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alles daran setzen müsse, um das von Grabski eingebrachte Sanierungs - Programm möglichst durchzuführen, da nur ein wirtschaftlich gesundes Polen Frankreich als Bundesgenossen willkommen sein könne.

Die interparlamentarische Konferenz.

Washington,?. Okt. (Wolff.) In der Sitzung der Konferenz der Interparlamentarischen Union sprachen 2 u i d d e und S o l l m a n n über die Frage der entmilitarisierten Zonen und äußerten sich gegen die Schaffung ständiger Kontroll­kommissionen. General S p e a r s betonte, daß die entmilitarisierten Zonen beiderseitig sein müssen, und daß die Schaffung dauernder Kontroll­kommissionen nicht erforderlich sei. Sollmonn erklärte, Deutschland sei nach wie vor bereit, mit seinen west­lichen Nachbarn über beiderseitig entmilitarisierte Zonen zu verhandeln. Eine von Munch- Däne­mark eingebrachte Entschließung wurde angenommen, in der gefordert wird, daß die Methoden der Rüstungsbeschränkung durch Unterausschüsse gründ­lich geprüft werden. Diese Ausschüsse sollen einen Plan aufstellen, um die Einschränkung der Rüstun­gen herbeizuführen. Das Mitglied der englischen Arbeiterpartei Hudson erklärte, daß die Engländer sich an jeder Konferenz der Westmächte beteiligen würden, in der eine weitere Begrenzung der Rüstun­gen zur See oder Einschränkung der Rüstungen zu Lande beraten werden würde.

Die Konferenz nahm dann eine Resolution an, die eine Llntersuchung der wirt­schaftlichen Schranken zwischen den Län­dern Europas verlangt. Diese Untersuchung soll von dem Gesichtspmckt einer schließlichen Ab­schaffung dieser Schranken ausgehen. Ferner wurde eine Resolution des Schweizers Micheli einstimmig angenommen, worin die Ständige Kommission beauftragt wird, bei den Landes­gruppen eine Untersuchung über das parlamentarische Sy st em ar^usteUen und über deren Ergebnisse zu berichten. Professor Dr. Schücking wurde für den ausscheidendenGrafen A p p o n h i zum Mitglied des Vollzugsaus­schusses gewählt.

Die deutsche Delegation hat heute nachmittag in Mount Vernon durch den Reichstagspräsi- denten L oe be einen Kranz a nt Grabe Ge­orge Washingtons niederlegen lassen. Auf dem vom Staatssekretär Kellogg gegebenen Bankett sprach im Namen der deutschen Dele­gation Dr. Wirth. Gr dankte für die Hilfe, die Amerika sowohl auf charitativem Gebiet tote durch die Aufstellung des Dawesplanes. der den ersten Schrit' zur Stabilisierung Europas darstellte, seit dem Waffenstillstand Europa geleistet habe und stimmte den Worten des Präsidenten Eoolidge zu, daß die Geister abgerüstet werden und der krasse Gegensatz aufhören müsse, wenn die Menschheit zu einer wirklichen Verständigung kommen wollte.

Ausstand in Griechenland?

Sofia, 8. Ott (T.11.) Die Regierung in Sofia erhielt Rachrichten, daß in Griechenland ein Auf­stand ausgebrochen fei, der die D i e d e r e i n f ü h - rung der Monarchie bezwecke und an dem venifelos beteiligt fein fall. Die Regierung habe eine proflamation erlassen, in der sie die Souve­ränität des Volkes anerkenne und erkläre, wenn das Volk für die Monarchie stimmen wolle, werde die Regierung Pangalos bereit sein, den König ins Land zurückzurusen. Auch wurde die Mobili­sierung angeordnet.

Fortgang der Operationen in Marokko.

