nicht hergestellt: man hofft in den betreffenden Kreisen, Daß dies nun auch bald ermöglicht wird. In diesem Zusammenhang ist noch zu erwäh­nen, daß die Firma Hch. Schmidt l. am Ende des Jahres 1924 auf ihr 5 0 jährtges Be­stehen zurückblickte. Hch. Schmidt hatte vor 50 Iahten mit einem Handstuyl angefangen, Dann durch eine größere Handweberei sein Ge­schäft erweitert. 1900 ging Dieser Betrieb auf seine Söhne Karl und Hch. Schmidt über, die int Jahre 1905 eine mechanische Weberei am Marktplatz errichteten. Diese erwies sich bald als zu Hein, und Die Firma baute deshalb 1911 eine große stattliche Fabrik an der Gießener Straße. Diesem Betrieb wurden im Laufe der Zeit noch eine Spinnerei und Färberei angebaut. Die Fort­schritte, die die Firma im Laufe der Zeit gemacht hat, waren nicht allein im Interesse der Besitzer, fonbern auch zum Vorteil Der Arbeiter, denn eine stattliche Zahl Leute hat hier dauernde Be­schäftigung.

* Grünberg. 9. Ian. Die Butzbach- Licher Eisenbahn führt die Züge, die bis­her nur zwischen Ettingshausen und Ltch ver­kehrten. vom 12. Januar ab zwischen Grün- berg und Lich durch, so daß also auch unsere Stadt und Queckb'vrn davon Vorteil haben. (Man beachte die Ankündigung in unserem heu­tigen Anzeigenteil).

Kreis Friedberg.

ss. Friedberg, 8. 3an. Der hiesige Se­minarlehrer Dr. Leuchtgens, der bei der letzten Landtagswahl als Kandidat des Bauern­bundes zum Landtagsabgeordneten gewählt wurde, ist vor kurzem an die Oberrealschule nach Groß-Almstadt verseht worden,im Interesse des Dienstes", wie es in der Verfügung heißt. L. steht bekanntlich schon seit längerer Zeit in schar­fer Oppositionsstellung gegen die hessische Re­gierung, besonders gegen das Landesamt für das Bildungswesen, und die hier erscheinende

Truppen gelandet seien und die Stadt auch be­reits genommen hätten. Am 12. August hörten wir Kanonendonner in der Ferne und da brach der Jubel los: Die Alnseren waren im An­rucken. Am 13. abends flogen wieder die weißen Raketen vom Kaiserpalast auf, und der Kampf Hub abermals an, in den sich auch der Himmel mit einem rasenden Gewitter mischte. Nur wir selbst wurden nicht mehr angegriffen, die Entscheidung spielte im Gewirr der Chinefen­stadt sich ab, und in diesem Höllenbreughcl ging denn die letzte große Krise im zuckenden Asien zu Ende. Indische Sikh-Reiter waren unsre ersten Befreier. Im ausgetrockneten Schlamm des brei­ten Abzugskanals an der tatarischen Mauer arbeiteten sie sich zu uns durch, abenteuerliche bvaune Gestalten in phantastischer Tracht, die man vielleicht gar nicht als rettende Freunde erkannt haben würde, hätten nicht die britischen Fahnen über ihren Kopftüchern geflattert. Alnd da brachen wir denn die Barrikaden ab und stießen die Tore auf und begrüßten sic mit brau­sendem Hurra und ich hatte doch em eigen­tümliches Gefühl, als ich sah, daß es Söhne Asiens waren, die uns in diesem Streite mit der alten Welt als Freiheitsträger entgegen­kamen. Alnd dann wurden cfoen auf der Tataren- mauer die ersten Amerikaner sichtbar, abgemagert, zerzaust, zum Almsinken müde, während am Shabotore die Japaner noch mit chinesischen Scharfschützen kämpften und in der britischen Ge­sandtschaft schon die Glocken läuteten und die Missionare ihr Hofianna fangen... und am Abend waren alle Barrikaden gefallen, und alle Zugänge am Gescmdlschaftsviertel standen offen, und Peking, verlassen von feiner geflüchteten Kai­serin, aufatmend nach den Greueln der Schreckens- tage, starrte mit feinen blutdürstigen Augen nell- gierig zu uns herein .Das Drama war aus, die Komödie konnte wieder beginnen. Aus der ver­dorrten Rasenfläche jenseits der uralten Tataren- mauer, so alt wie dies tausendjährige Reich, biwakierten die indischen Reiter, Kosaken und Amerikaner und zündeten ihre Lagerfeuer an, und durch die verwüsteten Gärten der Gesandt­schaften biängte sich die sogenannte Kultur, plau­dernd, lachend, girrend, flirtend, als sei der große Totentanz der letzten Vkonate nur eine Laune und eine Abwechslung gewesen / schlanke Dipiomaien im abendlichen Smoking. Samen in lichten Sommertoilstten, rothosige Reiteroffiziere, ein stämmiger Pflanzer von den Philippinen.

