Ausgabe 
8.12.1925
 
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I einigen cnvec-

Wohn- wurde instand

geäschert, während die Feuerwehr das Haus retten konnte. 3n Heskem gestern in feierlicher Weise die neu gesetzte Kirche eingeweiht.

Kreis Biedenkopf.

konnte die chemische Fabrik Friedrichs- Hütte ihren Betrieb wieder eröffnen. Zahlreiche Arbeiter cnrS Ruppertsburg und ihn- gegend, die seither arbeitslos waren, haben nun wieder ihren regclmäfi.gen Verdienst. Anders ist eS bei den vielen Holzhauern, die infolge der grimmigen Kälte und des dicken Schnees ihrem Berufe nicht nachgehen können.

Starkenburg.

Fünf Opfer der (5'xvlosionSkntaftrophe von Neu-Jienbnrg.

WSR. Reu-Isenburg, 7. Dez. Das Explosionsunglück in Reu-Isenburg, bei dem bisher drei Tote zu beklagen waren, hat heute zwei weitere Opfer gefordert, so daß jetzt fünf Tote zu verzeichnen sind. Die Arbeite­rinnen Heil und Bratsch aus Reu-Isenburg, die infolge ihrer schweren Verbrennungen in das Krankenhaus eingeliefert wurden, sind am 6. rcsp. 7. Dezember ihren Brandwunden er­legen. Leider ist die Lebensgefahr, in der sich auch die drei anderen Verletzten befinden, noch nicht behoben. Es wird im übrigen mitgeteilt, daß die Inhaber der Feuerw.rkskörperfabrik ver­haftet worden find. Bei ihnen liegt ein grund­sätzliches Verschulden vor, denn sie haben gegen die Bestimmungen des Gewerbeauf- s i ch t s a m t s gehandelt.

Groß-Gerau. 7. 2)ev (WSR.) In König st ädten (Kreis Groß^Serau) hantierte ein 20jähriger junger Mann mit einem Tesching und schoß aus ..Scherz" einem 1 5 jäh­rigen Mädchen in den rechten Oberschenkel. Die Verletzung des Mädchens war glück­licherweise nur leichter Art: der Täter bekam es aber mit der Angst zu tun und ans Furcht vor Strafe ließ er sich zwischen Ro 'im und König st ädten von einem Eisenbahn- zug überfahren. Der Tod trat sofort ein.

Preußen.

Kreis Mard«rn.

][ Marburg. 7. Dez. Im nahen Dorfe Rieoerwalgern brach in dem Stallgebäude der Kriegerwitwe Rau Feuer au3. Die mit Füttern beschäftigte Frau erlitt schwere Brandwunden. Der Stall wurde total ein-

Befriedigung.

Kreis Alsfeld.

Homberg a. b. D., 7. Dez. Infolge un­genügenden Absatzes sah sich die Finna Scheid- hauer & Giesing veranlaßt, fast ihre sämtlichen Arbeiter zu e n t l a s s e n . Nur etwa 12, meistens ältere Leute sind zur Zeit noch in dem Ouarzitbruch oberhalb der Station Neu- Hans beschäftigt. Erfreulicherweise haben die Ent­lassenen zum größten Teil andere Beschäftigung gefunden.

Kreis Schotten.

Laub ach, 7. Dez. Der Vertreter der Handelskammer Fabrikant Karl Michel hat erreicht, daß bei der nächsten neuen Fahr­planaufstellung der Anschluß und Heber- gang von D-3ug 275 auf Pz. 512 in Gießen her­gestellt wird. Die Reisenden können dann 5.12 vm. mit- dem D 275 in Frankfurt abfahren und 7.42 in Laubach ankommen. Auf der letzten hiesigen Gemeindejagd wurden 18 Hafen' ge­schossen. ReuerdingS ist unter den Fuchsen wieder die Räude festgestellt worden.

