m.7 Zweites Blatt
Gietzener Anzeiger (Seneral-Anzeiger für Vberyeffen)
Zreitag, 9. Januar 1925
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ncn Kreis, und begeistert fangen die .Dochte" das von Dusch gedichtete Dundeslied: „OBenn der Wind weht, / Wenn der Hahn kräht. ' Wenn die Wetterfahne sich auf dem Turm dreht. ' Deim Schrei der Eulen, ' Dci der Wölfe Heulen, / Wenn das Geisterhecr zieht übers Moor Dann brich hervor / Mit Wundermacht / Du Licht der Dacht!"
Don Dusch stammt auch der Ehor der Dachtlicht er. dessen erste Strophe lautet: „Dachtlichter sind wir allzumal. Wenn es be- ginnt zu dunkeln. / Tas Oe( ist uns das braune Bier Dis früh zum Morgen trinken wir / Lind leuchten hell und funkeln."
Hier sah noch MareeS mit Busch zu-" sammen. später Lenbach und ® c bon; auch Leibl mag einige Jahre später mit dabei ge* wesen fein. Gegen die Kneipzeitung von .Jung- München", den ^Beiwagen" führte das Blatt der „Dachtlichtcr" .Der Knotenstoc!" einen derben Kampf, und Dusch schärfte in dieser Kneipzeitung die Waffen seines Humors für die unübertrefflichen Dildererzählungen, die ihn unsterblich machen sollten. Später ift der Einsiedler von Wiedensahl nur als Gast in der Münchner' Künstlergesellschast erschienen und feierte mit Lenkmch und Gedon d:c Erinnerung an die .Dachlichter" in der „21II o t r i a“.
Als das Haus der .Allotria" 1883 cin- qctoeibt wurde, da war der M'ttelpuntt dieses humorvollen Kreises Lorenz Gedon. ein vom Tode Gezeichneter. Don einem Krebsleiden befallen. hatte er nur noch wenige Monate zu leben, und er besah die antike Seelengröhe, beim Einzveibungsfest für immer 2lbschied zu nehmen. Dem toten Freunde hat Dusch cm tiefempfundenes Gedicht gewidmet, das mit den Versen beginnt:
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„So kernig schienst du uns. so wetterhart. / Ein köstlich Bild urfrischer Gegenwart. Ein Baum, an Stamm und Wurzel unbewegt. Ob auch der Sturm in seine Wipfel schlägt: Lind schon, da kaum dein goldner Her bst die Welt / Zur Ernte lud, hat dich der Lod gefällt ..
Zur Cinsühruug des gregiorianischen Kalenders.
Anlählich unseres Aufsatzes in Dr. 4 über das Jubiläum der Einführung des gregorianischen Kalenders in Deutschland schreibt uns ein Mitarbeiter. der im Krieg jahrelang in Rumänien war und mit dortigen Oesterreichern noch im Briefwechsel steht. In Rumänien ist in dem nun vergangenen Jahre auch endlich der neue Ka len der amtlich eingeführt worden, und die Bevölkerung muh nun nach dem ,,stil nou“, nach dem „neuen Stil" ihre Tage zählen. Der Widerstand der Landbevölkerung gegen diese 2Ieuerung ist sehr groß. Der Brief schreibt darüber: „Das schmeckt den Rumänen nicht, aber n’arc, in cotro (er kann nichts dagegen machen). Es ift ein ganzes Durcheinander im Kopf der Dauern! Sie lamentieren wegen ihrer Pomonas (den Gedächtnismahlzeiten für die Toten), dah der, dem bas betreffende Gedächtnis gilt, doch 14 Tage früher gestorben ist": also die ganze Geschichte stimmt nicht! Durch den Kalenderwechsel müssen die Dorfpfarrer viel aushalten: denn ihnen wird die Schuld an ter verwirrenden Deuerung beigemessen. „Die Bauern drohen, dah sie die Popen um bringen, so dah kein Pfarrer mehr sich in Me Kirche wagt. Auf manchen Dörfern ist fast ein Aufruhr. Einige Pfarrer sind schon geschlagen worden." — Das ist so ein rechtes Stück Balkon-
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geben, die in diesem Rechnen mit dem Aus- bleiben der Stimme von auhen — hat sich doch sogar der „Popolo". der vorher nicht nur einen Verfassungs-. sondern sogar einen Strafgesetzbuch- Paragraphen veröffentlichte, derart von feinem Anrecht überzeugt, dah er bis heute die Sprache nicht mehr gefunden hat — die Schwäche in der mussolinischen Stellung erblicken. Das sind dieselben, gottlob nun mundtot gemachten Leute, die bedenlliche Widersprüche in der groben Rede entdeckten. So streite barm Mussolini zuerst die Existenz einer Tscheka rundweg ab. um später zu erklären, sie habe geradezu blödsinnig gearbeitet. Weiter: Cs ist eine Infamie ohnegleichen von der Opposition, von Gewalttätigkeiten zu faseln, aber für die Dorgetemmcncn übernehme ich, ich allein, die Derantwortung.