vundlerischeReue Tageszeitung" ist wohl alÄ das Organ des Betresfenden zu bezeichnen. Wegen einer von ihm veröffentlichten Schrift '..Wie stehen wir in Hessen?", in welcher er scharfe Angriffe gegen die Regierung richtete, war ein Disziplinarverfahren gegen ihn eingeleitet und er vorläufig vom Dienste suspendiert. Nun scheint man die Angelegenheit auf Diese Weife erledigen zu wollen, denn man kann die Versetzung nach Groß-Almstadt wohl ohne weiteres als eine Strafversetzung und Kalt stell ung betrachten. Leuchtgcns, der auch im kommunalen Leben Friedbergs als Beigeordneter eine hervorragende Rolle spielt und fich zweifellos schon große Verdienste er­worben hat, ift aber nicht gewillt, sich ohne weiteres maßregeln zu lassen. In seinem Organ, derNeuen Tageszeitung", wird nämlich unter dem Titelilnh bift du nicht willig, so brauch ich Gewalt" ein scharfer Artikel gegen die Verfügung veröffentlicht, hi dem diese als rechtswidrig und deshalb als ungültig be­zeichnet und ihr ßutüdhiefanen gefordert wird. Ein dienstliches Interesse läge keineswegs vor, da Leuchtgens' Tätigkeit als Lehrer in keiner Weise zu beanstanden sei, dagegen sei er durch die Versetzung seiner Familie nverhäUnisse wegen nicht nur materiell, sondern durch das Heraus- reißen aus seiner liebgewordenen Tätigkeit auch ideell geschädigt. Jedenfalls wird dies» Angsle- genheit noch weitere Kreise ziehen, da Leuchtgens auch in seiner Eigenschaft als Laadtagsabgeord- neter doch einen gewissen Einfluß hat und ferner ganzen Veranlagung nach heu Kampf nicht so ohne weiteres ausgeben wird.

Kreitz Schotten.

b. Schotten, 7. 3an. Aus dem Kvmmu- nalprogramin für 192 5, mit dem sich unsere Stadtväter vor wenigen Tagen unter der Fragestellung:Wie bringen wir Schot­ten vorwärts?" beschäftigten, ift als be sonders bebeutfam u. a. zu erwähnen, daß nun der Frage Der Errichtung eines Kran­kenhauses nähergetreten werden soll. Erfreu­licherweise will die Krankenkasse das Vorhaben durch die Bereitstellung des Bauplatzes und eines Geldbetrages unterstützen. Auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge wird auch im neuen Jahre noch viel zu tun sein, ebenso wird man sich sehr eingehend mit dem Plane Der Errich­tung einer Kleinkinderschulc und mit der Pflege des Turn- und Sport wesens zu beschäftigen haben. Der Hebung deS Fremden­verkehrs soll besonderes Augenmerk zuge­wandt weiden, die Verkehrsbelebung hofft man weiter durch einen Ausbau De r Märkte zu erreichen. Alm den Stadtfinanzen ständig ein gutes Rückgrat zu sichern, soll der Waldbesitz, Das hauptsächliche Vermögen der Stadt, nicht nur durch die Wahrung des jetzigen Bestandes unver­ändert leistungsfähig erhalten, sondern durch weitere Aufforstung noch verstärkt wer­den. Neben diesen größeren Aufgaben laufen natürlich noch zahlreiche kleinere Sachen, die allesamt unseren Stadtvätern auch im neuen Jahre genug Stoff zur Arbeit für das Wohl unseres Städtchens geben.