)( R u p p e r t s b u r g, 7. Dez. Das seltene Fest der goldenen Hochzeit feierte der hiesige Landwirt August Högy l. Er steht im 74.. seine Frau im 71. LebenSiahre. Beide sind verhältnismäßig rüstig, trotzdem sie w.ederMt schwere Erkrankungen durchgemacht haben. Sie erfreuen sich zweier Söhne. 1 Tochter und 5 Enkel, die sämtlich den Feierlichkeiten im HvchZctts- hause beiwohnen konnten. Zahlreiche Glückwünsche erfreuten die alten Eheleute. Am Abend eyrte der hiesige Männergesangverein das Jubelpaar durch ein Ständchen. Die Sam.he Höoh, ursprünglich geschrieben Hoegii, wird um» Iahr 1680 zum erstenmal in hiesigen Kirchen­büchern erwähnt und stammt wahrscheinlich aus den Tälern der Waldenser oder der Schweiz. Die Ehefrau des IubilarZ ist eine geborene Goß. Auch ihre Vorfahren sind hier eingewandert. Im Iahre 1702 wurde Matthäus Goß. ein Maurergeselle cruS Leoben in der Steiermark, mit Anna Bar­bara Dingmann von hier getraut. Elf Iahre später heiratete auch sein Bruder Io^inncÄ Goß. ebenfalls Maurer, hierher. Endlich

late. Vieles geht ins Ausland. z. D. nach England und in die nordischen Lcmder. ^rDelmev Eisenwerkes ist recht lebhaft. Deschäft.gt sind etwa 800 biS 900 Arbeiter aus nah un£> fern, denen das Werk lohnende Arbeit kctet Eine neue Fabrikhalle ist zur Zeit im Dau begriffen, sie wird noch weitere hundert Arbeiter aufneh­men können. Das Hirzenhainer Grsenw.rk, das sich in den letzten 25 Iahren getoaltig auß- gcbcbnt hat, ist ein Segen für einen großen Teil des Vogelsberges geworden.

:: Berstadt. 5. Dez. Auch hier war die Bautätigkeit in diesem Iahre recht regL Vier Reub>utcn tourben im Lause deS Sommers errichtet. Ein stattliches Haus hat ein-hiesiger Mekaer tn der Bahnhof,traße erstehen lassen, während die anderen drei in dir neue Baulinie in der Dismarckstraße au stehen tarnen. Da Durch unser Städtchen der Verkehr von Fried­berg nach Hungen, also die Hauptdurch^angS- straßen der Wetterau geht, s Tagen im Zeichen des .

kehrs. Teils sind es Vergnügungsfahrten, Die jetzt im Winter, wo die bäuerliche Arbeit ruht, ausgeführt werden, bieten sie doch auch gleich­zeitig den Pferden die notwendige Bewegung, um Rierenschlag und andere Gefahren zu ver­meiden -, teils sind es auch Veoarfssahrten. da jetzt Milchkutscher, Müller und andere regel- mäßig- verkehrende Fuhrleute den Schlitten be­nutzen. DefenderS seitdem der Schnee durch den stärker einsetzenden Frost fest geworden ist, hat sich eine prachtvolle Fahrbahn geb Wetz K em Wunder denn, daß auch gar mancher Schlitten hervorgesucht wird, der längst unter Stroh zu- geschlagen war. da der Wetterau nur feiten länger anhaltende SchneepericäXM vergönnt sino.

5. Dauernheim,7. Dez. Dem hiesigen Orts- geistlichen, Pfarrer W i l h. K o r e l l, der annähernd 16 Jahre in unserer Gemeinde segensreich wirkte, ist die Pfarrstelle zu N e ck a r st e i n a ch, in welcher er schon als Pfarroerwalter amtierte und sich dort Liebe und Zuneigung erwarb, übertragen worden. Gestern, am 2. Advent, hielt er hier feine Abschieds- predigt, der er als Text Lukas 9, 16 zugrunde gelegt hatte. Das Gotteshaus war dicht gefüllt. Der Männer-, Schüler- und der von Frau Pfarrer K o - r e l l gegründete Mädchenchor trugen stimmungs­volle Gesänge vor. Es fiel Herrn Korell sichtlich schwer, seiner inneren Ergriffenheit Herr zu werden. Die Gemeinde wünscht ihrem treuen Seelsorger in seinem neuen Wirkungskreise alles Gute und volle

][ Gladenbach, 7. Dez. Bürgermeister Ferd. Köhler ist, 58 Iahre alt. gesto.rben.

Maingau.