Sehen wir, um nicht wider den Geist zu ver- stohen, die Dekenntinssähc der Rede im Wortlaut hierher, so wie ihn in stolzem Fettdruck die faszistische Presse wiedergibt: ..Dun wohl, so erkläre ich vor dieser Versammlung, im Angesicht des ganzen italienischen Volkes, dah ich. ich allein die politische, moralische, historische Derantwortung für al!es übernehme, was vorgekom- men ift. (Bravo! Minutenlanger Applaus ) Wenn der Faszismus nur Rizinusöl und Knotenstock blieb, so verdankt man es m i r. Wenn der Faszismus eine Derbrechergesellschaft gewesen ist, gut, so bin i ch das Haupt dieser Dcrbrechergesell- schasl. (Stürmischer Beifall.) Wenn alle die Gewalttätigkeiten die Folge einer bestimmten historischen. politischen und moralischen Atmosphäre gewesen sind, so trifft m ich die Schuld, denn ich habe sie geschaffen, sie ist m ein Werk von damals bis heute!"
Hier sah ich zum erstenmal G i o l i 11 i aus seiner olympischen Gelassenheit herausfallen. Frühere Minister hoben wie beschwörend die Arme. 2lber der rasende Cäsar, die wieder geschlossene Phalanx seiner Schwarzhemden um sich wissend, kennt jetzt keine Grenzen mehr. „Vernichtet werde der Aventin! 2llle Köpfe ab, nur meiner nicht!" ,,Die Lösung liegt in der Gewalt." ,.Binnen 48 Stunden nach dieser Rede wird dis Lage in ihrer ganzen Ausdehnung geklärt sein!" Schmettert es hinaus, erstickt einen letzten parlamentarischen Rebellionsversuch im Keime, schickt die Herren nach Hause.
Als ich mit klingenden Ohren neben einem Herrn, der nicht so auffällig aussah, dah ich ihn beachtet hätte, das Parlamentsgebäude verlieh, brauste mir eine Ovation entgegen. Diva Farinacci! verstand ich schließlich. 2lch so. der Herr neben mir. Der Ras von Cremona. I1 secondo Duce! Evviva! Man trug ihn im Triumph davon, spannte ihm die Denzinpferde aus. kein Mensch weiß, wo der Chauffeur hingekommen ist. Auf seinem Sitz stand ein rasender Cäsar in Kleinformat und gebot, wenn nicht gerade der Sonne, denn es war abends, so doch den Strahenbahnen, stille zu stehen.
In der Sala Stanipa, dem weltbekannten Herde der Politik, haben wir uhrenhaft die dramatischen Stunden ausgezeichnet und ablaufen lassen: 12 — 20 — hier holten die Schächer ein paar Kollegen und führten sie nach dem Gefängnis ab — 24 — es werden nur unbedeutende Zwischenfälle von der Amftichkeit aus gemeldet — 36 — die letzten liberalen Minister treten zurück — 40 — noch einer — Mussolini beim König — 42 - 46 — 48.
Die entscheidende Klärung der Lage tft da: Italien in zwei feindliche Lager geschieden, die Opposition verstummt und damit. Wie die ministeriellen Blätter schreiben, der Bürgerkrieg verhindert worden, gegen Mussolinis reinsaszistische Diktatur stehen außer den Aventi- nisten die drei hervorragendsten Politiker des Landes, alle drei Ritter des Annunztatenordens und frühere Ministerpräsidenten: Oiolitti, Orlando und der radikalnationale Salcmdra. Das sind also nun auch Antinationale, wie die Frontkämpfer, deren Bund „Freies Italien" aufgelöst wurde. Cs ist unwahr, wird amtlich verfichert, dah die Gazetten nicht schikaniert werden, man sequestriert sie nur. Im übrigen herrscht völlige Ruhe im Lande, abgesehen von kleinen Episoden.
