Ausgabe 
8.12.1925
 
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auch der unparteiischen Arbeit der Untersuchungs- iDirrmiffton. Dann weist Kalkoff darauf hin, dast Bulgarien durch seine Abrüstung in einer besonders schweren Lage fd. Es sei nicht das erste Mal, daß die griechische Regierung Dor- würfe gegen die Ävmitatschis erhoben habe.

Die Uniersuchungen der bulgarischen Regie­rung hätten aöer ergeben, daß die Banden, die dem Feind stets als Dorwand für böswillige Angriffe gegen Bulga­rien dienten, in keinerlei Beziehung zur bul­garischen Regierung ständen. Die schwlerige wirt­schaftliche Lage Bulgariens treibe viele seiner Bewohner zur Verzweiflung. Die Regierung tue alles, was sie nur könne, um die Lage ihrer schwer geprüften Bevölkerung zu erleichtern, doch bcsürchte sie, daß sie allein dieses Ziel nicht er­reichen werde. Die bulgarische Regierung sei im we'entlichcn mit den Dorsch'.ägen der Kommission einverstanden, doch sei die Zahlung von 30 Millionen Levas, zu dem Griechenlaird ver­urteilt wurde, zu gering. Frieden und Ord­nung werde nur dann auf dem Balkan herr­schen, wenn die durch die Friedensvorschläge vorgesehene allgemeine Abrüstung ver­wirklicht werde.

Der griechische Außenminister R e n t i s nahm ebenfalls im' wesentlichen die Vorschläge der Llntcrsuchungskommission und insbesondere die zur Vermeidung neuer Zwischenfälle an und be­handelte dann in sehr ausführlicher Weise die Minderheitenfrage. Rach seiner Dar­legung liege der eigentliche Grund deS griechisch- bulgarischen Konfllltes in der Frage des Zu­gangs Bulgariens zum Aegäischen M e e r e, ein Ilmstand, der von dewUntersuchungS- tommission des Völkerbundes überhaupt nicht berührt worden sei. Bulgarien habe leider das Angebot, das die griechische Regierung auf der letzten Völkerbundsversammlung gemacht habe, leine Folge geleistet, da eS einen territoria­len Korridor durch das griechische Gebiet hindurch verlangt, während ihm durch die Der- rräge nur ein wirtschaftlicher Zugang zum Aegäischen Meer von den Mächten garantiert worden sei. Im weiteren Verlaufe seiner Dar­legungen versuchte Rentis zu beweisen, daß Bul­garien noch nicht völlig abgerüstet fei, und daß es die militärischen Bedingungen des Vertrages von Reulllh noch nicht völlig erfüllt habe.

Griechenland könnte sehr wohl der Meinung sein, daß es das Rocht habe, gewisse Zwangsmaß­nahmen gegen Bulgarien zu ergreifen, um die drohende Kriegsgefahr zu vermeiden. Trotzdem nehme er die Darstellung der Untersuchungskommis­sion über die Vorgänge, die zum gnechisch-buloa- rischen Konflikt führten, debattelos an, müsse aber erklären, daß die Entschädigungsforde- rungen Griechenlands durchaus berechtigt seien.

In der Nachmittagssitzung erklärte der Vor­sitzende der Untersuchungskommission Sir chorace R u m b o l d im Namen der Kommission, der Bericht sei e i n st i m m i g von ihr abgefaßt. Sie sei nicht gewillt, chn abzuändern. Der griechische Vertreter, Rentis, verlangte eine neue Erklärung der bulga­rischen Regierung, daß sie ihre Abrüstungs­verpflichtungen, die ihr der Vertrag von Neuilly auferleye, hallen werde. Der Vorsitzende Scialoja rotes die Forderung des griechischen Vertreters zurück. Es sei selbstverständlich, daß ein Staat seinen vertraglichen Verpflichtungen Nach­komme. Slr Austen Chamberlain schlug die Vertagung der Verhandlungen und die Einsetzung einer "D r e i e r k o m m i s s i o n zur Formulierung einer Resolution in einer späteren Sitzung vor. Die ^Schlichtung des vorliegenden Streites bedeute einen »Präzedenzfall in der Rechtsprechung des Dölker- ^bundsrates und bedürfe deshalb einer sorgfältigen ^juristischen Behandlung. Ehamberlain, Hymans und Gras Jfhii werden mit dieser Aufgabe betraut. Der Rat vertagte sich auf Dienstag. Auf der Tagesordnung steht die Mossulfrage.