Paris, 7. Olt. (WTB.) Der von Abb el Krim wegen angeblichen Verrats füsilierte Außenmintster Si Mohamed Azerkane ist, wie Havas berichtet, der Schwager Abd el K r i m s gewesen. Man habe ibn als die Seele des Rifkrieges bezeichnet und glaube, daß er den Versuch gemacht habe, gegen seinen Schwager mit älnterstützung der Kcuds Partei zu ergreifen. Deshalb sei Abd el Krim unerbittlich gewesen. Die Erschießung des Außenministers habe bei den Aufständischen eine Spaltung ' ervorgerufen.

Aach den heute abend aus eingetroffe­

nen Nachrichten gehen die Operativ um in Ma­rokko trotz der anhalten Regen­güsse günstig weiter. 3m östlichen Front­abschnitt nähern sich die französischen Truppen bereits der diplomatischen Grenze. Sie haben gegenwärtig eine durch folgende Punkte cha­rakterisierte Linie beseht: SchaujaAadorSidi WasliKarusSi MubarekAin SorahBab SukkaDjebel Du Aidur. Da die von Norden aus operierenden spanischen Truppen gleich­falls südwärts vorrücken, ist das zwischen den beiden Linien liegende weite Gebiet der Ges- naja und Beni du 3ahia so gut wie etn- geschlossen. An allen Frontabschnitten sind weitere Unterwerfungen zu verzeichnen, durch die Abd el Krim bedeutend an Kriegern ein- büßt. Abd el Krim scheint seine treugebliebenen Truppen in dem im Herzen des Rifgebietes liegenden Gebirge neu zu sammeln.

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Das Deck. Tagebl." meldet, daß der mit einer Munitionsladung nach Marokko bestimmte Dampfer Saint Drieux auf der Reede von Bordeaux in die Luft geflogen ist. Angeblich soll es sich um einen kommunisti­schen Anschlag handeln. Die Zahl der Toten und Verwundeten steht noch nicht genau fest. Es wird angenommen, daß etwa 40 Wann der Besatzung getötet oder verletzt worden sind.

Französische MiMärjustiz.

Bonn, 7. Okt. (Wolff.) Der Reichswehr­fähnrich Otto Dühring vom Reichsweyrinsan- terieregiment 1 war zu seinen Eltern in Elberfeld a u f 11 r I a u b, hatte die Jahrtausend ausstellung in Köln besichtigt und wollte eine Radtour daran anschließen. Er fiel einem französischen Gendar­men dadurch auf, daß er ein schwarzweißrotes Fähnchen an seinem Fahrrad angebracht hatte. Er wurde fest genommen und bei ihm sein Urlaubsschein von der Reichswehr sowie ein Zivilpaß vovgefunden. Gr hatte jedoch nicht den für Reichswehrangehörige vorgeschriebenen S p e - zialausweis zur Einreise in das besetzte Gebiet. Er stand gestern vor dem französischen Kriegsgericht Bonn. Der französische Militär- staatsanwalt beantragte angesichts der offen­kundigen Harmlosigkeit des Vorfalles (die Anklage lautete nicht auf Spionage» zwei Mo­nate Gefängnis, die der verbüßten Unter­

suchungshaft entsprochen hätte. Das Gericht ging über diesen Antrag weit hinaus und verurteilte Dühring zu einer Gefängnisstrafe von einem 3 ahr und zu einer Geldstrafe von 200 Mark.

Deutschlands Wirtschafts­beziehungen zum Ausland.