Etwas sauer meint eines der größten römischen Blätter, das bisher mit dem Faszismus durch dick und dünn ging, man fei ja nun, nach der Proklamation der Gewalt, wieder da, wo man bei dem Marsche auf Rom stand, aber den größten Sieg hätten doch immer diejenigen davongetragen, die sich selber zu besiegen wußten. Sagte nicht so im Herbst 1918 ein gewisser Sc^idemann? . r v
Ein besserer Trost sür das friebhebenbe italienische Volk ist immer noch, trotz alledem, Mussolini, wenn er, wie er es möchte, die seconda ondata zu zügeln versteht. Farinacci. der secondo duce, möchte das freilich nicht.
Hessische Landwirtschaftliche Woche (Don unserer Darmstädter Redaktion.) Die Steuerforderungen der Landwirtschaft
wurden in der nachstehenden Entschließung der Landwirtschaftlichen Woche zum Ausdruck gebracht :
1. Die im Dotgebiet gestundeten Steuern müssen erlassen toerben.
2. Darüber hinaus muß bic hessische Landwirtschaft verlangen, daß die Einkommensteuer, und Umsahstoucrvorauszahlungen für das erste Halbjahr 1925 bis zur Veranlagung beider Steuern im nächsten Herbst gestundet werden die ergeben wird, dah kein Einkommen der Landwirtschaft im Iahre 1924/25 vorhanden war.
3. Für die Vermögenssteuer ist eine Berichtigung der Werte bei der Veranlagung für 1925 erforderlich, indem die tatsächlichen Ertragswerte zugrunde gelegt werden, unter Anwendung eines zeitgemäßen Kapitalisierungsfaktors. Es 'st selbstverständlich, daß die im Lause deS lAten Iahres entstandenen Goldmarkschulden vom Roh« vermögen abgezogen werden müssen.
4. Für die Umsatzsteuer ist rafchcste Ermaßt' gung auf 1 v. H ein dringendes Erfordernis weil sie gerade auf die Landwirtschaft infolge ihrer Dichtabwälzbarkeit besonders drückend wirkt. Außer dem Eigenverbrauch sind auch die Großviehverkäufe, sowie die Einnahmen aus den Zuckerrüben und feldmäßigem Gemüsebau in die Richtzahlen für die pauschale Besteuerung einzu begreifen. Die Ungerechtigkeit, die in der Umsatz- stcuerfreiheit für das aus eingeführtem Brotgetreide berget)eilte Mehl liegt, und die das deutsche Brotgetreide wegen seiner Umsatzsteuer-
für Verhandlungen, die sich an den Austausch, an die erzwungene Dölkerwanderrmg in Rlaze- dvnien knüpfen. Die Folgen können bcbcutenb werden. Dicht, daß hier Krieg in Sicht wäre. Aber die S t a a t s f o r m der Dachbarn muß bin und zurück wirken. Wagt man einmal eine Voraussage, so kann man im jugoslawischen Königreich nach den Februarwahlen ein Anwachsen der republikanischen Bewegung pr-ophezecen Diese Entwicklung tonnte den republrkanischen Gedanken in Athen stärken, in Sofia Aum Durchbruch bringen, in Bukarest wecken. Athen kann nur gewinnen. Wir wissen ja, daß heute ein Dolk getrost monarchistisch fühlen mag und doch durch unverhinderbare Dötigung an der Republik festgehalten wird. Selbst hier wo das Königshaus längst überwacht und beinahe machtlos, wo der König Konstantin für den Verlust feines letzten Krieges keineswegs vor allen verantwortltch war, selbst hier, wo der Hirt, der Dauer, der Schiffer an das Königsbild gewöhnt war und tnelc noch heute dem Bilde Reverenz und Gebet schenken' auch hier war es auf die Dauer unmöglich, dem Geiste der Epoche entgegenzuschwimmen. DaS Grundgefübl war und ift dabei in Griechenland demokratisch: um so ungefährlicher war darum ein König. Heute ist die Lage doppelt verworren, weil die Denifelisten einander befehden und die Ci-devant»Antiveniselisteii noch immer der Kammer fernbleiben Dazu kommen die Stimmen der anderthalb Millionen Flüchtlinge, die aus Griechenland ein Sechsmillionen- volk gemacht und die 'Dahlen durch ihre meist veniselistischen Stimmen im Grunde entschieden haben.