WSR. Frankfurt a. M., 7. Dez. Heute nachmittag hat sich in einem Kleinkinder­gar t e n im Stadtteil Bornheim eine schwe­re Gasvergiftung ereignet Rachb?m Mit­tagessen, als die kleinen Pfleglinge zur Ruhe gebracht worden waren, füllte eine 18jährige Kleinkindergärtnerin ncdynaB den großen Ofen mit Koks nach, wobei sie wahrscheinlich ver­gessen hat den Ventilator einzustellen. Als gegen 4 Tlhr nachmittags eine andere Kindergärtnerin den Raum betrat fand sie den ganzen Raum mit Kohlenoxtzdgas angefüllt Mit Hilfe der so­fort alarmierten Rachbarschaft wurden die Kinder in andere Räume gebracht und für frische Luft gesorgt Die Wiederbellbungsverfuche der Ret­tungswache waren von Erfolg gekrönt: immer­hin mußten 12 Kinder im Alter von 47 Jahren, darunter drei im bewußtlosen Zu­stande. im Krankenhaus eingeliefert werden. Man hofft, daß die Kinder am Leben erhalten werden können. In der Bevölkerung hat der Vorfall große Aufregung hervorgerufen. In der letzten Zeit tritt hier eine ungefähr 35 Iahre alte Frauensperson auf, die in Wirtschaften auf ihren angeblichen Ehe­mann warten will, der aber nicht kommt Rachdem sie längere Zeit gewartet hat, übergibt sie dem Kettnvr Pakete mit wertlosem Inhalt zur Aufbewahrung und läßt sich gleichzeitig auf diese Pakete ein Darlehen geben. Sie ver­gißt stets das Wiederkommen. In letzter Zeit mehren sich hier die D i e b st ä h l e besonders in den höheren Schulen. Es werden nicht

nur Mäntel gestohlen, sondern auch andere Gegen­stände, welch; sich dort auf den Gängen bei der Garderobe befinden.

Turnen, Sport und Spiel.

Aus dem Turngau Hessen.

Butzbach, 7. Dez. Gestern fand hier die zweite dieLwinterliche Bezirksvorturner- stunde des 5. Dezirks im Turngau Hessen unter der umsichtigen Leitung der Bezirktumwarte Hartmann- Bao-Nauheim und Lang- Lang­göns statt. Etwa 41) Turnwarte und Vorturner nahmen daran teil. Der Besuch hätte besser fern dürfen, waren doch mehrere der 25 Bezirksvereine überhaupt nicht vertreten. Durchgeturnt wurden die für die nächstjährigen Gauveranstaltungen bestimm­ten Ordnungs- und Freiübtmgen, ferner war der an Reck, Barren und Pferd für diesen Winter vor- geschriebene llebungsstofs Gegenstand eingehender Belehrung, besonders in turnsprachlicher Hinsicht. Für das Geratewetturnen des Bezirks sind die Wett- tompsübungen bereits bekannt. Für die Turner ist ein Neunkampf, für die Jugendoberstufe em Acht- kämpf, für die Iugendunterstufe und die Schüler cm Siebenkampf oorgcschrieben. Die vorgefehenen Hebungen an den einzelnen Geraten wurden durch- geturnt und kritisch besprochen. An die Turnstunde schloß sich eine Besprechung an, die vom 1. Bezirks lurnmart Hartmann geleitet wurde. Er sprach sein Bedauern über das Fernbleiben einiger Der- eine aus, die zum Teil auch schon bei der 1. Bezirks- vorturnerftunde durch Abwesenheit geglänzt haben. Ferner wurde es im Interesse einer gediegenen Vorturnerausbildung als nicht zweckmäßig bezeich- net, daß von einzelnen Vereinen zu jeder Vorturner­stunde neue Vorturner entsandt würden. Für das Gerätewetturnen des Bezirks, das am 7. 3. stattfinden soll, hatte sich Steinfurth gemeldet, woselbst in dem neuen Hengstschen Saal für der­artige Veranstaltungen eine geeignete Stätte ge­schaffen ist. Aus verkehrstechntschen Gründen ent- schied sich die Versammlung aber doch dafür, das Hallenturnen wie in den Vorjahren wieder in Bad- Nauheim abzuholten. Die beiden dortigen Turn- vereine wurden mit den Vorbereitungen beauftragt. Für das volkstümliche B e z i r k s t u r n f e ft, das in der ersten Junihälfte veranstaltet werden muß, lagen Meldungen von Dorn-Afsenheim und Ober-Mörlen vor. Da eine Einigung zwei- schen den Bewerbern nicht erzielt werden konnte, mußte abgestimmt werden. Die Mehrheit der Stimm­berechtigten war für Ober-Mörlen. Der dortige Turnverein wird mit der Bezirksveranstoltung die Feier feines 25jährigen Bestehens verbinden. Feuer- stein-Ober Mörlen forderte darauf unter Hinweis auf die hohen Ziele der D. T. zu reger und fleißiger Winterarbeit auf, und O e r te l - Nieder-Wöllftadt berichtete über feine Eindrücke, die er bei den Neuendorffchen Vorführungen in vergangener Woche in Frankfurt gewonnen. Im Sinne des bekannten Turnerführers trat er für stärkere Betonung der Pflege turnerischen Geisteslebens ein. Auch die Schlußworte des Bezirksturnwarts waren in diesem Geist geholten. Er forderte die Turner auf, ab und zu ein gutes turnerisches Buch zu lesen, nicht nur Lehrbücher, sondern auch Schriften, die mit dem Wesen und den Einrichtungen der D.T. bekannt machen. Beschlossen wurde, tm Januar eine außer­planmäßige Deztrksturnstunde zu veranstalten. Für den gleichen Tag wird dann der Bezirksvertreter. Studienrat Schuchmann -Friedberg, die Der- einrvorsitzenden auch zu einem Dezirksvertretertag einladen.