Berlin, 7. Ott. (Wolff ) Wie den Blättern mitgeteilt wird, sind die im Laufe des Sommers von Deutschland abgeschlossenen Handelsverträge sämtlich ratifiziert worden mit Aus­nahme des H andelsvertrages mit beit Ver­einigten Staaten von Amerika, dessen Ratifikation jedoch ebenfalls in kurzem er­folgen wird. Mit G ro tz b ri t an n i en wer­den demnächst Besprechungen über einige Zoll­fragen stattfinden. bei welchen beide Parteien ihre Wünsche darlegen werden. Um Handels­verträge im eigentlichen Sinne handelt es sich mithin bei diesen Besprechungen nicht. 3m Laufe des Winters ist vorerst der Abschluß des deutsch-russischen Handelsverträ­ge s zu erwarten. Die deutsche Delegation ver­handelt zur Zeit in Moskau über einige russische Wünsche, die jedoch von untergeordneter Bedeu­tung sind. Die Zustimmung der russischen Regie­rung zu dem Handelsvertrag dürfte heute oder morgen bereits eintreffen. Unerledigt sind noch die Handelsverträge mit Frankreich. 3ta- lien, Polen und Spanien. Nachdem Frankreich das deutsche Angebot gegenseitiger Meistbegünstigung abgelehnt hat, wird jetzt wieder auf der alten Basis verhairdelt. wobei jedoch einige Vereinfachungen vorgeitommen wurden. Deutschland hat seine Vorschläge der französischen Regierung schriftlich übermittelt. Die schriftliche Antwort der französischen Regierung steht bevor.

Die Verhandlungen selbst dürften etwa am 15. Oktober beginnen. Das Handelsprovisorium mit 3 t a [ i e n läuft am 31. Oktober ab. Die deutsche Delegation ist bestrebt, dis dahin die Unterzeichitung des Vertrages zu erzielen. Hin­sichtlich der Handelsvertragsverhandlungen mit Polen ist die Lage auch weiterhin vollständig ungeklärt. Die polnische Delegation ist bisher noch nicht aus Warschau abgereift. Der spa­nischen Regierung sind von deutscher Seite neue Vorschläge übermittelt worden. Es ist aller­dings kaum zu hoffen, daß es bis zum 15. Okt. zum Abschluß eines Abkommens kommen wird. Mit diesem Zeitpunkt würde dann ein ver­trag s l o se r Zustand eintreten. Es haben ferner folgende Staaten den Wunsch, mit Deutsch­land in Handelsvertragsverhandlungen einzutre­ten, geäußert: Tschechoslowakei. O e ft e r- reich, Schweiz. Niederlande, Un­garn, Südslawien, Finnland, Schwe­den. Von diesen Staaten dürften die Verhand­lungen mit der Ts chechoslowakei und Oesterreich im Laufe des November in Berlin beginnen . Mit der Schweiz werden in diesen Tagen Verhandlungen über den Abschluß eines Heinen Provisoriums ihren Anfang nehmen. Ver­handlungen über ein weilergehendes Abkonunen sollen sich dann anschließen Eine niederlän­dische Delegation wird demnächst in Berlin eintreffen.

Die landwirtschaftlichen Kredite.

Berlin, 7. Oft. iTU.) Der HauptauS- schuß des preußischen Landtages be­handelte am Mittwoch die Frage des landwirt­schaftlichen Kredites. Zur Behandlung stand eine volksparteiliche große Anfrage, in der Mil­derung der Rückzahlungsbedingun­gen der Reichsbank gefordert wird; ferner ein Zentrumsantrag, die preußische Seehandlung zu veranlassen, daß auf weitere Senkung der Zinssätze hingewirkt werde. Gin Regie­rungsvertreter sagte au, daß die Seehandlung der Landwirtschaft dadurch entgegenkommen soll, daß das erste Drittel bis zum 15. November, das zweite Drittel bis zum 10. Dezember und das letzte Drittel bis zum 1. 3anuar beglichen wird. Der preußische Staat, der 80 Millionen gegeben habe, wird im Notfälle bis zum 1. 3a- nuar warten. Außerdem wurde Kenntnis genom­men, daß die Reichsbackk gruirdsählich an der Rückzahlung bis zum 31. Dezember festhalten wolle, daß aber in des anderen Not fällen eine Hinausschiebung bis zum 31. Ja­nuar möglich fein soll. Weitere Verhandlungen finden heute im Reichsernährungsministerium statt. Mit Rücksicht auf diese Verhandlungen stellte man die Abstimmungen für den Gegenstand auf Donnerstag zurück.

Hessischer Landtag.

Annahme des Kommunalwalilgesetzes.