Das Ausland sieht meist abwartend zU. An die Stelle des scharfen Franzosen, der hier die Propaganda der Entente ungeniert fort setzte, tritt jetzt ein Graf Champbrun, bisher Pressechef am Quai d'Orsay, der als Vertrautet Herriots geschildert wird und freilich trotz deS Grafentitels die Tradition bei Freiheit und Völkerfreundschaft im Blute haben sollte: er ist Urenkel Lafanettes. Den Deutschen geht er hier- nicht schlecht, man hört mehr Deutsch als früher. Schulen und Seminare finden zux alten Tradition zurück und ein neues Hcvrdels abkommen, das eben in Kraft treten soll, sichert den Griechen die einzige aktive Handelsbilanz, die sie haben: 40 Prozent ihres Tabaks, im letzten Trimester sogar über 50, gehen nach Deutschland und vom neuen Iahr ab werden endlich auch wieder die griechischen Weinfässer nach bem Dor den rollen. Einen besseren Boten zwischen zwei Völkern gibt es nicht. Das griechische braucht keinen als sich selber: immer, wenn man wiederkehrt, schlürft man Witz und Anmut dieser kleinen Ration und sieht mit Freuden, wie sie wächst und fremder Einflüsse sich eichlich vollends erwehrt, um sich in seinen beweglichen Kreisen selbst zu finden.
Wie Wilhelm Busch seinen Humor fand.
Wilhelm Busch, dieser größte deutsche Meister des grotesken Humors, wäre vielleicht nur ein guter Maler geworden, der sein Leben lang den Spuren seiner holländischen Lieblinge gefolgt wäre, wenn ihn nicht die ausgelassene Lustigkeit des Münchener Künstlerlebens zur Entfaltung seines komischen Talentes verlockt
Tiefe Münchener Künstlergeselligkeit im 19. Jahrhundert, die ihre höchste Blüte m den großartigen 'Festen und Auszügen fand, hat überhaupt befruchtend auf die deutsche Kunst gewirkt, und fein Geringerer als Gottfried Keller hat dieser Verpflanzung der Romantik ins Sehen im „®rüncn Heinrich" ein wundervolles Denkmal gesetzt. Die prächtigen Stammbücher^cer Äynftlernereinigungcn, die Karikaturen der c^est- zeitungen. die luftigen Chroniken und Lieder der Kneipblätter, alte Aufzeichnungen und cokrzzen sind in glücklicher Stunde für die Stunde hrn- getporfen. Als der bedeutendste unter diesen Meistern des Humors, die mit vollen Händen die Werke ihrer unerschöpflichen Laune aus- streuten, tritt uns Wilhelm B u I d) entgegen, der in diesem harmlos heiteren, satirisch kecken Kreise erst seinen Humor fanb._ Es war lic Künsllervereinigu ng „I un g- M ü n che n". die den Ruhm in Anspruch nehmen kann. Buschs einzigartige 'Begabung zur ersten Blüte gebracht zu haben. Ironie und Sattr?. herrschte in diesem QSunbc. dessen Vereinspost Zunächst nicht Buss.), sondern der luftige Otto ötoeger war, ein (^cric des Ulkes. von dem der Vereinsbruder gar manches in der Verbindung des Grotesk
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Ober-Mmgen 18.06 „ 1 Medn-Bchngenß 8.00 „ an Wb. ab7.40 .