Kunftturnwettkampfe.

vo. In Essen (im Städtischen Soalbau) fand am Sonntag der diesjährige Wettkampf der Kreise Rheinland und Westfalen der Deutschen Turnerschaft statt. Es erhielten Westfalen 1562, Rheinland 1528 Punkte, so daß der westfälische Kreis mit 34 Plus-Punkten siegle.

Der Gerätewettkarnpf WürzburgNürn­bergMünchen am Sonntag in Würzburg wurde von der einheimischen Turngemeinde mit 397 Punkten vor Tv. Nürnberg mit 396 P. und Mtv. München mit 395 P. gewonnen.

Der Kunstturn-Mannslhaftskampf München 1860Pirmasens in München endete unent­schieden 814:814 P.

Der Kampf

Breilensträter Diener.

Der Kampf zwischen Brei ten st röter und Diener, der am 10. d. M. stattfinden sollte, ist auf Grund eines Beschlusses des Verbandes deut­scher Faustballkämpfer auf den 10. Januar ver- schoben worden.

Die Krarikhettsziffern steigen!

Der Krankenkastenverband für Stadt und Kreis Gießen schreibt uns.

Die ^Arbeiter-Versorgung", Zeitschrift für die gesamte Sozialversicherung Nr. 34 vom 1.12.1925, enthält folgende Bemerkungen

Das Jahr 1924 ist für oie Krankenkassen als ein ungünstiges bezeichnet worden. Die Verhältnisse bei den Kaffen haben sich aber im Jahre 1925 noch wesentlich verschärft. Seit Monaten ist ein dauern­des Stetgen der Krankenzissern zu verzeichnen. Während statistische Erhebungen ergaben, daß am 1. Januar 1925 der Prozentsatz der Arbeitsunsähigen zur Mitgliederzahl durchschnittlich 3,60 Proz. betrug, ist sestgestelll. daß sich das Prozentverhälmis heute auf 5 Prozent erhöht hat. Diese Vorgänge muffen mit ernster Aufmerksamkeit verfolgt werden. Die Besorgnis der Krankenkassen, daß sie bei weiterem Steigen der Krankenzissern die Leistungen abbnucn müssen, ist nicht mehr unbegründet. Bei erhöhtem Krankenstand steigen ohne weiteres die Ausgaben für ärztliche Behandlung, für Arznei und Kranken­geld, außerdem finken die Einnahmen, da die Ar­beitsunfähigen bettragefret sind. Es gilt der Frage nachzugehen, wodurch das Steigen der Krankenzif- ern bedingt wird. Allgemein kann wohl gesagt wer­ten, daß in erster Linie die wirtschaftlichen Verhält- nisse Ursache sind. Die durch Arbeitslosigkeit, Streiks und Aussperrung in der Ausübung ihrer Berufs­arbeit behinderten Werktätigen werden versuchen, den entgehenden Arbeitsverdienst wenigstens zum Teil durch Bezug von Krankenunterstützung aus- guglcichen. Die Kossenvorstände versuchen deshalb alles, um die Versicherten über die Schädlichkeit sol­chen Verhaltens aufzuklären, und die Organe der Kassen warnen dringend vor den Folgen, die un­berechtigte Inanspruchnahme der Kassenleistungen nach sich ziehen müssen.