Darmstadt, 7. Okt. Die Beratungen des Plenums beginnen um 10* Uhr. Mg. Reiber (Dem.) richtet eine Kleine Anfrage an die Regie­rung über den Rechtsweg bei Versorgungs­fachen der Schutzpolizei. Ministerialrat S p a m e r erwidert darauf, daß, wenn Zweifel über den Rechtsweg beständen, die Reichsregierung zu­ständig sei.

Hierauf tritt das Haus in die Tagesordnung ein, auf der die W a h l v o r l a g e für die Kam- munalparlamente steht.

Dor Eintritt in die Spezialdebatte erhalt das Wort als Berichterstatter des Gesetzgebungsaus­schusses der Abg. Recht, en (Soz.), der die ein­zelnen Anträge der verschiedenen Parteien zu dem Gesetzentwurf mitteilt und die Beschlüsse des Aus­schusses hierzu.

Präsident Adelung ruft sodann die einzelnen Artikel der Vorlage auf und teilt die Fassung mit, die ihr der Ausschuß gegeben hat.

In Artikel 1 wird die Zahl der Stadtverord­neten, Gemeinderäte und Kreistagsmitglieder be­stimmt. Ein Antrag Felder (Zentr.), wonach durch Ortssatzung die Zahl der Stadtverordneten fest- gesetzt werden rann, wie dies früher war, wird mit großer Mehrheit a b g e l e h n t.

Artikel 2 (Wahl der Gemeindevertreter und Kreis- tagsmitalieder aufdreiJahre) wird in der Aus­schußfassung angenommen. Ein Minderheitsantrag auf Streichung der Worteund die Kreistagsmit­glieder' wird abgelehnt.

Atikel 3 wird in Ucbereinftimmung mit dem Ausschuß angenommen.

Slrtifel 4, der für die Stirn mberechtigung ein Alter von 20 Jahren und eine Wohnsitzdauer von (> Monaten verlangt, wird, nachdem die Minder­heitsantrage abgelehnt sind, in der Ausschußfassting angenommen.

Auch dem Artikel 5, der die Bestimmungen über die A u S s ch l i e ß u n g von Stimmberechtigten aus besonderen Gründen enthält, wird zugestimmt.

Die folgenden Artikel werden ohne wesentliche Debatte in der Ausschuhfassung angenommen.

Es wird dann sogleich die zweite Le­sung vorgenommen. 3n der zweiten Lesung und im ganzen stimmen dem Gesetz zu die Sozial­demokraten, das Zentrum, die Demokraten und die Deutschnationaleii. Dagegen stimmen die Deutsche Volkspartei, der Bauernbund und die Kommunisten. Das Gesetz ist also durch die Mehrheit des Hauses im wesentlichen in der A u s s ch u ß s a s s u n g angenommen.

3n zwei Lesungen wird hieraus eine Re­gierungsvorlage über ein Beamtensied- lungsgesetz angenommen, ebenso eine Re­gierungsvorlage über die Erweiterung des ehemaligen Garnisonlazaretts in Gießen. Es handelt sich, wie Abgeordneter Dr. Werner mitteilt, um eine Nachtrags­forderung von rund 100 000 Mark, dafür werden aber andere Bauvorhaben der ilnioerfität z u- r ü ck g e st e l l t. Gegen die Vorlage stimmen nur die Bauernbündler.

Nachdem dann noch verschiedene Ausschuß­wahlen erledigt worden sind, erstattet Abg. Schreiber Bericht über die dem Hause als Regierungsvorlage zugegangene hessische Verord- nüng über Straffreiheit. Die Vorlage wird angenommen.

Nächste Sitzung Donnerstag.

Kleine politische Nachrichten.

Die Besprechungen zwischen dem Reichs­präsidenten und Tschitscherin haben sich, wie die Blätter von zuständiger Seite er­fahren, im wesentlichen um wirtschaftliche und kulturelle Fragen allgemeiner Natur gedreht. Aktuelle Probleme sind dabei nicht be­rührt worden.