Komischen mit dem Humoristisch-Schaudervollen gelernt hat. Dusch selbst trat zuerst hervor bet dem Arrangement des großen Festes, das „3ung- Munchen" 1862 veranstaltete und das den Titel „D a s Märchen" tragen sollte. Der spätere Vater von „Max und Mori tz" hatte die Idee ausgearbeitet und das Festspiel gedichtet In großen Gruppen, die sich an Schwind und Richter anlehntcn. zogen die wichtigsten Märchengestalten vorbei. Buschs Singspiel, das zur Aufführung gelangte, hieß „Hänsel und Gretel". Darin kommt ein Menschenfresser vor bet als .dicker Gourmand" eingeführt wird und bei feinem Auftreten die bewegliche Klage beginnt: „Man hätte so gern feine Ruh ' IInb raucht eine Pfeife Tobak dazu. Gleich schreit der Doktor: Entweder — oder! Spazieren oder das Leben verlieren! Drum lauf, du dicker Fettwanst lauf!" Der Dichter bewegt sich hter noch in den Spuren von Poeei und Gerbet, und ihm war auch bei der Darstellung dieses Festspiels recht katzenjämmerlich zumute. Mit dem Komponisten Krempelsetzer saß er hinter der Bühne und sachte den sinkenden Lebensmut mit Champagner wieder an.
Doch erwachen im Kreise von „Iung-Mun- chen" seine scharf-satirischen Gedanken und in einem Karikaturenalbum von „Iung-Munchen findet sich u.a. die erste Fassung feines. Het- ligen Antonius von Padua. Allmählich trennten sich die ausgelassensten Br'.der von Iung-Munchen und schufen den engeren Zirkel der ..D achtlicht er". dessen M-tglieoer .Dochte" hießen. Das hübsche Diplom mit Arabesken und Initialen zeichnete B-ich ebenso das Wappen, einen Hahn mit Hausschlüssel und Kerze. Beim „Dachtlicht" nächtigte man in klei-
Das neue Griechenland.
Don Emil Ludwig.
(Da<^>ruck verboten.)
Dur wer wiederkehrt, nicht to;r darin lebte, sieht unbefangenen Auges die Entwicklung einer Familie, eines Staates, und wenn man auch nie von der Hauptstadt auf ein Volk schließen darf, so kann man doch diese mit sich selbst vergleichen. Als ich Athen zuletzt verlieh, Ansang Februar, wars kein Verdienst. dieRepu blik zu prophezeien: heut' wäre es eines, den Bestand, noch mehr das Aus blühen dieser Republik vorauszusagen. In Athen ist es ruhiger geworden, ordentlicher, wohl auch etwas weniger Rot, leise fängt die herrliche Stadt an, den furchtbaren Schlag von Anno Einundzwanzig zu verwinden, die Viertetmiftion Flüchtlinge, die hier noch voriges Jahr halb auf der Straße lag, wohnt leidlich und ein Teil der fliegenden Händler, die den kalten Königspalast ohne König ergreifend umzirkte, ist verschwunden, ohne unterzugehen. Cs gibt wieder Blumen auf den Straßen und das große attische Veilchen wagt sich aus den Körben hervor, mit dem man hier noch im Weltkriege Blumenschlachten ausfocht. Leise beginnt sogar die Arbeit dort wieder, wo der Ehrgeiz dieser Städte historisch geworden: von der Ostfront des Pathenon ragen nun zwei mühsam aus echten, alten Stücken gebaute Riesensäulen in die Bläue, und wenn Perikies in acht Iahren den ganzen Tempel vollendete, so werden unsere Maschinen ebensoviel brauchen, um ein Achtel davon zu rekonstruieren. Indes, ein Land, das Trommeln aufeinander schichtet, beginnt behutsam zu genesen.
Man wird nicht über Dacht Republikaner, und dies feurige, pathetisch flal- kernde Voll kann sich eines Königs und namentlich einer Königin nicht von heute auf morgen entwöhnen. Was sagt ihm der tapfere Admiral, der hier in der Kulisse Präsident heißt, beherrscht von Offizieren und Advokaten, die noch immer um die Herrschaft streiten! Denn auch hier, tote in drei, vier größeren Ländern Europas, schwankt eine immer wechselnde Regierung vor dem vorgehaltenen Degen hm und her, und niemand bei uns interessiert sich im Grunde für die Damen, die als Protagonisten auf dem Theaterzettel stehen. Ietzt ist ein Mann an der Spitze, der nicht ohne Ehrgeiz Dapoleon und Cäsar studiert und zitiert: vielleicht hält es dieser länget aus, als die rasche Dahn seiner Vorgänger glauben ließe. Die Satrapen des Kreters zanken sich um die Erbschaft und bei der Anzahl venizelistischer Parteien erinnert sich der Schüler Goethes wohl des Verses, den dieser nach Dapoleons Sturz sekretierte: „Doch ließ sich nur der Eine bannen, wir haben jetzt hundert Tyrannen!" Parteihäupter gewiß: aber alle werden vom immer noch mächtigen Militär und mehr noch von der Furcht vor ihm beeinflußt. Als vorige Woche hier ein Putsch mißglückte, geschah das nicht, weil er unmöglich geworden, nur weil er schlecht gemacht war. Wo auf dem Balkan wäre heute Sicherheit!