Der Mossulstreit.

Der Mossulkonllikt zwischen England und der Türkei dreht sich um die Auslegung des Artikels des Lausanner Friedensvertrages, der die Regelung der Mossulgrenze zwi­schen der Türkei und England auf dem Wege friedlicher Behandlung verweist und im Falle der Richteinigung den Fall dem DolkerbundS- rat überweist. Die indirekten Verhandlungen zwischen den beiden Ländern führten natürlich zu keiner Einigung, so daß der Völkerbundsrat im Sebtember 1924 eine Sonderkommis- sion einsehte, die an Ort und Stelle Feststel­lungen machen sollte. Du'- Grund deS umfang­reichen Berichtes dieser Kommission nahm der Völkerbundsrat. die Prüfung der Frage im Sep­tember 1925 wieder auf, konnte aber zu keinem Ergebnis kommen, weil sich die Ansichten der Engländer und Türken noch schroff gegenüber- standen, daß eine Einigung unmöglich erschien. Während England den Standpunkt vertrat, daß der DölleroundSrat eine endgültige Entscheidung zu fällen habe, beharrte die Tür­kei bei ihrer Ansicht, daß es sich nur um eine Vermiitelungs-Aktion des Rates, aber um keine bindende Entscheidung handeln könne. Der DöllerdundSrat überwies diese Streifrage an den Weltschiedsgerichtshof, dessen Gutachten zugunsten der englischen Auffassung ausgefallen ist, so daß also der Döllerbund in seiner jetzigen Sitzung den Versuch machen wird, eine Entscheidung herbeizuführen.

Die bisherige unentschlossene Haltung des Rates gibt allerdings keine Gewißheit dafür, daß auch wirllich diesmal eine endgültige Ent­scheidung gefällt wird Sie wird immer wieder an der Haltung der Türkei scheitern, die dar­über keine älnllarheit gelassen hat, daß sie sich einer für sie ungünstigen Entscheidung keines­wegs zu fügen gedenkt, und daß sie 'ihr Recht nötigenfalls mit den Waffen verteidigen wird. Man rechnet deshalb auch in Genf schon damit, daß die Frage einer IInterfommif- sion zur Weiterbehandlung über­wiesen wird. Da England ab:r an einer bal­digen Entscheidung gelegen ist. wird man damit rechnen können, frift es Chamberlain als Haupt­aufgabe in Genf betrachtet, den Versuch zu machen, durch Derhandtungen mit den Vertre­tern der Türkei doch noch ans Ziel zu kommen. England wird aber dabei in seinen Ansprüchen stark zurüogehen müssen, da sonst ein Rachgeben der Türkei kaum zu erreichen ist.

Die junge türkische Republik braucht das Gebiet zu ihrer wirtschaftlichen Konsolidierung und wird dementsprechend keine Mittel scheuen, um das Ziel zu erreichen. Fraglich ist, ob ge­rade England im jetzigen Augenblick Reigung zeigt, sich in eine kriegerische Auseinandersetzung einzulassen. Die Versuche Englands, durch Pro­

paganda das Mossulgebiet für ein Jrakterrito- rium gelten zu lassen, sind gescheitert. Ein Ein­geständnis Englands liegt schließlich auch schon darin, daß es sich gegen ein Plebiszit in diesem Gebiete sträubt. Gs geht bei dieser Ent­scheidung nicht allein um strategische und um Petroleumsragen, der Mossu,streit hat sich durch die Länge seiner Dauer zu einer gewissen Pre- stig est r a g e für England enttoielt, die immer dann von der Politik in den Vordergrund ge- choben wird, wenn sich alle Berechnungen und Kalkulationen als verfehlt erwiesen haben.

Die Abrüstung.

Die englich-srattzösischerr Gegensätze.