Wenn berücksichtigt wird, in welchem Ausmaß die Leistungen bei den Krankenkassen ausgebaut worden sind, und wenn weiter beachtet wird, daß die Mehrleistungen nur aufrechterhalten werden können, wenn die Krankenkassen von Finanzkrisen, die auch durch erhöhten Krankenstand herbeigesührt werden können, verschont bleiben, so müssen die Versicherten selbst zur lieber,,eugung kommen, daß es in ihrem Interesse liegt, die Krankenkassen nur dann in Anspruch zu nehmen, wenn es unbedingt erforderlich ist. .

Bei einer Ortskrankenkasse des hiesigen Bezirks betrug der Krankenstand am 1. November 3,4 Pro­zent, heute 5.2 Prozent. Krankengeld wurde im No­vember pro Woche zirka 4700 Mk., heute zirka 9000 Mark bezahlt. Wenn man berücksichtigt, daß die mo­natliche Beitragseinnahme ungefähr 57 000 Mark beträgt, dagegen zur Zeit an Krankengeld allein 40 000 Mk. bezahlt werden, so dürste es jedem klar sein, daß die Kaffe die von ihr zugunsten der Mit- glieder cingeführten Mehrleistungen nicht mehr lange ausrechterhalten kann.

Wirtschaft.

Don den deutschen Schlachtvieh- Märkten.

An den deutschen Schlachtoiehmärkten der vori­gen Woche war der Handel auf allen Gebieten langsam bis oerschiedenllich schleppend, nur Schweine hatten ganz vereinzelt guten Handel zu verzeichnen. Die Auftriebsziffern zeigen für Rinder und Kälber eine beträchtliche, für Schafe eine ge­ringere Abnahme, wahrend bei Schweinen eine starke Zunahme des Austriebs festzustellen ist. Die Preisbildung war bei Rindern, Kälbern und Scha­fen ziemlich uneinheitlich, wenn auch in der Haupt­sache eher zur Abschwächung neigend: bei Schweinen war die Tendenz zur Abschwächung ausge- sprochener.

Auf den nachstehenden Märkten wurden für ein Pfund Lebendgewicht in Pfennigen notiert:

Rinder Kälber Schafe Schweine

Berlin

2056

4093

2952

7890

Breslau

1853

4768

3051

7291

Bremen

2556

3890

3050

7085

Chemnitz

1854

4574

3046

7595

Dortmund

15-53

4090

2253

7588

Dresden

2560

4572

26-60

7098

Düsseldorf

25-63

5090

3843

8093

Elberfeld

20-58

5085

3055

8090

Essen

25-60

4590

3048

8089

Frankfurt

1360

3570

2450

7090

Hamburg

1455

3095

2046

6682

Hannover

1552

3085

2045

70-88

Karlsruhe

18-58

6572

8090

Kassel

2057

4055

7592

Kiel

18-53

27-68

2045

49-89

Köln

2060

5282

2540

7491

Leipzig

2055

3467

2055

7695

Franziska.

Roman von Qiedbet ® i l L

14. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Hasse blleb beunruhigt und zerstreutz er hörte kaum auf die reizende Musik, die das Vorspiel einleitete, und auf den Gesang der Studenten, Hoffmann gab ein neuer Tenor, mit einer kurzen Rase und einer wundervollen Stimme, so daß man sein etwas unglückliches Aeußere völlig vergaß. Er sah den ersten AU gleichgültig an Eine bunte, duftige Schar Drängte sich um die Puppe, eine hübsche Soubrette, die diese Rolle so bezaubernd gab, daß der Beifall kein Ende nehmen wollte. Es war heute alles in Stimmung, die neue Saison begann, der 'Win­ter die frühdunklen Abende. Eoppeliu- gab Stephansberger. Er spielte salopp, roh, als ob ihm diese Rolle keiner Mühe wert sei, fetn prachtvoller Vaciton schälte sich aus dm anderen Stimmen heraus, und Hasse, der der Buhne sehr nahe sah, in der ersten Orchestersesselreiye, hatte daS unangenehme Gefühl, als ob er ihm spöttische Blicke zuwerse. Aber es war nur eine Ange- wohn Helt des Sängers, der bei einer Sr^auf- führung niemals den Text kannte und aus Rer- vofität über den Souffleurkasten hinweg irgend­einen Menschen in der vorderen Reihe ins Auge faßte.