Veniselos felbft vermochte sie nicht zu garantieren, urtb er war doch der Klügste. Fragt man hier, was diese wahrhaft antike Tragik- komödie verschuldet hat: warum der stärkste Mann dieses Bolkes, endlich am Ziel, endlich ohne geborenes Oberhaupt über sich, die Zügel nicht ergriff, die er solange unsichtbar führte; fragt man, warum Veniselos am Ziel den Hut zog und zu Schiff nach Frankreich ging, so lächeln seine Freunde und Feinde: jene haben ihn vertrieben, diese hätten ihn recht gern behalten. Alte Cliquen, die noch von Kreta her ihn umlagerten, lästige, eifersüchtige, auch jüngere Freunde entledigten sich ihres Meisters. Das Volk aber ließ ihn ziehen, wie einst Themistokles. 3m Angesichte dieser tragischen Verkettung wäre man gestimmt, Klage zu führen, wenn nicht der immer muntere, stets überraschende Griechengeist eine neue Möglichkeit erfunden hätte: „Veniselos? Der kann zurückkehrcn, aber nur, wenn er uns einen neuen König mitbringt!"
Das ist mehr als ein Bonmot, wenn auch noch lange keine Gefahr. Senn soeben ist etwas geschehen, was alle politischen Gemüter Athens aufregt, und kein Schuhputzer hier ist unpolitisch. Serbien hat daS 1913 auf zehn Iahre geschlossene Bündnis gekündigt. Gehalten haben es beide Staaten im Grunde nie, denn weder ist Griechenland den Serben im August 1914, noch sind diese den Griechen im Korfu- konflikt beigesprungen. Statt nun, wie das der selige Dreibund getan, auf Grund von Verhandlungen das Bündnis abgewandelt zu erneuern, kündigt cs brüsk vor aller Augen: man fragt, warum? Die meisten glauben an eine geheime Verpflichtung gegen Mussolini, die Klügeren sehen Larin nur ein Press ionsmittel
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Der Kampf um Nom.
Von unserem römischen ^-Korrespondenten.
R o m, 6. Ianuar 1925.
Die faszistische Götterdämmerung ist da — aber sie wird von einer künstlich entfachten neuen Revolutionswelle überlodcrt. Dicht spontan aus der „Masse" hervorgebrochen ist diese berühmte, seit Iahr und Tag angedrohte feconba ondata. bie Bewegung wird vielmehr besetzlsmähig weilergetrieben, um die von allen bisherigen Hilfstruppen verlassene, nicht mehr von der Volks- gunst getragene Partei der Schwarzhemden vor dem Untergang zu bewahren. Aufrechterhaltung her Macht durch Gewalt — das Kennzeichen unterer Zeit. Im Kampf unt Rom durch den Rücktritt Salandras als Präsidenten der italienischen Völkerbundsdelegation symbolisiert.
Im letzten Augenblick, als er erkannte, daß et- mit feiner Dahlreform zwischen Scylla und Charybdis geriet, hat Mussolini mit einem Ruck, der an Kühnheit nur von seinem Dekennermut übertroffen wurde, das Steuer herum- geworfen, die Parlamentär.fche Ausfahrt, die man ihm bereitwillig öffnete, verschmäht und damit wieder den gewaltigen Wind der Oktoberlage in die Segel bekommen. Wohin die Fahrt geht, liegt allerdings im Dunkel. Der Diktator mag vielleicht Recht gehabt haben, als er aus- rief: Wie habt ihr euch getäuscht, o Signori, als ihr den Faszismus schwach glaubtet, weil ich ihn niederhielt! — aber sicherlich ist nun er im Irrtum, wenn er glauben sollte, mit der Unterdrückung dieser Signori sei der Kampf zu Ende. Dein, jetzt beginnt erst der Kampf in feinetf vollen Schwere. Gewiß, Muffolini kann sich auf die erfolgreiche Wilsonfche ßofung „Gewalt, Gewalt bis zum Ende!" beziehen, allein, seine Gegner haben aus Versailles gelernt. Sie wissen, daß heute zertreten wird, wer den Dacken beugt und weisen daher den Gedanken an Kapitulation weit von sich. Unheilschwanger beginnt das „heilige Iahr".