Genf, 8. Dezember. (Telegraphen-älnion.) Das Programm zur Vorbereitung einer inter­nationalen Abrüstungskonferenz ist nunmehr von dem Komitee des Völkerbundes festgelegt worden. Der Versuch, das englische und das französische Memorandum in .Uebercinftimmung zu bringen, erwies sich als schwieriger, als man vermutet hatte. Immerhin war es im Laufe des Sonntags gelungen, in acht von zehn Punkten eine Llebereinstimmung zu errechen. Die Punkte, in denen keine Einigung bisher erzielt wurde, und in denen der Dölkerbundsrat nun­mehr eine Entscheidung zu fällen hat, sind fol­gende: Von französischer Seite wird eine ge­naue Prüfung der Kriegskräfte eines jeden Staates verlangt, das heißt mit andern Worten, eine Kontrolle über die ge- lamte Rüstungsindustrie und ihre verhältnismäßige Stärke. Diese Kon­trolle sei, so heben die Franzosen hervor, gleich­falls notwendig, um die wirtfchaftllchen und mllitärischen Sanktionen, die der Para­graph 16 der Völkerbunds! atzungen vorsieht, wirksam zu gestalten, damit ein jeder Staat, der bedroht sei, genau wisse, mit welcher Hllfe er von anderen Dölkerbundsmitgliedern zu rech» nnen habe.

Der zweite Punkt betrifft die Verbin­dung der Sicherheits- mit der Ab - rüstungSfrage. Hi:r wird von den Fran­zose die allerengsts Verbindung dieser beiden Probleme verlangt, denn ohne Sicherheit sei an eine Abrüstung nicht zu denken. Die Engländer sind im Gegensatz hierzu der Anschauung, daß der Dölkerbundspakt genügend Si­cherheit biete. Man müsse zu der neuen politischen Lage das Vertrauen haben, daß sie die Sicherheit gewährleiste und bei einer Bedro­hung für ausreichende Hilfe Gewähr leiste. Cs komme daher nicht so sehr auf den Umfang der Rüstungen an. sondern vielmehr daraus, mit welcher Schnelligkeit sie im Kriegsfälle in Er> sch.inung treten würde und in welchem Zeitraum man mit wirksamer Hilfe rechnen könne. Die moralische Garantie sei wichtiger als alle Äon» trollmahnahmen. Bei einem Empfang der Presse erflirte Lord Robert Cecil, daß der älnterschied zwischen der engllschen und der französischen Auf­fassung sich mehr auf die Methode als auf den Charakter der Abrüstung beziehe.

Unerhörte Deutschen- bedrückung in Tirol.

Faszist sche Mindrrheitenpolitik im Geist von Locarno".

Innsbruck. 7. Dez. (ÄvTV.) Dach hier eingetroffenen Nachrichten aus Bozen berfotgen die italienischen Behörden mit allen erdenklichen Mitteln die Erteilung deutschen Unterrichts. Den Volksschultehrern ist durch Rundschreiben unter Androhung der Entlassung aufgegeben worden, die Schulkinder nach im Orte etwa erteil­tem deutschen Privatunterricht auSzu- fragen. Ergibt sich der Verdacht eines solchen Unterrichts, so erfolgen Hauss uchungen und Beschlagnahme aller vorgefundenen deutschen Bücher. Wer Privatunterricht erteilt, wird, wenn er nicht Ortsansässiger ist, ausgewiesen oder infi Gefängnis geworfen. Die Ortsansässigen werden mit Geldstrafen belegt. In den letzten Tagen wurde der pensionslvs entlassene Leh rer Kaps, der in Pranin deutschen Pri­vatunterricht' erteilt hatte, nach St. Johann in Ahrn abgeschoben, dort verhaftet und in das Gefängnis von Druneck gebracht, wo er feit adjrt Tagen in elendem Zustande gefangen gehalten wird.