Der Magistrat der Stadt Frankfurt am Main beschloß, den Herrn Reichspräsiden­ten zu bitten, mit seinem für Mitte Oktober in Aussicht genommenen Besuch bei den Regierun­gen in Stuttgart, Karlsruhe und Darmstadt einen Besuch der Stadt Frankfurt a. M. zu verbinden.

Reichspräsident p. Hindenburg wird der sächsischen Landesregierung den bereits seit längerer Zeit in Aussicht ge­stellten Besuch am D o n n e r S t a g , den 15. Ok­tober, abftatten.

Der Reichspräsident hat den bis­herigen ungarischen außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister v. G m i ch zur Ent­gegennahme seines Abberufungsschreibens emp­fangen. An dem Empfang nahmen außer den Herren der Umgebung des Reichspräsidenten in Abwesenheit des Ministers des Auswär­tigen Ministerialdirektor im Auswärtigen Amt Dr. Köpke teil.

Der Vorstand der Hess. Zentrums- Partei hat den Parteitag auf Sonntag, den 25. Oktober, nach Frankfurt a. M. einberufen. Auf der Tagesordnung steht ein Referat über Reichspolitik unter besonderer Berücksichtigung des Falles Wirth, f erner Referate über Länder- und Schulpolitik.

Von den beteiligten Reichsministerien und obersten Landesbehörden wird allgemein aner­kannt, daß bei der gegenwärtigen Entwicklung des Verkehrs ein Bedürfnis für eine einheit­liche Regelung des gesamten Stra­ßenverkehrs vorliegt. Zu einer Beratung hierüber hat das ReichsverkehrSministerium die beteiligten Behörden eingeladen. Die Bespre­chung findet auf Vorschlag Bayerns vom 8. bis 10. Oktober in München statt.

Der Aktionsausschuß der österreichi­schen Bundesange st eilten gibt bekannt, daß bei der Abstimmung über' die Frage, ob im Falle des Nichtzustandekommens von Ver­handlungen über die Beamtenbesoldung zum Mittel des Streikes gegriffen werden soll, 92,8 Prozent der Abstimmenden für den Streik gestimmt haben.

Der Chef des amerikanischen Luftfahrwesens im Marineamt, Kontreadmiral Moffe11, er­klärte. die verunglückte Shenandoa'h würde durch ein Luftschiff nach dem starren System erseht werden, das in den Vereinigten Staaten -gebaut würde. Das neue Luftschiff soll ein Fassungsvermögen von 6 Millionen Kubikfuß haben, während die Shenandoab ein Fassungs­vermögen von nur 2 Millionen Kubikfuß hatte.

Aus aller Welt.

Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels.

Berlin, 7. Okt. (WTB.) Der Hauptausschuß der Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels erörterte auf feiner unter Vorsitz von Heinrich Grünfeld abgehaltenen Tagung die Maßnahmen der Reichsregierung zur S e n k u n g der Preise, die mangels wirksamer Erfassung der Ursachen einen Erfolg zu dem verkündeten Termin vom 1. Oktober nicht hätten herbeiführen können. Unter Ablehnung aller zwangswirtschaftlichen Experimente brachte die Versammlung den ernsten Willen zum Ausdruck, wirtschaftlich richtige Versuche der Reichsregierung namentlich zur Verringerung der wirt­schaftsverteuernden öffentlichen L a st e n zu u n t e r st ü tz e n. Außerordentlich scharf war die ablehnende Stellung zu einem Gesetzentwurf über einen endgültigen Reichswirtschafts­rat, der dem Einzelhandel nur eine durchaus un­zulängliche Vertretung einräumt. Die Haupt­gemeinschaft des Deutschen Einzelhandel be­kämpft grundsätzlich die Gewährung von Rabatt-Versprechen. Die Verabfolgung von Zugaben, die eigenen Gebrauchswert be­sitzen, wird als unlauterer Wettbewerb gekenn­zeichnet. Unlauterer Wettbewerb liegt insbe­sondere dann vor, wenn die Zugabe von dem Einkauf in bestimmter Höhe und Menge ab­hängig gemacht wird.