Der Vorhang hob sich zum zweiten Aktz Die Harfen fielen ein zu der feinen Serenade. In einem verschwenderisch mit Teppichen ver­hangenen Gemach lag Franziska, einen silbernen Spiegel in der Hand, auf einem von weißem Zell überdeckten Lager. Sich in den gelbseidenen Kissen dehnend, spielte sie lächelnd mit dem S)aar des rothaarigen Verwachsenen im Frack, per zu ihren Füßen kauerte. Hasse durchzuckte es sie dort liegen zu sehen, in derselben Stel­lung. mit demselben Lächeln, auf demselben Lager, demselben Fell, das er alle« kannte. Ihre Stimme schien einem neuen Menschen anzugehören, so klar und sicher llang sie heute. Aber es war hoch dieselbe Franziska, von der er jede ihrer

lässigen, weichen Bewegungen kannte.

So gewiß es ist, daß die Eiseskälte des Zuschauers die Künstlerin lähmen kann, so sicher spürt sie die Begeisterung der Zuhörer, wenn sie sich auch nicht einmal durch einen Ausruf äußert, bis zur Bühne hinauf.

Das Publikum starrte diese Giulietta, die man bisher nur auS unbedeutenden Rollen lärmte, an wie eine neue Erscheinung. Es ging eine Glut von ihr aus, in jebem ihrer funkeln­den Blicke schien sie einen Blick aufzusangen, wenn sie sich langsam drehte, die Spiegel betrach­tend, gleißte ihr Körper, der in eine rumnbe- stlckte grüne Schlangenhaul gewickelt war. Sie muß studiert haben. Was hat sie so verändert? zuckte eS ihm durch den Kopf, wer ist cm dieser Verwandlung schuld? Sie war begehrenswerter geworden. Das plastische Rätsel ihrer Schönheit noch geheimnisvoller unb anziehender. Ihr Kopf mit ber niedrigen Stirn, der geraden Rase, den geschwungenen Augenbrauen waren so fest, so antik gezeichnet, als seien sie aus dem Rahmen einer alten Medaille getreten. In Augen und Mund fand er einen seltsamen Kontrast, jenen leidenschaftlichen, gespannten, unschlüssigen Aus­druck, den nur ein moderner Geist wiedergeben kann.

Wir weicher, fast tierischer Grazie bewegte sie den weißen Körper, man sah ihre Brust sich unter der grünen funkelnden Gaze heben.

Ein anderer besitzt sie und wird sie besitzen, dachte Hasse, und mit furchtbarer Deutlichkeit stieg ihm das Bild vor Augen. Er hatte sich vorgcbeugt. um ihr Gesicht zu sehen, das hell­beleuchtet sich ihm zuwandte, da stutzte sie, er sah es deutlich, sie griff fest in elnS der seide­nen Kissen, dann glitt ein Lächeln über ihr Gesicht, ein verzeihendes und um Verzeihung bittendes.

Dann breitete sie die Arme aus, und der blonde Deutsche, Hoffmann, der Tenor, stürzte ihr entgegen. Ihre Augen schauten über seinen Kopf hinweg nach ihm herunter, älnd dieser Blick sagte ihm, ich habe verziehen. Er sah Stephansberger emtreten, stattlich und elegant,