Ein Heilerer unglaublicher Vorfall ereignete sich vor einigen Tagen in Dozen. Eine Groß- ficma lieferte mittels Handwagen Oel an einen Dozener Kaufmann. Beim Abladen des OeleS muhte der Handwagen kurze Zeit unbewacht auf der Straße stehen gelassen werden. Plötzlich war er verschwunden und die Firma erhielt die Mitteilung, daß der Wagen bei der Po­lizei gegen 12 Lire abgeholt werden könnte. Ein Arbeiter der Firma löste den Wagen auS. Als er die Einhändigung des Wagens int Amtslokal tätigte, wurde er von den an­wesenden Faschisten plötzlich verprügelt und konnte sich nur durch rasche Flucht retten. Doch die Faschisten jagten hinter ihm her und ver­folgten ihn durch verschiedene Straßen. Als sie seiner endlich habhaft geworden waren, eskor­tierten sie ihn unter Schlägen zur Polizeiwache. Dort wurde er unter erneuten Schlägen ge­zwungen, die frühere österreichische Fahne anzuspucken und mit Füßen zu treten, sowie öie italienis che Trikolore dreimal zu küssen. Den Bitten des Ge­schäftsinhabers gelang es endlich, den armen Menschen, der nichts verschuldet hatte, freizu­bekommen.

Neue BesatzuntzsZasten.

München, 7. De;. (TU.) In Zweibrücken hat die Desahungsbehörde für die dauernde Unter­bringung eines Regiments von 2200 Mann einen Saal und 8 6 Wohnungen angeforderl. Unter den Wohnungen befinden |id) acht für Stabs- Offiziere, darunter eine mit 14 Zimmern. 13 Wohnungen für Hauptleute. 30 für Leutnants und 35 für Unteroffiziere. (Eine Erfüllung dieser Forderungen der Besahungsbebörde ist besonders Im Hinblick auf die jetzige kalte Jahreszeit un­erträglich. Durch diese Maßnahme werden 80 Familien auf bte Strafte gesetzt.

Die Erledigung der Lusitama-Ansprüche".

Washington, 7. Dez (Wolff.) Die deutsch-amerikanische Entschädigungskom- mission hat die beiden letzten 5er 194 Scha­benersahsorderungen wegen der Versenkung der Lusitania" abgewiesen. Im ganzen wur­den wegen desLusitania"-Falles Entschädigun­

gen von zusammen 2 409 413 Dollar zugespro­chen. Zn vierhundert anderen Fällen wurden insgesamt 13 146 059 Dollar an Entschädigungen bewilligt. Don den bis jetzt bewllligten zusam­men über 167 Mlllionen betragenden Entschädi- gungen entfallen 4 750 000 Dollar auf die. Stan­dard Oil Compagnie of Rew Zersetz, 950 000 auf die Ocean Steamsbip Compagnie, 950 000 auf die Amerikanisch-Hawaiische Dampfschiff- fahrtsgesellschaft und 510 978 auf die Firma Paul M. Warburg.

Zuspitzung der Lage in China.

London. 7. Dez. (£11) Die Rachrichten aus China sind neuerdings außerordent­lich spärlich. DieTimes" berichtet aus Pe­king, daß eine große Anzahl von Truppen Feng- hustangs in der Richtung auf Tientsin marschieren. Es verlautet, daß ein Teil der Honcm-Armee zur Unterstützung Fengyusiangs herbeieile. Der Couverneur von Tientsin bat Fengyufiang in sehr heftigen Ausdrücken be­kämpft. Er ist offenbar bereit, den Kamps mit ihm aufzunehmen. Die Eisenbahnlinie Peking Tientsin ist eingestellt wor­den, da die Gleise aufgerissen worden sind. Alle verfügbaren Cifenbahnwaggoirs in der Rähe von Peking find von den Militärbehörden beschlag­nahmt worden.

Zn Tokio herrscht erhebliche Empörung über die angeblichen unbegründeten chinesischen Vorwürfe, wonach Japan Tschcmtsolin unter­stütze. Man befürchtet, daß derartige Behaup­tungen daS chinefis^jap.n.schr Verhältnis trü­ben könnten. Zm japanischen Kabinett wurde gestern festgestellt, daß die bisherige Politik der Richteinmifchung in die chinesischen An- gclegArbeiten unverändert bestehen bleiben solle, doch könne man keine Feindseligkeiten in der f üdmandschurifchen Eisen» bahnzone dulden.