Die Frage, in welcher Form Sicherungen dafür geschaffen werden können, daß nur be­sonders geeignete und vorgebildete Personen die Berechtigung erhalten, Geschäfte des Lebens- mitteleinzelhandels selbstxiwdig zu leiten und Lehrlinge auszubilden, wurde dahin ent­schieden. daß eine Kommission zu prüfen hat, nach welchen Leitgedanken ein derartiges Prüsungs- ^verfahren zu gestalten ist. Der Hauptausschuß sprach sich für baldmöglichste Abschaffung der Luxussteuer au« und fordert, da stallen in Wu­cherstrafsachen Bestraften die Möglichkeit geboten

wird, die Wiederaufnahme des Ver­fahrens vor den ordentlichen Straf-, richtern zu erwirken, da die in der Inflations­zeit gefällten Wuchergerichtsurteile nach der heu­tigen Auffassung rechtlich nicht haltbar seien.

Raubmord.

Der Schlossergeselle Brinkmann, der sich auf feinem Fahrrad von Greifswald nach G ü st r o w zum Besuch von Verwandlen begeben wollte, ist dort nicht eingetroffen. Bei Nach­forschungen nach seinem Verbleib sand man ihn tot in einem Straßengraben im Gruben- Hagener Walde. Da das Fahrrad fehlte, vermutet man Raubmord.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 8. Oktober 1925.

Vorläufige Bevölkrerungsbilanz in Hessen.

Wir entnehmen den ..Mitteilungen der Hess. Zentralstelle für die Landesstatistik" die nach­stehenden Betrachtungen:

Die vorläufigen Ergebnisse der Volks-, Berufs- und Betriebszählung vom 16. 3 u n i 1 925 ermöglichen endlich einen klaren Einblick in die Veränderungen, STe^rn der Be­völkerung während des Krieges und nachher vor sich gegangen sind. Allerdings kann es sich bei einer solchen Bevölkerungsbilanz zunächst nut um vorläufige Ergebnisse handeln.

Da die Zählung 1925 eine Sommerzählung ist. und ein großer Teil der Bevölkerung zu dieser Zeit auf Reisen war. so müßte, um ein­wandfreie Ergebnisse zu bekommen, nicht die ortsanwesende Bevölkerung, sondern die Wohn­bevölkerung zugrunde gelegt werden. Bei einem Weltbad wie D a d - N a uh e i m ist der Frem­de nz u st r o m so stark, daß die ortsanwesende Bevölkerung dort das Bild der Entwicklung der Bevölkerungsverhältnisse von Hessen roll- ständig entstellen würde. Bad-Nauheim ist seit 1910 (Winterzählung) von 5694 Einwohnern auf 14 606 im 3ahre 1925, also um 8912 gestiegen« Deshalb ist es nötig, wenigstens für Bad-Nau­heim die Wohnbevölkerung einzusehen. Sie be­trägt auf Grund vorläufiger Feststellung 7685 Personen.

Die B e v ö l k e r u n g s z u n a h mc in Hessen beträgt seit der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 nach der vorläufigen Fest­stellung 70155 Personen: davon sind 18 033 männliche und 52 122 weibliche.

Der llnteridjteb zwischen beiden Geschlech­tern von 34 000 scheint sich leicht zu erllären. wenn man die Zahl der 32 523 während des Krieges gestorbenen Militärpersonen damit ver­gleicht. Es liegt die Vermutung nahe, daß darin einfach das Mehr an männlich gestorbenen Per­sonen zum Ausdruck kommt, und daß ohne diei Kriegsverluste Hessen auch eine Zunahme von 52 000 statt 18 000 Männern aufzuweisen hätte, und damit eine Gesamtzunahme von 104 000 statt 70 000 Personen.