in schwarzscidenen ESkarpinS und rotem Frack. .Den Schlüssel, mein Herr, den Schlüssel.. Eifersucht, Rache. Der schwarze Schlemihl schlich heran mit seinem teuflischen Lächeln. »Den Schlüssel zu meinem Zimmer hat er", Giulietta schmiegt sich an Hoffmann, den sie liebt, mit einer Bewegung, so bezeichnend, so verheißend, daß Worth, entgegen seiner sonstigen Art, Rand­bemerkungen zu machen, bisher ganz still bage- sessen hatte, plötzlich vor sich hin bemerkte:Ich wußte gar nicht, baß Schlüsse in Italien eine Rolle spielen." Wie in einem Fieber wartete Hasse darauf, daß Franziska noch einmal den Blick zu ihm wandte, währenddessen fühlte er sein Herz schlagen, es war, als hinge alles von dieser einzigen kurzen Sekunde ab, er wehrte sich nicht mehr gegen den Zauber ihrer Stimme, er trank die weichen, silbernen Töne in sich hinein und genoß daS entzückende Bild, bas sie ihm gab, wie ettoaS, daS er kannte und den­noch nie gesehen hatte. Ihre Stimme llang klar wie Silber, weich und dehnbar, sie spielle fast unbewußt, vielleicht brauchte sie gar nicht $u spielen, dachte er mit einer leichten Bitterkeit. Die Operngläser waren alle in Bewegung, ein älterer Herr in der ersten Reihe gebärdete sich so entzückt, daß er Den älnwillen feiner Rachba- rinnen erregte, und mitten In den zarten Lie­besgesang Giuliettas sagte ein dicker Italiener in der ersten Parkettreihe aus vollem Herzens­grund laut:Brava!

Es herrschte atemloses Schweigen in dem übersüllten, warmen Theater, die Fächer be­wegten sich nichtz die Geschmeide blitzten nicht mehr, die Operngläser standen fest an den Augen, diese Giulietta interessierte alle, es ging eine Glut von ihr aus, die auf die Zuschauer über­strömte. wie glcKfrfam von einem feurigen Strom Wärme ausstrahltz

Plötzlich bemerkte Hasse, daß sie, während sie sich an Hosftnann lehnte, ihr Blick sich in den seinen heftete und aufglänzend darin ver­schmelz.Ich liebe dich."

Das Publikum raste vor Entzücken, als der Vorhang fiel. Franziska kam, daS glitzernde

Gewand gerafft in ihren rosa Schuhen vor den Vorhang und verbeugt sich. Große Bukette aus Rosen und Flieder flogen ihr vor die Füße, und ein Theaterdiener reichte ihr einen Blumenkorb herauf. Dr'imal wurde sie gerufen, dreimal kam sie, heiter lächelnd. stolz und dantte.

Als der Vorhang sich fentte, berührte Hasse jemand an der Schulter.Den letzten Akt wollen wir uns schenken," schlug Worth vor,die An­tonia singt eine unbekannte Größe." Hasse er­hob sich taumelnd.

Er blieb schweigsam auf dem Heimweg, wäh­rend Worth die Ausführung kritisierte.

Don der Rott wird man Immer Heber* raschungen erleben," sagte er.In solchen aus­gefallenen Rollen glänzt sie, aber eine Eben­haufen wird sie nie."

Sicher nicht", sagte Hasse.Da sie oft Rollen geben muß, die sie nicht beherrscht. Ich farm mir die Ebenhausen als Salome zum Bei­spiel nicht vorstellen, die Rott aber sehr gut.

®ie S-lome", erwiderte Worth,wird sie hier nie in Verlegenheit zu geben kommen. So­lange Wohlgemut den Taktstock schwingt, kommt ihm kein Strauß hinaus."

Dann sprachen sie von anderen Sachen.

Es regnete; Hasse stand, die Stirn an die Scheiben gebrüeft, und sah zu der Stadt hin­unter. Die Bäume längs der Mauer betoegten sich, schon halb entblättert, schwärzlich und röt­lich im Wind und Regen.

Der Himmel verdunkelte sich, die Wollen schienen sich tiefer auf die Dächer zu senken und die Kuppeln und Spitzen der Kirchen zu

berühren.

Wenn man in dieselbe Stadt zurückkehrl. in der man geliebt und gelitten hat, fangen Käufer, Straßen, alle Brunnen, die Laternen, die Menschen, die uns begegnen, an zu sprechen, Zweifel steigen vor uns auf urck> nagen an un­serem verwundeten Herzen, Fragen, die uns gequält, lösen sich plötzlich, andere, die die Zeit bereits gelöst, kommen wieder, um sich uni auf bis Brust zu sehen. Man kommt besser nie wieder in eine solch« Stadt zurück. (Fortsetzung folgte