In japanischen Negierungstreisen befürchtet man, daß eine Niederlage Tschangsolins den Verfall der Mandschurei nach sich ziehen wird, die dann leicht eine Beute Sowjetrußlands werden dürfte. Ferner ist man um das Schicksal der man» dschurischen Banknoten, den sogenannten Militärnoten, besorgt, von denen über 50 Millionen chinesische Dollars im Umlaufe sind, und von denen ein großer Teil durch die Ankäufe Tschangsolins in Japan und durch den Privathandel in japa­nische Hände gelangt ast.

Damaskus erneut bedroht.

Beirut, 8. Dez. (WTD.) Aus der Gegend von Damaskus werden ernste Kämpfe ge­meldet. Zn Damaskus ist die Lage außerordent­lich gespannt, da es den Aufständischen gelingt, fast in das Stadtinnere einzudringen. Zahl­reiche Einwohner verlassen die Stabt. An wich­tigen Punkten der Stadt sind wieder Barrikaden errichtet worden. Außerdem zeigen sich, beson­ders im Maidanviertel plündernde Banden. Der französische Obrrkommissar wird sich nicht eher nach Damaskus begeben, bis der Frieden gesichert ist. Sobald dies geschehen ist, soll Syrien sowie Dschebel-Drus eine Verfassung erhalten, allen, die die Waffen freiwillig niederlegen, soll sicheres Geleit versprochen werden.

Kleine politische Nachrichten.

In der deutschen Botschaft in Washington fand eine Feier statt, bet welcher der Botschafter von Maltzan dem früheren Oberkommandierenden der amerikanischen Truppen im Nheinlande. Gene­ral Allen, ein Diplom der Universität Frank­furt a. M.. in dem dieser zum Ehrendoktor der Medizin ernannt wird, überreichte, in Wür­digung der Verdienste des Generals um das Hilfs- werk für die deutschen Frauen und Kinder.

Die Verwaltung der Hamburg-Amerika-Linie teilt mit. daß sie ein neues 21 000 Bruttaregister- tonnen großes Schiff der Albert-Ballin-Klaste bei Blohm & Boß für die Neuyorker Fahrt in Auftrag gegeben hat.

In Moskau wurde die Internationale Eisenbahnkonferenz eröffnet, die die Ein­richtung eines durchgehenden Verkehrs zwischen Westeuropa und Ostasien über Rußland zum Ziele hat. Die geplante direkte Strecke ist mit über 14 000 Kilometer die größte der Welt. Die Reise dauert von Tokio bis Paris ungefähr 14 Tage. Die Vertreter Deutschlands und Lettlands traten dafür ein, die Linie über Riga zu führen, während sich die polnischen Vertreter für Warschau ausspra­chen. Diese Frage wurde einer Kommission über­wiesen. e

Die Schweiz hat Deutschland, Oesterreich und Italien vorgeschlagen, gegenseitig auf das Paßoisumzu verzichten, soweit es sich um die Einreise zum Antritt einer Stellung handel!

Aus aller Welt.

Treibeis auf dem Rhein.

Seit Samstag führt der Rhein Treibeis. D'e Buchten und schmalen Uferstellen sind be­reits gefroren. Die Rheinschisfahrt ist noch in mäßigem Betrieb, wird aber, falls der Eisgang stärker wird, im Laufe dieser Woche eingestellt werden. Auch die L ahn ist auf ihrem ganzen Lause von oberhalb Marburg bis Kolenz zu- gefcoren. Die Schiffahrt ist auf der Mosel und der Lahn vollständig eingestellt worden. Der Motorbootverkehr auf dem Rhein ist eben­falls eingestellt worden.

Selbstmord einer Berliner Opernsängerin.

Vergangenen Freitag traf die Sängerin Zinaida Iur.jeroskaja von der Berliner Staatsoper in Andermatt ein und bestellte ein Zimmer im Gasthaus,Lur Krone", ohne es jedoch zu benutzen. Bald darauf begab sie sich ohne Begleitung nach der T e uf e l s b r ü cke. Seitdem wurde sie nicht mehr gesehen. Da man bei der Teufelsbrücke Mor­phium und ein Rasiermesser fand, nimmt man an, daß Selbstmord vorliegt. Es wird ange­nommen, daß die Sängerin sich a mStraßenrand niedergesetzt, eine Mer geöffnet und sich bann in den Fluß ftineingleiten ließ. In ihrem Koffer fand man 100 Schweizer Franken und etwa 100 Dollar.