Bei näherem Zusehen ergibt sich aber, daß der Unterschieb in der Zunahme beider Ge­schlechter noch andere Ursachen hat. Ein Teil der Kriegsverluste wurde schon durch eine um 3000 geringere Sterblichkeit der männlichen Zivilbe­völkerung (127 000 Männer gegenüber 130 000 Frauen), ein anderer Teil durch das erheblichs Mehr von 13 000 Knabengeburten (201 000 gegen 188 000) ausgeglichen, so daß nur nach ein Rest von 18 000 mehr gestorbenen Männern aufzu­klären bleibt. Der Geburtenüberschuß im Zeitraum zwischen den beiden Volkszählungen 1910 und 1925 betrug nämlich bei den Knaben rund 41 700, bei den Mädchen rund 57 700, ins­gesamt rund 99 000. Gegenüber der oben mit­geteilten Bevölkerungszunahme ergibt sich dem­nach eine Mehrabwanderung von 29 000 Personen, davon 23 500 Männer und 5500 Frauen, woraus abermals hervorgeht, daß die geringere Zunahme der männlichen Bevölkerung nur zur Hälfte auf eine größere Männersterb- lichkeit, zur anderen Hälfte aber auf eine stärkere Abwanderung zurückzuführen ist.

3n den ländlichen Kreisen ist der W an­der u n g s v e r l u st bei beiden Geschlechtern an­nähernd gleich. 3n den Städten dagegen ist er bei den männlichen Personen erheblich größer, in Worms 2300 gegen 500, in Mainz 9900 gegen 2600. Die weibliche Bevölkerung hat sogar einen Wanderungsgewinn in Darmstadt von 1800, in Offenbach von 300, in Gießen von 560 Per­sonen. Bei der männlichen Tevöllerung in Darm­stadt ist zwar kein Wanderungsverlust, aber auch kein Geburtenüberschuß zu verzeichnen.

Der ^Interschied im Wanderungsgewinn bzw. -Verlust zwischen männlicher und weiblicher Be­völkerung ist ine den Städten ohne Zweifel auf die Beseitig"ung der Garnisonen zu­rückzuführen. Daß in Darmstadt das nicht in einem Wandcrungsverlust der männlichen Be­völkerung zum Ausdruck kommt, beweist, daß hier nicht nur 2400 weibliche, sondern etwa eben» soviele männliche Personen mehr zugewandert sein müssen.

. Soweit es sich um preußische Kontingente! handelt, wie bei Mainz, bedeutet die Aufhebung der Garnison einen Wanderungsverlust, der sich als solcher in Gesamthessen bemerkbar macht. Soweit aber, wie bei den übrigen Städten, Garnisonen verschwunden sind, die sich in erster Linie aus der hessischen Bevölkerung rekrutierten, müßte das Minus in den Städten als Plus auf dem Land wieder auftauchen. Daß aber auch dort überall ein Wanderungsverlust vorhanden ist, mit Ausnahme von Groß-Gerau, zeigt, daß wirklich eine starke Abwanderung ein­gesetzt hat, und zwar übersteigt sie eine etwaige Zuwanderung noch um 1617 000 Personen, nach­dem der Verlust von 7000 durch die preußische Garnison Mainz erflärt ist. Den Wanderungs- Verlust der Frauen übersteigt sie demnach noch um 11 000.

3m besetzte nGebiet ist außerdem noch zu berücksichtigen, daß eine Anzahl Personen nicht ersaßt würben, weil sie in den Gebäuden: wohnen, die von der Desahungsbehörde beschlag­nahmt sind oder im Haushalt von Angehörigen» der Besatzungsmächte bedienstet waren.

Gießener Wochenmarktpreise.

am 8. Oktober.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter Pfund 210 bis 220, Matte 40, Käse 70. Wirsing 10 bis 12, Weißkraut 6 bis 8. Rotkraut 15, gelbe Rüben 12 bis 15, rote Rüben 10, Spinat 25, Römischkohl* 10. Bohnen 25 bi8 35. Unter- Kohlrabi 7, Grünkohl 20, Rosenkohl 30, To­maten 30 bis 35, Zwiebeln 10 bis 12, Meeret- tich 40 bis 100, Kürbis 6 bis 8, Pilze 20 bis 30,