Kreis Büdingen.

A Aus der Wetterau, 8. Jan. Durch die mehrmaligen Aleberschwemmungen im Nidder-, Nidda- und Hvrlofftale sind durch stehengeöliebenes Wasser viele Sumpsstel- len entstanden, in denen sich täglich unzählig!; Scharen Wildenten tummeln.

Kreis Lauterbach.

rr. Schlitz. 8. Jan. Der Rektor der hiesigen höheren Bürgerschule, Studienrat Heinrich Rö­der, wurde auf feine Bewerbung hin an das Gymnasium nach Gießen verseht. Er hat sich in seiner 6jährigen Dienstzeit dahier große Ver­dienste um die Entwicklung unserer Bürgerschule erworben: sie wuchs unter seiner Leitung auf über 100 Schüler an. Außerdem wurde durch seine und unseres jetzigen Landtagsabgeordneten, des Bür­germeisters Dr. N i e p o t h, Bemühungen, an die Obertertia noch eineSelekta" angegliedert, die zur Ablegung derEinjährigenprüfung" an einer Realschule die Möglichkeit bietet. So ist es be­greiflich. wenn man in der Bürgerschaft Den tüchtigen Schulmann, der sich großer Verehrung und Wertschätzung erfreute, nur ungern ziehe», sieht.

Franzosen aus Saigon, bärtige Russen, schnat­ternde Agenten, die schon wieder an neue Einfuhr und Ausfuhr dachten, internationale Schufte und Ehrenmänner, Nonnen und Krankenpflegerinneir. Missionaie und Ingenieure und dazwischsn auch ein Gentleman in Mandaiinentriicht, ctir chinesischer Hosbeamter, der in einem Zipfel seiner safrangelben Seide ein fragwürdiges Friedens­angebot trug. Drinnen in den Eingeweiden der Stadt krachte noch die Kanonade und warf ihre Granaten in die Gärten, über die Maimorbrücken. Lotosteiche, Pavillons, Paläste, Tempelbauten her kaiserlichen Residenz, und mit dem flirrenden Sand jedes Windhauchs flog auch cm brandiger Rauch zu un6 hinüber. Aber in den Branst mischte fich doch schon ein zarter Hauch Pariser Parfüms und duftigen Puders.

Ex est. Ein Stückel meines Lebens ist wieder zum Abschluß gekommen. Das Episodische geht weiter. Peking war Weitz Gott für mich nur ein Zwischenspiel. Ich dachte hier zu bleiben, bis die Gesundung Thedas mir gestatten würde, in die Heimat zurückzukehrcn. Das ist noch nicht so weit. Letzte Briefe von Euch meldeten mir, daß Ihr Theda nunmehr in das Staehleschc Sanatorium bringen wollt, und vielleicht ist die erhoffte Besserung schon eingetroffen, ha ich dies schreibe. Auf die entscheidende Depesche hier in Peking zu warten, ist mir durch meinen Zwist mit dem Gesandten unmöglich gemacht worden. Ich muß darüber noch einige Worte sagen. Es war im Grunde genommen mehr eine lebhafte Auseinandersetzung als ein Streit. Aber sie zeigle eine so starke Divergenz der Anschauungen, daß cs ein moralischer Zwang für mich wurde, den Dienst zu quittieren. Ich bilde mir nicht ein, ein musterhafter Diplomat zu fein, ich bin vielleicht sogar ein herzlich schlechter. Aber ich habe mich doch in dieser lebten blutigen AuSeln- andersetzunA mit China wieder davon überzeugen können, daß die gesamte Politik Europas gegen die erotische Welt eine von Grund aus falsche ist. Die Brutalität des Eroberungswillens würde mich nicht flöten, wenn der Prozeß der Almtoäfa »Zwecken der Menschheit Mente. Was mich t. ift die kleinliche Selbstsucht, mit der die Sendboten der Zivilisation hier draußen in hem­mungsloser Glcichgültigkcit gegen das Ganze für hie eigene Tasche arbeiten, ift der fürchterliche Schachcigeift und der Alnfttg der Kultur mit dem Füllfederhalter.

(Fortsetzung folgt.)