WettervorcrirHsa-ic.

Vorerst weiter kalt, wenig Milderung, durch­weg trocken.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum Mi­nus 9,2 Er. C., Minimum Minus 18,5 Gr. C. Heutige Morgentemperatur: MlnuS 17.8 Gr. C.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 8. Dezember 1925,

Auf dsm WeihnachLsmarkt beim Bienenkorb.

War das ein Betrieb am Samstag im Klub! Der Saal und die Reberrräume gestopft voll. Und die Besucher in gebefreudigster Stimmung was ja die Hauptfachs war, damit die Rechnung der Veranstalter auch richtig aufging! Einige Stunden der Zerstreuung nach dsS Tages Last und Mühen waren bereitet zu dem ausgesproche­nen Zweck, sie nutzbar zu machen für die. die wir als die Schützlinge des Bienenkorbs kennen, hier einmal zu opfern, je mehr je besser. Und für- wahr, Zerstreuung wurde in vielfältigster Weife geboten, aber auch der andere, der Hauptzweck wurde in bester Weise erreicht: ein Ueberschuß von rund 3003 Mk. für die emsigenBienlem" der kann sich seh-n lassen.

Der Rachmittag gehörte den Kindern. Das kleine Voll hatte diel Freude, brsorrdess. als der Rikolaus kam. Frau Erna Schumann be­reicherte diese Stunden mit einigen netten Kinder­tänzen. die von Schülerinnen der Ghmnastikschule Schumann-Grundmann in lobenswerter Weife aufgeführt wurden. Daß darneben noch allerlei weiteres geboten wurde, was Kinderherzen er­freut, versteht sich von selbst. Schokolade. Kuchen, alles zu billigsten Preisen gern gekauft... na, das junge Völkchen kam auf seine Rechnung!

Die Abendstunden und deren Fortsetzung gehörten demgroßen Volk". Es kam ebenfalls nicht zu kurz. Dabei auch hier alles zu den billigsten Prei­sen. Ein Einsahrts-Tarif" war in Geltung. Ob man nun im Mokka-Salon" saß, oder Würstchen mit Senf verzehrte, oder den Wein oder das Bier probierte, ein Los kaufte, wobei aber nur wenige das Glück des Gewinnens hatten, ober das Ka­barett oder sonst irgendeine Annehmlichkeit sich ver­schaffte, alles nur 50 Ps. Lediglich die Raucher hat­ten die Wahl zwischen billiger und teurer; natürlich wurde das letztere zuerst angeboten und selbstver­ständlich auch gekauft um des guten Zweckes willen. In dielen Genüssen erschöpften sich die An­nehmlichkeiten des Abends aber durchaus nicht. Eine abwechslungsreich zusammengestellte Dortragsfolge bot den Besuchern im Hauptsammelpunkt desgro­ßen Treffens", im Saal, erlesene künstlerische Dar­bietungen, die man sich für den höherenFahrpreis", nein Eintrittspreis von 1 Mk. zu dem Wohltätig- feitsfeft gleich miterkauft" hatte. Die reizenden Kindertänze vom Nachmittag wurden hier noch einmal wiederholt und bereiteten viel Freude. Frau Ilse Schrnidi-Wissendorf und Hrer F. Loun boten mit ihren Gesängen aus den Schöp­fungen Bizets und Nich. Wagners reiche fünft- lertsche Genüsse. Frl. Alice Graes bot vortreffliche Violindarbietungen, Frl. Ilse Graes erfreute mit ausdrucksvollen Tänzen; dasselbe ist von der ernsten Tanzkunst des Herrn Hans Erwin Steinbach zu sagen. Und schließlich das Sing-LustspielSeine Schwester", in dem Frau Ilse Schmidt-Wissendorf und die Her­ren Dr. H a e b e r m e h l und Dr. v. Grün d° Herr auf der improvisierten Bühne ein reizendes Spiel entfalteten. Am Klavier waltete als Beglei­terin zu verschiedenen Darbietungen Frau Rechts­anwalt Spohr vortrefflich ihres Amtes. Daß alle Darbietungen mit wohlverdientem, reichen Beifall ausgezeichnet wurden, bedarf wohl als Selbstver­ständlichkeit keiner besonderen Betonung. Und dann trat der Tanz die Herrschaft an. Es soll spät, nein früh geworden fein, als der Bogen zum letztenmal über die Salten der Geige strich. Wann das war . ich war nicht dabei, und man braucht ja auch nicht alles zu wissen?

Schließlich noch ein kurzes Wort der verdienten Anerkennung den Kräften, die tatfroh und selbstlos an de^ Herrichtung dieses Weihnachtsmarkts gewirkt haben. Neben der verdienstvollen Vorsitzenden Frau Else Rosenberg ist da zunächst Frau Else Thome zu nennen, die mit unermüdlichem (Eifer das Arrangement besorgt, mit gutem Geschmack und viel Geschick die Ausschmückung des Saales ge­leitet, die Budenentwürfe gefertigt hat und mit Rat­schlägen stets zur Stelle war. Bereitwillige Förde­rung fand sie bei ihrem Wirken in der selbstlosen Mitarbeit der Schreinermeister Karl Beil, Hai­ner und Luch, der Möbelfabrikanten Stück- r a t h und W e i n e rt, der Malermeister Schmoll, Schmidt und Petri, des Tapeziermeisters Beiz, des Elektrotechnikers Balser und einiger Gärtnereibesitzer. Unsere Geschäftswelt hatte in dan­kenswerter Weise die verschiedenen Verkaufsstände des Msnds reich mit Genußmitteln aller Art aus- gestattet, und wo zur Deckung anderer Erfordernisse Geld notwendig war, hotten Herren der Industrie in lobenswerter Großzügigkeit gebefreudig geholfen. Schließlich kommen noch die unermüdlichen Be­mühungen der freundlichen Wirtinnen und Bediene­rinnen des Abends in den verschiedensten Verkaufs- ständen und .Lokalen" des Marktes hinzu, ferner dis umsichfioe Kofsenflihrung durch fünf Herren der Mitteldeutschen Crebitbank, und endlich auch dos opferfreudige Publikum selbst. Diesem trefflichen Zusammenwirken ist der volle (Erfolg der Veranstal­tung zu danken: die rund 3000 Mark für die flei­ßigen und doch so schwer ringendenBienlein".

Die Jagd Dezember.

Bringt auch der Wcihnachtsrnonat den Jägern viele Weidmannsfreuden, so sollte doch jeder Jünger S.t Hubert! vor ollem von dem Gesetz erfüllt sein: ..Schutz und Hege dem Wilde und ollem, was Gott in Feld und Wald zur Belebung der Natur und zur Freude des Menschen geschaffen hot!"

Das weibliche Edelwild ist jetzt besonders feist. Starke Hirsche stehen allein oder mit ihresgleichen in Rudeln gesondert. Geringe Hirsche, Spießer und Gabler gehen mit dem gerubelten Mutterroilde. Stille dichte Kiefern- und Tonnendickungen mit sonnigen Berglehnen werden als Standort bevor­zugt. Wer sein W'.ld lieb hat, wird rechtzeitig die Futterplätze in Ordnung gebracht und dafür gesorgt haben, daß er bei starkem Schneefall etwas zu bieten hat. Im Falle der Not' fälle man Espen, Pappeln und andere Weichholzbäume. Starke Hirsche werden auf pfleglich behandelten Revieren nicht mehr ge- schofsen. Zur Regelung des Wilbstondes erlegt man olle gelten Tiere, auch geringe Hirsche.

Im allgemeinen gilt für" bas Damwild dos eben für das Edelwild Gesagte. Bei starkem Frost steht das Damwild gerne in fest zugefrorenen Brü­chen, wo es bei mangelnder Aesung die Laubholz- ftämrne schält. Dos Verhältnis in den Geschlechtern ist durch sinngemäßen A--s st ouszugkeichen. Als feiner Vroten empfiehlt sich 'Abschuß eines Spießers oder eines Schmaltieres. Bei Treibjagden ist beson­ders zu bestimmen, wieviel Schaufler abgefchoffen werden dürfen.

Die Sauen sind in die Rauschzeit getreten und stecken gerubelt in den unzugänglichsten wärmsten

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