Dur, daß man jetzt klarer sieht. Aus bem normalisierenden und reformierenden, friedliebenden und gesetzmäßigen Mussolini ist wieder der eiserne geworden, der unbeirrbare Duce, der unerbittliche Diltator. Als er in jener denkwürdigen Parlamentssihung vom 3. Ianuar ausstand und eine revolutionäre Rede zu halten versprach, als et die parlamentarische Eselshaut abstrerfte und der „Herr mit dem dicken Kopfe" zum Dor- fchein kam, der denn auch gleich mit Löwenstimme losdonnerte, da ging ein Aufatmen durch ferne Mannen, im Du flogen ihm wieder die schwankend gewordenen Herzen zu, das Haus dröhnte, die Luft zerfaserte unter den propellernden Atmen, unter dem ©turmlieb Giovinezza! Auch die Tribünen riß der Orkan mit — um aber, das ist bezeichneüd, viel stärker und einheitlicher cmzu- schwellen, als der König erwähnt wurde. Denn hier erhoben sich auch die bis dahin Enthaltsamkeit übenden Getreuen um ©iolitti, Orlan- do und Salandra. Das war Italien, das Vorhergsgangene war nur Faszismus.
Die Kammer als Tribunal: Mussolini verteidigte nicht nur seinen Kopf, er sprach nicht nur als Angeklagter und als Anwalt seinen Schwarzhemden. er war auch Staatsanwalt, nein, ein rächender Gott des Mythos. Quos ego! Er arbeitete mit zermalmenden Fäusten, mit speer- schleudernden Annen, mit zäsarischen Gebärden — immer den Daumen nach unten gedreht. Er wühlte mit wutverzerrtem Gesicht buchstäblich unter dem Tisch, um zu zeigen, tote niederträchtig man sogar unter der Erde — Matteottis Leichnam! — gegen ihn gewühlt habe. Unvergeßlich, wie er unter atemloser Stifte nach der Verfassung greift. Der ©olbranö des dicken Buches blitzt auf: Artikel 47 lautet: „Die Abgeordnetenkammer hat das Recht, die Minister des Königs in Anklagezustcmd zu versehen." Schwer sinkt das Buch herab. Mussolini hebt den schier versteinten mächtigen Kops und schwer, schicksalsschwer, jede Silbe ein Beilhieb, schneidet seine Frage in die Stifte:
„Domando ich frage in aller Form, ob in oder außerhalb Liefern Hause jemand ist, der diesen Artikel 47 angewendet wissen will?"
In einer Explosion macht sich die wochenlange Spannung Lust. Mussolini weicht also nicht! Weicht nicht unter dem Druck der furchtbaren Anklagen! Er packt den Stier bei den Hörnern! Sein Kraftgefühl wirkt unwiderstehlich, insonderheit bei den eleganten Damen, die. wie unten die Faszisten, so oben im Publikum die Mehrheit bilden — woraus zu erkennen, daß bei der besseren Hälfte auch der Sinn für Politik überwiegt.
Und da im hohen Haufe des Rumpfparlaments kein Kläger aufsteht und auch von außen keine diesbezügliche Stimme hereindringt, ist der starke Mann Meister Es soll freilich Dörgler
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J den 8. Januar 1925 Oberbürgermeister.
Rosenberg, lrbeitsvergebuna. Mtung emes Schutzdaches auf hmarchlatz m Aterbahnhof U fern und Versetzen von Setom ien unö die Ausführung bei 'beiten vergeben werden, ’ote aus Vordruck sind bis yim ar 1925 vormittags 10 Utzr im amt, Herweg Olr. 9. abzugeben. HnddaseHnlMch. Zuschlag;, rochen. [305B
en, den 7. Januar 1925. ötabtbauamt Braubach.
ikanntumchung. Gültigkeit vom 12. Januar 1925 die Züge 2\V und 5\V, die bisher schen Wngshaufrn und Lich Der- zwischen Grünberg und Lich durch, und zwar in folgendem Fahrplan:


